Mittwoch, 21. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (21) und das kyrillische Rumänisch
Dienstag, 20. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (20) Ion Popa und seine Zeit in Krummhübel, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen
Montag, 19. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (19) Ion Popa und das einzige Mal, dass ich ihn weinen sah
Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Vater öfters ferngesehen hätte. Das war eher die Domäne meiner Mutter, während mein Vater lieber am Radio hing, das den ganzen Tag lief und Nachrichten lieferte.
Mein Vater schaute sich den Auftritt an. Und es war das einzige Mal, dass ich ihn weinen sah.
Sonntag, 18. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (18) Ion Popa und seine moldauischen Wurzeln
Luna varsă peste toate voluptoasa ei văpaie,“
„Hat man aber die Gardinen im Gemach beiseit’ geschoben,
Giesst der Mond dann über alles wonnevoll die Glut von oben“
Samstag, 17. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (17) Ion Popa und warum er uns Söhnen die Initialen D.P. für Displaced Person verpasste
Mittwoch, 14. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (14) Ion Popa und seine Schwester Vasilica Balaban
Sonntag, 11. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (11) Ion Popa, Pamfil Șeicaru und Joseph Goebbels
Dienstag, 6. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (6): Gute Amis, böse Amis – und ein bisschen Schleuserkriminalität
Sonntag, 4. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (4): Der an „Ion Măgureanu, Westeuropa“ adressierte Brief
Samstag, 3. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (3): Ion Popa, Jacques Chaban-Delmas und die Grande Loge de France
Erst Jahrzehnte nach seinem Tod fand ich im Nachlass meiner Mutter dieses Foto, das meinen Vater (3. von links) mit Mitarbeiter*innen von Radio Freies Europa in München wie Octavian Vuia (3. von rechts) außerhalb des Senders in anscheinend geselliger Runde zeigt.
Freitag, 2. Januar 2026
Erinnerungen an meinen Vater (2): Ion Popa und Comandorul Constantin Copaciu
Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu.
Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war mein Vater Ion Popa mit seiner ersten Ehefrau Hortensia und der gemeinsamen, 1944 in Wien geborenen Tochter, meiner Halbschwester Anka-Maria, nach Rumänien zurückgekehrt. Aber nicht auf Dauer. Irgendwann, wohl zwischen 1947 und 1949, 1948 floh er über Nacht. Allein. Ließ Frau und seine vierjährige Tochter Tochter zurück.
Nur einem einzigen Menschen, seinem besten Freund, Comandorul Constantin Copaciu soll er laut Copaciu davon erzählt. Angeblich wollte er alle anderen vor den Nachstellungen der Kommunisten schützen, indem er ihnen nichts erzählte, und sie dann guten Gewissens sagen konnten, nichts davon gewusst zu haben.
Copaciu wurde anschließend verhaftet und zu Zwangsarbeit verurteilt. Er kam ins rumänische Archipel Gulag, dem Zwangsarbeiterlager für den Bau des Donau-Schwarzmeer-Kanals.
Anfang der 1980er-Jahre, mein Vater war bereits gestorben, traf ich Copaciu und seine Frau Valentina erstmals und wiederholt. Er war inzwischen aus der Haft entlassen worden, ein guter Freund von Jacques Cousteau und arbeitete in leitender Funktion im Institut des Ozeanographischen Museums von Monaco.
Er hegte keinen Groll gegen meinen Vater, war sehr glücklich, mich kennenzulernen, und meinte, der Fluchtgrund meines Vaters wäre eine spontane Wette gewesen: Dass er es trotz aller Widrigkeiten schaffen würde, die Grenzkontrollen zu überwinden und aus dem kommunistischen Rumänien wie aus dem gesamten Ostblock zu fliehen.
Ich bin immer davon ausgegangen, dass diese freundschaftliche Beziehung der Grund für seine Verurteilung gewesen wäre. Doch Copaciu gehörte laut dem Jurnalul nach dem Krieg als Rumäniens führender Hydrograf der rumänisch-sowjetischen Kommission an, die die Grenze zwischen beiden Ländern festlegen sollte. Und da er die in der Kommission vereinbarten Gebietsabtretungen, etwa der Schlangeninsel, nicht abzeichnen wollte, soll er 1949 verhaftet, degradiert und zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt worden sein.
