{Foto: Faye Dunaway in „Network“, Turner Entertainment/Goldwyn-Mayer-Studios/arte)
Nice Bastard Blog
Disorderly conduct in Munich
Montag, 20. April 2026
Wochenplan
Sonntag, 19. April 2026
Ioan Dragu şi Diplomația culturală a României în perioada interbelică
Fundsachen (46): Das Münchner Internet in den Jahren 2008 und 2011 laut jetzt.de
Lisa: Vielleicht Don Alphonso, wenn der noch zu München zählt.
Patrick: Der ist eher in Ingolstadt, oder? Ich glaube, das ist schwierig. Eine Zeitlang war Klaus Eck mit seinem PR-Blog recht bekannt, aber eine Münchner Blogstimme ...
Donnerstag, 16. April 2026
Wer hat an den AGB geschraubt? Oder: wie ich einmal Amazon erpresste
„From the early days of Amazon, I kept an empty chair (for the customer) in the meeting room. The reason is to create an environment where we are always thinking about what kind of opinion the customer might have, or how our decisions in the meeting will affect the customer“, so Jeff Bezos.
Mit dem Erfolg schwand die Kundenbindung. Für einen ganzen Sitzplatz reicht es schon lange nicht mehr. Selbst wenn Amazon neu bauen lässt, wie sein maßgeschneidertes, 45.000 Quadratmeter großes neues deutsches Headquarter in der Münchner Parkstadt Schwabing, das heute von Ministerpräsident Markus Söder und dem designierten Oberbürgermeister Dominik Krause eröffnet werden soll.
Inzwischen reicht es bei Amazon im Hause gerade mal noch für ein Kissen, das die Kundschaft symbolisieren soll, wie es Rocco Bräuniger, Chef von Amazon in Österreich, Deutschland und der Schweiz, hier im Bild bei einem ersten Presserundgang in seinen neuen Räumlichkeiten in der Anni-Albers-Straße präsentierte. (Ob das gegenderte Kissen dem Ministerpräsidenten heute erspart bleibt?)
Wenn man schon bei symbolischen Akten kneift, kann man sich vorstellen, dass es im Geschäftlichen quer durch die zahlreichen Abteilungen noch weit arger zugeht, auch wenn Amazon „das kundenorientierteste Unternehmen der Welt sein möchte“. Am bekanntesten ist wohl der Streit um die einseitige Preiserhöhung der Amazon-Prime-Abos für Bestandskunden im Jahr 2022, das ist inzwischen Gegenstand einer Verbandsklage mit mehr als 90.000 beteiligten Abonnent*innen. Am aktuellsten ist die Entscheidung des Bundeskartellsamts, die es Amazon untersagt, die Preise von Händlern auf dem deutschen Amazon Marketplace zu beeinflussen.Dieser Marketplace ist nun ein ganz besonderes Konstrukt, weil Amazon nicht nur einer Kundenseite gegenübersitzt, sondern gleich zwei. Ginge es nicht um Amazon, könnte man es sich vielleicht sogar wie ein Mexican Standoff vorstellen. Doch Amazon verliert nie. Im Marketplace stellt es seine Verkaufsplattform einerseits Drittanbieter*innen zur Verfügung, die dort Waren einstellen. Dabei kann es sich um Neuware handeln, aber auch um Sammlerstücke und gebrauchte Artikel wie etwa antiquarische Bücher. Diese Artikel stehen laut Amazon inzwischen für mehr als die Hälfte aller bei Amazon verkauften Produkte. Auf der anderen Seite sind die diese Ware bestellenden Verbraucher*innen. Beide Seiten sind für Amazon Kund*innen, nur dass die einen etwas verkaufen und die anderen kaufen wollen. Amazon verdient an beiden.
Nun gibt es auf der Händlerseite zum einen die gewerbsmäßigen Geschäftsleute, die im großen Stil Ware über Amazon verticken. Allein in Deutschland sind das über 45.000 kleine und mittlere Unternehmen. Amazon stellt ihnen die virtuelle Verkaufsplattform zur Verfügung, erledigt das Finanzielle, indem es die Käufer*innen abkassiert und der Ertrag abzüglich einer satten Provision an die Händler*innen weiterreicht und bietet bei Bedarf auch Lagerung und Versand in seinen Logistikzentren.
