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Samstag, 21. Februar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (40) und Weimar

Mein Vater Ion Popa (links) im August 1941 mit einer noch nicht identifizierten Person vor dem Goethe-Haus in Weimar.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (39) und Berlin

In den Jahrzehnten, in denen mein Vater Ion Popa unter dem Pseudonym Ion Măgureanu bei Radio Free Europe in München arbeitete, betonte er wiederholt, dass er nicht nach Berlin reisen könne. Aus Furcht, dort entführt zu werden.

Diese Furcht scheinen nicht alle bei RFE geteilt zu haben. Der Leiter der rumänischen Redaktion, Noël Bernard, war, wie seine Witwe in ihrem Erinnerungsbuch berichtete, wiederholt in Westberlin, etwa um eine dort auftretende rumänische Theatertruppe zu besuchen. Aber Bernard wäre sogar einer Einladung ins kommunistische Bukarest gefolgt, wenn ihm das nicht aus Washington verboten worden wäre, schreibt zumindest Nestor Ratesh in seinem Kapitel „Radio Free Europe's Impact in Romania During the Cold War“ des Sammelbands „Cold War Broadcasting“.

Nun ist mein Vater während meiner Kindheit und damit während des Kalten Kriegs grundsätzlich wenig gereist, hat aber auch nie ähnliches von anderen Städten wie etwa Wien erwähnt.

Berlin schien etwas besonderes zu sein. 

Erst lange nach seinem Tod erfuhr ich von seinem Schwager Eugen „Nicu“ Filimon, dass mein Vater in Bukarest dafür bekannt gewesen sei, dass er die schicksten Krawatten aus Berlin trug.

Mein Vater hatte auch erzählt, dass er den Dirigenten Sergiu Celibidache von früher her kannte. Sie könnten sich in Iași begegnet sein, wo beide studierten, wenn auch sehr unterschiedliche Fächer. Wahrscheinlicher scheint mir aber, dass sie sich in Berlin kennengelernt haben, wo Celibidache seit 1936 lebte. Etwa im Grunewalder Salon der mit Werner Sombart verheirateten Rumänin Corina Leon. Als Celibidache dann 1979 Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker wurde, nahm mein Vater aber keinen Kontakt zu ihm auf.

Nun berichtet meine Schwester, dass mein Vater und seine erste Ehefrau Hortensia in Berlin gelebt hätten, weil er von 1937 bis 1944 Presseattaché an der Rumänischen Gesandtschaft gewesen sei. Das stünde nun meines Erachtens im Widerspruch zu seiner Arbeit als leitender Redakteur Ende der 1930er-, Anfang der 1940er-Jahre in Bukarest bei den Tageszeitungen „Cuvântul“ und „Cutrentul“ wie auch zu seiner Tätigkeit als Kriegsberichterstatter. 

Und sowohl  René Al. de Flers wie auch Ioanna Măgură Bernard betonen später, dass mein Vater unter all den ehemaligen Diplomaten bei Radio Free Europe einer der wenigen Berufsjournalisten gewesen wäre und eben kein ehemaliger Diplomat.

Es gibt aus den späten 1930er- und frühen 1940er-Jahren auch Fotos, die meinen Vater und seine erste Ehefrau in Rumänien zeigen.

Unbestreitbar ist aber, dass sie zumindest 1944 in Berlin lebten. Hortensia war schwanger und statt im zerbombten Berlin zu bleiben, fuhr sie nach Wien, wo meine Schwester Anka Maria dann am 26. Juli 1944 zur Welt kam.

(Screenshot aus „Funeral in Berlin“)

Mittwoch, 18. Februar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (38) und seinen Wandel zum Eremiten

Zwischen den Kriegen und auch während des Zweiten Weltkriegs war mein Vater offenbar kein Kind von Traurigkeit und selbst später im Exil und den damit verbundenen prekären Lebensumständen schien er das Beste daraus zu machen, pflegte regen Umgang und war auch dem Pariser Nachtleben nicht abgeneigt.

Nach dem Umzug mit Frau und Söhnen zu Radio Freies Europa in München war die Familie finanziell aus dem Gröbsten raus und mein Vater zeigte offenbar weiter Präsenz. Es gibt viele Fotos mit Kolleg*innen (hier der zweite von links auf dem 1959 entstandenen Bild), er ließ sich auch allein im Sender fotografieren und René Al. de Flers zufolge erschien mein Vater Ion Popa alias Ion Măgureanu samt Frau und Kindern auch außerhalb der Arbeitszeit, wenn der Chef zu sich nach Hause einlud. 

In seinem Erinnerungsbuch „Radio Europa Liberă şi exilul românesc: o istorie încă nescrisă“ (Radio Freies Europa und das rumänische Exil: eine noch ungeschriebene Geschichte) schreibt de Flers über Weihnachten 1959 (deutsche Rohübersetzung nach dem rumänischen Original): „În perioada lui Ghiță Ionescu, de când fusese numit director la Departamentul Român de Emisiuni, se stabilise un obicei; când veneau sărbătorile nașterii lui lisus Christos, el organiza sărbătoarea pomului de Crăciun la el acasă, la care erau invitați toți membrii Departamentului. Anul acesta fusesem invitat și eu. Secretara lui, Malila Szabados, fata profesorului universitar român Constantinescu de la Roma, mă anunțase de invitație, dar nu întrebase dacă aveam copii. Spunându-i soției, dânsa n-a vrut să mă însoțească. Mi-a răspuns că rămâne acasă cu copiii, dar eu să mă duc. M-am dus la Ghiță Ionescu împreună cu Madeleine. Ajuns acolo, lani Popa a venit la mine, se uita oarecum mirat și m-a întrebat imediat: Da unde este soția și unde sunt copiii? Nu știam ce să răspund, și am spus că eu fiind nou la München, nu cunoșteam obiceiurile de aici.
- Domnule Popa, nu mi-a spus nimeni că trebuia să-i aduc. Apoi, încă nu cunosc datinile voastre. 

La pomul de Crăciun este obiceiul din străbuni să se împartă cadouri la copi, exact cum s-a petrecut și în seara aceea. Uitându-mă la copiii colegilor de sus care primeau cadouri, aveam o plăcere imensă să văd nesfarșita fericire care strălucea în ochii lor. Mã gândeam că nu mai era mult până voi remarca aceeași bucurie și în ochii copiilor mei, dar la mine acasă. Sărbătorile trecuseră, mă găseam din nou la mine în birou și m-am pomenit cu Malila venind să-și ceară scuze că nu mă invitase la Pomul de Crăciun împreună cu toată familia. Îmi adusese cadouri și pentru copii. N-am idee cine o fi spus lui Ghiță Ionescu că aveam copii, dar bănuiam că vinovatul era Popa.“

„Seit Ghita Ionescu die rumänische Redaktion leitete, hatte es sich eingebürgert, dass er anläßlich der Geburt Jesu Christi alle Mitarbeitenden zu einem Weihnachtsfest bei sich daheim einlud. In diesem Jahr bin ich auch eingeladen worden. Seine Sekretärin, Malila Szabados, die Tochter des rumänischen Universitätsprofessor Constantinescu in Rom, hatte mich wissen lassen, dass ich eingeladen sei, aber nicht gefragt, ob ich Kinder hätte. Als ich meiner Frau von der Feier erzählte, sagte sie mir, dass sie mich nicht begleiten wollte. Sie würde mit den Kindern zu Hause bleiben, aber ich solle hingehen. Gemeinsam mit Madeleine bin ich zu Ghiță Ionescu. Als ich eingetroffen war, kam Iani Popa auf mich zu, schaute verwundert und fragte mich sofort, wo denn meine Gattin und die Kinder wären. Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte und erklärte ihm, dass ich als Neuankömmling in München nicht die Gepflogenheiten hier kennen würde.
- Herr Popa, es hat mir niemand gesagt, dass ich sie mitbringen sollte. Ich kenne Ihre Gebräuche noch nicht.

