Sonntag, 7. Dezember 2025

Das Schlimmste kommt noch. München prüft drastische Einsparmaßnahmen

Letzte Woche erschien wie ein Menetekel im Rathaus. Seit langem sorgen drastische Beschlussvorlagen für den städtischen Haushalt 2026 reihum für schlechte Stimmung, aber bei einem reinen Subventionsbetrieb wie der Kultur erreichte die Empörung jetzt mitten im Kommunalwahlkampf ihren Höhepunkt.

Das Bündnis #MünchenIstKultur warnte, dass die überproportional starken Kürzungen im Kulturhaushalt die eh längst ausgeschöpfte Belastungsgrenze überschreiten würden und zu einem strukturellen Substanzverlust führten.

Nicht weniger dramatisch äußerte sich Bayerns Kunstminister Markus Blume, der der Landeshauptstadt unverhohlen mit Vergeltung drohte, wenn sie ihre marginalen Beiträge zu den staatlichen Musikbühnen, dem Gärtnerplatztheater und der Staatsoper, streichen sollte.

Dabei sind die aktuellen radikalen Kürzungen nur ein mildes Vorgeplänkel auf das, was München bevorsteht. Denn seit Monaten prüfen externe Berater*innen von PD Partnerschaft Deutschland quer durch alle städtischen Referate, was sich noch an Ausgaben streichen lässt. Oder in den Worten der Kämmerei: „PD unterstützt die verstärkte Suche nach sogenannten best-practice-Lösungen aus dem öffentlichen Sektor. Darüber hinaus unterstützt die PD bei der – aufgrund der aktuellen Haushaltslage – notwendigen Aufgabenkritik.“

Oder um aus dem Eckdatenbeschluss vom Juli zu zitieren: „In Anbetracht der Entwicklungen im Haushalt und deren Auswirkungen auf die Fortschreibung der Mittelfristigen Finanzplanung hat die Stadtkämmerei in Zusammenarbeit mit einer externen Beratung durch PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH – und der innerstädtischen Organisationsberatung consult.in.M zu Beginn des Jahres 2025 damit begonnen, die Teilhaushalte der Referate im Rahmen einer eingehenden Analyse noch intensiver auf dauerhaft angelegte Einsparpotenziale zu untersuchen. Mit dieser Analyse soll eine nachhaltige und langfristige angelegte Konsolidierung ab dem Haushaltsjahr 2027 auf Basis eines dauerhafte Konsolidierungskonzeptes erreicht werden. Die Ergebnisse werden dem Stadtrat mit einem entsprechende Konsolidierungskonzept voraussichtlich im Frühjahr 2026 vorgelegt.“

In einigen Referaten liegen die mitunter recht drastischen Ergebnisse längst vor und werden eifrig diskutiert. Dem Stadtrat will die federführende Kämmerei die Streichliste nunmehr „im ersten oder zweiten Quartal 2026 vorlegen“, wobei es im Stadtrat und den Referaten heißt, dass man „auf jeden Fall erst nach der Wahl“ am 8. März die Hosen herunterlassen will, also frühestens gegen Ende des ersten Quartals. 

Unter Mitarbeitenden des Baureferats kursiert sogar der 9. März als konkreter Termin, also der Montag nach der Kommunalwahl, wenn die Wahlhelfer*innen noch damit beschäftigt sein werden, herauszufinden, wer die Häufelkönig*innen sind. Das wäre politisch so ungeschickt, dass ich es der Landeshauptstadt durchaus zutraue.

Während die Kandidierenden im Kommunalwahlkampf ein Interesse an direktem Austausch mit den Wahlvolk propagieren und öffentlich eifrig politische Versprechungen abgeben, werden die ihnen bekannten Streichlisten nur im Hinterzimmer erörtert, obwohl es gerade wegen der Vorschläge der Consultants um so mehr darauf ankommen wird, wen man diesmal ins Rathaus wählt. Welche Ausgaben sich die neue Stadtratsmehrheit politisch leisten will, wenn man sich nicht alle Ausgaben leisten kann. Aber das würde einen Dialog auf Augenhöhe erfordern.

Kommunikation und damit Transparenz muss man können und wollen. Auch bei der Wahl der Totengräber, wie Consultants oft geschmäht werden, hat sich die Landeshauptstadt für ein scheinbar sparsames, aber leider mauschelhaft intransparentes Modell entschieden. Denn PD ist nicht nur „durch ihre langjährige und breite Erfahrung im öffentlichen Bereich prädestiniert, die Stadt hierbei nachhaltig zu unterstützen“, um die Kämmerei zu zitieren. Partnerschaft Deutschland verdankt ihre breite Erfahrung auch einem gerissenen Trick: „Die PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH ist eine auf die Beratung der öffentlichen Hand spezialisierte Gesellschaft, deren Gesellschafterkreis ausschließlich aus öffentlichen Auftraggebern besteht. Hierzu gehören die BRD, eine Vielzahl an Bundesländern, sowie von kommunaler Seite mehrere Großstädte und die kommunalen Spitzenverbände.“, hieß es in einer Beschlussvorlage des Finanzausschusses des Münchner Stadtrates im Dezember 2024. 

