Donnerstag, 9. Oktober 2008

Manchester-Kaffeetalismus

Wer sich noch wundert, warum die Mitarbeiter der San Francisco Coffee Company meist schlecht gelaunt sind, sollte die „Süddeutsche Zeitung“ (Seite 60) von heute lesen. Behinderung der Gründung eines Betriebsrats, überwiegend befristete Arbeitsverträge, überfälliges Urlaubsgeld, Probezeitketten von bis zu zwei Jahren und Stundenlöhne wie bei McDonald's oder Pizza Hut, obwohl die Preise für den small Cappuccino to stay für diese Art liebloser Systemgastronomie im Luxussegment angesiedelt sind: Die Vorwürfe der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sind massiv. „Wir möchten, daß die Mitarbeiter sich anstrengen“, entgegnet Geschäftsführerin Katharina Bernau-Seiguer darauf.


Kommentare:

Marc hat gesagt…

Sorry, aber Dein Posting ist relativ tendenziös. Und zwar zum positiven hin. Nicht nur die schlechte Laune der MitarbeiterInnen ist offensichtlich, auch die teilweise erschreckende Unfähigkeit, ihrem Job fachlich (Tempo, Merkfähigkeit, Freundlichkeit, handwerkliches Können etc.) auch nur im mindesten gerecht zu werden, fällt auf. Dagegen sind McDonald's o.ä. MitarbeiterInnen ja wie Leute aus einem 6-Sterne Betrieb.

Dorin Popa hat gesagt…

Touché!

Anonym hat gesagt…

Nun ja, ein bisschen muss ich hier wohl meine Kollegen verteidigen... Ich bin als Mitglied des Betriebsrats mit den verschiedenen Problemen vertraut, auch was Schulungen, Gehälter und Mitarbeiterführung angeht.
Die Hauptgründe für die "erschreckende Unfähigkeit" sind vor allem in der Auswahl, Schulung und der Dauer der Beschäftigung des Personals zu suchen. So werden hauptsächlich jüngere Personnen ohne Berufserfahrung eingestellt. Da die Geschäftsführung jedoch vermeiden will, dass unbefristete Verträge überhaupt zustande kommen (spätestens nach zwei Jahren), ist für praktisch jeden Mitarbeiter nach zwei Jahren Schluss (von ca. 150 Beschäftigten 7 unbefristete Verträge). Das widerum führt zu einem nicht zu ersetzenden Verlust von Fachkenntnis und Kompetenz, was sich dann vor allem beim Kunden bemerkbar macht.
Ganz abgesehen davon hat die Bezahlung nichts mit dem Tarifvertrag gemein. Die 7,05€ sind für Mitarbeiter im Rotationssystem (z.B. Burger zusammenklappen, abräumen etc.) eingeführt worden, eine Tätigkeit, die es bei SFCC überhaupt nicht gibt. Das Resultat sind eine hohe Fluktation und eine gewisse Unlust unter den Beschäftigten.
Mir persönlich tut es leid, dass dieses, an sich ganz gute Konzept, die Kunden und die Mitarbeiter unter dem exotischen Gebaren Einzelner leiden müssen.

Dorin Popa hat gesagt…

Ich war bis vor zwei Jahren auch Stammgast im SFCC und gehe zumindest im Arabellapark auch noch regelmäßig hin. Insofern muß ich Dir zustimmen, daß natürlich nicht unbedingt immer die Mitarbeiter schuld sind, sondern wie so oft der Fisch vom Kopf her stinkt. Wenn die Angestellten schlecht gelaunt, überfordert oder nicht sonderlich motiviert sind, liegt es natürlich nicht daran, daß sie schlechte Menschen wären, sondern an den Arbeitsbedingungen.

Marc hat gesagt…

Ich sehe das selbstverständlich auch so. Nur nützt es mir - als inzwischen nur noch sehr sporadischem SFCS-Kunden - nichts, wenn ich das alles zwar intellektuell weiß; Aber dann bei einem scheinbar überforderten (und lustlos schlecht gelauntem) Mitarbeiter in einem leerem Laden ca. 5 Minuten auf eine Chai-Latte warten muß. Und das ist eben leider nicht die Ausnahme!!!

Das alles aber nur auf die Arbeitsbedingungen zu schieben, wäre mir zu einfach. Wenn ich einen Job mache - egal unter welchen Bedingungen - dann mache ich ihn gut und bewußt, oder ich lasse es sein. Stinkender Kopf hin oder her!