Am Weihnachtsbaum ist es von je her Brauch, Geschenke an die Kinder zu verteilen. Und so wurde es auch an diesem Abend gehandhabt. Als ich beobachtete, wie die Kinder der Redaktionskollegen beschert wurden, bereitete es mir großes Vergnügen, in ihren Augen die unendliche Freude erstrahlen zu sehen. Ich dachte daran, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis ich auch bei meinen Kindern diese glücklichen Augen sehen würde, nur eben bei mir daheim. Nach den Feiertagen schaute Malila bei mir am Arbeitsplatz vorbei, um sich zu entschuldigen, dass sie mich nicht samt meiner ganzen Familie eingeladen hatte, und brachte auch Geschenke für meine Kinder mit. Keine Ahnung, wer Ghiță Ionescu erzählt haben mag, dass ich Kinder habe, aber ich vermute, dass Popa der Schuldige war.“

Irgendwann Mitte der 1960er-Jahre änderte mein Vater dann drastisch sein Verhalten. Er verbot ausdrücklich, im Sender fotografiert zu werden, brach die Beziehungen zu allen Mitarbeitenden außerhalb der Arbeitszeit ab und fing an, sehr zurückgezogen zu leben.

Hing das mit Nicolae Ceaușescus Machtübernahme in Rumänien 1965 zusammen? Hatte sich die Gefahrenlage verändert? Oder war die Rückkehr Noël Bernards 1966 als Leiter der rumänischen Redaktion ein Auslöser? War mein Vater nur zu krank geworden, um irgendwelchen gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen? Oder war er, nachdem 1963 seine in Rumänien zurückgelassene Tochter Anka Maria mit ihm plötzlich brieflich Kontakt aufgenommen hatte, nur vorsichtiger und rücksichtsvoller, um sie nicht zu gefährden und vielleicht zu ermöglichen, dass sie ihn 1968 ein erstes Mal in München besuchen durfte? Ich habe keine Ahnung. Aber der Ion Popa, den ich als Kind erlebte, war nicht zu vergleichen mit dem Lebemann, der er früher gewesen war.  Er war nun zum Eremiten geworden.

Montag, 9. Februar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (35) und die griechische Frage

Die unterschiedlichsten, nicht unbedingt sich widersprechenden Erklärungen hört man bei der Frage, warum alle Nahestehenden meinen Vater Iani riefen. 

Laut seinen Ausweispapieren hieß er Ion Popa, manche Quellen nennen ihn Ioan, selbst bei seinem Pseudonym im Sender Freies Europa, Ion Măgureanu, behielt er seinen angestammten Vornamen.

Doch wir alle riefen ihn immer nur Iani.

Nun sind Spitznamen eine rumänische Manie. Unter unseren Verwandten und Bekannten wurden oft statt der Taufnamen kindliche Rufnamen genutzt: Gigi, Coca,Ţuţi, Maia, Pusy, Bobbie – die allesamt nichts mit dem eigentlichen Vornamen zu tun hatten.

Und dann gibt es natürlich abgekürzte Vornamen, wie bei meiner Mutter Rica statt Florica, oder Diminuitive wie bei meinem Großvater Ionel statt Ion bzw. Ioan.

Aber es kommt ausgesprochen selten vor, dass man eine ausländische Form des ursprünglich rumänischen Vornamens wählt. 

Was machte nun meinen Vater zu Iani, dem Griechen?

Die harmloseste und zugleich am wenigsten glaubwürdige Erklärung soll mein Vater selbst erzählt haben. Schon als Kind soll er zu Jähzorn geneigt haben. Und wenn seine Eltern ohne ihn und seine jüngeren Geschwister weggehen wollten, soll er sich wutentbrannt auf den Boden geworfen und gebettelt haben: „Ia-ne, ia-ne și pe noi“. Nehmt uns, nehmt uns auch mit! Aus dem Ia-ne, nehmt uns, wäre sein Spitzname Iani entstanden. So schreibt es zumindest meine Schwester. Hat er ihr das selbst gesagt, hat ihre Mutter, seine erste Ehefrau, das erzählt oder hat sie es auch nur gelesen?

Denn in René Al. de Flers' Buch „Radio Europa Liberă şi exilul românesc: o istorie încă nescrisă“ (Radio Freies Europa und das rumänische Exil: eine noch ungeschriebene Geschichte) kommt die Anekdote fast wortgleich vor: „Într-o żi, cu toate că știam că lon Popa nu era grec, făcând aluzie la numele de lani, I-am întrebat:
- Ești grec, tovarășe ministru?
- Dar cum așa! Sunt moldovean.
- Păi... Iani nu este nume grecesc?
- Da de unde! Să-ți povestesc. Când tata pleca la oraș, voiar și noi copili să ne ducem cu el. Fiind cel mai mare, mă duceam  și-l rugam: iani și pe noi tată, și cu timpul, fiind mereu stăruitor cu una și aceeași frază, cei din casă începuseră să-mi spună lani. Așa mi s-a născut numele.“

„Obwohl ich wusste, dass Ion Popa kein Grieche war, spielte ich auf seinen griechischen Vornamen an und fragte ihn eines Tages:
- Genosse Minister, bist Du Grieche?
- Wie kommst Du da drauf? Ich bin Moldauer.
- Aber ist Iani kein griechischer Vormane?
- Von wegen! Lass es mich Dir erklären: Wenn mein Vater in die Stadt aufbrach, wollten wir Kinder ihn begleiten. Als Ältester von usn bin ich zu ihm hin und bat ihn: Nimm uns mit (Rumänisch: ia-ne), Papa. Und mit der Zeit fingen daheim alle an, mich nur noch Iani zu rufen, weil ich diesen einen Satz ständig wiederholte. So entstand mein Name.“

Glaubwürdiger ist die These, dass eine reiche Griechin, bei der seine Mutter Ecaterina möglicherweise arbeitete, seine Taufpatin gewesen sei. Meine Schwester erwähnt da Urania Polatos, zu der man tatsächlich auch Informationen online findet. Ihr Vater Anton Polatos war ein reicher Bäcker in Focșani und einer ihrer Brüder hieß auch Iani. Die Familie scheint dann aber 1914, ein Jahr nach der Geburt meines Vaters pleite gegangen zu sein. Für die Taufpaten-Version würde auch sprechen, dass eine weitere Schwester meines Vaters, Pusy, auf den ebenfalls griechischen Namen Polixenia getauft worden war. 

Als grenznahe Handelsstadt war Focșani Anfang des 20. Jahrhunderts Wohnort vieler griechischer Bänker und Kaufleute.  

