Montag, 2. Februar 2026

Wochenplan (Updates)

Programmvorstellung Mietendemo / Bellevue di Monaco;  Eröffnung des Innovationszentrums der Bundeswehr in Erding und Pressetermin im Karrierecenter der Bundeswehr mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius; Wahlkampfveranstaltung der Münchner Linken mit Heidi Reichinnek (Foto) / Freiheitshalle; Jahrespressekonferenz MuSeenLandschaft Expressionismus / Infopoint Museen und Schlösser in Bayern; OB Dieter Reiter / Presseclub; Gastvortrag Laurentius Eschlböck: „Jüngere Änderungen im Ordensrecht und ihre Folgen für das Leben der Ordenschristen, et vice versa“ / LMU; Festakt 200 Jahre Ludwig-Maximilians-Universität in München und Amtseinführung des neuen Universitätspräsidenten Matthias Tschöp / Große Aula der LMU; Festakt „Gestalter mit Klarsicht“ zum 100. Geburtstag von Hans-Jochen Vogel mit Andreas Voßkuhle, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Christian Ude & Franz Maget / Altes Rathaus; Lesung „Annette Kolb – Zwischen uns. Briefe der Freundschaft“ / Literaturhaus; Premiere von Marc Rothemunds „Ein fast perfekter Antrag“ mit Iris Berben und Heiner Lauterbach / Astor im Arri; Vollversammlung des Münchner Stadtrats / Rathaus & Livestream; Pressekonferenz München-O-Mat zur Kommunalwahl / Presseclub; Pressetermin Kassenzone der Zukunft / V-Markt; Eröffnung der Industrial AI Cloud / KI-Fabrik der Telekom im Tucherpark & Innovation Center Marsstraße; Amtsübergabe des Staatlichen Hofbräuhauses an den neuen Direktor Jörg Lehmann / Hofbräuhaus; Weiße-Rose-Gedächtnisvorlesung mit Natalie Amiri / Audimax der LMU; Artist Talk Sarah Zagefka & Larissa van Look / Lohaus Sominsky; „Zukunft findet Stadt“ mit Elisabeth Merk, Ursula Münch & Christina Wolf / Literaturhaus; Vernissagen Diplom-Ausstellung / Akademie der Bildenden Künste, Nnenna Okore: „The Way Things Are“ / Behncke, Ksenia Hnylytska: „Ewigkeiten“ / Halle 6 und Master-Ausstellung / Akademie der Bildenden Künste; „Digitale Teilhabe“ – Jahrestagung Netzwerk Medienethik / Katholische Stiftungshochschule; Jahrespressekonferenz des Bayerischen Brauerbunds / Brauerhaus; James L. Brooks' „Ella McCay“ mit Emma Mackey, Jamie Lee Curttis, Albert Brooks & Woody Harrelson / Disney+; Pressekonferenz zum Baufahrplan der Deutschen Bahn bei der Zweiten Stammstrecke; Richtfest und Pressebegehung Residenzstraße 24; Eröffnung der Studienfakultät Gesundheit & Pflege / Hochschule München; OB-Check – das Herausforderer-Gespräch des Kreisjugendrings mit Clemens Baumgärtner, Dominik Krause, Jörg Hoffmann, Stefan Jagel, Tobias Ruff & Verena Dietl / Black Box im Fat Cat; Podiumsdiskussion „KI schreibt Geschichte – Chance oder Risiko?“ mit Michael Gödde, Daniel Harrich, Birgit Kappel, Sylvia Rothe & Holger Wendling / Archäologische Staatssammlung; Mehr Lärm für München: Disco und Diskurs mit Ricarda Lang & Dominik Krause / Prygoshin; Premiere von Albert Ostermaiers „Munich Machine“ mit Brigitte Hobmeier als Klaus Lemke und Musik von DJ Hell / Residenztheater; Mietendemo: „Uns glangt's! Mieten runter!“ / Odeonsplatz; Münchner Premiere von Christian Freis Dokumentarfilm „Blame“ / Monopol; Olympische Winterspiele / ARD, ZDF & HBO Max; LUNAspecial Maskenball / Nightclub des Bayerischen Hofs; Konferenz „(Dis)comfort Zones – Antisemitismuskritik in Kunst und Kultur“ mit Stella Leder, Barbara Mundel, Doron Rabinovici, Mirjam Wenzel, Daniel Kühnel, Anton Biebl u. a. / Therese-Giehse-Halle; SuperBowl LX: New England Patriots vs. Seattle Seahawks / ProSieben

