Sonntag, 25. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (25) als Raucher

Als ich vor ein paar Wochen einen Arzttermin bei einer Humangenetikerin wahrnahm, musste ich feststellen, dass ich sehr detailliert Bescheid wusste über meine Vorfahren mütterlicherseits, aber nahezu nichts über die Familie meines Vaters. Durch seine Flucht aus dem kommunistischen Rumänien und seine Arbeit für Radio Freies Europa waren alle Kontakte gestört, wenn nicht völlig unterbrochen. Ich besitze keine familiären Unterlagen aus der Zeit vor dem Exil, kenne kaum lebende Verwandte aus dem Zweig der Familie. Was mir bleibt sind nur die Fakten vom Hörensagen, die Erzählungen meines Vaters Ion Popa alias Ion Măgureanu. Bei meiner Geburt war mein Vater bereits 48 Jahre alt. Und da er mit zunehmendem Alter oft krankgeschrieben war, verbrachte ich als Kind und Jugendlicher viel Zeit mit ihm. Zeit, in der er mir viel aus seinem Leben erzählte. Vielleicht gebe ich nach 50, 60 Jahren manche Details falsch wieder, vielleicht habe ich sie schon beim ersten Mal als Kind nicht ganz begriffen. Aber so lange ich mich noch daran erinnere, möchte ich sie schriftlich festhalten. Tag für Tag, in ungeordneter Reihenfolge. Nicht zuletzt, um in den kommenden Monaten dem einen oder anderen Detail in Archiven nachzugehen und gegebenenfalls bei den entsprechenden Anekdoten zu ergänzen.

Mein Vater hat immer viel geraucht. Während seiner Zeit als Ion Măgureanu bei Radio Freies Europa scheint die Zigarette in seiner Linken nahezu unvermeidlich gewesen zu sein und auch daheim wurde gepafft. Wenn auch etwas diskreter. Meine Mutter ließ ihn in der Tizianstraße nur auf dem hinteren Klo mit dem kleinen Fenster seiner Sucht frönen.

In den ersten Jahren, an die ich mich zurückerinnern kann, rauchte er noch P&S aus dem hellblauen Softpack. Später stieg er auf Marlboro um.

Die Zigaretten kaufte er in der Regel in dem inzwischen längst abgerissenen Kiosk an der Waisenhausstraße, unweit der Klugstraße, den ein Sinti oder Roma führte. Herr Paluch, wenn ich mich richtig erinnere. Auf dessen Unterarm habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine KZ-Häftlingsnummer tätowiert gesehen.

Oft holte ich für meinen Vater die Zigaretten im Kiosk, und es kam auch vor, dass ich das Geld auslegte, wenn mein Vater gerade nicht mehr flüssig war.



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