Montag, 21. September 2026

Ralle Richter: Mal lieb, mal wütend, aber immer authentisch

Die drei Bad Boys des deutschen Fernsehens, Claude-Oliver Rudolph, Martin Semmelrogge und Ralf Richter verband nicht nur die gemeinsame Zeit vor der Kamera in Wolfgang Petersens Weltkriegs- Epos „Das Boot“. Sie schufen auch, teils durch Umgehung der Strafgesetze, eine Screen-Credibility, die auf ihrer Street-Credibility beruhte. Ihre Ausstrahlung im Fernsehen und Kino schien im Straßenkampf und nicht auf der Schauspielschule gestählt worden zu sein. Man traute ihnen vor oder auch abseits der Kamera jede Betrügerei, jede Schlägerei und jeden Drogendeal zu. 

Und auch wenn Ralf Richters Vater Architekt und Immobilienbesitzer gewesen war, lebte dieser strenggläubige Katholik mit Frau, Ralf und sieben weiteren Kindern im Bochumer Arbeiterviertel und führte ein offenes Haus. Ralf besuchte zwar eine Schauspielschule, hatte aber zuvor Schreiner gelernt, wobei der Vater das Handwerk seines Sohnes als sozialen Abstieg empfand und es begrüßte, als er zum Schauspiel wechselte. Den Erfolg seines Sohnes als Kult-Darsteller erlebte er aber nicht mehr.

Während Rudolph eher der gefährlich schweigsame Düstere blieb und Semmelrogge der spitzbübische Lustige, gab der in Essen geborene „Ralle“ Richter meist den derben Proleten mit eisblauen Augen und unwiderstehlichem Ruhrpott-Charme. Mal lieb, mal wütend, aber immer authentisch. Im Fernsehen etablierte er sich als Bergmann Otto Schablowski in Klaus Emmerichs „Rote Erde“. In Peter Thorwarths Kult-Komödien „Bang Boom Bang“ und „Was nicht passt, wird passend gemacht“ triumphierte er schließlich als „Kalle“ auch an den Kinokassen in diesem Rollenfach. 

Dass Richter damals vor der Deutschland-Premiere von „Bang Boom Bang“ in Köln direkt aus dem Tourbus heraus verhaftet und später wegen Kokainhandels zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, schadete ihm dann natürlich auch nicht, sondern unterstrich nur seine Glaubwürdigkeit vor der Kamera. Und Regisseure wie Dominik Graf („Die Katze“) oder Oskar Roehler („Suck My Dick“) griffen gerne auf dieses ungeschliffene Juwel zurück. 

Doch in den letzten Jahren war sein Glanz gesundheitsbedingt verblasst. Ihr in Köln lebender Vater sei in der vergangenen Nacht gestorben, schrieben seine Kinder Aline und Maxwell Richter am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung bei Facebook. Sie ergänzten: „Für uns ist gerae eine Welt stehen geblieben.“ Für viele Fans sei er Schauspieler, Kultfigur und ein Gesicht, das sie über viele Jahre begleitet habe. Für die Kinder sei er aber vor allem der Vater gewesen. Richter wurde 69 Jahre alt. 

Seinem Vater sei es seit längerem gesundheitlich schlecht gegangen, sagte Richters Sohn der „Bild“. „Er litt an COPD und einer Herzunterfunktion. Eine Vene zum Herzen hat nicht mehr richtig gearbeitet“, so Maxwell Richter. „Deshalb war er schon vor ein paar Monaten in der Klinik. Danach hat er weiter abgebaut.“ COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) ist eine chronische und fortschreitende Lungenerkrankung. 

(Versionen dieses Artikels erschienen in der „tz“, „Wasserburger Zeitung“, „Chiemgau-Zeitung“, im „Münchner Merkur“, „Mühldorfer Anzeiger“, „Mangfall-Boten“, „Oberbayerischen Volksblatt“, „Neumarkter Anzeiger“ und den „Waldkraiburger Nachrichten“ vom 16. September.)

