Samstag, 19. Mai 2007

Rum-Cola-Revival

Habe ich einen neuen Trend verpaßt? Erst erzählt mir Barry vom 61er, daß er jede Nacht die Cuba Libres (Cubas Libre, Cubas Libres, Cuba Libre – wie auch immer) nur so raushaut, und jetzt lese ich auch noch bei Ariadne von Schirach, daß sie damit ihrem Wodka untreu geworden ist.

Update von Sonntag nachmittag: Auf Radio Energy ist gerade auch ständig von Cuba Libre die Rede!?

Netrebkodämmerung

Okay, okay, ich gebe mich geschlagen. Nachdem Blog Queen und Narziß schon immer meine Schwärmerei für Anna Netrebko bekrittelt haben, verleiht mir Julia Spinola heute in der „F.A.Z.“ den tödlichen Stoß: „Je öfter ich sie gehört habe, desto enttäuschter nahm ich wahr, dass die bezaubernde Stimme einem wunderbar fältchenlosen, verführerisch dunklem Hautteint gleicht, einem weitgehend unbeweglichen Gesicht, das sich Mimik schon aus kosmetischen Erwägungen nicht leisten kann.“ Und es wird dann noch weit ausführlicher und präziser. Selten einen so sinnlichen Verriß gelesen...

Prompt wollte ich mich darauf herausreden, daß ich nicht unbedingt auf Netrebkos Sangeskunst fixiert war, aber da serviert der „Tagesspiegel“ auch noch ein belangloses privates Interview, in dem die Diva etwa verrät, daß sie die Titelmelodie von „Sex and the city“ als Klingelton hat.

Schmallippige Stadtwerke

Nach einer Woche rumänischer Chlorbracke freute ich mich letztes Wochenende auf das gute Münchner Leitungswasser. Doch auch daheim empfing mich ein Hauch des Desinfektionsmittels. Per Pressemitteilung teilten die Stadtwerke mit, daß „sich die starken Regenfälle der vergangenen Woche negativ auf die Trinkwasserqualität“ auswirken könnten und das Trinkwasser daher „ausnahmsweise leicht gechlort“ wäre. Eine kleine Sicherheitsmaßnahme, die aber offenbar großes Unbehagen bereitet. Denn auf der Homepage wird diese Pressemeldung vom 13. Mai einfach unterschlagen, und auf Nachfrage reagierte Pressesprecher Christian Miehling sehr abweisend, wie die „Süddeutsche Zeitung“ gestern berichtet hat. „Das sei doch kein Thema“, wehrte das städtische Unternehmen deren Fragen zu den Hintergründen der Chlorung ab und wies auch die Bitte um ein Interview mit einem Experten zurück. Abschließend wollte „SZ“-Journalist Michael Ruhland wissen, seit wann das Trinkwasser inzwischen wieder chlorfrei sei? Seit Anfang der Woche. Seit wann genau? „Anfang der Woche”, wiederholten die Stadtwerke. Jetzt weiß ich auch endlich, warum Gazprom so scharf drauf ist, hierzulande bei den Stadtwerken zu investieren. Das sind einfach Brüder im Geist.

Künstlerball im Geist der Machtergreifung

Die Münchner Tradition der Künstlerbälle assoziiert man schnell mit Bohème, Freiheit und kreativer Aufsässigkeit. Gestern hat die Bayerische Staatsoper nun mit ihrem ersten Ball der Künste ganz andere Koordinaten gesetzt.

Als Location: das Haus der Kunst, das sicherlich schon lange mit außergewöhnlichen Ausstellungen, Theateraufführungen und dem P1 von sich reden macht, aber nun mal eben als „Haus der deutschen Kunst“ ein Führerbau ist. Wer in der Naziimmobilie feiert, sollte da schon Taktgefühl zeigen.

Ausgesprochen sensibel ist es dann nicht gerade, ausgerechnet Bryan Ferry beim Ball der Künste auftreten zu lassen. Der hat vor zwei Monaten „die Art und Weise, wie sich die Nazis inszeniert und präsentiert haben“, gelobt, aber okay, schließlich hat er sich auch sofort ein paar Wochen später, nachdem seine Bemerkungen auf immer mehr Widerspruch stießen, dafür entschuldigt.

Das wurde aber noch getoppt! Ein gutes Beispiel, wie sich die Nazi ästhetisch präsentiert haben, hatte Hauptsponsor Audi passenderweise gestern abend als Saaldekoration zur Hand: Einen Silberpfeil Typ A der Auto Union. Audi weiß eben, wie man den genius loci angemessen umsetzt. Im Pressetext zu dem breit gestreuten Foto schreiben sie zwar ungewohnt g'schamig, es handle sich um einen „Rennwagen aus den 30er Jahren“, aber wenn ich richtig informiert bin, ist dieses Modell 1934 konstruiert worden.

Das Haus der Kunst, ein die Nazis lobender Stargast, ein Silberpfeil als Deko, alles nicht so tragisch. Aber in der Kombination wohl genau das neue Deutschland, dessen sich die „Vanity Fair“ so brüstet.

