Montag, 9. Juli 2007
Diekmann auf den Spuren Martin Luthers
Daß die „BILD“-Zeitung „verständlich, emotional, bilderreich, schöpferisch“ sei, könnte vielleicht sogar Stefan Niggemeier unterschreiben. Daß „BILD“-Chefredakteur Kai Diekmann sich mit diesen Borderline-Qualitäten aber in der Tradition Martin Luthers sieht, ist der passende Aufreger zu diesem trüben Wochenanfang. In der neuen Ausgabe des evangelischen Magazins „Chrismon“ spricht der Biedermann und geistige Brandstifter nicht nur seine Arbeit heilig, sondern verteufelt gleichzeitig auch die emotionale, schöpferische Konkurrenz der Rapper, Chatter, Onlineforen und nutzt auch die Gelegenheit zu einem ordentlichen Tritt gegen die Sozen: „Keine Generation hat die Chancen der einfachen Leute so nachhaltig ruiniert wie diejenigen, für die Chancengleichheit in erster Linie darin bestand, schulische Anforderungen zu senken.“ Höhepunkt des Pamphlets ist aber seine Verwunderung, daß die Leserbriefe der „BILD“-Klientel aus „Kauderwelsch und Rhabarber“ bestünden. „Orthografisch korrekt sind meist nur Briefe, die aus den neuen Bundesländern stammen oder von älteren Leuten aus dem Westen – also von Personen, die nicht dem Einfluss der Kultusministerkonferenzen, der GEW oder reformwütiger Lehrerverbände unterworfen waren.“ Ob die „Zeit“ und der „Spiegel“ die gleiche Erfahrung machen?
Samstag, 7. Juli 2007
Freitag, 6. Juli 2007
Verantwortungsloses Spiel
Berlin vs. München – 1:0
Wenn ich zwei derzeit viel diskutierte Videos, „Eure Armut kotzt uns an“ von den Stehkrägen/Aggro Grünwald und DeineLtan mit „FickDieCops“, vergleiche, muß ich feststellen, daß die Münchner nicht nur nicht rappen können, sondern auch die wesentlich miserableren Clips produzieren.
Donnerstag, 5. Juli 2007
Transparenz 2.0
Da Turi fragt Peter Turi und Thierry Chervel fragen, was mich die Nutzungsrechte des „F.A.Z.“-Interviews gekostet hätten...
OSMu 08
Während die Barcamps landauf, landab sprießen, ist es in München noch recht ruhig. Ich hoffe, daß es mit dem für November Angekündigten auch tatsächlich klappt. Mein Projekt eines Open Space Munich im Vorfeld des DLD konkretisiert sich. Freitag, den 18. Januar gäbe es eine Präsentation französischer Web-Projekte und Unternehmen. Das eigentliche OSMu 08 fände Samstag, den 19. Januar ganztags und Sonntag vormittag statt. Der Wiki für die Interessenten und inhaltlichen Absprachen geht Montag online.
Online-Tutorial fürs Web 2.0
Was sind RSS-Feeds, Tags, Wikis, Blogs, Podcasts... – und vor allem, wozu sind sie überhaupt gut? Für SysAdmins, Chief Blogging Officers und andere Nerds keine Frage, aber wie steht es mit allen anderen? Das Web 2.0 erobert immer mehr Arbeitsplätze, an denen plötzlich Angestellte für user generated content sorgen sollen. Da kommt es dann durchaus vor, daß Sixt seine Mitarbeiter bloggen lassen will, diese sich aber nicht so sehr dafür begeistern können. Wie man seine Leute spielerisch für das Internet begeistern kann, hat Helen Blowers bewiesen, deren Präsentation das Highlight der Webtagung „The New Media and Multicultural America: Digital, Dynamic, Diverse, Democratic“ in Tutzing war. Ursprünglich nur für die Public Library of Charlotte and Mecklenburg County entwickelt, wurde Learning 2.0 inzwischen weltweit von über hundert Institutionen übernommen.
P.S. Wunderbar auch, wie Bibliotheken das Web 2.0 aufgreifen. Da ist es plötzlich möglich, daß wir normalsterblichen Nutzer in deren Online-Katalogen Kommentare und Tags setzen.
P.S. Wunderbar auch, wie Bibliotheken das Web 2.0 aufgreifen. Da ist es plötzlich möglich, daß wir normalsterblichen Nutzer in deren Online-Katalogen Kommentare und Tags setzen.
„YouTube ist heute unser Warhol“
Update: Meine Lizenzrechte für das von Frank Schirrmacher moderierte Streitgespräch zwischen Hubert Burda und Albrecht Müller sind heute, am 3. August, abgelaufen. Daher nehme ich es offline. Der Originalbeitrag aus der „F.A.Z.“ ist inzwischen aber auch dort online.
Mittwoch, 4. Juli 2007
Abgestandene Mediennews
Bundeswehr bespitzelt Bürger
Beim Streit um die Amtshilfe der Bundeswehr während des G-8-Gipfels in Heiligendamm, betont das Verteidigungsministerium laut der „Süddeutschen Zeitung“, daß „die Streitkräfte nicht in Grundrechte von Bürgern eingegriffen hätten.“ Dabei haben die eingesetzten Spähpanzer des Typs Fennek im Rahmen der sogenannten Amtshilfe mit ihrer Kamera aber nicht etwa Demonstranten, sondern die Autobahn observiert. Nun hat das Bundesverfassungsgericht erst im März wieder am Beispiel Regensburgs festgestellt, daß Videobeobachtungen öffentlicher Plätze „einen Eingriff von erheblichem Gewicht in das allgemeine Persönlichkeitsrecht in seiner Ausprägung als Recht der informationellen Selbstbestimmung“ darstellen. Also durchaus einen Eingriff in die Grundrechte von Bürgern.
Dienstag, 3. Juli 2007
sueddeutsche.de will Touristennepp vorbeugen
Nach dem Revival des jetzt.de-Klassikers „Kenn die Stadt“, plant auch der große Bruder sueddeutsche.de ein ähnliches Format im Reiseressort, wie heute der stellvertretende Chefredakteur Brend Graff auf einem Webseminar der Akademie für politischen Bildung Tutzing verriet. Noch wird an technischen Details wie Geo-Tagging gebastelt, aber User der gerade außerhalb Bayerns besonders beliebten „SZ“-Website sollen dort Insidertipps verraten, etwa wo es in ihrer Heimatstadt besonders schön ist oder man einkehren kann, ohne übers Ohr gehauen zu werden.
Montag, 2. Juli 2007
Gläserner Bürger oder Untertan?
Ob im aktuellen „Spiegel Special Web Leben 2.0“ oder heute beim Tutzinger Webseminar während Klaus Meiers zehn Thesen über die Entwicklung des Internets: Der gläserne Bürger wird wieder gerne heraufbeschworen, und mit Sicherheit kann man nicht genug auf die Risiken hinweisen, zu viel von sich im Internet preiszugeben. Aber einen wichtigen Punkt ignorieren die meisten Kritiker bei ihren historisierenden Verweisen auf den Widerstand gegen die Volkszählung: Es macht einen gewaltigen, ja den entscheidenden Unterschied aus, ob man vom Staat zwangsbefragt wird oder von sich aus (allzu) mitteilsam ist. Schließlich heißt es informationelle Selbstbestimmung.
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