Sonntag, 2. November 2008

Bloggerdämmerung – Webbashing in der Frankfurter Allgemeinen (Updates)

Wenn die Printmedien etwas aus dem Internet gelernt haben, dann offenbar die Kunst, überspitzt und beleidigend zu formulieren – wenn's ums Internet geht. Das aktuellste Beispiel (natürlich nur kostenpflichtig online) stammt aus der heutigen „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, in der Richard Wagner (sein Foto sagt alles) auf der Meinungsseite unter dem Titel „Lauter Blogwarte“ so ordentlich vom Leder zieht, daß ich mich lachend im Café wälzte:

„Nervig ist auch, dass Internetfreaks sich in einer selbst angedichteten Herrlichkeit als mediale Avantgarde des 21. Jahrhunderts aufspielen und auf die traditionellen Medien herabschauen – ungefähr wie der Floh auf den Hund. Auch der holt sich seinen Content durch Saugen.“

„Bizarr wirkt auch die Begeisterung für das vielstimmige Internet als kraftvolle Quelle demokratischer Lebendigkeit, wie sie von Bloggern zur Schau gestellt wird, bei denen es zu einer Festanstellung leider nicht gereicht hat.“

„Der Blogger bleibt der arbeitsweltliche Asoziale, mit dem draußen keiner spielen wollte.“


Updates: Rivva mit diversen Blogreaktionen wie Medienlese oder Robert Basic, außerdem auch Grüne Mode, Tutsi, Carstens Logbuch (alternative Fassung), A blog about nothing, RunkenBlog, lanu, Hannaxel – interessant, was Rivva alles nicht registriert, zumindest lanu hätte ich da erwartet...
Pierre Markuse, pelastop summelsarium, Nummer 15, Übermüdet

Wen und was Richard Wagner sonst so alles verachtet, fasst Boris Rosenkranz am 27. April 2016 in Übermedien zusammen und zieht zum Schluß das Resümée: „Was Wagner so Reaktionäres von sich gibt und wofür die FAZ ihm Raum ausräumt, ist nicht verboten. Es sagt lediglich viel aus über die FAZ und darüber, wo sie steht. Ganz zu schweigen von Richard Wagner, der dort steht, wo man, wenn man sich zart bewegt, an die Maus von Beatrix von Storch stößt. Und wer will das schon, außer der sogenannte FAZ-Dichter.“

(Foto: Evanherk/Wikipedia)


Kommentare:

Hans hat gesagt…

Will jetzt aber nicht wirklich mit ihm spielen...

Klaus hat gesagt…

Wieder einmal ein Mensch mehr, der das Internet im Allgemeinen und die Blogger im Besonderen zum Feindbild für all die ewig Gestrigen machen will. Die Aggression die aus den Worten spricht, zeigt mehr als deutlich die Überforderung mit dem Medium Internet und die wohl daraus resultierenden, irrationalen Ängste. Zeigen wir also Verständiss, Sanftmut und Mitleid mit dem Aggressor.

Anonym hat gesagt…

Viel Feind, viel Ehr.

Dorin Popa hat gesagt…

Ist doch schon Strafe genug, bei der „Frankfurter Allgemeinen“ angestellt zu sein...

Sascha Stoltenow hat gesagt…

Post von Wagner! Wenn ihn "Beim Blick in die unendlichen Räume des Netzes (...) das Gewimmel von bloß Gemeintem, Halbgarem, von Pöbeleien, Befindlichkeitstiraden und geistigen Feuchtgebieten grausen (macht)", ernenne ich ihn hiermit zum Papier-Blogger.

Beobachter hat gesagt…

Heißen eigentlich alle, die solche geistigen Ergüsse vom Stapel lassen, "Wagner", so wie der Geistesblitz von BILD?

Dorin Popa hat gesagt…

Die halten sich halt alle für Jung-Siegfried und diesmal sind wir Blogger der Drachen oder wie ging das gleich wieder....

Tutsi hat gesagt…

Schon eine tolle Diktion: Menschen mit Ungeziefer zu vergleichen und dann auch noch das tolle Wortspiel mit dem Blockwart, vielleicht schenke ich Herrn Wagner zu Weihnachten ein Probeabo der "Deutschen Nationalzeitung" (kein Link!) , dort wird offenbar ein ähnlich bescheidener Schreibstil gepflegt..

Rest des Artikels:
http://www.tutsi.de/faz-redakteuer-richard-wagner-poebelt-gegen-blogs/2008/11/03/tutsi-blog-aktuell/

Konnte hier leider keinen Trackback setzen :-(

Gruß aus Berlin

Mac hat gesagt…

WAU! Sie können diesen Beitrag zum Preis von 2,00 € für 24 Stunden nutzen.

Ich glaube die meisten Beiträge sind extra so geschrieben ... damit man ein Abo holen muss.

Lukas hat gesagt…

"Post von Wagner" trifft's ganz gut.

Aber erstaunlich, dass Journalisten, die doch eigentlich für neue Dinge offen sein sollten, auch im Jahr 2008 noch den heiligen Gral in der Festanstellung zu sehen scheinen.

Nicht weniger erstaunlich, dass sich Blogger immer noch provozieren lassen.

Dorin Popa hat gesagt…

@ mac, günstiger kommt's, wenn man über die „F.A.Z.“-Syndication das Recht erwirbt, den Beitrag auf einem privaten Blog online zu stellen. Dann kostet's nur 30 Euro für 30 Tage.

@ Lukas, Gral hin oder her. Aber bisher waren Politiker dafür zuständig, Andersdenkende als Asoziale abzukanzeln.

Ganz davon zu schweigen, daß ich es seltsam finde, Meinungsfreiheit an einen Anstellungsvertrag zu knüpfen.

F. Kapinski hat gesagt…

mein favorit:

der blogger wäre der asoziale mit dem keiner spielen will.

dabei spielen wir alle gern miteinander.
online UND offline.

Dorin Popa hat gesagt…

Spielen? Gern! Aber nicht mit allen! Also zumindest nicht offline mit Stalinorgel Knüwer, DonA, Peitschen-Borchert, Heiko Hebig und und und. Auch ein Blogger hat seinen Stolz und noch mehr guten Geschmack.

Offen gesagt bloggen die meisten, mit denen ich spiele, nicht. Lesen auch kaum Blogs. Und ich spiele auch nicht mehr wie früher mit Journalistinnen. Das ist zumindest bei mir eine erfreuliche Weiterentwicklung.

felix hat gesagt…

Der Mann ist einfach nur frustriert, weil er keinen Hals hat (siehe Foto).