Montag, 16. März 2026

Erinnerungen an meinen Vater (42) Ion Popa als Redaktionssekretär bei „Curentul“

Wohl Mitte der 1930er-Jahre bis Anfang der 1940er-Jahre arbeitete mein Vater (2. von links) in Bukarest für Pamfil Șeicarus Tageszeitung „Curentul“. Anfangs als Redakteur, später stieg er zum Redaktionssekretär („secretar general de redacție“) auf. René Al. de Flers zufolge müsste das 1940 gewesen sein. Da war er gerade mal 27 Jahre alt.

Was macht nun ein Redaktionssekretär? Im „Almanachul ziarului Curentul 1940“ präsentiert Șeicaru seinen Verlagspalast und erklärt  den Leser*innen, aus welchen unterschiedlichen Abteilungen sich eine Tageszeitung zusammensetzt. Zum Redaktionssekretär schreibt er (Übersetzung weiter unten):

„La secretarul de redactie se concentrează manuscrisele tuturor acelera pe cari i-am prezentat mai sus. Și cu el începe adevărata turnare a ziarulul in forme. El trebue sã coordoneze și să claseze tot materialul informativ, redacțional, reportericesc. El îndică litera cu care urmeazã a fi prezentat a-cest material, după cum tot el hotärăşte asupra titluriler articolelor și reportagillor in cadrul pagina-flel pe care tot el o supraveghează. Fiind in centrul ziarulul, secretarul de redacție trebue să îngrijească de a-l prezenta in condițiunile cele mal bune. El trebue să pästreze atât linia de conduită a ziarului cât și să coordoneze materialul informativ ce l se aduce, pentria ca nu cumva să a-pară în ziar o știre de două ori chiar intro redactare identică, niel intr'o redactare care să anuleze pe una din ele.“

„Der Redaktionssekretär sammelt alle Manuskripte der zuvor genannten Mitarbeitenden. Und damit beginnt die eigentliche Zeitung Gestalt anzunehmen. Er koordiniert und gewichtet alle Nachrichten, redaktionellen Beiträge und Reportagen. Er legt fest, wie die Beiträge präsentiert werden, bestimmt die Überschriften und die Gestaltung der von ihm betreuten Seiten. Da er die Schaltzentrale der Redaktion darstellt, ist der Redaktionssekretär dafür verantwortlich, den Inhalt bestmöglich zu präsentieren. Er muss sowohl die redaktionelle Linie der Zeitung wahren als auch die ihm zugeführten Inhalte so koordinieren, dass keine Nachricht zweimal in derselben Ausgabe erscheint, weder als Dublette noch in zwei einander widersprechenden Ausführungen.“

Im Französischen gibt es den identischen Ausdruck secrétaire de rédaction, im Deutschen wäre es wohl eine Mischung aus Textchef und Chef vom Dienst.

Auf dem ersten Bild ganz oben habe ich neben meinem Vater bisher nur einen weiteren Redakteur des „Curentul“ identifizieren können. Ganz links sitzt wohl der im Oktober 1941 verstorbene Paul Costin, Leiter des Ressorts Reportagen. Der Brillenträger am rechten Bildrand oben und neben meinem Vater unten taucht auf vielen Fotos von Presseterminen und Redaktionsveranstaltungen in Bukarest Ende der 1930er-, Anfang der 1940er-Jahre auf, aber ich habe noch nicht seine Identität klären können.



Ferien-, Familien- und München-Pass werden digitalisiert

Der neue Stadtrat ist gewählt, Oberbürgermeister Dieter Reiter hat seine Amtsgeschäfte vorübergehend an seinen Stellvertreter, den Zweiten Bürgermeister Dominik Krause übergeben, um kurzfristig bis 23. März Urlaub zu nehmen und sich ausschließlich dem Wahlkampf zu widmen … Man könnte glauben, dass im Rathaus derzeit nichts passiere.

Dabei tagen die Ausschüsse des alten, noch amtierenden Stadtrats durchaus weiter ein vorletztes, letztes Mal. Kommenden Mittwoch sogar in der ungewöhnlichen Konstellation, dass gleich drei Gremien zusammenfinden, der Sozialausschuss, der IT-Ausschuss sowie der Verwaltungs- und Personalausschuss. Es gibt offensichtlich Großes zu beschließen.

Und vor allem auch Großes zu bewahren. Denn auf der Tagesordnung stehen die Familien-, Ferien- und München-Pässe des Sozialreferats, allesamt freiwillige Leistungen der Landeshauptstadt. Und wir wissen nicht zuletzt dank meines Blogbeitrags vom 7. Dezember, dass alle freiwilligen kommunalen Leistungen seit einem Jahr auf dem Prüfstand der Unternehmensberater von Partnerschaft Deutschland stehen und viele vom kommenden Stadtrat gekürzt werden könnten.

Die Pässe des Sozialreferats sind nicht nur wegen des damit verbundenen behördlichen Aufwands ein Kostenfaktor. Sie führen auch zu weniger Einnahmen, wenn deren Nutzende damit Ermäßigungen oder gar freien Eintritt in städtischen Einrichtungen genießen. Das Leistungsangebot des München-Passes (Übersicht) nehmen über 60.000 Leute wahr, die so beispielsweise zu Recht kostenlos ins Freibad kommen. Daraus folgen aber dann wiederum spürbar weniger Einnahmen für die Stadtwerke.

Da ist es ein beruhigendes Zeichen, wenn die Stadt an diesen Angeboten festzuhalten scheint und nur deren Verwaltungsaufwand und -kosten reduzieren will. Dazu plant das IT-Referat nun die Digitalisierung dieser Angebote.

