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Freitag, 31. Juli 2026

Ist das Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt presse- wie technologiefeindlich?

Das Wichtigste vorab. Scharpf ist nicht schuld. Der berufsmäßige Stadtrat und Referent für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München hat nicht persönlich veranlasst, dass ich von der heutigen Auftakt-Pressekonferenz Oktoberfest wieder ausgeladen wurde. Und er wusste nichts davon. 

Dennoch habe ich meine Instagram-Story dazu mit „Gerade von Scharpf ausgeladen worden“ übertitelt, was im Hause für Unmut und Widerspruch sorgte. Das war meinerseits zum einen der Zeilenlänge geschuldet, weil Referat für Arbeit und Wirtschaft ein Ungetüm ist und die Abkürzung RAW wenigen was sagt. Es war sicherlich auch boulevardesk zugespitzt, aber ich gehöre noch zu einer Generation, in der man Behördenchefs die Fehler ihres Hauses anrechnet. Genauso legitim ist es, mir diese Zeile vorzuwerfen.

Aber gehen wir auf Anfang zurück. In dieser Stunde findet in der Gaststätte Das Bad am Bavariaring, gegenüber der Theresienwiese, die jährliche Auftakt-Pressekonferenz Oktoberfest statt, an der ich letztes Jahr bereits als Journalist teilgenommen hatte.

Angekündigt wurde der Termin in der „Rathaus-Umschau“, der werktäglich zugemailten und online gestellten PR-Postille der Stadt München, mit deren Inhalten Lokaljournalist*innen nicht unbeträchtlich redaktionellen Raum füllen.

Über einen Link konnte man sich vor zehn Tagen für die Veranstaltung anmelden und erhielt daraufhin eine automatisch generierte Akkreditierungsbestätigung. Vorgestern Nachmittag folgte nun eine ebenfalls automatisch generierte Stornierung meiner Akkreditierung: „Leider müssen wir Ihre Teilnahme an der Auftakt-Pressekonferenz Oktoberfest 2026 am Freitag, den 31. Juli, um 10 Uhr in der Gaststätte "Das Bad" ablehnen, obwohl Sie bereits eine automatisch ausgestellte Bestätigung erhalten haben.“ Unterschrieben vom Presseteam Oktoberfest. Absender der Mail: noreply@muenchen.de.

Nun gibt es auf der Online-Seite zu der Veranstaltung den Disclaimer: „Unsere Pressetermine sind Veranstaltungen für journalistisch tätige Personen, die sich der neutralen und objektiven Berichterstattung verpflichtet haben. Grundsätzlich nicht zugelassen sind Influencer und Blogger (m/w/d) der Kanäle TikTok, Instagram, YouTube, X oder anderer Social Media Plattformen.“

Das liest sich wie zwei unterschiedliche Punkte. Es geht – scharf getrennt – um Journalist*innen. Und es geht zudem um Influencer*innen und Blogger*innen. 

Die Diskussion, ob Blogs journalistische Formate sein können, hielt ich seit rund 20 Jahren für erledigt. Der 2004 gegründete „BILDblog“, Stefan Aigners „Regensburg digital“ (2008), Hardy Prothmanns „Rheinneckarblog“, Kurt Nane Jürgensens „Flensburg Online“ waren Pioniere in den Nullerjahren. 

Vor drei Wochen erst hat der Bayerische Journalisten-Verband auf seiner Mitgliederversammlung bestätigt, dass Blogger*innen selbstverständlich Mitglied werden können oder Presseausweise erhalten, wenn sie hauptberuflich journalistisch bloggen. 

Jede*r Blogger*in mit amtlich anerkanntem Presseausweis, den das RAW nur des Bloggens wegen von Presseterminen ausschließt, könnte die Landeshauptstadt vor dem Verwaltungsgericht in Grund und Boden klagen. 

