Montag, 13. Juli 2026

Wochenplan

Vereins-Gründungstreffen „München ist Kultur!“ / Habibi-Kiosk; Präsentation Krug der Wiesnwirte / Biergarten am Chinesischen Turm; Förderpreis Lichtblicke / Altes Rathaus; Bayerische Wirtschaftsnacht / Galopprennbahn Riem; Sozialausschuss / Rathaus; Trauergottesdienst und Ehrenbegräbnis Franz Forchheimer / Heilig-Geist-Kirche & Friedhof Daglfing; Kollektionspräsentation Trachten-Angermaier Greenline mit Barbara Meier / Silbersaal des Deutschen Theaters; Denkmaleintragung / Einsiedelei von Väterchen Timofej; IT-Ausschuss / Rathaus; Vortrag und Podiumsdiskussion „Neoimperialismus als Herausforderung der Gegenwart“ mit Jörn Leonhard, Martin Schulze Wessel, Carlo Masala & Heike Paul / Bayerische Akademie der Wissenschaften; „Trachten sind bunt! – Tag der Tracht mit migrantischen Vereinen“ / EineWeltHaus; Atelierpreise, Auszeichnung Pro Meritis Scientiae et Litterarum und Kultur-Sommer-Lounge / Haus der Kunst; Literaturpreis der Landeshauptstadt für Friedrich Ani / Literaturhaus; Human-in-the-loop: Alessandro Giorgi x Erica D'Amico / Cranko-Studio; TechDays / Technikum & Tonhalle; Pressekonferenz Holodeck / Landeskriminalamt; Lunch & Launch – Auftaktveranstaltung des EU-Kommunikationsprojekts „Wow, Organic! European quality you can trust“ mit Verkostung auf dem Viktualienmarkt / Presseclub; Vernissagen Tomás Saraceno: „in collaboration. Verwobene Welten“ / Haus der Kunst und „Human und menschlich …? Die regulierte Vertreibung der Sudetendeutschen“ / Sudetendeutsches Museum; Buchpräsentation Michael Knoche: „Revolution im Leseland“ / Bayerische Staatsbibliothek; Kino im Landtag: „Das gewisse Etwas“ und Filmgespräch mit Oliver Berben, Viola Jäger, Sven Harjes, Natalie Kim Lehmann & Timon Heinzl / Maximilianeum; Jahresempfang des Erzbistums / Katholische Akademie; „Lucky“ mit Anya Taylor-Joy (Foto), Annette Bening u. a. / Apple TV; Jahresempfang / IHK; Grand Opening / Rota; 16-Jähriges mit Drag Wrestling, Punk-Rock u. a. / Stattpark Olga; 30 Jahre Mediaschool Bayern, M94,5 & max neo / Agrob Medienpark; Gartenfest / Akademie für politische Bildung Tutzing; Konzert & Workshop 480Billion / Salon Maudite; Roadshow zum 80-Jährigen der bayerischen Polizei / Wittelsbacher Platz & Ludwigstraße; The People's Pride / Gärtnerplatz; Jahresausstellung / Akademie der Bildenden Künste; Schall im Schilf / Garchinger See; Corleone Summer Bash / Import Export

Donnerstag, 9. Juli 2026

München entsorgt seine Wertstoffmobile (Update)

Wenn es einen Themenbereich gibt, auf den die Grünen im Allgemeinen und die von ihnen dominierte Landeshauptstadt München im Besonderen Wert legen, dann sind es Nachhaltigkeit und Zero Waste. Ein niedrigschwelliges Angebot waren da die beiden Wertstoffmobile. Denn wer nimmt schon die kilometerweite Anfahrt zu einem der zwölf Wertstoffhöfe am Stadtrand auf sich, wenn nur eine Energiesparlampe, ein Kabel, ein Plastikeimer, eine Bratpfanne oder ein Toaster zu entsorgen sind?

Die beiden Wertstoffmobile waren in zwei alltagstauglichen Touren, Ost und West, an täglich bis zu fünf Standorten jeweils 30 bis 45 Minuten erreichbar. Insgesamt 41 Standorte, zwischen Mangfallplatz und Moosacher St. Martinsplatz, Partnachplatz und Curt-Mezger-Platz, quer durch die ganze Stadt, und somit meist einer in fußläufiger Nähe für die Münchner*innen. Dezentral und zugleich flächendeckend. Ein „Wertstoffhof vor Ort“ statt weitab in der Vorstadt.

