Posts mit dem Label FAZ werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label FAZ werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 28. Oktober 2025

Kluge statt kritische Köpfe – oder: das Ende des Michael-Althen-Preises bei der Frankfurter Allgemeinen

Wie lange währt eine Ehrung? Wie viel Zeit verdient ein Angedenken? Wie lange dauert es, bis man in Vergessenheit gerät? Und wie bedeutsam bleibt man als herausragender Kritiker für die Nachwelt? Kann Kritik über den Erscheinungstag hinaus von Belang sein? Und für wen? Bleibt die veröffentlichte Kritik im kollektiven Gedächtnis, das besprochene Werk, die die Kritik formulierende Person? Oder bilden sie ein Amalgam? 
 
„In vielen deutschen Feuilletons wird der Platz für Film- oder Theaterkritik sukzessive zusammengestrichen. Zu wenig Leser, zu wenig Klicks, zu kompliziert in der Wahrnehmung.Um so wichtiger ist es, dass wir uns einmal mehr daran erinnern, was Kritik eigentlich zu leisten vermag. Für uns als Künstler. Aber prototypisch auch für unsere Gesellschaft an sich. 

Kritik im Sinne eines Michael Althen, der zweifelsohne einer der Genauesten und zugleich einer der liebevoll Subjektivsten seiner Zunft war – und dabei immer ein unermüdlich Suchender. Natürlich ist dabei Kritik nicht gleich Kritik. Denn unter all denen, die kritisieren, gibt es die, die herausstechen. Weil sie nicht nur urteilen, sondern sich einlassen. Weil sie nicht nur kalt beschreiben, sondern dabei sich selbst, ihre Haltung, ihr Denken, ihr Fühlen, zur Verfügung stellen. Weil sie neugierig sind. Weil sie nicht nur werten, sondern suchen. 

Kritik, die sich auf diese Weise einlässt, kann treffen. Sie kann verletzen, sie kann Grenzen überschreiten, und sie kann verstören. Aber sie kann auch stärken, und sie kann überraschen. Und sie kann etwas bewegen. Ich höre sie, und ich nehme sie ernst. Denn sie kann Räume öffnen, die wiederum den künstlerischen Prozess verändern. Räume, in denen eine Diskussion geführt werden kann, eine Debatte. Solche Kritik kann beglücken. Und so kommt es vor, dass ich etwas lese und dabei denke: Möge es doch immer so sein.Und dann hebe ich den Blick und stelle fest: Ist es natürlich nicht immer. Immer seltener in der journalistischen Beschreibung von Kultur, eher immer seltener im Diskurs des Feuilletons. Aber auch immer weniger – so muss man hinzufügen – in der gesellschaftlichen Diskussion.“

Diese Suada, mit der Nico Hofmann vor zwei Jahren beim Michael-Althen-Preis für Kritik die Siegerin Samira El Ouassil feierte, kommt einem nun im Nachhinein wie ein Abgesang vor. Denn der Michael-Althen-Preis, der längst seine eigene Tradition geschaffen hatte, ist plötzlich Geschichte. Zu wenig Resonanz, zu wenig Klicks? Jedenfalls löst ihn der neu geschaffene Feuilleton-Preis der Frankfurter Allgemeinen ab, der gestern Abend zum ersten Mal verliehen wurde.

Und es könnte ausgerechnet der Filmproduzent Nico Hofmann gewesen sein, der daran Schuld trägt. Nico Hofmann, der nicht nur vorletztes Jahr eine Laudatio gehalten hat, sondern den Preis stets „großzügig unterstützt“ hat, wie ein Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen“, Jürgen Kaube (Foto), gestern betonte. Angeblich wollte Hofmann dem immerhin seit 2012 nahezu jährlich verliehenen Althen-Preis überdenken, ihm einen größeren Rahmen verleihen. Die Leute vom Film würden bei Preisen immer gleich an die Oscar-Verleihung denken, von einer Fernsehübertragung träumen, hieß es gestern am Rande der Veranstaltung. Und es war wie die Geschichte vom Zauberlehrling: Am Ende löste möglicherweise gerade Hofmanns guter Wille eine unaufhaltsame Dynamik aus und killte die traditionsreiche Auszeichnung. Denn den Michael-Althen-Preis für Kritik gibt es nicht mehr. 

Es sei Zeit für etwas anderes, modernes gewesen, betonte Kaube in seiner Begrüßungsrede. Heraus kam ein Feuilleton-Preis der Frankfurter Allgemeinen, der laut Einladung „weiterhin in Erinnerung an Michael Althen vergeben“ wird. Auch Nico Hofmann und das Deutsche Theater Berlin sind als Partner weiterhin mit an Bord. Ist also etwa nur Raider in Twix umbenannt worden, und alles bleibt beim Alten?

Keineswegs. Auch die Zutaten haben sich geändert. Die „Frankfurter Allgemeine“ beschönigt es als „Zuschnittsänderung“. Doch statt wie bisher die journalistische Praxis, sprich: die beste im Zeitraum eines Jahres bereits veröffentlichte Kritik auszuzeichnen, schreibt man nunmehr eine Art Aufsatzwettbewerb aus. So wie man es sonst eher von kommunalen Einrichtungen, Sparkassen oder Lokalblättern kennt.

„Dieses Verfahren hat einen Vorteil: Es können sich auch Personen beteiligen, die nicht von Berufs wegen Kritiker, Journalisten oder Professoren sind. Leute, die nicht den ganzen Tag Essays schreiben, sondern anderen Tätigkeiten nachgehen“, betonte Kaube, als ob ausgerechnet die „Frankfurter Allgemeine“ jetzt die Graswurzelbewegung für sich entdeckt hätte.

