Mein Vater Ion Popa war mindestens zweimal in Jugoslawien. Während des Zweiten Weltkriegs als Frontberichterstatter gemeinsam mit Curzio Malaparte, um über den Partisanenkampf gegen die Deutschen zu berichten. Und das letzte Mal unfreiwillig für längere Zeit nach seiner Flucht aus dem kommunistischen Rumänien Ende der 1940er-Jahre, wohl 1948. Ihm gelang es zwar, die erste Grenze zu überwinden, dafür wurde er aber in Titos Jugoslawien erwischt und kam zur Zwangsarbeit in ein Bergwerk.
Neagu Djuvara schreibt in seinen 2004 erschienenen Memoiren „Bucarest–Paris–Niamey et retour ou Souvenirs de 42 ans d'exil (1948–1990)“, dass die übliche Flucht aus Rumänien vor dem kommunistischen Regime auf dem Landweg nach Ungarn 1948 aufgrund verschärfter Kontrollen unmöglich geworden sei, weshalb man nun über Jugoslawien zu fliehen versuchte:
„Pendant un an ou deux, les fuyards se sont alors dirigés vers la Yougoslavie, notamment en traversant le Danube à la nage. Mais on sut bientôt que les Yougoslaves en refoulaient beaucoup et retenaient les autres de longs mois dans des camps.“
„Ein, zwei Jahre lang wählten die Flüchtlinge den Weg über Jugoslawien, in der Regel, indem sie durch die Donau schwammen. Doch bald wurde bekannt, dass die Jugoslawen viele zurückwiesen und die anderen monatelang in Lagern festhielten.“
Mein Vater zählte zu den in Jugoslawien Internierten. Aber auch da gelang ihm mit Unterstützung Dritter die Flucht. Eine jüdische Gruppe organisierte in der Mine den Ausbruch mehrerer jüdischer Zwangsarbeiter aus dem Bergwerk und Jugoslawien. Und obwohl wir keine Juden sind, sondern rumänisch-orthodox, halfen sie meinem Vater und nahmen ihn mit.
Er war sein Leben lang den Juden und dem Staat Israel dankbar. Und es ist kein Zufall, dass er – vor seiner Zeit als Ion Măgureanu bei Radio Free Europe – um 1950, 1951 herum für die Pariser „Radio Orient Telegram Press“ (Rador Telepress), wohl unter den Pseudonymen J. P. Niopa und J. P. Lorkonits, sowie für „La libre Belgique“, möglicherweise unter der anonymen Autorenzeile „Correspondance particulière de la Libre Belgique“, auf Rumänisch und Französisch als Korrespondent aus Tel Aviv berichtete. Beiträge meines Vaters über Rumänien und Israel für „Radio Orient Telegram Press“ fanden sich im Archivnachlass des Exilpolitikers Ion Rațiu.
Für Rador scheint mein Vater aber bereits 1942 gearbeitet zu haben, da noch als Korrespondent in Berlin.
In dieser Zeit erhielten seine erste Ehefrau Hortensia und die gemeinsame Tochter Anka, die er nach seiner Flucht in Rumänien zurückgelassen hatte, auch regelmäßig Care-Pakete des American Jewish Joint Distribution Committee, obwohl sie nicht jüdischen Glaubens waren. Vermutlich hat das mein Vater von Israel aus organisiert.
Auf dem Grabstein meines Vaters am Münchner Westfriedhof fand ich auch einmal ein Steinchen (das zweite stammt von mir). Ein jüdischer Brauch, mit dem man den Verstorbenen ehrt und ausdrückt, dass man seiner gedenkt.



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