Die beiden Wertstoffmobile waren in zwei alltagstauglichen Touren, Ost und West, an täglich bis zu fünf Standorten jeweils 30 bis 45 Minuten erreichbar. Insgesamt 41 Standorte, zwischen Mangfallplatz und Moosacher St. Martinsplatz, Partnachplatz und Curt-Mezger-Platz, quer durch die ganze Stadt, und somit meist einer in fußläufiger Nähe für die Münchner*innen. Dezentral und zugleich flächendeckend. Ein „Wertstoffhof vor Ort“ statt weitab in der Vorstadt.
Anfang Mai wurde das Angebot dann eher still und heimlich um die Hälfte gekürzt. Statt täglich paralleler Touren in Ost und West wechselten sich die Strecken jetzt im Turnus ab. In ungeraden Kalenderwochen war ein Wertstoffmobil auf der Tour Ost unterwegs, in geraden Kalenderwochen auf der Tour West. Auf der Webseite wurde darauf hingewiesen, wer aber nur auf die Wochentage achtete und nicht auf die diese wöchentliche Einschränkung erwähnende Präambel, wartete oft vergebens.
Und während die Stadtverwaltung sonst serviceorientiert jede kleinste Änderung in ihrer „Rathaus-Umschau“ vermeldet, wurde die radikale Eindampfung des Wertstoffmobil-Kalenders verschwiegen.
Und selbst in der richtigen Kalenderwoche gab es keine Gewähr fürs Wertstoffmobil. Aus „personellen Gründen“ fiel schon mal eine Tour oder ein Teil davon weg. wie etwa heute. Die Tour West musste vorzeitig abgebrochen werden. Die Standplätze Giesinger Bahnhof und Bad-Schachener-Straße entfielen.
Auf meine Anfrage vorgestern hinsichtlich einer Erklärung für die Reduzierung reagierte heute die Pressestelle des Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) mit einer Hammer-Antwort. Man plant, das Angebot zum Jahresende vollständig einzustellen: „Das Wertstoffmobil war von Anfang an als Pilotprojekt konzipiert. Die Auswertung des Pilotprojekts zeigt, dass dieses Angebot von den Bürger*innen nur in vergleichsweise geringem Umfang angenommen wurde. Gleichzeitig verursacht der Betrieb weiterhin einen erheblichen personellen und finanziellen Aufwand, der in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung steht. In die Bewertung sind neben wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekten auch ökologische Gesichtspunkte eingeflossen. Da den Münchner*innen weiterhin flächendeckend stationäre Wertstoffhöfe und weitere Entsorgungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, lässt sich der zusätzliche Ressourceneinsatz für das Wertstoffmobil insgesamt nicht mehr rechtfertigen.
Immer noch nur ein „Pilotprojekt“, selbst nach rund 15 Jahren? Statt Abfallvermeidung und Recycling gewinnt nun das Spardiktat die Oberhand. Einserseits ist der AWM gesetzlich verpflichtet, kostendeckend zu arbeiten. Aber dieser radikale Einschnitt klingt auch nach einer Abkehr von der Ressourcen schonenden Kreislaufwirtschaft um jeden Preis und einer möglichen strategischen Neuausrichtung des AWM, jetzt, wo das alte Abfallwirtschaftskonzept ausläuft. Die Zeiten, in denen das Kommunalreferat versprach, beim Service nicht sparen zu wollen, scheinen vorbei. Die vom AWM vorgestellte Alternative ist nur eine Blendgranate:
Bürger*innen können Elektroaltgeräte problemlos im Handel abgeben. Alle Händler*innen, die Elektrogeräte verkaufen und eine bestimmte Verkaufsfläche aufweisen (400 m2 für Elektrogeräte und 800 m2 Gesamtverkaufsfläche bei Supermärkten/ Discountern, die Elektrogeräte anbieten) sind dazu verpflichtet, kleinere Elektroaltgeräte zurückzunehmen.“
Dabei bilden Elektroaltgeräte nur einen Teil des vom Wertstoffmobil verantwortungsbewusst einzusammelnden Mülls. Kunststoffschüsseln, Eimer, Gießkannen, Kochtöpfe, Pfannen, Armaturen, Beschläge für Türen und Fenster, Besteck, Metallwerkzeuge, Rohrabschnitte, Blechreste, Flaschenkorken, DVDs, CDs, Kunststoffröhren und E-Zigaretten werden wohl damit wieder ein Fall für den Restmüll – oder im Glücksfall teilweise auch für die neue gelbe Tonne.
(Foto: AWM)

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