„Wie viel Zeit braucht die Kunst?“ lautete heuer die jährlich wechselnde Preisfrage und mehr als 200 kluge Köpfe lieferten aus ihrem stillen Kämmerlein auf Verdacht einen Text dazu, bis zu 17.000 Zeichen lang, in der Hoffnung, die 10.000 Euro Preisgeld abzugreifen. „Es wurden Essays eingesendet, Reportagen, Erzählungen und Gedichte.“ Sieben schafften es auf die Shortlist: der Schweizer Schriftsteller Ralph Dutli, die Bamberger Lyrikerin Nora Gomringer, der Fernsehkritiker und Dokumentarfilmer Torsten Körner, der Germanist Bernhard Malkmus, der Berliner Dramatiker Moritz Rinke, die Künstlerin Natalia Roman und der Frankfurter Marketingberater Klaus Rössler. Letzterer gewann denn auch mit seinem Text „Digitale Ruinen - Wie verlassene Pixel die Zeit bezeugen“.

Und statt dass wie bisher die sonst von der Kritik immer Beurteilten, Künstler*innen wie Claudia Michelsen, Anne Berest, Dominik Graf, Hanns Zischler, Tom Tykwer oder Fabian Hinrichs die Preisjury bilden, eben einmal im Jahr den Spieß umdrehen und ihrerseits die Arbeit von Journalist*innen beurteilen, küren nun beim Feuilleton-Preis ausschließlich die „FAZ“-Feuilletonist*innen Sandra Kegel, Niklas Maak, Simon Strauß und Jürgen Kaube den Siegerbeitrag.

Die früheren Jurymitglieder fehlten bei der Premiere des neuen Preises gestern Abend im Deutschen Theater Berlin ebenso wie Claudius Seidl, den Kaube bei seiner Rede als langjährigen Organisator des Michael-Althen Preises für Kritik hervorhob. Selbst eingeladene Gäste wie der Filmproduzent und Filmfunktionär Alfred Holighaus oder der Regisseur Jan Schmidt-Garré, die zugesagt hatten, waren nicht erschienen. Und auch der frisch aus dem Urlaub zurückgekehrte Nico Hofmann glänzte durch Abwesenheit und schickte nur eine Vertretung.

Die „Frankfurter Allgemeine“ blieb bei der Feier sehr unter sich. Dabei war es für die Redaktion dreizehn Jahre lang signifikant gewesen, sich selbst beim Michael-Althen-Preis großzügig zurückzunehmen. Nicht etwa nur bei der Jury, sondern auch, indem man Jahr für Jahr Arbeiten auszeichnete, die nahezu immer von anderen Medien veröffentlicht worden waren: Etwa Sarah Khan und „Cargo“. Willi Winkler und die „Süddeutsche Zeitung“. Hans Hütt und sein Blog „anlasslos“. Rupprecht Podszun und „Nachtkritik“. Kia Vahland und wiederum die „Süddeutsche Zeitung“. Adam Soboczynski und „Die Zeit“. Samira El Ouassil und „Übermedien“.
  
War es das also mit der fortlebenden Erinnerung an den 2011 verstorbenen Michael Althen? Freunde und Familie könnten den Wettbewerb in veränderter Konstellation unter dem Namen Michael-Althen-Preis für Kritik fortführen. Bei der „Frankfurter Allgemeinen“ hätte man laut der Pressestelle nichts dagegen: „Wir freuen uns, wenn der ehemalige F.A.Z.-Filmkritiker über den ihm gewidmeten Feuilleton-Preis der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hinaus in Erinnerung behalten wird.“

Donnerstag, 23. November 2023

Agora (9): Nico Hofmann über Kritiker*innen

Am 21. November 2023 ist Samira El Ouassil für ihren Essay „Wie ich lernte, Barbie (nicht) zu lieben“ mit dem Michael-Althen-Preis für Kritik ausgezeichnet worden. Anläßlich der Preisverleihung im Deutschen Theater Berlin hielt der Filmproduzent und Regisseur Nico Hofmann eine „Suada“ über Filmkritiker*innen, um El Ouassil zu zitieren. Den Text hat Hofmann gemeinsam mit Thomas Laue entwickelt. (Mein Twitter-Thread von der Preisverleihung.)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
lieber Claudius Seidl, liebe Familie Althen, 
liebe Jury, 
und natürlich liebe Preisträgerin: liebe Samira El Ouassil! 

Heute hier sprechen zu dürfen, bedeutet mir viel, und ich möchte Dir, lieber Claudius, sehr für diese Einladung danken. Zum einen, weil ich mich Michael Althen, dessen Namen der Preis trägt, sehr verbunden fühle. Ich weiß, wie schwer es ist, die Vergabe eines solchen Preises über so einen langen Zeitraum aufrechtzuerhalten. Man kann Engagement und Leidenschaft gar nicht stark genug würdigen. 

Zum anderen ist das, wofür dieser Preis und sein Namensgeber stehen, heute vielleicht so wichtig wie selten zuvor. 

Die Art von Kritik, für die wir Michael Althen bewundert und verehrt haben, und die bis über seinen viel zu frühen Tod hinauswirkt, war immer kostbar, und sie ist es heute mehr denn je:

Nicht selten beschränkt sich die öffentliche Beschreibung von Kunst – welcher Form auch immer – derzeit auf ein schnelles Urteil, eine plakative Meinung oder im schlimmsten Fall eine schlechtgelaunte, pointierte Vernichtung. Die Fähigkeit und auch die Geduld und der Mut zu einer neugierigen und dabei spürbar persönlichen Auseinandersetzung mit dem Gesehenen, zu einer nicht nur analytischen, sondern auch emotional klugen Befragung sind beängstigend rar geworden.