Eine Cousine von mir hat wiederum gehört, dass es in unserer Familie einen griechischen Ahnen gegeben hätte. Dass aber auch ein Familienmitglied adoptiert worden sei.

Als ich in den 1990er-Jahren erstmals in Bukarest zu Besuch war, erzählte man mir wiederum eine ganz andere Geschichte. Der tatsächliche Vater meines Vaters sei nicht Ecaterinas Ehemann Ignat gewesen, sondern ein griechischer Bojar, ein Großgrundbesitzer in Focșani. Er hätte meinem Vater auch das Studium in Iași finanziert, wo mein Vater Latein und Altgriechisch studierte. Zur Uni begleitet hätte meinen Vater sein Halbbruder, der legitime Sohn des Griechen, der zugleich auch der beste Freund meines Vaters gewesen wäre.

Die Auswertung meiner DNA durch My Heritage scheint den griechischen Ahnen väterlicherseits zu bestätigen. Demnach bin ich zu 41,8 Prozent Balkanbewohner, zu 34,4 Prozent Grieche, zu 15,2 Prozent aschkenasischer Jude und zu 8,6 Prozent Osteuropäer.


Samstag, 7. Februar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (33) und Szenen einer Ehe

So lange ich mich zurückerinnern kann, hatten meine Eltern getrennte Schlafzimmer. Und das in einer 5-Zimmer-Wohnung, in der zeitweise bis zu sieben Menschen lebten. 

Eine kurze Zeit übernachtete mein Vater auch in den Räumen in der Wilhelm-Düll-Straße 1, die sie ursprünglich für meine beiden großen Brüder angemietet hatten. Und ich meine mich erinnern zu können, dass er auch mal schräg gegenüber von unserer Wohnung in der Tizianstraße 16 a eine kleine Wohnung nutzte: In der Tizianstraße 63, im selben Haus, wo sein Arzt Dr. Willkomm eine Praxis hatte.  

So lange ich mich zurückerinnern kann, stritten sie. Sie schrieen sich an,  Geschirr wurde zertrümmert, sie lebten mehr aneinander vorbei, denn miteinander. Es war, so lange ich mich zurückerinnern kann, keine glückliche Ehe. 

Main Vater sagte einmal voraus, dass meine Mutter sich, sobald er tot war, darüber beschweren würde, dass die Trauerfeier so früh am Morgen begänne. Und tatsächlich war es dann auch so.

Und es mag kein Zufall sein, dass wir drei Söhne, die aus dieser Beziehung hervorgegangen sind, allesamt keine Kinder haben und dieser Familienzweig mit uns aussterben wird.

Sonntag, 1. Februar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (32) und die Kunst, eine Krawatte zu binden

Es gibt kaum Fotos meines Vaters Ion Popa, auf denen er ohne Krawatte zu sehen ist. Selbst auf der Wiesn trug er Schlips. Als junger Mann im Bukarest der 1930er- und 1940er-Jahre soll er für seine schicken Krawatten berühmt gewesen sein, wie ich bereits erzählt habe.

Und so habe ich, neben den bereits erwähnten eher theoretischen Dingen, als Kind von ihm auch gelernt, wie man eine Krawatte bindet. 

Ich bin zwar, wie meistens mit meinen Händen, nicht sonderlich geschickt darin und brauche es nur alle ein, zwei Jahre mal, da ich äußerst ungern einen Schlips anlege. Aber ein einziges Mal gezeigt und irgendwie doch nie mehr vergessen.

Samstag, 31. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (31) und das Capșa

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Jeden Abend nach dem Andruck des „Curentul“ um 1940 herum ging mein Vater Ion Popa ins Capșa. Das legendäre, bis heute existierende Lokal in der Calea Victoriei, einer der Hauptstraßen von Bukarest, war nicht nur für Journalisten der Treffpunkt.

Das Lokal spielte laut René Al. de Flers auch eine Rolle bei der Entlassung meines Vaters. Pamfil Şeicaru, der Verleger und Chefredakteur von „Curentul“, war 1940 vor einem Mordkomplott der faschistischen Eisernen Garde nach Rom geflüchtet. Als Statthalter nahm mein Vater daraufhin einige Änderungen und Neuerungen vor, so veröffentlichte er statt Şeicarus Leitartikel Beiträge des deutschen Propagandaministers Joseph Goebbels. Nach dem Scheitern der Machtergreifung durch die Eiserne Garde kehrte Şeicaru 1941 zurück. Die gesamte Redaktion empfing ihn im Verlagsgebäude. Nur mein Vater fehlte. Er weilte im Capșa und wartete dort auf Şeicaru. Der empfand das als unverschämt und feuerte ihn.

Als ich Anfang der 1990er-Jahre erstmals selbst nach Rumänien reisen konnte, schaute ich natürlich im Capșa vorbei. Und traf später auch einen Schwager meines Vaters, Eugen „Nicu“ Filimon, der damals noch lebte. Filimon war mit Polixenia „Pusy“, einer der Schwestern meines Vaters, verheiratet gewesen und hatte zwischen den Kriegen und/oder während des Zweiten Weltkriegs eine leitende Funktion bei der Rumänischen Nationalbank bekleidet.

Nicu bestätigte mir nicht nur, dass mein Vater gern und oft im Capșa feierte, sondern dass damals auch regelmäßig auf jedem seiner Oberschenkel eine Frau gesessen hätte. Wer wie ich oder meine Schwester unseren Vater erst in den 1960er- und 1970er-Jahren erlebte, kann sich schwer vorstellen, dass dieser eher schwermütige, depressive, zurückgezogen lebende Mann in den 1930er- und 1940er-Jahren offenbar ein Schwerenöter und latin lover gewesen sei.

Mein Vater soll in Bukarest auch dafür bekannt gewesen sein, dass er die schicksten Krawatten der ganzen Stadt getragen hat, die er sich regelmäßig in Berlin besorgte.

Freitag, 30. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (30) und unsere Flugreise nach Zürich

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Während meiner Kindheit und Jugend lebte mein Vater sehr zurückgezogen. Anfangs fuhr er noch mit uns im Auto in den Urlaub nach Italien. Selbstverständlich war er dabei, wenn die ganze Familie ihre Flüchtlingspässe in der Straßburger Präfektur verlängerte beziehungsweise erneuerte. Und ganz selten, vielleicht auch nur einmal begleitete er in den 1960er- und 1970er-Jahren meine Mutter und mich auf unseren ständigen Bahnreisen nach Paris. 

Erinnern kann ich mich an kein einziges Mal, aber es gibt zumindest ein Gruppenfoto mit uns, der Familie meines Onkels mütterlicherseits und dessen Schwiegereltern Joffé in Le Vésinet. Da mein Onkel Jean „Ţuţi“ Dragesco nicht auf dem Bild ist, stand er wohl hinter der Kamera.

Um so merkwürdiger ist daher die einzige Reise, die mein Vater und ich allein unternahmen. Wir flogen Mitte bis Ende der 1960er-Jahre nach Zürich. Meine erste Flugreise. Und ich habe nicht die leiseste Vorstellung, warum wir diesen Tagestrip, morgens hin, abends zurück, unternommen haben. Hat er jemanden getroffen? Musste er etwas erledigen? 