Anfang Mai wurde das Angebot dann eher still und heimlich um die Hälfte gekürzt. Statt täglich paralleler Touren in Ost und West wechselten sich die Strecken jetzt im Turnus ab. In ungeraden Kalenderwochen war ein Wertstoffmobil auf der Tour Ost unterwegs, in geraden Kalenderwochen auf der Tour West. Auf der Webseite wurde darauf hingewiesen, wer aber nur auf die Wochentage achtete und nicht auf die diese wöchentliche Einschränkung erwähnende Präambel, wartete oft vergebens. 

Und während die Stadtverwaltung sonst serviceorientiert jede kleinste Änderung in ihrer „Rathaus-Umschau“ vermeldet, wurde die radikale Eindampfung des Wertstoffmobil-Kalenders verschwiegen.

Und selbst in der richtigen Kalenderwoche gab es keine Gewähr fürs Wertstoffmobil. Aus „personellen Gründen“ fiel schon mal eine Tour oder ein Teil davon weg. wie etwa heute. Die Tour West musste vorzeitig abgebrochen werden. Die Standplätze Giesinger Bahnhof und Bad-Schachener-Straße entfielen.

Auf meine Anfrage vorgestern hinsichtlich einer Erklärung für die Reduzierung reagierte heute die Pressestelle des Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) mit einer Hammer-Antwort. Man plant, das Angebot zum Jahresende vollständig einzustellen: „Das Wertstoffmobil war von Anfang an als Pilotprojekt konzipiert. Die Auswertung des Pilotprojekts zeigt, dass dieses Angebot von den Bürger*innen nur in vergleichsweise geringem Umfang angenommen wurde. Gleichzeitig verursacht der Betrieb weiterhin einen erheblichen personellen und finanziellen Aufwand, der in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung steht. In die Bewertung sind neben wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekten auch ökologische Gesichtspunkte eingeflossen. Da den Münchner*innen weiterhin flächendeckend stationäre Wertstoffhöfe und weitere Entsorgungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, lässt sich der zusätzliche Ressourceneinsatz für das Wertstoffmobil insgesamt nicht mehr rechtfertigen. 

Immer noch nur ein „Pilotprojekt“, selbst nach rund 15 Jahren? Statt Abfallvermeidung und Recycling gewinnt nun das Spardiktat die Oberhand. Einserseits ist der AWM gesetzlich verpflichtet, kostendeckend zu arbeiten. Aber dieser radikale Einschnitt klingt auch nach einer Abkehr von der Ressourcen schonenden Kreislaufwirtschaft um jeden Preis und einer möglichen strategischen Neuausrichtung des AWM, jetzt, wo das alte Abfallwirtschaftskonzept ausläuft. Die Zeiten, in denen das Kommunalreferat versprach, beim Service nicht sparen zu wollen, scheinen vorbei. Die vom AWM vorgestellte Alternative ist nur eine Blendgranate:

Bürger*innen können Elektroaltgeräte problemlos im Handel abgeben. Alle Händler*innen, die Elektrogeräte verkaufen und eine bestimmte Verkaufsfläche aufweisen (400 m2 für Elektrogeräte und 800 m2 Gesamtverkaufsfläche bei Supermärkten/ Discountern, die Elektrogeräte anbieten) sind dazu verpflichtet, kleinere Elektroaltgeräte zurückzunehmen.“

Dabei bilden Elektroaltgeräte nur einen Teil des vom Wertstoffmobil verantwortungsbewusst einzusammelnden Mülls. Kunststoffschüsseln, Eimer, Gießkannen, Kochtöpfe, Pfannen, Armaturen, Beschläge für Türen und Fenster, Besteck, Metallwerkzeuge, Rohrabschnitte, Blechreste, Flaschenkorken, DVDs, CDs, Kunststoffröhren und E-Zigaretten werden wohl damit wieder ein Fall für den Restmüll – oder im Glücksfall teilweise auch für die neue gelbe Tonne.