Und auch auf die Gefahr hin, mich hier dem Verdacht eines Kulturpessimismus auszusetzen, möchte ich hinzufügen: Möglicherweise ist diese Art kritischer Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur zurzeit auch nicht unbedingt überall so besonders gefragt.

In vielen deutschen Feuilletons wird der Platz für Film- oder Theaterkritik sukzessive zusammengestrichen. Zu wenig Leser, zu wenig Klicks, zu kompliziert in der Wahrnehmung.
Aber auch bei vielen Kunstschaffenden hat die Kritik derzeit einen schlechten Ruf. Man muss nicht unbedingt den vielzitierten Satz einer Hamburger Theaterintendantin heraufbeschwören, die Kritik sei „die Scheiße am Ärmel der Kunst“, um festzustellen, dass es mit dem Verhältnis zwischen Kreativen und ihren Rezensenten nicht zum Besten steht.

Um so wichtiger ist es, dass wir uns einmal mehr daran erinnern, was Kritik eigentlich zu leisten vermag. Für uns als Künstler. Aber prototypisch auch für unsere Gesellschaft an sich. Kritik im Sinne eines Michael Althen, der zweifelsohne einer der Genauesten und zugleich einer der liebevoll Subjektivsten seiner Zunft war – und dabei immer ein unermüdlich Suchender.

Ich bin Filmemacher und Produzent, meine Profession ist es seit nun fast vierzig Jahren, Geschichten in Worten und in Bildern zu erzählen, und dafür Figuren zu erschaffen, Schicksale abzubilden, Welten zu erfinden. Von der Idee für einen Film bis zu dem Moment, wo er in die Kinos kommt oder im Fernsehen zu sehen ist, vergehen viele viele Jahre.

Film ist seinem Wesen nach ein deutlich weniger schnelllebiges Geschäft, als man gemeinhin denkt. Es braucht viel Zeit und noch viel mehr Arbeit bis aus einer Idee ein Drehbuch entsteht. Es ist ein aufregender aber eben oft auch ein unendlich mühsamer Weg voller Hürden, Zweifel und Unwägbarkeiten – in jeder einzelnen Etappe ist man als Filmemacher dem Scheitern meist deutlich näher als dem ersehnten Erfolg.

Auch wenn an diesem Prozess auf einer langen Wegstrecke hunderte von Menschen beteiligt sind, bleiben der kreative Prozess und das, was wir am Ende so geheimnisvoll das „Filmemachen“ nennen, im Kern ein sehr intimer Prozess.
Ich selbst gehe dabei trotz jahrzehntelanger Erfahrung immer wieder durch alle Höhen und Tiefen sämtlicher emotionaler Zustände.

Euphorie und Leidenschaft liegen dabei oft ganz nah bei Verzweiflung und Depression, Schaffensmanie und Sendungsbewusstsein unmittelbar neben Angst und Ratlosigkeit, und nicht selten schlägt auch der unumstößliche Entschluss zur bedingungslosen Kapitulation in kürzester Zeit um in Paranoia und Größenwahn.

Wahrscheinlich braucht es in einem kreativen Prozess ein bisschen von all dem, damit am Ende der Film entsteht, den man machen will. Denn natürlich – wie könnte es anders sein – ist ein Film NIE fertig. NIE so, dass er aus der Sicht derer, die ihn machen, nicht noch ein bisschen besser sein könnte.
Mir selbst wird diese Vergeblichkeit des Strebens nach Perfektion jedes Mal wieder neu bewusst, wenn einer meiner Filme Premiere hat, wenn ein Saal voller bis dahin gänzlich Unbeteiligter meinen Film sieht. Oder schlimmer noch, wenn – für mich unsichtbar – Millionen Zuschauer zuhause den Fernseher einschalten.

Ich erlebe dann den ganzen langen Schaffensprozess noch einmal. Denn auch ich sehe nun meinen eigenen Film mit den Augen des Publikums – neu.

Und plötzlich fallen mir all die Stellen auf, die ich anders hätte schneiden müssen, die Wendungen, die wir so viel besser hätten erzählen können, oder im schlimmsten Fall die Bedeutungsebenen, die ich nicht gesehen habe, aber die doch so wichtig gewesen wären.

Es ist ein oft schmerzhafter aber auch ein befreiender Moment. Denn bei all der Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit und des Zweifels, sehe ich noch etwas: Ich sehe, wieviel von all den Menschen, die diesen Film gemeinsam geschaffen haben, in ihm steckt. Wie viele Gedanken, wieviel Haltung, wieviel Leidenschaft – ein Stück von der Seele all derer, die daran beteiligt waren.

Und ich sehe, warum wir diesen Film gemacht haben: Weil wir etwas erzählen wollten, etwas mitteilen, uns an der Welt reiben, die wir da draußen vorfinden.

Und ich weiß in dem Moment, dass das Herstellen dieses Filmes jetzt zwar abgeschlossen ist, aber dass mein Prozess deshalb noch lange nicht vorbei ist. Denn nun beginnt das, wofür wir unsere Filme in die Welt setzen: Jetzt kommt die Reaktion, auf das, was wir zu erzählen haben.

Die Auseinandersetzung beginnt, die Debatte, und im besten Fall entsteht so etwas wie ein Dialog. Zwischen dem, was wir mit unserem Film über die Welt erzählen und dem, was diese Welt auf unseren Film zu erwidern hat. So wünsche ich mir, dass sich diese Gesellschaft mit dem auseinandersetzen möge, was wir ihr hier anbieten.

Und dafür braucht es die Kritik. Indem Sie beschreiben, was Sie gesehen haben, es einordnen, es beurteilen, es kritisieren. Indem Sie antworten. Film braucht diese Reaktionen, damit er lebt. Und ich persönlich brauche sie auch. Ich wünsche sie mir.