Während längst Altmedien wie der BR, das ZDF, „Die Zeit“, die „Süddeutsche Zeitung“ & Co. selbstverständlich auf diesen Plattformen Journalismus betreiben.

Aber ausgerechnet das RAW, das sich gerne selber auf die Schulter klopft, weil es allein Niederlassungen von Technologiekonzernen wie Amazon, Apple, Google oder TikTok nach München geholt hätte, hält im Jahre 2026 Blogs, Instagram, TikTok & Co. für neumodischen Schnickschnack und weist Journalist*innen, die sich darauf konzentrieren, die Tür.

Letztes Jahr wurde Supermunich von der Auftaktpressekonferenz Oktoberfest wieder ausgeladen. Heuer traf es vier weitere Social-Media-Kanäle. Und eben mich.

Denn manchmal sperrt das RAW Journalist*innen aus, weil man bei einer flüchtigen Recherche entdeckt, dass die Person (auch) bloggt. Also ab ins Kröpfchen. (Wie ich nachträglich erfahren habe, hat das RAW beim Wiesnanstich 2017 dagegen durchaus einen Blogger von Mucbook akkreditiert.) 

Die Pressestelle Oktoberfest behauptet in einer schriftlichen Erklärung zu dem Vorgang: „Da Sie bei Ihrer Anmeldung keine Zugehörigkeit zu einer Redaktion oder eine Tätigkeit als freier Journalist angegeben, sondern der von Ihnen angegebene Link ausschließlich auf Ihren Blog (https://nice-bastard.blogspot.com/) führt, wurden sie automatisch als Blogger eingestuft und erhielten - ebenso wie vier weitere Angemeldete – eine Absage. 

Nach den für diese Veranstaltung geltenden Akkreditierungsrichtlinien werden Blogs sowie Kanäle auf Social-Media-Plattformen grundsätzlich nicht berücksichtigt. Aufgrund von erhöhtem Arbeitsaufkommen auch im Vorfeld der Pressekonferenz war uns eine weitergehende Prüfung nicht möglich und wir entschuldigen uns dafür. 

In Ihrer Funktion als hauptberuflicher Journalist sind Sie selbstverständlich auf unserer PK morgen willkommen.“

Ich kann das nicht widerlegen, sondern nur bezweifeln, weil das Anmeldeformular für die Veranstaltung gestern bereits abgeschaltet war. Grundsätzlich gebe ich aber bei Online-Anmeldungen immer Vornamen, Nachnamen und als Auftraggeber oder Medium mein Redaktionsbüro Dolce Rita an und nie meinen Blog. Der einzige Verweis auf den Blog ist dann meine Mailanschrift dorin@dolcerita.de. Wer www.dolcerita.de aufruft, landet in meinem Blog, der aber so journalistisch ist, dass ihn etwa die „Abendzeitung“ wiederholt als Quelle für investigative Recherchen zitiert hat.

Aber kehren wir zum ersten Teil des oben genannten Disclaimers auf der Oktoberfest-Webseite des RAW zurück. Unsere Pressetermine sind Veranstaltungen für journalistisch tätige Personen, die sich der neutralen und objektiven Berichterstattung verpflichtet haben.“ 

Das RAW hat nämlich in seiner Ausladung an mich nicht geschrieben, dass Bloggende wie ich grundsätzlich von der Veranstaltung ausgeschlossen seien, sondern den Widerruf meiner Akkreditierung mit nur einem herabwürdigenden Satz erklärt: „Die Veranstaltung richtet sich ausschließlich an journalistisch tätige Personen, die sich der neutralen und objektiven Berichterstattung verpflichtet haben. “

Das RAW unterscheidet also Journalist*innen danach, ob sie – in den Augen dieser Behörde – neutral und objektiv berichten oder eben nicht. Gemeinhin benutzt man solche Ansätze, um ein Phänomen zu bekämpfen, das man auch von Kundgebungen kennt. Menschen, die sich hinter nicht amtlich anerkannten Presseausweisen verstecken, um von den Journalist*innen gewährten Freiheiten zu profitieren.