Wochenplan (Updates)

„Youth“ / HBO Max; Gründung des IBA-M Netzwerks Bahnhofsquartiere / Veranstaltungsforum Fürstenfeld; Oktoberfest; Eight Cylinder Bigband / Unterfahrt; Pressegespräch der Linken zur Leerstandsbekämpfung / Rathaus; Buchpräsentation Konrad Bernheimer: „Briefe an meinen Vater“ / Jüdisches Gemeindezentrum; Pressegespräch 15-mal Festzelt Tradition auf der Wiesn / Oide Wiesn; Podiumsdiskussion „Umbau der Ludwigstraße – Visionen und Denkmalschutz im Widerstreit“ mit Robert Brannekämper, Andrea Gebhard, Christian Hierneis, Mathias Pfeil und Winfried Nerdinger / Kaufmanns-Casino; Presseabend / Hofbräuzelt; Buchpräsentation Klaus Zierer: „Wovon sprechen wir, wenn wir ‚Bildung‘ sagen? Auch ein Essay“ mit Julia Ruhs und Klaus Holetschek / Literaturhaus; Jahresbericht zur Aufgabenwahrnehmung im SGB II durch das Jobcenter / Rathaus; Präsentation von zwei Präventionsfilmen zum Ausstieg aus dem Rechtsextremismus und Podiumsdiskussion mit Joachim Herrmann, Daniela Marckmann und Andy Klein / Hochschule für Fernsehen und Film; Preisverleihung „Demokratie Next Generation“ / Pinakothek der Moderne; Rudolf Thomes „Detektive“ mit Ulii Lommel, Marquard Bohm, Iris Berben und Uschi Obermaier / Filmmuseum; JCOM x Doron Rabinovici: „Die Gegenwart der Vergangenheit“ / Kammerspiele; „Die Revoluzzer“ / arte; Monika Schnitzer: „Made in Germany – Wie zukunftsfest ist die deutsche Wirtschaft?“ / Bayerische Akademie der Wissenschaften; Vernissagen Mirjana: „Konjunktive Apokalpyse“ / Salon Maudite, Kitty Kraus / Kunstverein, „Dosenöffner“ ft. barkbank-Panta, Duo Ivandfrei & Lionel David, HUGO, Julia & Sarah, Kai Schatz, Karen Exner, luna & Anna, Philipp Kügler, PyserOne, Sonido Caribe und Tanya Vino / Unter der Brudermühlbrücke sowie Current III: „Inhabiting Time“ / Lothringer 13; Markus Naegeles Drug Stop, Weakboys & Die Pyramiden von Giesing / Giesinger Bahnhof; Shitkid / Milla„4 Blocks Zero“ (Foto) / HBO Max; Matthias Bublaths Fountain of Youth Band / Jazzbar Vogler; Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestags des rechtsextremen Oktoberfest-Attentats vom 26. September 1980 / Theresienwiese; „tz“-/„Merkur“-Redaktionswiesn / Schützenfesthalle; Nationale Olympiaentscheidung in Baden-Baden – „Public Viewing“ der ARD-Liveübertragung auf Einladung von Sportbürgermeisterin Verena Dietl für Unterstützer*innen aus Politik, Wirtschaft und Sport / Altes Rathaus; Modellflugtage / Flugwerft Schleißheim; Sync Kitchen / Zirka; „Saturday Night Live“ season premiere with Jalen Brunson / NBC; Praetorius Wiesn / Marstall; Bauernmarktmeile / Odeonsplatz; Premiere „Die Dreigroschenoper“ / Residenztheater

Mittwoch, 16. September 2026

Poparazzi (18): Masterclass „Souverän vor und hinter der Kamera“ der Friedrich-Ebert-Stiftung

Bekannt aus Tweets, Blogs und der Medienfachpresse. Also überhaupt nicht. Dennoch erkennen mich immer wieder Fremde. Oder flüchtige Bekannte halten mich für wichtig. Und schießen mich ab.

Masterclass „Souverän vor und hinter der Kamera“ mit Christiane Wittenbecher beim Alumni-Netzwerktreffen der Friedrich-Ebert-Stifung für Journalist*innen im Publix Berlin. Ausnahmsweise konnte ich einmal selbst auf den Auslöser drücken, um mich abzulichten, als ein Video mit mir abgespielt und besprochen wurde.