Und wenn ich ehrlich sein soll: Möglichst viel davon. Denn die Arbeit an und mit meinem Film geht ja weiter. In der Auseinandersetzung mit dem, was ich erzählen wollte und dem, was davon bei den Zuschauern ankommt, was es auslöst. Ich will wissen, ob ich verstanden worden bin, ob mein Film beglückt oder verstört, ob er Denkräume öffnet oder wütend macht. Oder, am schlimmsten: ob er den Menschen gleichgültig ist.

Dabei ist es oft die Vielstimmigkeit, aus der ich den größten Nutzen ziehen. Die Pluralität der Reaktionen und Meinungen führt wiederum bei mir zu der größten Reaktion. Zu einem Hinterfragen meiner eigenen Haltung, zu neuen Ideen, neuen Gedanken.

Natürlich ist dabei Kritik nicht gleich Kritik. Wobei wir wieder am Anfang wären. Denn unter all denen, die kritisieren, gibt es die, die herausstechen. Weil sie nicht nur urteilen, sondern sich einlassen. Weil sie nicht nur kalt beschreiben, sondern dabei sich selbst, ihre Haltung, ihr Denken, ihr Fühlen, zur Verfügung stellen. Weil sie neugierig sind. Weil sie nicht nur werten, sondern suchen.

Weil sie den Film abgleichen mit der Welt, in der sie leben, ihn auf diese Welt beziehen und dadurch auf sich selbst. Weil sie ihm Fragen stellen, und dabei in dem, was ich geschaffen habe, manchmal etwas entdecken, was ich selbst noch gar nicht gesehen haben. Und so Antworten geben auf neue Fragen, die ich mir vielleicht jetzt erst stelle.

Kritik, die sich auf diese Weise einlässt, kann treffen. Sie kann verletzen, sie kann Grenzen überschreiten, und sie kann verstören. Aber sie kann auch stärken, und sie kann überraschen. Und sie kann etwas bewegen. Ich höre sie, und ich nehme sie ernst. Denn sie kann Räume öffnen, die wiederum den künstlerischen Prozess verändern. Räume, in denen eine Diskussion geführt werden kann, eine Debatte. Solche Kritik kann beglücken. Und so kommt es vor, dass ich etwas lese und dabei denke: Möge es doch immer so sein.

Und dann hebe ich den Blick und stelle fest: Ist es natürlich nicht immer. Immer seltener in der journalistischen Beschreibung von Kultur, eher immer seltener im Diskurs des Feuilletons. Aber auch immer weniger – so muss man hinzufügen – in der gesellschaftlichen Diskussion. Denn so wie die offene, sich einlassende Auseinandersetzung mit Kultur kostbar geworden ist, so ist auch die die öffentliche Debatte mühsam geworden.

Es scheint, als hätten wir bisweilen auch in der Auseinandersetzung über unsere Gesellschaft und im Reden miteinander verlernt, uns mit unserem Gegenüber auseinanderzusetzen. Verlernt, uns auf einen anderen Standpunkt als den eigenen einzulassen. Zu befragen, was wir gesehen haben, in der Hoffnung, etwas zu entdecken oder zu verstehen, was wir noch nicht kannten oder wussten.

Es ist leicht geworden, eine Haltung zu haben und sie energisch zu vertreten. Am besten und am einfachsten in der eigenen Blase. Aber es scheint schwer für uns geworden zu sein, die eigene Haltung mit der von anderen abzugleichen, wenn sie sich von unserer eigenen unterscheidet. Und noch schwerer, uns selbst dabei in Zweifel zu ziehen, uns in einer Diskussion mit anderen mit all dem, was wir sind und denken, selbst zur Verfügung zu stellen.

Statt miteinander, reden wir übereinander, urteilen über die anderen und über die Welt, statt sie zu beschreiben oder zu befragen. Und manch einer weigert sich gar, die Welt, wie wir sie vorfinden, überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Aber wie sollen wir fruchtbar unterschiedlicher Meinung sein, wenn wir uns nicht einmal darauf einigen können, worüber wir eigentlich gerade diskutieren?

Die Nominierten des Michael Althen Preises und nicht zuletzt die diesjährige Preisträgerin zeichnen sich dadurch aus, dass sie genau hinschauen, dass sie neugierig sind und dass sie nicht aufhören zu fragen und zu suchen. Sie sind oft radikal subjektiv und extrem meinungsstark – aber sie verlieren dabei trotzdem nie den Bezug zur Welt. Dabei spricht oft Zweifel an der Verfasstheit dieser Welt aus ihnen, aber nie Verachtung, sondern Empathie, manchmal sogar so etwas wie Liebe.

Ich bin mir sicher, das hätte Michael gefallen. Es ist gut, dass es diese Nominierten und ihre Texte gibt. Und es ist gut, dass es diesen Preis gibt. Denn auf nichts davon können wir gerade verzichten.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.

Update zum Feedback

Freitag, 10. November 2023

BILD schafft ihre stummen Verkäufer ab

Das Ende der „Klaukästen“ (und damit leider ebenso der Zeitungsschürzen) – jetzt baut auch „BILD München“ die stummen Verkäufer ab. Wie das Medienfachmagazin „Clap“ heute meldet, beendet der Axel-Springer-Verlag zum 20. November den Verkauf der Zeitung auf diesem Vertriebsweg. In Köln ist das bereits so umgesetzt worden, weitere Städte sollen folgen. 
Zuvor hatte die „Abendzeitung“ bereits in den letzten Jahren nach ihrem Konkurs und der Übernahme durch den Straubinger Verleger Martin Balle diesen Vertriebsweg drastisch reduziert, der spätestens Kult war, seitdem Baby Schimmerlos sich in Helmut Dietls „Kir Royal“ an den Zeitungskästen bedient, ohne dafür zu zahlen.

