Mittwoch, 13. Mai 2009

Digitale Hybris oder Weichspüler 2.0

Bei aller Diskussion um die vermeintliche Konkurrenz zwischen Bloggern und Journalisten überkommt mich gelegentlich der Verdacht, daß die digitale Bohème gar nicht die Lohnschreiber ablösen will, sondern die Lohnplärrer vom Rummelplatz. Denn wer, wenn nicht Schausteller, neigen zu diesem selbstverliebten Geprahle, daß immer dann virulent wird, wenn die Bytonauten ihren Internetkosmos verlassen und eine echte Bühne betreten. Ob Roman Libbertz mit seinen Bloggershows („beste Lesung seit 4 Jahren in München“, „Die literarische Zukunft Deutschlands“), Bosch, Sascha Lobo & Mspro mit ihren Twitterlesungen oder Deef, Violette von Rosenweiß und Kapinski mit ihrem Sex, Drogen, Clubbing-Event am 20. Mai („Wer das verpasst, ist entweder tot oder im Knast.“). Stets wird auf den Putz gehauen, als ob es um die Wahl des größten Prahlhans aller Zeiten ginge. Wird ein freundliches Zitat von sueddeutsche.de der „Süddeutschen Zeitung“ zugeordnet, was ein bedeutsamer Unterschied ist. Wird geschwurbelt, als ob mir ein 9live-Busenwunder eine Homeshopping-Kollektion andrehen wollte. Und wenn es von sonst so sympathischen und schlauen Vorzeigewebbern wie diesen kommt, schmerzt es doppelt. Macht weiter, aber bitte nicht, als ob Ihr Waschmittel verkaufen würdet.

Update: Abstimmen nicht vergessen!


Kommentare:

Hans hat gesagt…

Sehr interessant.Ich finde die ganze Seite sehr gut.Bin mal gespannt auf dein nächsten Bericht:)

Dorin Popa hat gesagt…

Und ich dachte schon, Du beschwerst Dich ob des Prahlhanses

Cara hat gesagt…

Danke, Dorin !

Ich hatte in der Vergangenheit mit allen Veranstaltungen dieser Art, mit denen ich auf unterschiedliche Weise in Berührung gekommen bin, immer das gleiche "Problem" , nämlich, dass Kritik dazu nicht ankommt.
Vielleicht liegt es daran, dass man Kritik allgemein als negativ empfindet, in diesem Fall auch als unangemessen, weil es sich, wie man mir auch wiederholt sagte, eigentlich ja nur um Spaß handle.

Für mich ist aber "Spaß" nur dann wirklich gut, wenn er sich auch ernstnehmen lässt, wenn man ihn kritisch hinterfragen darf und Antworten kommen, die mein Interesse an der Sache ebenso würdigen.

Wenn ich feststelle, dass kritische Fragen abgewiegelt werden oder die "Spaßvögel" keinerlei Selbstkritik ausüben, dann ist für mich (!) der Spaß schnell vorbei, bzw. es ist kein Spaß, es ist lediglich Klamauk.
Und dafür kann ich auch auf den Rummelplatz gehen, falls ich das Bedürfnis dazu hätte.

Ich stimme Dir zu:
wer ernsthaft etwas zu bieten hat, der soll bitte weitermachen und doch gerne mal darüber nachdenken,
welches Publikum man mit welchen Formen seines Auftritts erreicht (oder eben vergrault).

Dorin Popa hat gesagt…

Na ja, bei allem Ernst stört mich ja eher, daß zumindest Deef & Co die Selbstironie abzugehen scheint, ohne die die Selbstbeweihräucherung schnell unerträglich wird.

Ansonsten kann ich Dir zustimmen, daß solche Größen wie Deutschlands „literarische Zukunft“ auf Kritik sehr dünnhäutig reagieren.