Update vom 14. Juli 2026: Bei einem kleinen Fact-Check heute am Josephsplatz scheint die Pressestelle des AWM widerlegt: Das Wertstoffmobil erfreut sich großer Nachfrage, ständig bringen die Leute Nachschub zum Recyceln. Einige haben offenbar schon davon gehört, dass der bereits ausgedünnte Service zum Jahresende vollständig eingestellt wird und äußern ihr Bedauern. Die Mitarbeiter des AWM teilen ihr Bedauern und bestätigen den von der Stadtverwaltung bestrittenen Erfolg ihres Angebot: „Angenommen wird's wie blöd. Gerade von den älteren Leuten, die kein Auto haben, um zum Wertstoffhof zu fahren.“

(Fotos: Benjamin Neudek, Dorin Popa)


Mittwoch, 8. Juli 2026

Wenn Ministerien halluzinieren: Am Tag nach dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis für besonderen Courage gegen Antisemitismus

Gestern Abend wurde in Münchens schönstem Treppenhaus, dem Lichthof des Justizpalastes, der Fritz-Neuland-Gedächtnispreis für besonderen Courage gegen Antisemitismus verliehen. Es war wie ein Auswärtsspiel der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG): Von Jessica Flaster bis Armand Presser waren alle bekannten Gesichter aus dem Jüdischen Gemeindezentrum versammelt. Roman Habermann („Ich habe nur eine Kreditkarte mit meinem Namen dabei.“) kam auch ohne Einladung oder Personalausweis an der Justizwache vorbei. Bernd Knobloch schleuste ihn durch die strengen Sicherheitskontrollen. 

Und statt wie im Hubert-Burda-Saal der IKG in den ersten Reihen zu sitzen, sammelten sich die Honoratioren vom Sankt-Jakobs-Platz diesmal in der letzten Reihe, wo sie bis ins Detail die Ergebnisse der gerade absolvierten Gemeindewahl diskutierten, während das Polizeiorchester spielte.

Justizminister Georg Eisenreich nutzte seine Laudatio auf Preisträger Matthias Burghardt, um zu betonen, wer seiner Meinung nach in Bayern offenbar zur Gesellschaft zählt und wer nicht: „Antisemitismus gibt es am Rand der Gesellschaft, in der Mitte der Gesellschaft - und auch unter Zuwanderern.“ Innenminister Joachim Herrmann ließ sich bei seiner Laudatio auf den Preisträger Harald Frießner von Staatssekretär Sandro Kirchner vertreten.

Dass es sich bei dem Preis um keine rein staatliche Initiative handelt, sondern um eine Kooperation mit Michael Frederic Fischbaum, merkte man spätestens an der Qualität des Flying Buffets: getrüffelter Risotto und Black Cod.

Benannt ist die Auszeichnung nach Charlotte Knoblochs Vater, dem Rechtsanwalt und früheren Präsidenten der IKG Fritz Neuland.

Dennoch verwunderte es, dass Justiz- und Innenministerium heute früh kurz nach 8 Uhr eine Pressemitteilung verschickten und auf ihre Webseiten stellten, der zufolge Charlotte Knobloch „im Justizpalast an die Verdienste ihres Vaters erinnerte“. Denn die gerade wiedergewählte Präsidentin der IKG war gesundheitsbedingt bei der Preisverleihung gar nicht anwesend gewesen. Auf Anraten ihres Arztes hatte Knobloch sich schonen müssen. Ihre Rede wurde vertretungsweise von ihrem Sohn verlesen.

Fake News aus den Ministerien oder zumindest eine arg missverständliche Formulierung? Ward die Pressemitteilung bereits gestern tagsüber vor der Veranstaltung kalt formuliert worden? Hat eine Künstliche Intelligenz halluziniert? Auf meine schriftliche Anfrage hin bedankte sich ein Sprecher des Innenministeriums auf der Mailbox meines Smartphones herzlich für den Hinweis, ließ aber die Fragen nach der Ursache unbeantwortet.

Auf den Webseiten beider Ministerien wurde danach die Formulierung still und heimlich korrigiert. Nun heißt es: „Bernd Knobloch erinnerte in Vertretung für seine Mutter Charlotte Knobloch im Justizpalast an den Vater.“ Zumindest das Innenministerium sparte es sich aber, die zuvor per Mailverteiler breit verschickte fehlerhafte Fassung zurückzurufen oder auf die Korrektur hinzuweisen.


