Nice Bastard Blog
Disorderly conduct in Munich
Montag, 18. Mai 2026
Wochenplan
Samstag, 16. Mai 2026
Müssen Gebühren für Kita und Kindergarten sozial sein?
Wenige Stunden später leakte dann die „Süddeutsche Zeitung“ ein Papier der Mango-Koalition im Münchner Rathaus, die offenbar eine drastische Erhöhung der Kitagebühren und die Abschaffung der kostenlosen Kindergärten für alle ab dem Schuljahr 2027/2028 beschlossen hat. Samt jährlicher Erhöhung der Gebühren. (Ein paar von den Kolleg*innen recherchierte Details aus dem Koalitionspapier habe ich in der „tz“ ohne Paywall veröffentlicht.)
Die eine Hand gibt, während die andere Hand nimmt.
Und während Krause Freitagmittag noch von einer neuen friedlichen Koexistenz zwischen Staatskanzlei und Rathaus schwärmte und sich nicht nur auf den Wiesnanstich mit Ministerpräsident Markus Söder freute, sondern auch darauf setzte, dass Freistaat und Landeshauptstadt bei der Bewerbung um die olympischen Spiele an einem Strang ziehen, dräut mit dem „SZ“-Scoop neues Ungemach.
Denn der Rathaus-Coup mit den Gebühren für Kita und KIndergärten klingt zumindest in der Schuldzuweisung nach einem Ende der neuen Einvernehmlichkeit zwischen den Grünen und der CSU. „Für den Kindergarten fallen derzeit keine Gebühren an, weil diese so niedrig sind, dass nach Abzug des staatlichen Zuschusses bei den Eltern die Null steht. Dieser Zuschuss des Freistaats fällt zum Jahresende weg“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.
Klingt, als ob der schwarze Peter jetzt bei Ulrike Scharf, der Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales läge. Denn als die bayerische Staatsregierung das Ende des monatlichen Beitragszuschusses für Kindergartenkinder „aus Gründen der Entbürokratisierung“ zum Ende dieses Jahres ankündigte, beschwichtigte sie ängstliche Familien, dass die Streichung „keinen Anlass für eine Erhöhung der Elternbeiträge“ böte.
Die von der Rathaus-Koalition (Grüne, SPD, FDP, Freie Wähler, Rosa Liste) ausgearbeiteten Sparmaßnahmen mit ihrem Zusammenspiel aus Gebührenerhöhungen und Reduzierung oder gar Abschaffung freiwilliger Sozialleistungen klingt aber durchaus hausgemacht und wie ein Vorschlag der Berater von PD Partnerschaft Deutschland, die seit über einem Jahr den Produkthaushalt der städtischen Referate flöhen. „Das Schlimmste kommt noch“ überschrieb ich Anfang Dezember meine Recherche dazu. Jetzt scheint es da zu sein.
Und während der Stadtverwaltung bislang nur vorgeworfen wurde, die Ergebnisse der Consultants vor der Kommunalwahl geheim gehalten zu haben, sind die von PD vorgeschlagenen Kürzungen und Streichungen offenbar in die Koalitionsverhandlungen eingeflossen, während man die Öffentlichkeit weiter darüber im Unklaren lassen will. Der Vorwurf einer „Geheimoperation“, über den sich Stadtkämmerer Christoph Frey noch lautstark in einer Vollversammlung des Stadtrats empört hat, verfestigt sich ein halbes Jahr später immer mehr. Damals versprach die Kämmerei noch, die konkreten Ergebnisse im 1. oder 2. Quartal vorzulegen. Es blieben also nicht einmal mehr anderthalb Monate, um diese versprochene Transparenz herzustellen.
Im Umgang mit Mitgliedern des Stadtrats habe ich das Gefühl, dass die Gesprächsbereitschaft zu diesem Thema seit der Wahl eher abgenommen hat.
Vor der Kommunalwahl haben die Grünen nur Kürzungen im Kulturbereich ausgeschlossen. Anne Hübner, Rathaus-Chefin der SPD, warnte diesbezüglich Ende Januar noch vor Panik und betonte, Streich-Vorschläge von PD im Kultur- und Sozialbereich nicht umsetzen zu wollen. Nun rächt es sich möglicherweise, dass die Gebühren für Kitas und Kindergärten in München nicht beim SPD-geführten Sozialreferat liegen, sondern bei den Grünen und dem Referat für Bildung und Sport.
Eine unreife Mango kann dem Wahlvolk schon mal im Hals stecken bleiben.