Und das nicht wie in Berlin, wo der Berlinpass im Jahr 2022 abgeschafft wurde, um durch eine digitalisierte Version abgelöst zu werden. Diese entpuppte sich „interimsmäßig“ als Berechtigungsnachweis, der zusammen  mit dem Leistungsnachweis verschickt wurde. Ein „Bürokratie-Monster“ bei dem „angeblich fälschungssichere QR-Codes von den Sozialamts-Mitarbeiter*innen händisch in ein 12-seitiges Papierdokument (!) eingeklebt werden“ mussten, so die „taz“. Auf die angekündigte Berlinpass-App wartet man drei Jahre später immer noch.

München will das zügiger hinkriegen. Bereits zum Verkaufsstart des Ferienpasses 2026/27 im Oktober soll dieser ausschließlich digital angeboten werden. Dabei wird man künftig auch auf das bisher erforderliche, „altersgerechte“ Foto des Kindes verzichten, da Eltern bei ähnlichen digitalen Projekten oft große Widerstände zeigen und nur ein Dummybild benutzen. Da der Ferienpass gerade auch von Kindern ab 6 genutzt wird, soll es aber eine physische Variante geben. Voraussichtlich als Print-at-Home-Ticket, das man aus der digitalen Version heraus drucken kann. Der ausschließlich digitale Familienpass soll zum 1. Januar 2027 folgen. 

Die Digitalisierung betrifft nicht nur das Ausstellverfahren, sondern bindet auch alle Kooperationspartner ein, die künftig über eine native Authentifizierungs-App ihre Kurse, Führungen, Veranstaltungen selber unmittelbar in die Plattform hochladen und aktualisieren können.

Beim München-Pass ist der Paradigmenwechsel anspruchsvoller. Das sechs Seiten umfassenden Dokument spiegelt noch den Amtsschimmel wider: Verschiedene Stempel, Unterschriften, ein mit Metallösen befestigtes Passbild …  Zudem dient es als Berechtigungsausweis für das Sozialticket des MVV, die Monatskarte S, die als einzige Monatskarte von MVV und MVG bis heute nicht digitalisiert existiert, sondern nur in der papiernen Form.

Früher wurde der München-Pass nach Vorsprache mit Termin für den Zeitraum der bewilligten Sozialleistung oder die Dauer des Freiwilligendienstes ausgestellt und konnte maximal vier Mal am Empfang des ausstellenden Amtes verlängert werden, bevor dann ein neuer Ausweis fällig war. Inzwischen kann zumindest die Erstausstellung auch online beantragt werden.

Laut dem Sozialreferat bereits im Jahr 2022, faktisch aber erst letztes Jahr verabschiedete sich die Stadt von dem sechsmonatigen Zeitrahmen des Leistungsbezugs und stellte auch die München-Pässe für Empfänger*innen von Sozialleistungen pauschal für ein Jahr aus. „Gründe waren die eingeschränkten Kapazitäten der Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter Freiwillige Leistung, der Wunsch nach einer einheitlichen Regelung und eine Steigerung der Praktikabilität durch die Abkopplung vom Bewilligungszeitraum für die zugrunde liegende Sozialleistung und eine Vereinheitlichung der Gültigkeitsdauer“, so das Sozialreferat auf Anfrage.

Andere Städte sind da noch großzügiger, um den Aufwand zu reduzieren. Wer Bürgergeld beziehungsweise Grundsicherung bezieht, erhält den Köln-Pass gleich für zwei Jahre. Und Senioren sogar mit einer Gültigkeitsdauer von 50 Jahren, also bis ans Lebensende.

Ähnlich wie in Frankfurt am Main seit Februar diesen Jahres wird wohl auch München den Sozialpass künftig nicht ausschließlich digital ausspielen, sondern alternativ weiterhin eine physische Karte für besonders vulnerable Gruppen anbieten, die beispielsweise kein Smartphone besitzen. In Köln hält man dagegen grundsätzlich an der haptischen Karte fest, will sie aber um eine digitale Wallet-Funktion ergänzen. Regensburg arbeitet auch an einer digitalen Ausstellung des Städtepasses mittels Smartphone-App. „Hintergrund ist zunächst eine Verwaltungsvereinfachung sowie eine schnellere Bereitstellung für Nutzerinnen und Nutzer. Zudem spielt auch das Thema »Ressourcen-Schonung« eine Rolle, da bisher ausschließlich Plastik-Karten ausgestellt wurden.“

Der Aufwand für die Digitalisierung des München-Passes ist aber nicht nur wegen der dualen Ausspielung als Pass und Webversion komplizierter als beim Ferien- und Familienpass. Es gibt unterschiedliche Aussteller wie die Sozialbürgerhäuser und das Amt für Wohnen und Migration, es sind mehr Ämter einzubinden und Daten zu authentifizieren, die städtischen Angestellten und Beamt*innen stehen hier vor einem Change-Projekt, weshalb die Umsetzung deutlich länger dauern wird als bei den Ferien- und Familienpässen.

Technischer Dienstleister für die Digitalisierung dieser Pässe ist die Portalgesellschaft von muenchen.de. Das ist nicht zuletzt den Münchner Tageszeitungen zu verdanken, die in einen langjährigen Rechtsstreit gezogen sind, bis das Oberlandesgericht zuletzt im Oktober dem offiziellen Stadtportal presseähnliche Inhalte und Angebote verbot. So mussten neue Aufgaben gefunden werden, und da muenchen.de im Haus alle Ressourcen (Backend, Frontend, Design, Content) anbietet, entschied sich das IT-Referat für sie.  

