Samstag, 15. Oktober 2011

Bullioning: Her mit den Zeugnissen!

Durchs Abitur habe ich mich natürlich auch gemogelt. War nicht weiter schwer. Als Schulsprecher des Wittelsbacher Gymnasiums konnte nicht nur ich mir frei nehmen, wie ich wollte, sondern auch die Mädels aus der Mittelstufe (ältere gab es bei uns, einem traditionellen Knabengymnasium, nicht) zu wichtigen Besprechungen abrufen und mit ihnen Vormittage im Mathäser Filmpalast verbringen. Als Staatenloser war ich vom Numerus Clausus befreit und hätte, unabhängig vom Notenschnitt, studieren können, was ich wollte. Und dank der Kollegstufe hatte ich meine Kurse und insbesondere die Abiturfächer streng nach Neigung ausgesucht.
Da wir überhaupt erst der zweite Jahrgang einer bayerischen Kollegstufe waren, kam ich auch sonst in den Genuß der experimentellen Zwischenphase. Die Härten des ersten Jahrgangs waren abgeschafft, die Härten späterer Jahre noch nicht eingeführt worden. Die ganze Schulordnung noch im Fluß. Eiskalt besann ich mich nach elf Jahren katholischen Religionsunterrichts, daß mir dieser als Rumänisch-Orthodoxer nicht zumutbar wäre. Und nutzte die Vorschrift aus, daß Ethikunterricht nur zulässig war, wenn man ihn bereits in der 11. Klasse besucht hatte. Wieder ein paar Unterrichtsstunden ersatzlos gespart, und vielleicht ein Grund für meine sittliche Verwahrlosung.
In Physik schaffte ich es in der 12. wie 13. Klasse, in einem Halbjahr null Punkte zu erreichen, und wurde zum Abitur nur zugelassen, weil man damals noch Noten aus verschiedenen Jahren häufeln konnte.
Mit Französisch, Sozialkunde/Geschichte, Biologie und Erdkunde hatte ich für's Abitur die Fächer ausgewählt, die ich von Haus aus beherrschte, ohne viel, wenn überhaupt, lernen zu müssen. Da konnte ich es mir sogar leisten, die Facharbeit über Isabelle Adjani gar nicht erst anzufangen, denn selbst die null Punkte dafür konnten mir nicht schaden.
Nachdem letzte Woche Constanze von Bullion in der „Süddeutschen Zeitung“ Klaus Wowereits Abiturnoten wohl ohne dessen Einverständnis veröffentlichte, und ich mich darüber aufregte,   mokierte sich Klaus Graf, Historiker an der Uni Freiburg, in seinem Blog über meine Kritik an dem Notenleak: „Viel Trara“, denn „Schule ist keine solipsistische Veranstaltung, sondern Sozialsphäre“. Das brachte mich spontan auf die Idee, daß wir alle vielleicht unsere Abitur- und sonstigen Abschlußzeugnisse veröffentlichen könnten, auch wenn so eine nackte Note natürlich deutlich weniger attraktiv ist als Scarlett Johanssons verlängerte Rückenansicht. Zumal es ja nicht einmal mehr so eingängige Schulnoten wie bei Wowigate gibt, sondern eher komplizierte Punktkonstrukte. Graf ging sofort auf mein Angebot ein und stellte sein Reifezeugnis online.
An dessen 725 Punkte und einen Abischnitt von 1,6 komme ich natürlich lange nicht ran. Aber immerhin reichten mir 528 Punkte und eine Durchschnittsnote von 2,7 zur allgemeinen Hochschulreife. An einem bayerischen Gymnasium! Inklusive großem Latinum!! Das vollständige Zeugnis scanne ich nächste Woche ein ist unten verlinkt.
Und bin jedem dankbar, der sich anschließt und (seine eigenen!) Abiturnoten- oder sonstigen Abschlußzeugnisnoten nachreicht. Sei es als Bilddatei, um sie hier einzubauen, als Text über die Kommentarfunktion oder in seinem eigenen Blog. Bitte dann aber unter dem Tag „Bullioning“, damit ich es auch finde und darauf verlinken kann.

Update: 


Kommentare:

Hans hat gesagt…

Fuck!
Ich fühle mich ausgegrenzt.
Habe nur einen Abschluß der mittleren Reife vergleichbar.

Dorin Popa hat gesagt…

Schon korrigiert. Jedes Abschlußzeugnis zählt!