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Donnerstag, 22. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (22) und die CIA, die selbst meinen Bruder Dinu im Blick hatte

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Mein Bruder Dinu Popa war Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre Kommunist oder sympathisierte zumindest mit ihnen. In der von meinen Eltern für meine beiden älteren Brüder angemieteten Wohnung um die Ecke in der Wilhelm-Düll-Straße 1 unterhielt er eine am Boden sitzende Lesegruppe, in der man gemeinsam „Das Kapital“ von Karl Marx studierte, während ich gelegentlich daneben saß.

Es dürfte auch kein Zufall gewesen sein, dass er zeitweise an der Ludwig-Maximilians-Universität Chinesisch studierte.

Und eines Tages hat er offenbar vor dem US-amerikanischen Generalkonsulat an der Königinstraße gegen die Amis demonstriert. Es wird wohl, wie bei unserer Diskussion daheim in diesen Jahren, um den Vietnamkrieg gegangen sein.

Dieser Demobesuch blieb nicht unbemerkt. Die CIA fotografierte meinen Bruder nicht nur, sondern scheint ihn auch identifiziert zu haben. Denn am Arbeitsplatz meines Vaters, dem erst Anfang der 1970er Jahre der Aufsicht durch die CIA entzogenen Sender Radio Free Europe, wurde meinem Vater ein Foto meines demonstrierenden Bruders gezeigt. 

Dienstag, 20. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (20) Ion Popa und seine Zeit in Krummhübel, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen. 
 
Während des Zweiten Weltkriegs gehörte das vom faschistischen Diktator General Ion Antonescu geführte Rumänien zu den Achsenmächten. Das war im Ersten Weltkrieg noch anders gewesen. Da kämpfte Rumänien in der Entente an der Seite Frankreichs und Großbritanniens gegen Deutschland und Italien, worauf es von den Deutschen besetzt wurde. Mein Großvater mütterlicherseits, Ion Dragu, der über seine Kriegserlebnisse eine Bestseller-Triologie geschrieben hatte, erzählte mir Jahrzehnte später mit größtem Bedauern, dass er damals einen bayerischen Gebirgsjäger erschossen hätte. Der Deutsche hatte seine Arme hoch gerissen, um sich zu ergeben. Aber bis mein Opa das begriff, hatte er schon reflexhaft abgedrückt.

Am 23. August 1944 stürzte der junge König Mihai I. in einem Staatsstreich den Militärdiktator Antonescu und Rumänien wechselte an die Seite der Allierten. Daraufhin wurden die rumänischen Diplomat*innen in Berlin und Wien, sowie weitere Journalist*innen und Künstler*innen, die sich im Deutschen Reich aufhielten, interniert.

Drei Tage und Nächte lang sollen sie im Zugwaggon unterwegs gewesen sein, ohne zu wissen, wohin man sie bringt. Mein Vater, seine erste Ehefrau Hortensia und ihre wenige Monate alte Tochter kamen mit der „diplomatischen Austauschgruppe“ ins niederschlesische Krummhübel (auf Polnisch Karpacz), einem Außenlager des KZ Groß-Rosen, wo sie am Rande von Rübezahls Riesengebirge das Haus Brandenburg bezogen.

Weitere Bewohner in den Häusern Brandenburg und Brodtbaude waren der Dichter Vintilă Horia mit seiner Frau Olguța, der Maler Eugen Drăguţescu, der Dirigent Ionel Perlea, der Opernsänger Tomel Spataru, Viorel Gligore, Arzt an der rumänischen Gesandtschaft in Berlin, Hildegard Marie Praglowski vom Generalkonsulat in Wien, Maria Panteli, Henry Holban, Bucur Ţincu, Darascu Padureanu, Ioan Enescu. (Es fielen auch die Namen Silvestri und Solaculu). Manche sprachen von der Elite Rumäniens.

Ein Teil der rumänischen Austauschgruppe kam im benachbarten Brückenberg ins Haus Ermel.

In den Arolsen Archives findet sich eine Akte mit „Gesuchen von rumänischen Internierten (diplomatische Austauschgruppen) an das Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes um die Erlaubnis der Übermittlung von Nachrichten an ihre Angehörigen“ in Rumänien. 

Der darin auftauchende Ion Popa war aber wohl nur ein Namensvetter, da er in Brașov ansässig war, mein Vater dagegen in Bukarest.

Auch wenn Krummhübel das Außenlager eines Konzentrationslagers war, wurde die rumänische Gruppe deutlich besser behandelt als die übrigen KZ-Häftlinge oder Zwangsarbeiter*innen. Sie sollten nicht vernichtet, sondern nur interniert werden. Wie man auf dem Foto sieht, behielten sie ihre Garderobe. Mangels Weihnachtsdekoration sollen die rumänischen Lagerinsass*innen zu Heiligabend 1944 ihren Christbaum mit ihren eigenen Juwelen und Schmuckstücken verziert haben.

Für meine Schwester bastelte man als Geschenk an ihrem ersten Weihnachsfest eine Mappe, die ein ihr gewidmetes Weihnachts- und Heimatgedicht Horias und zwei Porträtzeichnungen aus der Hand Drăguţescus enthielt.

Mein Vater und seine Familie blieben im Lager, bis sie von den Russen im Frühjahr 1945 befreit wurden. Vintilă Horia scheint zuvor ins österreichische Mariapfarr verlegt worden zu sein, wo ihn die Briten befreiten.

Doch auch wenn die Lagerbedingungen vergleichsweise gut gewesen zu sein scheinen, traumatisierten sie meinen Vater. Als er Jahrzehnte später im Krankenhaus war, triggerte der Umgang mit dem deutschen Arzt- und Pflegepersonal Ängste aus der KZ-Zeit.

Samstag, 10. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (10): In absentia

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Asylland meiner Eltern, Brüder und auch von mir  – trotz meiner Geburt in München – war viele Jahrzehnte Frankreich. Selbst nach dem Umzug zu Radio Freies Europa in München behielten meine Eltern und wir Kinder als Staatenlose und politische Flüchtlinge lange Zeit den französischen Tître de Voyage.

Zuständig war aufgrund des deutschen Wohnsitzes nunmehr die Préfecture administrative de la région Grand Est et du Bas-Rhin in Straßburg. Regelmäßig fuhren wir alle dorthin. Der Sender übernahm die Bahnfahrt 1. Klasse und zahlte uns auch das Hotel.

In Straßburg hatte ich als Kind meinen ersten Rausch. Wir waren mittags in einem Restaurant essen, und ich hatte so viel Cola getrunken, dass ich plötzlich zu lachen anfing und es nicht mehr abstellen konnte. Mein Bruder Dinu musste mit mir vor die Tür, bis sich der Anfall wieder legte.

