Wohl Mitte der 1930er-Jahre bis Anfang der 1940er-Jahre arbeitete mein Vater (2. von links) in Bukarest für
Pamfil Șeicarus Tageszeitung „Curentul“. Anfangs als
Redakteur, später stieg er zum Redaktionssekretär („secretar general de redacție“) auf.
René Al. de Flers zufolge müsste das 1940 gewesen sein. Da war er gerade mal 27 Jahre alt.
Was macht nun ein Redaktionssekretär? Im „Almanachul ziarului Curentul 1940“ präsentiert Șeicaru seinen Verlagspalast und erklärt den Leser*innen, aus welchen unterschiedlichen Abteilungen sich eine Tageszeitung zusammensetzt. Zum Redaktionssekretär schreibt er (Übersetzung weiter unten):
„La secretarul de redacție se concentrează manuscrisele tuturor acelora pe cari i-am prezentat mai sus. Și cu el începe adevărata turnare a ziarului în forme. El trebue să coordoneze și să claseze tot materialul informativ, redacțional, reportericesc. El indică litera cu care urmează a fi prezentat acest material, după cum tot el hotărăşte asupra titlurilor articolelor și reportagiilor în cadrul paginației pe care tot el o supraveghează. Fiind in centrul ziarului, secretarul de redacție trebue să îngrijească de a-l prezenta in condițiunile cele mal bune. El trebue să păstreze atât linia de conduită a ziarului cât și să coordoneze materialul informativ ce i se aduce, pentru ca nu cumva să apară în ziar o știre de două ori chiar într'o redactare identică, nici într'o redactare care să anuleze pe una din ele.“
„Der Redaktionssekretär sammelt alle Manuskripte der zuvor genannten Mitarbeitenden. Und damit beginnt die eigentliche Zeitung Gestalt anzunehmen. Er koordiniert und gewichtet alle Nachrichten, redaktionellen Beiträge und Reportagen. Er legt fest, wie die Beiträge präsentiert werden, bestimmt die Überschriften und die Gestaltung der von ihm betreuten Seiten. Da er die Schaltzentrale der Redaktion darstellt, ist der Redaktionssekretär dafür verantwortlich, den Inhalt bestmöglich zu präsentieren. Er muss sowohl die redaktionelle Linie der Zeitung wahren als auch die ihm zugeführten Inhalte so koordinieren, dass keine Nachricht zweimal in derselben Ausgabe erscheint, weder als Dublette noch in zwei einander widersprechenden Ausführungen.“ Im Französischen gibt es den identischen Ausdruck secrétaire de rédaction, im Deutschen wäre es wohl eine Mischung aus Textchef und Chef vom Dienst.
Auf dem ersten Bild ganz oben habe ich neben meinem Vater bisher nur einen weiteren Redakteur des „Curentul“ identifizieren können. Ganz links sitzt wohl der im Oktober 1941 verstorbene Paul Costin, Leiter des Ressorts Reportagen. Der Brillenträger am rechten Bildrand oben und neben meinem Vater unten taucht auf vielen Fotos von Presseterminen und Redaktionsveranstaltungen in Bukarest Ende der 1930er-, Anfang der 1940er-Jahre auf, aber ich habe noch nicht seine Identität klären können.
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