Für einmalig 5000 Euro hat nun eben auch die Landeshauptstadt Anteile erworben und sich damit von der Pflicht befreit, Beratungsverträge öffentlich ausschreiben zu müssen. Denn „die spezielle Gesellschafterstruktur ermöglicht eine Inhouse-Vergabe ähnlich wie bei städtischen Töchtern.“ Dies führe laut der Kämmerei zu „zeitlichen und finanziellen Ressourceneinsparungen“

Im Stadtrat begrüßt man es, dass nicht mehr Millionen Euro an externe Consultants wie Roland Berger gezahlt werden. Zumindest nicht direkt. Denn PD ist in der Vergangenheit auch schon dadurch aufgefallen, dass sie Rahmenverträge mit McKinsey, Roland Berger und der Boston Consulting Group besitzt, diese als Subunternehmer einsetzt und somit als „Drehscheibe“ („Capital“) dient, um die öffentliche Ausschreibung von Beratungsverträgen zu umgehen.

Zum genauen aktuellen Prüfauftrag will sich die Kämmerei auf Anfrage nicht äußern. Andere Beteiligte und Betroffene kommentieren dagegen längst erste Vorschläge der Consultants.

Hinsichtlich der bereits von PD erarbeiteten Teilergebnisse ist man unter den ehrenamtlichen wie berufsmäßigen Stadtratsmitgliedern zwiespältig. Es gäbe durchaus vernünftige Vorschläge. Manches, wie die von PD empfohlene digitale Verkehrslenkung, wäre auch keineswegs eine neue Idee, bisher aber im Rathaus an den politischen Verhältnissen gescheitert. Andere Vorschläge der externen Berater*innen seien aber auch schlichtwegs „hanebüchen“.

Tendenziell würde sich PD bei ihrer Streichliste darauf konzentrieren, zwischen pflichtigen und freiwilligen Leistungen zu unterscheiden und Letztere opfern zu wollen. Oder um eine*n Stadträt*in zu zitieren: „Die teuren Wirtschaftsberater wollen halt einfach die freiwilligen Leistungen streichen – WOW, muss wirklich ein qualitativ hoch geschultes Team sein, dass das macht.“

Ein Verzicht auf freiwillige Leistungen würde vor allem das Kulturreferat frontal treffen, das kaum etwas anderes leistet. Aber auch beim Sozialreferat würde eine derartige Ausrichtung tiefe Löcher reißen, ob beim München-Pass mit seinen rund 60.000 Nutzenden, vielen Beratungs- und Vermittlungsangeboten wie AKIM oder MUCAware oder der Obdachlosenhilfe. Das Kreisverwaltungsreferat dagegen scheint fein raus zu sein, denn es verdient für die Stadt Geld, wie dort immer gern betont wird.

Manchmal ist es aber auch entlarvend, was der geheime Prüfauftrag der Beratenden offenbar nicht zu enthalten scheint. So sollen die Consultants Top-down-Lösungen favorisieren, während Bottom-up-Ansätze ignoriert werden. Und auch der Abbau von Hierarchieebenen in den Ämtern scheint dem Vernehmen nach kein Thema zu sein. Das wäre dann für die Landeshauptstadt wohl doch ein Tabubruch.

Updates:
 Die „Abendzeitung“ vom 10. Dezember zitiert kurz aus diesem Blog und widmet der Arbeit von PD in den städtischen Referaten eine ganze Seite. „Ist das nicht problematisch, erst die Stadtratswahl abzuwarten, bevor dann die unbequemen Sparvorschläge öffentlich diskutiert werden? Das ermögliche »eine offene Debatte auf der Basis einer solchen Analyse«, findet der Kämmerer. Es sei auch demokratietheoretisch richtig, »dass ein neuer Rat zu Beginn seiner Amtszeit Leitplanken bekommt«, sagt Frey.“

Der Stadtneurotiker hat mich in seinem Blog auch erwähnt.

Mein Blog wirkt. Neulich eine kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Katja Weitzel (SPD) nach meiner Recherche zu den Sozialpässen. Und jetzt eine Anfrage der Fraktion der Linken/Die Partei im Rathaus nach meinem Beitrag über die Verpflichtung einer Consultingfirma für radikale Sparmaßnahmen in den städtischen Referaten:
1. In welchen Referaten und Abteilungen war die Beratungsfirma bereits aktiv?
2. Welche konkreten Streichvorschläge hat die Beratungsfirma gemacht (Bitte nach jeweiligen Referaten aufschlüsseln)?
3. Aus welchem politischen oder verwaltungsinternen Grund sollen diese Einsparpakete erst nach der Kommunalwahl öffentlich werden?
4. Wie werden die Ergebnisse der Beratungsfirma verwaltungsintern kommuniziert und werden die Beschäftigten mit eingebunden?
5. Wie rechtfertigt die Kämmerei eine Vorgehensweise, die den Eindruck erweckt, unangenehme Entscheidungen bewusst zu verschieben, um keine negativen Auswirkungen auf den Wahlkampf zu riskieren?
6. Welche freiwilligen Leistungen – insbesondere in Kultur, Sozialem, Jugend, Umwelt und Mobilität – stehen auf der Liste der möglichen Einsparungen?
7. Wie soll verhindert werden, dass jahrelang aufgebaute Strukturen zerstört werden, deren Wiederherstellung später ein Vielfaches kosten würde?
8. Wie bewertet die Kämmerei den Vorwurf, die Bürger*innen sollen bewusst ohne vollständige Informationen über die finanzpolitischen Absichten der Verwaltung und der Rathauskoalition in die Wahl gehen?
9. Warum werden zentrale Informationen, die für die Wahlentscheidung wesentlich sind, dem Stadtrat und der Öffentlichkeit vorenthalten?
10. Welche konkreten Auswirkungen auf Beratungsstellen, Jugendzentren, Kulturprojekte und soziale Infrastruktur erwartet die Verwaltung bei Umsetzung der internen Einsparvorschläge durch die PD?
11. Welche Maßnahmen zur Einnahmesteigerung wurden geprüft, bevor grundlegende soziale und kulturelle Angebote infrage gestellt wurden?
12. PD ist in der Vergangenheit auch schon dadurch aufgefallen, dass sie Rahmenverträge mit McKinsey, Roland Berger und der Boston Consulting Group besitzt, diese als Subunternehmer einsetzt und somit als „Drehscheibe“ dient, um die öffentliche Ausschreibung von Beratungsverträgen zu umgehen2. Wie wird von der Kämmerei sichergestellt, dass keine Subunternehmer eingesetzt werden?
13. Wie viel Geld hat die Beratungsfirma bis Datum heute mit der Kämmerei abgerechnet und wie viel Geld enthält PD noch?