Dabei war München früher die Hauptstadt der stummen Verkäufer mit bis zu sieben nebeneinander: „Süddeutsche Zeitung“, „Münchner Merkur“, „Abendzeitung“, „tz“, „BILD“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Welt“. 

Update vom 20. November 2023: Nachdem „BILD München“ heute die stummen Verkäufer stillgelegt und zum Teil auch schon abgebaut hat, wirbt die „tz“ mit einer Serie von Zeitungsschürzen um die bisherigen „BILD“-Leser.

Disclaimer: Der Autor arbeitet unter anderem auch für die „tz“.




Dienstag, 25. April 2023

Feine erste Sätze (59)

„Darren Aronofsky beugt sich wie ein Radiologe über Körper in Not.“

Sandra Kegel in ihrer Filmkritik zu „The Whale“ in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 25. April 2023.

(Foto des Regisseurs Darren Aronofsky: Niko Tavernise/Plaion Pictures) 

Samstag, 10. Juli 2021

Feine erste Sätze (54)

„Unter allen menschlichen Tätigkeiten sind diejenigen nicht die schlechtesten, bei deren Betrachtung man sich erst einmal fragt: warum?“

Timo Frasch in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 7. Juli 2021 über den Mont Ventoux, Petrarca und Hubert Burda (€, Blendle)

Mittwoch, 9. August 2017

Wenn redaktionelle Transparenz zu Schleichwerbung mutiert

Vor vielen Jahren, man könnte auch von einer längst vergessenen Ära redaktioneller Unabhängigkeit sprechen, im letzten Jahrtausend jedenfalls schickte das „FAZ-Magazin“ einen Reporter auf der Queen Elizabeth 2 über den Atlantik. Und statt sich von der Reederei einladen zu lassen, bezahlte die Redaktion selbstverständlich die mehrere tausend Mark teure Passage und druckte das Ticket stolz im Editorial ab. (Die „Frankfurter Allgemeine“ war auch die einzige Redaktion, bei der ich es bereits in den Achtzigern erlebt habe, dass sie selbst preiswerte Geschenke zurückschickt und sich Ähnliches künftig verbittet. In einer Zeit, als noch kein deutscher Verlagsmanager von Compliance sprach.)
Inzwischen lassen sich – Compliance hin oder her – immer mehr Redaktionen allein schon aus Budgetnot gerne einladen und beschenken. Durchaus auch mal hinter dem Rücken der Verlagsleitung.
Reisejournalisten, Autotester, Moderedakteure, Beauty-Experten und Filmkritiker reisen, übernachten und tafeln gern für lau. Selbstverpflichtungen, solche Einladungen am Ende der daraus generierten Veröffentlichung offen zu legen, gibt es durchaus. So auch beim Axel-Springer-Konzern in Form seiner Leitlinien journalistischer Unabhängigkeit.
„Die Journalisten bei Axel Springer tragen dafür Sorge, dass alle Kosten (Reisekosten, Bewirtungen etc.), die im Zusammenhang mit Recherchen entstehen, grundsätzlich durch die Redaktion übernommen werden. Ausnahmen sind von der Chefredaktion zu genehmigen und in der Berichterstattung entsprechend kenntlich zu machen.“
Gerade Letzteres hatte diesen Sonntag den gegenteiligen Effekt, als Airen im Reiseteil der „Welt am Sonntag“ aus dem mexikanischen Aussteigerparadies Tulum berichtete.
Airen? Einige werden sich erinnern. Berühmt geworden ist der gebürtige Bayer und langjährige Wahlberliner weniger durch seine Korrespondententätigkeit (Drogen und Mexiko) für die „Frankfurter Allgemeine“ und „Welt“, denn durch seine länger zurückliegende junge wilde Clubberprosa, aus der sich Helene Hegemann für „Axolotl Roadkill“ reichlich bediente.
Inzwischen würde es eher nur für Herzschmerzprosa à la Rosamunde Pilcher oder Katie Fforde reichen. Recht schwülstig (€ Blendle, Welt+) lobt er Tulum als einen „jener Orte, die unserer Vorstellung vom Paradies am nächsten kommen. Unter der gleißenden Sonne geht strahlend weißer Korallensand in das stille, türkis funkelnde Meer der Karibik über; ein Farbverlauf so unnatürlich intensiv, als habe jemand an den Kontrastreglern eines Grafikprogramms herumgespielt. Kokospalmen wiegen sich sanft in der Brise, silberne Albatrosse schweben reglos über dem Wasser, und irgendwo steht ein Straßenschild, das anregt: 'Be here now'.“
Das mag kitschig klingen, aber tatsächlich sein. Zweifel weckt dagegen Airens Hinweis, „erschwingliche Zimmer finde man eigentlich nur noch über Online-Vermittlungsplattformen.“ Nicht, dass er sich etwa selbst soweit hinauslehne. Er zitiert vorsichtshalber nur eine Insiderin, eine 40-jährige Yoga-Lehrerin, die einerseits beklagt, dass eine Übernachtung inzwischen auch schon mal vierstellig zu Buche schlage. Angeblich aber andererseits einen Ausweg bietet: erschwingliche Zimmer via Online-Plattformen. Die meisten Textchefs oder Redakteure hätten wohl dennoch – selbst wenn es sich nur um ein Zitat handelt – den Rotstift angesetzt, denn solche Behauptungen sind selten faktenfest.
Und tatsächlich zeigt ein kurzer Testcheck, dass ein Hotelportal durchaus günstiger als eine Zimmervermittlungsplattform sein kann. Anfang September etwa bietet HRS für Tulum 25 freie Hostels und Hotels bei Übernachtungspreisen zwischen 8,04 und 462,74 Euro an. Airbnb dagegen listet im selben Zeitfenster zwanzig freie Unterkünfte für 28 bis 2.304 (!) Euro pro Nacht auf.
Aber damit noch nicht genug. Einen Hautgout bekommt das Ganze eben gerade erst durch den journalistische Unabhängigkeit versprechenden Abbinder: „Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Airbnb.“ Und so wird aus den unverbindlich allgemein formulierten „Online-Vermittlungsplattformen“ eine recht eindeutige Empfehlung: Airbnb.
Chefredakteur Peter Huth – sie erinnern sich, derjenige, dessen Chefredaktion die Unterstützung durch Airbnb laut Konzernrichtlinie abnicken müßte – verweist auf meine Anfrage hin recht schmalllippig an die Verlagspressestelle, was ausgesprochen schade ist. Macht er doch eine meist sehr lesenswerte „Welt am Sonntag“ und hat davor bei der „B.Z.“ durch seine forschen Titelseiten sogar Leute überzeugen können, die sonst kein Springer-Blatt anfassen würden.
Die Konzernpressestelle kreiste ein kreißte einen Tag lang und gebar dann ein Statement: „Mit dem klaren Hinweis, dass die Reise für den Autoren-Beitrag durch Airbnb finanziell unterstützt wurde, entspricht der Text branchenüblichen Transparenz-Standards“. Was nun aber in Zusammenhang mit der eindeutigen Empfehlung innerhalb des Artikels zum Problem wird. Nur nicht für die blaue Gruppe. In der inzwischen veröffentlichten Onlinefassung des Zeitungstextes findet sich die Formulierung unverändert.