Dienstag, 15. September 2026

Pop-Kunst für Kunst-Pop: Les Rita Mitsouko illustrés

Andy ist tot. Pop Art-Vater Warhol hat in Frankreichs Kultband Les Rita Mitsouko gute Schüler gefunden. Mit Hilfe von Gaultier (Mode) und Godard (Video) erreichte ihr Singsang aus Liebesrausch und Alk siebenstellige Verkaufszahlen und einen Platz im New Yorker Museum of Modern Art. 15 Maler*innen widmeten lovely Rita (richtig: Catherine Ringer) ein wildes Songbook: Zu Texten der beiden LPs „Marcia Baila“ und „The No Comprendo“ schufen sie Heiligenbildchen, Comic-Szenen und grelle Tableaus. 

Mâkhi Xenakis illustrierte „Marcia Baila“.

Blanchard setzte „Stupid Anyway“ grafisch um.

Die weiteren Künstler*innen waren Jean Philippe Delhomme, Alexandre Jacquinot, Jean Faucheur, Aurele, Ricardo Mosner, Hervé Di Rosa, Robert Combas, Muzo, Placid, S. Ringer (Catherines Vater, der 1940 von den Nazis deportierte und 1945 von den Sowjets befreite Maler und Aschkenazim Samuel Ringer, 1918–1986), William Wilson, Olivia Clavel und Gérard Zlotykamien.

„Les Rita Mitsouko illustrés“, Éditions Virgin Musique, Paris 1987, ISBN 2-87612-022-4

Eine Version dieses Textes erschien 1987 in einer Ausgabe der Zeitschrift „Musikexpress/Sounds“. 

Erinnerungen an meinen Vater (48) und die Frage: War er Links- oder Rechtshänder?

Manche Details, derer ich mich entsinne, würde ich nicht als Erinnerungen an meinen Vater Ion Popa aka Ion Măgureanu bezeichnen. Es sind vielmehr Assoziationen, tief in mir vergrabene Bruchstücke, die plötzlich wieder getriggert werden und dadurch in mein Bewusstsein geschwemmt werden.

Ausgerechnet in der Berliner Wilhelmstraße, von der mein Vater oft erzählt hat, bin ich am Sonntag auf die Fresse geflogen. Am Bürgersteig ragte der kurze Rest eines Schilderpfostens aus dem Boden, den ich übersah, darüber stolperte und der Länge nach hinfiel. Ich stützte mich dann unglücklich mit der rechten Hand ab, doch glücklicherweise brach oder riss ich mir nichts. Selbst meine Hose blieb, in Unterschied zu früheren Stürzen, an den Knien heil.

Doch mit der geprellten Rechten tue ich mich schwer, Brot zu schneiden. Und da glimmte plötzlich ein Detail in meiner Erinnerung auf: Ich würde es nicht beschwören, aber ich meine, mich vage erinnern zu können, dass mein Vater als Linkshänder geboren worden war. Erst in der Schule erzog man ihn, wie es damals Sitte war, zum Rechtshänder um.

Auf Fotos hält er seine Zigarette meist mit der Linken, aber auch mal mit der Rechten. Auf anderen Fotos hält er zwar seinen Kuli mit der Rechten, aber wohl weil er mit der Linken raucht.



Montag, 14. September 2026

Wochenplan (Updates)

