Montag, 28. August 2023

Neu: Jetzt noch ärmer!

 

So habe ich im analogen Zeitalter getrollt.

Wochenplan (Update)

John Boormans „Excalibur“ mit Helen Mirren, Liam Neeson, Patrick Stewart, Gabriel Byrne u. a. / arte; Revisionshauptverhandlung und Verkündungstermin „Hamburger Rolling-Stones-Affäre“ / Bundesgerichtshof; Yeah Yeah Yeahs (Foto) / Columbiahalle; „Secessionen. Klimt, Stuck, Liebermann“ / Alte Nationalgalerie; Festakt und anschließender Empfang zum 100-jährigen Bestehen von Interpol / Bayerisches Innenministerium; Open Studio / Kunstraum;  Meet & Greet / Lucid Motors; „Malelade – Georg Baselitz zum 85. Geburtstag“ / Pinakothek der Moderne; Chiemsee Pferdefestival / Gut Ising; Fernanda von Sachsen Gessaphe & Pablo Struff / Jazzbar Vogler; The Monocle Quality of Life Conference / Allianz Auditorium; LUNAparty / Bayerischer Hof; Wiesnauftakt Astrid Söll / Spöckmeier; Pressetermin und Festakt anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Spezialeinheiten der Bayerischen Polizei / I. Bereitschaftspolizeiabteilung; Isarinselfest / Steinsdorfstraße; Queer Literatur Festival / HP8; exit residenz pres. Sven Väth / Residenzplatz Würzburg; Giesing is a Feeling: Raketenumschau & The Sound of Money / Grünspitz; Open Air Closing / Wannda Circus; Superbloom ft. Aurora, Nessa Barrett, Peter Fox, Ellie Goulding u. a. / Olympiapark; Mini United / LovecraftCorleone BBQ / Import Export; Münchner Mobilitätskongress / Verkehrszentrum des Deutschen Museums; „Youth Topia“ / Werkstattkino

Samstag, 26. August 2023

Von der APO zum Opa: Nachruf auf Claus Schreer

Wenn die Münchner Friedensbewegung ein Gesicht hatte, dann seins. Und das über ein halbes Jahrhundert lang. Claus Schreer war schon in den 1960er-Jahren dabei, als bei den Ostermärschen noch tausende Friedensbewegte durch die Stadt zogen. 
Und Münchens hochkarätiges Treffen von Militärvertretern und Verteidigungspolitikern mag im Lauf der Zeit seinen Namen von Wehrkundetagung über Konferenz für Sicherheitspolitik zu Munich Security Conference geändert haben, aber eins blieb über Jahrzehnte gleich: Der Pazifist Claus Schreer organisierte den Protest dagegen und verpasste der Veranstaltung gleich noch einen weiteren Namen: Nato-Kriegstagung. 
Denn leise, abwägend oder gar diplomatisch war der gelernte Grafiker nie. Er konnte nerven, wollte es auch, aber nie aus Geltungsdrang, sondern immer nur, um jene in Schutz zu nehmen, die weniger wehrhaft waren: Die Opfer von Krieg, Faschismus oder Rassismus. Und so stand er bei jedem Wetter auf den Bühnen seiner Protestkundgebungen oder in der ersten Reihe seiner Demos. Meist ein Mikro zur Hand, einen Stapel Flugblätter in den Fingern und eine um Freiheit und Gerechtigkeit ringende Wut in der Stimme, deren Grundton in seiner Zeit als Klosterschüler im Dachauer Hinterland angelegt wurde. 
Im Hintergrund blieb die unermüdliche Arbeit, all die überparteilichen linken Bündnisse zu schmieden. Dabei verstand er selbst sich als Revolutionär und war Kommunist, erst bei der DKP, dann die Linke unterstützend. Stets bereit, für seine Überzeugung festgenommen zu werden oder einen Strafbefehl zu kassieren. 
In der Nacht zum Donnerstag ist Claus Schreer gestorben. Er wurde 85 Jahre alt.

Versionen dieses Textes erschienen in der „tz“ und im „Münchner Merkur“ vom 26./27. August 2023.

Update: Die Trauerfeier findet am 4. Oktober um 12.30 Uhr bei AETAS in der Baldurstraße 39 statt.