Der Blogeintrag wurde überarbeitet und ein Wörtchen gestrichen gelöscht, da ein Dissenz auftrat, ob es sich dabei möglicherweise um ein unautorisiertes Zitat handle oder um eine zitierfähige Antwort auf eine offizielle Anfrage.

Freitag, 3. Dezember 2010

Die Unbestechlichen von der Frankfurter Allgemeinen

Wenn eine Redaktion nicht käuflich ist, dann die Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen. Selbst eine als Weihnachtsgeschenk übersandte Saftpresse im Wert weniger Euro landet postwendend wieder beim Absender, mit dem eindringlichen Hinweis, von weiteren Geschenken an die Redaktion Abstand zu nehmen.
Und ich kann mich noch gut an eine Reisereportage des „F.A.Z.-Magazins“ erinnern, die ihren Autor mit der Queen Elizabeth 2 nach New York schickte. Das mehrere tausend Mark teure Ticket für die Transatlantikpassage hatte die Redaktion selbstverständlich selbst bezahlt und nicht als Pressereise abgewickelt. Zum Beweis wurde der Beleg im Editorial dokumentiert.
Um so koketter erschien mir eine Titelstory der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die ihren Lesern letztes Wochenende gestand, von einem Anonymus wg. Hannover 10.000 Euro in bar zugesteckt bekommen zu haben: Empfänger war ihr Korrespondent „Robert von Lucius, adressiert allerdings an die Frankfurter Redaktion. Das Kuvert, normale Größe, fand sich im Postkoffer, mit dem Material zwischen der Frankfurter und der Berliner Redaktion ausgetauscht wird. Es war nicht frankiert und vollkommen durchsichtig, transparenter noch als Butterbrotpapier, so dass man schon von außen den gedruckten Text auf dem gleichfalls durchsichtigen Zettel lesen konnte, der in dem Kuvert lag: 'Danke, dass wir Frankfurter das gegen die Hannoveraner geschafft haben. Auf weitere gute Zusammenarbeit'.
Vielleicht noch interessanter als der Zettel war das Geld in dem Umschlag, ebenfalls von außen gut zu sehen: pinkfarbene 500-Euro-Scheine, gleich zwanzig Stück. Also 10.000 Euro in bar. Über den Hintergrund kann man nur spekulieren. Über eines nicht: Dem anonymen Absender fällt es nicht schwer, 10.000 Euro für obskure Zwecke auszugeben.“

Viel mehr stand am Sonntag dazu nicht in der Zeitung, und wer die Empfindlichkeit der Kollegen in Sachen Landschaftspflege kennt, konnte sich nur wundern. Denn der normale Leser könnte doch naiverweise glauben, man hätte das Geld behalten.
Und während ich noch rätselte, ob man eine anonyme Spende wie eine Erbschaft ausschlagen könne, antwortete Robert von Lucius postwendend auf meine neugierige Mailanfrage: „Den Umschlag (und das Geld) habe ich selber erstmals am Sonntag in der Abbildung gesehen. Als mich Mitte August eine Verlagsmitarbeiterin aus Frankfurt anrief und vom Brief berichtete mit der Frage, ob sie das mir zusenden solle, ließ ich ihn mir beschreiben und bat sie dann, das sofort dem Justiziar weiterzuleiten. Anfangs erwogen wir eine Strafanzeige gegen Unbekannt, da wäre aber der Straftatbestand schwierig zu finden gewesen. So entschloss sich mW der Verlag dazu, den Brief vorerst zu tresorieren. Mittlerweile hörte ich, dass der Umschlag mit den 20 Geldscheinen à Euro 500 in einer Frankfurter Anwaltskanzlei verwahrt wird. Da die Zeitung nicht damit rechnet, dass sich der Eigentümer der Geldscheine melden wird, wird sie das Geld im kommenden Jahr der gemeinnützigen Stiftung F.A.Z.-Leser helfen zur Verfügung stellen.“
Bei der „taz“ hätte der unbekannte Gönner weniger Probleme gehabt. Er hätte einen entsprechenden Artikel nur ebenso generös flattrn müssen.