Tutzinger Radiotage / Akademie für politische Bildung; Richtfest Zentrum für Digitale Medizin und Gesundheit / Klinikum Rechts der Isar; Fantasy Filmfest / City; Präsentation „DelikatEssen 2027“ / Mangostin; Medico International: „Klima vor Gericht“ – Diskussion zu nötiger Transformation und autoritären Verschiebungen mit Carla Hinrichs und Jerzy Montag / Import Export; Jolle / Ampere; Mascha Schilinskis „In die Sonne schauen“ mit Lena Urzendowsky u. a. / ZDF; 78. Emmy Awards / Magenta TV; Conference „Negotiating the Nude: Unclothed Bodies in Art and its Historiographies (1860s–2026)“ / Zentralinstitut für Kunstgeschichte; Eröffnungsfeier des Weihenstephaner am Platzl mit Markus Söder, Markus Blume, Josef Schrädler u. a.; Gedenkveranstaltung und Erinnerungszeichen für Anna Paroubek / Kulturzentrum Guardini90 & Großhaderner Straße 18; Vernissagen „Fresh Horizons“ / Galerie der Künstler*innen, „Augen auf! Ali Mitgutsch und das große Gewimmel“ / Internationale Jugendbibliothek Schloss Blutenburg, Herlinde Koelbl: „Blendzeit – eine Lektüre“ / Ping Rodach, „Debütantinnen (m/w/d)“ / Neumeister, Gregor Hildebrandt / Lohaus,  Amélie Esterházy: „in uno omnia“ / Behncke sowie Anouschka Fechter, Theresa Hertin, Kateryna Lou, Nina Mann, Sophie Suttner, Valentin Hammlemann u. a.: „Ausschwellung – Das was bleibt“ / Candy; Verleihung des Katholischen Medienpreises / Künstlerhaus; Raoul Walsh: „They Drive by Night“ mit Humphrey Bogart, George Raft, Ida Lupino u. a. / Filmmuseum; Pressekonferenz Brotprüfung / Bäckerinnung; Bekanntgabe der  Nominierungen zum Deutschen Zukunftspreis / Deutsches Museum; Independent Hotel Show & The IH Munich 26 Awards / MOC; Freebird Meets Sri Lanka / Freebird; „City of Blood“ / Disney+; Sechste Staffel „Slow Horses“ (Foto) / Apple TV; Zweite Staffel „The Paper“ / Wow & Sky; Präsentation der Tegernseer Haggada / Bayerische Staatsbibliothek; „Oper für alle“ / Max-Joseph-Platz; Sprungbrett / Kranhalle & Hansa 39; Ralf Möllenhoffs „Kito. Zombies und Kannibalen“ / Werkstattkino; Traditioneller Presserundgang mit Oberbürgermeister Dominik Krause auf dem Oktoberfestgelände / Theresienwiese; Richtfest Xperience Quartier Taufkirchen; Presserundgang „Stonehenge“ / Archäologische Staatssammlung; Presserundgang zu den MCube MOSAIQ-Maßnahmen Moosach; Elisabeth Pape liest aus „Halbe Portion“ / Glitch; Yao Bobby x Simon Grab / Stattpark Olga; Bühnendinner der Bayerischen Staatsoper; „HeidiFest“ / Hofbräuhaus & RTL; PIN. Young Circle Ankaufscocktail / Kustermann Eventlocation; 2-Jähriges / Cœur by Fede & Phil; Oktoberfest-Baustellenführung Münchner Löwen Club / Theresienwiese; Buchpräsentation und Gespräch mit Ilit Azovlay / Stuck-Villa; Oliver Polak: „Comedy“ / Wirtshaus im Schlachthof; Lotte / Technikum; Velvet Two Stripes / Orangehouse; Zweite Staffel „Mobland“ / Paramount plus; Oktoberfest; Fünfte und letzte Staffel „Babylon Berlin“ / ARD; Barockfest / Schloss Lustheim; FC Bayern Basketball vs. Bamberg Baskets / BMW-Park; „Munich Folk Night“ mit Encantada u. a. / Import Export; Joko & Klaas: „Ein sehr gutes Quiz (mit hoher Gewinnsumme)“ – 3. Staffel / Pro Sieben & Joyn

Donnerstag, 10. September 2026

Polizei nimmt Drohung gegen Charlotte Knobloch sehr ernst

Es war schon immer ungeheuerlich, dass Charlotte Knobloch sich in ihrer Heimatstadt München nicht ohne Personenschutz bewegen darf. Ob in der Pinakothek der Moderne oder im Referat für Arbeit und Wirtschaft, vor dem Oberpollinger oder im Alten Rathaus, am Wittelsbacher Gymnasium oder in den Kammerspielen: Stets erkundet ein Zivilpolizist vorab die Lage, und wenn die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern schließlich eintrifft, begleiten sie zwei bis drei bewaffnete Beamte. Doch selbst das scheint nicht mehr sicher genug zu sein. 

Heute Abend präsentierte „SZ“-Journalist Ronen Steinke sein neues Buch „Meinungsfreiheit“ im Fat Cat im alten Gasteig. Und Knobloch sollte in Begleitung von vier Leibwächtern unter den Gästen der ausverkauften Veranstaltung sein, sagte aber heute Mittag kurzfristig ab. 

