Mittwoch, 4. November 2026

Noch nicht einmal eröffnet und bereits auf Expansionskurs: Verdrängt das neue Amano-Hotel den Burger King am Stachus?

Ab 11. Januar geht es im neuen Amano-Hotel am Stachus los. Pünktlich zur Fachmesse BAU und mit entsprechend hohen Übernachtungspreisen: 304,80 Euro für das kleinste Zimmer. Wenige Tage später, nach Ende der Messe, sinkt der Preis für das gleiche Zimmer auf 101,60 Euro. 

Aber das Gebäude an der Schwanthaler- Ecke Sonnenstraße 8 wird noch deutlich länger im Fokus von Architekten, Planern, Bauingenieuren und Handwerkern bleiben. Denn während der Neubau noch gar nicht eröffnet wurde, bahnt sich im Nachbargebäude längst die nächste größere Baustelle an.

Nach außen hin prägt der 1990 eröffnete, zweistöckige Burger King das Haus Sonnenstraße 6. Optisch so präsent, dass der Münchner Architekt Carlos Graf Maltzan vor fünf Jahren in seiner Visualisierung des künftigen Amano-Hotels nicht auf dieses signifikante Element am Rand verzichten wollte.

Der Burger King war auch selbst wiederholt in den Schlagzeilen. Sei es, weil der Moshammer-Mörder hier als Aushilfe in der Küche arbeitete. Oder weil Günter Wallraff 2014 dem damaligen Franchisenehmer zahlreiche Verstösse nachwies. Nun droht dem Burger King das Aus. Und das ausgerechnet, wenn auch der McDonald's am Stachus wegen Renovierung länger schließen muss.

Noch vor der Grundsteinlegung für das Amano-Hotel in der Sonnenstraße 8, wo früher die Kultlokale Harry Klein und X-Cess Münchens Nachtschwärmer verwöhnten, bahnte sich der Paradigmenwechsel auch für die Sonnenstraße 6 an. Am 1. Oktober 2024 erwarb die Bogenhausener Unternehmensgruppe Habermann, der bereits die Amano-Immobilie gehört, auch die Nachbarimmobilie von der Herunter Vermögensholding UG & Co. KG.

Inzwischen fühlt sich das Gebäude wie ein Geisterhaus an, sobald man es betritt. Namenlose Klingelschilder und Briefkästen. Die Arztpraxis im zweiten Stock zieht über Weihnachten aus, Wo man auch sonst klingelt, niemand öffnet. Vorausgesetzt, die Klingel funktioniert überhaupt. Im fünften Stock residiert inzwischen die Niinwood GmbH, die auch zur Unternehmensgruppe Habermann gehört.

Dem Vernehmen nach droht dem Gebäude die Kernsanierung oder sogar der Abriss. Man würde nun vermuten, dass ein Hotelbetreiber nicht so begeistert wäre, unmittelbar neben seinem Neubau für längere Zeit eine Baustelle seinen Gästen zuzumuten. Wenn er nicht selber mit dahinter stecken würde. Denn bei der Sonnenstraße 6 Immobilien GmbH sind neben Harry und Alessandra Habermann auch die Berliner Artur und Yves Süsskind involviert, die wiederum die Amano Group betreiben.

Laut der Amano Group in Berlin gibt es in der Sonnenstraße 6 noch „langfristige Bestandmietverträge“, die sofortige Baumaßnahmen ausschließen. Es sei auch noch „nicht sicher“,  ob das Amano-Hotel dann gegebenenfalls die Fläche an der Sonnenstraße 6 nutzen würde. Seitens eines möglichen Insiders klang es dagegen bei einer Replik in den sozialen Medien so, als ob das schon beschlossene Sache wäre. 

Eine solche Entwicklung würde auch das Referat für Stadtplanung und Bauordnung interessieren. Denn dessen Baugenehmigung vom November 2023 für den Neubau Amano-Hotels sieht 554 Betten, eine Tiefgarage mit 45 Stellplätzen, Gaststätten sowie Läden vor. 

Ein Erweiterungs- oder Anbau auf dem Nachbargrundstück bräuchte möglicherweise nicht nur eine eigene Baugenehmigung, sondern könnte auch die bisherige Baugenehmigung für die Sonnenstraße 8 in Frage stellen: „Wenn (weiterhin) zwei separate und ohne gegenseitige Abhängigkeit funktionierende Einzelbetriebe vorliegen, müsste die Genehmigung für die Sonnenstraße 8 wohl eher nicht angepasst werden. Spätestens aber wenn es funktionale und/oder technische Abhängigkeiten zwischen den Anwesen bzw. baulich relevante Veränderungen an einem der Anwesen gibt, liegt ein genehmigungspflichtiges Vorhaben vor. Ob es dann möglich ist, die Genehmigung für die Sonnenstraße 8 nur abzuändern oder ob ein insgesamt neues Vorhaben vorliegt, das dann ganzheitlich zu betrachte wäre, können wir derzeit - mangels Kenntnis konkreter Planungen des Bauherren - leider nicht sagen.“

Die Presseabteilung der in der Sonnenstraße 6 ebenfalls betroffenen Merkur Spielothek konnte mir auf Anfrage „aktuell leider keine weiterführenden Informationen“ geben, hat aber eine mögliche Aufgabe der Filiale auch nicht dementiert. Die Mitarbeitenden vor Ort wissen nichts von einer drohenden Schließung.

Bei Burger King weiß man noch nichts von einer denkbaren Schließung dieser Filiale.

Die Unternehmensgruppe Habermann ließ eine schriftliche Anfrage zu dem Themenkomplex unbeantwortet. 

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