Dieser Satz erinnert auch an die – wesentlich besser formulierten – Einlassvorbehalte („Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von unseren Veranstaltungen ausgeschlossen.“ oder „Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören oder der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen. Das Gleiche gilt für Personen, die bereits in der Vergangenheit durch nationalistische, verschwörungsideologische, rassistische, antisemitische, antifeministische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind oder Parteien oder Organisationen angehören, die durch solche Äußerungen in Erscheinung getreten sind.“) von städtischen bzw. kommunalen Einrichtungen wie dem NS-Dokumentationszentrum, der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München (FIRM) oder der Fachstelle für Demokratie, die auf ihren Veranstaltungen keine störenden Nazis u. ä. dulden wollen. Im Gespräch mit dem RAW wurde dieser Kontext von mir auch angesprochen und dem keineswegs widersprochen.

In seiner schriftlichen Einlassung schlägt das RAW aber eine erstaunliche Volte. Der Satz „Unsere Pressetermine sind Veranstaltungen für journalistisch tätige Personen, die sich der neutralen und objektiven Berichterstattung verpflichtet haben, bezöge sich gar nicht auf Journalisten und die Qualität ihrer inhaltlichen Arbeit, sondern solle ausschließlich Blogger und Influencer ausschließen: „Der automatisch versandte Absagetext war als Unterscheidung von Journalisten und Bloggern zu verstehen und keinesfalls als Bewertung Ihrer persönlichen Arbeitsweise oder Ihrer Berichterstattung. Wir bedauern, dass die so verstanden werden kann, und werden diese Formulierung anpassen.“

Das scheint mir eine Schutzbehauptung zu sein, nachdem die Rathausfraktion ÖDP/BK/ML gestern meine Ausladung zu einer geharnischten Anfrage an den Oberbürgermeisten und an den Wirtschaftsreferenten nutzte: „Es ist nicht Aufgabe einer Behörde, journalistische Arbeit danach zu bewerten, ob sie aus ihrer Sicht ausreichend »neutral« oder »objektiv« ist. Die Pressefreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes besagt, dass keine Zensur stattfinden dürfe und schützt damit ausdrücklich auch kritische und unbequeme Berichterstattung. Gerade staatliche Stellen sind verpflichtet, Medien gleich zu behandeln und dürfen den Zugang zu Presseveranstaltungen nicht von einer inhaltlichen Bewertung der journalistischen Tätigkeit abhängig machen.“

Der Fraktionsvorsitzende Tobias Ruff legt in seiner begleitenden Presseerklärung noch eine Schippe drauf: „Wenn Behörden anfangen zu entscheiden, welche Journalistinnen und Journalisten 'objektiv genug' sind, um an Pressekonferenzen teilnehmen zu dürfen, dann ist das ein alarmierendes Signal. Solch ein Vorgehen kennt man eher aus autoritär geprägten Staaten als aus einer liberalen Demokratie. Die Pressefreiheit ist kein Privileg, das Behörden gewähren oder entziehen können, sondern ein Grundrecht. Wir erwarten von der Landeshauptstadt einen respektvollen Umgang mit allen Journalistinnen und Journalisten und die uneingeschränkte Achtung der Pressefreiheit. Freie Presse ist ein wichtiger Grundpfeiler einer lebendigen Demokratie.“

Die Fraktion erwähnt in ihrer Anfrage auch noch einen schillernden Nebenaspekt des Vorgangs. In der schriftlichen Einlassung des RAW an mich begründete man meine vorübergehende Ausladung noch mit Platzproblemen in der eher kuschligen Augustiner-Gaststätte, die früher eine Bedürfnisanstalt war: „Die Auftakt-Pressekonferenz zum Oktoberfest in der Gaststätte »Das Bad« kann jedoch aufgrund der räumlich begrenzten Kapazitäten leider nur mit einer begrenzten Zahl an Gästen stattfinden. Deshalb müssen wir im Vorfeld eine Auswahl treffen. Maßgebliches Kriterium für die Zulassung ist die Tätigkeit im redaktionellen Auftrag für ein journalistisches Medium. Diesen Vertreterinnen und Vertretern räumen wir aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten Vorrang ein.“