Dabei wird das Rad nicht völlig neu erfunden. Geprüft wurden viele kommerzielle wie kommunale, in- und ausländische Modelle und Anbieter. So auch München Ticket, Pretix oder die München-App. Grundlage der Systemkomponenten des künftigen Münchner Webportals für die Ferien-, Familien- und Sozialpässe wird nun das Bamberger Modell einer Public-Money-Public-Cloud sein. Mit Hilfe des Förderprogramms „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen entwickelt Bamberg seit November 2020 digitale Anwendungen in Open Source. So ließ sich die Kommune von der Jenaer Agentur Netscrapers ein Ferienportal als Open-Source-Webanwendung entwickeln, an der sich nun auch München, Würzburg und voraussichtlich eine weitere Kommune beteiligen werden.  

Die Erweiterung für die Bedürfnisse des München-Passes erstellen die Jenaer auf Kosten Münchens, könnten aber theoretisch dann auch von Bamberg und Würzburg genutzt werden. Laut meiner Übersicht von Sozialpässen in Bayern scheint dafür in Bamberg mit gerade mal knapp über 300 SozCards und Würzburg ganz ohne jeden Städtepass aber wenig Bedarf zu bestehen.

Wochenplan

Markus Söder / Presseclub; Joachim Herrmann präsentiert die polizeiliche Kriminalstatistik 2025 / Innenministerium; Demonstration gegen den Münchner Abschiebeterminal / Gärtnerplatz; „Prozess“ mit Christiane Paul / Maxim-Gorki-Theater Berlin; Pressekonferenz zur Brâncuși-Ausstellung (Foto) / Neue Nationalgalerie Berlin; Annette Ramelsberger: „Am Abgrund“ / Literaturhaus; Betriebsratswahl „tz“ & „Münchner Merkur“ / Pressehaus; Vernissagen Lisette Model / Kunstfoyer, Djamila Fierek: „Klanglandschaften“ / Steinway & Sons, Antifascism Now: „Residency Presentation – Antifascist Cultures of the Present“ / Lothringer 13, Mana Maria Muctar: „Farbe des Lichts“ / Erco und Jeff Dunas: „American Pictures & State of the Blues“ / Amerikahaus; Pressekonferenz zur OB-Stichwahl / Kreisverwaltungsreferat; Pressekonferenz zu den Betriebsratswahlen / DGB; IT-, Verwaltungs- und Personal-, Sozialausschuss / Rathaus; Festveranstaltung zu Ehren von Alexander Schmorell & Christoph Probst / Albert-Einstein-Gymnasium; Bayerischer Journalisten-Verband: Frühjahrs-Netzwerktreffen / Hofbräukeller; Akademiegespräch „Förderer, Freund und Skeptiker. Das Verhältnis der USA zur deutschen Demokratie nach 1945“ mit Ilse Aigner, Ursula Münch, Isabel Heinemann und Karl-Theodor zu Guttenberg / Landtag; Münchner Premiere von „Les Misérables - Die Geschichte von Jean Valjean“ in Anwesenheit des Regisseurs Éric Besnard / Rio-Filmpalast; Christoph Hochhäuslers „Der Tod wird kommen“ in Anwesenheit des Regisseurs / Werkstattkino; Presserundgang zur Sonderausstellung „Planetary Health – Am Puls von Mensch und Planet“ / Deutsches Museum; Pressekonferenz zur gemeinsamen Terrorabwehrübung der Bayerischen Polizei und Bundeswehr Getex 2026 / Bereitschaftspolizei Dachau; Bernhard Maaz: „Anton Hiller – Proportion und Balance“ / Neumeister; „Braunschlag 1986“ / ORF; Big Opening / Hofbräu im Deutschen Theater; Poppy / Backstage; Podcast „Riefenstahl: Influencerin des Bösen“ / ARD; Studientage „Für Kinder“ / Haus der Kunst; Open Data Day / Qubes; Filmtage der Frankophonie / Theatiner-Filmkunst; Ludovic Gerst: „Frise Lumière“ / Klang im Dach; Stichwahl für den Oberbürgermeister; Wahlparty der Grünen / Muffathalle 

(Foto: Succession Brâncuși / VG Bild-Kunst, Bonn 2026)

Samstag, 14. März 2026

Erinnerungen an meinen Vater (41) Ion Popa und seine erste Notlandung mit einem Ballon 1936

Wie oft im Leben fährt man mit einem Gas- oder Heißluft-Ballon? Und vor allem: Wie oft stürzt man beinahe damit ab? Mein Vater offenbar mindestens zweimal.

Mir selbst hat er von seinem Aufklärungsflug als Frontberichterstatter im Zweiten Weltkrieg erzählt, der vorzeitig abgebrochen werden musste. Einige Jahre zuvor war ihm aber offenbar bereits einmal Ähnliches widerfahren. 

Bei der Durchsicht von Archivexemplaren der rumänischen Tageszeitung „Curentul“ entdeckte ich in der Ausgabe vom 3. Juni 1936 einen Bericht, wie der Redakteur Ion Popa, mutmaßlich mein Vater, als einziger Passagier mit dem polnischen Gasballon Katowice unterwegs war. Als der Ballon nach 14 Stunden wegen starkem Regen und Hagel notlanden musste, verletzte er sich leicht am Fuß.