Sonntag, 1. Februar 2026

Wahlhelfende in Zeiten von Apps und Bayern-ID: München fehlen noch 1.000 von 14.000 Kräften zum Auszählen der Stimmen

Bei meinen ersten Einsätzen als Wahlhelfer wurde ich noch bar bezahlt. An jedem Wahltag machten sich ein oder mehrere Männer vom Kassenamt auf den Weg, klapperten sämtliche Wahllokale ab und überreichten die Aufwandsentschädigung cash gegen Quittung. An und für sich auch ein guter Aufhänger für einen ganz anderen Krimi am Wahltag: Was, wenn die Geldboten überfallen worden wären? 

Später sparte sich die Landeshauptstadt den Aufwand und überwies die Aufwandsentschädigung. Seit der Europawahl 2024 ist nicht mehr nur die Bezahlung digitalisiert, sondern die vollständige Erfassung und Betreuung der Wahlhelfenden.

Das sorgt derzeit im Vorfeld der Kommunalwahl am 8. März für einige Verwirrung. Auf Sozialen Medien wie Linkedin und Facebook kursieren irritierte Meldungen wie: „Warum sucht München so dringend Wahlhelfer/-innen (neudeutsch "Wahlhelfende"), dass Werbung in der S-Bahn geschaltet wurde? Es ist kompliziert: Man braucht eine "Bayern ID", einen digitalen Personalausweis, muss eine App installieren und am Ende braucht man einen Kartenleser oder ein NFC-fähiges Handy. Sich bei Elster einzuloggen ist auch für irgendwas gut, reicht aber nicht. Dann müssen halt die Generationen ran, die gern über die analog aufgewachsenen Generationen lästern. Viel Spaß mit den panaschierten und kumulierten Stimmzetteln und den Auswertungs-Bögen, auf denen 80 Kreuzerl pro Wähler anfallen.“

So kompliziert sei das alles überhaupt nicht, widerspricht das Kreisverwaltungsreferat (KVR) auf Anfrage: „Die Anmeldung als Wahlhelfende*r erfolgt zwar über das BayernID-Portal, es müssen aber lediglich E-Mailadresse und Passwort angegeben werden. Online-Ausweis, App, Kartenleser oder ELSTER-Konto sind nicht erforderlich. Die Wahlhelfenden benötigen nicht einmal ein Smartphone, da sich die Anmeldeseite auch am Computer im Browser öffnen lässt.“

Das bisschen Technik scheint auch nicht den Zustrom an Interessierten zu hemmen. Laut KVR war die erforderliche Zahl an Wahlhelfenden bei der letzten Bundestagswahl innerhalb von weniger als zwei Wochen erreicht und beim Bürgerentscheid zur Olympiabewerbung innerhalb von neun Stunden.

Bei Kommunalwahlen tut man sich generell etwas schwerer, weil man mit 14.000 Kräften deutlich mehr Leute als bei Bundestags- (2025: 7.700) oder Europawahlen (2024: 6.400) braucht und das länger: die Auszählung kann nicht am selben Tag beendet werden, sondern geht am Montag weiter. Schließlich haben die Wählenden beim Stadtrat und den Bezirksausschüssen vielfältige Möglichkeiten, ihre Stimmen zu vergeben (Listenwahl, Kumulieren, Panaschieren, Streichen von Kandidierenden). Das auszuwerten kostet Zeit.

Außerdem sind zu den Kommunalwahlen erheblich mehr Gremien in den Wahlräumen und bei der Briefwahl vorgesehen. Zum Vergleich: Zur Bundestagswahl 2025 gab es 470 Wahlräume (= Wahl- bzw. Stimmbezirke), zu den Kommunalwahlen 2026 werden es 686 Wahlräume (= Stimmbezirke) sein. Bei der Briefwahl waren es zur Bundestagswahl 473 Gremien, jetzt werden es 670 Briefwahlgremien sein. Nur für diese zusätzlichen 413 Gremien werden schon mehr als 4.000 Wahlhelfende benötigt.