Das Straßburg der 1960er- und 1970er-Jahre ist nicht mit dem aufgebrezelten Strasbourg der Gegenwart zu vergleichen. Der Bahnhof war noch nicht in eine pseudomoderne Plexiglashülle gewandet und die ganze Stadt, ob Straßen oder Kanäle, war etwas heruntergekommen, Ratten allgegenwärtig. Aber ich mochte die Stadt. So sehr, dass ich später, 1999, gerne für ein Jahr dorthin gezogen bin.

Zu meinem 14. Geburtstag änderte sich plötzlich die Routine. Ich sollte allein nach Strasbourg fahren, um meinen Konventionspass zu verlängern, dessen Gültigkeitsdauer wohl in dem Jahr von der meiner Eltern abwich. Der Sender zahlte wieder Bahnfahrt und dasselbe Hotel wie jedes Mal, aber eben nur für mich. Und so reiste ich allein nach Frankreich.

Ich weiß bis heute nicht, wie ich überhaupt Französisch gelernt hatte. Rumänisch ist meine Muttersprache, denn daheim sprachen wir nur das. Deutsch hatte ich mit ungefähr drei Jahren auf den Straßen in Gern gelernt. Mein erstes Wort soll Polizei gewesen sein. In Kindergarten und Schule perfektionierte ich dann meine Kenntnisse.

Als ich noch ein kleines Kind war, wechselten meine Eltern ins Französische, wenn ich ihre Unterhaltung nicht verstehen sollte. Am Wittelsbacher-Gymnasium fing ich erst 1975 in der 9. Klasse, also im Alter von 14 Jahren, mit dem Französisch-Unterricht an, aber da konnte ich es längst.

Irgendwie haben die jährliche Aufenthalte mit meinen Eltern in Paris und Straßburg, die daheim herumliegenden französischen Zeitungen und Zeitschriften sowie der Umstand, dass daheim der französische Sender Europe 1 ständig lief, mir die Sprache eingetrichtert.

Auch Behördengänge waren mir nicht fremd, hatte ich diese doch schon jahrelang für meine Eltern übernommen, wenn auch nur in München, und auf Deutsch.

So stand ich nun 1975 in Strasbourg allein vor einem Beamten, der mir erklärte, dass mir Frankreich das Asyl aufkündigt, mir keinen neuen Reiseausweis für Flüchtlinge ausstellt, und ich also in deutsche Obhut wechseln würde.

Der Zweck dieser ganzen Reise war offensichtlich gewesen, diesen Verwaltungsakt an mir persönlich durchführen zu können. Man könnte es auch ein abgekartetes Spiel nennen, wobei meine Eltern nichts davon geahnt haben dürften, sonst hätten sie mich vorgewarnt. Wir waren zwar eine dysfunktionale Familie und nicht sonderlich gut darin, untereinander zu kommunizieren, aber wir logen uns nicht an.

Nicht weniger merkwürdig und genauso länderübergreifend war es sieben Jahre später, als mein Vater starb. Meine Mutter war nach Paris gereist, ich sollte ihr folgen. Vormittags hatte mein Vater mir noch zu Hause das Frühstück gemacht, dann flog ich auch nach Paris. Wir hausten in der Wohnung einer Freundin meiner Mutter, im roten Vorstadtgürtel von Paris.

Ich war abends aus gewesen, und als ich nach Hause kam, saßen meine Mutter und eine Freundin mit ernsten Mienen da. Ich sagte „Oh, Scheiße“, mir war sofort klar, dass mein Vater gestorben war.

Einer meiner Brüder organisierte sofort für den nächsten Morgen ein Flugticket, damit meine Mutter nach München zurückkehren konnte. Ich dagegen sollte am Flughafen versuchen, meinen ursprünglichen Rückflug eine Woche später umzubuchen, damit ich gemeinsam mit meiner Mutter einchecke.

Natürlich hat das nicht geklappt. Weder ich, noch meine Mutter hatten Geld, um auf eigene Kosten ein Ticket für mich zu erstehen. Und so flog meine Mutter allein nach München, während ich mit meinem Gepäck in die  Wohnung zurückkehrt bin. Ich blieb die volle Woche in Paris, und es war ein merkwürdiger Zustand, einerseits zu trauern, andererseits aber ins Kino zu gehen, Konzerte zu besuchen und all das zu tun, was ich mir für Paris vorgenommen hatte.

Ich kam gerade noch rechtzeitig für die Trauerfeier am Westfriedhof zurück und hatte mich dennoch nie wirklich von meinem Vater verabschieden können.

Über vierzig Jahre später erreichte mich dann in München das Gerücht, dass mein Vater Suizid begangen hätte. Ein Freund meiner Brüder behauptete es. Ich kann es mir nicht vorstellen, so, wie ich ihn in seinen letzten Wochen erlebt hatte. Und es zirkulierten über uns auch immer die unsinnigsten Gerüchte in unserem deutschen Umfeld. Etwa, dass ich von Personenschützern zur Schule begleitet worden wäre, weil mein Vater ein wichtiger Dissident gewesen sei. Aber was weiß ich schon.


 


Donnerstag, 8. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (8), seine Anfänge bei Radio Freies Europa und meine vermeintliche Zeugung bei den Olympischen Spielen in Rom

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Im April 1951, wohl nach seiner Zeit als Auslandskorrespondent in Israel, ist mein Vater Ion Popa in Paris als Flüchtling rumänischer Herkunft anerkannt worden, wobei das Dokument der Organisation Internationale pour les Réfugiés auf Ioan Popa ausgestellt wurde.

Das früheste Foto, auf dem meine Eltern Ion und Florica Popa gemeinsam zu sehen sind, stammt aber laut der rückseitigen Beschriftung bereits von 1950. Ich weiß nicht, wann und wo sie sich kennengelernt haben. Laut meinem Bruder Dinu sei es im Pariser Atelier des rumänischen Bildhauers Constantin Brâncuși gewesen. Brâncuși war 1903 zu Fuß von Rumänien über München nach Paris gewandert und hatte sich dann dort 1904 niedergelassen. Seine Ateliers waren nicht nur für die Pariser Künstlerszene, sondern auch für die rumänische Community ein Treffpunkt.

Mein Großvater mütterlicherseits, Ion Dragu, wie auch der Bruder meiner Mutter, mein Onkel Jean Dragesco, kannten Brâncuși nachweislich (1, 2). Es ist aber für mich kaum vorstellbar, dass meine Eltern sich nicht bereits früher andernorts begegnet waren. Mein Großvater als Journalist, Regierungssprecher und Diplomat verkehrte sicherlich in denselben Kreisen wie mein Vater. Meine Mutter war zwar wohl aufgrund des Diplomatenlebens das letzte Mal vor dem Zweiten Weltkrieg in Rumänien gewesen, aber das schließt nicht aus, dass sich meine Eltern, mein 1913 geborener Vater und meine 1922 geborene Mutter, bereits in Berlin, Rom, Paris oder Vichy begegnet wären.

