Nach Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner nun also ein Schuss Hermann Fürst von Pückler-Muskau für München, womit Friedrich von Sckells nie realisierte Planung einer Alleepflanzung auf der Ludwigstraße doch irgendwie noch Gestalt annehmen könnte. Nur wilder, pücklerischer, mit unterschiedlich großen, unregelmäßig verteilten „Hainen“, um das heute bei der Wettbewerbspräsentation bemühte Wort für mehrere zusammenstehende Bäume zu strapazieren. Auf dem Papier wird München grüner, schattiger, um dem Klimawandel Rechnung zu tragen. Aber Papier ist geduldig.
Mehr Vegetation, Rückzugsmöglichkeiten, Stadtmobiliar, das Instrumentarium für die Ludwigstraße kommt einem bekannt vor. Gleich um die Ecke, für den Raum zwischen Königsplatz und Pinakotheken, gab es vorletzten Sommer auch eine stadtplanerische Wettbewerbspräsentation für das sogenannte Open Kunstareal. Den Wettbewerb gewann auch ein Pariser Büro, das Atelier Roberta. Deren Entwurf eines Kunstgartens mit mehr Vegetation, Rückzugsmöglichkeiten und Stadtmobiliar wird aber wohl nie umgesetzt werden, weil der Landeshauptstadt das nötige Kleingeld fehlt.
Darauf heute von mir angesprochen, beruft sich Ehbauer auf den geplanten Umbau des U-Bahnhofs Odeonsplatz von 2028 bis wohl 2031. Für die groß angelegte Sanierung und Umgestaltung der Haltestellen und Übergangswege der U3, U4, U5 und U6, samt der Schaffung öffentlicher Toiletten, wird man den Platz zwischen Odeonsplatz und Von-der-Tann-Straße aufreißen und danach, vielleicht 2032, wieder herrichten müssen. „Dann können wir es auch gleich richtig machen.“
Nun kostet aber die allein für diese Teilstrecke der Ludwigstraße geplante Bepflanzung mit rund 100 Bäumen deutlich mehr, als wenn man nur Trottoir, Fahrrad(schnell)wege und Fahrbahnen wieder herstellen müsste. Von Stadtmobiliar, Wasserspielen oder ästhetischer Bepflasterung der Fahrbahn mit Naturstein ganz zu schweigen.Gerade angesichts der leeren städtischen Kassen bleibt eine Realisierung des Siegerentwurfs schwer vorstellbar. So schön er auch klingt: Während der Hauptverkehrsstrom an der Von-der-Tann-Straße und am Oskar-von-Miller-Ring abgeleitet wird, verwandelt sich der Raum bis zum Odeonsplatz zu einem planen Platz, auf dem nur noch eine Fahrspur in jede Richtung für Busse, Taxis, Anlieger und Lieferanten existiert. Am Boden Naturstein, über den Platz verteilt Schatten spendende Baumgruppen. Stadtmobiliar zum Verweilen.
Und in einem zweiten Schritt dann eine Verlängerung der Oase mit 200 weiteren Bäumen bis hin zum Siegestor. Nur zur Erinnerung: Bei den Plänen für eine Bepflanzung der Fußgängerzone ging man von bis zu 95.000 Euro für einen Baum aus.
Die Münchner Realität sieht doch eher so aus: Nachdem der Wedekindplatz ähnlich aufwendig umgestaltet wurde, fehlt heute das Geld, beschädigte Steine der Fahrbahn zu ersetzen. Stattdessen wird asphaltiert.


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