Montag, 6. Juli 2026

Wochenplan (Updates)

Vortrag Charmaine Poh: „Devotion/Disappearance“ / Akademie der Bildenden Künste; Kolloquium „Demokratie und Verfassung“ mit Ferdinand Kramer, Klaus Stüwe & Peter M. Huber sowie Festakt „Orte der Demokratie in Bayern“  mit Ilse Aigner / Große Aula der Ludwig-Maximilians-Universität; Sommerempfang des Ministerpräsidenten für die Landtagspresse / Prinz-Carl-Palais; Kulturempfang der Landeshauptstadt / HP8; Grundsteinlegung Stadtpalais / Münchener Verein; For.Net Symposium / Haus der Bayerischen Wirtschaft; Festzeremonie und Schlüsselübergabe der von Francis Kéré errichteten Kinderoase / Technische Universität; Kommission für Stadtgestaltung mit Vorstellung des Konzepts zur Umgestaltung des Arabellahauses / Smart Village Bogenhausen; Mikołaj Sobczak: „Anti-Fascist Art Manifesto“ / NS-Dokumentationszentrum; „Raise the Bar“ Mocktail-Event / Hans im Glück Isarpost; Fritz-Neuland-Gedächtnispreis für besonderen Courage gegen Antisemitismus / Justizpalast; Eröffnung der Ausstellung „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“ / Haus der bayerischen Geschichte Regensburg; Presserundgang „Auf Freddies Spuren in München“ mit Nicola Bardola, Hannes Rossacher, Herbert Hauke, Marco Kretschmann & Dietmar Holzapfel / Fischbrunnen–Deutsche Eiche; Bayerischer Energiepreis / Bergson-Kunstkraftwerk; Sommerfest der SPD / Maximilianeum; „Canada’s Role on the International Stage - A Panel with Ambassador Vera Alexander“ / Amerikahaus; Popgarten Sundowner / Live.Evil; Jubiläumsfeier Zehn Jahre The Flag; Pressekonferenz Münchner Filmkunstwochen / Neues Rottmann; Pressekonferenz Kaltenberger Ritterturnier / Arena zu Kaltenberg; *innen-Dinner: „Feministische Stimmen in der Klimakrise“ mit Luisa Neubauer und Katharina Schulze / Impact Hub; Pressegespräch und Wiedereröffnung des Valentin-Karlstadt-Musäums; Sommerfest MUnique Gardens / Baufeld Heuglingstraße; Summer Special Meet & Greet Brienner Quartier / Espresso Bar by Balan Deli; Öffentliche Jahressitzung mit Festvortrag Götz Aly: „Von der Anpassung zur Korruption. Künstler und Künstlerinnen in Hitlers Deutschland“ / Akademie der Schönen Künste; Vernissagen Charmaine Poh: „Devotion/Disappearance“ / Behncke, Liza Mercedes: „Not a Toy“ / Stephan Rumpf, Lexia Hachtmann: „Axis“ / Caspari sowie Sebastian Tröger: „Escape of Good Hope“ / van de Loo; Kem Trail & GrGr / Stattpark Olga; BAA Annual Conference: „Free Speech: Meanings, Promises, Controversies“ / Amerikahaus; Eröffnungsfeier HOKI-Living; Camilla Guttners „Die Akademie“ mit Maja Bons, Luise Aschenbrenner, Jean-Marc Barr, Andreas Lust, Isolde Barth u. a. (Foto) / arte & arte-Mediathek; Fachtagung „Recht. Erinnerung. Verantwortung. – Jugoslawischer Staatsterror und politische Auftragsmorde“ / Hanns-Seidel-Stiftung; Festakt 80 Jahre Bayerischer Journalisten-Verband / HFF; Bayerischer Engagiert-Preis / BMW-Welt; Buchpräsentation und Release-Party Albert Ostermaier: „Munich Machine“ mit Brigitte Hobmeier und ihm / MarstallBergmesse mit Rainer Schießler / Werk 3; Jubiläumsfest / Museum Fünf Kontinente; Mitgliederversammlung des Bayerischen Journalisten-Verbands / Criterion; Sunday Affair / Goldene Bar; Special Screening „Etwas ganz besonderes“ mit einem anschließenden Filmgespräch mit Regisseurin Eva Trobisch, Produzentin Trini Götze und den Darsteller*innen Gina Henkel, Max Riemelt und Eva Löbau / City

(Foto: Luca Bagazzi/arte)