Lief das Geschäft mit einem Produkt besonders gut, bekam es Amazon natürlich mit. Und da kam es durchaus vor, dass Amazon systematisch Bestseller kopierte und als Eigenmarke selbst anbot.
Wer so denkt, ist natürlich auch anderen gegenüber besonders mißtrauisch. Ungewöhnlich erfolgreichen Händlern schickt Amazon auch schon mal die Detektei Pinkerton vorbei, die dann in der Nachbarschaft Erkundigungen einzieht und die Geschäftsräume auskundschaftet. Pinkerton, deren Detektive im Auftrage Amazons auch Gewerkschaftsmitglieder auskundschaften, ist übrigens ein Tochterunternehmen von Securitas, die auch im neuen Headquarter von Amazon in der Anni-Alber-Straße für die Sicherheit zuständig ist.
Der Marketplace ist aber auch bei nichtgewerblichen Verkäufer*innen eine beliebte Plattform für Secondhand-Artikel, ähnlich wie eBay, Momox (Bücher, CD, DVD, Kleidung), Bookbot oder Vinted (Mode, Elektronik, Möbel, Bücher, Sport- und Hobbyartikel). Auf Amazon konnte man oft einen etwas höheren Verkaufspreis erzielen, wenn man die Geduld besaß, so lange zu warten, bis eine interessierte Person das Angebot entdeckte und zugriff.
Das lässt sich Amazon gut honorieren. Wer etwa ein Buch für 4,15 Euro zuzüglich 3 Euro Versand über Amazon verkauft, erhält von den 7,15 Euro, die Amazon beim Endkunden kassiert, gerade mal 3,73 Euro ausgezahlt und muss davon auch noch das Versandporto bestreiten. Die restlichen 3,42 Euro behält Amazon als Gebühren ein. Das sind fast 48 Prozent.
Dennoch hat es sich jahrelang, vermutlich sogar jahrzehntelang für mich gelohnt, Bücher, DVDs und CDs über Amazon zu verkaufen. Wie lange ich genau dabei bin, kann ich schwer sagen, denn Amazon hat mich aus der den Marketplace verwaltenden Seller Central ausgesperrt. Oder in den Worten von Amazon: Mein Konto ist plötzlich inaktiv.
Erfahren habe ich es nur, weil über Amazon eine Bestellung eingegangen ist. Um Empfänger*in und Anschrift der Bestellung zu erfahren, musste ich mich in die Seller Central einloggen. Was aber nicht mehr ging.
Jahrelang hat meine Bankverbindung ausgereicht, um den Marketplace zu nutzen. Doch offensichtlich hat Amazon auch hier mal wieder einseitig den Deal geändert, an den AGB gedreht und postuliert, dass man eine Kreditkarte hinterlegen müsse, um über den Marketplace weiter verkaufen zu dürfen.
Genau weiß ich es nicht, denn Amazon säuselt nur schwammig: „In einigen Amazon Stores müssen sie a) eine neue Kreditkarte hinzufügen oder b) eine vorhandene Kreditkarte aktualisieren.“ Ob, seit wann und warum ich zu den „einigen Amazon Stores“ zähle, bleibt offen.
Amazon verprellt in diesem Dreiecksverhältnis namens Marketplace die Kundschaft gleich auf beiden Seiten. Den oder die Besteller*in des Buches, der oder die vergeblich darauf wartet. Und mich, der das Buch besitzt, es gerne verschicken würde, aber von Amazon nicht erfährt, wer es bestellt hat, so lange ich nicht „zwingenderweise“ meine Kreditkarteninformationen bei Amazon hinterlege.