Erst nach 15 Jahren wurde Copaciu 1964 aus der Haft und mit seiner Frau Valentina ins Exil entlassen, nachdem Fürst Rainier von Monaco und der UNO-Generalsekretär U Thant sich für ihn eingesetzt haben. Mit Rainier war wiederum mein Vater in den 1950er-Jahren im Pariser Nachtleben unterwegs gewesen.
Meine Halbschwester bekam die Geschichte von der Flucht meines Vaters etwas anders erzählt. Offenbar musste mein Vater Rumänien verlassen, weil ihm die Verhaftung und Hinrichtung drohte. Zusammen mit seinem Freund Coca Romanos soll er die Flucht vorbereitet haben, etwa indem sie weiße Laken sammelten, um sich in den verschneiten Bergen damit tarnen zu können.
Er hat sich von seiner Frau verabschiedet und später behauptet, dass er geblieben wäre, wenn sie ihn darum gebeten hätte.
Als er mit Romanos dann aufbrach, soll jahrelang niemand gewusst haben, ob sie tatsächlich entkommen sind. Selbst die Securitate soll noch lange immer wieder in Rumänien nach ihm gefahndet haben.
Sonntag, 22. Juni 2025
Maia Sandu und der Franz-Josef-Strauß-Preis – oder: Von Söder, Stieren und Auerochsen
Auf der internationalen politischen Bühne ist eben auch ein bayerischer Landesfürst mal bloß Unter und Söder zeigte nicht zwingend größeres Format, als er später im Kaisersaal seine Festrede mit den Worten „Willkommen im schönsten Land der Welt, willkommen im erfolgreichsten Land Deutschlands, willkommen in Bayern“ eröffnete.
Es galt Maia Sandu als erste Frau zu würdigen, die nach Männern wie Henry A. Kissinger, George H. W. Bush, Viktor Orbán, Roman Herzog, Helmut Kohl, Jean-Claude Juncker, Michail Gorbatschow, Reiner Kunze oder dem früheren rumänischen Staatspräsidenten Klaus Iohannis mit dem Franz-Josef-Strauß-Preis der Hanns-Seidel-Stiftung geehrt wurde. Ein Preis für Menschen, die sich „in herausragender Weise für Frieden, Freiheit und Recht, für Demokratie und internationale Verständigung eingesetzt“ haben. Und in Sandus Fall auch für eine „wahrheitsbasierte Erinnerungskultur zur kommunistischen Vergangenheit“, so der Europaabgeordnete und Stiftungsvorsitzende Markus Ferber in seiner Begrüßungsrede.
Nun fällt mir in dem Kontext zuerst ein Franz Josef Strauß ein, der mit Rumäniens sozialistischem Diktator Nicolae Ceausescu auf der Jagd war und auch sonst wenig Berührungsängste mit kommunistischen wie faschistischen Autokraten hatte. Soviel zur christlich-sozialen Erinnerungskultur in Bayern. Auf der Preisverleihung wird aber ein anderer FJS beschworen. Einer, der – so Söder – „zwar nicht unser Parteigründer“ war, aber von dem „jeder seiner Sätze ein Psalm, unser Parteiprogramm“ sei. Ein Mann, der für Demokratie und Freiheit stünde. Und Söder geißelte ausgerechnet in Herrschaftsbau der Residenz den Autokratismus, die Angst solcher Systeme vor der Freiheit des einzelnen, um diese starken Worte sogleich massiv einzuschränken. Denn der Ministerpräsident betonte ausdrücklich und ungewöhnlich defensiv, dass nur „unser Kontinent“ eine Region der Demokratie und Freiheit sein müsse. Staaten wie Saudi-Arabien oder die Volksrepublik China wird das freuen.