In einer Presseerklärung weist die Stadtkämmerei darauf hin, dass alle Fraktionen seit November eingeweiht gewesen wären. Und behauptet plötzlich, die Ergebnisse lägen „wie zu Beginn des Projektes angekündigt“ erst im zweiten Quartal 2026 vor. Dabei schrieb die Kämmerei noch letzte Woche auf meine Anfrage „im ersten oder zweiten Quartal“.  

Auf Instagram warnten Johannes König und Honey Balecta von der Linken: „Am Ende werden im Bericht dieser Agentur Streichlisten stehen von völlig absurden Ausmaßen. Dann kann sich die Stadtspitze hinstellen und sagen, wir in unserer Großzügigkeit setzen davon nur die Hälfte um.“ 

Bei der Haushaltsrede vor der Vollversammlung des Münchner Stadtrats am 17. Dezember 2025 wehrte sich Stadtkämmerer Christoph Frey gegen vermeintliche Vorwürfe der „Abendzeitung“ und hier im Blog, indem er über die laufenden Analysen für Sparmaßnahmen sprach:
„Die Kollegen und Kolleginnen aus den Fachreferaten mit Kämmerei und Personal-/Organisationsreferat haben in diesem Jahr so viel miteinander gesprochen und gearbeitet wie wahrscheinlich noch nie. Dazu zählen auch eine Vielzahl von gemeinsamen Analysen und Workshops, die wir in Begleitung von externer Unterstützung durchgeführt haben. Natürlich sind die Gespräche unterschiedlich verlaufen. Natürlich hätte das eine oder andere besser gemacht werden können. Aber nicht weil alles gleich von Anfang an gut läuft oder konfliktfrei ist. Gar nichts zu tun ist auch keine Lösung. 
Ich halte es weiter für richtig und wichtig, dass die Verwaltung sich zusammen tut und gemeinsam an Vorschlägen arbeitet, welche Leistung wie in Zukunft erbracht werden kann. Wir wollen in der Verwaltung eine gemeinsame Sichtweise entwickeln, welche finanziellen Auswirkungen damit einhergehen. Mit einer längeren Perspektive und über das schiere Anmelden von Haushaltbeschlüssen heraus.
Jetzt wurde behauptet, dass es sich hierbei um eine Geheimoperation handeln würde. Dass es gar um die Privatisierung der Daseinsvorsorge ginge. Das ist grob falsch und das werte ich auch als persönlichen Angriff auf mich, auf jemanden, der sich sein ganzes Berufsleben lang politisch der kommunalen Daseinsvorsorge geradezu verschrieben hat. Das Gegenteil ist der Fall. Wir bereiten uns darauf vor und versuchen Wege zu finden, wie die kommunale Daseinsvorsorge in der Hand der Stadt München unter der demokratischen Kontrolle des Münchner Stadtrates auch in Zukunft funktionieren kann. Und daran ist überhaupt nichts geheim.
Der Stadtrat hat die Stadtkämmerei genau vor einem Jahr beauftragt, sich an der Gesellschaft Partnerschaft in Deutschland, einer Beratungsgesellschaft im Eigentum der öffentlichen Hand zu beteiligen. Dieser Beschluss wurde im Stadtrat einstimmig gefasst. In selbiger Vollversammlung wurde die Stadtkämmerei beauftragt, die für die Analyse der Teilhaushalte und Entwicklung weitere Vorschläge in Verbindung mit deren Umsetzung eine externe Beratungsfirma temporär in Anspruch zu nehmen. Und wir arbeiten seit Frühjahr dieses Jahres mit Hochdruck daran, dieses Ziel zu erreichen. Und so ein Projekt kann man nicht in einem halben Jahr umsetzen. Es braucht dafür mindestens ein Jahr Zeit. Das ist sicherlich nachvollziehbar. Und es ist für meine Begriffe, meines Erachtens, vollkommen in Ordnung, dass ein neuer Stadtrat zu Beginn seiner Amtszeit von Seiten der Verwaltung erste Vorschläge bekommt, welche Maßnahmen er in der neuen Amtszeit auf den Weg bringen könnte. Es ist ein Handlungsrahmen, es sind Vorschläge. Es ist wichtig, dass der neue Stadtrat berät und am Ende natürlich entscheidet. Er hat ja  auch dann für die kommenden Jahre die Ergebnisse zu verantworten.
Es dürfet doch hier weitestgehend klar sein, dass, wenn wir nicht zu einem spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung kommen, der zu deutlich mehr Steuereinnahmen führt – und alle Wirtschaftsforschungsinstitute sagen das jetzt gerade nicht voraus – , wenn auf der anderen Seite nicht spürbare Unterstützung von Bund und Land kommt, und aufgrund der Erfahrung der vergangenen Jahre und der Kassenlage des Bundes ist damit auch nicht zu rechnen, zumindest im Sinne einer Haushaltsplanung, dann wird es doch natürlich darum gehen, in den kommenden Jahren Ausgaben zu begrenzen und gegebenenfalls Einnahmen zu erhöhen, was denn sonst?“
(Time Code ca. 01:41:40) 