Montag, 11. Mai 2026
Wochenplan (Updates)
Freitag, 8. Mai 2026
Buchhaltung à la MVG – oder wie eine Rechnung bei Twitter & Co. über 300.000 Aufrufe generierte
Mittwoch, 6. Mai 2026
Derzeit keine Münchner Sozialtickets mehr aus den DB-Fahrkartenautomaten (Updates)
Der Fortschritt, sprich: der Trend zu Entbürokratisierung und Digitalisierung führt höchstens dazu, dass man sich beim Verkauf der Fahrausweise zunehmend aus der dinglichen Welt verabschiedet. Das Deutschlandticket: ein Handyticket und in Ausnahmefällen vielleicht noch als Chipkarte. Die Bahncard: digital in der Bahn-App hinterlegt, dort aber keineswegs mit den Fahrkarten verknüpft, sondern gesondert zum Nachweis aufzurufen. Die örtlichen Verkaufsstellen für Fahrkarten wie Lottoannahmestellen, Kioske oder Servicecenter der Beförderungsunternehmen: radikal abgebaut. Und die MVG reduziert selbst die Fahrkartenautomaten an den Bus- und Tramhaltestellen massiv.
Der in den Augen von Bahn, MVV und MVG gute Fahrgast ist digital unterwegs, also für die Unternehmen dank bargeldlos gezahlten Abonnements und In-App-Käufen kostengünstig und für die Verkehrsforschung leicht auslesbar.
Mit einer Ausnahme: allen das Sozialticket Nutzenden. Die MVV-Monatskarte S ist ein Relikt. Um sie zu nutzen, anerkannt arm zu sein, braucht man noch einen mehrseitigen, mit Stempeln und Passbild versehenen, befristet ausgestellten und daher alle sechs bis zwölf Monate zu erneuernden Berechtigungsausweis, den München-, Rosenheim- oder Landkreispass.
Nun hat sich die Nachfrage nach der Monatskarte S seit der Einführung des Deutschlandtickets natürlich von durchschnittlich 26.550 monatlichen Sozialtickets Anfang 2023 auf 13.621 im Jahr 2024 nahezu halbiert. Aber je teurer das Deutschlandticket wird, desto interessanter bleibt das Sozialticket. Statt aktuell 63 Euro für das Deutschlandticket kostet die MVV-Monatskarte S für eine Landkreiszone gerade mal 27,90 Euro und für zwei Landkreiszonen oder die städtische Zone M 31,10 Euro. Erst ab zehn Zonen beziehungsweise M plus sieben Zonen ist ein Deutschlandticket günstiger. Wer etwa als Empfänger von Grund- oder Alterssicherung jeden Cent zweimal umdrehen muss, wird es sich also gut überlegen, für welche Fahrkarte er sich entscheidet.
Die MVG verzeichnet seit diesem Winter denn auch einen Anstieg von vier Prozent beim Verkauf der MVV-Monatskarte S. Das muss aber nicht an der Preiserhöhung des Deutschlandtickets von 58 auf 63 Euro liegen, sondern kann auch darauf zurückzuführen sein, dass der ÖPNV im Winter generell stärker genutzt wird als im Sommer.
Im Unterschied zum Deutschlandticket kann man die MVV-Monatskarte S aber nicht abonnieren und es gibt sie auch nicht als Handyticket. Sie ist – wie beispielsweise auch das BayernTicket – nicht übertragbar. Aber während man beim BayernTicket nur die Namen der Reisenden eintragen muss, ob bereits bei Buchung als Online-Ticket oder erst handschriftlich beim aus dem Automaten gezogenen Fahrausweis, ist es bei der MVV-Monatskarte S natürlich komplizierter.
Und auch wenn die Landeshauptstadt in den nächsten Jahren den München-Pass als digitalisierte Variante anbieten will, darf man gespannt sein, ob sich an der bürokratischen Ausstellung des monatlichen Sozialtickets für den Nahverkehr etwas ändern wird.
Denn im Städte- oder Landkreispass ist, dem Amtsschimmel sei Dank, eine siebenstellige Kontrollnummer eingetragen. Und diese Kontrollnummer muss man beim Kauf der Monatsmarke für den MVV angeben, damit das Ticket personalisiert wird. (Und die ausgedruckte Monatsmarke ist natürlich auch ein paar Millimeter zu groß, um problemlos in die dafür im Sozialpass vorgesehene Hülle zu passen.)
Die Alternative zu einer Kontrollnummer, die Monatsmarke ähnlich dem BayernTicket nur mit einer Namensangabe zu versehen, ist ausgeschlossen. Vielleicht damit zwei zufällig gleich heißende Grundsicherungsempfänger nicht den Staat hintergehen, indem sie sich ein Sozialticket teilen.