Geheiratet haben sie in der rumänisch-orthodoxen Kirche des Saints-Archanges in Paris-St. Germain, wo früher auch Brâncuși Messdiener gewesen war. Offenbar hatte sich die erste Ehefrau meines Vaters, Hortensia, nach seiner Flucht aus Rumänien in Abwesenheit von ihm scheiden lassen. Am 3. Oktober 1952 kam als erster Sohn Dinu zur Welt, im Jahr darauf mein zweiter Bruder. Finanziell ging es meinen Eltern im Exil so schlecht, dass beide Kinder im Pariser Armenkrankenhaus Hôtel des Invalides geboren wurden. Meine Eltern hatten nicht einmal Geld, um zum Zahnarzt zu gehen, und meine Mutter, die mit Hauspersonal und Chauffeur aufgewachsen war und als junge Frau Maßgeschneidertes trug, fing an, sich ihre Kleider selbst zu schneidern.

Das Angebot, 1954 bei Radio Freies Europa in München anzufangen, war für meinen Vater der Ausweg aus der Armut. Dennoch blieb es ein Hin und Her zwischen Anstellung und Kündigung, München und Paris. 

Diese erste Anstellung als News Writer ab dem 22. Mai 1954 wurde mit monatlich 190 US-Dollar bezahlt. Der Sender übernahm die Unterbringung in einem Hotel oder einer Pension sowie die Reisekosten für die gesamte Familie. Da mein Vater weiterhin in Frankreich polizeilich gemeldet blieb, fielen keine Steuern oder Sozialabgaben in Deutschland oder den USA an. Die Familie war in dieser Zeit aber auch noch nicht über den Arbeitgeber krankenversichert. Adressiert war das vom European Director Richard J. Condon unterzeichnete Schreiben vom 25. Mai 1954 an meinen Vater im Park Hotel, Maximiliansplatz.

Am 6. Juli 1954 erhielt meine offenbar mitgereiste Mutter ihre Aufenthaltserlaubnis. Wohnhaft war sie in der Pension Elisabeth in der Schwabinger Jakob-Klar-Straße. 

Aber zehn Tage später kündigte mein Vater bereits wieder seine Redaktionsstelle bei Radio Freies Europa von einem Tag auf den anderen während der Probezeit.

Offensichtlich kehrte die Familie nach Paris zurück, weil mein Vater sich 1955 dort einen Presseausweis ausstellen ließ.

Am 13. April 1955 schrieb dann der Personalmanager Francis W. Erickson meinem Vater, dass eine Stelle als Romanian Researcher bei Radio Free Europe im News and Information Service ausgeschrieben worden sei und bot ein Vorstellungsgespräch an. Das Jahresgehalt betrug 1750 US-Dollar, also rund 146 US-Dollar im Monat und damit weniger als im Vorjahr.

Offensichtlich war das Vorstellungsgespräch gut verlaufen, so es überhaupt eins gab, denn bereits am 21. April 1955 begann mein Vater für 145 US-Dollar im Monat erneut bei Radio Free Europe zu arbeiten. Der Sender übernahm wieder die Reise- und Unterbringungskosten, aber keine Krankenversicherung.

Am 28. November 1955 wurde mein Vater dann versetzt. War er bislang Researcher im Bereich Evaluation & Resarch des News and Information Service gewesen, wurde er nun Editor Writer im Romanian Desk. Einen Monat später gab es eine Gehaltserhöhung von 145 auf 235 US-Dollar im Monat.



Zum Jahreswechsel gab es eine Danksagung von Noël Bernard, dem damaligen Leiter der rumänischen Redaktion.

Drei Jahre später erfolgte durch den Personalchef Donald L. Hershey die Beförderung meines Vaters zum Editor, also Redakteur, samt einer Gehaltserhöhung von inzwischen monatlich 263 auf 288 US-Dollar. Zudem gab es eine jährliche GFSA von 600 US-Dollar.  

Die Pariser Wohnung in der 6, rue Albert Samain existierte aber fort, denn am 18. Oktober 1958 ließ sich meine Mutter auf die Adresse einen französischen Führerschein ausstellen. Vermutlich handelte es sich dabei um die Wohnung meiner Großeltern und Angele „Maia“ Dragu, denn meine Mutter gab bereits 1944 dieselbe Adresse als Schülerin bei der École du Louvre an und ihr Bruder Jean Dragesco 1946 auf einer Visitenkarte

Im Grunde war mein Vater immer Journalist im Politik-Ressort gewesen, weshalb auch ich als Journalist mich lange Zeit geweigert habe, mich im selben Ressort zu betätigen, und lieber über die „schönen Dinge des Lebens“ schrieb. Deshalb kam für mich auch Radio nie in Frage. Ich wollte meine eigenen Wege gehen. 

In seinen Anfängen bei Radio Freies Europa soll er aber im Sport-Ressort angesiedelt gewesen sein, wie er mir erzählte. Aus den mir vorliegenden schriftlichen Unterlagen lässt sich das nicht konkretisieren. News sind News, ob Sport oder Politik. Er war aber auf jeden Fall 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom. Und meine Mutter hat ihn dort offenbar besucht oder die ganze Zeit begleitet, denn dort soll ich gezeugt worden sein. Was rechnerisch aber nicht ganz hinhaut, wenn die Spiele Ende August 1960 begannen, ich aber bereits Ende März 1961 geboren wurde.

Die ersten Monate 1954 bei Radio Freies Europa scheinen nicht angerechnet worden zu sein, denn für seine 10-jährige Betriebszugehörigkeit erhielt mein Vater erst 1965 eine Urkunde.

Zum 25-jährigen Bestehen der rumänischen Abteilung bei Radio Freies Europa gab es am 29. Oktober 1976 ein Stehrumchen im Studio 22 des Senders, zu dem der Direktor Albert E. Hemsing auf Rumänisch einlud.Die offizielle Postanschrift hatte sich inzwischen von One English Garden zu einem wesentlich profaneren Oettingenstraße 67 am Englischen Garten geändert. Unter Englischer Garten 1a firmiert heute die Orangerie, unter der Hausnummer 3 der Biergarten am Chinesischen Turm. 

Am 1. Januar 1978, im Alter von 65 Jahren, ging mein Vater schließlich in den Ruhestand. Zum Abschied schrieb ihm am 8. Februar 1978 noch einmal Noël Bernard, der zwischendurch 1958 den Sender verlassen hatte, aber 1965 oder 1966 wieder als Leiter der rumänischen Redaktion zurückgekehrt war. 
Bernard starb 1981 unter mysteriösen Umständen, ein Jahr vor meinem Vater. Flori Bălănescu und Cristian Troncotă weisen in „România 1945–1989, Enciclopedia Regimului Comunist – Represiunea“, Vol. I, A–E, Bucureşti 2011, darauf hin, dass drei Leiter der rumänischen Abteilung: Noël Bernard 1981, Mihai Cismărescu 1983 und Vlad Georgescu 1988 an Krebs gestorben sind, und vermuten, dass das kein Zufall sei, sondern die Securitate mit radioaktiven Stoffen die Krankheit ausgelöst hätte. 

