Freitag, 21. Februar 2020

R.I.P. Markus Schütz – oder: Falsche Freunde & ich (Updates)

Markus Schütz ist tot. Mit gerade mal 56 Jahren am 18. Februar dem Vernehmen nach an Krebs gestorben.
Die Meldung kam via Facebook, was ein trauriger letzter Witz war, denn kaum ein Kollege ist so wenig präsent im Internet gewesen wie Markus. Besser bekannt als „Falsche Freunde“, wobei der Plural eher den Anfängen geschuldet war, als er unter diesem Kampfnamen zusammen mit Gregor Wöltje im „IN München“ Klatsch & Tratsch verbreitete. Gregor wechselte bald zum großen Geld ins Agenturleben. Markus trank und schrieb alleine weiter.
Es müßte so Ende der 80er gewesen sein, als die beiden im Schlepptau des neuen Teilhabers Christian Waggershauser beim „IN“ aufschlugen. Ich war dann bald weg. Anfang September 1987 stand ich noch als verantwortlicher Redakteur im Impressum. (Ich kann mich nur erinnern, fester Freier gewesen zu sein. Diese Führungsposition ist mir vollkommen entfallen.) Ein Heft später war dann Markus laut Impressum verantwortlicher Redakteur und ich weg. Und zum Abschied schrieben die Falschen Freunde, dass ich kurz die Redaktion zum Zigarettenholen verlassen hätte und nie wiedergekommen sei. Stattdessen hätte ich mich einer „haschischspritzenden Kindersekte“ angeschlossen. (Markus bestritt dieses Zitat zu Unrecht später.)
Markus selbst blieb aber auch nicht lange verantwortlicher Redakteur des gesamten Blatts. Bereits im Dezember 1987 übernahm die Gesellschafterin und Redakteurin Heide Jefimov zusätzlich die Redaktionsleitung, während Markus wie auch gesondert „Die Falschen Freunde“ im Impressum nur als Mitarbeiter geführt wurden. Im Mai 1988 war Heide offenbar der Klatsch des „Spuckspechts“ („Prinz“ Mai/1995)  zu justiziabel geworden und sie blieb zwar weiterhin für das übrige Blatt redaktionell verantwortlich, aber Markus laut Impressum ausdrücklich verantwortlich für die Falschen Freunde. Im Juli 1989 wurde aus dem „Markus Schütz (verantw. für FALSCHE FREUNDE“ nur noch ein verantwortungsloses „Markus Schütz (FALSCHE FREUNDE)“. Zum Jahreswechsel 1989/1990 verschwand Markus dann für eine Ausgabe sogar völlig aus dem Impressum, um danach aber wieder zurückzukehren, als ob nichts gewesen wäre.
Ich zog bald endgültig nach Berlin und dieser Abstand tat mir gut. Als ich dann 2000 nach München zurückkehrte, lief mir auch Markus wieder über den Weg. Im Schumann's schüttete er mir einmal ein Pils über die Hose. Am legendären Faschingsdienstag im Stadtcafé sein Herz darüber aus, dass ihn so viele dafür hassten, dass er über sie schrieb.
Und zu meiner Überraschung lud er mich dann zu seinem 40. Geburtstag ein, den er nicht am 31. März, sondern bereits am 22. März 2003 in der Neumarkter Straße 77 vorfeierte und wo wir uns vielleicht nicht unbedingt aussprachen, aber von da an war zwischen uns Frieden.
Und er begann, wiederholt über mich in seiner Kolumne zu lästern. Ganz freundschaftlich. Denn das wollen die Wenigsten wahrhaben. Es ist ein Zeichen von Zuneigung und Aufmerksamkeit, von jemandem wie Markus aufgespießt zu werden.
Die „Falschen Freunde“ hatten inzwischen an Bedeutung verloren. Sonst wäre wohl dort auch mein Name nicht erschienen. Aber Markus hielt am alten Ruhm fest und träumte davon, seine versammelten Kolumnen einmal in einer Ausstellung präsentieren zu können. Dann stellten sie nach mehreren Anläufen seine Kolumne auch tatsächlich ein und Markus verschwand. Mit Sicherheit aus meinem Blickfeld und vielleicht sogar aus München. Ich wünsche ihm, dass die Gerüchte von der Erbschaft stimmen und er noch ein paar schöne letzte Jahre hatte. Und vielleicht finden wir einmal einen Raum, in dem wir all seine Kolumnen an die Wand klatschen und noch einmal feiern können.

Updates: Die Beerdigung findet laut Gregor Wöltje am 7. März um 10:00 auf dem Gemeindefriedhof Teisendorf statt. Am 31.3. - zu seinem Geburtstag - nehmen alle falschen und sonstigen Freunde Abschied im Baader Café.  (Abgesagt wegen der Corona-Ausgangsbeschränkung.) Gerne an alle weitersagen, die ihn kannten.

