Donnerstag, 10. September 2026

Polizei nimmt Drohung gegen Charlotte Knobloch sehr ernst

Es war schon immer ungeheuerlich, dass Charlotte Knobloch sich in ihrer Heimatstadt München nicht ohne Personenschutz bewegen darf. Ob in der Pinakothek der Moderne oder im Referat für Arbeit und Wirtschaft, vor dem Oberpollinger oder im Alten Rathaus, am Wittelsbacher Gymnasium oder in den Kammerspielen: Stets erkundet ein Zivilpolizist vorab die Lage, und wenn die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern schließlich eintrifft, begleiten sie zwei bis drei bewaffnete Beamte. Doch selbst das scheint nicht mehr sicher genug zu sein. 

Heute Abend präsentierte „SZ“-Journalist Ronen Steinke sein neues Buch „Meinungsfreiheit“ im Fat Cat im alten Gasteig. Und Knobloch sollte in Begleitung von vier Leibwächtern unter den Gästen der ausverkauften Veranstaltung sein, sagte aber heute Mittag kurzfristig ab. 

Veranstalterin Micky Wenngatz vom München ist bunt! e. V. hatte sich schon darauf gefreut, Knobloch nicht nur als Zuschauerin begrüßen zu dürfen, sondern ihr öffentlich für ihre Unterstützung danken zu können und ihr zu versichern, dass man auch künftig an der Seite der israelitischen Gemeinde stünde. Doch dann kam die Absage aufgrund einer „Bedrohungslage“. 

Ronen Steinke schrieb auf Facebook, dass Knoblochs „Personenschutz“ eine Teilnahme an der Buchvorstellung „aufgrund eines aktuellen VORFALLS nicht für ratsam“ hielt. 

Offensichtlich handelt es sich nach Darstellung des Münchner Polizeipräsidiums dabei wohl um ein am Dienstag entdecktes und erst heute entferntes Graffito auf einer Parkbank im Englischen Garten mit einer persönlichen Morddrohung gegen Knobloch.

Da schützt auch kein Disclaimer auf der Webseite zur Veranstaltung: „Dies ist eine geschlossene Veranstaltung. Die Veranstalter*innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder sie von dieser auszuschließen.“

Stand heute Abend hätte die Präsidentin laut der Pressestelle der Israelitischen Kultusgemeinde aber keine weiteren Veranstaltungen abgesagt.

Lag es womöglich auch am subkulturellen Veranstaltungsort? Wenngatz widerspricht dem entschieden, hält es dagegen aber auch für keinen Zufall, dass es wenige Tage nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt zu so einer Bedrohungslage kommt: Die Gefährder aus der rechtsextremen Ecke könnten „vor lauter Kraft nicht mehr laufen“.

Versionen dieses Textes erschienen in der „tz“ und im „Münchner Merkur“ vom 11. September 2026.

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