„Der Nicht-Bayer vom Tegernsee“, Jörg Häntzschel in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 19. März 2026
Nice Bastard Blog
Disorderly conduct in Munich
Samstag, 21. März 2026
Mittwoch, 18. März 2026
Halluzinieren Amazons Fahrer oder KI?
Donnerstag bestellt, Lieferung am nächsten Tag. Klang überzeugend.
Am Freitagvormittag dann per Mail die Ankündigung, dass Amazon das Päckchen zwischen 15.15 und 18.15 Uhr zustellen würde. Perfekt.
Nur dass eben keine Sendung eintraf. Und auch keine weitere Mail. Also kurz die Sendungsnachverfolgung aufgerufen. Und da steht der wundersame Satz: „15.02 Uhr: Auf Kundenwunsch erfolgt die Zustellung zu einem späteren Zeitpunkt.“
Das war mir neu. Mit mir hatte niemand gesprochen. Und im Trackingbereich existieren zwar drölfzig Möglichkeiten, einen Ablagestandort für die Sendung individuell festzulegen und sogar den Sicherheits-PIN für die Türanlage zu kommunizieren. Nur die Option, eine Sendung zu einem späteren Termin geliefert zu bekommen, kann ich nicht entdecken.Anders formuliert: Irgendjemand behauptet, ich als Kunde hätte die vereinbarte Zustellung storniert und um einen späteren Zeitpunkt gebeten. Das ist aber gelogen. Nur wer hat sich das ausgedacht? Ein Fahrer – mit dem man als Kunde gar nicht kommunizieren kann, es sei denn, er steht vor der Tür, um die Sendung abzuliefern? Und dann soll ich ihn wieder weggeschickt haben?
Oder denkt sich die KI diesen Unsinn aus?
Dass sich Sendungen verspäten, kommt immer wieder vor. Damit kann ich auch gut leben. Ärgerlich ist es, wenn man keinen neuen Zustelltermin genannt bekommt. Und für mich inakzeptabel ist es, wenn mich der Händler anlügt.
Nachdem auch am Samstag keine Zustellung erfolgte und sich Amazon hinsichtlich des Lieferstatus stumm stellte, wandte ich mich am Sonntag an den Kundendienst. Über den sogenannten Kundenchat.
Das ist anfangs immer eine KI, und sagen wir es so, ihr fehlte für mein moralisches Dilemma jegliches Verständnis.
Die KI versicherte mir, dass die Sendung „voraussichtlich“ bis Montagabend zugestellt werden würde. Und behauptete, ich könnte „eine Rückerstattung oder einen Ersatz beantragen“, falls das Paket bis Mittwochnacht nicht einträfe.
Was wieder eine Lüge war, denn da es sich um ein von Amazon selbst verkauftes und geliefertes Produkt handelt, konnte ich jederzeit, auch während des Zustellvorgangs, meine Bestellung stornieren.
Aber ich wollte ja klären, wer sich den Unfug ausgedacht hatte, dass ich eine spätere Zustellung gewünscht hätte.
Also im Kundenchat hartnäckig geblieben und von der KI an einen wohl menschlichen Mitarbeiter übergeben worden. Auch von ihm wollte ich wissen, wie denn Amazon dazu käme, zu schreiben, dass auf meinen Wunsch die Zustellung verschoben werden musste. Und so langsam kam ich mir wie der Troll vor, obwohl es eher umgekehrt war.
Der Mann hat dann „die Fachabteilung“ (für Kundenbeschwerden, verspätete Zustellungen, Trolle?) kontaktiert und eine Rückmeldung innerhalb von zwei Tagen versprochen.
Ich habe dann doch lieber die Bestellung storniert und woanders zu einem deutlich günstigeren Preis bestellt.Dienstag, 17. März 2026
Erinnerungen (43) an meinen Vater, meinen Großvater und deren schwieriges Verhältnis untereinander
Ich dachte immer, dass mein Vater als geborener Journalist meinen eher großspurig zwischen Offizierskarriere, Diplomatie, Regierungsarbeit und Presse changierenden Großvater nie wirklich ernst genommen hat.
Meine Schwester erzählte dagegen neulich, dass umgekehrt mein elitärer Großvater wohl meinen Vater als Selfmademan und Emporkömmling aus schlichten Verhältnissen nie sonderlich geschätzt hätte.