Doch trotz des erhöhten Bedarfs an Helfenden fehlen derzeit nur noch rund 1.000 von 14.000 benötigten Kräften. Falls noch jemand am 8. und 9. März Zeit sowie Bock auf praktizierte Demokratie hat und sich als Wahlhelfer*in beim Wahlhelfer-Portal anmelden will: Je nach Aufgabe im Wahlvorstand erhalten Wahlhelfende eine Aufwandsentschädigung zwischen 130 und 180 Euro. Für den Einsatz am Sonntag können sie entweder einen freien Tag (Beschäftigte im öffentlichen Dienst) oder zusätzlich 50 Euro (alle Wahlhelfenden) beantragen.

Erinnerungen an meinen Vater (32) und die Kunst, eine Krawatte zu binden

Es gibt kaum Fotos meines Vaters Ion Popa, auf denen er ohne Krawatte zu sehen ist. Selbst auf der Wiesn trug er Schlips. Als junger Mann im Bukarest der 1930er- und 1940er-Jahre soll er für seine schicken Krawatten berühmt gewesen sein, wie ich bereits erzählt habe.

Und so habe ich, neben den bereits erwähnten eher theoretischen Dingen, als Kind von ihm auch gelernt, wie man eine Krawatte bindet. 

Ich bin zwar, wie meistens mit meinen Händen, nicht sonderlich geschickt darin und brauche es nur alle ein, zwei Jahre mal, da ich äußerst ungern einen Schlips anlege. Aber ein einziges Mal gezeigt und irgendwie doch nie mehr vergessen.

Samstag, 31. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (31) und das Capșa

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Jeden Abend nach dem Andruck des „Curentul“ Ende der 1930er, Anfang der 1940er-Jahre ging mein Vater Ion Popa ins Capșa. Das legendäre, bis heute existierende Lokal in der Calea Victoriei, einer der Hauptstraßen von Bukarest, war nicht nur für Journalisten der Treffpunkt.

Als ich Anfang der 1990er-Jahre erstmals selbst nach Rumänien reisen konnte, schaute ich natürlich im Capșa vorbei. Und traf später auch einen Schwager meines Vaters, Eugen „Nicu“ Filimon, der damals noch lebte. Filimon war mit Polixenia „Pusy“, einer der Schwestern meines Vaters, verheiratet gewesen und hatte zwischen den Kriegen und/oder während des Zweiten Weltkriegs eine leitende Funktion bei der Rumänischen Nationalbank bekleidet.

Nicu bestätigte mir nicht nur, dass mein Vater gern und oft im Capșa feierte, sondern dass damals auch regelmäßig auf jedem der beiden Oberschenkel meines Vaters jeweils eine Frau gesessen hätte. Wer wie ich oder meine Schwester unseren Vater erst in den 1960er- und 1970er-Jahren erlebte, kann sich schwer vorstellen, dass dieser eher schwermütige, depressive, zurückgezogen lebende Mann in den 1930er- und 1940er-Jahren offenbar ein Schwerenöter und latin lover gewesen sei.

Mein Vater soll in Bukarest auch dafür bekannt gewesen sein, dass er die schicksten Krawatten der ganzen Stadt getragen hat, die er sich regelmäßig in Berlin besorgte.

Freitag, 30. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (30) und unsere Flugreise nach Zürich

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Während meiner Kindheit und Jugend lebte mein Vater sehr zurückgezogen. Anfangs fuhr er noch mit uns im Auto in den Urlaub nach Italien. Selbstverständlich war er dabei, wenn die ganze Familie ihre Flüchtlingspässe in der Straßburger Präfektur verlängerte beziehungsweise erneuerte. Und ganz selten, vielleicht auch nur einmal begleitete er in den 1960er- und 1970er-Jahren meine Mutter und mich auf unseren ständigen Bahnreisen nach Paris. 