Montag, 9. März 2026

Wochenplan (Updates)

Kundgebung Palästinasolidarität / Strafjustiz-Zentrum; Vorab-Präsentation des Einstiegsfilms „Hymne“ zur Bayerischen Landesausstellung „Musik in Bayern“ / Neues Arena; Vernissagen „Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter“ / Lenbachhaus, Martin Kargruber: „Transmitter“ / Streitfeld Projektraum und „Himmlisches Wiedersehen – Von Ludwig I. zum Blauen Reitet“ / Diözesanmuseum Freising; Buchvorstellung Sonja Eismann: „Candy Girls – Sexismus in der Musikindustrie“ / Hansa 39 „The Veil“ mit Elisabeth Moss (Foto) / ZDFneo & ZDF-Mediathek; Jahrespressegespräch mit anschließendem Abendessen / MVV; Verleihung der Ehrenmedaille für Verdienste um die Volkskultur in München an Monika Baumgartner und des Innovationspreises Volkskultur an das Musikensemble Maxjoseph / Gasteig HP8; „Lieber Gott als nochmal Jesus“ – Buchpräsentation mit Ilja Richter / Jüdisches Gemeindezentrum; „Meinungsfreiheit“ – ein Abend mit Ronen Steinke / Literaturhaus; „Fokus Bühnentechnik“ – ein Gespräch mit Rebecca Meier und Igor Belaga / Deutsches Theatermuseum; Lesung und Diskussion „Freiheitsaufgaben“ mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Marko Martin / Presseclub; Pressegespräch mit Kardinal Marx zur Wiedereröffnung von St. Thomas Morus / St. Thomas Morus; Symbolische Schlüsselübergabe MUnique Gardens; Pressetermin zum 80-jährigen Jubiläum / Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung; „Scarpetta“ mit Nicole Kidman und Jamie Lee Curtis / Amazon Prime; Buchpräsentation „Rainer Werner Fassbinder: Kino der Subversion“ mit Margarethe von Trotta & Georg Seeßlen / Lehmkuhl; Protest-Aktion „Ihr habt uns sitzen lassen! Bildungsbunker machen krank!“ / Kultusministerium; Munich Design Days & Münchner Stoff Frühling: Podiumsdiskussion „Die Kraft der Farbe“ mit Axel Buether, Isa Glink, Hannah Maria Jakobi & Stephanie Thatenhorst / Occhio Experience Center; Pressekonferenz der Münchner Philharmoniker mit Kulturreferent Marek Wiechers zur Vorstellung der Konzertsaison 2026/27 mit dem neuen Chefdirigenten Lahav Shani / Gasteig HP8; Kulturausschuss / Rathaus; „Mit Herz und Strategie: Wie München Mitarbeitende zu Botschafter:innen macht“ / Design Offices; Buchvorstellung „Kunst essen – Kochrezepte inspiriert von großen Meisterwerken“ / Cafédotkom; Eröffnung neuer Lern- und Aufenthaltsräume / Herzogliches Georgianum der Ludwig-Maximilians-Universität; Vorstellung der Andechser Apfelweißen / Klosterbrauerei Andechs; Gedenken an die Deportation der Münchner Sinti und Roma / Platz der Opfer des Nationalsozialismus; Encantada / Jacques' Weindepot Haidhausen; Cinema-Ye Azad – Free Cinema: Filme aus Iran 1969–1979 / Werkstattkino; PRÜF-Kundgebung mit Heribert Prantl / Geschwister-Scholl-Platz; St. Patrick's Day Festival / Leopold- und Ludwigstraße; Joseph L. Mankiewicz' „All about Eve“ mit Bette Davis, Anne Baxter, George Sanders, Celeste Holm und Marilyn Monroe / Filmmuseum; „Sound of Music Now“ / Feierwerk; Townhall mit Ricarda Lang & Dominik Krause / Freiheitshalle; Wannda Circus Fashion Revolution Show / Das neue Dings; Oscars / Pro Sieben & Joyn sowie Disney+

Montag, 2. März 2026

Wochenplan (Updates)