Mittwoch, 7. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (7): Alles außer Krebs

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Meinen Vater habe ich nahezu ausschließlich als kranken Mann in Erinnerung. Gerade in den 1970er- und 1980er-Jahren litt er ständig an irgendetwas, ob daheim oder im Krankenhaus. Er hatte ein Magengeschwür und bekam einen Teil des Magens operativ entfernt, wurde an der Prostata operiert, hatte Herzinfarkte, einen Leistenbruch und vor allem eine unerträgliche Migräne, weshalb er daheim meistens einen nass-kalten Waschlappen mit einem Mulltuch an seiner Stirn befestigte.

Rückblickend klingt das nicht nach viel, aber auf die Frage, woran mein Vater denn leide, antwortete ich damals immer: Alles außer Krebs.

Wir rechneten ständig mit seinem Tod, aber als er dann nach vielen Krankheiten am 28. Oktober 1982 tatsächlich starb, waren wir überrascht, weil die Jahrzehnte in wiederholter Todesangst ihn für uns irgendwie auch unsterblich haben werden lassen.

Während eines seiner Herzinfarkte war ich daheim. Mein Schulkamerad Christian Stolberg und ich wollten gerade Tee trinken, als der Infarkt zuschlug. Christian schickte ich heim, und dann fuhr ich mit im Notarztwagen ins Krankenhaus.

Auch sonst war ich als Kind und Jugendlicher ein steter Begleiter meines Vaters im Krankenhaus. Als er beim Leibarzt von Franz Josef Strauß, Valentin Argirov, in dessen Privatklinik in Kempfenhausen lag,  mein Vater war sowohl über den Sender als auch privat und damit sehr gut krankenversichert, besuchte ich ihn ständig. Ich fuhr mit der S-Bahn nach Starnberg und lief von dort zu Fuß am Nordufer des Starnberger Sees bis zur Klinik.

Anfangs war mein Vater Patient bei unserem Hausarzt, der, wenn ich mich recht erinnere, in der Böcklinstraße praktizierte. Später ließ sich ein Arzt rumänischer Herkunft schräg gegenüber von unserer Wohnung in der Tizianstraße nieder, was mir erst jetzt im Nachhinein eher verdächtig vorkommt.

Medikamente waren ein steter Begleiter meines Vaters. Die Rollkur gegen das Magengeschwür, Nitro für die Angina Pectoris. Aber am meisten schluckte mein Vater gegen die Kopfschmerzen Dolviran, dessen alte Version als Kombipräparat 1983 verboten wurde. Er schluckte es über Jahre, gar Jahrzehnte in einem Ausmaß, dass es seinen Körper vergiftete. Manchmal verfiel er selbst in besseren Zeiten, in denen er seiner Arbeit bei Radio Freies Europa nachging, in einen Dämmerzustand. Wenn er etwa abends nicht vom Sender heimkam, lief ich ihm entgegen und fand ihn dann auf einer Bank im Grünwaldpark sitzend.

Manchmal verfiel er aber auch daheim in einen Wahnzustand, in dem ihn schlimme Erinnerungen aus seiner Vergangenheit heimsuchten. Meine Mutter und ich mussten ihn dann mit vereinter Kraft bändigen und in die Gegenwart zurückholen.

Klinikaufenthalte machten das nicht unbedingt besser. Denn die deutschen Ärzte und Krankenschwestern triggerten bei meinem Vater Erinnerungen ans KZ.

Samstag, 3. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (3): Ion Popa, Jacques Chaban-Delmas und die Grande Loge de France

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Mein Vater war im Münchner Exil kein geselliger Mensch. Er fuhr mit der Tram zu seiner Arbeit in der rumänischen Redaktion von Radio Freies Europa (RFE) im Englischen Garten, mied aber – zumindest so wie ich ihn erlebte – ansonsten jeden Umgang mit allen außer der eigenen Familie.

Erst Jahrzehnte nach seinem Tod fand ich im Nachlass meiner Mutter dieses Foto, das meinen Vater (3. von links) mit Mitarbeiter*innen von Radio Freies Europa in München wie Octavian Vuia (3. von rechts) außerhalb des Senders in anscheinend geselliger Runde zeigt.

So habe ich ihn in den 21 Jahren, die wir gemeinsam erlebten, nicht gekannt. Er traf – soweit ich mich erinnere – niemals Kolleg*innen außerhalb der Arbeit. Verkehrte nicht in der rumänischen Community. Ging auf keine Veranstaltungen. Auch aus Eigenschutz. Es herrschte der Kalte Krieg und der Einfluß der Securitate reichte bis nach München, wo der eine oder andere Kollege vergiftet oder ermordet wurde. Drei Kollegen meines Vaters, Noël Bernard, Mihai Cismărescu und Vlad Georgescu sind an Krebs gestorben, und es wurde vermutet, dass das kein Zufall sei, sondern die Securitate mit radioaktiven Stoffen den Krebs ausgelöst hätte. Zudem wimmelte es in diesen Kreisen von Doppelagenten. Es war, als hätte er in unserer Wohnung in der Tizianstraße 16a noch mal ein Exil im Exil gefunden, in dem er Schutz vor einer feindlichen, aber sicherlich auch seinen Ansprüchen nicht genügenden Welt suchte und fand.

Mit einer einzigen Ausnahme. Mitte Januar 1976 war der Bürgermeister von Bordeaux und ehemalige französische Premierminister Jacques Chaban-Delmas in der Librairie Française zu Besuch, um sein neues Buch „L'ardeur“ vorzustellen. Mein Vater fuhr mit mir in die Schellingstraße, um der Veranstaltung beizuwohnen und mit dem Politiker zu reden. Von einem Wiesnbesuch abgesehen war das das einzige Mal, dass mein Vater mit mir etwas unternahm, und ich kann mir bis heute nicht erklären, was ihn mit dem Gaullisten verband. Ob sie sich möglicherweise aus der Pariser Zeit meines Vaters kannten.

Viele Jahrzehnte später, ein paar Monate bevor er selbst gestorben ist, meinte mein neun Jahre älterer, in Paris geborener Bruder Dinu, als wir darüber sprachen, dass Chaban-Delmas und mein Vater eine gemeinsame Vergangenheit als Freimaurer gehabt hätten. 

