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Donnerstag, 9. Juli 2026

München entsorgt seine Wertstoffmobile (Update)

Wenn es einen Themenbereich gibt, auf den die Grünen im Allgemeinen und die von ihnen dominierte Landeshauptstadt München im Besonderen Wert legen, dann sind es Nachhaltigkeit und Zero Waste. Ein niedrigschwelliges Angebot waren da die beiden Wertstoffmobile. Denn wer nimmt schon die kilometerweite Anfahrt zu einem der zwölf Wertstoffhöfe am Stadtrand auf sich, wenn nur eine Energiesparlampe, ein Kabel, ein Plastikeimer, eine Bratpfanne oder ein Toaster zu entsorgen sind?

Die beiden Wertstoffmobile waren in zwei alltagstauglichen Touren, Ost und West, an täglich bis zu fünf Standorten jeweils 30 bis 45 Minuten erreichbar. Insgesamt 41 Standorte, zwischen Mangfallplatz und Moosacher St. Martinsplatz, Partnachplatz und Curt-Mezger-Platz, quer durch die ganze Stadt, und somit meist einer in fußläufiger Nähe für die Münchner*innen. Dezentral und zugleich flächendeckend. Ein „Wertstoffhof vor Ort“ statt weitab in der Vorstadt.

Anfang Mai wurde das Angebot dann eher still und heimlich um die Hälfte gekürzt. Statt täglich paralleler Touren in Ost und West wechselten sich die Strecken jetzt im Turnus ab. In geraden Kalenderwochen war ein Wertstoffmobil auf der Tour Ost unterwegs, in ungeraden Kalenderwochen auf der Tour West. Auf der Webseite wurde darauf hingewiesen, wer aber nur auf die Wochentage achtete und nicht auf die diese wöchentliche Einschränkung erwähnende Präambel, wartete oft vergebens. 

Und während die Stadtverwaltung sonst serviceorientiert jede kleinste Änderung in ihrer „Rathaus-Umschau“ vermeldet, wurde die radikale Eindampfung des Wertstoffmobil-Kalenders verschwiegen.

Und selbst in der richtigen Kalenderwoche gab es keine Gewähr fürs Wertstoffmobil. Aus „personellen Gründen“ fiel schon mal eine Tour oder ein Teil davon weg. wie etwa heute. Die Tour West musste vorzeitig abgebrochen werden. Die Standplätze Giesinger Bahnhof und Bad-Schachener-Straße entfielen.

Auf meine Anfrage vorgestern hinsichtlich einer Erklärung für die Reduzierung reagierte heute die Pressestelle des Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) mit einer Hammer-Antwort. Man plant, das Angebot zum Jahresende vollständig einzustellen: „Das Wertstoffmobil war von Anfang an als Pilotprojekt konzipiert. Die Auswertung des Pilotprojekts zeigt, dass dieses Angebot von den Bürger*innen nur in vergleichsweise geringem Umfang angenommen wurde. Gleichzeitig verursacht der Betrieb weiterhin einen erheblichen personellen und finanziellen Aufwand, der in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung steht. In die Bewertung sind neben wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekten auch ökologische Gesichtspunkte eingeflossen. Da den Münchner*innen weiterhin flächendeckend stationäre Wertstoffhöfe und weitere Entsorgungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, lässt sich der zusätzliche Ressourceneinsatz für das Wertstoffmobil insgesamt nicht mehr rechtfertigen. 

Immer noch nur ein „Pilotprojekt“, selbst nach rund 15 Jahren? Statt Abfallvermeidung und Recycling gewinnt nun das Spardiktat die Oberhand. Einserseits ist der AWM gesetzlich verpflichtet, kostendeckend zu arbeiten. Aber dieser radikale Einschnitt klingt auch nach einer Abkehr von der Ressourcen schonenden Kreislaufwirtschaft um jeden Preis und einer möglichen strategischen Neuausrichtung des AWM, jetzt, wo das alte Abfallwirtschaftskonzept ausläuft. Die Zeiten, in denen das Kommunalreferat versprach, beim Service nicht sparen zu wollen, scheinen vorbei. Die vom AWM vorgestellte Alternative ist nur eine Blendgranate:

Bürger*innen können Elektroaltgeräte problemlos im Handel abgeben. Alle Händler*innen, die Elektrogeräte verkaufen und eine bestimmte Verkaufsfläche aufweisen (400 m2 für Elektrogeräte und 800 m2 Gesamtverkaufsfläche bei Supermärkten/ Discountern, die Elektrogeräte anbieten) sind dazu verpflichtet, kleinere Elektroaltgeräte zurückzunehmen.“

Dabei bilden Elektroaltgeräte nur einen Teil des vom Wertstoffmobil verantwortungsbewusst einzusammelnden Mülls. Kunststoffschüsseln, Eimer, Gießkannen, Kochtöpfe, Pfannen, Armaturen, Beschläge für Türen und Fenster, Besteck, Metallwerkzeuge, Rohrabschnitte, Blechreste, Flaschenkorken, DVDs, CDs, Kunststoffröhren und E-Zigaretten werden wohl damit wieder ein Fall für den Restmüll – oder im Glücksfall teilweise auch für die neue gelbe Tonne.

Update vom 14. Juli 2026: Bei einem kleinen Fact-Check heute am Josephsplatz scheint die Pressestelle des AWM widerlegt: Das Wertstoffmobil erfreut sich großer Nachfrage, ständig bringen die Leute Nachschub zum Recyceln. Einige haben offenbar schon davon gehört, dass der bereits ausgedünnte Service zum Jahresende vollständig eingestellt wird und äußern ihr Bedauern. Die Mitarbeiter des AWM teilen ihr Bedauern und bestätigen den von der Stadtverwaltung bestrittenen Erfolg ihres Angebot: „Angenommen wird's wie blöd. Gerade von den älteren Leuten, die kein Auto haben, um zum Wertstoffhof zu fahren.“

(Fotos: Benjamin Neudek, Dorin Popa)


Donnerstag, 24. Oktober 2024

Covid-19-Herbstwelle: Landeshauptstadt erlässt ein Beschäftigungsverbot (Updates)

Radikale Maßnahmen werden nur noch recht unterschwellig kommuniziert: Seit gestern Mittag kursiert in  unterschiedlichen Referaten und Eigenbetrieben der Landeshauptstadt München eine Dienstanweisung, um schwangere Mitarbeiterinnen vor der Corona-Herbstwelle zu schützen.

Auslöser war eine vorgestern vom Zentralen Betrieblichen Gesundheitsmanagement im Personal- und Organisationsreferat (POR) an Führungskräfte verschickte Dienstanweisung.Wie bereits früher etwa bei Grippewellen wurden diesmal angesichts der gestiegenen SARS CoV-2-Infektionen Schutzmaßnahmen erlassen. Schwangere Mitarbeiterinnen der Landeshauptstadt dürfen bis auf weiteres nicht mehr im Parteiverkehr mit unmittelbarem Kontakt zu mehr als 15 Personen pro Tag oder zur Kinderbetreuung (inklusive Schulen) eingesetzt werden.

So einheitlich diese Regelung ist, so unterschiedlich scheint in den Referaten und Eigenbetrieben damit weiter verfahren worden zu sein. Zeitlich: Manche erfuhren noch am selben Tag davon, andere erst gestern. Inhaltlich: Mal ist konkret vom Limit der 15 Personen pro Tag die Rede, mal nur allgemein von „erhöhtem Parteiverkehr“: 

„Sie sind schwanger und arbeiten in einem Bereich mit erhöhtem Parteiverkehr bzw. sind Führungskraft und beschäftigen eine werdende Mutter? Aufgrund der aktuellen Entwicklung von Corona SARS-CoV-2 dürfen ab sofort alle schwangeren Mitarbeiterinnen nicht mehr in Bereichen eingesetzt werden, in denen ein erhöhter Parteiverkehr mit direktem Kontakt aufkommt.“

Und während im hier zitierten obigen Screenshot des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) angesichts seiner Aufgaben nur die Regelung für Einsätze mit erhöhtem Kundenverkehr berücksichtigt wird, aber die Vorgabe zur Kinderbetreuung unterschlagen wird, wies beispielweise das Baureferat in den mir vorliegenden Auskünften seine Mitarbeitenden auf beide Aspekte hin.

In manchen Referate und Eigenbetrieben sollen „alle Führungskräfte“ verständigt worden sein, in anderen liegt der Verdacht nahe, dass nur Führungskräfte eingeweiht wurden, deren Mitarbeitenden im Publikumsverkehr oder bei der Kinderbetreuung zum Einsatz kommen, während andere Führungskräfte überhaupt erst durch meine Anfrage von dem Vorgang erfuhren.