Insofern hat die Republik Moldau Glück, noch am Rande Europas zu liegen. Wenn von Moldau die Rede ist, werden viele eher an den tschechischen Fluss denken, einige an Bedřich Smetana. Fans des Eurovison Song Contest vielleicht auch an den gelegentlichen Teilnehmerstaat, der die besseren und erfolgreicheren rumänischen Songs am Start hatte. (Und wie Peter Urban früher bei der Aussprache der moldauischen Hauptstadt Chișinău hatte gestern Ilse Aigner Probleme mit dem Namen des neuen rumänischen Staatspräsidenten Nicușor Dan.)
Moldau? Rumänien? Das hängt durchaus schwer trennbar zusammen. Der rumänische Nationalstaat entstand aus der Vereinigung der Fürstentümer Walachei und Moldau – letzteres benannt nach dem rumänischen Fluss Moldova. Teile des Fürstentums Moldau, dessen Wappentier der rumänische Auerochse ist, fielen zeitweise an das russische Zarenreich, dann wieder an Rumänien, dann an die Sowjetunion und bilden inzwischen die unabhängige Republik Moldau, Moldawien oder Moldova, je nach Sprachgebrauch. Ein umkämpfter Landstrich am Fluss Pruth, wie etwa Curzio Malaparte als Frontberichterstatter während des Zweiten Weltkriegs lesenswert in „Die Wolga entspringt in Europa“ beschrieb.Maia Sandu, die bereits als Oppositionspolitikerin von der Hanns-Seidel-Stiftung hofiert und unterstützt wurde, ist nun Präsidentin des ärmsten Landes Europas, das als Pufferstaat zwischen Rumänien und der Ukraine liegt und von Russland innerhalb (Transnistrien) wie außerhalb seiner Grenzen belagert wird. Kein EU-Mitglied, aber durch die doppelte rumänisch-moldauische Staatsangehörigkeit von je nach Schätzung wohl fast einem Viertel bis der Hälfte seiner insgesamt 2,5 Millionen Einwohner (ohne Transnistrien) irgendwie auch EU, etwa wenn es um die Stimmen bei rumänischen oder EU-Wahlen geht.
Ein Land, in dem bereits Krieg herrscht, wenn auch kein physischer Krieg wie in der benachbarten Ukraine, sondern ein Krieg, bei dem Russland mit Hilfe von Fake News, Sozialen Medien und Wahlbeeinflussung für einen Umsturz der Demokratie kämpft, wie Sandu in ihrer auf Englisch vorgetragenen Dankesrede betont.
Wenn die Ukraine fällt, fällt Europa. Und die Republik Moldau ist der nächste Dominostein in Wladimir Putins Aggressionsstrategie.
Angesichts des Kriegs in der Ukraine und der drohenden Gefahr für Europa wird ausgerechnet dem bedingt abwehrbereiten Starfighter-Strauß bei der Preisverleihung von den CSU-Granden neuer Nachruhm beschert. Plötzlich gilt er laut Sandus Laudatorin Ilse Aigner als „brillanter Analytiker und Visionär“ in Verteidigungsfragen.
„Wir werden nicht umhin kommen, uns zu schützen“, legte Söder vor. Und „Europa muss sich verteidigen können“, betonte Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Und das auch ohne US-amerikanische Hilfe, wie Söder betrübt einräumte, der davon schwärmte, dass er als Kind amerikanische Pizza vor der italienischen Pizza und amerikanisches Eis vor italienischem Eis kennengelernt hätte. Und selbst bei einem Angriff der Aliens hätte er als erstes die Amerikaner verständigt. Tempi passati.
Heutzutage müsse man auf die eigene Wehrbereitschaft setzen, weshalb Söder in seinem Vortrag für die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht plädierte. Und wie abwehrbereit sich der Ministerpräsident fühlt, hörte man während seiner recht ausufernden Rede in einem weiteren der seltenen Augenblicke, in denen er an diesem Vormittag Freude ausstrahlte. Putin hatte am Vortag eindringlich wie ausdrücklich davor gewarnt, dass Deutschland der Ukraine den Taurus (lateinisch für Stier) überlässt. Das freute Söder ungemein. Denn der Marschflugkörper wird natürlich im schönsten und erfolgreichsten Land produziert, im bayerischen Schrobenhausen.