Und mit Kreditkarte meint Amazon auch Kreditkarten. Debitkarten, wie sie beispielsweise Paypal und Klarna gerade massiv auf den Markt werfen, akzeptierte Amazon laut dem Seller Support und aus praktischer Erfahrung für den Marketplace nicht: „Beachten Sie auch, so genannte Prepaid-Kreditkarten werden nicht akzeptiert“. Obwohl es Amazon in seinen Finanzinformationen anders darstellt. (Update: Inzwischen scheinen auch Debitkarten zu funktionieren.)
Nur zur Erinnerung: Amazon ist in dem Fall nicht mein Gläubiger. Amazon ist bei jedem meiner Verkäufe über den Marketplace mein Schuldner, weil sie das Inkasso für meine Ware übernehmen und mir den Betrag, abzüglich ihrer satten Provision, überweisen müssen. Wenn ich etwas bei Amazon bestelle, genügt ihnen zur gleichen Zeit meine altbewährte Bankverbindung als Bonitätsnachweis und sie liefern mir Waren im dreistelligen Wert frei Haus. Ganz ohne hinterlegte Kreditkarteninformationen.
Wie löst man also diese Blockade? Auf die gute jahrelange Geschäftsbeziehung setzend, indem ich mich an den Kundendienst wandte, den Amazon in der Seller Central längst nicht mehr per Mail, sondern als Chat mit dem Selling Partner Support abwickelt, der sich weniger als Partner auf Augenhöhe entpuppt, sondern als kafkaesker Albtraum.
Im neuen Amazon Headquarter in der Parkstadt Schwabing, das mich deshalb inzwischen eher an Kafkas Schloss erinnert, gibt es 2500 Arbeitsplätze. Mitarbeitende aller möglichen Abteilungen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob da auch Angehörige des Kundenchats dabei sind. Anfangs kämpft man wohl mit der – verdeckterweise eingesetzten – KI, die bei ungewöhnlichen Fragen schnell an ihre Grenzen gerät, wie Kund*innen weltweit beklagen und Amazon selbst einräumt: „Der Kundenservice-Chat lernt noch und wird Probleme wie diese bald lösen können“.Ich hatte natürlich kein neues Konto angegeben, sondern nur die alte, seit vielen Jahren verifizierte Bankverbindung bestätigt. Mein Account blieb inaktiv, von den Kollegen habe ich nie gehört. Der Fall wurde weder gelöst noch als gelöst markiert.
Nicht nur dieses Mal wurde behauptet, das Anliegen an eine höhere zuständige Stelle weitergeleitet zu haben, die sich kümmern würde. Was nie geschah.
Chattet man werktags, zu den üblichen Bürozeiten, gerät man mit etwas Glück in einer Chatstaffette, bei der man von Pontius zu Pilatus weitergereicht wird und dann doch einmal an eine scheinbar fachkundige Person, womöglich sogar jemanden aus der Parkstadt?
Doch selbst diese Fachkraft scheint nicht willens oder in der Lage, Details preiszugeben oder gar eine Ausfertigung der AGB zur Verfügung zu stellen, auf die man mit einem inaktiven Konto offenbar keinen Zugriff hat. „Ich weigere mich nicht, Sie diese Richtlinie lesen zu lassen, es ist einfach technisch nicht möglich, da diese in den Hilfeseiten zu finden sind und Sie nicht auf diese zugreifen können, da das Konto vom System als ein inaktives eingestuft wurde.“ Was nicht ganz stimmt, weil manche Hilfeseiten, etwa für die Kunden der kostenpflichtigen Business Solutions, allgemein zugänglich sind. Nur scheinbar nicht die Hilfeseiten für nichtgewerbliche Privatkunden.
Nun wird im Marketplace seitens von Amazon viel Wert auf Höflichkeit gelegt. „Seien Sie höflich und geduldig, wenn Kunden Informationen, Warenrücksendungen oder Erstattungen anfordern“, heißt es in der Seller Central. Für die eigenen Mitarbeitenden wie beispielsweise G. scheint das bei Amazon nicht zwingend zu sein.
