Öffentliche Toiletten am Elisabethmarkt? Das mag selbst für die Schwabinger Anwohner*innen überraschend klingen, aber in den zehn Markthäusern gibt es nicht nur je eine Personaltoilette für die Angestellten und Händler*innen, sondern tatsächlich auch Kundentoiletten oder vielmehr Krypto-Klos. Nicht einmal der Wirt des Wintergartens wusste, dass neben seinem Biergarten seit September 2024 öffentliche Toiletten existieren. Die Marktbesucher*innen nutzen immer noch die Klos seiner Wirtschaft. Was ihn jetzt hinsichtlich der Klopapierkosten und des Reinigungsaufwands nicht weiter stört. Es sei halt nur doof, dass die eigenen Gäste im Sommer gerade bei der Damentoilette Schlange stehen müssten, wenn Besucherinnen vom Markt seine Sanitäranlage nutzen.

Doch hinsichtlich der fünf grundsätzlich öffentlichen Toiletten in vier von zehn Häusern hat die damalige Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) schon bei der Baustellenbegehung im November 2023 festgestellt, dass diese Klos zwar durchaus für die Marktkundschaft gedacht seien, aber dennoch nicht öffentlich kommuniziert werden würden. Geheimtoiletten? Ein typischer Schachzug der Münchner Stadtverwaltung.
Immerhin eine davon, die nur von Schlüsselinhabern benutzbare
Toilette für alle gemäß den Kriterien der Stiftung Leben pur ist sogar auf der
Homepage des Elisabethmarktes sowie auf den Übersichtstafeln an der Nordend- und Arcisstraße ausgeschildert. Nur eben falsch verortet. Denn auf dem Orientierungsplan ist sie in Haus 2 neben der Focacceria eingezeichnet. Tatsächlich befindet sie sich gegenüber in Haus 1 neben dem Eis- und Brotstandl by Cramer. Damit schickt man ausgerechnet Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen gezielt in die Irre.
Und wenn ich die Baupläne von 2023 richtig deute, stand die tatsächliche Lage des Behindertenklos auch schon damals so fest. (Was nun nicht viel bedeuten muss, denn damals hat man auch die beiden Dachterrassen auf dem Elisabethmarkt lauthals vorgestellt, die aber derzeit wie bereits die ersten acht Monate nach der Öffnung nicht einmal tagsüber betreten werden dürfen.)
Die anderen öffentlichen Toiletten befinden sich in Haus 2 in der Ochsenbraterei, in Haus 9 bei Fizzy Bubele sowie gleich zwei in Haus 5 bei Ofner's Bistro und dem Weinatelier Elisabeth. Und wie die Behindertentoilette sind auch diese nur zu Marktzeiten zugänglich. Werden dabei aber keineswegs nur von der Marktkundschaft genutzt, sondern auch von Obdachlosen, die durchaus willkommen scheinen. Abends oder sonn- und feiertags bleiben tatsächlich nur der Wintergarten oder das Restaurant Eli, um sein Geschäft zu verrichten. Oder man geht ins Grüne.
Niederschwellig sind von den allgemeinen Markttoiletten nur zwei: Die auch zumindest im Bistro als Toilette klar gekennzeichnete bei Ofner's und die nicht ausgeschilderte bei Fizzy Bubele, die aber direkt am Hintereingang liegt und genutzt werden kann, ohne durch das ganze Lokal zu laufen.
Bei der Ochsenbraterei und dem Weinatelier Elisabeth verbergen sich die Klos dagegen ohne jeden Hinweis hinter mehreren Türen. Wer es nicht ahnt und fragt, wird kaum hinfinden.
Diese Konstellation ist nicht nur für die Laufkundschaft unglücklich, auch die Händler*innen sind alles andere als glücklich. „Stellen Sie sich vor, sie hätten ein Haus und vermieten mehrere Wohnungen, aber nur eine davon hätte ein Klo. Und der Mieter müsse hinnehmen, dass die Nachbarn seine Wohnung betreten, um aufs Klo gehen zu können.“
Es sei ein Unding, dass der Bedarf an öffentlichen Toiletten auf die Marktstände abgewälzt worden sei, während die städtische Toilettenanlage am Elisabethplatz 4c seit Ewigkeiten geschlossen ist, statt sie instand zu setzen. Weshalb im neuen Jahr seitens von Markthändlern auch ein Termin mit jemandem aus dem Stadtrat anstünde, um das Problem zu besprechen und zu lösen. Und vielleicht findet sich bis dahin auch eine Lösung für die Dachterrassen.