Personal- und Organisationsreferent Andreas Mickisch echauffierte sich ebenfalls während dieser Vollversammlung in seiner Haushaltsrede über das o. g. Instagram-Video der Linken-Politiker Johannes König und Honey Balecta: „Wenn ich dann Filmchen sehe auf Instagram, wo dann über dieses PD sich geäußert wird und gesagt wird, es ist schon kackdreist, wenn man da irgendwelche Einsparvorschläge macht, das kommt einem verantwortungsvollen Handeln nicht auch nur ansatzweise in die Nähe. Es waren, Gott sei Dank, nur Stadtratskandidaten. Schau mer mal, ob sie's rein schaffen.“ (Time Code ca. 02:06:24)

„Jüngst haben ein Münchner Blogger und die Abendzeitung aufgedeckt …“, Tobias Krone im Deutschlandfunk.

Laut der „Abendzeitung“ vom 19. Dezember 2025 beinhalten „die Vorschläge der Berater angeblich eine Fusion der Kammerspiele mit dem Volkstheater, ein komplettes Aus der Förderung für die Freie Szene und ein Ende aller städtischen Kulturpreise.“

Ungewöhnlich schnell hat der Kämmerer auf die o.g. Anfrage der Fraktion Die Linke/Die Partei Mitte Januar 2026  geantwortet und wiederholt darin die Lüge, „die konkreten Ergebnisse“ würden „– wie zu Beginn des Projektes", also vor einem Jahr, „angekündigt –“  Anfang des zweiten Quartals 2026 vorliegen“. Damals war aber nur allgemein vom Frühjahr 2026 die Rede. Vor gerade mal fünf Wochen konkretisierte die Kämmerei diesen Termin dagegen und versprach die Ergebnisse „im ersten oder zweiten Quartal 2026“ vorzulegen. 

Der Linken-Chef Stefan Jagel nennt die Antwort des Kämmerers laut der „Abendzeitung“ eine „Unverschämtheit“: „Die Bürger haben vor der Kommunalwahl das Recht, die Sparvorschläge zu erfahren.“

Bei meinen Recherchen zu diesem Beitrag wollte kaum jemand aus der grün-roten Rathauskoalition mit mir sprechen – und wenn, dann nur vertraulich. Viele, mit denen ich mich sonst rege austausche, ignorierten meine Anfragen. Nach der Veröffentlichung entschuldigten sich einige von ihnen, gratulierten mir auch zu meinem Artikel, wollten aber weder im Blog kommentieren, noch in den Sozialen Medien darauf reagieren. Selbst als die Linke das Thema für den Kommunalwahlkampf aufgriff, blieb es in den Rathausfraktionen der Grünen und SPD verdächtig still. Das änderte sich jetzt plötzlich.

Am 21. Januar 2026 griff plötzlich der OB-Kandidat der Grünen, Dominik Krause, auf Bluesky die Debatte auf und schrieb: „Kein Kahlschlag bei der Kultur! 🎭 Die PD-Vorschläge wären ein Todesstoß für Münchens Kulturlandschaft. Sie sind für mich und meine Partei inakzeptabel. 
Kultur ist elementarer Teil von Münchens Identität und hat eine unschätzbare Bedeutung für unsere Demokratie. Kultur ist Daseinsvorsorge. Diese wilden Kürzungs-Ideen sind grober Unfug und mit mir definitiv nicht zu machen. Die deutschen Städte sind in der schwierigsten finanziellen Lage seit Jahrzehnten, deshalb müssen alle Bereiche ihren Beitrag leisten. 
Aber mit Maß und Rücksicht auf mögliche Folgen. Grundsätzlich gilt: Über die finanzielle Ausstattung von Münchens Kulturlandschaft entscheiden keine Unternehmensberater, sondern der Stadtrat.“ 

Und auch Anne Hübner, Vorsitzende der SPD-Rauthausfraktion meldete sich zugleich auf X/Twitter zu Wort: „Also weil es offensichtlich nötig ist, es nochmal klar zu sagen: Wir wollen die Vorschläge von der Spar-Truppe PD auch nicht umsetzen. Einfach mal alle freiwilligen Leistungen bei Kultur und Sozialem auf eine Liste zu schreiben und für verzichtbar zu erklären… 
… war jetzt nicht die Form Beratung, die der Stadtrat braucht. Wir wissen auch selbst, was dem Gesetze nach freiwillig ist. Da ziehe ich den Diskussionsprozess des Sozialreferats mit der Wohlfahrt und dem KJR vor, in dem man gemeinsam schaut, was es braucht (und was nicht). 
Am meisten ärgert mich, dass die Linke die wenig qualifizierten Vorschläge nimmt und Panik verbreitet im Kultur- und Sozialbereich mit den vermeintlichen Plänen der Stadt. Das werden so NIE die Pläne der Stadt.“