Ich weiß nicht, ob G. zu den glücklichen Parkstadt-Pendlern zählt, die im neuen Headquarter mit seinen zahllosen Grillterrassen, Billardtischen, Kickern und Flippern sitzen. So oder so scheint bei ihm aber die Lunte recht kurz zu sein.Auf meinen Hinweis, dass ich mich an höherer Stelle schlau machen muss, wenn der Kundendienst keine Antworten hat, entgegnet G.: „Wenn Sie meinen mich mit diesen Hinweisen erpressen zu wollen, um dann keine Kreditkarte hinterlegen zu müssen, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass dies dennoch nichts an der Tatsache ändern wird, dass Sie eine Kreditkarte hinterlegen müssen.“
Laut eines Sprechers der EU-Kommission kann diese die einseitige Änderung der AGB durch Amazon noch nicht kommentieren. „Wir bewerten sie derzeit.“
Montag, 13. April 2026
Wochenplan (Updates)
Freitag, 10. April 2026
Erinnerungen (46) an meinen Vater Ion Popa als Berliner Korrespondent der Agentur Rador
Montag, 6. April 2026
Wochenplan (Updates)
Freitag, 3. April 2026
Erinnerungen (45) an meinen Vater und seinen pathetischen königstreuen Leitartikel
Das politische Klima verschärfte sich weiterhin drastisch. Die Eiserne Garde, die bereits seit Jahren auch vor politischen Morden nicht zurückgeschreckt war, steigerte sich in ihrem Blutrausch und startete Pogrome und eine Mordserie, der auch Nicolae Iorga zum Opfer fiel. Sicherheitshalber war der von der Eisernen Garde bedrohte Direktor der Bukarester Tageszeitung „Curentul“, Pamfil Șeicaru (46), zu seinem Schutz von Benito Mussolini nach Italien eingeladen worden. Mein damals gerade mal 28-jähriger Vater Ion Popa vertrat ihn derweil. Vom 21. bis 23. Januar versuchten die sogenannten Legionäre der Eisernen Garde dann, die Macht zu übernehmen und gegen Antonescu zu putschen. Wenige Tage vorher, am 18. Januar 1941, veröffentlichte mein Vater den heute unangenehm pathetisch wie nationalistisch klingenden Leitartikel „Regele şi ţara lui“ („Der König und sein Land“) auf der Titelseite des „Curentul“:
„Un prinţ prin ţara Lui. Astfel se intitulează lucrarea d-lui Ion Conea, fostul profesor de geografie al Marelui Voevod de Alba-Iulia.N'a fost luminiş de codru, unde Voevodul şi colegii Săi să nu poposească împreună cu profesorii, să adune şi să-şi împărtăşească fericirea că aceasta-i ţara lor şi nu alta. Iar Regele cunoaşte ţara de atunci şi peste ea va domni.
Montag, 30. März 2026
Poparazzi (17): Soli-Kundgebung für Collien Fernandes
Wochenplan (Updates)
Mittwoch, 25. März 2026
Erinnerungen (44) an meinen Vater, als ihn die faschistische Eiserne Garde festnahm
Daraufhin besetzte die Eiserne Garde Redaktion und Druckerei. Mein Vater, damals gerade mal 28 Jahre alt, wurde vorübergehend festgenommen, da er einen Aufruf des Generals Antonescu gegen die Putschisten veröffentlichen wollte.
Doch der Staatsstreich scheiterte. In der Ausgabe vom 27. Januar 1941 erschien Antonescus Appell auf der ersten Seite, neben einem Bericht zum Überfall der faschistischen Schergen auf die Zeitung und meinen Vater:
„După luni de zile de teroare, in noaptea in care s'a incercat atentatul impotriva Țării, și a Armatei, »Curentul« a fost invadat de bande fără ideologie, fără crez, fără inimă românească. Secretarul nostru general de redacție, colegul lon Popa, a fost arestat pentru vina de a fi vrut să publice apelul la ordine semnat de Generalul Antonescu, Conducătorul Statului.