Wie ich bereits vor zehn Jahren hier im Blog erwähnte, war mein Vater Ion „Iani“ Popa (aka Ion Măgureanu aka Popicu aka Pancrator) Mitte der 1950er-Jahre in Paris Mitglied bei den Freimaurern der Grande Loge de France (G.L.D.F. – „Liberté - Égalité - Fraternité“).   

Meiner Erinnerung an unsere Gespräche darüber zufolge aber nur, um für die Loge oder deren rumänische Abteilung „La Roumanie Unie“ Pressearbeit zu machen. Ich kann mich nicht erinnern, dass diese Mitgliedschaft nach seinem Umzug nach München in irgendeiner Form aktiv gewesen wäre. Bis zuletzt bewahrten er oder vielmehr meine Mutter aber noch den Mitgliedsausweis, diverse Drucksachen, die weißen Stoffhandschuhe und einen weißen, zierlosen Maurerschurz. 

Erst nach dem Tod meines Vaters im Oktober 1982, bei der Trauerfeier am Münchner Westfriedhof, erschien unvermittelt ein Vertreter der Freimaurer, den ich entfernt kannte, und legte eine Rose vor die Urne. Es könnte René Alecu de Flers gewesen sein, der später auch ein Buch über Radio Freies Europa („Radio Europa Liberă şi exilul românesc“) schrieb, aber meine Erinnerung an den Tag sind eher getrübt.  Es war wohl Roger Constantinescu. Im Nachlass meines Vaters findet sich ein Brief von ihm an „Jany Popa“ anläßlich eines Jubiläums des Grand Council of Royal and Select Masters of Germany. Constantinescu arbeitete auch bei Radio Freies Europa und war laut dem rumänischen Wikipedia im Monitoring beschäftigt.

Meine Halbschwester Anka schreibt in ihren Erinnerungen, dass vor der Einäscherung die französische Flagge und Freimaurersymbole den Sarg meines Vaters geschmückt hätten. Ich kann mich an nichts davon erinnern.








Donnerstag, 1. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (1) Ion Popa aka Ion Măgureanu

Mit Geburtstagen und Weihnachten verbinde ich keine schönen Erinnerungen, ich habe sie schon als Kind gehasst. Aber Silvester war etwas anderes. Weil ich da zündeln durfte. Und wohl auch weil mein Vater Ion Popa alias Ion Măgureanu an einem 1. Januar geboren wurde, Neujahr also sein Geburtstag war und wir Silvester hineingefeiert haben, auch wenn mein Vater zumindest im Alter niemand war, der irgendetwas groß gefeiert hätte.

Am 1. Januar 1913 ist mein Vater laut seinem Flüchtlingspass im rumänischen Focșani geboren worden, der Kreishauptstadt von Vrancea im Westmoldauischen. Laut den Fahndungsunterlagen der Securitate dagegen in dem 248 Kilometer weiter nödlich gelegenen Vereşti. Letzteres hält meine Halbschwester Anka für falsch. Er war also schon 48 Jahre alt, als ich 1961 geboren wurde. Meine Mutter 39. Ich war, nach zwei 1952 und 1953 geborenen Brüdern das Nesthäkchen. Zwischendurch hatte meine Mutter abgetrieben. Und dass ich überhaupt zur Welt kommen durfte, ist ihrer Hoffnung auf ein Mädchen geschuldet, das Dorina heißen sollte. Es wurde stattdessen der dritte Sohn, das a gestrichen und ein Dorin daraus.

So wild und bewegt das Leben meines Vaters in den 1930-er und 1940er-Jahren gewesen sein mag, so sehr er im französischen Exil der späten 1940-er und 1950er-Jahre ums Überleben gekämpft haben muss, so ruhig und zurückgezogen lebte er dann im nächsten Exilland, in Deutschland, wo meine Eltern nie länger zu bleiben planten. Nächstes Jahr in Paris war die Lebenslüge, mit der ich aufwuchs.

Die letzten Jahrzehnte war mein Vater auch schwer krank, was dazu führte, dass er oft krankgeschrieben war und viel Zeit daheim verbrachte. Meine Brüder waren schon ausgezogen, meine Mutter anderweitig beschäftigt und so verbrachte ich als Kind und Jugendlicher wohl mehr Zeit mit meinem Vater als jeder andere.

Und er erzählte viel. So viel, dass ich dieses Jahr alles, woran ich mich noch erinnern kann, hier aufzuschreiben versuche. Erinnerungen sind natürlich stets mit Vorsicht zu genießen. Die Gespräche liegen 40 bis 60 Jahre zurück. Ich war damals noch ein Kind oder Heranwachsender und habe vielleicht manches nicht nur falsch in Erinnerung, sondern schon von Anfang an falsch oder gar nicht verstanden. Aber so lange ich mich noch überhaupt an etwas erinnern kann,  möchte ich es festhalten. Zumindest für die paar Jahre, bevor Google diesen Blog irgendwann mangels Aktivität löscht.

Samstag, 7. Dezember 2024

Der Tod zählt zur Familie

Irgendwann ist es mehr als genug. Irgendwann ist es zu viel. Aber irgendwann ist es auch vorbei. Selbst ein sich unbarmherzig wiederholendes Leid. 

Manchmal überfällt es einen überraschend schnell. Nach kurzer, schwerer Krankheit heißt es dann in den Nachrufen. Bei uns in der Familie war bisher eher das Gegenteil die Regel. Jahrelanges Siechtum. Stirb langsam. 

Als vorgestern mein Bruder Dinu im Alter von 72 Jahren verlosch, waren es dagegen nur wenige Wochen gewesen, zwei, drei Monate. „Nach kurzer, schwerer Krankheit“ schrieb ich in meiner Pressemeldung für die Branchenblätter und den Nachrichten für den Freundeskreis und die Angehörigen in Frankreich und Rumänien. Und dennoch war jeder Tag ein Tag zu viel gewesen. Denn an Creutzfeldt-Jakob stirbt man nicht, man krepiert. Diesen Sommer war es bei ihm ausgebrochen, wie es eben ausbricht. Ohne Anlass oder Ursache, aber dafür unbarmherzig tödlich. 

Das Hirn löst sich auf, man kann nicht mehr richtig sehen, stehen, gehen. Hat Wahnvorstellungen, Schwierigkeiten, sich zu artikulieren. Und zwischendurch immer wieder lichte Momente, was es nur grausamer macht, weil man den eigenen Untergang miterlebt. „Ich sterbe“, rief mein Bruder im Krankenhaus, als ein Verlagsvertreter auf Dinus Handy anrief und auf die Freisprecheinstellung geschaltet war. Und in diesem Satz war Dinu wieder ganz der Alte, extrovertiert, dramatisch, trotz der tödlichen Diagnose irgendwie übertreibend, aber nicht ohne Witz und Ironie. Selbst das Schlimmste, Persönlichste für eine Pointe nutzend.

