
T-Online verschenkt ja anders als GMX oder G-Mail nichts, sondern läßt sich seine Dienste bezahlen. Da kann man sich schon ein bißchen ärgern, wenn im Webmailer jetzt Werbung auftaucht.
Nicht nur die Kioske trifft's, jetzt muß auch der Kinderbuchladen in der Blütenstraße zum nachmittäglichen Räumungsverkauf bitten. Was kommt stattdessen? Noch ein Coffee to go oder der vierte American-Apparel-Shop im Barerkiez?
Der „Fall Ferres“ titelt die neue „Park Avenue“ und traut sich wie nur wenige Medien, die Münchner Fernsehactrice samt Ehemann anzupinkeln. Denn in der Regel will man es sich mit dem Powerpaar nicht verderben, schließlich ist die Vroni mit zu vielen Chefredakteurinnen per Du, zu wichtig als Eventgast/Interviewpartner/Laienmodel und zu übereifrig, wenn es darum geht, ihren Anwalt loszuhetzen. So auch auf die „Park Avenue“, die endlich mal darauf hinweist, daß die Ferres sich den Namen Power-Child keineswegs selbst ausgedacht, sondern wenig elegant bei einer anderen erfolgreichen Initiative gecatcht hat. In vier Punkten hat dieser Anwalt – der morgigen „Süddeutschen Zeitung“ zufolge – eine einstweilige Verfügung gegen „Park Avenue“ durchgesetzt, nur war das Heft leider schon ausgeliefert. Mal sehen, inwieweit der gedruckte Text von der Onlineversion abweicht.
Neues von den unglaublich schlecht gestylten Psudoschnöseln namens Aggro Grünwald alias die Stehkrägen: In der morgigen „Abendzeitung“ servieren Sie einen Nachschlag zu ihrem ersten Hit „Eure Armut kotzt uns an“. 14 weitere Songs, die am 4. Juli veröffentlicht werden, unter anderem angeblich auch als limitierte Sonderedition in Samt und Mahagoni für 400 Euro. Neben einer Textprobe im Blatt („Ich esse Kaviar für Somalia/Trink Champagner für ganz Kenia/Ich habe null Bezug zur Realität/Mir ist egal, wie es all den armen Tropfen geht/Doch mein Gewissen ist danach rein wie nie/Mein Opium fürs Volk ist Charity“) präsentiert die „AZ“ auch eine Hörprobe online.
Hochprozentiges Déjà-vu in den Münchner Kammerspielen: Das Bühnenbild zu Ödön von Horváths „Zur schönen Aussicht“ ist eine Kopie des Schumann's am Hofgarten.
Wie die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer morgigen Ausgabe meldet, ist Münchens ehemaliger Kulturreferent Jürgen Kolbe letzten Donnerstag im Alter von 67 Jahren gestorben. 1976 trat er in München sein Amt an, es war die Zeit des Theaterfestivals und der Alabamahalle, von Beuys und Celibidache. Es war die Hoch-Zeit lokaler Kulturpolitik, als auch Hermann Glaser in Nürnberg und Hilmar Hoffmann in Frankfurt Literatur und Künste förderten. Und es war vor allem eine andere Ära im Umgang mit der Öffentlichkeit. Als Jürgen Kolbe einen Schlaganfall erlitt, es muß Anfang der achtziger Jahre gewesen sein, hielten es sämtliche Redaktionen unter Verschluß. Der Kulturreferent verschwand einfach für ein paar Wochen von der Bildfläche, erholte sich, ohne daß irgendeine Zeitung oder Nachrichtensendung die Krankheit erwähnt hätte. In den Insiderzirkeln war es kein Geheimnis, jeder wußte von dem Krankheitsfall, nur das Volk durfte nichts erfahren. Sogar die politischen Gegner schwiegen. Und selbst heute, im Nachruf der „SZ“ kein Wort dazu. Bei einem aktuellen Politiker wäre das undenkbar, zumindest ein Blogger würde das Geheimnis ausplaudern, und das halte ich durchaus für einen Fortschritt.