Ich kann mich auch nur noch an ein einziges Detail genauer erinnern. Wir suchten einen Spielwarenladen auf und ich freute mich, an einem Märchenautomaten mir eine Geschichte über Kopfhörer vorspielen zu lassen. Nur verstand ich kein einziges Wort. Das Märchen war auf Schwizerdütsch.

(Foto: Aero Icarus/Wikipedia) 

Donnerstag, 29. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (29) und seine Abscheu vor dem Münchner Hauptbahnhof

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Als Jugendlicher liebte ich den Münchner Hauptbahnhof, weil es dort die ganzen internationalen Zeitungen und Zeitschriften zu kaufen gab, von den „Cahiers du Cinéma“ über „Libération“ bis hin zum französischen „lui“ und den US-amerikanischen „Penthouse Letters“.

Mein Vater hatte dafür überhaupt kein Verständnis. Nicht wegen der erotischen Heftchen, sondern wegen des Ortes an und für sich. Für ihn verkehrten an Bahnhöfen nur Spione und Sex Worker.

Mittwoch, 28. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (28) und die Bombardierung von Dresden

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Mein Vater erzählte, wie er die Bombardierung von Dresden erlebt hat. Die Detonationen, das Feuer, aus der Ferne, aber doch nah genug, dass er den Zug, in dem er damals unterwegs war, verlassen musste, um am Bahndamm Schutz zu suchen.

Nun waren mein Vater, seine Ehefrau, die gemeinsame Tochter und viele mit ihnen aus Berlin, Wien und dem übrigen Deutschen Reich deportierte Rumän*innen im Winter 1944/1945 in Krummhübel, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen, interniert, bis sie die russische Armee im Frühjahr befreite.

Weshalb nur der erste Luftangriff der „8th Air Force der USAAF mit 65 B-17 Flying Fortress auf die Industrie in Freital (Mineralölwerk der Rhenania-Ossag in Birkigt), das Industriegelände Gittersee und Wohnanlagen“ (Wikipedia) am 24. August 1944 in Frage käme. „Eine Bombe fiel auf Coschütz. Bei dem Angriff starben 241 Menschen.“

Deportiert und interniert worden waren die Rumän*innen wegen des sogenannten Königsputsches einen Tag zuvor am 23. August 1944, bei dem der junge König Mihai I. den Militärdiktator Ion Antonescu stürzte und Rumänien damit die Achsenmächte verließ und sich den Alliierten anschloss.  

Dienstag, 27. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (27) Ion Popa alias Ion Măgureanu und Noël Bernard bei Radio Freies Europa

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Noël Bernard leitete von 1955 bis 1958 sowie von 1966 bis 1981 die rumänische Redaktion von Radio Freies Europa. In ihrem 2007 veröffentlichten Erinnerungsbuch „Directorul postului nostru de radio“ (Der Direktor unseres Radiosenders) schrieb seine Witwe Ioana Măgură Bernard (1940–2022) auch über meinen Vater (deutsche Übersetzung weiter unten):

„Prezentatorul programului politic a fost, vreme de vreo 20 de ani, lon Măgureanu. Nu era rudă nici cu cel de la SRI, serviciul român de informații, nici cu vreun altul, pentru bunul motiv că acesta era tot un pseudonim. Numele lui adevărat era lon Popa; lani pentru familie și prietenii apropiați; Popicu pentru colegi. Ziarist de profesie, se bucura de o mare popularitate pentru ascultători. Era un tip romantic, un gazetar democrat de factură veche și de stil latin, spre deosebire de pildă de Noël, prin excelență tipul de jurnalist anglo-saxon, riguros, sintetic și strict la obiect. Numele lui lon Măgureanu era legat indisolubil de programul politic. Într-un fel, se poate spune că și-au creat reciproc celebritatea. Prezentările lui Popicu erau directe, calde, originale și adesea pline de floricele. Ele debutau invariabil cu «dragi prieteni». Cînd începea să depene amintiri și să se lanseze în divagații, care veneau în contradicție cu însăși natura programului, Noël îi tăia pasaje întregi, ceeace îl supăra foarte tare, căci Popicu pe acestea le considera cele mai valoroase. Nu era vorba de cenzură, dar Noël nu voia ca prezentarea să se dilueze și, prin îndepărtarea de subiect și obiect, să piardă din acuitate și in ultimă instanță din impact. Cu toate acestea, îl aprecia mult pe lani – Noël așa îi spunea - atît ca ziarist cît și ca om. Popicu era un profesionist talentat, cu multă imaginație –  poate chiar prea multă – și un personaj deosebit de pitoresc. Avea chiar la 50 de ani înfățișarea unui bunic sfătos destul de scund, rotofei, cu părul alb și sprincene stufoase, oricînd bucuros să stea la taifas și să vorbească in pilde. Mi-l amintesc ieșind uneori din biroul lui Noël, încins și roșu la față, după vreo dispută profesională, care nu avea însă niciodată urmări. Dovada prețuirii de care se bucura, stă in faptul că Popicu a fost titularul programului politic pînă cînd a ieșit la pensie, în 1978.“

Grobe Übersetzung: Ungefähr 20 Jahre lang präsentierte lon Măgureanu die politische Sendung. Er war weder mit dem rumänischen Geheimdienstchef Virgil Măgureanu verwandt noch mit sonst jemandem diesen Namens, weil es sich bei diesem Nachnamen um ein Pseudonym handelte. In Wahrheit hieß er Ion Popa; Iani für seine Familie und engen Freunde; Popicu unter Kollegen. Als Berufsjournalist erfreute er sich großer Beliebtheit bei der Hörerschaft. Er war ein Romantiker, ein demokratischer Journalist alter Schule und romanischen Stils, im Unterschied zu Noël Bernard (Foto), der ein Paradebeispiel englischen Journalismus war, rigoros, prägnant und auf den Punkt. lon Măgureanu war untrennbar mit dem politischen Programm verbunden. Man könnte sagen, dass diese Kombination den Erfolg des Moderators und der Sendung begründete. Popicus Moderation war direkt, warmherzig, originell und somit auch blumig. Stets eröffnete er das Programm mit den Worten „liebe Freunde“. Wann immer er zu sehr abschweifte und sich nicht streng an den Kern des Programms hielt, strich ihm Noël ganze Passagen, was Popicu sehr erzürnte, weil er gerade diese Momente für die wertvollsten hielt. Man kann nicht von Zensur sprechen. Noël wollte nur nicht, dass die Inhalte verwässert werden und das Programm durch den Verlust an Focus auch an Schärfe und letztendlich an Wirkung einbüßt. Nichtsdestotrotz schätzte Noël Iani – so nannte er ihn – sowohl als Journalisten als auch als Menschen. Popicu war ein begabter Profi, mit großem, vielleicht sogar zu großem Einfallsreichtum und einer auffälligen Erscheinung. Mit gerade mal 50 Jahren wirkte er schon wie ein weiser Großvater, ziemlich klein und pummelig, weißhaarig und mit buschigen Augenbrauen. Stets zu einem Schwatz aufgelegt und bereit, Geschichten zum besten zu geben.Ich kann mich erinnern, wie er manchmal nach einem heftigen Streit aus Noëls Büro kam, erregt und im Gesicht rot angelaufen. Doch diese Auseinandersetzungen hatten niemals Folgen. Wie sehr Popicu geschätzt wurde, sieht man daran, dass er bis zu seinem Ruhestand 1978 die politische Sendung behielt.