Hätte das RAW seine Absage ausschließlich mit Kapazitätsproblemen erklärt, hätte ich auch schwer widersprechen können. Als Verena Dietl im Januar zur Vorstellung der Panda-Pläne nach Hellabrunn lud, lehnte ihr Pressesprecher meine Akkreditierung beispielsweise mit diesem Argument ab. So ein Zoo ist ja auch nicht groß. Aber das RAW musste für seine Wiesn-Pressekonferenz zwanghaft auf die Frage neutraler und objektiver Berichterstattung rekurrieren.

Die Rathausfraktion ÖDP/BK/ML äußert angesichts der zur Pressekonferenz eingeladenen Ehrengäste aus dem Kreis der Wiesnwirte, Schausteller und Marktkaufleute sowie dem gesamtes Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft ihr Befremden, „dass offenbar Ehrengäste Zutritt zu einer Pressekonferenz erhalten, während einem Journalisten die Teilnahme verweigert wird. Eine Pressekonferenz dient der Information der Öffentlichkeit und ist kein Networking- Event zwischen Wirtschaft und Stadt.“

Das Platzproblem droht auch auf der ungleich größeren Theresienwiese, wenn ein paar Tage vor dem Anstich der traditionelle Wiesnrundgang des Oberbürgermeisters mit dem Wirtschaftsreferenten und der Presse stattfindet. Die Pressestelle des RAW äußerte mir gegenüber, dass es da heuer auch Kapazitätsprobleme gäbe und strenger ausgesiebt werden müsse. Auf meine ironisch gemeinte Frage, ob ich da auch wieder ausgeladen werden würde, kam die Antwort: „Da telefonieren wir noch einmal.“

Verena Dietl, die als Dritte Bürgermeisterin heute bei der Auftakt-Pressekonferenz auf dem Podium angekündigt ist und zugleich Vorsitzende im Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft ist, ließ eine Presseanfrage zu dem Vorgang unbeantwortet lässt durch ihren Pressesprecher betonen, dass sie „im Vorfeld dieser Pressekonferenz weder eingebunden in den Ablauf, noch verantwortlich für Pressezu- oder -absagen“ gewesen sei.

Update: Auf Initiative des von mir eingeschalteten Bayerischen Journalisten-Verbands hat das RAW inzwischen den Disclaimer auf seiner Oktoberfest-Webseite umformuliert: „Unsere Pressetermine sind Veranstaltungen für journalistisch tätige Personen, die sich zur Anerkennung der publizistischen Grundsätze des Pressekodex und damit unter anderem dazu, wahrheitsgetreu, sorgfältig und unbeeinflusst zu berichten, verpflichtet haben. Grundsätzlich nicht zugelassen sind Influencer und Blogger (m/w/d).“

In einer ersten Fassung dieses Blogeintrags bin ich heute Vormittag auf diese heimliche Aktualisierung hereingefallen. Jetzt steht hier im sechsten  und 19. Absatz wieder der Disclaimer, wie er bis gestern online war. Dokumentiert mit einem Screenshot.
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Mittwoch, 2. September 2015

Wiesn-Playmate 2015: Press-Nippel & Redaktionswirrwarr (Updates)