Update: Telefonisch hat mich Robert von Lucius inzwischen informiert, daß das Geld einer gemeinnützigen Stiftung zur Verfügung gestellt werden soll, aber noch offen sei, welcher.

Freitag, 27. November 2009

Feine erste Sätze (4)

„Das Gute an dieser Bambi-Verleihung (und glauben Sie mir, es ist nicht einfach, einen Eintrag über diese Bambi-Verleihung mit den Worten 'Das Gute an dieser Bambi-Verleihung' zu beginnen), jedenfalls: Das Gute an dieser Bambi-Verleihung war, dass man als Zuschauer vor dem Fernseher das Gefühl hatte, mit seinem Grausen nicht allein zu sein.“
Stefan Niggemeier im Fernsehblog der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“

(Foto: Peek & Cloppenburg/image.net)

Donnerstag, 23. Juli 2009

Jetzt will die F.A.Z. auch noch mit Leserbriefen Geld verdienen

In der heutigen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ist auf Seite 32 ein Leserbrief abgedruckt, in dem Dr. Fabian Franke, Direktor der Universitätsbibliothek Bamberg, die kostenlose Verbreitung akademischer Literatur im Internet verteidigt.
Kurios: Während der Anlaß für seinen Kommentar, Richard Kämmerlings' Bericht über die Frankfurter Tagung zum Urheberrecht kostenlos online steht, verlangt faz.net zwei Euro, wenn man den Leserbrief online lesen will.

Frankes Hauptthesen:
  • Im Internet frei verfügbare Versionen steigern nachweislich den Absatz gedruckter Bücher.
  • Publikationen der University of Bamberg Press verkaufen sich auch in gedruckter Form, obwohl sie nach dem Prinzip des Open Access kostenlos zugänglich sind.
  • Selbst der Börsenvereins des Deutschen Buchhandels feiert Innovationen wie PaperC, eine Plattform zur kostenlosen Verbreitung von Fachbüchern im Internet.
  • Last but not least fragt Franke, „ob Wissenschaftler mit Lehrbüchern überhaupt Geld verdienen wollen.“

Sonntag, 7. Dezember 2008

Stasi online

Ob Uniformen, Stacheldraht, Orden, Propagandaplatten oder der Erinnerungsteller „Unverbrüchlicher Tschekistischer Waffenbrüderschaft“: Wie die „Frankfurter Allgemeine“ heute meldet, präsentiert die Leipziger Gedenkstätte im Stasi-Bunker, die „Runde Ecke“, seit Donnerstag Objekte ihrer Dauerausstellung „Stasi – Macht und Banalität“ im Internet. Von den über 40.000 Ausstellungsstücken sind derzeit 1022 mit ausführlichen Beschreibungen über eine Datenbank abrufbar.

Sonntag, 2. November 2008

Bloggerdämmerung – Webbashing in der Frankfurter Allgemeinen (Updates)

Wenn die Printmedien etwas aus dem Internet gelernt haben, dann offenbar die Kunst, überspitzt und beleidigend zu formulieren – wenn's ums Internet geht. Das aktuellste Beispiel (natürlich nur kostenpflichtig online) stammt aus der heutigen „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, in der Richard Wagner (sein Foto sagt alles) auf der Meinungsseite unter dem Titel „Lauter Blogwarte“ so ordentlich vom Leder zieht, daß ich mich lachend im Café wälzte:

„Nervig ist auch, dass Internetfreaks sich in einer selbst angedichteten Herrlichkeit als mediale Avantgarde des 21. Jahrhunderts aufspielen und auf die traditionellen Medien herabschauen – ungefähr wie der Floh auf den Hund. Auch der holt sich seinen Content durch Saugen.“

„Bizarr wirkt auch die Begeisterung für das vielstimmige Internet als kraftvolle Quelle demokratischer Lebendigkeit, wie sie von Bloggern zur Schau gestellt wird, bei denen es zu einer Festanstellung leider nicht gereicht hat.“

„Der Blogger bleibt der arbeitsweltliche Asoziale, mit dem draußen keiner spielen wollte.“


Updates: Rivva mit diversen Blogreaktionen wie Medienlese oder Robert Basic, außerdem auch Grüne Mode, Tutsi, Carstens Logbuch (alternative Fassung), A blog about nothing, RunkenBlog, lanu, Hannaxel – interessant, was Rivva alles nicht registriert, zumindest lanu hätte ich da erwartet...
Pierre Markuse, pelastop summelsarium, Nummer 15, Übermüdet

Wen und was Richard Wagner sonst so alles verachtet, fasst Boris Rosenkranz am 27. April 2016 in Übermedien zusammen und zieht zum Schluß das Resümée: „Was Wagner so Reaktionäres von sich gibt und wofür die FAZ ihm Raum ausräumt, ist nicht verboten. Es sagt lediglich viel aus über die FAZ und darüber, wo sie steht. Ganz zu schweigen von Richard Wagner, der dort steht, wo man, wenn man sich zart bewegt, an die Maus von Beatrix von Storch stößt. Und wer will das schon, außer der sogenannte FAZ-Dichter.“

(Foto: Evanherk/Wikipedia)

Sonntag, 13. April 2008

La DonA nobile

„Don Alphonso ist Blogger. Was nicht wiederholt werden müsste, würde man es nicht beinahe wieder vergessen, wenn man mit ihm in seinem Fiat Barchetta durch die engen Straßen der Ingolstädter Altstadt kurvt, in deren Mitte das alte Jesuitenkolleg liegt, das einmal Zentrum der Gegenreformation war und das im vorvergangenen Jahrhundert in den Besitz von Don Alphonsos Familie überging.“
Thomas Thiel porträtiert für die „Frankfurter Allgemeine“ u.a. die Alphablogger Don Alphonso und Robert Basic

Mittwoch, 28. November 2007

Von wegen Banknoten...