Montag, 21. August 2023

Wochenplan

Pressegespräch zur Digitalisierung von Archivalien bayerisch-israelitischer Kultusgemeinden / Bayerisches Hauptstaatsarchiv; Paul Schraders „American Gigolo“ mit Richard Gere und Lauren Hutton / NDR; Markus Söder und Joachim Herrmann präsentieren den neuen Airbus H 145 Polizeihubschrauber / I. Bereitschaftspolizeiabteilung; Markwort lädt ein: Fragen Sie Lindner / Bayerischer Hof; Gedenkveranstaltung und Erinnerungszeichen für den ermordeten kommunistischen Reichstagsabgeordneten Franz Stenzer / Nimmerfallstraße 50-58; Joachim Herrmann und der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Burkhard Körner stellen die Verfassungsschutzinformationen für das erste Halbjahr 2023 vor / Innenministerium; Pre-Opening Rewe am Rotkreuzplatz; „Was geschah mit Bus 670?“ / Studio Isabella; Vernissage „The Feigenbaums – Resurrection“ / MaxWeberSixFriedrich; Die Partei Sommerfest ft. Analstahl / Backstage; „The Death of Stalin“ (Foto) / arte; Klang im Dach: Werner Fritsch mit „faust sonnengesang II“; Gerard Damianos „The Devil in Miss Jones“ / Werkstattkino; Kapellentag der Ammerseerenade

Montag, 14. August 2023

Feine erste Sätze (62)

„Ein Mann, der mal ein paar Jahre mit Jeanne Moreau verhei­ratet war, muss einige Dinge richtig gemacht haben in seinem Leben.“

Rüdiger Suchsland in seinem Nachruf auf William Friedkin für „Artechoc“.

Feine erste Sätze (61)

„Mit 26 war Wondratschek schon so berühmt, dass ihn Lars Gustafsson umbringen wollte.“

Willi Winkler anläßlich von Wolf Wondratscheks 80. Geburtstag am 14. August 2023 im Feuilleton-Aufmacher der „Süddeutschen Zeitung“.

Wochenplan

PETA-Demo für ein Verbot tierquälerischer Rinder-Anbindehaltung / Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten; „Masterclass: Im Westen nichts Neues“ / ZDF-Mediathek; Toto-Pokal: TSV Aindling vs. TSV 1860 / Stadion am Schüsselhauser Kreut & Löwen-TV und FC Schwabing 56 vs. SpVgg Unterhaching / Guerickestraße; Präsentation der alkoholfreien Giesinger Freiheit / Giesinger-Bräu-Schänke; Musiksommer: Pom / Theatron; Burhan Qurbanis „Berlin Alexanderplatz“ mit Welket Bungué, Jella Haase, Albrecht Schuch, Joachim Król u. a. (Foto) / ZDF; „Cry Wolf“ / Bayerisches Fernsehen; Pressekonferenz des BUND Naturschutz: „Tochtergesellschaft des Münchner Flughafens in illegales Flughafen-Projekt in Albanien involviert?“ / BN-Geschäftsstelle; „Medusa“ von Anita Rocha da Silveira / Studio im Isabella; Musiksommer: Cary / Theatron; Bayerischer Fußball-Verband: Richtfest Brienner Gärten; Kampagnen-Kick-Off der Grünen Jugend / Kulturstrand; Musiksommer: Baby of the Bunch / Theatron; MSV Duisburg vs. TSV 1860 / Schauinsland-Reisen-Arena & Bayerisches Fernsehen; Zürcher Theater Spektakel: Nicoleta Esinencu & Teatru-spălătorie„Sinfonie des Fortschritts“ / Festivalgelände Landiwiese; „Schlag den Star“: Heiner Lauterbach vs. Uwe Ochsenkencht / Pro Sieben

Samstag, 12. August 2023

Twitter-Reichweite

Mein bislang erfolgreichster Tweet (X?) heuer kam – mit Ausnahme des Hashtags #noafd – ohne ein einziges Wort von mir aus …



Montag, 7. August 2023

Wochenplan (Update)

Lagebild Hasskriminalität / Innenministerium; Pop-up-Galerie / Alte Scheune Stemmerhof; Musiksommer: Malva & Henny Herz / Theatron; Influencer- & Bloggertag / Bayern-Park; Klangfest / Werksviertel Mitte; Burhan Qurbanis „Berlin Alexanderplatz“ mit Welket Bungué, Jella Haase, Joachim Król u. a. / arte; Pressekonferenz der Letzten Generation / Altes Schloss Herrenchiemsee; Regina Schillings Dokumentarfilm „Diese Sendung ist kein Spiel – Die unheimliche Welt des Eduard Zimmermann“ / ZDF; Filmkunstwochen: Jean-Luc Godards „Alphaville“ mit Eddie Constantine und Anna Karina (Foto) / ABC; 50 Years of Hip Hop / Bellevue di Monaco & Glockenbachwerkstatt; Randgruppenkrawall / Marienplatz; Two in a Row Sommerfest / Bahnwärter Thiel; Musiksommer: Der Englische Garten / Theatron

