Und auch wenn Ralf Richters Vater Architekt und Immobilienbesitzer gewesen war, lebte dieser strenggläubige Katholik mit Frau, Ralf und sieben weiteren Kindern im Bochumer Arbeiterviertel und führte ein offenes
Haus. Ralf besuchte zwar eine Schauspielschule, hatte aber zuvor Schreiner gelernt, wobei der Vater das Handwerk seines Sohnes als sozialen Abstieg empfand und es begrüßte, als er zum Schauspiel wechselte. Den Erfolg seines Sohnes als Kult-Darsteller erlebte er aber nicht mehr.
Während Rudolph eher der gefährlich schweigsame Düstere blieb und Semmelrogge der spitzbübische Lustige, gab der in Essen geborene „Ralle“ Richter meist den derben Proleten mit eisblauen Augen und
unwiderstehlichem Ruhrpott-Charme. Mal lieb, mal wütend, aber immer authentisch. Im Fernsehen etablierte er sich als Bergmann Otto Schablowski in Klaus Emmerichs „Rote Erde“. In Peter Thorwarths Kult-Komödien „Bang Boom Bang“ und „Was nicht passt, wird passend gemacht“ triumphierte er schließlich als „Kalle“ auch an den Kinokassen in diesem Rollenfach.
Dass Richter damals vor der Deutschland-Premiere von „Bang Boom Bang“ in Köln direkt aus dem Tourbus heraus verhaftet und später wegen Kokainhandels zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, schadete ihm dann natürlich auch nicht, sondern unterstrich nur seine Glaubwürdigkeit vor der Kamera. Und Regisseure wie Dominik Graf („Die Katze“) oder Oskar Roehler („Suck My Dick“) griffen gerne auf dieses ungeschliffene Juwel zurück.
Doch in den letzten Jahren war sein Glanz gesundheitsbedingt verblasst. Ihr in Köln lebender Vater sei in der vergangenen Nacht gestorben, schrieben seine Kinder Aline und Maxwell Richter am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung bei Facebook.
Sie ergänzten: „Für uns ist gerae eine Welt stehen geblieben.“ Für viele Fans sei er Schauspieler, Kultfigur und ein Gesicht, das sie über viele Jahre begleitet habe. Für die Kinder sei er aber vor allem der Vater gewesen. Richter wurde 69 Jahre alt.
Seinem Vater sei es seit längerem gesundheitlich schlecht gegangen, sagte Richters Sohn der „Bild“. „Er litt an COPD und einer Herzunterfunktion. Eine Vene zum Herzen hat nicht mehr richtig gearbeitet“, so Maxwell Richter. „Deshalb war er schon vor ein paar Monaten in der Klinik. Danach hat er weiter abgebaut.“ COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) ist eine chronische und fortschreitende Lungenerkrankung.
(Versionen dieses Artikels erschienen in der „tz“, „Wasserburger Zeitung“, „Chiemgau-Zeitung“, im „Münchner Merkur“, „Mühldorfer Anzeiger“, „Mangfall-Boten“, „Oberbayerischen Volksblatt“, „Neumarkter Anzeiger“ und den „Waldkraiburger Nachrichten“ vom 16. September.)

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