Montag, 1. Dezember 2025

Wochenplan (Updates)

Netzwerkforum Militärische Raumfahrt mit Generalmajor Michael Traut, Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr / Wappenhalle; Vorstellung der Kommunalwahlkampagne der Grünen / Holzkranich; Bilderbuchkino mit Drag-Queen Vicky Voyage / Stadtbibliothek Moosach; Feministische Rathausführung mit Stadträtin Mona Fuchs (Grüne) / Rathaus; Jahresausklang beim Budenzauber mit Intendantin Katja Wildermuth, der BR-Geschäftsleitung und Gästen / BR-Weihnachtsmarkt Freimann; Verleihung des  Filmpreises der Stadt München an Thomas Wöbke / Filmmuseum; AZ-Verleger Martin Balle und SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach diskutieren über „Pressefreiheit unter Druck – Zwischen ökonomischem Zwang und politischer Einflussnahme“ / Café Luitpold; Fritz Egner stellt sein wiederaufgelegtes Buch „Mein Leben zwischen Rhythm & Blues“ vor / Hotel Vier Jahreszeiten; „Der Nahost-Komplex“ – Ein Abend mit Natali Amiri / Literaturhaus; Lorde / Zenith; Kinder- und Mobilitätsausschuss zum Thema Junge Mobilität / Rathaus; Pressegespräch „Kompromisse mit Hitler: Werner Heisenberg, Carl-Friedrich von Weizsäcker, der Nationalsozialismus und die Atombombe“ mit Mark Walter / Presseclub; Various Others Social Club mit Anna Wondrak, Silvia Köhler, Julia Geiger und Ulrich Meinherz zum Thema Künstlernachlässe / Institut Français; Ider (Megan Markwick & Lily Somerville) / Strøm;  Verleihung des Tukan-Preises an Pierre Jarawan / Literaturhaus; Vernissagen „The Ambiguous“ ft. Zena Assi, Sadik Kwaish Alfraji, Roy Dib, Simone Fattal, Sylvie Fleury, Gilbert Hage, Les Indisciplinés, Urs Lüthi, Rania Mattar, Randa Mirza & Sylvie Selig / Tanit, „Seeing the Unseen“ ft. Dara Birnbaum, Herbert W. Franke, Elsa Garmire, Ayoung Kim, Alicja Kwade, Roman Lipski, Jonas Lund, Mehmet & Kazim, Tan Mu, Semiconductor, Thomas Struth, Paul Talman, Tamiko Thiel, Troika, Agustina Woodgate u. a. / Eres, „Ich bin schön“ / Pasinger Fabrik, „eingespart … und nun?“ VBK Jahresausstellung 2025 mit Anja Verbeek von Loewis, Antje Lauer, Timm Zorn, Götz Friedewald, lngrid Klaus Uschold, HP Berndl, Vivien Cahusac de Caux, Malgorzata Dula, Nana Aue, Ayman Djabiry, Christine Matti, Johanna Zettler, Joachim Graf, Brigitta Volz, Patricia London Ante Paris & Lotte Schwenkhagen / Kunstpavillon im Alten Botanischen Garten, Westend Winter Gallery / Lucky Westend Ateliers und Kunst-Werk / Boxwerk; Verleihung des Bayerischen Maximiliansorden an Martina Gedeck, Herlinde Koelbl, Rachel Salamander, Ralph Siegel u. a. / Residenz; TUM Speakers Series x Airbus Defence and Space - Johannes Müller: „People, Trust, and Europe’s Geopolitical Reality“ / TUM; Klarna's „Back to the Future of Banking Event“ / Monopol; Magazin-Release „MO:DE 17 – Trotzdem“ / AMD; „Der Sound von Peter Thomas – Die Show zum 100.“ mit  Oliver Kalkofe, Helmut Zerlett u. a. / Großer Sendesaal Berlin & RBB; Isarbass / Unter Deck; Medienbesichtigung des neuen Firmensitzes in der Parkstadt Schwabing / Amazon; Verleihung des Bayerischen Verfassungsordens an Django Asül, Maria Furtwängler, Angelika Diekmann, Heiner Lauterbach u. a. / Maximilianeum; Urban Xmas Aperitivo / Café Francesca; Weihnachtsfeier Ippen Media / Alte Rotation; Münchner Kulturgespräch mit Anna Kleeblatt, Markus Blume & Markus Michalke / Marstall; Asha Rangappa: „The Mechanics of Complicity - How to Prevent Misconduct and Corruption“ / Amerikahaus; LUNAparty / Bayerischer Hof; Bush.ida / Rote Sonne; Oliver Polak / Fat Cat; Jubiläums-Release „Revü“ 10 mit Texten und Kurzfilmen / Theatiner; Presserundgang „Blick hinter die Kulissen“ / Tollwood; Artist Talk mit Nicola Bardola zu „Die 55 besten fünften Beatles“ / Beck am Rathauseck; „Weimarer Schlagerabend“ / Sendlinger Kulturschmiede; Kompromat (Foto) / Rote Sonne; Feierliche Jahressitzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften mit Wissenschaftsminister Markus Blume, Podiumsgespräch „Mehr Dynamik wagen! Der Arbeitsmarkt der Zukunft“ mit Nicola Fuchs-Schündeln und Birgit Kappel sowie Auszeichnung herausragender Leistungen insbesondere junger Forschender aus Geistes-, Natur- und Technikwissenschaften / Herkulessaal; Nikolaus-Sparring / Boxwerk; Shahak Shapira / Kammerspiele

Sonntag, 30. November 2025

Die Polizei, dein Freund und Helfer – und Schlüsseldienst für Fremde?