Auf der Suche nach Bildern meines Vaters in den 1930er- und 1940er-Jahren bin ich nun auf ein Foto gestoßen, das in der Zeitschrift „Realitatea Ilustrata“ vom 3. Oktober 1939 erschienen ist.Montag, 16. März 2026
Erinnerungen an meinen Vater (42) Ion Popa als Redaktionssekretär bei „Curentul“
Was macht nun ein Redaktionssekretär? Im „Almanachul ziarului Curentul 1940“ präsentiert Șeicaru seinen Verlagspalast und erklärt den Leser*innen, aus welchen unterschiedlichen Abteilungen sich eine Tageszeitung zusammensetzt. Zum Redaktionssekretär schreibt er (Übersetzung weiter unten):
Im Französischen gibt es den identischen Ausdruck secrétaire de rédaction, im Deutschen wäre es wohl eine Mischung aus Textchef und Chef vom Dienst.
Auf dem ersten Bild ganz oben habe ich neben meinem Vater bisher nur einen weiteren Redakteur des „Curentul“ identifizieren können. Ganz links sitzt wohl der im Oktober 1941 verstorbene Paul Costin, Leiter des Ressorts Reportagen. Der Brillenträger am rechten Bildrand oben und neben meinem Vater unten taucht auf vielen Fotos von Presseterminen und Redaktionsveranstaltungen in Bukarest Ende der 1930er-, Anfang der 1940er-Jahre auf, aber ich habe noch nicht seine Identität klären können.
Ferien-, Familien- und München-Pass werden digitalisiert (Updates)
Dabei tagen die Ausschüsse des alten, noch amtierenden Stadtrats durchaus weiter ein vorletztes, letztes Mal. Kommenden Mittwoch sogar in der ungewöhnlichen Konstellation, dass gleich drei Gremien zusammenfinden, der Sozialausschuss, der IT-Ausschuss sowie der Verwaltungs- und Personalausschuss. Es gibt offensichtlich Großes zu beschließen.
Und vor allem auch Großes zu bewahren. Denn auf der Tagesordnung stehen die Familien-, Ferien- und München-Pässe des Sozialreferats, allesamt freiwillige Leistungen der Landeshauptstadt. Und wir wissen nicht zuletzt dank meines Blogbeitrags vom 7. Dezember, dass alle freiwilligen kommunalen Leistungen seit einem Jahr auf dem Prüfstand der Unternehmensberater von Partnerschaft Deutschland stehen und viele vom kommenden Stadtrat gekürzt werden könnten.
Die Pässe des Sozialreferats sind nicht nur wegen des damit verbundenen behördlichen Aufwands ein Kostenfaktor. Sie führen auch zu weniger Einnahmen, wenn deren Nutzende damit Ermäßigungen oder gar freien Eintritt in städtischen Einrichtungen genießen. Das Leistungsangebot des München-Passes (Übersicht) nehmen über 60.000 Leute wahr, die so beispielsweise zu Recht kostenlos ins Freibad kommen. Die rund 40.000 Ferienpässe und 25.000 Familienpässe jährlich ermöglichen auch Freifahrten mit dem MVV oder freien Eintritt in den Tierpark und ins Freibad. Daraus folgen aber dann wiederum spürbar weniger Einnahmen für die Stadtwerke und anderen städtischen Betriebe.
Da ist es ein beruhigendes Zeichen, wenn die Stadt an diesen Angeboten festzuhalten scheint und nur deren Verwaltungsaufwand und -kosten reduzieren will. Dazu plant das IT-Referat nun die Digitalisierung dieser Angebote.
Und das nicht wie in Berlin, wo der Berlinpass im Jahr 2022 abgeschafft wurde, um durch eine digitalisierte Version abgelöst zu werden. Diese entpuppte sich „interimsmäßig“ als Berechtigungsnachweis, der zusammen mit dem Leistungsnachweis verschickt wurde. Ein „Bürokratie-Monster“ bei dem „angeblich fälschungssichere QR-Codes von den Sozialamts-Mitarbeiter*innen händisch in ein 12-seitiges Papierdokument (!) eingeklebt werden“ mussten, so die „taz“. Auf die angekündigte Berlinpass-App wartet man drei Jahre später immer noch.
„Der Senat verfolgt weiterhin das Ziel, eine digitale, wirtschaftliche und bürgerfreundliche Lösung zur Nachweisführung einzuführen. Hierzu liegt ein digitales Umsetzungskonzept vor, das perspektivisch die Ausstellung eines einheitlichen, fälschungssicheren Nachweises mit QR-Code vorsieht. Das diesbezügliche Vergabeverfahren befindet sich aktuell in Vorbereitung. Nach aktueller Planung wird eine Einführung des digitalen Verfahrens noch im Laufe des Jahres 2026 angestrebt“, erklärte mir die Berliner Senatsverwaltung auf Anfrage.