Veranstalterin Micky Wenngatz vom München ist bunt! e. V. hatte sich schon darauf gefreut, Knobloch nicht nur als Zuschauerin begrüßen zu dürfen, sondern ihr öffentlich für ihre Unterstützung danken zu können und ihr zu versichern, dass man auch künftig an der Seite der israelitischen Gemeinde stünde. Doch dann kam die Absage aufgrund einer „Bedrohungslage“. 

Ronen Steinke schrieb auf Facebook, dass Knoblochs „Personenschutz“ eine Teilnahme an der Buchvorstellung „aufgrund eines aktuellen VORFALLS nicht für ratsam“ hielt. 

Offensichtlich handelt es sich nach Darstellung des Münchner Polizeipräsidiums dabei wohl um ein am Dienstag entdecktes und erst heute entferntes Graffito auf einer Parkbank im Englischen Garten mit einer persönlichen Morddrohung gegen Knobloch.

Da schützt auch kein Disclaimer auf der Webseite zur Veranstaltung: „Dies ist eine geschlossene Veranstaltung. Die Veranstalter*innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder sie von dieser auszuschließen.“

Stand heute Abend hätte die Präsidentin laut der Pressestelle der Israelitischen Kultusgemeinde aber keine weiteren Veranstaltungen abgesagt.

Lag es womöglich auch am subkulturellen Veranstaltungsort? Wenngatz widerspricht dem entschieden, hält es dagegen aber auch für keinen Zufall, dass es wenige Tage nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt zu so einer Bedrohungslage kommt: Die Gefährder aus der rechtsextremen Ecke könnten „vor lauter Kraft nicht mehr laufen“.

Update: In den Wochenendausgaben vom 12. September haben dann auch „Abendzeitung“, „Süddeutsche Zeitung“ sowie ein weiteres Mal „tz“ und „Münchner Merkur“ den Vorfall aufgegriffen. Dabei kursierten abweichende Datumsangaben.
Mir hatte eine Polizeisprecherin am Donnerstagabend auf Anfrage mitgeteilt, dass das Graffito im Englischen Garten „vorgestern“, also bereits am Dienstag, entdeckt und am übernächsten Tag, also Donnerstag, beseitigt worden sei.
Die „Abendzeitung“ behauptet nun, das Graffito sei erst am Donnerstag, am Tag der abgesagten Veranstaltung, von einer Zeugin gefunden worden.
Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt in Ihrer Printausgabe sogar, dass die Morddrohung erst am „frühen Donnerstagnachmittag“ gefunden worden sei.

Versionen dieses Textes erschienen in der „tz“ und im „Münchner Merkur“ vom 11. September 2026.

Montag, 7. September 2026

Wochenplan (Updates)