Kauft man nun eine Monatskarte S an einem der wenigen verbliebenden Fahrkartenautomaten der MVG, so gibt man während des Bestellvorgangs diese siebenstellige Nummer ein und erhält prompt die Marke. (Die MVG vertreibt 72 Prozent ihrer Sozialtickets via Automaten, drei Prozent über ihre Kundencenter und 25 Prozent über andere Verkaufsstellen.)
An den schicken neuen Bahnland-Bayern-Fahrkartenautomaten der DB an S- und Regionalbahnhöfen funktioniert das seit Mitte April nicht mehr. Natürlich kann man im Menü das MVV-Angebot aufrufen und dort wiederum die Monatskarte S. Dann fordert die DB, ähnlich der MVG, die Kundschaft auf, die siebenstellige Kontrollnummer aus dem Pass einzutippen. Doch welche Nummer man auch eingibt, stets erfolgt die Meldung: „Fehler. Prüfung der Eingabe erforderlich. Bitte überprüfen Sie die eingegebenen Ziffern und beachten Sie den Hinweis oben links.“Tilt. So oft man es auch versucht. Und selbst wenn man etwa aus dem Vormonat eine Monatsmarke S mit QR-Code besitzt und den alternativen Weg über den im Automaten eingebauten Scanner geht, führt das nicht zum Erfolg.
Die Deutsche Bahn bestätigte gestern auf Anfrage den Fehler, der ihr seit über einer Woche bekannt ist: „Ursächlich ist ein fehlerhaftes Softwareupdate der Automaten, das Mitte April aufgespielt wurde. Erst seit diesem Zeitpunkt ist der Erwerb des Tickets nicht mehr möglich, da die Berechtigungsnummer nicht akzeptiert wird.
Um den Fehler zuverlässig und nachhaltig zu beheben, spielt DB Vertrieb seit gestern ein entsprechendes Softwareupdate probeweise zunächst an einzelnen Automaten auf. Wenn diese Tests positiv verlaufen, kann das Update schon in den nächsten Tagen ausgerollt werden, sodass die Monatskarte S wieder an allen Automaten erworben werden kann.
Wir wurden über den Hinweis eines Kunden auf den Fehler aufmerksam, der Ende April bei uns einging. Darüber hinaus verzeichnet der Kundendialog keine ungewöhnliche Häufung von Beschwerden zum Thema.“
Update vom 6. Mai 2026: Offenbar war das Landratsamt Fürstenfeldbruck für die Problemerkennung mit ursächlich, das den Ablauf auch etwas anders schildert. „Am 29. und 30. April gingen im Landratsamt vereinzelte Rückfragen wegen Problemen beim Erwerb der Monatskarte S ein. Betroffen waren Fahrkartenautomaten an verschiedenen Bahnhöfen im Landkreis. Wir haben im Sinne der Fahrgäste unverzüglich Kontakt mit der Deutschen Bahn AG (DB) aufgenommen, damit das Problem dort schnellstmöglich lokalisiert und gelöst werden kann.
Die DB hat festgestellt, dass ein für die Automaten der S-Bahn München vorgenommenes Update des Hintergrundsystems zu einem Fehler geführt hat. Deshalb konnten an allen S-Bahn-Automaten im MVV-Raum ab diesem Zeitpunkt keine Monatskarten S für Mai erworben werden. Andere Verkaufsstellen waren nicht betroffen.
Zwischenzeitlich hat die DB einen sogenannten Hotfix aufgespielt, mit dem die Fehlfunktion nun behoben wurde. Probehalber am 5. Mai 2026 erst für den Landkreis Fürstenfeldbruck und ab 6. Mai nach dem erfolgreichen Test dann auch MVV-weit. Die Monatskarten S können inzwischen wieder über die Fahrkartenautomaten der S-Bahn-München bezogen werden.“
Auch den Landratsämtern Starnberg, Dachau und München lagen vor rund zwei Wochen Beschwerden dazu vor.
Montag, 4. Mai 2026
L'art pour l'art – ein Schlag Fürst Pückler für die Ludwigstraße
Nach Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner nun also ein Schuss Hermann Fürst von Pückler-Muskau für München, womit Friedrich von Sckells nie realisierte Planung einer Alleepflanzung auf der Ludwigstraße doch irgendwie noch Gestalt annehmen könnte. Nur wilder, pücklerischer, mit unterschiedlich großen, unregelmäßig verteilten „Hainen“, um das heute bei der Wettbewerbspräsentation bemühte Wort für mehrere zusammenstehende Bäume zu strapazieren. Auf dem Papier wird München grüner, schattiger, um dem Klimawandel Rechnung zu tragen. Aber Papier ist geduldig.