(Foto: obs/Audi AG)

Meterweise Tackerware von Ikea

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch bei uns in München läßt Ikea es wallen und tackert beispielsweise an der Nordendstraße Stoffproben an die Plakatflächen. Ich hätte nicht gedacht, daß heute noch ein Fetzen davon hängt... Ob's am Muster liegt?

Freitag, 18. Mai 2007

Petersburger Ska

Warum sie ausgerechnet auf Goran Bregovich herumhacken müssen, ist mir ein Rätsel, aber ich werde mal tolerant sein und mir vielleicht dennoch die siebenköpfige St. Petersburger Ska-Squadron von Dva Samoleta Sonntag abend in der Monofaktur zu Gemüte führen...

Cannes: Rumänischer Alltag statt Festivaltalmi











„Ein rumänisches Abtreibungsdrama ist bislang die erfreuliche Überraschung im Wettbewerb von Cannes“
, schreibt „Spiegel“-Redakteur Wolfgang Höbel über „4 luni, 3 săptămâni şi 2 zile“ und erhebt „diesen Film ohne Fisimatenten und große Kunstanstrengungen zum bisherigen Kritikerliebling“ – was, wie er selber andeutet, nicht schwer fällt, wenn gerade erst einmal zwei, drei Wettbewerbsbeiträge gezeigt worden sind. Aber es ist schon beeindruckend, wie die rumänische Filmproduktion, also die ein, zwei jährlich entstehenden Spielfilme, zu hundert Prozent auf den großen Festivals laufen. Mit der Erfolgsquote kann kaum eine große Filmnation mithalten...

Naziblutrausch von der HFF

Ich bin durchaus dankbar, wenn ein Film der Münchner Filmhochschule mal nicht wie geleckt aussieht. Schließlich können auch nicht alle Studenten nur darauf aus sein, sich bei BMW, Ferrero und den anderen Blendern als Werbefilmer zu verdingen. Aber muß es gleich ein „Goldener Nazivampir von Absam 2“ sein? Die Händler, die sich das mutmaßliche Machwerk Montag nachmittag auf dem Filmmarkt in Cannes antun müssen, bedauere ich jetzt schon. Als hätten wir unter den letzten Führerfilmen nicht schon genug zu leiden gehabt... Letztendlich doch wieder typisch HFF: Die ganzen Marketingschikanen wie Podcast, Paypal-Spenden, YouTube und Exploitation-Kult beherrschen bemühen und darüber den Inhalt vernachlässigen – wobei ich mich natürlich recht weit hinauslehne, da ich den Film noch gar nicht gesehen habe. Trailer und Website haben mir aber gereicht...

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Muß Robert seine kargen Blogeinkünfte jetzt etwa so aufbessern? Ihm würde ich die Pillen sogar abkaufen...

Kein Schwabing und dennoch gut

Nein, lieber Julius Müller-Meiningen von der „Süddeutschen Zeitung“, in unserem Lieblingscafé mag sich zwar tatsächlich die „Schwabinger Szene“ treffen, aber das Barer 61 liegt keineswegs – wie von ihnen heute in der „SZ“ behauptet – „im Südosten Schwabings“, denn Wahnmoching endet an der Georgenstraße, während mein Kiez Univiertel heißt, beziehungsweise seit der Gebietsreform zwangsweise Maxvorstadt.

Und auch sonst kann ich mich über die Lobeshymne nicht so recht freuen. Denn jetzt werden „AZ“, „Prinz“, „Go“ & Co auch in den Choral einstimmen, und die nette Nachbarschaft, mich eingeschlossen, vor lauter Szenetouristen gar keinen Platz mehr in unserem Café finden.

Aber wie ich Barry gestern schon anbot, ich stehe als Käfer-geschulter Türsteher jederzeit bereit.

Mehr zum Barer 61

Donnerstag, 17. Mai 2007

Wir sind Helden Heuchler

In den guten Medien, vom „Stern“ bis zum „Musikexpress“, sind die Deutschpopper von Wir sind Helden wieder präsent, um ihr neues Album zu promoten. Aber mit der Boulevardpresse, zu denen sie auch einige Frauenzeitschriften zählen, sprechen Judith Holofernes und ihre Mannen genauso wenig wie mit Politikern, und brüsten sich dessen gern. Finde ich auch voll okay, echt! Anderseits könnte man es schon recht bigott finden, wie die gleiche Band für die Bild-Zeitung der Lüfte, sprich: Privatsender wie Radio Energy die Beine breit macht. Interviews, Geheimkonzerte, die ganze Promoschiene. Und seltsamerweise stört es die aufrechten Helden gar nicht, daß diese Sender nicht nur ihren Moderations- und Nachrichtenanteil teilweise mit dem Verlesen von Bild-Meldungen und ähnlichen Qualitätsnews bestreiten, sondern auch ganz eigenständig Frauenfeindliches, Rassistisches oder einfach nur Niveauloses über den Äther schicken. Aber irgendwie muß man ja auch seine Alben verkaufen.

(Foto: Gerald von Foris/EMI Music)