Samstag, 24. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (24) und die italienischen Verhältnisse

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Nachdem die Russen meinen Vater Ion Popa, seine erste Frau Hortensia und die gemeinsame Tochter Anka aus dem Außenlager Krummhübel des KZ Groß-Rosen befreit hatten, ging die Familie 1945 erst einmal nach Italien. Sie lebten in Rom, wo Anka getauft worden ist. Mein Vater soll auch viel Zeit in Assisi verbracht haben. Offenbar hat man ihnen die Wohnung oder das Haus in Rom zum Kauf angeboten, aber sie schlugen das Angebot aus. Ob nur aus finanzieller Not oder aus anderen Beweggründen, ist unbekannt. 

1946 zogen sie zum Schwager nach Nizza, von wo aus mein Vater allein nach Rumänien zurückkehrte. Seine Frau folgte ein Jahr später mit der gemeinsamen Tochter. Dann fiel der Eiserne Vorhang, und mein Vater flüchtete schließlich allein aus Rumänien in de Westen, wo er später erneut heiratete.

Italien war nun nur noch ein Urlaubs- oder Reportageziel. Erst Venedig mit seiner zweiten Ehefrau Florica, geborene Dragu. Dann für Radio Freies Europa zu den Olympischen Spielen 1960 in Rom, wo ich angeblich gezeugt worden bin, wobei das rechnerisch nicht aufgeht.

Später mit uns Söhnen nach Rimini, Albenga und Ischia. Eine meine ersten Erinnerungen ans Kino führt auch nach Albenga zurück. Neben unserem Hotel gab es ein Freilufttheater, das 1968 oder 1969 Peter Sellers' „Der Partyschreck“ zeigte. Vom Balkon aus konnte ich den Film sehen. 

Das war auch die letzte Urlaubsreise, die mein Vater mit uns unternahm. Danach verließ er München nicht mehr. Mit meiner Mutter war ich noch einmal in Rom, bevor das italienische Kapitel endgültig geschlossen wurde, und meine Mutter mit mir nur noch nach Nizza an die Côte d'Azur fuhr.





Freitag, 23. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (23) Ion Popa, Curzio Malaparte und wie sie ein Partisanenlager plünderten

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Während des Zweiten Weltkriegs war mein Vater Ion Popa als Frontberichterstatter unterwegs. Er schüttelte Adolf Hitler die Hand, begegnete dem finnischen Oberbefehlshaber Carl Gustav Mannerheim, und war wiederholt in Kriegsgebieten wie Finnland oder dem Balkan mit Curzio Malaparte unterwegs, der seinerseits für den „Corriere della Sera“ berichtete. In seinem Roman „Kaputt“ erwähnt Malaparte einmal das Redaktionsgebäude von „Curentul“ in Bukarest, wo mein Vater eine Zeit lang geschäftsführender Redakteur gewesen war.

Malaparte und mein Vater griffen bei ihrer Arbeit auch zu ungewöhnlicheren Methoden. So waren sie in Jugoslawien mit einem Beobachtungsballon unterwegs, der aber in einem Feld notlanden musste. Dort hatten sich Partisanen versteckt, denn Malaparte und mein Vater entdeckten ein offenbar fluchtartig verlassenes Lagerfeuer, auf dem noch Hähnchen brutzelten. Ausgehungert wie die Journalisten waren, ergriffen sie die Chance und aßen alles auf.

Dienstag, 20. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (20) Ion Popa und seine Zeit in Krummhübel, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen. 
 
Während des Zweiten Weltkriegs gehörte das vom faschistischen Diktator General Ion Antonescu geführte Rumänien zu den Achsenmächten. Das war im Ersten Weltkrieg noch anders gewesen. Da kämpfte Rumänien in der Entente an der Seite Frankreichs und Großbritanniens gegen Deutschland und Italien, worauf es von den Deutschen besetzt wurde. Mein Großvater mütterlicherseits, Ion Dragu, der über seine Kriegserlebnisse eine Bestseller-Triologie geschrieben hatte, erzählte mir Jahrzehnte später mit größtem Bedauern, dass er damals einen bayerischen Gebirgsjäger erschossen hätte. Der Deutsche hatte seine Arme hoch gerissen, um sich zu ergeben. Aber bis mein Opa das begriff, hatte er schon reflexhaft abgedrückt.

Am 23. August 1944 stürzte der junge König Mihai I. in einem Staatsstreich den Militärdiktator Antonescu und Rumänien wechselte an die Seite der Allierten. Daraufhin wurden die rumänischen Diplomat*innen in Berlin und Wien, sowie weitere Journalist*innen und Künstler*innen, die sich im Deutschen Reich aufhielten, interniert.

Drei Tage und Nächte lang sollen sie im Zugwaggon unterwegs gewesen sein, ohne zu wissen, wohin man sie bringt. Mein Vater, seine erste Ehefrau Hortensia und ihre wenige Monate alte Tochter kamen mit der „diplomatischen Austauschgruppe“ ins niederschlesische Krummhübel (auf Polnisch Karpacz), einem Außenlager des KZ Groß-Rosen, wo sie am Rande von Rübezahls Riesengebirge das Haus Brandenburg bezogen.

Weitere Bewohner in den Häusern Brandenburg und Brodtbaude waren der Dichter Vintilă Horia mit seiner Frau Olguța, der Maler Eugen Drăguţescu, der Dirigent Ionel Perlea, der Opernsänger Tomel Spataru, Viorel Gligore, Arzt an der rumänischen Gesandtschaft in Berlin, Hildegard Marie Praglowski vom Generalkonsulat in Wien, Maria Panteli, Henry Holban, Bucur Ţincu, Darascu Padureanu, Ioan Enescu. (Es fielen auch die Namen Silvestri und Solaculu). Manche sprachen von der Elite Rumäniens.

Ein Teil der rumänischen Austauschgruppe kam im benachbarten Brückenberg ins Haus Ermel.

In den Arolsen Archives findet sich eine Akte mit „Gesuchen von rumänischen Internierten (diplomatische Austauschgruppen) an das Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes um die Erlaubnis der Übermittlung von Nachrichten an ihre Angehörigen“ in Rumänien. 

Der darin auftauchende Ion Popa war aber wohl nur ein Namensvetter, da er in Brașov ansässig war, mein Vater dagegen in Bukarest.

Auch wenn Krummhübel das Außenlager eines Konzentrationslagers war, wurde die rumänische Gruppe deutlich besser behandelt als die übrigen KZ-Häftlinge oder Zwangsarbeiter*innen. Sie sollten nicht vernichtet, sondern nur interniert werden. Wie man auf dem Foto sieht, behielten sie ihre Garderobe. Mangels Weihnachtsdekoration sollen die rumänischen Lagerinsass*innen zu Heiligabend 1944 ihren Christbaum mit ihren eigenen Juwelen und Schmuckstücken verziert haben.

Für meine Schwester bastelte man als Geschenk an ihrem ersten Weihnachsfest eine Mappe, die ein ihr gewidmetes Weihnachts- und Heimatgedicht Horias und zwei Porträtzeichnungen aus der Hand Drăguţescus enthielt.