Pressetag der Harlem Globetrotters mit Lou Danbar, Mark Blount & Zavian Jackson / SAP-Garden; Pressekonferenz zu den Südtiroler Gastrowochen / Fink's Südtiroler Knödelküche; Buchpräsentation von Annette Doms' „Von Gutenberg zu ChatGPT“ / Unpainted; Munich Jewellery Week: Maja Stojkovska & Flatz / mim und Gabi Dziuba & Friends: „The Long Tomorrow“ / Baader-Café; Vernissagen „Wieso seid ihr noch am Leben? – Der Holodomor 1932/33“ / Ludwig-Maximilians-Universität, „Foreign Bodies“ ft. Sawa Aso, Danni Chen, Joohee Han, Hyewon Jang, Meeree Lee, Yumiko Matsunaga, Saika Matsuda, Makiko Mitsunari & Jianling Zhang / Kunstpavillon, Michael Nagy: „Behördlich erfasst“ / OB-Galerie im Rathaus und „Artificial? Spuren des Gegenwärtigen“ ft. Lavinia Berton, Jan Davidoff, Hedwig Eberle, Annemarie Faupel, Gregor Hildebrandt, Maria Justus, Katharina Koch, Suse Kohler, Christian Muscheid, Florian Nöthe, Gabriele Pöhlmann, Joan Saló, Doreh Schütz, Franz Stein, Rosalie Werthefrongel & Martin Wöhrl / Galerie Koko im Hotel Bachmair Weissach; Dreharbeiten als Komparse zu „Aktenzeichen XY“ / Gröbenzell; Zukunft findet Stadt: „Stadt im Umbau“ / Stadtbibliothek im HP8 Gasteig; „report München“ mit Aufnahmen aus der „tz“-Redaktion / ARD; LUNAparty / Bayerischer Hof; Vollversammlung des Münchner Stadtrats / Rathaus & Livestream; Pressegespräch anlässlich der Wiedereröffnung der Mittelalter-Säle / Bayerisches Nationalmuseum; „Traqués – Gejagt“ mit Mélanie Laurent und Benoît Magimel / Apple TV; Jahresempfang des Deutschen Bundeswehrverbands in Bayern / Universität der Bundeswehr; BayStartUP Prämierungsfeier im Münchner Businessplan-Wettbewerb / Backstage; „Auf dem Nockherberg – Die Starkbierprobe mit Derblecken und Singspiel“ / Paulaner am Nockherberg & Bayerisches Fernsehen; Münchner Premiere von „Gelbe Briefe“ in Anwesenheit des Regisseurs İlker Çatak / City; Pressetermin zur automatisierten Drohne / Feuerwache 4 Schwabing; Podiumsdiskussion „Perspektiven für Stadtentwicklung & Tourismus“ mit Dieter Reiter, Dominik Krause und Clemens Baumgärtner / Bayerischer Hof & München TV; „Vladimir“ / Netflix; Kristen Stewarts „The Chronology of Water“ (Foto) mit Imogen Poots, Thora Birch u. a. / Werkstattkino; Ulrich Mannes und Rolf Aurich präsentieren das Buch „Hans Schifferle. Berufung: Kritiker“ mit Vorführung von Kenneth Angers „Scorpio Rising“ und Jean Cocteaus „Orphée“ / Filmmuseum; GG Bavaria / Kleine Olympiahalle; Eröffnung der Bücherschau junior / Forum der Zukunft; Krause trifft Ude / Das neue Dings; Flashmob gegen den EU-Gesetzesentwurf zur Neuen Gentechnik / Stachus & Max-Joseph-Platz; Boxwerk vs. Racism: Podiumsdiskussion mit Roger Rekless, Achim Waseem Seger, Nick Trachte & Priscilla Hirschhausen und Vorführung der Filme „Voices“ und „G.O.A.T.“ / Das neue Dings; Pollyester / Bar Charlie; Kommunalwahl; Feminism Unstoppable – We Won't Shut Up / Rindermarkt, Glockenbachwerkstatt & Bellevue di Monaco: Münchner Premiere von „No Mercy“ mit Regisseurin Isa Willinger / Theatiner; „Wer stiehlt mir die Show?“ mit Andrea Petković, Till Reiners, Nico Santos & Joko Winterscheidt/ Pro Sieben & Joyn

(Foto: Ella Knorz / if Productions / Alamode-Film)

Sonntag, 1. März 2026

Bettgeschichten

Freitagabend ist mein Bett zusammengekracht. Und der Anlass war alles andere als ekstatisch. Während Lustschreie im Rhythmus der knarzenden Liegestatt derzeit allabendlich meiner Nachbarwohnung vorbehalten sind, frästen sich bei mir nur die Schrauben der Leiste, die das Lattenrost trug, durchs Holz, bis sie jeden Halt verloren.

Andere behelfen sich dann vorübergehend mit Ziegelsteinen als Stütze, ich packte einen Stapel Bücher unter die linke Betthälfte. Drei Jahrzehnte hat mir mein Doppelbett nun gute Dienste geleistet. Erworben habe ich es Mitte der 1990er-Jahre in Berlin, in einem Fachgeschäft in der Potsdamer Straße, das regelmäßig im „tip“ warb. Wenn ich mich recht erinnere Kirschholz, um die 1500 Mark.

Als ich 1983 das erste Mal nach Westberlin gezogen war, hatte ich noch eins jener Betten dabei, mit denen Radio Freies Europa den Haushalt meiner Eltern Mitte der 1950er-Jahre aus US-Army-Beständen ausgestattet hatte. Etwas länger und breiter als die deutschen Normbetten. Irgendwann, bei meinen ständigen Umzügen innerhalb von und zwischen München und Berlin ging es dann kaputt und ich stieg auf ein Pappbett um, das erstaunlich stabil war und mir lange gute Dienste bot. 

Die Betten wechselten, aber etwas blieb. Stets weiße Bettwäsche und immer Kissen und Decken für zwei, selbst wenn ich allein lebte. (Als ich während meiner Münchner Jahre mal in Berlin zu Besuch war und in einer Pension landete, in der sonst Drückerkolonnen absteigen, musste ich in einem schmalen Bett mit Michael-Schumacher-Bettwäsche übernachten. Widerwillig, äußert widerwillig.)

Oft war mein Bett auch bei Freunden im Keller oder bei Zapf eingelagert, weil ich als Untermieter von möblierter Wohnung zu möblierter Wohnung zog. Das Berliner Modell: Lebenskünstler mit Wohnberechtigungsschein vermieteten ihre billige Sozialwohnung mit Aufschlag an Leute wie mich und leben von der Differenz. Dann konnte ich mir schließlich wieder eigene Wohnungen leisten. In Straßburg (Burda!) und München (Springer!) sogar Drei-Zimmer-Wohnungen. Eines zum Fernsehen, eines zum Arbeiten, eines zum Schlafen. Bis mir das zu dumm war und ich mich auf ein Zimmer gesundschrumpfte.

Mein massives Berliner Doppelbett überstand die Ortswechsel gut. Parkettböden bekamen ihm dagegen weniger gut, da neigte es dazu, durch den Raum zu wandern, wenn ich nicht allein war und nicht schlief. Gummistopper unter den vier Bettpfosten beendeten die Wanderlust. Möglicherweise ein Fehler, denn die kinetische Energie suchte sich einen anderen Weg: Das Bett krachte mitten im Akt zusammen. Wir hatten mit unseren Schwingungen den Holzpfeiler, der den Lattenrost in der Mitte des Bettes stützte, gecrasht. Und konnten darauf nur mit herzlichem Lachen reagieren. 

