Samstag, 7. Februar 2026

Emily Brontë und die Gründung des Popa-Verlags – oder: Von Kate Bush über Isabelle Adjani zu Charli xcx

Warum gründet man einen Verlag? Bei mir ging es nie darum, ein Unternehmen aufzubauen. Ich wollte nur die Bücher auf Deutsch herausbringen, die ich vermisste. Im Grunde zwei Bücher, die ich in Paris entdeckt hatte, wo ich Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre oft war.

Zum einen hatte ich die junge magersüchtige Autorin Valérie Valère 1980 zu einem Interview getroffen. Ihr Buchdebüt, „Das Haus der verrückten Kinder“, war gleich ein Bestseller und auch in Deutschland erschienen. Sie erzählte mir von ihrem neuesten Roman, „Obsession Blanche“, und als dieser keinen Verlag für die deutsche Übersetzung fand, war ein Grundstein für mein Debüt als Verleger gelegt.

Zum anderen war 1979 André Téchinès „Les Sœurs Brontë“ in den französischen Kinos angelaufen. Mit Isabelle Adjani als Emily, Isabelle Huppert als Anne, Marie-France Pisier als Charlotte und Pascal Greggory als Branwell Brontë. Die französische Presse war voll mit Beiträgen über die unheimlichen Geschwister aus der englischen Provinz, die ihr eigenes literarisches Wunderland geschaffen hatten.

Bei meiner Mutter im Bücherschrank entdeckte ich „Les Hauts de Hurle-Vent “, eine französische Ausgabe von „Wuthering Heights“, die sie sich 1941 in Vichy gekauft hatte. Und als Kate-Bush-Fan war mir das Drama um Cathy und Heathcliff „out on the wily, windy moors“ eh seit 1978 ein Begriff.


Dann fand ich zwei Bände der 1972 bei Pauvert erschienenen kritischen Ausgabe der Brontë-Werke.

In der Pariser FNAC kaufte ich schließlich am 9. Juni 1981 den 1963 erschienenen Gallimard-Band mit Emilys Gedichten. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass Emilys zwischen 1836 und 1846 geschriebenen Gedichte noch nie ins Deutsche übersetzt worden waren. Und so gab ich es für eine zweisprachige Ausgabe in Auftrag.

1984 begann dann der Popa-Verlag mit den zwei Titeln, Valérie Valère „Weißer Wahn“ und Emily Brontës „Gedichten/Poems“, sowie einem Stand auf der Frankfurter Buchmesse zu existieren.

Benedikt Erenz lobte in der „ZEIT“ in seiner Nachlese von der Buchmesse: „Überraschungen? Neue Namen? Das Neue ist zum Teil recht alt: Es sind die Neuentdeckungen, Wiederentdeckungen, Früchte einer Nachlese, die eigentlichen Überraschungen dieser Buchmesse. Im Manesse Verlag die lang schon fällige Neuedition eines Meisterwerks der englischen Literatur, Charlotte Brontës »Villette«, und der kleine Münchener Popa-Verlag ergänzt mit Gedichten der Schwester Emily: Erstmals in einer deutschen Übersetzung, vorzüglich besorgt von Elsbeth Orth, eine Auswahl von sechzig Gedichten der Dichterin der »Wuthering Heights«.“

Als mein Bruder Dinu dann später den Verlag von mir übernahm, ließ er einen zweiten Band mit weiteren Gedichten Emily Brontës folgen. Beide Ausgaben blieben aber ein nicht sonderlich erfolgreiches Liebhaberprojekt für Brontë-Fans.



Kommenden Donnerstag startet das neueste Projekt von Brontë-Fans: Emerald Fennells Neuverfilmung von „Wuthering Heights“ mit Margot Robbie in der Hauptrolle und Musik von Charli xcx. Vielleicht findet sich nun auch für die Gedichte neues Interesse und ein neuer Verlag, so wie auch ein weiteres Buch aus den Anfängen des Popa-Verlags in den 1980er-Jahren, Serge Gainsbourgs Roman „Die Kunst des Furzens“„dieser soooo traurige Roman“ (Maxim Biller), erst richtig erfolgreich war, als der Blumenbar-Verlag unsere Übersetzung aufgriff und 2010 unter dem neuen Titel „Das heroische Leben des Evgenij Sokolov“ auf den Markt brachte. Was den Verlag aber auch nicht vor der Pleite bewahrte.



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