München will das zügiger hinkriegen. Bereits zum Verkaufsstart des Ferienpasses 2026/27 im Oktober soll dieser ausschließlich digital angeboten werden. Dabei wird man künftig auch auf das bisher erforderliche, „altersgerechte“ Foto des Kindes verzichten, da Eltern bei ähnlichen digitalen Projekten oft große Widerstände zeigen und nur ein Dummybild benutzen. Da der Ferienpass gerade auch von Kindern ab sechs genutzt wird, soll es aber eine physische Variante geben. Dabei setzt man wie Berlin auf einen QR-Code, nur dass ihn die Nutzenden selbst voraussichtlich als Print-at-Home-Ticket aus der digitalen Version heraus drucken können. Der Familienpass soll zum 1. Januar 2027 folgen, wobei ich den technischen Dienstleister so verstanden habe, dass dieser ausschließlich digital angeboten werden wird. In den Ausschusssitzung war aber grundsätzlich davon die Rede, dass alle Pässe auch analog als ausgedruckter QR-Code nutzbar sein sollen.
Die Digitalisierung betrifft nicht nur das Ausstellverfahren, sondern bindet auch alle Kooperationspartner ein, die künftig über eine native Authentifizierungs-App ihre Kurse, Führungen, Veranstaltungen selber unmittelbar in die Plattform hochladen und aktualisieren können.
Beim München-Pass ist der Paradigmenwechsel anspruchsvoller. Das sechs Seiten umfassenden Dokument spiegelt noch den Amtsschimmel wider: Verschiedene Stempel, Unterschriften, ein mit Metallösen befestigtes Passbild … Zudem dient es als Berechtigungsausweis für das Sozialticket des MVV, die Monatskarte S, die als einzige Monatskarte von MVV und MVG bis heute nicht digitalisiert existiert, sondern nur in der papiernen Form.
Früher wurde der München-Pass nach Vorsprache mit Termin für den Zeitraum der bewilligten Sozialleistung oder die Dauer des Freiwilligendienstes ausgestellt und konnte maximal vier Mal am Empfang des ausstellenden Amtes verlängert werden, bevor dann ein neuer Ausweis fällig war. Inzwischen kann zumindest die Erstausstellung auch online beantragt werden.
Laut dem Sozialreferat bereits im Jahr 2022, faktisch aber erst letztes Jahr verabschiedete sich die Stadt von dem sechsmonatigen Zeitrahmen des Leistungsbezugs und stellte auch die München-Pässe für Empfänger*innen von Sozialleistungen pauschal für ein Jahr aus. „Gründe waren die eingeschränkten Kapazitäten der Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter Freiwillige Leistung, der Wunsch nach einer einheitlichen Regelung und eine Steigerung der Praktikabilität durch die Abkopplung vom Bewilligungszeitraum für die zugrunde liegende Sozialleistung und eine Vereinheitlichung der Gültigkeitsdauer“, so das Sozialreferat auf Anfrage.Andere Städte sind da noch großzügiger, um den Aufwand zu reduzieren. Wer Bürgergeld beziehungsweise Grundsicherung bezieht, erhält den Köln-Pass gleich für zwei Jahre. Und Senioren sogar mit einer Gültigkeitsdauer von 50 Jahren, also bis ans Lebensende.
Ähnlich wie in Frankfurt am Main seit Februar diesen Jahres wird wohl auch München den Sozialpass künftig nicht ausschließlich digital ausspielen, sondern alternativ weiterhin eine physische Karte für besonders vulnerable Gruppen anbieten, die beispielsweise kein Smartphone besitzen.
„Für uns ist es wichtig, dass es den München-Pass weiterhin zusätzlich in der bewährten Papierform geben wird, um auch solchen Personen die soziale und kulturelle Teilhabe vergünstigt zu ermöglichen, die kein Smartphone nutzen oder digitale Pässe lieber nicht auf ihrem Smartphone einrichten wollen.“, betont Münchens Sozialreferentin Dorothee Schiwy.