Wummerndes Knallen. Aus dem Tiefschlaf gerissen brauchte ich länger, um zu verstehen, was das für ein Lärm war. Hat jemand nachts gegen 4.30 Uhr im Treppenhaus eine Waschmaschine umgeworfen? Und das nicht ein, zwei, sondern gut ein Dutzend mal. Machten sich Monteure nachts an den Aufzugsgewichten zu schaffen? Feierte jemand im Haus lautstark mit hartem Industrial Sound? Nein.

Offenbar versuchten zwei Männer mit aller Gewalt,  die Tür der Nachbarwohnung aufzutreten. 

Bis ich richtig wach und angezogen war, um vor meine eigene Wohnung zu treten und im unerschrockenen Türstehermodus nach dem Rechten zu schauen, waren die beiden mutmaßlichen Täter gerade auf dem Weg die Treppe herunter. Ich fragte sie dennoch, was der Lärm solle. Offenbar waren es Kollegen meines Nachbarn auf Besuch in München. Und er hätte ihnen versprochen, dass sie bei ihm übernachten könnten. War aber anscheinend gar nicht daheim oder hörte es zumindest nicht.

Als ich meinte, dass das kein Grund wäre, mitten in der Nacht das ganze Haus aufzuwecken, antworten sie nur barsch, dass sie keinen Bock hätten, auf der Straße zu schlafen. Und ich solle meine Fresse halten. „Muss ich denn die Polizei rufen?“, warnte ich, was sie nur lachen ließ.

Unten nahm sie dann tatsächlich die Polizei in Empfang, die eine Nachbarin bereits alarmiert hatte. Vier, fünf Streifenwägen und zwei Fahrzeuge mit Zivilfahndern hatten das Haus eingekreist. Verdacht auf versuchten Wohnungseinbruchdiebstahl.

Damit kehrte aber noch lange nicht Ruhe ein, denn jetzt klopften die Einsatzkräfte lautstark gegen die Wohnungstür und brüllten „Polizei, aufmachen!“ Keine Reaktion. Per Funk recherchierten sie, wer in der Wohnung gemeldet ist, und versuchten den Mieter telefonisch zu erreichen. Ohne Erfolg. Schließlich probierte ein Zivilfahnder kurioserweise selbst auch noch, die Wohnungstür mit einer Plastikkarte zu öffnen. Warum auch immer. Es gelang ihm aber nicht, und alle zogen ab.

Am nächsten Nachmittag stand dann der betroffene Mieter kleinlaut vor meiner Tür, um sich und seine Kumpels zu entschuldigen. Er war tatsächlich daheim gewesen, hatte aber in seinem Rausch so tief geschlafen, dass er weder seine Jungs noch die Polizei hörte.

Montag, 24. November 2025

Wochenplan (Updates)

Französische Filmwoche: „L'histoire de Souleymane“ (Foto) u. a. / Theatiner Filmkunst; Vernissagen Iman Issa: „Lass uns spielen“ / Lenbachhaus, Paul Valentin & Tatjana Vall: „It Is Plain That All Is Hidden“ / Eres und Charity-Ausstellung zugunsten des Salzburg Institute for Arts in Medicine / Villa Kast Salzburg; Michael Dean: „Chav Kunst“ / Akademie der Bildenden Künste; Buchvorstellung „Die Radikale Jüdische Tradition: Partisanen, Revolutionäre und Widerstandskämpfer“ mit Co-Autorin Janey Stone / Glitch; Festakt kulinarische Exzellenz mit Jürgen Dollase / Livestream; Andres Veiels „Riefenstahl“ / ARD-Mediathek und ARD; Tag gegen patriarchale Gewalt – München mackerfrei: Lindemann die Bühne nehmen / Olympiazentrum, Geschwister-Scholl-Platz & Hohenzollernplatz; Rumänische Kulturtage: Rumänien–Deutschland, literarische Brücke / IBZ; Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises an Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey für ihr Buch „Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus“ / Große Aula der LMU; Lateinamerikanische Filmtage / Luise, Werkstattkino, Import Export, Gasteig HP8; Festakt 75 Jahre Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz / Maximilianeum; Soli-Party zwei Jahre Glitch / Rote Sonne; „Macht euch stark“ – Respekt-Tag der Münchner Kunsthochschulen / Hochschule für Musik und Theater; Pressekonferenz zur Konferenz der Arbeits- und Sozialminister der Länder / City Hilton; Ruffini on tour: „Architektur der Inspiration – Wie Gestaltung Ideen fördert“ mit Elena de Kan, Lisa Glassner, Marie Julie Lörch, Eva Temper & Malte Tschörtner / Steelcase; Sharon Brauner: „Jiddish Soulfood“ / Jüdisches Gemeindezentrum; „Lost in Music: Geschichten aus der Popmusik“ mit Caroline von Eichhorn, Friedrich Ani, Peter Probst, Daniel He, Ez Kamil, Fritzi Noir & Timo Sarmiento, Don Marco und DJ King Brownie / Live.Evil; Preview Golden Christmas Tea / Koenigshof; Filmtage Sendling / Luise, Sendlinger Kulturschmiede & VHS Süd; „Gespenster von 1938: Thomas Mann, die Demokratie und der Zionismus“ – Rachel Salamander im Gespräch mit Kai Sina / Vorhoelzer-Forum der TUM; Preisverleihung Pressefoto Bayern / Maximilianeum; „Let's Fight Fast Fashion“ – Guerilla Fashion Aktion / PEP; Actors Talk mit Georg Seitz & Miroslav Nemec / Bachmair Weissach; Verleihung der Romy / ORF 2; Michael-Verhoeven-Retrospektive in Anwesenheit von Senta Berger mit „Das schreckliche Mädchen“, „Sonntagskinder“ u. a. / Theatiner Filmkunst; „Andere Bücher“ – Markt der unabhängigen Verlage / Literaturhaus; Buchpremiere „Porsche 911 Buch F-Model 60 Years 1965-1973“ / Motorlegenden Utting; Mode Meets Bach / Gasteig HP8; SSV Ulm vs. TSV 1860 / Bayerisches Fernsehen; Vorbesichtigung Contemporary Art, Modern Art and 19th Century Art / Auktionshaus Ketterer

