Freitag, 22. Juni 2007

Filmfest München: Fast forward (1)

Nach meinen ersten willkürlichen Vorahnungen hier die ersten tatsächlichen Sichtungen:

„4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“
Wenn ich an Rumänien dachte, sah ich früher immer rot und blau vor mir. Wangenrot und blauer Lidschatten. Die Vereinsfarben von Steaua Bukarest. Das Logo des sozialistischen Zentralkaufhauses. In Cristian Mungius „4 luni, 3 săptămâni şi 2 zile“ sind nur der Dacia des Engelmachers und ein Fötus rot, blutrot, während alles andere in Ocker, Grau und schmutzigem Grün verblasst. Eine Zeitreise in die kommunistische Diktatur, in die beengte Welt eines Studentenheims, wo die Kommilitonen mit einer atemraubenden Selbstverständlichkeit einander beistehen. Und in ihrer Naivität mit jedem Schritt außerhalb ihrer kleinen Welt, scheinbar lebensuntüchtig, auf bleierne Strukturen, Akademikerdünkel und sexuelle Ausbeutung stoßen, wie sie auch heute nach der Wende noch existieren.

„Enttarnt – Breach“
Jeder Film mit Laura Linney ist sehenswert, selbst wenn sie – wie hier – nur eine Nebenrolle hat. In der desillusionierenden Agentenwelt von Washington D.C., in der die Männer (Ryan Phillippe, Chris Cooper) mit Taschenspielertricks und großem Pathos der Liebe, dem Vaterland, dem Glauben oder der Familie huldigen, ist sie die nüchterne wie einsame Mahnerin. Die Dame in einem hochintelligenten Schachspiel, das einen von Amerikas größten Geheimdienstskandalen nachzeichnet, die Überführung des FBI-Agenten Robert Hanssen, der bis 2001 für Rußland spioniert hat.

„Death of a president“
Handwerklich so brillant, daß mir das Feixen nach dem Vorspann verging. Was wäre, wenn George W. Bush einem Attentat zum Opfer fiele? Nachrichtenbilder, Spielszenen und ein paar technisch manipulierte Aufnahmen von Cheney & Co verknüpft dieser Pseudo-Dokumentarfilm zu einer packenden, wenn auch zwiespältigen Fiktion. Bei aller Ironie – oder gerade deswegen – könnte der Zuschauer leider tatsächlich glauben, daß die Globalisierungsgegner an der Gewaltspirale drehen und Attentate erst möglich machen.

„Trade – Willkommen in Amerika“
Marco Kreuzpaintner, gerade mal 30-jähriger Nachwuchsregisseur aus Rosenheim, hat mit seiner ersten US-Produktion die Hollywood-Reifeprüfung bestanden. Ein Roadmovie auf den Spuren des globalen Menschenhandels, Einblicke in das große Geschäft mit Zwangsprostitution und Kindsmißbrauch zwischen Polen, Mexiko und den USA. Ein wichtiges Thema, ein sicheres Spiel, aber Kreuzpaintner setzt nicht auf leicht zu bejahende Schwarz-weiß-Kontraste, sondern wagt sich in die irritierende Welt der Zwischentöne, wirft mehr Fragen auf, als vorschnell Antworten zu liefern.

„XXY“
Boy meets girl – der klassische Filmstoff. Was aber, wenn das Mädchen irgendwie auch ein Junge ist? Wie gehen Freunde, Flirts, die Familie, man selbst damit um? Ein sanftes poetisches Plädoyer für einen Zwitterweg ins Unbekannte, für den Mut, abseits aller sexuellen Schlagworte seinen eigenen Weg, seine eigene Identität zu finden.


Kommentare:

Blog Queen hat gesagt…

Kurz, knapp, informativ. Gefällt mir. Es ist auch immer schön, die seltene Gelegenheit zu bekommen, Dein Schreibtalent mal in Action zu sehen, sozusagen. Aber so ist das wohl beim Bloggen, 90 Prozent Blabla und 10 Prozent lesenswert an sich.

Dorin Popa hat gesagt…

Der Blog ist eben auch mein Tagebuch, in das ich einfach so reinschreibe, ohne groß darüber nachdenken zu müssen.

Das Schreibtalent soll eigentlich zahlenden Lesern bzw. Verlagen vorbehalten bleiben. Denn dafür ist es zu sehr mit Qualen verbunden...

Blog Queen hat gesagt…

Dein anderes großes Talent: stating the obvious. :)