Damals saß der zu zehn Jahren Haft verurteilte Jurist noch zusammen mit Maria Kalesnikawa und den anderen Mitgliedern des oppositionellen belarussischen Koordinierungsrates im Gefängnis.
Die Buchpremiere seiner bei Suhrkamp verlegten, großartig verdichteten Knast-Anekdoten wurde daher am 5. Februar 2023 in seiner Abwesenheit im Berliner Gorki-Theater gefeiert. Herta Müller (Foto) las die Miniaturen aus dem Gefängnisalltag. Tatsiana Khomich – Schwester der Aktivistin und Künstlerin Kalesnikawa und Repräsentantin für politische Gefangene des Koordinierungsrates von Belarus, die Lektorin Katharina Raabe und Müller sprachen anschließend über die Texte Znaks und die Situation der politischen Gefangenen in Belarus.Nach mehreren Jahren Einzelhaft und dann gelockerten Bedingungen wurde Znak schließlich gemeinsam mit Kalesnikawa und weiteren 121 Gefangenen auf Vermittlung der USA am 13. Dezember 2025 freigelassen und in die Ukraine abgeschoben.
Zur Zeit wohnt der sonst in Warschau lebende Znak im Literarischen Colloquium am Berliner Wannsee mit 17 weiteren Autor*innen aus aller Welt. Einmal monatlich stellen sich ein paar von ihnen in einer Art literarischem Speed-Dating vor: „Food for Thoughts – Das Hausgäste-Bankett“ tischt für günstige neun Euro ein Drei-Gänge-Menü auf, das sieben Mal durch einen siebenminütigen Auftritt dort residierender Schriftsteller*innen unterbrochen wird. Mal gibt es Lyrik, mal ein paar Seiten aus einem unveröffentlichten Romanmanuskript.Znak trat gleich zweimal auf. Zu Beginn empfing er bereits die eintrudelnden Besucher*innen mit ein paar belarussischen Liedern, ohne vorgestellt zu werden. Am Ende der Veranstaltung, sozusagen als Haupt-Act und ohne jede zeitliche Beschränkung auf nur sieben Minuten, wurde er dann namentlich eingeführt und sang weitere Lieder auf Englisch und Belarussisch.
Er erzählte von den Bedingungen der Einzelhaft und wie er seine Manuskripte aus dem Gefängnis schmuggelte. Während die Oppositionellen zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt worden waren, saßen unter ihnen auch normale Kriminelle, die bereits nach wenigen Monaten auf freien Fuß kamen. Und freundlicherweise Znaks Schriften mitnahmen.
Diesen Herbst wird sein nächstes Buch auf Belarussisch und dann im Februar bei Suhrkamp auf Deutsch erscheinen.
Zuvor wird der Jurist auf einer Vortragsreihe die US-amerikanischen Spitzenuniversitäten abklappern, um mit Rechtswissenschaftler*innen darüber zu reden, wie man verhindern kann, dass ein Rechtsstatt in den Totalitarismus abgleitet.
Znak singt und schreibt aber nicht nur. Er schwimmt auch täglich vor der Haustür im Wannsee. Dem Vernehmen nach eine mehrere Kilometer weite Strecke bis zum Grunewald und zurück.



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