Wiesnkantine; Eisbärenumzug der Initiative Abbrechen Abbrechen von der Tramhaltestelle Sandstraße zum ehemaligen Strafjustizzentrum; Dampferfahrt des Fünf-Seen-Filmfestivals / Starnberg; Şeyda Kurt liest aus „Zeit der Monster“ / Gasteig HP8; Taiwan-Empfang des Fünf-Seen-Festivals / Schlossberghalle Starnberg; Mona Fuchs, Edwin Grodeke und Iris Lemke eröffnen den Ersatzneubau des dritten Wertstoffhof plus / Truderinger Straße 2a; Kirche und Staat im Gespräch: Joachim Herrmann im Dialog mit Reinhard Kardinal Marx / Odeon des Innenministeriums; Angermaier Trachten-Nacht / Alte Kongresshalle; International Music Business Research Days / Hochschule für Musik und Theater & Gasteig HP8; Besichtigung Druckzentrum Penzberg; Deutscher Fernsehpreis / Confex Center Köln & RTL; Isarbass / Unter Deck; Fantasy Filmfest / City; 5. und letzte Staffel von „Babylon Berlin“ / ARD-Mediathek; Presserundgang Städtisches berufliches Schulzentrum Thomas Wimmer; Programm-Pressekonferenz / Münchner Volkstheater; Gardena Garden Escape / Alte Gärtnerei; Motorworld Buchpreis / Motorworld; Vernissagen Franz Hitzler: „Manifeste des Geistigen“ / Braun-Falco, „Disturbance“ / Stephan Stumpf, Ewelina Bialoszewska, Tara Sarasvati Chandel, Paula Niño, Alexandra Pikunova, Natalia Castillo Rincón, Kathi Seemann & Esther Zahel: „How to Build a Home“ / Schleicher Kunst Fabrik sowie Kaori Nakajima: „Noren – Sanfte Grenzen“ / Kunstpavillon; Pressekonferenz des Aicher-Sanitätsdienstes zur Wiesn / Servicezentrum Theresienwiese; Presserundgang „Augen auf! Ali Mitgutsch und das große Gewimmel“ / Internationale Jugendbibliothek in Schloss Blutenburg; Vorstellung des Wiesn-Playmates / Hofbräu im Deutschen Theater; Mascha Schilinskis „In die Sonne schauen“ (Foto) mit Lena Urzendowsky u. a. / ZDF-Mediathek; „Call my Agent – The Film“ / Netflix; Berlin Art Week; Vernissage „On/Off-Beziehung“ & Christian Fogarolli: „TECHnotOXIC“ / Futurium; Positions Berlin Art Fair / Flughafen Tempelhof; 20 Jahre Radialsystem Berlin; Maison Anthony Fashion; „Walking Pieces of Art“ / Löwenpalais; Internationales Literaturfestival Berlin – Tishani Doshi & Natsuko Kono: „Movement is the Message“ und ILB-Closing x Tropen-Party / Haus der Festspiele; Happy 19th Birthday / RenateFashion Positions / Flughafen Tempelhof; „Illusions – bones & keys“ / Uferstudios; „Adult Entertainment“ mit Francis Whorrall-Campbell, James Massiah, Olga Hohmann, Vittoria Totale sowie Afterparty / Julia Stoschek Foundation; Soft Power Festival / Haus der Visionäre; Luc-Besson-Nacht: „Nikita“ mit Anne Parillaud, Jean-Hugues Anglade, Tchéky Karyo, Jeanne Moreau & Jean Reno sowie „Big Blue – Im Rausch der Tiefe“ mit Rosanna Arquette, Jean-Marc Barr, Jean Reno, Valenina Vargas & Griffin Dunne / Bayerisches Fernsehen; Ryuichi Sakamoto: „seeing sound, hearing time“ / Hamburger Bahnhof; „Kunst Salon. Richtungswechsel 2026“ mit Alvine Bonjer, Joseph Crachiola, Pia Engelbrecht-Affeld, David Gunderlach, Albert Heiser, AH, Karin Hirsch, Bruno Jod, Norbert Kluge, Diether Münchgesang, Bodo Niggemann, Peter Scholz & Visuman / Creative Game; Stern-Demo / Rotes Rathaus; Alumni-Netzwerktreffen der Friedrich-Ebert-Stiftung / Publix; Premiere Sophia Süßmilch: „Etwas Schreckliches wird passieren: Die Menschenfresserin“ / HAU; WBC-Weltmeisterkampf im Weltergewicht: Ryan Garcia vs. Connor Benn / Paramount +; Buchvorstellung Didier Eribon: „Michel Foucault. Eine Biografie. Erweiterte Neuausgabe“ / Schaubühne; Tag im Grünen / Kulturforum; Ersan Mondtag & Nadim Samman: „Alternde Meister“ / Gemäldegalerie; Chicago Williams Sommerfest / Maaya

Dienstag, 1. September 2026

Stühlerücken in der Landeshauptstadt: die Bezirksinspektion Mitte und das Mobilitätsreferat schlüpfen bei der Stadtbaurätin unter

Wenn die Stadtverwaltung umzog, schwelgte man früher gern in großen Zahlen: 13.000 Quadratmeter für das Kreisverwaltungsreferat & Co. in den Implerhöfen. 12.000 25.200 Quadratmeter für das IT-Referat im Qubes. Klötzchen gewordene Erfolgsgeschichten der Verwaltung.

Klötzchen wie sie die Modellwerkstätte des Referats für Stadtplanung und Bauordnung im Erdgeschoss des Dienstgebäudes an der Blumenstraße 28b/31 gern bastelt. An der Fassade im Innenhof die überdimensionierte Uhr, dahinter die Stadt im Miniaturformat in ihren Zeitläuften.