Erinnern kann ich mich an kein einziges Mal, aber es gibt zumindest ein Gruppenfoto mit uns, der Familie meines Onkels mütterlicherseits und dessen Schwiegereltern Joffé in Le Vésinet. Da mein Onkel Jean „Ţuţi“ Dragesco nicht auf dem Bild ist, stand er wohl hinter der Kamera.

Um so merkwürdiger ist daher die einzige Reise, die mein Vater und ich allein unternahmen. Wir flogen Mitte bis Ende der 1960er-Jahre nach Zürich. Meine erste Flugreise. Und ich habe nicht die leiseste Vorstellung, warum wir diesen Tagestrip, morgens hin, abends zurück, unternommen haben. Hat er jemanden getroffen? Musste er etwas erledigen? 

Ich kann mich auch nur noch an ein einziges Detail genauer erinnern. Wir suchten einen Spielwarenladen auf und ich freute mich, an einem Märchenautomaten mir eine Geschichte über Kopfhörer vorspielen zu lassen. Nur verstand ich kein einziges Wort. Das Märchen war auf Schwizerdütsch.

(Foto: Aero Icarus/Wikipedia) 

Berater in der Münchner Stadtverwaltung – oder: Wie die Kämmerei mauert und mit Terminen und Begriffen mogelt

Seit einem Jahr analysieren Berater*innen von Partnerschaft Deutschland den Produkthaushalt der Landeshauptstadt München. Teilergebnisse liegen seit Monaten bereits vor, sollen aber bis nach der Kommunalwahl am 8. März geheim gehalten werden. Nachdem Anfang Dezember hier in meinem Blog und wenige Tage später in der „Abendzeitung“ erste Details geleakt wurden,  war die Empörung groß – bei der Stadtkämmerei.

In seiner großen Haushaltsrede vor der Vollversammlung des Münchner Stadtrats Mitte Dezember empörte sich Kämmerer Christoph Frey (Foto) unter dem Beifall des gesamten Stadtrats über den „persönlichen Angriff auf mich, auf jemanden, der sich sein ganzes Berufsleben lang politisch der kommunalen Daseinsvorsorge geradezu verschrieben hat“.

Nun ist es mit der moralischen Empörung gewählter Repräsentanten nicht erst seit Uwe Barschel so eine Sache. Glaubwürdiger wird man damit selbst in der Kommunalpolitik nicht unbedingt.

Ein Blick auf die Zahlen und Begriffe hilft, gerade bei einem scheinbar faktenorientierten Haus wie der Kämmerei.

Bei dem Versuch, sich zu rechtfertigen, dass die Ergebnisse der Haushaltsanalyse durch die externen Berater*innen erst nach dem 8. März publiziert und öffentlich diskutiert werden würden, rekurriert die Kämmerei hartnäckig auf die Behauptung, „die konkreten Ergebnisse“ würden „ – wie zu Beginn des Projektes angekündigt – Anfang des zweiten Quartals 2026 vorliegen“.

Wahr ist dagegen, dass zu Projektbeginn nur allgemein vom Frühjahr 2026 die Rede war und die Stadtkämmerei noch im November 2025 auf meine Anfrage hin schriftlich konkretisierte, die Ergebnisse „im ersten oder zweiten Quartal 2026“ vorzulegen.

Jetzt plötzlich nur noch vom zweiten Quartal zu sprechen, ist höchstens die halbe Wahrheit. Und so zu tun, als ob das nie anders gewesen wäre, der Versuch, rückwirkend einen Zick-Zack-Kurs zu vertuschen. 

Spannend ist auch ein Blick auf das prozedurale Verfahren, ganz unabhängig von den Ergebnissen. Die Kämmerei spricht da gern von „intensiven Austauschen und Workshops“. Der Plural ist zumindest gerechtfertigt, weil es in jedem Referat einen Workshop gab und es nunmal 15 städtische Referate gibt.

Nun will die Kämmerei nicht nur zum Prüfauftrag und den Vertragsbestandteilen keine Stellung nehmen, sondern hält auch die laufenden Beratungsabläufe als interne Verwaltungsvorgänge für geheimhaltungswürdig. Es gibt sogar einen Maulkorberlass, der es den Referaten sowie den städtischen Eigenbetrieben, Beteiligungsgesellschaften, Regiebetrieben und sonstigen Häusern untersagt, mit der Presse zu sprechen. Alle Anfragen darf nur die „federführende“ Stadtkämmerei beantworten.