Einerseits ist das Wiesn-Playmate eines der größten Oxymora: ein Medienformat, dessen Erfüllung gerade in nackten Tatsachen gipfelt, mutet sich den Trachtenfasching zu. Und die Press-Nippel der diesjährigen Siegerin Jessica Kühne (übrigens nach Sarah Nowak Sarah Nowak und Ramona Bernhard schon wieder ein Playmate aus Günzburg) zeigen, wie schief das gehen kann.
Aber Playmates klicken. Wiesn klickt. Und ein Wiesn-Playmate klickt so gut, daß es ausgerechnet als Politik-Meldung der sz.de (in memoriam Rainer Brüderle?) gleich „meistgelesen“ ist. Wie bitte, Ressort Politik? Auch ohne Sakko und Budapester? 
Nun ja, der Online-Desk der „Süddeutschen Zeitung“ war ja in letzter Zeit wiederholt für Verwirrendes gut. Da wird ein gut ausgefülltes Dirndl auch mal von der Frühschicht – oder als Agenturbeitrag automatisch? – um 7.30 Uhr in die Politik gequetscht: „Die Zutaten für ein erfolgreiches Oktoberfest: Bier, Brezen und Brüste. Zumindest Teil drei gab's jetzt schon mal zu sehen - Jessica Kühne, Wiesn-Playmate 2015.“

Vom SZ-Teaser neugierig geworden? Tja... Im Lauf des Vormittags wurde die Reportage – trotz hervorragender Google-Plazierung – offenbar nicht in ein passenderes Ressort verschoben, sondern gleich vollständig gelöscht. 404.

Frustrierende Zahlen auch bei der sonst tittengestählten „BILD“-Redaktion. Aus den 87-62-86 86-62-87 des Wiesnplaymates werden dort, nicht etwa im Politikressort, sondern im Münchner Lokalteil, die „Traummaße 87-82-86“ „Traummaße 86-82-87“. Sozusagen das Wiesn-Playmate Plus.

Updates: Der „Playboy“ gibt auf seiner Webseite die Maße auch mit 86-82-87 an. Jetzt bin ich aber verwirrt... Auf den Bildern dort wirkt die Taille doch deutlich schmaler...


Und selbst im gedruckten Heft wird das Playmate des Monats Oktober mit stattlichen 86-82-87 angepriesen. Ich will jetzt nicht anfangen, wie die „Bunte“-Redaktion ohne Faktenwissen zu viel in Bilder hineinzuinterpretieren, aber ich habe doch einen Blick für Maße.
Also flugs beim „Playboy“ selbst nachgefragt, und tatsächlich bestätigt der Burda-Verlag: „Das ist - natürlich und bedauerlicherweise - ein Druckfehler. Der Taillenumfang der Dame, so hört man, misst in Wirklichkeit 62 Zentimeter.“

Donnerstag, 19. März 2015

Lüpfen wir einen auf den Liebster Award (stöckchenhalber)

Emmanuelle hat mich eingeladen, elf Fragen rund ums Trinken (Liebster Award) zu beantworten:

Und natürlich kann ich ihr diese Bitte nicht abschlagen. Da ich aber als Katzenfreund meine Vorbehalte gegenüber dem hündischen Stöckchensport hege, lade ich niemanden ausdrücklich dazu ein, zu apportieren. Ihr dürft die Fragen gern aufgreifen, und wer mich davon benachrichtigt, darf hoffen, von mir via Blog, Twitter und/oder Facebook erwähnt zu werden.

1. Was ist dein liebster Drink? 
Ein 102 (so nannte Serge Gainsbourg seinen doppelten 51). Pastis ist für mich zum Gaumenschmeichler geronnene Sonne. Im James T. Hunt haben sie für meine Pastis-Nachmittage eigens eine Glaskaraffe angeschafft.

2. Wann hast du das erste mal Alkohol getrunken? 
Als Volksschüler die Noagerl der Wiesn-Maß meiner großen Brüder.

3. Welchen Drink hast du am meisten bereut? 
Eine Cognac-Nacht im Park Café während der achtziger Jahre. Der erste und einzige Filmriß meines Lebens.

4. Bar oder Kneipe?
Bar! Die Frauen sind verführerischer, die Drinks spannender, die Kellner unnahbarer... Wenn bloß diese rüden Türsteher nicht wären.