In dem Gebäudekomplex wird es künftig deutlich enger zugehen. Denn mit den schwindenden Finanzen der Landeshauptstadt wandeln sich auch die Umzugsusancen. Man spart, indem man zusammenrückt und angemietete Büroflächen aufgibt. Das Mobilitätsreferat und die Bezirksinspektion Mitte ziehen künftig ein in die bisher ausschließlich vom Team der Stadtbaurätin Elisabeth Merk genutzten Räumlichkeiten. Städtebaulich könnte man das Nachverdichtung nennen, nur dass nicht etwa im Innenhof neu gebaut oder auf dem Dach aufgestockt wird, sondern in der bestehenden Baumasse die städtischen Angestellten und Beamte einfach etwas enger zusammenrücken und Desksharing leben dürfen.

Nun ist der Wechsel des Mobilitätsreferats aus dem fünfjährigen Provisorium in der Implerstraße nicht unbedingt eine Verschlechterung. So großspurig Implerhöfe klingen, ist dem schmutzig-weißen Verwaltungsriegel zwischen Aldi-Filiale, Parkplatz und Jacques' Wein-Depot zumindest von außen eine Mischung aus Ennui und Tristesse nicht abzusprechen. Den rund 300 Beschäftigten des Mobilitätsreferats standen dort rund 7.600 Quadratmeter zur Verfügung

Die Bezirksinspektion Mitte des Kreisverwaltungsreferats mit ihren ca. 45 Beschäftigten gibt ihrerseits rund 1300 Quadratmeter im Tal 31 auf.

„Zur Entlastung des städtischen Haushalts sollen die angemieteten Standorte Implerstraße 7-9 und Tal 31 dauerhaft aufgegeben werden“, erklärte mir das Kommunalreferat auf Anfrage. „Im Rahmen der nichtöffentlichen Sitzungsvorlage »Verwaltungsstandorte der Landeshauptstadt München – Flächenoptimierung und Anpassung der Standortstrategie« wird dem Kommunalausschuss am 29.10.26 u.a. die Aufgabe der beiden Standorte zur Entscheidung vorgelegt. Sofern der Stadtrat der Aufgabe der beiden Standorte zustimmt, erfolgt die weitere Umzugsplanung.“

Update vom 16. September 2026:
Heute hat die „Immobilien Zeitung“ meine Recherche aufgegriffen und unter dem Titel „Stadt München gibt fast 9.000 qm Mietfläche auf“ über die geplanten Umzüge städtischer Behörden berichtet: „Das zuständige Kommunalreferat bestätigte damit eine Meldung, die zunächst der Münchner Journalist und Blogger Dorin Popa auf seinem Blog Nice Bastard veröffentlichte.“ 

Montag, 31. August 2026

Wochenplan (Updates)

Pressekonferenz zum Start des neuen Kita-Jahres / Bayerisches Sozialministerium; Vorstellung des Berichts zur Cybersicherheit in Bayern / Landeskriminalamt; Vernissagen Künstlergruppe Frequenzen: „Geht alle an!“ / Künstlerhaus, „The Art of Snowboards“ / Orangerie, Alexander Deeg: „40 Jahre, 40 Gesichter“ / Sub, „Memory Gap – Potentiale archivalischer Praxen in der Gegenwartskunst“ / Haus der Kunst, Ilinca Fechete: „Memory Magnified by Memory of Course“ / Akademiegalerie und Charlotte Carolin Schober: „Femscapes“ / Farbenladen; „Der Heimatlose“ und anschließend Filmgespräch mit Regisseur Kai Stänicke und den Darstellern Paul Boche & Philip Froissant / Neues MaximSusanne Brokesch / Favorit-Bar; „Profis – Ein Jahr Fußball mit Paul Breitner und Uli Hoeneß“ / Bayerisches Fernsehen; Schiffstaufe des Elektromotorschiffs Gmund durch Taufpatin Charlotte Knobloch / Gmund; Horsegirl / Milla; Huawei Global Launch Event / Showpalast; Karl Schlögel: „Die ukrainische Spur oder: Die verlorene Unschuld der deutschen Provinz“ / Bayerische Akademie der Wissenschaften; Premiere „Bonnie“ / Rio-Filmpalast; Deutschlandpremiere „The Uprising – Für die Freiheit“ in Anwesenheit der Produzenten / Astor im Arri; „Staatsschutz“ und anschließend Filmgespräch mit Hauptdarstellerin Chen Emilie Yan (Foto) / Monopol; „Souleymans Geschichte“ / arte; Pressekonferenz anlässlich der internationalen Jahrestagung der International Society for Environmental Epidemiology / Deutsches Museum; Zweite Staffel von Guy Ritchies „The Gentlemen“ / Netflix; Einkleidung des EHC Red Bull München / Angermaier-Trachten; Eröffnung des Fünf-Seen-Filmfestivals und Verleihung des Hannelore-Elsner-Preises an Luna Wedler / Schlossberghalle Starnberg; Design Market / Love Harder; Open Air Closing / Wannda Circus; CSD Pride-Demo Salzburg; Printhouse Open Air / ehemaliges Druckhaus Dessauerstraße; Ecca Vandal / Hansa 39, Ochsenrennen / Wallgau, Testspiel FC Bayern Basketball vs. Bamberg Baskets / BMW-Park; Premiere des Dokumentarfilms „Albrecht Weinberg - Es ist immer in meinem Kopf“ / Rio-Filmpalast; Sierra Veins / Strøm; Rebecca Lane: „Light & Chant“ for singing bass flutist & „Regions of Resonance“ for quarter-tone bass flute and electronics / Klang im Dach