Nicht alle halten sich daran. Und ich hätte gern ein vollständiges Bild erarbeitet, aber so müssen die Erfahrungsberichte einzelner Beteiligter als pars pro toto dienen.

„Intensive Austausche und Workshops“? Von „intensivem Austausch“ im „Vorfeld und Nachgang der Workshops“ konnte mir seitens der Referate niemand berichten. Ganz zu schweigen von einem „interaktiven Austausch“. Und es gab zumindest in den mir bekannten Häusern eben auch überhaupt nur einen einzigen Workshop pro Referat. 

Nur was ist ein Workshop? Landläufig stellt man sich darunter eine kooperative, moderierte, austauschorientierte, konstruktive Arbeitssitzung vor. Tatsächlich sollen Workshops mit Partnerschaft Deutschland so aussehen, dass die Berater*innen der anwesenden Referatsleitung und deren Haushaltsexpert*innen erklären, was ihres Erachtens alles zu streichen sei oder um die Stadtkämmerei zu zitieren: Welche „Potentiale“ im jeweiligen Haus auszuschöpfen wären. Das allein nimmt schon fast die gesamte veranschlagte Zeit in Anspruch und zum Schluss kann das Referat sich dazu äußern, was es davon für nicht umsetzbar hält. Danach trennt man sich und die Referate werden erst wieder in den kommenden Wochen mit den Endergebnissen konfrontiert werden. Selbst Frontalunterricht ist kooperativer denn diese Workshops.

Das steht offenbar auch im Widerspruch zum anfänglichen Auftrag, denn in einem Interview mit der Abendzeitung vom 31. Januar 2026 behauptet die Fraktionsvorsitzende der Rathaus-Grünen Mona Fuchs: „Wir versuchen auch, nicht nur von oben zu kürzen, sondern fordern die Mitarbeiter auf, Vorschläge zu machen. Das zu professionalisieren, war der Auftrag für PD.“

Diese Einbindung von Vorschlägen der Mitarbeitenden durch Partnerschaft Deutschland scheint nicht stattzufinden, denn Stadträtin Anne Hübner, die Vorsitzende der SPD-Rathausfraktion, betonte in Abgrenzung zur Arbeitsweise der externen Berater von PD: „Da ziehe ich den Diskussionsprozess des Sozialreferats mit der Wohlfahrt und dem KJR vor, in dem man gemeinsam schaut, was es braucht (und was nicht).“

Überhaupt fällt auf, dass manche ehrenamtliche Stadträt*innen längst sehr detailliert informiert sind über die Ergebnisse der Haushaltsanalyse durch Partnerschaft Deutschland. Darauf angesprochen, rechnet sich die Stadtkämmerei das selbst an: „Im Rahmen des von der Stadtkämmerei jährlich veranstalteten Haushaltsseminars wurden die Städträte*innen über den Prozess und Projektstand informiert.“ Als ob die Fraktionsführungen sich nicht regelmäßig mit ihren Referent*innen treffen und detailliert austauschen würden – ganz ohne Zutun der Kämmerei.

In den städtischen Eigenbetrieben, Beteiligungsgesellschaften, Regiebetrieben und sonstigen Häuser traten die Berater*innen von Partnerschaft Deutschland überhaupt nicht in Erscheinung. „Es ist richtig, dass mit dem gewählten Ansatz keine Organisationsuntersuchung – weder in den Referaten noch in den Eigenbetrieben o.ä. stattgefunden hat. Diese wäre im Rahmen des Projektes auch nicht leistbar gewesen“, schreibt die Kämmerei. Die Zuwendungen würden aber durchaus auf dem Prüfstand stehen. Wobei ein Haus mir gegenüber betonte, dass sie eh schon von sich aus „laufend an ihrer Kosteneffizienz“ arbeiteten.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (29) und seine Abscheu vor dem Münchner Hauptbahnhof

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Als Jugendlicher liebte ich den Münchner Hauptbahnhof, weil es dort die ganzen internationalen Zeitungen und Zeitschriften zu kaufen gab, von den „Cahiers du Cinéma“ über „Libération“ bis hin zum französischen „lui“ und den US-amerikanischen „Penthouse Letters“.