Ebenso wurden die Informationen je nach Referat und Eigenbetrieb sehr unterschiedlich gestreut, mal per Mail, mal auf den eigenen Seiten im städtischen Intranet WILMA.

Die offenbar uneinheitliche Handhabung war aber nicht abschließend zu klären, da alle von mir angeschriebenen Referate und Eigenbetriebe wie auch das Presseamt der Landeshauptstadt unisono auf das POR verwiesen und eigene Angaben zum Vorgang verweigerten oder erst gar nicht antworteten.

So blieb es nur bei einer allgemeinen Stellungnahme des POR mir gegenüber: „Arbeitgeber sind verpflichtet, schwangere Mitarbeiterinnen besonders zu schützen. Bei sich abzeichnenden Krankheitswellen in Bezug auf das Stadtgebiet München, wie z.B. SARS-CoV-2 und Influenza, spricht die Landeshauptstadt München als Arbeitgeber gemäß Mutterschutzgesetz ein befristetes betriebliches Beschäftigungsverbot aus, um werdende Mütter vor Gesundheitsgefahren zu schützen. 

Grundlage hierfür ist immer eine Empfehlung des betriebsärztlichen Dienstes. Die Geschäftsleitungen der Referate und Eigenbetriebe werden in solchen Fällen durch das Personal- und Organisationsreferat per Rundschreiben informiert, die jeweiligen Einheiten geben diese Information dann an ihre Beschäftigten weiter. Werdende Mütter sind für die Zeit des befristeten betrieblichen Beschäftigungsverbotes vorübergehend in einem anderen Bereich ohne Kontakt zu Kindern und ohne starken Publikumsverkehr einzusetzen oder, wenn das nicht möglich ist, freizustellen. 

Wie viele städtische Beschäftigte aktuell zur Zielgruppe gehören, wird nicht zentral erfasst.“

Die „Abendzeitung“ vom 25. Oktober greift das Thema auf und schenkt mir online sogar einen Link.

Donnerstag, 5. September 2024

Ausnahmezustand bei der Münchner Müllabfuhr

Warum soll es bei der Abfallwirtschaft besser zugehen als bei der Personenbeförderung? Ob AWM oder MVG, hier wie dort plagt Fachkräftemangel den alltäglichen Reparaturbetrieb und sorgt für ungewöhnlich lange Fahrzeugausfälle. Bei Tram und U-Bahn leidet dann der Takt darunter, bei der Müllabfuhr die Optik.

Da sammeln dann Leihfahrzeuge in ungewohntem Grau den Münchner Müll ein statt der eigenen krachend orangenen Fahrzeugflotte. Einerseits betont der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb, dass es durchaus alltäglich sei, wenn 34 bis 40 Fahrzeuge zur Wartung, Inspektion oder für unvorhergesehene Reparaturen in der Werkstatt stünden. Die anstehenden Reparaturen beträfen alle Komponenten an einem Müllfahrzeug und nicht nur einen Hersteller bzw. Lieferanten wie MAN oder Faun. Aber „grundsätzlich sind im Fuhrpark des AWM genügend Reservefahrzeuge vorhanden, um derartige Ausfälle zu substituieren.“

Andererseits muss der AWM auf Nachfrage eingestehen, dass die Landeshauptstadt dennoch trotz der eigenen Reservefahrzeuge aktuell weitere elf Nutzfahrzeuge anmieten musste davon sechs bis sieben Abfallsammelfahrzeuge. Der Rest sind Abroller und Abkipper.

An die Fremdfahrzeuge werden sich die Münchner*innen gewöhnen müssen. „Durch die Veränderung der Lieferketten, Zentralisierung von Logistikcentern und Umstrukturierungen einiger Firmen haben sich die Lieferzeiten von Ersatzteilen im Allgemeinen deutlich erhöht. Ein weiterer Grund für den Engpass ist der Fachkräftemangel, der sich auf die Instandsetzungszeiten der Hersteller auswirkt. Eine Verbesserung ist auch nach Rücksprache mit den Herstellern noch nicht absehbar.“

Update: Die „Abendzeitung“ vom 11. September hat den Müllwagen-Notstand jetzt auch aufgegriffen.