5. Champagner oder Schaumwein? 
Champagner-Campari-Wodka. Journalisten meiner Generation tranken den Turbomix bereits mittags bei Pressekonferenzen mit Hollywood-Stars im Bayerischen Hof.

6. Mit wem würdest du gerne trinken? 
Esther.

7. Bei wem würdest du gerne trinken? 
Charles Schumann. Aber seitdem er vor zwei Jahren meinte, ich müßte ihm dankbar sein, bin ich nicht mehr in der Bar am Hofgarten gewesen.

8. Wie sieht deine Home Bar aus? 
Basics: Absolut Wodka, Jack Daniel's, Campari, Weißwein, Rotwein, Champagner, Augustiner, Updates: Pastis 51 und der großartige Soda-Syphon von Pachmayr – wenn für einen Normalverbraucher wie mich zu ergattern.
Nach Möglichkeit: Boukha Bokobsa, Old Grand-Dad, einen unverschnittenen karibischen oder südamerikanischen Rum, Single Malt, Grasovka.

9. Beschreib deine Eiswürfel. 
14 quaderförmige normale Eiswürfel.

10. Was ist deine Gin-&-Tonic-Empfehlung? 
Nach Möglichkeit meiden.

11. Wie bekämpfst du deinen Hangover?
Magnesium-Brausetablette und Aspirin möglichst noch bevor ich ins Bett gehe, Verveine am nächsten Tag. Gern auch Hering, Salzgurke oder ähnliches.
Im worst case eine kleine ungekühlte Cola über die Dauer einer Stunde in kleinen Schlucken trinken.
Meinen letzten Hangover hatte ich vor vierzehn Jahren, als ich in Strasbourg wohnte und pro Nacht zwischen 250 und 500 Gramm Wodka im Abattoir verputzte. Aber ich war damals auch unglücklich mit einer Belorussin liiert.


Montag, 3. Oktober 2011

Solar to go: Auf der Wiesn

Ein Masterplan erfordert kunstvolle Ränke. Da reicht nicht der schlagend einleuchtende Gedanke, neben zwei oder vier Weißwürsten auch drei anzubieten. Damit dereinst in der Augustiner Festhalle tatsächlich mal drei Weißwürste auf der Karte stehen, nennen wir es der Einfachheit halber den „Popa“, muß ich mich wohl erst einmal selbst vor Ort etablieren. Als Gast. Letztes Jahr nutzte ich dabei Puschels Dienste, um aufzufallen.
Heuer schien mir das Sonnensegel ein angemessenes Accessoire, um mich für bleibende Erinnerung zu qualifizieren. Denn wirklich notwendig war es nicht, die Box neu aufzuladen. Schließlich hat der Energiekoffer noch immer volle Power. Andererseits wollte ich die Wiesn nicht ungenutzt lassen. Zumal Lars Kirchner, der Hersteller des Energiekoffers, neulich erzählte, daß es ihm noch nie gelungen sei, bei einem Flug den Koffer mit an Bord nehmen zu dürfen. Und das nicht etwa, weil die Kiste mit 15 Kilo das zulässige Höchstgewicht überschreitet, sondern weil die Sicherheitskontrollen dem Ding nicht trauen.
Die Polizei und Security auf der Wiesn waren da dieses Wochenende weniger mißtrauisch. Welcher Kofferbomber würde seine explosive Überraschung auch derart grell gestalten? Obwohl – frei nach Sir Arthur Conan Doyle – wohl vielleicht gerade diese Auffälligkeit am unauffälligsten wäre.
Jedenfalls bin ich problemlos bis in den Biergarten der Augustiner Festhalle geraten, wo ich es mir bequem machte, während unmittelbar nebenan hunderte um Einlaß ins Zelt kämpften. Die Kofferschlepperei war nur l'art pour l'art. Im Unterschied zum Bloggertreffen letzte Woche war mein iPhone diesmal voll aufgeladen, und ich blieb auch nicht lange genug, um es an den Rand seiner Akkulaufzeit zu bringen.
Der Energiekoffer war auch voll geladen. Aber wo ich schon einen Platz an der Sonne hatte und direkt hinter mir an der Wand zur Festhalle praktischerweise ein paar Nägel plaziert waren, holte ich nichtsdestotrotz den faltbaren Kollektor aus dem Koffer und hing ihn in meinem Rücken auf.
Doch nicht nur, daß sich kein Sicherheitsbeamter für meinen Koffer interessiert hatte, auch das Sonnensegel weckte kein Interesse: weder bei den Mitarbeitern, noch bei den anderen Gästen. Für Gaukler wie mich sollte es das Solarmodul mit schickem Aufdruck geben. Vielleicht war die Wiesn aber auch einfach der falsche Ort.
Ab morgen wird wieder gearbeitet. Und der Energiekoffer dann erst richtig zum Einsatz kommen. Und nicht nur zum Posen.