Tipografia ziarului a fost ocupată. Membrii Redacției alungați, terorizați, insultați. In aceeaşi noapte, s'a introdus in coloanele noastre, textul de indemn la revoluție, și concomitent a fost radiat de pe frontispiciul ziarului, numele Directorului nostru, Pamfil Șeicaru, după ce, de mai multe zile, printr'o măsură samavolnică, ni se interzisese publicarea articolelor sale.“
„Nach monatelangem Terror wurde »Curentul« in der Nacht, in der man einen Anschlag auf die Heimat und die Streitkräfte versuchte, von einer Bande ohne Werte, ohne Glauben, ohne rumänisches Herz überfallen. Unser Redaktionsgeneralsekretär, der Kollege Ion Popa, wurde festgenommen, weil er einen Aufruf des Staatsführers General Ion Antonescu zur öffentlichen Ordnung abdrucken wollte.
Die Druckerei der Zeitung wurde besetzt. Die Redaktionsmitglieder mussten sich in Reih und Glied aufstellen. Sie wurden terrorisiert und beschimpft. In dieser Nacht wurde auf unseren Seiten ein Aufruf zur Revolution veröffentlicht, während der Name unseres Direktors, Pamfil Șeicaru, von der Titelseite verschwand. Die Veröffentlichung seiner Beiträge war bereits einige Tage zuvor willkürlich untersagt worden.“
Montag, 23. März 2026
Der Tatortreiniger: Eine kleine Nachbetrachtung zu Dieter Reiters gelöschtem Instagram-Account
Wäre sein mea culpa, mea maxima culpa im Endspurt zur Stichwahl ernst gemeint gewesen, hätte er das dem Wahlvolk, wie den städtischen Bediensteten und seiner Partei geschuldet. Doch offenbar schleicht er sich bei Nacht und Nebel vom Hof, lässt sich krankschreiben und schmeißt aus Enttäuschung alles trotzig hin, als ob all seine Läuterungen und Beteuerungen der letzten Wochen eine wahltaktische Charade gewesen wären und er etwa in seinem „Zeit“-Interview nur Kreide gefressen hätte.
Noch am Wahlabend gestern erklärte er laut dpa, es sei der letzte Tag seiner politischen Karriere. Heute morgen war dann unter anderem sein Instagram-Account gelöscht. Der Instagram-Account, den Melanie Staudinger, Mitarbeiterin im Büro des Oberbürgermeisters, betreute und den selbst Anne Hübner, die Fraktionsvorsitzende der Rathaus-SPD, dem Amt zuordnete und nicht etwa der Privatperson.
Da würde man vielleicht gerade in Hinblick auf die zu schreibenden politischen Nachrufe gern etwas darin stöbern. Und die Vernichtung dieser amtlichen Verlautbarungen der Stadtspitze ist ein klein wenig so, als wenn der OB nach seiner Niederlage das Fahrtenbuch seines Chauffeurs geschreddert oder die elektronische Kommunikation mit seinen Untergebenen gelöscht hätte.
Vielleicht ist ja jetzt, nach der Niederlage, dieser Instagram-Account auch gar nicht mehr offiziös gewesen, auch wenn er im Rathaus auf öffentliche Kosten erarbeitet wurde. Vielleicht kommt jetzt plötzlich wieder die Privatperson Dieter Reiter zur Geltung, die auch die ganzen Posten beim FC Bayern ausgeübt haben soll.
Ein Impressum hätte da vielleicht geholfen, doch das hat sich der Oberbürgermeister bei seinem Instagram-Auftritt gespart, was manche Kollegen für einen eindeutigen Rechtsverstoß halten.
Der Account, der in den sieben Jahren seines Bestehens seltsamerweise zweimal den Benutzernamen geändert hat, lief zuletzt unter dieter_reiter_089, wobei man die Münchner Vorwahl sonst als Hashtag der SPD-Rathaus-Fraktion kennt (#089vorOrt).
