Nun ist mein Vater während meiner Kindheit und damit während des Kalten Kriegs grundsätzlich wenig gereist und hat auch nie ähnliches von anderen Städten wie etwa Wien erwähnt.
Berlin schien etwas besonderes zu sein.
Erst lange nach seinem Tod erfuhr ich von seinem Schwager Eugen „Nicu“ Filimon, dass mein Vater in Bukarest dafür bekannt gewesen sei, dass er die schicksten Krawatten aus Berlin trug.
Mein Vater hatte auch erzählt, dass er den Dirigenten Sergiu Celibidache von früher her kannte. Sie könnten sich in Iași begegnet sein, wo beide studierten, wenn auch sehr unterschiedliche Fächer. Wahrscheinlicher scheint mir aber, dass sie sich in Berlin kennengelernt haben, wo Celibidache seit 1936 lebte. Etwa im Grunewalder Salon der mit Werner Sombart verheirateten Rumänin Corina Leon. Als Celibidache dann 1979 Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker wurde, nahm mein Vater aber keinen Kontakt zu ihm auf.
Nun berichtet meine Schwester, dass mein Vater und seine erste Ehefrau Hortensia in Berlin gelebt hätten, weil er von 1937 bis 1944 Presseattaché an der Rumänischen Gesandtschaft gewesen sei. Das stünde nun meines Erachtens im Widerspruch zu seiner Arbeit als leitender Redakteur Ende der 1930er-, Anfang der 1940er-Jahre in Bukarest bei den Tageszeitungen „Cuvântul“ und „Cutrentul“ wie auch zu seiner Tätigkeit als Kriegsberichterstatter.
Und sowohl René Al. de Flers wie auch Ioanna Măgură Bernard betonen später, dass mein Vater unter all den ehemaligen Diplomaten bei Radio Free Europe einer der wenigen Berufsjournalisten gewesen wäre und eben kein ehemaliger Diplomat.
Es gibt aus den späten 1930er- und frühen 1940er-Jahren auch Fotos, die meinen Vater und seine erste Ehefrau in Rumänien zeigen.
Unbestreitbar ist aber, dass sie zumindest 1944 in Berlin lebten. Hortensia war schwanger und statt im zerbombten Berlin zu bleiben, fuhr sie nach Wien, wo meine Schwester Anka Maria dann am 26. Juli 1944 zur Welt kam.
(Screenshot aus „Funeral in Berlin“)


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