Montag, 6. April 2015

Fundsachen (24): Eugène Ionesco diplomatische Tätigkeit von 1942 bis 1944 in Frankreich

Zwischen 1942 und 1944 hat der Schriftsteller Eugène Ionesco als Presse- und Kulturattaché von Marseille aus für meinen Großvater Ion Dragu aka Ioan Dragu aka Ionel Drăgescu aka Jean Dragu an der Königlich Rumänischen Gesandtschaft im französischen Vichy gearbeitet.

Später schien ihm das eher unangenehm gewesen zu sein. „Eugen Ionescu și-a ascuns episodul diplomatic din carieră“, schreibt Lucian Jora im Jahr 2018 in seiner Analyse „Diplomația culturală a României în perioada interbelică“ (Rumäniens Kulturdiplomatie zwischen den Weltkriegen). „Eugen Ionescu hat sein diplomatisches Intermezzo aus seinem Lebenslauf gestrichen.“

Immerhin belegen die zwei unten abgebildeten diplomatischen Schreiben Ionescos diplomatische Tätigkeit. 

Und Ana-Maria Stan geht in ihrem Buch „Relațiile franco-române în timpul regimului de la Vichy 1940–1944“ (Die französisch-rumänischen Beziehungen während des Vichy-Regimes 1940–1944) recht ausführlich auf dieses „Intermezzo“ ein. Ionesco hätte seine Kollegen an der Gesandtschaft in Vichy nicht sonderlich geschätzt. In einem Brief an Tudor Vianu hätte er sich sehr kritisch geäußert: „Portretul pe care el I-a creionat personalului român de a Vichy este lipsit de orice menajamente. Ionescu nu s-a sfiit să-i caracterizeze pe tofi drept »ignoranți, imbecili și invidioși...«, plângându-se de ignoranța lor culturală și chiar de incompetența lor profesională. Colaboratorii săi direcți din cadrul serviciului de presă, inclusiv șeful acestuia - Ion Dragu, erau văzuți ca niște »animale odioase, palizi ratați«.“

„Das Bild, das er von den rumänischen Boschaftsangehörigen in Vichy zeichnete, war völlig taktlos. Ionescu zögerte nicht, sie alle als »unwissend, dumm und neidisch…« zu bezeichnen und beklagte ihre kulturelle Ignoranz und sogar ihre berufliche Inkompetenz. Seine direkten Mitarbeiter im Pressedienst, darunter dessen Leiter Ion Dragu, wurden als »widerliche Bestien, blasse Versager« angesehen.“
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Später habe ich Ionesco persönlich kennengelernt, als ich 1984 in meinem Popa-Verlag sein Frühwerk „Das groteske und tragische Leben des Victor Hugo“ auf deutsch veröffentlichte. Er fragte mich während unserer Begegnung auf der Frankfurter Buchmesse auch nach meinem Großvater, der damals aber schon verstorben war. Wenn ich mich recht an entsprechende Erzählungen bei uns daheim erinnere, war mein Großvater auch Taufpate von Ionescos 1944 in Frankreich geborenen Tochter Marie-France.

Ana-Maria Stan greift Ionescos diplomatische Arbeit für meinen Großvater auf und schreibt in der „Transylvanian Review“, Vol. XIV, N° 4, Winter 2005, über „Survie, création, devoir patriotique, collaboration? Le cas d'Eugène Ionesco à Vichy“: „Dans la dernière partie de sa mission, Eugène Ionesco renonça partiellement à ses démarches exclusivement culturelles pour se consacrer à un autre type de projet (…) l'intention de créer une chambre de commerce franco-roumaine {…) Dans les circonstances complexes des premiers mois de 1944 la réalisation de l'initiative des personnalités de Marseille était malheureusement impossible. L'idée était, tout de même, attrayante et Eugène Ionesco ne tarda pas à la communiquer à son chef direct, Ion Dragu, et par la suite même au ministre Dinu Hiott.“



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