Update: Wie mir Gesa Tiedemann vom Bezirksausschuss 4 Schwabing-West mitteilt, wurde die Toilettenanlage am Elisabethplatz 4c bereits vor Jahren an das Schulreferat übertragen. Das Berufsschulzentrum soll dort einen zusätzlichen Klassenraum erhalten. Ein Bauantrag liegt inzwischen vor. Und die vor nicht einmal anderthalb Jahren eröffneten Dachterrassen am Elisabethmarkt seien aus feuerpolizeilichen Gründen gesperrt und müssten umgebaut werden.
Update vom 31. Januar 2026: Inzwischen hat das Kommunalreferat die fehlerhaften Übersichtspläne korrigiert und die Toilette für alle richtig verortet.
Update vom 2. Februar 2026: Es handelt sich übrigens um die 200. Toilette für alle in Deutschland, weshalb es am kommenden Montagvormittag, dem 9. Februar 2026, eine feierliche Eröffnung mit Sozialministerin Ulrike Scharf und der 3. Bürgermeisterin Verena Dietl geben wird.
Warum wird das Band erst anderthalb Jahre nach der tatsächlichen Eröffnung durchgeschnitten? Weil die für diese Toiletten zuständige Stiftung Leben pur erst durch diesen Blogbeitrag von der Existenz der Toilette erfahren hat. Bis dahin waren alle schriftlichen und telefonischen Versuche der Projektleiterin, von den Verantwortlichen bei der Landeshauptstadt etwas über den Stand der Dinge zu erfahren, erfolglos geblieben.
Update vom 10. Februar 2026: Gestern wurde, anderthalb Jahre nach Fertigstellung des umgebauten Elisabethmarktes, die inklusive Toilette für alle feierlich von Sozialministerin Ulrike Scharf und der 3. Bürgermeisterin Verena Dietl eröffnet.
In diesem Zusammenhang äußerte sich auch eine Sprecherin der Landeshauptstadt gegenüber der
„tz“:
„Das neue Häusl am Elisabethmarkt ist auch im Marktplan online markiert – im Gegensatz zu den anderen Klos. Es gebe vier Kunden-Toiletten, sagt eine Sprecherin der Märkte München auf Anfrage: bei Fizzy Bubele, in der Ochsenbraterei, bei Ofner‘s Bistro und im Weinatelier Elisabeth. Dass sie nicht auf dem Plan markiert sind, sei mit den Händlern so abgesprochen, erklärt die Sprecherin. »Wir wollen die WCs nicht verstecken« – sie seien halt aber vor allem für Marktkunden gedacht.“
Nun sind – wie oben bereits ausgeführt –die vier herkömmlichen Toiletten nicht nur im Online-Plan nicht markiert, sondern genausowenig auf den beiden am Markt aushängenden Übersichtsplänen. Zudem sind zwei dieser vier Toiletten ohne jeden Hinweis im Backstagebereich des jeweiligen Marktstandes hinter mindestens zwei Türen versteckt. Eine weitere wäre direkt im Marktstand zugänglich, ist aber auch nicht als WC markiert.
Fragen wirft auch das Statement der Stadt auf, die Toiletten seien vor allem für Marktkunden gedacht. Für wen sind sie denn eher nicht gedacht? In einem der Marktstände kommt regelmäßig eine Obdachlose, um sich zu waschen. Und der Standlbesitzer freut sich darüber. Die Stadtverwaltung scheint das anders zu sehen.
In der
„Abendzeitung“ träumt der Sprecher der Händler am Elisabethmarkt, Karl Huczala, sogar von einer zusätzlichen öffentlichen Toilette:
„Ein Problem aber bleibt am Elisabethmarkt: Nur drei normale Toiletten, integriert in drei Gastro-Standl, reichen an sonnigen Tagen schlicht nicht aus für die vielen Marktbesucher. »Da stehen die Leute teilweise ewig Schlange«, sagt Karl Huczala, »wir hoffen, dass wir bald noch eine öffentliche Toilette bekommen, die dann auch rund um die Uhr geöffnet ist.«“ Seltsamerweise existieren für Huczala derzeit neben der Toilette für alle nur drei öffentliche Toiletten in den Marktständen, während das Kommunalreferat und ich bei unseren Zählungen auf vier kamen.
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