Mittwoch, 21. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (21) und das kyrillische Rumänisch

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Schriftsprache war Kirchensprache. Und die orthodoxen Nationen nutzten im Unterschied zu den Katholiken nicht das lateinische Alphabet, sondern die aus dem Phönizischem abgeleiteten griechischen oder kyrillischen Schriftsysteme. So auch Rumänien seit dem 16. Jahrhundert, obwohl es sich bei Rumänisch nicht um eine slawische Sprache handelt, sondern um eine romanische.

Erst Mitte der 1860er-Jahre wurde das rumänisch-kyrillische Alphabet – nach einer Zwischenphase mit einem Übergangsalphabet, das Buchstaben beider Schriften enthielt – durch die lateinischen Schrift abgelöst. Doch die kyrillische Schrift blieb vereinzelt bis in die 1920er-Jahre in Gebrauch.

Und mein 1913 geborener Vater Ion Popa erzählte, dass er als Kind im westmoldauischen Focșani gelernt hat, noch auf Kyrillisch zu schreiben.

(Foto: Anton Panns „Bazul teoretic și practic al muzicii bisericești sau Gramatica melodică“, 1845, via Wikipedia)

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