Mein Vater und seine Familie blieben im Lager, bis sie von den Russen im Frühjahr 1945 befreit wurden. Vintilă Horia scheint zuvor ins österreichische Mariapfarr verlegt worden zu sein, wo ihn die Briten befreiten.

Doch auch wenn die Lagerbedingungen vergleichsweise gut gewesen zu sein scheinen, traumatisierten sie meinen Vater. Als er Jahrzehnte später im Krankenhaus war, triggerte der Umgang mit dem deutschen Arzt- und Pflegepersonal Ängste aus der KZ-Zeit.

Montag, 19. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (19) Ion Popa und das einzige Mal, dass ich ihn weinen sah

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Vater öfters ferngesehen hätte. Das war eher die Domäne meiner Mutter, während mein Vater lieber am Radio hing, das den ganzen Tag lief und Nachrichten lieferte.

Eines Abends war aber ein rumänisches Folklore-Ensemble in einer deutschen Fernsehshow zu Gast. (In meiner vagen Erinnerung war es Wim Thoelkes „Der große Preis“, aber das Format scheint eher keine solchen Programmelemente ausgestrahlt zu haben.)

Mein Vater schaute sich den Auftritt an. Und es war das einzige Mal, dass ich ihn weinen sah.


Samstag, 17. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (17) Ion Popa und warum er uns Söhnen die Initialen D.P. für Displaced Person verpasste

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen. 

Mein Vater Ion Popa hat mehr Zeit im Exil verbracht, als in seiner rumänischen Heimat. Dennoch blieb er durch und durch Rumäne. Wir sprachen daheim nur Rumänisch, sind  – wie mein Bruder Dinu auf dem Foto – rumänisch-orthodox getauft worden und hatten zwar keine rumänischen Pässe, waren aber staatenlose, politische Flüchtlinge rumänischer Herkunft, obwohl meine beiden Brüder in Paris geboren sind und ich in München. In meinem Falle lag der ererbte Status nahe, denn Deutschland setzt auf das ius sanguinis, die Staatsangehörigkeit qua Abstammung.

In Frankreich gilt aber wie in Großbritannien oder den USA das ius soli, das Recht des Geburtsortes. Wer in Frankreich geboren wurde, war Franzose. Vorausgesetzt, die Eltern entscheiden sich dafür – oder bei Erreichen der Volljährigkeit man selbst. Mein Vater lehnte das ab, und so wuchsen meine Brüder trotz ihres Anspruchs staatenlos auf, mit einem weitgehend nutzlosen Konventionspass für staatenlose Flüchtlinge.

Und natürlich wurden wir alle drei in der rumänisch-orthodoxen Église des Saints-Archanges in Paris-St. Germain getauft. In meinem Fall bedeutete es, dass ich nach meiner Geburt in der Münchner Geisenhofer Frauenklinik, vis-à-vis von Radio Freies Europa am Englischen Garten, bereits im zarten Alter von sechs Monaten meine erste Reise antrat. Nach Paris, um getauft zu werden.

Uns Brüder verbindet nicht nur die rumänische Muttersprache und die orthodoxe Taufe, wir drei, 1952, 1953 und 1961 Geborenen tragen auch alle dieselben Initialen: D. P. Mein Vater entschied sich bewusst für Vornamen, die daran erinnern sollten, dass seine nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Kinder D. P. sind, displaced persons.

Freitag, 16. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (16), Radio Freies Europa und die Sicherheitsbedingungen am Englischen Garten

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Ich ging zwar bei Radio Freies Europa nicht ein und aus, aber ich war doch wohl für ein Kind ungewöhnlich oft zu Besuch im Gebäude am Englischen Garten. Mal besuchte ich meinen Vater Ion Popa alias Ion Măgureanu, um mit ihm zu Mittag zu essen. Meistens in der Kantine im Untergeschoss, wo es auch die amerikanischen Schokoriegel Butterfinger zu kaufen gab.

Einmal gingen wir ins Restaurant des nahen Park-Hilton, wo das Chateaubriand dann am Tisch tranchiert wurde.

Oder mein Vater hatte bei den Kolleg*innen der ungarischen Redaktion eine ganze Salami gekauft und ich holte sie ab, um sie nach Hause zu bringen. In meiner kindlichen Vorstellung die Salami wie eine Bazooka auf der Schulter balancierend.

Gelegentlich saß ich auch bei der Schaltkonferenz (mit den USA?) dabei oder schaute zu, wenn mein Vater für seine Sendung im Studio war. Aufgezeichnet (ausgestrahlt?) wurde sie in meiner Erinnerung spätnachmittags oder am frühen Abend.

Und immer wieder holte ich meinen Vater ab und dann fuhren wir gemeinsam mit der Tram nach Hause.

Manchmal besuchte ich auch den jungen rumänischen Radio-DJ Cornel Chiriac, der 1969 bei RFE zu arbeiten begonnen hatte, bevor er 1975 ermordet wurde.

Als mein Vater zunehmend krank war und nach seiner Pensionierung war ich oft im Sender, um bei der Personalabteilung die Arzt-, Medikamenten- und Krankenhausrechnungen vorbeizubringen, die dann an die US-amerikanische Krankenversicherung, erst Aetna, dann Cigna, weitergeleitet wurden. Später zog die Personalabteilung von RFE/RL in das backsteinrote Gebäude in der Arabellastraße 21, wo zeitweise Burda die Redaktionen von „Focus“ und dem „Playboy“ untergebracht hat.

Die ersten Jahre waren die Besuche am Englischen Garten unkompliziert. Ich konnte den Sender betreten und durch das Gebäude laufen, wie ich wollte.

Irgendwann Ende der 1960er- oder Anfang der 1070er-Jahre wurden die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft. Und das lange vor dem Bombenanschlag 1981 durch den venezolanischen Terroristen Carlos im Auftrag von Nicolae Ceaușescu.

Plötzlich gab es im Foyer eine Schleuse aus Panzerglas. Mein Vater musste mich am Eingang abholen, damit ich den Sender betreten durfte. Und auf dem Betriebsparkplatz kontrollierten Sicherheitsleute jedes Auto mit Unterboden-Inspektionsspiegeln auf Bomben.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (14) Ion Popa und seine Schwester Vasilica Balaban

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Stammt mein Vater nun aus der Kreisstadt Focșani oder dem dörflichen Vereşti? Die Angaben dazu weichen voneinander ab. Doch seinen Erzählungen zufolge vermutete ich immer eine eher ländliche denn städtische Herkunft. Andererseits lebten seine Mutter und zwei seiner Geschwister, seine Schwester Vasilica Balaban und sein Bruder Dumitru („Mitică“), laut der Securitate nach dem Krieg in Focșani, während Polixenia („Pusy“) offenbar wie mein Vater zwischen den Weltkriegen nach Bukarest gezogen und dort verheiratet war. 

Meine Halbschwester Anka betont, dass sich die Securitate auch mal irren konnte, und mein Vater definitiv in Focșani geboren war.

Als einzige der Geschwister meines Vaters hat Vasilica uns einmal im Münchner Exil Anfang der 1970er-Jahre besucht. Und sie stammte für mich eindeutig vom Land. Andererseits: Was weiß ich von den Lebensbedingungen in einer rumänischen Kreisstadt zu dieser Zeit?Jedenfalls sah Vasilica am Stachus zum ersten Mal in ihrem Leben eine Rolltreppe.