Samstag, 22. November 2025

Feine erste Sätze (73)

 „Jan Fleischhauer ist ein Rassist.“

Gerrit Bartels im „Tagesspiegel“ vom 22. November 2025, Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray zitierend.

Freitag, 21. November 2025

Tilt! Flippern mit Julie Carmen anlässlich von Christel Buschmanns Eric-Burdon-Film „Comeback“ (1982)

Diesen Samstag und kommenden Mittwoch zeigt das Münchner Filmmuseum anläßlich seiner Christel-Buschmann-Retrospektive auch den Eric-Burdon-Film „Comeback“. Kurt Nane Jürgensen und ich waren damals mit Hauptdarstellerin Julie Carmen für ein Interview flippern. So wie wir es für jede Ausgabe mit einem Star oder einer Band waren. Dieses Mal möglicherweise in der Reitschule, da kann ich mich nur noch vage daran erinnern. Zumindest war es nicht an unserem Redaktions-Flipper in der Ysenburgstraße gewesen, da wir offenbar mit Julie Carmen an mindestens zwei verschiedenen Geräten geflippert haben. Am meisten überrascht mich die am Rande des Artikels abgedruckte Punktzahl: Demnach hatte ich 93.390 Punkte, während Nane nur auf 72.160 gekommen war. Dabei war er der Pinball-Derwisch. Das ganze Fachchinesisch in dem Text stammt auch sicherlich von ihm, aber grundsätzlich haben wir die Artikel damals gerne gemeinsam geschrieben. Filmstar Julie Carmen kam übrigens nur auf 46.870 Punkte. Aber dazu mehr im Artikel aus dem „Münchner Buch-Magazin“ von Mai 1982:

Im neuen Film von von Christel Buschmann spielt sie neben Eric Burdon die weibliche Hauptrolle. Als Frau des Rockstars Rocco betäubt sie ihren Schmerz, ihre Einsamkeit und Leere mit Drogen. Es lag bestimmt nicht nur daran, daß der Musikfilm „Comeback“ morgens um 11 lief – die knallharten Schnitte, die ein Tempo in den Film brachten, dem die Story nie zu folgen vermochte (überhaupt ist die Story recht dünn) und die Live-Aufnahmen, denen besonders in der ersten Hälfte des Films jegliche Atmosphäre abgeht, ließen „Comeback“ zu keinem rechten Genuß werden.

Auch die anschließende Pressekonferenz in der Mathäser Bierstadt (im Hintergrund übte die Blaskapelle enervierend ihre Schunkelweisen) kam nicht richtig in Schwung.

Ein paar Stunden später stand Julie Carmen vor Dr. Gottlieb's Spiderman. Zwar unterscheidet sich Spiderman in der unteren Hälfte des Spielfeldes nicht wesentlich von anderen Geräten dieser Generation, jedoch bietet das raffiniert aufeinander abgestimmte Verhältnis von Pop Bumpers gleich hinter den oberen Passagen (ein zusätzlicher Flipper gibt noch Eingriffsmöglichkeiten bevor die Kugel ins untere Spielfeld kommt) interessante Spielkombinationen. Was Julie daraus machte, läßt sich in ihrem Aufruf „Shit“ (anläßlich eines mehr als schlecht getimeten Set Shots) zusammenfassen.

