Nicolae Dascălu zählt in seinem schmalen Bändchen „Propaganda externă a României Mari
(1918–1940)“ (Großrumäniens Auslandspropaganda 1918–1940) die diplomatischen Berufsstationen meines Großvaters im Presseamt des rumänischen Außenministeriums bzw. im Propagandaministerium auf: „Așa cum am mai menționat, majoritatea atașaților de presă au fost licitați, chiar oameni de cultură de mare prestigiu, ca Lucian Blaga şi Aron Cotruș sau experți de talia lui George Boncescu. Ca să nu reamintim și pe lon Dragu, ziarist de profesie, atașat de presă la Varșovia (1929) și apoi la Geneva (1930–1931), subdirector în centrală (1932–1934), director (mai 1935–noiembrie 1936), din nou ataşat de presă la Atena și apoi la Ankara (1936–1939), pentru a ajunge directorul presei în subsecretariatul de stat (februarie–sep-tembrie 1939), secretar general al Ministerului Propagandei Naționale (decembrie 1939–februarie 1940), după care îl regăsim consilier de presă la Paris, ulterior la Vichy.“
„Wie ich bereits erwähnte, wählte man als Presseattachés meistens Externe aus, darunter hochangesehene Persönlichkeiten aus der Kultur wie Lucian Blaga, Aron Cotruș oder den Italien-Experten George Boncescu. Ganz zu schweigen vom Berufsjournalisten Ion Dragu, Presseattaché in Warschau (1929), danach in Genf (1930–1931), stellvertretender Pressechef im Außenministerium (1932–1934), Pressechef (Mai 1935–November 1936), erneut Presseattaché, diesmal in Athen und Ankara (1936-1939), schließlich Pressechef im Unterstaatssekretariat für Presse und Propaganda (Februar–September 1939), Generalsekretär des Propagandaministerium (Dezember 1939–Februar 1940) und anschließend wieder Presseattaché in Paris und dann in Vichy.“
Meine Mutter Florica „Rica“ Popa erzählte immer, dass man wegen der häufigen Ortswechsel auch ihre Ausweispapiere manipuliert hätte. Eigentlich sei sie 1921 geboren worden, aber um die Einschulung (ins Gymnasium?) um ein Jahr hinauszuzögern, hätte man in ihrem Pass das Geburtsjahr in 1922 abgeändert. Für einen gut vernetzten Mann wie meinen Großvater, der ja auch seinen eigenen Namen geändert und mit royalem Dispens seine Cousine geheiratet hatte, war das keine große Herausforderung. Das falsche Geburtsdatum begleitete meine Mutter dann ein Leben lang in ihren amtlichen Dokumenten bis zum Totenschein.
Dass rumänische Diplomaten wie mein Großvater auf dem Foto Uniform trugen, war relativ neu. Mein Onkel Jean „Ţuţi“ Dragesco schrieb in seinen unveröffentlichten Memoiren 1988/1989 dazu, dass der in Uniformen vernarrte rumänische König Carol II. sich an den deutschen Nazis und italienischen Faschisten orientiert hätte und 1939 alle Staatsfunktionäre zwang, in Uniform zur Arbeit zu erscheinen. Die Uniformen und Dienstgrade hätte der König selbst entwickelt. Mein Großvater hätte als Pressechef den Rang eines Colonel bekleidet.
Die Arbeit als Presseattaché und Pressechef war vielseitig. Er betreute ausländische Journalisten und hochrangige Gäste, die in Rumänien arbeiteten oder zu Besuch waren. Sorgte dafür, dass im Ausland über Rumänien berichtet und für Urlaub in Rumänien geworben wurde. Förderte die Veröffentlichung von Zeitungsbeilagen und Büchern im Ausland, die sich rumänischen Themen widmeten. Organisierte Ausstellungen und Konzerttourneen. Unterstützte die Gründung und den Erhalt rumänischer Lehrstühle, Bibliotheken und Sprachkurse im Ausland. Produzierte Drucksachen für Weltausstellungen und andere Veranstaltungen.
Besonders schwierig war die Situation nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1940 in Frankreich. Die rumänische Gesandtschaft zog mit der französischen Regierung von Paris ins „freie Frankreich“ nach Vichy. Und stand so mit im Abseits, denn ob Politik, Medien oder Kultur, alles spielte sich im besetzten Paris ab oder in den nicht von den Deutschen besetzten regionalen Zentren des Pétain-Regimes wie Clermont-Ferrand, Limoges, Lyon, Marseille, Montpellier, Nizza oder Toulouse, nur nicht in Vichy.
Auch auf der Gegenseite waren Schriftsteller tätig. Mein Großvater hielt etwa Kontakt zu dem Schriftsteller und Kollaborateur Paul Morand, der mit einer Rumänin verheiratet war und 1943 als französischer Botschafter nach Rumänien ging.

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