„Genau wie für Dagobert, der sein Bad in Banknoten immer als 'erfrischend' bezeichnet und dessen Verklärung sich sogar durch die Dollarzeichen in seinen Augen spiegelt, kommt dem durch und durch abstrakten Geld eine physische Qualität zu.“
Jörg Häntzschel letzten Samstag in der „Süddeutschen Zeitung“

„Dagobert Ducks Kopfsprünge in die Berge grüner Scheine seines Geldspeichers sind ebenso Ausdruck dieses Mythos wie "Für eine Handvoll Dollar", der Film von Sergio Leone, oder die Two-Dollar-Bills des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol.“
Christian Siedenbiedel einen Tag später in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Den Donaldisten Bahners und Platthaus von der „F.A.Z.“ wäre dieser Fehler nicht unterlaufen...

Update: Marc weist darauf hin, daß Dagoberts Geldpool durchaus grüne Scheine enthält, aber meines Erachtens keineswegs „Berge grüner Scheine“, und das Erfrischende ist wohl das Bad in den Münzfluten, was dann auch Dagoberts Probleme mit seiner zeitweisen Goldallergie erklärt.

(Foto: Disney via Duckipedia)

Montag, 27. August 2007

GEZ in der Grauzone

Als ich mich Freitag über die GEZ mokierte, war ich mir kurz unsicher, ob ich den Gebührenfahndern Vorwürfe machen Fehler vorwerfen durfte, die schon ein paar Jahre zurückliegen. Aber wie die „Frankfurter Allgemeine“ ab heute in einer Fallsammlung darlegt, ist die Trickserei beim Eintreiben der GEZ-Gebühren wirklich nicht besser geworden.

Samstag, 18. August 2007

Malerstar Daniel Richter als Straßenkünstler in Paris

„Was passiert, wenn man einen der erfolgreichsten Maler der Gegenwart zwischen Pariser Straßenkünstler setzt? Daniel Richter hat es für uns ausprobiert und inkognito auf der Place Georges Pompidou in Paris Touristen porträtiert. Eine Zeichnung des Malers, für dessen Gemälde in Auktionen mehr als 800 000 Dollar gezahlt werden, kostete fünf Euro. Fünfundzwanzig Werke verschwanden spurlos in amerikanischen und koreanischen Rucksäcken - oder im Müll. Wir haben sie vorher dokumentiert.“ Eine wunderbare Idee der „F.A.Z.“-Redaktion, heute in der Samstagsausgabe eine bezaubernde Reportage von Niklas Maak, die ich leider (noch?) nicht online finden konnte – aber immerhin Fotos und ein Video dazu.

Update: In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 19. August nimmt Peter Richter Daniel Richters (verwandt, verschwägert?) Aktion zum Anlaß, auf einer ganzen Seite über das Porträt als „gesunkenes Kulturgut“ zu reflektieren.

Montag, 6. August 2007

Spiegel Online bedient sich bei Frankfurter Allgemeine

Sind die „Spiegel“-Reporter alle im Urlaub oder warum übernimmt man jetzt Beiträge aus der „Frankfurter Allgemeinen“? Nils Minkmars von mir bereits gestern gelobter Feuilletonaufmacher „Und wann haben Sie Ihre erste Milliarde?“ aus der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ steht nicht nur bei faz.net online, sondern heute auch bei Spiegel Online. Am meisten freut sich darüber der Perlentaucher, der natürlich viel lieber nach Hamburg, denn zu den Frankfurter Prozeßhanseln verlinkt.

Google: „Weit mehr als nur eine Geldmaschine“

Auf einer ganzen Seite berichtet Holger Schmidt in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ heute über Google, dessen Forschungslabors und dessen Anwendung der „Topicality“ – die Kunst, Fundstellen nicht nur nach dem Page Rank, sondern möglichst in Echtzeit nach Aktualität, Bedeutung, Trend und Inhalt in den Ergebnislisten zu sortieren.

Sonntag, 31. Dezember 2006

Joseph von Westphalens 11 Lieblingsclips bei YouTube

In der heutigen „Frankfurter Allgemeinen“ hat der Schriftsteller und Jazzkenner Joseph von Westphalen seine persönlichen Favoriten auf YouTube präsentiert:

1. Angela Gheorgiu singt als La Traviata „Amami Alfredo“ im Londoner Covent Garden 1994



2. Blues-Shouter Jimmy Rushing mit „I left my baby“



3. Melina Mercouris Hafenode aus „Ποτέ την Κυριακή“



4. Nina Hagens Tremolo in Ulrike Oettingers „Bildnis einer Trinkerin“



5. Harald Schmidts Einspieler zu „Hitlers Ei“



6. Filmmontage mit Szenen des Tenors und Schauspielers Beniamino Gigli



7. Joan Baez' „Diamonds and Rust“, vorgetragen bei einem Sit-in vor der Ranch des US-Präsidenten



8. Der Auftritt des Saxophonisten Illinois Jacquet im film noir „D.O.A.“



9. Klaus Nomi mit „Cold Song“



10. Seine beiden Tina-Turner-Empfehlungen: „The Bayou Song“ aus den sechziger Jahren und „I've been loving you too long“ in der Version von 1971 konnte ich heute nicht online finden.

11. Bonnie Prince Billy mit „I see a darkness“