Mein Bett war auch eine begehrte Kulisse. Als der „Stern“ einmal über das Sexleben der Generation 40+ berichtete und auch mich dafür interviewte („Lust ohne Last, Sex ohne Scham, Gefühle ohne Grenzen“), musste ich zur Bebilderung unter anderem im Gaddafi-T-Shirt auf meinem Bett stehend posieren.

Ein Jahr später hatte ich mal wieder einen Durchlauf meines Pop-up-Stores 100 Tage Bücher, aus dem ich täglich in einem eigenen Blog berichtete. Nur sonntags gab es nichts zu berichten, weil der Laden geschlossen war. Also kreierte ich die Rubrik Sleepy Sunday, in der ich statt aus der Buchhandlung mehr oder weniger nackte Tatsachen aus meinem Bett bloggte.

Auch Frauen nutzten mein Bett gern als Requisite. Sei es I. für ihr Fotoprojekt, bei dem sie im Alter von Ende 20, Anfang 30 sonst für Profis posierte, um dann zu ihrem 40. eine Ausstellung dieser Aktbilder au präsentieren. Sei es L., die freizügige Bilder wünschte, um sie ihren zahlreichen Lovern zukommen zu lassen.

Vielleicht war das alles meinem Bett zu viel geworden. Auch wenn sich inzwischen weit weniger Aufregendes darauf abspielt. Wenn jetzt ab Februar die Sonne hoch genug steht, um über die Dächer zu scheinen, ist mein Bett der bequemste Platz, um mich bei geöffnetem Fenster zu sonnen. So lange die Bücher mich noch tragen.

Montag, 23. Februar 2026

Wochenplan (Updates)

Pressekonferenz zu den Münchner Feierlichkeiten anlässlich des St. Patrick's Day / Kilians; Giesinger Starkbierfest: Grüner Abend mit Dominik Krause, Katharina Schulze & Christian Springer / Werk 2; Jahresempfang des Migrationsbeirats / Altes Rathaus; Podiumsdiskussion „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Die Demokratie stärken, ohne ihr Fundament zu gefährden“ mit Gabriele Britz, Irena Lipowicz & Moshe Zimmermann / Bayerische Akademie der Wissenschaften; Andrzej Żuławskis „Possession“ (Foto) mit Isabelle Adjani, Sam Neill, Heinz Bennent u. a. / arte; Pressetermin „150 Jahre Tram in München“ / MVG-Museum; Trauerstaatsakt für Rita Süssmuth / Bundestag & Livestream; Pressetermin zur neuen Roboter-Generation von AgiBot / Andaz Munich; Kommunaler Ehrenpreis der Landeshauptstadt für Dagmar Nick / Altes Rathaus; Gastschicht von Laksmi & Laura (Hammond Wien) / el Tato; Vernissagen „Skipping on the Tightrope“ ft. Sylvia Berté, Julius Fest, Yuan Chung Yueh & Maja Stojkovska / Kunstarkaden, Michail Pirgelis: „Hawaiian Hills“ / Kunstraum, Toulu Hassani: „Fall Back into Place“ & Daniel Knorr: „Sculpted Platforms“ / Schöttle und Olga Golos & Lennart Lahuis: „Some Weather“ & Chris Tille: „The Inner Universe“ / Bergson; Podiumsdiskussion „Kultur fragt Politik“ mit den Stadträt*innen Leo Agerer, Julia Schönfeld-Knor & David Süß / Backstage; Podiumsdiskussion „Innenstadt neu denken“ mit Olaf Kranz, Wolfgang Fischer. Kemal Orak, Seraphine Kustermann, Temel Nal & Serdar Duran / Pop-up-Atelier Kustermann; Podiumsdiskussion „Kommunalfinanzen am Limit“ mit Alexander Hagelüken, Simone Burger, Hans Hammer, Sebastian Weißenburger, Christian Köning, Stefan Jagel & Claudia Weber/ Pfarrheim St. Rupert; Microsoft AI-Tour / Eisbachstudios; Deutscher Kongress für Kunstgeschichte / Ludwig-Maximilians-Universität; Pressekonferenz „40 Jahre Sub: Vom schwulen Wohnzimmer zum politischen Sprachrohr der Community“ / Sub; Pressegespräch Wohnbauprojekt Am Hirtenweg / Grünwald; Pressekonferenz mit Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller und IT-Referentin Laura Dornheim zur Kommunalwahl / Kreisverwaltungsreferat; Presselunch / LabCampus; Innenminister Joachim Herrmann präsentiert die Unfallstatistik / Innenministerium; Karaoke mit den grünen Stadträt*innen Mona Fuchs, David Süß u. a. / Yokocho Karaoke Box; „Stadt lebenswert“ / Luise; Kick-off-Infoveranstaltung „Abschiebeterminal MUC verhindern“ / Bellevue di Monaco; Jubiläumsfeier 40 Jahre Sub / Altes Rathaus; Finest Spirits / Zenith; „Der andere Blick – Theaterfotografie von A.T. Schaefer“ / Deutsches Theatermuseum; La Nuit des César; Michel Friedman spricht mit Aladin El-Mafaalani über Rassismus / Kammerspiele; Ralf Olsens „Das Rasthaus der grausamen Puppen“ (1967) mit Helga Anders / Werkstattkino; The Actor Awards (SAG-AFTRA) / Netflix