Mein Vater hatte dafür überhaupt kein Verständnis. Nicht wegen der erotischen Heftchen, sondern wegen des Ortes an und für sich. Für ihn verkehrten an Bahnhöfen nur Spione und Sex Worker.

Mittwoch, 28. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (28) und die Bombardierung von Dresden

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Mein Vater erzählte, wie er die Bombardierung von Dresden erlebt hat. Die Detonationen, das Feuer, aus der Ferne, aber doch nah genug, dass er den Zug, in dem er damals unterwegs war, verlassen musste, um am Bahndamm Schutz zu suchen.

Nun waren mein Vater, seine Ehefrau, die gemeinsame Tochter und viele mit ihnen aus Berlin, Wien und dem übrigen Deutschen Reich deportierte Rumän*innen im Winter 1944/1945 in Krummhübel, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen, interniert, bis sie die russische Armee im Frühjahr befreite.

Weshalb nur der erste Luftangriff der „8th Air Force der USAAF mit 65 B-17 Flying Fortress auf die Industrie in Freital (Mineralölwerk der Rhenania-Ossag in Birkigt), das Industriegelände Gittersee und Wohnanlagen“ (Wikipedia) am 24. August 1944 in Frage käme. „Eine Bombe fiel auf Coschütz. Bei dem Angriff starben 241 Menschen.“

Deportiert und interniert worden waren die Rumän*innen wegen des sogenannten Königsputsches einen Tag zuvor am 23. August 1944, bei dem der junge König Mihai I. den Militärdiktator Ion Antonescu stürzte und Rumänien damit die Achsenmächte verließ und sich den Alliierten anschloss.  

Dienstag, 27. Januar 2026

Die Sparvorschläge von Partnerschaft Deutschland kommen manchem Referat vielleicht gelegen

Wofür bezahlt man ein Jahr lang eine Beratungsfirma wie Partnerschaft Deutschland? Damit sie – wie berichtet – drastische Sparmaßnahmen für die Landeshauptstadt München entwickelt, die dann im Papierkorb landen? Oder damit diese Vorschläge auch umgesetzt werden?

Ersteres könnte man glauben, wenn man die Fraktionsvorsitzende der Rathaus-SPD, Anne Hübner, liest: „Das werden so NIE die Pläne der Stadt.“ Anlass für diesen emotionalen Ausbruch nach vielen Wochen des Schweigens war der Versuch der konkurrierenden Linken, die Debatte über die Sparmaßnahmen auf die Zeit vor der Kommunalwahl am 8. März zu legen, während die grün-rote Rathaus-Koalition Ergebnisse wie Diskussion der Sparvorschläge erst nach der Wahl zulassen will.

Spielt es denn eine Rolle, wann zwischen guten und schlechten Vorschlägen, zwischen Töpfchen und Kröpfchen entschieden wird? Sind denn die berufsmäßigen Stadträt*innen, also die Referent*innen nicht auch nach dem 8. März weiter im Amt?

Wenn man sich mit dem Kulturreferenten Marek Wiechers unterhält, kommt man nicht umhin, annehmen zu müssen, dass ihm alle freiwilligen Leistungen seines Hauses am Herzen liegen und er wie eine Löwenmutter für sie kämpfen wird.

Aber es gibt auch andere Konstellationen, wo das Überleben mancher freiwilliger Leistungen eben nicht nur von der Referatsleitung abhängen wird, sondern von den möglicherweise wechselnden Mehrheiten im Rathaus.

Um ein Fallbeispiel aus meiner eigenen Erfahrung zu nehmen: Von 2019 bis 2022 war ich als Konfliktmanager für AKIM, dem beim Sozialreferat angesiedelten Allparteilichen Konfliktmanagement in München unterwegs. In derselben Abteilung sind auch die Moderation der Nacht (vulgo: Nachtbürgermeister*in)  und MUCAware angesiedelt.

Es war damals ein offenes Geheimnis, dass die Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD), eine Juristin, nicht verstand, warum sich das Sozialreferat um Konflikte im öffentlichen Raum kümmern sollte. Das sei doch Aufgabe der Polizei.