Donnerstag, 3. August 2023

Traumtagebuch (12): Zwischen 100 Tage Bücher und Australien

 Ein großes, überwiegend leeres Gebäude, irgendetwas zwischen Kaufhaus, Shopping Mall und Hypermarché. Ich habe dort einen eigenen Bereich. Leere Verkaufstische, keine Regale, auf einer Verkaufsfläche, die inmitten anderer Verkaufsflächen, ohne trennende Wände, ist. Keine Ahnung, womit ich dort handle, aber da M., mein ehemaliger Verkäufer der 100 Tage Bücher dabei ist, vermutlich Bücher.

Das Gebäude ist umgebaut worden und wir warten auf den Betreiber, Vermieter, um das weitere Prozedere zu besprechen. Ich habe es eilig, weil ich gleich nach Australien fliegen muss. Kein Urlaub, keine Individualreise, sondern eine Gruppenreise.

Ich kann nicht länger warten und gehe zur S-Bahn, die unmittelbar neben dem Gebäude liegt. Mein Gepäck beschränkt sich auf eine kleine Reisetasche, einen Weekender. An der Haltestelle suche ich nach einem Aushangfahrplan, um zu prüfen, auf welchem Bahnsteig es schneller zum Flughafen geht. S1 oder S8, stadtein- oder -auswärts? Ich bin spät dran.

Doch es gibt keine Aushangfahrpläne. Ich gehe durch die Unterführung auch zum anderen Bahnsteig, aber auch dort kein Aushangfahrplan. Hetze wieder zurück. Erst jetzt komme ich auf die Idee, auf meinem Handy nach der besten Verbindung zu suchen.

Under construction

 Da es meinen Blog merkwürdigerweise leicht zerschossen hat und das Layout nicht mehr wie vorgesehen angezeigt wurde, schraube ich dieser Tage etwas an den Einstellungen. Also nicht wundern, wenn es sich ständig ändert. Und die für die rechte Spalte vorgesehenen Segmente wie Links, Impressum oder Anzeigen finden sich jetzt leider vorläufig nur unter den Blogeinträgen im Footer. 

Mittwoch, 2. August 2023

Unter Wilden – Anmerkungen zu den bayerisch-rumänischen Beziehungen und Barbara Stamm

Das Rumänien-Virus – oder im Diktum bayerischer Politikerinnen: der Rumänien-Virus – ist kein Drei-Tage-Fieber. Es scheint sich dabei um eine hartnäckige, ansteckende Krankheit zu handeln, die die CSU-Politikerin Barbara Stamm in ihrer Funktion als Staatssekretärin Anfang der 90er Jahre erwischte und seitdem ihr Leben lang begleitete, ob als Abgeordnete, Ministerin oder Landtagspräsidentin. 

Selbst nach ihrem Tod im Oktober letzten Jahres bleibt das Virus mit dem Namen Barbara Stamm auf weitere Zeiten verknüpft, denn das Bayerische Sozialministerium hat eine neue Auszeichnung geschaffen, die Barbara-Stamm-Medaille, mit der alle zwei Jahre bis zu fünf Empfänger*innen gewürdigt werden, die sich besonders um die Förderung der bayerisch-rumänischen Beziehungen verdient gemacht haben.  

Man könnte natürlich auch von einer Begeisterung, gar Liebe zu Rumänien sprechen, als aber Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) gestern Abend im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz erstmals die Auszeichnung übergab und Lorand Szüszner, Beate Blaha, Erika Kern und Wolfgang Schramm (von links nach rechts) damit ehrte, war den Festakt über immer nur vom Rumänien-Virus die Rede, der Barbara Stamms Weggefährten, Freunde und Familie angesteckt hätte.