Sonntag, 22. Februar 2026

Eine Art vorgezogener Nachruf

„»Ich bin ein Gatekeeper - am Tag als Journalist, bei Nacht als Türsteher«, sagt Dorin Popa, freier Journalist, über sich. Sein Vater war Journalist, die ersten Texte schrieb er für Stadtzeitungen in München, Nürnberg und Berlin, später auch für überregionale Magazine. Ein Schwerpunkt seiner journalistischen Arbeit lag bei diversen Entwicklungs- und Gründungsredaktionen, unter anderem im Auftrag von Burda. Dorin Popa gründete 1984 einen Verlag, der Literatur, Lyrik und Bildbände herausbrachte (unter anderem Werke von Serge Gainsbourg und Eugene Ionesco). Als fester Freier war der gebürtige Münchener für den Berliner Tagesspiegel tätig, später für diverse Frauenzeitschriften. Seit 2020 ist er als Freelancer im Spätdienst für die Printausgabe der Münchner tz verantwortlich. Dorin Popa ist aktiv in den sozialen Kanälen wie Facebook oder X unterwegs, was ihm sogar eine Reportage im Spiegel bescherte. Am 25. März feiert er seinen 65. Geburtstag. Im BJV ist er seit 1997 Mitglied.“
BJVreport 1/2026

Samstag, 21. Februar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (40) und Weimar

Mein Vater Ion Popa (links) im August 1941 mit einer noch nicht identifizierten Person vor dem Goethe-Haus in Weimar.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (39) und Berlin

In den Jahrzehnten, in denen mein Vater Ion Popa unter dem Pseudonym Ion Măgureanu bei Radio Free Europe in München arbeitete, betonte er wiederholt, dass er nicht nach Berlin reisen könne. Aus Furcht, dort entführt zu werden.

Diese Furcht scheinen nicht alle bei RFE geteilt zu haben. Der Leiter der rumänischen Redaktion, Noël Bernard, war, wie seine Witwe in ihrem Erinnerungsbuch berichtete, wiederholt in Westberlin, etwa um eine dort auftretende rumänische Theatertruppe zu besuchen. Aber Bernard wäre sogar einer Einladung ins kommunistische Bukarest gefolgt, wenn ihm das nicht aus Washington verboten worden wäre, schreibt zumindest Nestor Ratesh in seinem Kapitel „Radio Free Europe's Impact in Romania During the Cold War“ des Sammelbands „Cold War Broadcasting“.

Nun ist mein Vater während meiner Kindheit und damit während des Kalten Kriegs grundsätzlich wenig gereist, hat aber auch nie ähnliches von anderen Städten wie etwa Wien erwähnt.

Berlin schien etwas besonderes zu sein. 

Erst lange nach seinem Tod erfuhr ich von seinem Schwager Eugen „Nicu“ Filimon, dass mein Vater in Bukarest dafür bekannt gewesen sei, dass er die schicksten Krawatten aus Berlin trug.

Mein Vater hatte auch erzählt, dass er den Dirigenten Sergiu Celibidache von früher her kannte. Sie könnten sich in Iași begegnet sein, wo beide studierten, wenn auch sehr unterschiedliche Fächer. Wahrscheinlicher scheint mir aber, dass sie sich in Berlin kennengelernt haben, wo Celibidache seit 1936 lebte. Etwa im Grunewalder Salon der mit Werner Sombart verheirateten Rumänin Corina Leon. Als Celibidache dann 1979 Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker wurde, nahm mein Vater aber keinen Kontakt zu ihm auf.

Nun berichtet meine Schwester, dass mein Vater und seine erste Ehefrau Hortensia in Berlin gelebt hätten, weil er von 1937 bis 1944 Presseattaché an der Rumänischen Gesandtschaft gewesen sei. Das stünde nun meines Erachtens im Widerspruch zu seiner Arbeit als leitender Redakteur Ende der 1930er-, Anfang der 1940er-Jahre in Bukarest bei den Tageszeitungen „Cuvântul“ und „Cutrentul“ wie auch zu seiner Tätigkeit als Kriegsberichterstatter. 

Und sowohl  René Al. de Flers wie auch Ioanna Măgură Bernard betonen später, dass mein Vater unter all den ehemaligen Diplomaten bei Radio Free Europe einer der wenigen Berufsjournalisten gewesen wäre und eben kein ehemaliger Diplomat.

Es gibt aus den späten 1930er- und frühen 1940er-Jahren auch Fotos, die meinen Vater und seine erste Ehefrau in Rumänien zeigen.

Unbestreitbar ist aber, dass sie zumindest 1944 in Berlin lebten. Hortensia war schwanger und statt im zerbombten Berlin zu bleiben, fuhr sie nach Wien, wo meine Schwester Anka Maria dann am 26. Juli 1944 zur Welt kam.

(Screenshot aus „Funeral in Berlin“)

Mittwoch, 18. Februar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (38) und seinen Wandel zum Eremiten

Zwischen den Kriegen und auch während des Zweiten Weltkriegs war mein Vater offenbar kein Kind von Traurigkeit und selbst später im Exil und den damit verbundenen prekären Lebensumständen schien er das Beste daraus zu machen, pflegte regen Umgang und war auch dem Pariser Nachtleben nicht abgeneigt.

Nach dem Umzug mit Frau und Söhnen zu Radio Freies Europa in München war die Familie finanziell aus dem Gröbsten raus und mein Vater zeigte offenbar weiter Präsenz. Es gibt viele Fotos mit Kolleg*innen (hier der zweite von links auf dem 1959 entstandenen Bild), er ließ sich auch allein im Sender fotografieren und René Al. de Flers zufolge erschien mein Vater Ion Popa alias Ion Măgureanu samt Frau und Kindern auch außerhalb der Arbeitszeit, wenn der Chef zu sich nach Hause einlud. 