Auf meine kritische Betrachtung des OB-Instagram-Accounts in Zeiten des Wahlkampfs erwiderte Hübner: „Pressesprecher werden auch öffentlich finanziert. Wollen Bürgermeister einfach gar nicht mehr kommunizieren? Das kann ja nicht das Ziel sein.“
Nun ist es bei Accounts wie dem des US-Präsidenten oder des Papstes eindeutig: sie laufen auf Potus oder Pontifex und der Amtsnachfolger erbt sie. Ein Münchner Oberbürgermeister mag sich ähnlich wichtig fühlen, ist es aber natürlich nicht ganz. Dennoch stellt sich aber die Frage, inwieweit so ein Auftritt des Stadtoberhaupts in den Sozialen Medien eine Privatveranstaltung bleibt oder nicht doch den Regeln einer ordentlichen Verwaltung unterliegt.
Gewöhnlich kommunizieren Stadt wie Oberbürgermeister über Medien wie die „Rathaus-Umschau“ oder „muenchen.de“. Reglementierte Auftritte, die bei Bedarf auch gerichtlicher Prüfung unterliegen.
Dieter Reiters persönlicher Instagram-Auftritt wurde im Januar 2019 angelegt, offensichtlich zeitlich abgestimmt auf seinen anstehenden Wahlkampf zur ersten Wiederwahl im März 2020.
Es wäre altersbedingt die letzte Amtszeit Reiters geblieben. Doch im Juli 2023 änderte Markus Söder die bayerische Altersbegrenzung für Landräte und Bürgermeister und ermöglichte so durch die sogenannte lex Reiter dem OB, ein weiteres Mal in München anzutreten.
Im September 2024 wurde Reiters Instagram-Account verifiziert. Im Frühjahr 2025 wechselte dann die Pressesprecherin der Rathaus-SPD, Melanie Staudinger, ins Büro des Oberbürgermeisters. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde der Account also mit öffentlichen Geldern befeuert. Damit nahm aber auch der Wahlkampf auf Instagram Fahrt auf. Zuletzt hatte Dieter Reiter rund 63.600 Follower*innen.
Es wäre nun interessant gewesen, wie viele seiner 566 Beiträge in Wahlkampfzeiten und wie viele in ruhigeren Zeiten veröffentlicht wurden. Aber diese Nachlese hat das Team Reiter durch die Löschung verhindert.
Ebenso interessant wäre es gewesen, die in Reiters Namen verfassten Inhalte und Kommentare zu analysieren.
Viele seiner Instagram-Veröffentlichungen wirken auf den ersten Blick dem Amt angemessen, nur manchmal, etwa beim Tempolimit auf der Landshuter Allee, verstieg er sich ins boulevardeske, wahlkämpferische.
Und auch bei den Kommentaren in Reiters Namen („0 Beiträge, 0 Follower – 0 Ahnung“; „Ja wenn da SZ hoit sonst nix einfoid, de san hoit arm dro“; „Nur bla bla hilft nix!“) wäre ich mir nicht sicher, ob das nun eher als authentisch, unverblümt ankommt oder doch vielleicht nur als besserwisserisch, von oben herab.
Updates vom 14. April 2026: Wie die „Abendzeitung“ als erste meldete, ist Dieter Reiters Instagram-Profil inzwischen wieder da, wenn auch auf privat gestellt, ohne Beiträge und in der Bio als „stillgelegt“. markiert.
»„Wir haben den Account fürs Archiv gesichert“, sagt eine Sprecherin“ der „tz“. „Das Profil werde wieder entfernt, das gehe allerdings erst nach sieben Tagen – also ab kommendem Montag ist der Account wieder Geschichte.“«
»Die sozialen Medien seien für Politiker „mittlerweile eine der bevorzugten Möglichkeiten, mit der Bevölkerung zu kommunizieren“, sagte der Leiter des Stadtarchivs, Daniel Baumann, der SZ. Wenn eines Tages die Geschichte von Reiters Amtszeit aufgearbeitet werde, so wie es zurzeit in einem Forschungsprojekt über die Ära Kronawitter geschehe, stelle ein solcher Account dafür einen wichtigen Baustein dar.r entfernt, das gehe allerdings erst nach sieben Tagen – also ab kommendem Montag ist der Account wieder Geschichte.«

