In Frankfurt wurden so seit 1. Februar nur 2838 rein digitale Versionen ausgegeben, aber 7133, die zusätzlich auch noch den physischen Pass beinhalten. In Köln hält man dagegen an der haptischen Karte als Grundangebot fest, will sie aber um eine digitale Wallet-Funktion ergänzen. Regensburg arbeitet auch an einer digitalen Ausstellung des Städtepasses mittels Smartphone-App. „Hintergrund ist zunächst eine Verwaltungsvereinfachung sowie eine schnellere Bereitstellung für Nutzerinnen und Nutzer. Zudem spielt auch das Thema »Ressourcen-Schonung« eine Rolle, da bisher ausschließlich Plastik-Karten ausgestellt wurden.“
Der Aufwand für die Digitalisierung des München-Passes ist aber nicht nur wegen der dualen Ausspielung als Pass und Webversion komplizierter als beim Ferien- und Familienpass. Es gibt unterschiedliche Aussteller wie die Sozialbürgerhäuser und das Amt für Wohnen und Migration, es sind mehr Ämter einzubinden und Daten zu authentifizieren, die städtischen Angestellten und Beamt*innen stehen hier vor einem Change-Projekt, weshalb die Umsetzung deutlich länger dauern wird als bei den Ferien- und Familienpässen.
Technischer Dienstleister für die Digitalisierung dieser Pässe ist die Portalgesellschaft von muenchen.de. Das ist nicht zuletzt den Münchner Tageszeitungen zu verdanken, die in einen langjährigen Rechtsstreit gezogen sind, bis das Oberlandesgericht zuletzt im Oktober dem offiziellen Stadtportal presseähnliche Inhalte und Angebote verbot. So mussten neue Aufgaben gefunden werden, und da muenchen.de im Haus alle Ressourcen (Backend, Frontend, Design, Content) anbietet, entschied sich das IT-Referat für sie.
Dabei wird das Rad nicht völlig neu erfunden. Geprüft wurden viele kommerzielle wie kommunale, in- und ausländische Modelle und Anbieter. So auch München Ticket, Pretix oder die München-App. Grundlage der Systemkomponenten des künftigen Münchner Webportals für die Ferien-, Familien- und Sozialpässe wird nun das Bamberger Modell einer Public-Money-Public-Cloud sein. Mit Hilfe des Förderprogramms „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen entwickelt Bamberg seit November 2020 digitale Anwendungen in Open Source. So ließ sich die Kommune von der Jenaer Agentur Netscrapers ein Ferienportal als Open-Source-Webanwendung entwickeln, an der sich nun auch München, Würzburg und voraussichtlich eine weitere Kommune beteiligen werden.
Die Erweiterung für die Bedürfnisse des München-Passes erstellen die Jenaer auf Kosten Münchens, könnten aber theoretisch dann auch von Bamberg und Würzburg genutzt werden. Laut meiner Übersicht von Sozialpässen in Bayern scheint dafür in Bamberg mit gerade mal knapp über 300 SozCards und Würzburg ganz ohne jeden Städtepass aber wenig Bedarf zu bestehen.
Bei der gemeinsamen Sitzung der IT-, Sozial- sowie Verwaltungs- und Personalausschüsse am 18. März wurde Laura Dornheims Vorlage zwar nicht ohne Aufruf durchgewunken. Aber die Redebeiträge von Stadträten wie Lars Mentrup (SPD) schwelgten nur in Lob. Besonders begrüßt wurden nicht nur der niedrigschwelligere Ansatz durch Online-Anträge statt der persönlichen Vorsprache im Amt, sondern dass auch die bisherige Stigmatisierung wegfällt, wenn man künftig an den Kassen statt des München-Passes nur sein Smartphone zücken muss, um die Vergünstigungen in Anspruch zu nehmen.Im Stadtrat scheint man auch davon überzeugt zu sein, dass das neue System bereits diesen Juli live geht. Letzten Freitag hat der technische Dienstleister mir gegenüber dagegen von September gesprochen.
Wochenplan (Update)
Samstag, 14. März 2026
Erinnerungen an meinen Vater (41) Ion Popa und seine erste Notlandung mit einem Ballon 1936
Mir selbst hat er von seinem Aufklärungsflug als Frontberichterstatter im Zweiten Weltkrieg erzählt, der vorzeitig abgebrochen werden musste. Einige Jahre zuvor war ihm aber offenbar bereits einmal Ähnliches widerfahren.
Bei der Durchsicht von Archivexemplaren der rumänischen Tageszeitung „Curentul“ entdeckte ich in der Ausgabe vom 3. Juni 1936 einen Bericht, wie der Redakteur Ion Popa, mutmaßlich mein Vater, als einziger Passagier mit dem polnischen Gasballon Katowice unterwegs war. Als der Ballon nach 14 Stunden wegen starkem Regen und Hagel notlanden musste, verletzte er sich leicht am Fuß.

















