Stammt mein Vater nun aus der Kreisstadt Focșani oder dem dörflichen Vereşti? Die Angaben dazu weichen voneinander ab. Doch seinen Erzählungen zufolge vermutete ich immer eine eher ländliche denn städtische Herkunft. Andererseits lebten seine Mutter und zwei seiner Geschwister, seine Schwester Vasilica Balaban und sein Bruder Dumitru („Mitică“), laut der Securitate nach dem Krieg in Focșani, während Polixenia („Pusy“) offenbar wie mein Vater zwischen den Weltkriegen nach Bukarest gezogen und dort verheiratet war.
Meine Halbschwester Anka betont, dass sich die Securitate auch mal irren konnte, und mein Vater definitiv in Focșani geboren war.
Als einzige der Geschwister meines Vaters hat Vasilica uns einmal im Münchner Exil Anfang der 1970er-Jahre besucht. Und sie stammte für mich eindeutig vom Land. Andererseits: Was weiß ich von den Lebensbedingungen in einer rumänischen Kreisstadt zu dieser Zeit?Jedenfalls sah Vasilica am Stachus zum ersten Mal in ihrem Leben eine Rolltreppe.
Und auf dem Klo hielt sie es, wie sie es offenbar von daheim gewohnt war. Sie warf das benutzte Toilettenpapier nicht ins Klo, sondern durch das kleine Fenster auf den Balkon.
Wir Brüder machten uns darüber lustig, was meinen Vater sehr aufregte. Er hatte zu Recht wenig Verständnis für unsere städtische Arroganz.

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