Mehr Vegetation, Rückzugsmöglichkeiten, Stadtmobiliar, das Instrumentarium für die Ludwigstraße kommt einem bekannt vor. Gleich um die Ecke, für den Raum zwischen Königsplatz und Pinakotheken, gab es vorletzten Sommer auch eine stadtplanerische Wettbewerbspräsentation für das sogenannte Open Kunstareal. Den Wettbewerb gewann auch ein Pariser Büro, das Atelier Roberta. Deren Entwurf eines Kunstgartens mit mehr Vegetation, Rückzugsmöglichkeiten und Stadtmobiliar wird aber wohl nie umgesetzt werden, weil der Landeshauptstadt das nötige Kleingeld fehlt.
Darauf heute von mir angesprochen, beruft sich Ehbauer auf den geplanten Umbau des U-Bahnhofs Odeonsplatz von 2028 bis wohl 2031. Für die groß angelegte Sanierung und Umgestaltung der Haltestellen und Übergangswege der U3, U4, U5 und U6, samt der Schaffung öffentlicher Toiletten, wird man den Platz zwischen Odeonsplatz und Von-der-Tann-Straße aufreißen und danach, vielleicht 2032, wieder herrichten müssen. „Dann können wir es auch gleich richtig machen.“
Nun kostet aber die allein für diese Teilstrecke der Ludwigstraße geplante Bepflanzung mit rund 100 Bäumen deutlich mehr, als wenn man nur Trottoir, Fahrrad(schnell)wege und Fahrbahnen wieder herstellen müsste. Von Stadtmobiliar, Wasserspielen oder ästhetischer Bepflasterung der Fahrbahn mit Naturstein ganz zu schweigen.Gerade angesichts der leeren städtischen Kassen bleibt eine Realisierung des Siegerentwurfs schwer vorstellbar. So schön er auch klingt: Während der Hauptverkehrsstrom an der Von-der-Tann-Straße und am Oskar-von-Miller-Ring abgeleitet wird, verwandelt sich der Raum bis zum Odeonsplatz zu einem planen Platz, auf dem nur noch eine Fahrspur in jede Richtung für Busse, Taxis, Anlieger und Lieferanten existiert. Am Boden Naturstein, über den Platz verteilt Schatten spendende Baumgruppen. Stadtmobiliar zum Verweilen.
Und in einem zweiten Schritt dann eine Verlängerung der Oase mit 200 weiteren Bäumen bis hin zum Siegestor. Nur zur Erinnerung: Bei den Plänen für eine Bepflanzung der Fußgängerzone ging man von bis zu 95.000 Euro für einen Baum aus.
Die Münchner Realität sieht doch eher so aus: Nachdem der Wedekindplatz ähnlich aufwendig umgestaltet wurde, fehlt heute das Geld, beschädigte Steine der Fahrbahn zu ersetzen. Stattdessen wird asphaltiert.Wochenplan (Updates)
Sonntag, 3. Mai 2026
Mein Großvater Ion Dragu, Vichy und Paul Morand
„Wie ich bereits erwähnte, wählte man als Presseattachés meistens Externe aus, darunter hochangesehene Persönlichkeiten aus der Kultur wie Lucian Blaga, Aron Cotruș oder den Italien-Experten George Boncescu. Ganz zu schweigen vom Berufsjournalisten Ion Dragu, Presseattaché in Warschau (1929), danach in Genf (1930–1931), stellvertretender Pressechef im Außenministerium (1932–1934), Pressechef (Mai 1935–November 1936), erneut Presseattaché, diesmal in Athen und Ankara (1936-1939), schließlich Pressechef im Unterstaatssekretariat für Presse und Propaganda (Februar–September 1939), Generalsekretär des Propagandaministerium (Dezember 1939–Februar 1940) und anschließend wieder Presseattaché in Paris und dann in Vichy.“
Montag, 27. April 2026
Wochenplan (Updates)
Montag, 20. April 2026
Wochenplan (Updates)
{Foto: Faye Dunaway in „Network“, Turner Entertainment/Goldwyn-Mayer-Studios/arte)
Sonntag, 19. April 2026
Ioan Dragu şi Diplomația culturală a României în perioada interbelică
Fundsachen (46): Das Münchner Internet in den Jahren 2008 und 2011 laut jetzt.de
Lisa: Vielleicht Don Alphonso, wenn der noch zu München zählt.
Patrick: Der ist eher in Ingolstadt, oder? Ich glaube, das ist schwierig. Eine Zeitlang war Klaus Eck mit seinem PR-Blog recht bekannt, aber eine Münchner Blogstimme ...












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