Gerade aber wo es an Hot Spots wie dem Wedekindplatz, der Messestadt West oder der Türken-/Ecke Schellingstraße parallel zu Einsätzen der Konfliktmanager*innen, Polizeieinheiten wie BePo oder USK und am Wedekindplatz zeitweise auch noch des Kommunalen Außendienstes kam, konnte man sehr wohl sehen, dass es einen Unterschied ausmacht, ob man den Bürger*innen deeskalierend oder mit Schlagstock entgegentritt.

Nur dem Einsatz der grünen Rathausfraktion und nicht etwa der Referatsleitung war es geschuldet, dass AKIM und die Moderation der Nacht gefördert wurden.

Als freiwillige Leistungen sind diese nun stark gefährdet, weil eben kaum Rückhalt in der Referatsleitung besteht.

Insofern war das Münchner Stadtmuseum vielleicht seiner Zeit voraus, als es bereits 2021 die AKIM-Weste für museal erklärte.

(Fotos: Jens Hartmann, Dorin Popa)

Erinnerungen an meinen Vater (27) Ion Popa alias Ion Măgureanu und Noël Bernard bei Radio Freies Europa

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Noël Bernard leitete von 1955 bis 1958 sowie von 1966 bis 1981 die rumänische Redaktion von Radio Freies Europa. In ihrem 2007 veröffentlichten Erinnerungsbuch „Directorul postului nostru de radio“ (Der Direktor unseres Radiosenders) schrieb seine Witwe Ioana Măgură Bernard (1940–2022) auch über meinen Vater (deutsche Übersetzung weiter unten):

„Prezentatorul programului politic a fost, vreme de vreo 20 de ani, lon Măgureanu. Nu era rudă nici cu cel de la SRI, serviciul român de informații, nici cu vreun altul, pentru bunul motiv că acesta era tot un pseudonim. Numele lui adevărat era lon Popa; lani pentru familie și prietenii apropiați; Popicu pentru colegi. Ziarist de profesie, se bucura de o mare popularitate pentru ascultători. Era un tip romantic, un gazetar democrat de factură veche și de stil latin, spre deosebire de pildă de Noël, prin excelență tipul de jurnalist anglo-saxon, riguros, sintetic și strict la obiect. Numele lui lon Măgureanu era legat indisolubil de programul politic. Într-un fel, se poate spune că și-au creat reciproc celebritatea. Prezentările lui Popicu erau directe, calde, originale și adesea pline de floricele. Ele debutau invariabil cu «dragi prieteni». Cînd începea să depene amintiri și să se lanseze în divagații, care veneau în contradicție cu însăși natura programului, Noël îi tăia pasaje întregi, ceeace îl supăra foarte tare, căci Popicu pe acestea le considera cele mai valoroase. Nu era vorba de cenzură, dar Noël nu voia ca prezentarea să se dilueze și, prin îndepărtarea de subiect și obiect, să piardă din acuitate și in ultimă instanță din impact. Cu toate acestea, îl aprecia mult pe lani – Noël așa îi spunea - atît ca ziarist cît și ca om. Popicu era un profesionist talentat, cu multă imaginație –  poate chiar prea multă – și un personaj deosebit de pitoresc. Avea chiar la 50 de ani înfățișarea unui bunic sfătos destul de scund, rotofei, cu părul alb și sprincene stufoase, oricînd bucuros să stea la taifas și să vorbească in pilde. Mi-l amintesc ieșind uneori din biroul lui Noël, încins și roșu la față, după vreo dispută profesională, care nu avea însă niciodată urmări. Dovada prețuirii de care se bucura, stă in faptul că Popicu a fost titularul programului politic pînă cînd a ieșit la pensie, în 1978.“