Von unterwegs twittere ich zu dem Thema unter dem Hashtag #energybox.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Sepp verkrätzt normale Gäste

Das sind mir die liebsten Traditionswahrer: die Wiesn in eine glitzernde Bling-Bling-Arena verwandeln, Schampus in Steingut ausschenken und dann den konservativen Heimatschützer spielen... Wie die „Abendzeitung“ berichtet und ihr Reporter beim Fact-Checking am eigenen Leib erfuhr, weisen die Türsteher im Hippodrom abends Gäste ab, wenn sie keine Tracht haben – und keine Reservierung. Festleiterin Gabriele Weishäupl will jetzt mit dem (magenkranken? verkniffenen?) Hippodrom-Wirt Sepp Krätz ein „klärendes Gespräch“ führen, um „Liberalität und Freizügigkeit“ zu wahren. Reden ist gut, von der Wiesn schmeißen wäre aber sicherlich wirksamer.

Donnerstag, 25. September 2008

Freitagsandacht

Daß – in einer völlig unrepräsentativen Umfrage – zwanzig Prozent der Befragten im Augustinerzelt die Linkspartei wählen würden, zeigt, daß sich politisches Denken und Wiesn nicht ausschließen müssen. Morgen früh wird deshalb am neuen Mahnmal des Oktoberfest-Attentats gedacht. Ab 9 Uhr still von der DGB-Jugend. Ab 9.30 Uhr folgt dann eine Ansprache, zu der die Petersturmmusik aufspielt.

Mittwoch, 24. September 2008

Dahlmann-Disclaimer Spezial

Alle meine Blogbeiträge während der Wiesn sind vor, nach oder während des Genusses von Festbier geschrieben worden.

Wiesn-Mantra

Vielleicht wird nicht getanzt. Vielleicht wird nicht gevögelt. Aber bei Gott: Es gibt gebrannte Mandeln!

Freitag, 19. September 2008

Montag, 15. September 2008

Wiesn-Derbleckn

Leider nimmt die tägliche „AZ“-Beilage „Die Stadt“ wegen ihres ungewöhnlichen Formats und unscheinbaren Äußeren meist den Weg unerwünschter Werbung und landet ungelesen im Papierkorb. Dabei stöbert Adrian Prechtels Team immer wieder schöne Dinge auf, wie etwa die Lebkuchenherzen der Kunstbehandlung. Statt sich Schatzi, Mausi und abgedroschene Liebesschwüre umzuhängen, kann man jetzt bayerisch-grantelnd auf die Wiesn gehen: Wer mit Statements wie „Du kleine Mistpritschn!“, „Du gwamperter Pfui Deifi“ oder „You’re a pain in the ass“ nicht glücklich wird, kann auch Sonderwünsche äußern. Nur bitte nicht das „Lodenluder“ bestellen, damit rennen sicher die ganzen Aggro-Grünwald-Groupies demnächst herum.