Sonntag, 23. November 2008

Der Hungerkünstler aus der Burgstraße

„Jetzt haben sie meine Rente doch glatt erhöht, um zwei Euro auf 123 Euro. Mit geht’s da wie dem Valentin. Den ham’s auch verhungern lassen.“
„Das schöne Gefühl, Geld zu haben, ist nicht so intensiv, wie das Scheißgefühl, kein Geld zu haben.“


Adrian Prechtel von der „Abendzeitung“ interviewt Herbert Achternbusch anläßlich seines 70. Geburtstages


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hoffentlich werd' ich nicht so im Alter.

Dorin Popa hat gesagt…

So mittellos oder so verbittert?

Anonym hat gesagt…

So verbittert.

Er muss auch mal gut verdient haben. Und eigentlich war er schon immer so.

Dorin Popa hat gesagt…

Ich denke in Sachen Geld genau umgekehrt: Kein Geld zu haben ist ein Normalzustand, während Geld zu haben bei mir wie ein Drogenrausch wirkt.

F. Kapinski hat gesagt…

da ist ein tipfehler. nicht mit sondern mir... (sic!)

ansonsten schließe ich mich dem an: um kurz zu zitieren,

"... Wieviel war es denn eigentlich fragte ich mich. Das Gewicht zog meine Taschen hinunter. Ich nahm alles heraus und zählte es sorgfältig. Es waren genau 2875 Franc und 35 Centimes. Mehr als ich gedacht hatte. Die 75 Franc und 35 Centimes musste ich loswerden. Ich wolle gerne eine runde Summe, glatte 2800 Franc. (...) in mir liefen die Dinge noch seidenweicher als je ein Rolls-Rocye. In mir war wie Samt. Samtene Hirnrinde und samtene Wirbelsäule. Und samten geölte Achseln! Wie? Es ist etwas Wundervolles, eine halbe Stunde lang Geld in der Tasche zu haben und es dann hinauszuschmeißen wie ein betrunkener Matrose. Man hat das Gefühl als gehöre einem die ganze Welt. Und das beste daran ist, dass man nicht einmal weiß, was man damit anfangen soll. Man kann sich zurücksetzen und den Taxameter hochklettern lassen, kann sich vom Wind die Haare zerzausen lassen, man kann anhalten und einen Drink nehmen, kann ein dickes Trinkgeld geben und davonschlendern, als wäre es das Alltäglichste von der Welt. Aber man kann keinen Wandel herbeiführen. Man sich sich nicht den ganzen Dreck aus dem Leib spülen. ..." aus: Henry Miller, Wendekreis des Krebses, Schlußkapitel. Rowohlt, 1963

Anonym hat gesagt…

Es gibt kaum einen Künstler, dem so viel ergebene Verehrung entgegen gebracht wird. Dass er auf alles so abweisend reagiert, scheint fast eine Attitude. An ihm merkt man jedenfalls, wie die Jahrzehnte vergehen und auch man selbst immer älter wird. Auf jeden Fall: Alles Gute, Herbert Achternbusch, wenn auch nachträglich.

Anonym hat gesagt…

Eine Reaktion auf den AZ-Artikel:

http://www.salamandra.de/tagebuch/start.php

Dorin Popa hat gesagt…

Danke für den Hinweis, schön, nach so langer Zeit wieder von Luisa Francia zu lesen.