Mittwoch, 14. Mai 2025
Der grüne Knoblauch
So wie in Bayern das Radieserl gehören in Rumänien die Knoblauchstengel zu jedem Brotzeitbretterl neben Wurst und Käse. Serviert mit einem Schälchen Salz, in das man den Stengel immer tupft, bevor man abbeißt. Aber auch bei warmen Mahlzeiten wird der Knoblauch als Vorspeise serviert.
Derart auf den Geschmack gekommen, wollte ich auch daheim in Deutschland den Genuss erleben. Aber ich konnte jahrelang auf keinem Münchner Markt den Frühlingsknoblauch entdecken. Ein einziges Mal wurde ich am Elisabethmarkt fündig. Das war wohl ein Ausnahmefall, denn seitdem gab es ihn am selben Marktstand nicht mehr.
In letzter Zeit habe ich die Suche aufgegeben. Vielleicht hat sich angesichts zehntausender Rumän*innen in München das Angebot verbessert. Aber als ich zufällig auf Facebook entdeckte, dass der Neufahrner Minimarkt La Românul gestern frisches Gemüse aus Rumänien erhalten hat, bin ich sofort hingefahren.
Usturoi, das rumänische Wort für Knoblauch, ist übrigens ein lustiges Wort. Das rumänische Verb ustura bedeutet nämlich jucken, stechen, brennen und ist wiederum auf den türkischen Ausdruck für Rasiermesser zurückzuführen. Das Substantiv existiert ähnlich auch im Armenischen, Persischen oder auf Hindi.
Sonntag, 30. März 2025
Little Bucuresti – Heimat auf dem Teller
Sonntag, 9. Juni 2024
Doamnelor și domnilor, dragi ascultători, iubiți prieteni!
„Până prin 1978, Programul politic, una dintre principalele emisiuni cu difuzare zilnică ale Departamentului românesc de la Radio Europa Liberă, a fost prezentat de cel pe care întreaga redacție de la München îl numea Iani Popa. Pentru ascultătorii din România, Ioan/Iani Popa, fostul secretar general de redacție de la Curentul, se numea Ion Măgureanu. Era, din câte se pare, un bonom și de fiecare dată începea programul cu formula de adresare Doamnelor și domnilor, dragi ascultători, iubiți prieteni!
Iani Popa avea, din câte mi s-a povestit, ceva de bunic poate și fiindcă albise prematur, avea și darul povestirii, fapt care îl obliga foarte adesea pe Noel Bernard, directorul de atunci al postului, să îi mai ceară câteodată să-și scurteze intervențiile cu care introducea subiectele în principal de politică externă.
Când Iani Popa a ieșit la pensie, pentru o vreme Programul politic a fost prezentat fie de Victor Cernescu (Romilo Lemonidis), fie de Radu Vrancea (Cornel Ianatoș), acesta din urmă transferat de la Radiomagazin.“
Sonntag, 3. Dezember 2023
Traumtagebuch (17): București
Ich bin zu Besuch in Rumänien und übernachte allein in einer kleinen Wohnung in Bukarest, die mir eine Verwandte überlassen hat. Ich will zum Bahnhof, um dort kurz etwas zu erledigen, und suche auf der Hauptstraße nach der entsprechenden Bus- oder Tramlinie, was nicht ganz unkompliziert ist. Bus- und Tramhaltestellen sind nicht identisch, sondern so versetzt angelegt, dass man den Bus nicht mehr erwischt, wenn man an der Tramhaltestelle wartet. Und umgekehrt.
Zudem sind die Haltestellen nur durch kleine Schilder gekennzeichnet und schwer auszumachen. Außerdem ist auf den Streckenverlauf der einzelnen Linien zu achten. Manche fahren Richtung Bahnhof, biegen aber vorher in eine andere Richtung ab. Dafür kommen im Streckenverlauf andere Linien von links, um dann zum Bahnhof zu fahren.