Ausgerechnet Dinu, der intellektuellste oder eher einzige Intellektuelle von uns Söhnen, war im Hirn erkrankt. Eine meiner ältesten Erinnerungen an ihn ist, wie er in seiner ersten eigenen Wohnung in der Wilhelm-Düll-Straße 1 mit anderen zusammen auf dem Boden saß, „Das Kapital“ las und diskutierte. Die Marx-Engels-Lesegruppe. Jahrzehnte später lösten Dinu und ich für die slawistische Buchhandlung Kubon + Sagner ihr Warenlager in der Heßstraße auf und räumten meterweise Marx und Engels ab, in allen möglichen Sprachen. Die Bände lagern wohl immer noch in Dinus Lagerhalle in Frankfurt-Bockenheim.

Deutlich ältere Brüder zu haben, ist wunderbar, wenn man jung ist. Hat man doch als Kind schon Anteil an den Erfahrungen Reiferer. Als ich dagegen Dinu letztes Jahr im Sommer in Frankfurt besuchte, um gemeinsam Dario Argento im Deutschen Filminstitut zu erleben, hatte sich das Blatt gewendet. Jetzt sah ich vor mir, was mir in neun Jahren, vielleicht auch früher oder später, blüht: Einen alten Mann mit vielen Krankenhausaufenthalten hinter sich und einer unaufhörlichen Kette an Erkrankungen. Nichts lebensbedrohliches, aber doch das Leben bestimmendes. Ein Jahr später, als ihn Creutzfeldt-Jakob schon dahinzuraffen begann, lag er in einem Krankenhausbett mit der Modellbezeichnung Avant-Guard.

Doch im Sommer zuvor, nach Argentos Auftritt sind Dinu und ich um die Ecke Essen gegangen. Essen war in unserer Familie wichtig. Und kannte keine Grenzen. Markknochen, paniertes Hirn, blutige Steaks. Etwa als wir gemeinsam auf der BookExpo America in Chicago waren und keine Gelegenheit ausließen, gut zu speisen. 

Diese Erinnerungen bleiben, aber wenn man mich dieser Tage nach Dinus Lebenslauf fragt, muss ich passen und es fällt mir auf, wie wenig ich von seinem Leben weiß, eben auch weil er neun Jahre älter war und schon auszog, als ich noch ein Kind war.

Viele Jahre war er ein Hippie gewesen, langhaarig, mit Vollbart. Und ich weiß noch, wie ich eines Tages von der Schule nach Hause kam und mein Vater mich mit einem jungen, rasierten, kurzhaarigen Mann im Wohnzimmer erwartete und mir eröffnete, dass wir Besuch aus Rumänien hätten. Einen entfernten Cousin. Erst als beide schallend zu lachen begannen, begriff ich, dass das keineswegs ein entfernter Verwandter war, sondern mein Bruder, nur eben mit gestutzten Haaren.

Die letzten Jahre, in denen wir alle zusammen in der Tizianstraße wohnten, waren besonders eng gewesen. Nicht etwa nur die Eltern samt der drei Söhne in der Vier-Zimmer-Wohnung, die Radio Freies Europa für uns in München-Gern angemietet hatte. Denn eines Tages klingelte das Telefon. Meine Mutter ging ran, ich stand neben ihr. Ein Aufschrei. Ihre Mutter, meine Großmutter, Angela „Maia“ Dragu, war in Paris verunglückt. Sie hatte sich daheim hinsetzen wollen, war dabei unglücklich gestürzt und hatte sich so schwer am Kopf verletzt, dass sie fortan auf den Rollstuhl angewiesen war und kaum mehr sprechen konnte. Also zogen die Großeltern auch zu uns nach München. Meine Mutter hatte nun mehrere Jahre einen Sieben-Personen-Haushalt zu betreuen und ich erlebte Maias Siechtum aus nächster Nähe.

Bisher war ich der Meinung, das meine panische Angst vor Menschen, die sich schwer artikulieren können, deren Worte ich nicht verstehen kann, aus der Zeit stammt, als ich als Kleinkind in Deutschland lebte, ohne ein Wort Deutsch zu verstehen, weil wir daheim nur Rumänisch redeten. Inzwischen vermute ich, dass dieses Trauma eher mit meiner Großmutter zusammenhängt, deren Worte ich plötzlich nicht mehr verstehen konnte.

Irgendwann kehrten meine Großeltern wieder nach Paris zurück, aber die Wohnung blieb ein Hospiz. Nun war mein Vater dran, der an allerlei litt: Magengeschwüre und Prostatakrebs, Angina Pectoris und Migräne … Wobei letzteres mit das Schlimmste war, weil er dagegen Unmengen an Dolviran schluckte und sich damit regelrecht vergiftete. Wenn er mit der Trambahn zur Arbeit gefahren war, aber abends nicht nach Hause kam, machte ich mich als Kind auf den Weg, die Strecke nach ihm abzusuchen, ob er vielleicht irgendwo auf einer Parkbank vor sich hin dämmerte. Ich saß im Notarztwagen, als er nach einem seiner Herzinfarkte eingeliefert wurde. Und als er ein anderes Mal ausgerechnet in der Klinik des Leibarztes von Franz Josef Strauß in Kempfenhausen lag, fuhr ich allein immer mit der S-Bahn nach Starnberg und lief von dort zu Fuß zur Argirov-Klinik, um ihn zu besuchen. Denn Klinikaufenthalte waren für meinen Vater die Hölle, weil ihn die deutschen Ärzte und Krankenschwestern an seinen KZ-Aufenthalt erinnerten. Gestorben ist er dann mutterseelenallein im Bett daheim, als ich mit meiner Mutter zu Besuch in Paris war. Zu Lebzeiten hatte mein Vater immer gescherzt, dass meine Mutter sich anläßlich seiner Beerdigung sicher darüber beschweren würde, dass sie dafür so früh aufstehen muss. Und so war es dann auch tatsächlich.

Für meine Mutter, die zwischen den beiden Weltkriegen in einen Diplomatenhaushalt mit Domestiken und Haute-Couture hineingeboren wurde, aber später dann verarmt im Exil lebte, begann jetzt eine gute Zeit, in der sie nur noch für sich selbst sorgen musste. Nahezu dreißig schöne Jahre. Bis dann das Alter zuschlug. Sie war plötzlich auf einen Rollator angewiesen. Und sie, die nahezu jeden Tag in der Innenstadt einkaufen war, verließ plötzlich den Arabellapark nicht mehr. Im Rewe kaufte sie nur noch im Erdgeschoss ein und mied das Untergeschoss. Irgendwann verließ sie ihre Wohnung nicht mehr. Der Garten, den sie jahrzehntelang leidenschaftlich gepflegt hatte, wurde nicht mehr betreten. Dann fiel das Wohnzimmer weg. Und irgendwann verließ sie ihr Bett nicht mehr selbständig. 