Und auf dem Klo hielt sie es, wie sie es offenbar von daheim gewohnt war. Sie warf das benutzte Toilettenpapier nicht ins Klo, sondern durch das kleine Fenster auf den Balkon.

Wir Brüder machten uns darüber lustig, was meinen Vater sehr aufregte. Er hatte zu Recht wenig Verständnis für unsere städtische Arroganz.

Sonntag, 11. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (11) Ion Popa, Pamfil Șeicaru und Joseph Goebbels

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen. 

 
Pamfil Șeicaru. Der Name fiel oft bei uns daheim in der Münchner Tizianstraße. Gesehen, habe ich ihn nie. Und mein Vater hat ihn nie empfangen oder besucht, obwohl Șeicaru nach vielen Jahren im spanischen Exil 1975 in die Münchner Region gezogen war. Wobei mein Vater zumindest in meiner Erinnerung grundsätzlich keinen einzigen Menschen besuchte oder empfing, mit zwei Ausnahmen, seiner Schwester Vasilica und seiner Tochter Anka, wenn sie das kommunistische Rumänien mal für wenige Tage verlassen durften.

Pamfil Șeicarus 1923 geborene Tochter Ana Viorela (hier 1931 porträtiert von Nicolae Tonitza) habe ich dagegen oft getroffen, denn sie war eine der besten Freundinnen meiner 1922 geborenen Mutter. Regelmäßig besuchte Viorela Șeicaru meine Mutter Florica Popa in München. Und wann immer meine Mutter und ich in Paris waren, trafen wir uns mit ihr. Sie lebte mit Mann und Tochter, nunmehr als Viorela Vergne, in Paris und oft holten wir Viorela nach Feierabend in einer Parfümerie ab, in der sie entweder arbeitete oder die ihr vielleicht auch gehörte. Viorelas Tochter übernachtete auch einmal bei uns, als sie zu Besuch in München war. 

Viorela starb Anfang der 1980er-Jahre bei einem tragischen Unfall in Frankreich. Eine Wespe oder Biene war in ihr Auto eingedrungen, woraufhin sie die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. 

Ich weiß nicht, ob Viorela und meine Mutter sich über meinen Vater oder über meinen Großvater kennengelernt hatten. Mein Großvater mütterlicherseits, Ioan Dragu, hat 1923 als Redaktionssekretär („secretarul de redacție“) mit Pamfil Șeicaru zusammen Nicolae Iorgas Zeitung „Neamul Românesc“ (Die rumänische Nation) geführt und nach deren Fusion mit „Îndrumarea“ (Die Anleitung) 1924 wiederum als Redaktionssekretär („secretarul de redacție“) wiederum mit Pamfil Șeicaru zusammen in der Gründungsredaktion der Tageszeitung „Cuvântul“ (Das Wort) gearbeitet. Schreibt zumindest Șeicaru in seiner „Istoria presei“ (Geschichte der Presse).

Vladimir Ionescu, der nach dem Krieg mit meinem Vater bei Radio Freies Europa zusammenarbeitete, war laut Șeicaru auch mit an Bord. 1928 trat mein Großvater in den diplomatischen Dienst ein und wurde Presseattaché an der Botschaft in Warschau, während Șeicaru „Cuvântul“ 1927 verlassen hatte, um 1928 seine eigene Tageszeitung, „Curentul“ (Die Aktuelle), zu gründen. Laut René Al. de Flers war mein 1913 geborener Vater vor dem Zweiten Weltkrieg Chefredakteur bei „Cuvântul“, als Șeicaru und Dragu bereits weg waren. Aber dann holte Șeicaru, wie Mircea Carp schrieb, meinen Vater zu „Curentul“ als Redaktionssekretär („secretar general de redacție“). De Flers zufolge müsste das 1940 gewesen sein.

„Curentul“ war nicht nur eine beliebige Tageszeitung in Bukarest und Pamfil Șeicaru keiner von vielen Blattmachern. Șeicaru gilt als einer der wichtigsten Journalisten Rumäniens aller Zeiten und „Curentul“ als technisch wie inhaltlich herausragende Tageszeitung, wobei inhaltlich durchaus auch im negativen Sinne herausragend.

Die Zeitung war 1928 von Șeicaru als Geschäftsführer und Chefredakteur gegründet worden und zog 1938 in einen futuristischen Palast in der Str. Eforie 5 um. (Nach dem Zweiten Weltkrieg soll hier laut MDR die Securitate residiert haben.) Das nationalistische Massenblatt stand politisch rechts, wird von vielen sogar als rechtsextrem eingestuft. Wobei Șeicaru laut Fănel Teodoraşcus 2010 veröffentlichten Artikel „The Newspaper Editorial Board, the Strength of the Journalistic Success (The Case of Curentul)“ seinen hoch bezahlten Redakteuren die Freiheit ließ, so ziemlich jede Meinung zu vertreten, von den faschistischen Ansichten der Eisernen Garde über liberale Standpunkte bis hin zu sozialistischen Thesen.

Șeicaru behauptet in seiner „Istoria presei“ (Geschichte der Presse): „Gazetarului nu-i este permis să asiste spectator indiferent la zbuciumul de fiecare zi al vieții sociale, să înregistreze pasiv variatele aspecte; el trebuie să trăiască cu intensitate, să participe impetuos la toate întâmplările din care se țese pânza misterioasă a istoriei. Unicul lui judecător, fără drept de apel, este cititorul. Un scriitor se poate consola de insuccesul momentan, gândindu-se la sentința postumă a generațiilor viitoare care revizuiesc toate judecățile contemporanilor. Unui gazetar nu îi este îngăduită această iluzie.“

„Dem Journalisten ist es nicht gestattet, das tägliche Getümmel des gesellschaftlichen Lebens gleichgültig zu betrachten und es aus jedem Blickwinkel nur passiv zu erfassen. Er muss intensiv leben, ungestüm an allen Ereignissen teilnehmen, aus denen das geheimnisvolle Netz der Geschichte gewoben wird. Sein einziger Richter, ohne Berufungsmöglichkeit, ist der Leser. Ein Schriftsteller kann sich über sein vorübergehendes Scheitern hinwegtrösten, indem er an das posthum gefällte Urteil künftiger Generationen denkt, die alle Urteile ihrer Zeitgenossen überprüfen werden. Einem Journalisten ist diese Illusion nicht gestattet.“

Technisch war man laut Teodoraşcu auf der Höhe: „Seicaru's financial strength became evident in 1936 when Curentul opened its own printing press, equipped with most modern printing techniques at the time. Pamfil Seicaru showed that, in 1939, at Curentul, he installed, in addition to the rotating Frankental, 18 linotypies manufactured in 1938 and also the last rotation model, created by MAN. »For that type only two copies were made, one for Prensa newspaper in Buenos Aires and another one for Curentul.«

Șeicaru mit seiner wortgewaltigen, aggressiven, gar pamphletischen Redaktionslinie wird angerechnet, die Presse als vierte Gewalt in Rumänien etabliert zu haben. Zugleich wird ihm aber vorgeworfen, Bestechung, möglicherweise durch die italienischen Faschisten und deutschen Nazis, und erpresserische Methoden gegenüber heimischen Politikern, Prominenten und Unternehmen in der rumänischen Presse etabliert zu haben. Der legendäre Historiker Nicolae Iorga soll Șeicaru einmal gefragt haben, ob es stimme, dass er jedes Stockwerk seines Verlagspalastes mit einer Erpressung finanziert habe. Im Rumänischen reimt sich auch Erpressung auf Stockwerk: şantajul und etajul. Șeicaru hätte erwidert, dass das Gebäude dann bis in den Himmel ragen müsste.