Ich gehe die Hauptstraße entlang, um eine passende Haltestelle zu finden. Am Straßenrand steht ein Baum. Auf einem Ast liegt, schlafend oder dösend, ein kleines Tier, das ich für eine Ratte halte. Ich bin fasziniert von der „Baumratte“ und mache mit dem Handy Fotos. Das Tier wacht auf. Es ist doch keine Ratte, aber ich kann mich nicht daran erinnern, was es tatsächlich für ein Tier gewesen ist. Es schlüpft kurz in eine Baumhöhle, dann kommt es wieder raus und klettert über die Äste Richtung Nachbarhaus, wo an einem offenen Fenster ein Käfig hängt.
Im Käfig ist ein grüner Papagei mit rotem Schnabel, ein weiterer turnt im offenen Fenster herum. Die „Baumratte“ versucht, katzenähnlich, mit der Pfote zwischen den Gittern den Papagei im Käfig zu erwischen. Der hackt mit dem Schnabel nach der Pfote. Sie scheinen sich zu kennen und es eher spielerisch zu machen.
Ich wende mich zum Baum hin und entdecke in der Baumhöhle eine kleine, gefleckte Raubkatze.
Ich greife mir die „Baumratte“ am Käfig, die sich in meinen Händen an mich schmiegt. Sie streichelnd laufe ich die Straße entlang, auf der Suche nach der richtigen Verbindung Richtung Bahnhof. Währenddessen überlege ich, ob man inzwischen Fahrkarten im Wagen kaufen kann oder sich wie früher an einem Kiosk damit eindecken muss.
Plötzlich fällt mir ein, dass ich die „Baumratte“ immer weiter von ihrem Zuhause entfernt habe. Was, wenn sie nicht mehr in meinen Armen liegen will, sondern unruhig wird. Wieder auf den Boden will? Würde sie überhaupt allein wieder nach Hause finden? Ich kehre zurück, um sie dorthin zu bringen, wo ich sie entdeckt habe.
Samstag, 7. Oktober 2023
Mittwoch, 2. August 2023
Unter Wilden – Anmerkungen zu den bayerisch-rumänischen Beziehungen und Barbara Stamm
Man könnte natürlich auch von einer Begeisterung, gar Liebe zu Rumänien sprechen, als aber Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) gestern Abend im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz erstmals die Auszeichnung übergab und Lorand Szüszner, Beate Blaha, Erika Kern und Wolfgang Schramm (von links nach rechts) damit ehrte, war den Festakt über immer nur vom Rumänien-Virus die Rede, der Barbara Stamms Weggefährten, Freunde und Familie angesteckt hätte.
Als ob wir es mit einer Krankheit, einem Infekt, einer Seuche zu tun hätten. Natürlich wurde auch, einmal, erwähnt, wie schön Rumänien sei. Ohne sich in Details zu verlieren. Weit ausufernder wurde dagegen in Anekdoten erzählt, wie sehr man unter dem Virus leide. Opa erzählt vom Krieg? Nein, nicht dieses Mal, die Zeiten, als deutsche Truppen Rumänien besetzt hatten, liegen schon länger zurück. Diesmal sind Politik und Hilfsorganisationen einmarschiert, und verstehen sie mich bitte nicht falsch, sie haben Großartiges geleistet. Aber muss man sein eigenes soziales Engagement überhöhen, indem man die Empfänger klein oder gar schlecht redet, die Zustände pauschal in düstersten Farben ausmalt anstatt auf Augenhöhe zu agieren?
Wie gefährlich die nächtlichen Fahrten durch Rumänien in Dienstwagen der bayerischen Staatsregierungen gewesen wären, auf unbeleuchteten Straßen, wo jederzeit die Begegnung mit Vieh und Pferdekutschen drohte, höchste Unfallgefahr. Natürlich ist ein Land, in dem nicht nur Pferdefuhrwerke, sondern auch Hühner, Schweine, Kinder und Betrunkene die Straßen bevölkern, eine besondere Herausforderung. Nur finde ich, eine besonders schöne, natürliche, wo Freiheit keinen autogerechten Maßstäben unterliegt.




