Und so wie sich ihr Bewegungsfeld reduzierte, ließ auch ihre geistige Reichweite nach. Beginnende Demenz, die man als Sohn lange übersieht. Bis es dann nicht mehr ignoriert werden kann. Es beginnt mit dem schmutzigen Geschirr, das sich in der Spüle stapelt. Und dann findet man plötzlich, irgendwo versteckt, vollgeschissene Bettwäsche. Neun Jahre pflegten wir unsere Mutter daheim. Fütterten sie, wuschen sie, halfen ihr aufs Klo. Ein paar Jahre vor ihrem Tod stellte sie das Reden ein. Und wir kommunizierten nur noch über Blicke. Was soll man auch reden, wenn bei den intimsten Dingen plötzlich Mutter und Kind die Rollen tauschen. Und selbst mit Dritten zog eine Sprachlosigkeit ein, was meine Mutter betraf. Zu absurd war vieles. Etwa als die trockene Haut meiner Mutter immer mit Kokosnussöl eingerieben werden sollte. Ich zur gleichen Zeit eine Freundin hatte, die aufgrund ihrer Allergien Kokosnussöl als Gleitmittel nutzte. Und niemals zuvor oder danach ich etwas mit Kokosnussöl zu tun hatte, bis auf wenige Monate in dieser Konjunktion.

Sprachlosigkeit muss aber nicht zwingend schlecht sein. Mit meinem Bruder Dinu verstand ich mich auch ohne Worte. Wir sprachen kaum. Aber wir verstanden uns. Er war vielleicht der einzige, aber mit Sicherheit der letzte, dem ich mich nie erklären musste. Mit dem ich dieselbe Heimatlosigkeit teilte. Dabei waren wir grundverschieden. Er offen, freundlich, positiv. Ich verschlossen, misstrauisch, überkritisch. Wenn ich ihm eine böse Beobachtung zuraunte, plauderte er sie im nächsten Augenblick gegenüber dem Objekt meiner Kritik aus. Aber nicht etwa, um mich hinzuhängen, sondern um das Gespräch zu eröffnen. Und nie reagierte jemand böse auf meine weitergetragenen Bosheiten, weil die so entwaffnende Freundlichkeit meines Bruders selbst meiner Häme jede Schärfe nahm.

Ich bin mir nicht sicher, ob er mich tatsächlich erkannt hat, als ich ihn Mitte Oktober im Krankenhaus besuchte. Halb dämmerte er mit geschlossenen Augen vor sich hin. Bekam aber immer wieder durchaus mit, was um ihn herum geschah und äußerte sich dann plötzlich geistesgegenwärtig, mit dem ihm eigenen Schalk, um gleich darauf wieder wegzudämmern. Mal ein Auge geöffnet, mal beide Augen. Die „Rosenheim-Cops“ im Krankenhausfernseher verfolgend, die auch immer bei meiner Mutter liefen, als sie bettlägerig war.

An jenem Nachmittag in Wiesbaden war Dinu teilweise noch recht agil. Saß er erstmal im Rollstuhl, wusste er sich zu bewegen. Und als meine Schwägerin und ich eingetroffen waren, um ihn zu besuchen, trafen wir ihn erst einmal gar nicht an. Er war weder in seinem Bett, noch in seinem Zimmer oder gar auf der Station. Er war im Rollstuhl ausgebüxt. Und wir mussten das halbe Gebäude nach ihm absuchen, bis wir ihn dann im Erdgeschoss rollend fanden.

Als wir ihn später am Nachmittag, kurz bevor wir gingen, ein bisschen herumschoben, vermeinte ich auch zu hören, wir er mir ein „Dorinel“, kleiner Dorin, nachrief. Aber so leise, dass ich mir nicht sicher sein kann, ob er es tatsächlich rief. Ob er mich wiedererkannt hatte, einzuordnen wusste, in der grassierenden Unordnung seines Hirns.

Gemeinsam aßen wir noch etwas. Das Schlucken fiel ihm sichtlich schwer. Die Station hatte eigentlich auch verboten, ihm noch feste Nahrung zu geben. Aber er aß mit dem alten Appetit. Selbst wenn er sich dabei ständig verschluckte.

Das waren unsere letzten gemeinsamen Momente. Er durfte dann aus dem Krankenhaus noch ein paar letzte Wochen nach Hause, bevor er schließlich in einem Hospiz seine letzten Tage verbrachte und friedlich, in Anwesenheit seiner Frau, für immer einschlief.

(Foto mit der Barbie-Puppe: Peter Eising; Rest privat)

Sonntag, 9. Juni 2024

Doamnelor și domnilor, dragi ascultători, iubiți prieteni!

Anläßlich des Todes des ehemaligen RFE-Mannes Mircea Carp beginnt der Nachruf von hotnews.ro mit einer längeren Passage von Mircea Morariu über meinen Vater Iani Popa aka Ion Măgureanu: 

„Până prin 1978, Programul politic, una dintre principalele emisiuni cu difuzare zilnică ale Departamentului românesc de la Radio Europa Liberă, a fost prezentat de cel pe care întreaga redacție de la München îl numea Iani Popa. Pentru ascultătorii din România, Ioan/Iani Popa, fostul secretar general de redacție de la Curentul, se numea Ion Măgureanu. Era, din câte se pare, un bonom și de fiecare dată începea programul cu formula de adresare Doamnelor și domnilor, dragi ascultători, iubiți prieteni! 

Iani Popa avea, din câte mi s-a povestit, ceva de bunic poate și fiindcă albise prematur, avea și darul povestirii, fapt care îl obliga foarte adesea pe Noel Bernard, directorul de atunci al postului, să îi mai ceară câteodată să-și scurteze intervențiile cu care introducea subiectele în principal de politică externă. 

Când Iani Popa a ieșit la pensie, pentru o vreme Programul politic a fost prezentat fie de Victor Cernescu (Romilo Lemonidis), fie de Radu Vrancea (Cornel Ianatoș), acesta din urmă transferat de la Radiomagazin.“

Samstag, 31. Dezember 2022

R.I.P. Ion Popa (1982)

Heute stellt die Deutsche Post ihren Telegramm-Dienst ein. Hier das Beileidstelegramm von Mihai Cismărescu aka Radu Gorun namens des Romanian Service von Radio Freies Europa an meine Mutter Florica Popa anläßlich des Todes meines Vaters Ion „Iani“ Popa aka Ion Măgureanu.



Sonntag, 11. April 2021

RFE: Rumanian Department Home-Telephones

Telefonliste der rumänischen Abteilung (Romanian Desk) von Radio Free Europe (RFE) – Radio Europa Liberă in München. Wohl in den 60ern oder 70ern aus der Zeit vor 1969, da Cornel Chiriac noch nicht darin erscheint. Die handschriftlichen Todeskreuze (†) stammen wahrscheinlich von meiner Mutter, Florica Popa, geborene Dragu.  

