Laut seinen Ausweispapieren hieß er Ion Popa, manche Quellen nennen ihn Ioan, selbst bei seinem Pseudonym im Sender Freies Europa, Ion Măgureanu, behielt er seinen angestammten Vornamen.
Doch wir alle riefen ihn immer nur Iani.
Nun sind Spitznamen eine rumänische Manie. Unter unseren Verwandten und Bekannten wurden oft statt der Taufnamen kindliche Rufnamen genutzt: Gigi, Coca,Ţuţi, Maia, Pusy, Bobbie – die allesamt nichts mit dem eigentlichen Vornamen zu tun hatten.
Und dann gibt es natürlich abgekürzte Vornamen, wie bei meiner Mutter Rica statt Florica, oder Diminuitive wie bei meinem Großvater Ionel statt Ion bzw. Ioan.
Aber es kommt ausgesprochen selten vor, dass man eine ausländische Form des ursprünglich rumänischen Vornamens wählt.
Was machte nun meinen Vater zu Iani, dem Griechen?
Die harmloseste und zugleich am wenigsten glaubwürdige Erklärung soll mein Vater selbst erzählt haben. Schon als Kind soll er zu Jähzorn geneigt haben. Und wenn seine Eltern ohne ihn und seine jüngeren Geschwister weggehen wollten, soll er sich wutentbrannt auf den Boden geworfen und gebettelt haben: „Ia-ne, ia-ne și pe noi“. Nehmt uns, nehmt uns auch mit! Aus dem Ia-ne, nehmt uns, wäre sein Spitzname Iani entstanden. So schreibt es zumindest meine Schwester. Hat er ihr das selbst gesagt, hat ihre Mutter, seine erste Ehefrau, das erzählt oder hat sie es auch nur gelesen?
Denn in René Al. de Flers' Buch „Radio Europa Liberă şi exilul românesc: o istorie încă nescrisă“ (Radio Freies Europa und das rumänische Exil: eine noch ungeschriebene Geschichte) kommt die Anekdote fast wortgleich vor: „Într-o żi, cu toate că știam că lon Popa nu era grec, făcând aluzie la numele de lani, I-am întrebat:
- Ești grec, tovarășe ministru?
- Dar cum așa! Sunt moldovean.
- Păi... Iani nu este nume grecesc?
- Da de unde! Să-ți povestesc. Când tata pleca la oraș, voiar și noi copili să ne ducem cu el. Fiind cel mai mare, mă duceam și-l rugam: iani și pe noi tată, și cu timpul, fiind mereu stăruitor cu una și aceeași frază, cei din casă începuseră să-mi spună lani.
Așa mi s-a născut numele.“
„Obwohl ich wusste, dass Ion Popa kein Grieche war, spielte ich auf seinen griechischen Vornamen an und fragte ihn eines Tages:
- Genosse Minister, bist Du Grieche?
- Wie kommst Du da drauf? Ich bin Moldauer.
- Aber ist Iani kein griechischer Vormane?
- Von wegen! Lass es mich Dir erklären: Wenn mein Vater in die Stadt aufbrach, wollten wir Kinder ihn begleiten. Als Ältester von usn bin ich zu ihm hin und bat ihn: Nimm uns mit (Rumänisch: ia-ne), Papa. Und mit der Zeit fingen daheim alle an, mich nur noch Iani zu rufen, weil ich diesen einen Satz ständig wiederholte. So entstand mein Name.“
Glaubwürdiger ist die These, dass eine reiche Griechin, bei der seine Mutter Ecaterina möglicherweise arbeitete, seine Taufpatin gewesen sei. Meine Schwester erwähnt da Urania Polatos, zu der man tatsächlich auch Informationen online findet. Ihr Vater Anton Polatos war ein reicher Bäcker in Focșani und einer ihrer Brüder hieß auch Iani. Die Familie scheint dann aber 1914, ein Jahr nach der Geburt meines Vaters pleite gegangen zu sein. Für die Taufpaten-Version würde auch sprechen, dass eine weitere Schwester meines Vaters, Pusy, auf den ebenfalls griechischen Namen Polixenia getauft worden war.
Als grenznahe Handelsstadt war Focșani Anfang des 20. Jahrhunderts Wohnort vieler griechischer Bänker und Kaufleute.
Eine Cousine von mir hat wiederum gehört, dass es in unserer Familie einen griechischen Ahnen gegeben hätte. Dass aber auch ein Familienmitglied adoptiert worden sei.
Als ich in den 1990er-Jahren erstmals in Bukarest zu Besuch war, erzählte man mir wiederum eine ganz andere Geschichte. Der tatsächliche Vater meines Vaters sei nicht Ecaterinas Ehemann Ignat gewesen, sondern ein griechischer Bojar, ein Großgrundbesitzer in Focșani. Er hätte meinem Vater auch das Studium in Iași finanziert, wo mein Vater Latein und Altgriechisch studierte. Zur Uni begleitet hätte meinen Vater sein Halbbruder, der legitime Sohn des Griechen, der zugleich auch der beste Freund meines Vaters gewesen wäre.
Die Auswertung meiner DNA durch My Heritage scheint den griechischen Ahnen väterlicherseits zu bestätigen. Demnach bin ich zu 41,8 Prozent Balkanbewohner, zu 34,4 Prozent Grieche, zu 15,2 Prozent aschkenasischer Jude und zu 8,6 Prozent Osteuropäer.

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