„His reputation of a blackmailer, appeared in the interwar period and reinforced in the Communist regime, overshadowed his journalistic achievements and compromised Curentul editorial board, built in the 16 years of activity“, schreibt Teodoraşcu über Șeicaru. In seiner sehr lesenswerten Studie „Germany's Empire in the East – Germans and Romania in an Era of Globalization and Total War“ hat David Hamlin dargelegt, dass die rumänische Presse bereits vor und während des Ersten Weltkriegs käuflich war: „A memorandum presumably drafted by Roselius in October 1914 suggested that a newspaper could, at lower cost, have the impact of an army corp. “ (…) „Newspapers that the Germans could not bribe were assumed to have been bought previously by the French and Russians. »It is an open secret that the publisher of the Bucharest newspaper Adverul had accepted a million franc bribe even before the outbreak of the war and that with very small exceptions all the Bucharest papers were paid for anti-German propaganda.«

Am 6. März 1944 hat mein Großvater Ion Dragu für Șeicaru einen Empfang in Paris organisiert, wie „Le Petit Parisien“ am Tag darauf unter der Überschrift „Une réception à Paris en l’honneur de M. Seicaru président de la presse roumaine“ schreibt: „M. Pamfil Seicaru, président de la presse roumaine, directeur du grand quotidien bucarestois Curentul, se trouve actuellement de passage à Paris. Au cours d’une réception de presse en panorthodoxie, tantôt, enpresse organisée hier par le conseiller de la légation de Roumanie M. Jean Dragu, le grand journaliste roumain a pris un amical contact avec les représentants de la presse parisienne.“

Kurz darauf verließ Șeicaru für immer Rumänien. Manche Quellen sagen, der rumänische Außenminister hätte ihn mit einer diplomatischen Mission in Spanien beauftragt. Andere behaupten, er wäre aus Eigeninitiative über Deutschland nach Spanien geflohen. Jedenfalls gerade noch rechtzeitig, bevor König Mihai I. am 23. August 1944 den faschistischen Dikator Ion Antonescu stürzte und Rumänien von den Achsenmächten zu den Alliierten wechselte. 

Șeicaru, inzwischen von Rumäniens Kommunisten in Abwesenheit zum Tode verurteilt, blieb mehrere Jahrzehnte im spanischen Exil und wechselte schließlich 1974, ein Jahr vor Francos Tod, nach Bayern, zuerst nach München oder Karlsfeld und später nach Dachau. Währendessen begnadigte Nicolae Ceaușescu 1966 Șeicaru im Exil und die Securitate bezahlte ihn, um Rumäniens Sonderweg im Ostblock in Artikeln zu feiern. 1976 oder 1977 war er sogar auf Einladung der Securitate heimlich in Rumänien zu Besuch. Als Șeicaru 1980 in Dachau starb, würdigte ihn Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß in einem Beileidstelegramm als herausragenden rumänischen Journalisten, Patrioten und Freiheitskämpfer. 

Mein Vater hat oft von seinen Erlebnissen als Frontberichterstatter während des Zweiten Weltkriegs erzählt, aber nie von seiner Arbeit unter Șeicaru oder seinen in „Curentul“ veröffentlichten Beiträgen. Bis auf einziges Mal. Da bedauerte er zutiefst, einst einen Artikel geschrieben zu haben, in dem er Joseph Goebbels gelobt hatte. So hatte ich als Kind ihn zumindest verstanden.

Laut René Al. de Flers' Buch „Radio Europa Liberă şi exilul românesc: o istorie încă nescrisă“ war das leider wohl noch schrecklicher. Horia Sima, Leiter der faschistischen Eisernen Garde, plante die Ermordung Șeicarus. Benito Mussolini hatte davon erfahren und lud Șeicaru zu seinem Schutz nach Italien ein. Dieser folgte recht übereilt der Einladung und setzte währenddessen in Bukarest meinen Vater als Statthalter in der „Curentul“-Redaktion ein:

„Probabil că încrederea lui Şeicaru, sau răspunderea cu care fusese însărcinat i se urcase la cap. Find șef în lipsa lui Şeicaru, făcuse câteva inovații și transformări. În locul rezervat pentru articolul de fond al lui Şeicaru, hotărâse să publice articole semnate de Joseph Goebbels, ministrul Propagandei în guvernul nazist. 

Popa cunoștea sensibilitatea lui Şeicaru și n-ar fi trebuit să o facă, dar nu gândise la urmări. Între timp, legionarii încercaseră să pună mâna pe putere, numai că rebeliunea de la 21-23 ianuarie 1941 n-a avut succesul dorit de ei. Şeicaru nemaiavând motiv să rămână la Roma, se reîntorsese în București. Ajuns la palatul Curentului, toți redactorii îl așteptau în sala de conferințe. Lipsea numai unul: Popa.
 
- Da unde este Iani?
A fost prima întrebare a lui Şeicaru și i s-a răspuns în unison: 
- Te așteaptă la Capșa, domnule director. 
- Cum așa? El trebuie să fie aici unde îi este locul ca să-mi dea raportul. Este o nerușinare din partea lui. Nu mai am nevoie de el, să rămână acolo unde se găsește. Nu vreau să-l mai văd. 
Cu asta, activitatea lui lani Popa la Curentul se terminase. Şeicaru nu înțelegea de glumă.“

„Şeicarus in ihn gesetztes Vertrauen oder die ihm übertragene Verantwortung stiegen ihm wohl zu Kopf. Als Verantwortlicher während Şeicarus Abwesenheit veranlasste er einige Neuerungen und Änderungen. Anstelle von Şeicarus Leitartikel druckte er Beiträge von Joseph Goebbels, dem Propagandaminister des Nazi-Regimes.

Popa kannte Şeicarus Empfindlichkeiten und hätte das besser unterlassen, aber er dachte nicht an die Folgen. Nachdem die versuchte Machtergreifung der Eisernen Garde mittels des Aufstandes vom 21. bis 23. Januar 1941 scheiterte, gab es für Şeicaru keine Grund mehr, in Rom zu bleiben. Er kehrte nach Bukarest zurück, wo ihn die versammelte Redaktion im Konferenzsaal des Verlagsgebäudes erwartete. Nur ein einziger fehlte: Popa.

- Aber wo steckt denn Iani?
So lautete Şeicarus erste Frage und man antwortete ihm im Einklang:
- Er wartet auf Dich im Capșa, Herr Direktor.
- Wie das? Er müsste hier sein, um mir Bericht zu erstatten. Wie unverschämt von ihm. Dann brauche ich ihn auch nicht mehr, dann soll er bleiben, wo er ist. Ich will ihn nie mehr sehen.
Und so endete die Arbeit von Iani Popa bei Curentul. Şeicaru verstand keinen Spaß.“