Grobe Übersetzung: Ungefähr 20 Jahre lang präsentierte lon Măgureanu die politische Sendung. Er war weder mit dem rumänischen Geheimdienstchef Virgil Măgureanu verwandt noch mit sonst jemandem diesen Namens, weil es sich bei diesem Nachnamen um ein Pseudonym handelte. In Wahrheit hieß er Ion Popa; Iani für seine Familie und engen Freunde; Popicu unter Kollegen. Als Berufsjournalist erfreute er sich großer Beliebtheit bei der Hörerschaft. Er war ein Romantiker, ein demokratischer Journalist alter Schule und romanischen Stils, im Unterschied zu Noël Bernard (Foto), der ein Paradebeispiel englischen Journalismus war, rigoros, prägnant und auf den Punkt. lon Măgureanu war untrennbar mit dem politischen Programm verbunden. Man könnte sagen, dass diese Kombination den Erfolg des Moderators und der Sendung begründete. Popicus Moderation war direkt, warmherzig, originell und somit auch blumig. Stets eröffnete er das Programm mit den Worten „liebe Freunde“. Wann immer er zu sehr abschweifte und sich nicht streng an den Kern des Programms hielt, strich ihm Noël ganze Passagen, was Popicu sehr erzürnte, weil er gerade diese Momente für die wertvollsten hielt. Man kann nicht von Zensur sprechen. Noël wollte nur nicht, dass die Inhalte verwässert werden und das Programm durch den Verlust an Focus auch an Schärfe und letztendlich an Wirkung einbüßt. Nichtsdestotrotz schätzte Noël Iani – so nannte er ihn – sowohl als Journalisten als auch als Menschen. Popicu war ein begabter Profi, mit großem, vielleicht sogar zu großem Einfallsreichtum und einer auffälligen Erscheinung. Mit gerade mal 50 Jahren wirkte er schon wie ein weiser Großvater, ziemlich klein und pummelig, weißhaarig und mit buschigen Augenbrauen. Stets zu einem Schwatz aufgelegt und bereit, Geschichten zum besten zu geben.Ich kann mich erinnern, wie er manchmal nach einem heftigen Streit aus Noëls Büro kam, erregt und im Gesicht rot angelaufen. Doch diese Auseinandersetzungen hatten niemals Folgen. Wie sehr Popicu geschätzt wurde, sieht man daran, dass er bis zu seinem Ruhestand 1978 die politische Sendung behielt.

Montag, 26. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (26), den 54er-Bus und die Tramlinien 4, 20 und 22

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Meine Eltern besaßen bis in die 1970er-Jahre ein Auto, einen Ford Taunus 17 M, aber mein Vater fuhr immer öffentlich zum Sender.  Auf dem Weg zu Radio Freies Europa am Englischen Garten nahm er wohl, wie ich nach Rücksprache mit dem Stadtneurotiker vermute, am Rotkreuzplatz die Tramlinie 22 und stieg dann am Nikolaiplatz auf den 54er-Bus Richtung Tivolistraße um.

Zum Rotkreuzplatz lief er von  unserer Wohnung in der Tizianstraße zu Fuß, vielleicht nahm er für das Stück gelegentlich die Tramlinie 4.

Wann immer ich meinen Vater im Sender besuchte, nahm ich auch Tram und/oder Bus.

In den Tagen, in denen meinen Vater aufgrund seines Dolviran-Missbrauchs Ausfallserscheinungen hatte, kam es, wie ich bereits erzählt habe, vor, dass er abends überfällig war und ich dann Richtung Rotkreuzplatz lief. Meist fand ich ihn dann auf einer Parkbank im Grünwaldpark im Dämmerzustand.

Jahre zuvor will mein Vater beim Umstieg am Rotkreuzplatz meinen Bruder Dinu beim Betteln auf der Straße gesehen haben. Aber weder er noch ich sprachen mit ihm jemals darüber.

Gelegentlich müssen wir aber eine andere Route genommen haben, als die über Schwabing. Wohl die Tramlinie 20 von RFE Richtung Innenstadt und dann der Umstieg auf die Linie 4 über Maximilianstraße und Lenbachplatz Richtung Gern.

Denn ich kann mich erinnern, dass wir einmal am Stiglmaierplatz ausgestiegen sind, weil mein an der Prostata erkrankter Vater dringend aufs Klo musste. Er ging in den Löwenbräukeller, um sich zu erleichtern, während ich als Kind davor wartete. Seitdem bin ich auch so auf das Thema Öffentliche Toiletten fixiert.

(Oberes Foto: Reinhard Fuchs/Sammlung Straßenbahnfreunde München e.V.)

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