Gregors Nachruf in „In München“ erschien leider nur online und nicht im gedruckten Heft.

Best-of der falschen Freunde über mich:

„Völlig weggetreten ist unser ehemaliger Mitarbeiter Dorin Popa. Er wollte nur mal Zigaretten holen gehen und ward nie mehr gesehen. (Da hätten wir schon mißtrauisch werden sollen, er ist Nichtraucher!) Man munkelt, daß er sich einer haschischspritzenden Kindersekte angeschloßen hat, um dort in aller Ruhe sein Buch über O.W. Fischer am Kilimandscharo zu schreiben. Er selbst meint nur lakonisch, daß er keine 'unchristlichen Sachen' mehr machen wolle. Vielleicht wird er Pressesprecher des Vatikan. Ein Hosianna wünschen ihm die Falschen Freunde“ (IN München 41-42/1987)

„Gesund und munter zeigt sich derweil auch unser alter Kollege Dorin Popa, dem wir unlängst im Schumann's über den Weg gelaufen sind. Der inzwischen schon etwas ergraute Redaktionsrecke darf sich inzwischen als 'Blogger' in der Online-Version des Frauenmagazins Freundin austoben und hat uns dort auch prompt als seine liebsten Verleumder gelobt, weil wir ihm vor gut 20 Jahren unterstellt haben, sich einer 'haschischspritzenden Kindersekte' angeschlossen zu haben. Dem war natürlich nicht so, auch wenn wir uns manchmal fragen, ob das nicht doch seine wahre Berufung wäre. Na egal, wer mehr über Dorins zahllose Abenteuer lesen will, ist bei … bestens bedient.“ (IN München 11/2006)

„Dafür gönnen wir uns jetzt zur Entspannung ein gutes Buch – vorzugsweise erworben bei Dorin Popa, der nämlich in Schwabing in der Barer Straße 80 sein neues Projekt 100 Tage Bücher eröffnet hat. Und weil der ergraute Kulturpudel sein Herz für Pittbulls entdeckt hat, werden diese possierlichen Tierchen bei ihm auch mit Grissini und Ähnlichem abgefüttert. Da läuft niemandem mehr das Wasser im Maul zusammen als Euren FALSCHEN FREUNDEN“ (IN München vom 11. Oktober 2007)

„Wer sich dann noch über heftige Geräusche beim Besuch einer öffentlichen Grünanlage wundern sollte, erlebt dort wahrscheinlich keinen Platzhirsch beim Üben, sondern eher Dorin Popa beim Outdoor-Sexeln. Denn der exzentrische (um beim Thema zu bleiben) Literat und Buchexperte hat sich jetzt seitenweise in der Rentner-Postille 'Stern' über die Freuden des Sex im Alter ausgelassen und dabei auch seine Vorliebe für Open-Air-Veranstaltungen gebeichtet. Dass da Viagra mit im Spiel ist, haben wir schon immer vermutet, aber wie viele Promille seine Partnerin für solche Aktivitäten benötigt, würde uns bei Gelegenheit schon interessieren. Ansonsten wünschen wir ihm natürlich viel Spaß bei all seinen Aktionen und immer warme Unterwäsche, damit er sich nicht verkühlt. Willkommen also auf Wolke Neun!“ (IN München 19/2008)

„Eigentlich ist der Faschingsdienstag eine Pflichtveranstaltung im Stadtcafé, auch wenn die Preise regelmäßig auf Disconiveau angehoben werden. Dafür gibt es dann ein Wiedersehen mit Dorin Popa, der seine erotischen Ausflüge in den Englischen Garten jetzt auf die wärmere Jahreszeit verlegt hat und solange etwas imrpovisieren muss. Aber das Ergebnis kann man dann ja wieder im Stern nachlesen.“ (IN München 6/2009).

„Wenn ganz groß aufgetischt wird, und Schampus, Prosecco und Hochprozentiges in Strömen fließen, reagieren routinierte Partygänger gerne etwas misstrauisch. So gesehen bei der VIP-Premiere der neuen GOP-Produktion 'DeLuxe'. Für die Varieté-Show im edlen Ambiente hielten die Betreiber Profi-Adabeis und echte Beinaheweltstars wie Olivia Pascal und Max Tidof mit so viel Gratis-Trunk bei Laune, dass der Abend nichts Gutes erwarten ließ. Was für eine Täuschung: Kunstvoll verrenkte Nataliya Vasylyk ihren Schlangenkörper, und auch einige der Pointen passten. Star des Abends war jedoch ein Nachwuchstalent: Dorin Popa, Lesern dieser Kolumne bestens bekannt, schlug als nicht ganz freiwilliger Stargast aus dem Zuschauerraum den Conferencier im Schlabberlook um Längen an Schlagfertigkeit.“ (IN München 8/2009)


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