(Foto: Lotta Kilian/Jünglinge-Film/Plaion Pictures)

Donnerstag, 27. August 2026

Und die Augenbrauen tanzen Rumba: Dominique Horwitz singt Brel

Das Gute gleich vorweg: Für einen Schauspieler singt Dominique Horwitz die Lieder Jacques Brels recht famos, auch wenn sich seine stimmliche Bandbreite im Laufe des Chansonabends als erschöpfend schmal entpuppt. Für einen Schauspieler legt Horwitz aber ein abschreckendes Schmierentheater hin: Unentwegt hüpfen, zittern, tanzen seine Augenbrauen Rumba. Der Mund verzerrt sich, Augenrollen, Nasenbeben – fehlt nur noch, daß er mit den Ohren wackelt. 

Keinen Augenblick kommt Horwitz zur Ruhe, nie findet er zu jener Verzögerung, Ruhe, mit denen man sogar Lachnummern zuspitzen kann. Statt wallonischer Melancholie, frechem Witz und anarchistischer Poesie wird der Grand Guignol gegeben, der französische Hanswurst, als sei Horwitz' blendendes Rollenrepertoire, sein Film- und Bühnenruhm („Black Rider“, „Der große Bellheim“, „Stalingrad“) nur eine Verirrung in der Entwicklung vom Suppen- zum Superkaspar. 

Doch dem Publikum gefällt's, das Fratzenschneiden à la Louis de Funès erweist sich als Schenkelklopfer, die Stimmung steigt. Der lächerliche französische Akzent, mit dem der perfekt zweisprachige Mime anfangs auf Deutsch zwischen den Originaltexten moderiert, geht im Laufe der Vorstellung glücklicherweise verloren. Die Verwirrung bleibt, ob da nun jemand – wie Klaus Hoffmann letztes Jahr – Jacques Brel spielt oder nur singt. Bisweilen geht der agile Interpret auf Distanz („Das ist nicht von mir, sondern von Jacques Brel“), um dann wieder genüßlich den Applaus zu schlürfen.

Abseits der gefühlsschwangeren, impressionistischen Klassiker („Amsterdam“, „Ne me quitte pas“) finden sich bei Brel einige angejahrte Pretiosen, deren Gesellschaftskritik, Frauenbild oder Weltkriegsatmosphäre eine kluge Brechung oder Neuinterpretation gut vertragen hätten. Dominique Horwitz und sein hervorragendes Begleitquintett rund um den Akkordeonisten Efim Jourist blieben lieber harmlos werkgetreu.

Dieser Artikel erschien unter meinem Pseudonym Fredi Hallenberger in der „Berliner Morgenpost“ vom 4. Oktober 1998. Am 28. und 29. November 2026 tritt Dominique Horwitz mit einem gleichnamigen Programm wieder in der Berliner Bar jeder Vernunft auf. Nur dass ihn diesmal kein Quintett, sondern nur der Pianist Andreas Reukauf begleitet.

(Foto: Barbara Braun/Bar jeder Vernunft)