Mein Vater Ion Popa hat mehr Zeit im Exil verbracht, als in seiner rumänischen Heimat. Dennoch blieb er durch und durch Rumäne. Wir sprachen daheim nur Rumänisch, sind – wie mein Bruder Dinu auf dem Foto – rumänisch-orthodox getauft worden und hatten zwar keine rumänischen Pässe, waren aber staatenlose, politische Flüchtlinge rumänischer Herkunft, obwohl meine beiden Brüder in Paris geboren sind und ich in München. In meinem Falle lag der ererbte Status nahe, denn Deutschland setzt auf das ius sanguinis, die Staatsangehörigkeit qua Abstammung.
In Frankreich gilt aber wie in Großbritannien oder den USA das ius soli, das Recht des Geburtsortes. Wer in Frankreich geboren wurde, war Franzose. Vorausgesetzt, die Eltern entscheiden sich dafür – oder bei Erreichen der Volljährigkeit man selbst. Mein Vater lehnte das ab, und so wuchsen meine Brüder trotz ihres Anspruchs staatenlos auf, mit einem weitgehend nutzlosen Konventionspass für staatenlose Flüchtlinge.
Und natürlich wurden wir alle drei in der rumänisch-orthodoxen Église des Saints-Archanges in Paris-St. Germain getauft. In meinem Fall bedeutete es, dass ich nach meiner Geburt in der Münchner Geisenhofer Frauenklinik, vis-à-vis von Radio Freies Europa am Englischen Garten, bereits im zarten Alter von sechs Monaten meine erste Reise antrat. Nach Paris, um getauft zu werden.
Uns Brüder verbindet nicht nur die rumänische Muttersprache und die orthodoxe Taufe, wir drei, 1952, 1953 und 1961 Geborenen tragen auch alle dieselben Initialen: D. P. Mein Vater entschied sich bewusst für Vornamen, die daran erinnern sollten, dass seine nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Kinder D. P. sind, displaced persons.


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