In seinem Erinnerungsbuch „Radio Europa Liberă şi exilul românesc: o istorie încă nescrisă“ (Radio Freies Europa und das rumänische Exil: eine noch ungeschriebene Geschichte) schreibt de Flers über Weihnachten 1959 (deutsche Rohübersetzung nach dem rumänischen Original): „În perioada lui Ghiță Ionescu, de când fusese numit director la Departamentul Român de Emisiuni, se stabilise un obicei; când veneau sărbătorile nașterii lui lisus Christos, el organiza sărbătoarea pomului de Crăciun la el acasă, la care erau invitați toți membrii Departamentului. Anul acesta fusesem invitat și eu. Secretara lui, Malila Szabados, fata profesorului universitar român Constantinescu de la Roma, mă anunțase de invitație, dar nu întrebase dacă aveam copii. Spunându-i soției, dânsa n-a vrut să mă însoțească. Mi-a răspuns că rămâne acasă cu copiii, dar eu să mă duc. M-am dus la Ghiță Ionescu împreună cu Madeleine. Ajuns acolo, lani Popa a venit la mine, se uita oarecum mirat și m-a întrebat imediat: Da unde este soția și unde sunt copiii? Nu știam ce să răspund, și am spus că eu fiind nou la München, nu cunoșteam obiceiurile de aici.
- Domnule Popa, nu mi-a spus nimeni că trebuia să-i aduc. Apoi, încă nu cunosc datinile voastre. 

La pomul de Crăciun este obiceiul din străbuni să se împartă cadouri la copi, exact cum s-a petrecut și în seara aceea. Uitându-mă la copiii colegilor de sus care primeau cadouri, aveam o plăcere imensă să văd nesfarșita fericire care strălucea în ochii lor. Mã gândeam că nu mai era mult până voi remarca aceeași bucurie și în ochii copiilor mei, dar la mine acasă. Sărbătorile trecuseră, mă găseam din nou la mine în birou și m-am pomenit cu Malila venind să-și ceară scuze că nu mă invitase la Pomul de Crăciun împreună cu toată familia. Îmi adusese cadouri și pentru copii. N-am idee cine o fi spus lui Ghiță Ionescu că aveam copii, dar bănuiam că vinovatul era Popa.“

„Seit Ghita Ionescu die rumänische Redaktion leitete, hatte es sich eingebürgert, dass er anläßlich der Geburt Jesu Christi alle Mitarbeitenden zu einem Weihnachtsfest bei sich daheim einlud. In diesem Jahr bin ich auch eingeladen worden. Seine Sekretärin, Malila Szabados, die Tochter des rumänischen Universitätsprofessor Constantinescu in Rom, hatte mich wissen lassen, dass ich eingeladen sei, aber nicht gefragt, ob ich Kinder hätte. Als ich meiner Frau von der Feier erzählte, sagte sie mir, dass sie mich nicht begleiten wollte. Sie würde mit den Kindern zu Hause bleiben, aber ich solle hingehen. Gemeinsam mit Madeleine bin ich zu Ghiță Ionescu. Als ich eingetroffen war, kam Iani Popa auf mich zu, schaute verwundert und fragte mich sofort, wo denn meine Gattin und die Kinder wären. Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte und erklärte ihm, dass ich als Neuankömmling in München nicht die Gepflogenheiten hier kennen würde.
- Herr Popa, es hat mir niemand gesagt, dass ich sie mitbringen sollte. Ich kenne Ihre Gebräuche noch nicht.

Am Weihnachtsbaum ist es von je her Brauch, Geschenke an die Kinder zu verteilen. Und so wurde es auch an diesem Abend gehandhabt. Als ich beobachtete, wie die Kinder der Redaktionskollegen beschert wurden, bereitete es mir großes Vergnügen, in ihren Augen die unendliche Freude erstrahlen zu sehen. Ich dachte daran, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis ich auch bei meinen Kindern diese glücklichen Augen sehen würde, nur eben bei mir daheim. Nach den Feiertagen schaute Malila bei mir am Arbeitsplatz vorbei, um sich zu entschuldigen, dass sie mich nicht samt meiner ganzen Familie eingeladen hatte, und brachte auch Geschenke für meine Kinder mit. Keine Ahnung, wer Ghiță Ionescu erzählt haben mag, dass ich Kinder habe, aber ich vermute, dass Popa der Schuldige war.“

Irgendwann Mitte der 1960er-Jahre änderte mein Vater dann drastisch sein Verhalten. Er verbot ausdrücklich, im Sender fotografiert zu werden, brach die Beziehungen zu allen Mitarbeitenden außerhalb der Arbeitszeit ab und fing an, sehr zurückgezogen zu leben.

Hing das mit Nicolae Ceaușescus Machtübernahme in Rumänien 1965 zusammen? Hatte sich die Gefahrenlage verändert? Oder war die Rückkehr Noël Bernards 1966 als Leiter der rumänischen Redaktion ein Auslöser? War mein Vater nur zu krank geworden, um irgendwelchen gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen? Oder war er, nachdem 1963 seine in Rumänien zurückgelassene Tochter Anka Maria mit ihm plötzlich brieflich Kontakt aufgenommen hatte, nur vorsichtiger und rücksichtsvoller, um sie nicht zu gefährden und vielleicht zu ermöglichen, dass sie ihn 1968 ein erstes Mal in München besuchen durfte? Ich habe keine Ahnung. Aber der Ion Popa, den ich als Kind erlebte, war nicht zu vergleichen mit dem Lebemann, der er früher gewesen war.  Er war nun zum Eremiten geworden.