Andere behelfen sich dann vorübergehend mit Ziegelsteinen als Stütze, ich packte einen Stapel Bücher unter die linke Betthälfte. Drei Jahrzehnte hat mir mein Doppelbett nun gute Dienste geleistet. Erworben habe ich es Mitte der 1990er-Jahre in Berlin, in einem Fachgeschäft in der Potsdamer Straße, das regelmäßig im „tip“ warb. Wenn ich mich recht erinnere Kirschholz, um die 1500 Mark.
Als ich 1983 das erste Mal nach Westberlin gezogen war, hatte ich noch eins jener Betten dabei, mit denen Radio Freies Europa den Haushalt meiner Eltern Mitte der 1950er-Jahre aus US-Army-Beständen ausgestattet hatte. Etwas länger und breiter als die deutschen Normbetten. Irgendwann, bei meinen ständigen Umzügen innerhalb von und zwischen München und Berlin ging es dann kaputt und ich stieg auf ein Pappbett um, das erstaunlich stabil war und mir lange gute Dienste bot.
Die Betten wechselten, aber etwas blieb. Stets weiße Bettwäsche und immer Kissen und Decken für zwei, selbst wenn ich allein lebte. (Als ich während meiner Münchner Jahre mal in Berlin zu Besuch war und in einer Pension landete, in der sonst Drückerkolonnen absteigen, musste ich in einem schmalen Bett mit Michael-Schumacher-Bettwäsche übernachten. Widerwillig, äußert widerwillig.)
Oft war mein Bett auch bei Freunden im Keller oder bei Zapf eingelagert, weil ich als Untermieter von möblierter Wohnung zu möblierter Wohnung zog. Das Berliner Modell: Lebenskünstler mit Wohnberechtigungsschein vermieteten ihre billige Sozialwohnung mit Aufschlag an Leute wie mich und leben von der Differenz. Dann konnte ich mir schließlich wieder eigene Wohnungen leisten. In Straßburg (Burda!) und München (Springer!) sogar Drei-Zimmer-Wohnungen. Eines zum Fernsehen, eines zum Arbeiten, eines zum Schlafen. Bis mir das zu dumm war und ich mich auf ein Zimmer gesundschrumpfte.
Mein massives Berliner Doppelbett überstand die Ortswechsel gut. Parkettböden bekamen ihm dagegen weniger gut, da neigte es dazu, durch den Raum zu wandern, wenn ich nicht allein war und nicht schlief. Gummistopper unter den vier Bettpfosten beendeten die Wanderlust. Möglicherweise ein Fehler, denn die kinetische Energie suchte sich einen anderen Weg: Das Bett krachte mitten im Akt zusammen. Wir hatten mit unseren Schwingungen den Holzpfeiler, der den Lattenrost in der Mitte des Bettes stützte, gecrasht. Und konnten darauf nur mit herzlichem Lachen reagieren.
Mein Bett war auch eine begehrte Kulisse. Als der „Stern“ einmal über das Sexleben der Generation 40+ berichtete und auch mich dafür interviewte („Lust ohne Last, Sex ohne Scham, Gefühle ohne Grenzen“), musste ich zur Bebilderung unter anderem im Gaddafi-T-Shirt auf meinem Bett stehend posieren.
Ein Jahr später hatte ich mal wieder einen Durchlauf meines Pop-up-Stores 100 Tage Bücher, aus dem ich täglich in einem eigenen Blog berichtete. Nur sonntags gab es nichts zu berichten, weil der Laden geschlossen war. Also kreierte ich die Rubrik Sleepy Sunday, in der ich statt aus der Buchhandlung mehr oder weniger nackte Tatsachen aus meinem Bett bloggte.
Auch Frauen nutzten mein Bett gern als Requisite. Sei es I. für ihr Fotoprojekt, bei dem sie im Alter von Ende 20, Anfang 30 sonst für Profis posierte, um dann zu ihrem 40. eine Ausstellung dieser Aktbilder au präsentieren. Sei es L., die freizügige Bilder wünschte, um sie ihren zahlreichen Lovern zukommen zu lassen.
Vielleicht war das alles meinem Bett zu viel geworden. Auch wenn sich inzwischen weit weniger Aufregendes darauf abspielt. Wenn jetzt ab Februar die Sonne hoch genug steht, um über die Dächer zu scheinen, ist mein Bett der bequemste Platz, um mich bei geöffnetem Fenster zu sonnen. So lange die Bücher mich noch tragen.

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