BERNARD Noel
Korrekt: Noël Bernard.
* 25.2.1925, † 23.12.1981. 
Director al departamentului român de la Radio Europa Liberă 1955–1958 şi 1966–1981.
Flori Bălănescu und Cristian Troncotă weisen in „România 1945–1989, Enciclopedia Regimului Comunist – Represiunea“, Vol. I, A–E, Bucureşti 2011, darauf hin, dass drei Leiter der rumänischen Abteilung: Noël Bernard, Mihai Cismărescu und Vlad Georgescu an Krebs gestorben sind, und vermuten, dass das kein Zufall sei, sondern die Securitate mit radioaktiven Stoffen den Krebs ausgelöst hätte.
Wikipedia.

BUNESCU Preda

POP Valeriu
Ich kannte ihn nur unter dem Rufnamen Valer Pop.

CISMARESCU Mihai
Korrekt: Mihai Cismărescu aka Radu Gorun. Vollständiger Name Barbu Mihail Cismărescu laut jurnalul.ro und „România 1945–1989, Enciclopedia Regimului Comunist – Represiunea“, Vol. III, P–R.
* 1.4.1916 Craiova, † 26.2.1983 München.
Director al departamentului român de la Radio Europa Liberă 1981–1983.
„Barbu Mihail Cismărescu (1916–1983}, avocat, rămas in Occident după 23 august 1944. A lucrat la Europa Liberă din 1952, fiind director la Secţiei Române din 1981. Era cunoscut ascultătorilor sub numele de Radu Gorun. A fost răpus de cancer, ca şi alţi directori ai Secţiei Române.“ („România 1945–1989, Enciclopedia Regimului Comunist – Represiunea“, Vol. I, A–E, Bucureşti 2011)
Flori Bălănescu und Cristian Troncotă weisen in „România 1945–1989, Enciclopedia Regimului Comunist – Represiunea“, Vol. I, A–E, Bucureşti 2011, darauf hin, dass drei Leiter der rumänischen Abteilung: Noël Bernard, Mihai Cismărescu und Vlad Georgescu an Krebs gestorben sind, und vermuten, dass das kein Zufall sei, sondern die Securitate mit radioaktiven Stoffen den Krebs ausgelöst hätte.


ACKER Hans Joachim

ANTONESCU Lieselotte

BANUSH Max
Möglicherweise korrekt: Banuş. Sein Sohn Patrick Banush ist Regisseur und Radiojournalist in Berlin. Patrick hat ein mehrfach ausgezeichnetes Radiofeature über den ermordeten RFE-Mitarbeiter Cornel Chiriac realisiert.

BRAUN Gertrud

BURILIANU Artistide

CAVANIAN Tomas

CIFARELLI Alessandro

CISEK Hortense

CUNEA Sorin

DANGA Andrei

FILDERMAN Violette

FRANKLIN Andrea

GURIAN Armand

HEIDEL Vroni

IANATOS Corneliu

von KLIMESCH Marta

KURDIGYAN Irma

LEMONIDI Galatea

LEMONIDIS Romilo

MALTOPOL Radu

MALUSCHEK Stefan

MOSCHUNA-SION Irene
Möglicherweise korrekt: Moşuna-Sion.

MOTAS Edouard
Vermutlich korrekt: Motaş.

MUNTEANU Nicolae
Wenn ich mich recht erinnere Sportredakteur bei RFE. Sein Sohn Alwin wurde nach dem Springreiter Alwin Schockemöhle benannt. Heute ist Al Munteanu ein bekannter Filmproduzent in München.

POPA Iani
aka Ion Popa aka Popicu aka Ion Măgureanu.
* 1.1.1913 Focşani, † 28.10.1982 München

POPPER Iacob

RAFAEL Edgard

RUSSU-SIRIANU Gh
Vermutlich korrekt: Russu-Şirianu.

SCHMIDT Marcel

VASILIU Mircea

VORVOREANU Anca

VUIA Octavian
* 31.8.1914 Budapest, † 11.12.1989 Freiburg. 
Philosoph, Heidegger-Schüler und ab 1957 bei Radio Freies Europa in München. Zuständig für die Sendung „Lumea creştină“ (Die christliche Welt).
Quelle: Zenovie Cârlugea, „Constantin Brâncuşi – Oamenii din viaţa lui. Dicţionar monografic“, Tipo Moldova, Iaşi 2020. 

ZAHARIA Carol

STERIOPOL Dolly


Free Lancers

IONESCU Vladimir
† München. Ein Nennonkel von mir. Ich kannte ihn nur unter seinem Spitznamen Gigi. War verheiratet mit Maria „Coca“ Ionescu, geborene Iorgulescu.
Vor dem Kriegsende im diplomatischen Dienst und mit meinem Großvater Ioan Dragu befreundet. 1943/1944 war Vladimir Ionescu wohl Presseattaché an der Königlich Rumänischen Gesandtschaft am Vatikan und dort vor allem auch mit Angelegenheiten der königlichen Familie beschäftigt.
1952 und 1956 wird Ionescu als Repräsentant des Comitet Naţional Român (CNR) in Italien aufgeführt.
(Quelle: Diana Mandache: „Exilul Regelui“, Curtea Veche Publishing, Bucureşti 2016, Seiten 49, 53, 104 und 113)

EKER Vladislav

LAHNI Helene

WOLFE Mimi

STROESCU Nicolae

SIMIONESCU Radu

IOANID Ion

DELESCU Jolanda 

Mein Vater (3. von links) mit Mitarbeiter*innen von Radio Freies Europa in München (Octavian Vuia 3. von rechts).

Der Beitrag wird laufend ergänzt. Sobald ich zu einzelnen Kolleginnen und Kollegen meines Vaters genug Informationen zusammen habe, bekommen sie zusätzlich eigenständige, hier verlinkte Beiträge.

Donnerstag, 4. März 2021

Fundsachen (41): Ion Popa

Eines von vielleicht drei oder vier bei Radio Freies Europa entstandenen Bildern meines Vaters. Er mied Kameras, weil er davon ausging, dass die Fotos prompt an die Securitate weiter geleitet wurden.
Mein Vater (3. von links) mit Mitarbeiter*innen von Radio Freies Europa in München (Octavian Vuia 3. von rechts).

Korrekt geschrieben hieß die Tageszeitung „Progresul“.

Mein Vater mit meiner Mutter Florica Popa, seiner zweiten Ehefrau.


Mein Vater mit der unvermeidlichen Zigarette in der Hand.

August 1941 vor dem Goethe-Haus in Weimar.


1950 in Paris.

Vorne mein Vater, hinten Werbung für Leni Riefenstahl.