Als ob wir es mit einer Krankheit, einem Infekt, einer Seuche zu tun hätten. Natürlich wurde auch, einmal, erwähnt, wie schön Rumänien sei. Ohne sich in Details zu verlieren. Weit ausufernder wurde dagegen in Anekdoten erzählt, wie sehr man unter dem Virus leide. Opa erzählt vom Krieg? Nein, nicht dieses Mal, die Zeiten, als deutsche Truppen Rumänien besetzt hatten, liegen schon länger zurück. Diesmal sind Politik und Hilfsorganisationen einmarschiert, und verstehen sie mich bitte nicht falsch, sie haben Großartiges geleistet. Aber muss man sein eigenes soziales Engagement überhöhen, indem man die Empfänger klein oder gar schlecht redet, die Zustände pauschal in düstersten Farben ausmalt anstatt auf Augenhöhe zu agieren? 

Wie gefährlich die nächtlichen Fahrten durch Rumänien in Dienstwagen der bayerischen Staatsregierungen gewesen wären, auf unbeleuchteten Straßen, wo jederzeit die Begegnung mit Vieh und Pferdekutschen drohte, höchste Unfallgefahr. Natürlich ist ein Land, in dem nicht nur Pferdefuhrwerke, sondern auch Hühner, Schweine, Kinder und Betrunkene die Straßen bevölkern, eine besondere Herausforderung. Nur finde ich, eine besonders schöne, natürliche, wo Freiheit keinen autogerechten Maßstäben unterliegt.

Noch schlimmer scheinen die Straßen gewesen zu sein, wenn man zu Fuß unterwegs war. Stets war man in Sorge um Barbara Stamms „Schühchen“. Ich habe dagegen in den 90er Jahren überlegt, ob ich nicht die Branche wechseln und ein Schuhgeschäft in Rumänien eröffnen sollte. Denn nirgendwo habe ich so viele Frauen, auch tagsüber, im Alltag, auf hochhackigen Schuhen herumlaufen sehen. Egal, in welchem Zustand der Bürgersteig war.

Besonders wichtig scheint es der bayerischen Entourage gewesen zu sein, in Rumänien stets genug fränkische Bocksbeutel mit sich zu führen. Damit die gute Laune gewährt bleibt. In einem Weinland wie Rumänien?

Die Hotels, so die Klage während des Festaktes in der Residenz, seien sehr teuer und verwanzt gewesen. Und die Festgesellschaft meinte nicht die Wanzen der Securitate, sondern die Parasiten. Nun war ich in den 90ern auch viel in Rumänien unterwegs, in Brașov, București, Cluj, Iași, Sibiu Suceava oder Timișoara, und es stimmt, die Hotels waren teuer … für Touristen und ausländische Geschäftsreisende. Denn es gab immer zwei unterschiedliche Preise, für Rumänen und Ausländer. Hinsichtlich der Wanzen fällt mir dagegen aus jener Zeit eher das Hilton in Chicago während der Bookfair America an. Es kann sie eben überall geben.

Doch schwelgte man beim Festakt nicht nur von den ersten Jahrzehnten nach der Revolution, sondern auch von den aktuellen Zeiten und Nöten, von den „EU-Waisen“, Kindern, die bei ihren „überforderten“ Großmüttern lebten, während die Eltern in anderen EU-Ländern für den Lebensunterhalt sorgten. Doch wenn man schon von EU-Waisen spricht, sollte man auch vielleicht über die EU-Sklaven nachdenken, über die Arbeitsbedingungen vieler Rumän*innen in Deutschland, wie sie ausgebeutet werden, ob als Auslieferer der Subunternehmer von Amazon, Erntehelfer, Pflegekräfte, Busfahrer, Sex Worker oder in der Gastronomie.

Aber das hätte den Festakt mit seiner Idylle zwischen Harfenklängen und Holunderschorle wohl getrübt, wenn man nicht nur über die elendigen Verhältnisse in diesem fernen Land namens Rumänien nachgedacht und gesprochen hätte, sondern auch, wie man in Bayern und dem restlichen Deutschland davon satt profitiert.

Update: Am 23. Oktober 2023 lädt die Hanns-Seidel-Stiftung zu einem Symposium, Festakt und Stehempfang zu Ehren von Barbara Stamm. Neben Podiumsgesprächen zu Barbara Stamms „Engagement für die Schwachen“ und ihren „besonderen Beitrag zur Förderung der bayerisch-rumänischen Beziehungen“ wird es eine Gedenkrede von Markus Söder geben.  

Fotos: Martina Nötel/StMAS (2), Dorin Popa