Mein Vater erzählte, wie er die Bombardierung von Dresden erlebt hat. Die Detonationen, das Feuer, aus der Ferne, aber doch nah genug, dass er den Zug, in dem er damals unterwegs war, verlassen musste, um am Bahndamm Schutz zu suchen.
Nun waren mein Vater, seine Ehefrau, die gemeinsame Tochter und viele mit ihnen aus Berlin, Wien und dem übrigen Deutschen Reich deportierte Rumän*innen im Winter 1944/1945 zuerst im niederschlesischen Krummhübel, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen, interniert, und später in Österreich, bis sie die britische Armee im Frühjahr 1945 befreite.
Weshalb ich zuerst dachte, dass nur der erste Luftangriff der „8th Air Force der USAAF mit 65 B-17 Flying Fortress auf die Industrie in Freital (Mineralölwerk der Rhenania-Ossag in Birkigt), das Industriegelände Gittersee und Wohnanlagen“ (Wikipedia) am 24. August 1944 in Frage käme. „Eine Bombe fiel auf Coschütz. Bei dem Angriff starben 241 Menschen.“
Dann wären die Rumän*innen ungewöhnlich schnell deportiert und interniert worden wegen des sogenannten Königsputsches einen Tag zuvor am 23. August 1944, bei dem der junge König Mihai I. den Militärdiktator Ion Antonescu stürzte und Rumänien damit die Achsenmächte verließ und sich den Alliierten anschloss.
Doch Horia Stanca, einer der damaligen Presseattachés an der rumänischen Gesandtschaft in Berlin, schreibt in seinem im Jahr 2000 veröffentlichten Memoiren „Fragmentarium berlinez 1942–1945“, dass die diplomatische Austauschgruppe erst am 6. Oktober 1944 Berlin Richtung Erzgebirge verlassen musste. Dann hätte mein Vater vielleicht die Bombardierung Dresdens am 7. Oktober durch 29 US-amerikanische B-17 erlebt, bei der 270 Todesopfer registriert wurden.
Stanca zufolge erlebte die diplomatische Austauschgruppe, der mein Vater und seine Familie auch angehörten, die Bombardierung Dresdens wohl aber erst bei der Verlegung vom niederschlesischen Krummhübel nach Österreich. Im Buch wird der 1. Februar 1945 genannt. Das mag ein Druckfehler sein. Vielleicht irrt sich aber Stanca auch im Datum. Er schreibt ergänzend von der „noaptea de groază“, der Schreckensnacht, was auf den Luftangriff mit 773 britischen Bombern in zwei Angriffswellen in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 mit über 20.000 Toten hindeutet.

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