Das Flippern hat sie in Chicago (derzeit lebt sie in L.A., filmt aber in Deutschland unter Reinhard Hauff zusammen mit Marius Müller-Westernhagen „Der Mann auf der Mauer“) gelernt, und zwar in Toni's Pin Ball Paradise. Etwas sah man davon, als wir auf Close Encounters of the 3rd Kind (auch Dr. Gottlieb) übergewechselt hatten. Die bei diesem Gerät auf einem Drehrad hinter den oberen Passagen angebrachten Targets können erhebliche Punktgewinne bringen, jedoch besteht die Schwierigkeit darin, daß die Kugel aufgrund ihrer großen Geschwindigkeit nicht durch einfache Tipp-Pässe auf den linken Flipper zu bringen ist (und nur der bietet den notwendigen Winkel für eine erfolgversprechende Schußrichtung auf das Drehrad). Hier muß schon der verzögerte Drop-Catch eingesetzt werden. Ähnlich wie die Rolle als durch ihre Unberechenbarkeit letztlich sehr berechnende Ehefrau, wo sich verselbständigende Wirklichkeiten zu Verhältnissen entwickeln, die objektiv und unaufhebbar werden, so lief die Kugel mit ihrer momentanisierenden Instabilität (schiefe Ebene!) auch bei unserem Spiel. Moralismen und Teleologien sind dann umwegig – so sagt sie zu Rocco ohne Lavieren: „Schlaf mit mir!“ Das geschickte Ausspielen der Widersprüche im System, ob nun im Film als Frau des Rockstars oder als Flipper-Zauberin vor dem Gerät, bietet maximale Gewähr. Denn auch hier gehört ein ziemlicher Fatalismus zum Spiel. Aber es sind dann doch immer wieder eben diese Fatalismen, die sich zu neuen Freiheiten ausdehnen.

Ihr bestes Ergebnis – im Film: die Laison mit Roccos Anwalt; – im Spiel: 46.870.

Wie Rewe seine SB-Kassen mit Gewalt durchsetzen will

Nach dem Umbau der Rewe-Filialen in Kassenbereiche mit normalen, besetzten Kassen und einem Self-Checkout schien sich letzterer in den vergangenen Wochen immer mehr durchzusetzen. Peak war ein Besuch in einer Schwabinger Filiale, wo über ein Dutzend Kund*innen an den SB-Kassen anstanden, während vielleicht drei, vier an der normalen Kasse warteten. Und selbst als eine zweite Kasse öffnete, blieben die meisten doch lieber in der Schlange für die Selbstbedienungskassen.

Aber der Rewe-Zentrale scheint das nicht auszureichen. Anfang November erschien bei Facebook ein erster Bericht aus einer Rewe-Filiale an der Leopoldstraße, dem zufolge dort keine Kassiererin mehr tätig war, sondern alle Einkäufe nur noch an den Selbstbedienungskassen beglichen werden konnten.

Ein Kommentator ergänzte, dass das inzwischen für alle Rewe-Filialen in der Innenstadt gelte.

Dabei ist es wichtig zu betonen, dass Self-Checkout keineswegs Card Only bedeutet. Die Hälfte der SB-Kassen akzeptiert in der Regel auch Bargeld. Nur muss man das wissen und vor allem auch darauf achten, bevor man anfängt, die Ware einzuscannen.

Inzwischen kann ich obige Erfahrungen bestätigen. In der Filiale an der Leopoldstraße erlebte ich auch einen Großkampftag an den SB-Kassen, wo überforderte Mitarbeiter*innen die Kundschaft an den richtigen Terminal zu schicken versuchten: Bar oder bargeldlos? Und beim Scannen halfen. Denn wer sich vertut und etwa aus Versehen ein Produkt zweimal scannt, kann es nicht selbst löschen, sondern braucht jemandem vom Supermarkt, um die Korrektur ausführen zu lassen.

Erst als die Schlange wie die Empörung der Klientel immer mehr wuchsen, öffnete man doch auch eine herkömmliche Kasse, wo die Mitarbeiterin die Kundschaft aber vor allem dafür beschimpfte, dass man nicht die SB-Terminals benutzte.

In der Filiale an der Hohenzollernstraße waren gestern auch beide klassischen Kassen geschlossen. Eine MItarbeiterin half im SB-Bereich. Erst als eine Kundin sagte, dass sie da nicht mitspielt, sondern die Ware wieder zurücklegt und den Einkauf abbricht, war es doch möglich, eine weitere Mitarbeiterin zu holen und eine Kasse zu besetzen. Diese Kundin war übrigens keineswegs technisch überfordert, sondern wollte es nicht unterstützen, dass so Arbeitsplätze abgebaut werden.

Heute Mittag in der Sendlinger Straße dann ein Erlebnis, das wahrscheinlich den Zielvorstellungen der Rewe-Leitung entspricht. Die herkömmliche Kasse „gerade geschlossen“ und auch im SB-Bereich niemand von Rewe zu sehen. Entweder der Kunde kam von allein mit der Technik zurecht oder er war aufgeschmissen.

Einer Kundin, die sich ein anderes Mal bei einem Filialleiter in Schwabing beschwerte, wurde erwidert, dass die Crew vor Ort da nichts machen könne. Das sei alles von oben angeordnet. Aber sie solle sich doch per Email beschweren. Daran werden aber gerade Ältere vielleicht genauso scheitern wie am digitalen Self-Checkout.

Montag, 17. November 2025

Direktion (2)


 

Ohne Titel (74)


 

Wochenplan (Updates)

Gerichtstermin Scientist Rebellion / Strafjustizzentrum; andererseits: Lesung und Gespräch zum Ukraine-Krieg mit Katja Petrowskaja und Martin Schulze Wessel / Bayerische Akademie der Wissenschaften; „Außer Männer haben wir nichts zu verlieren: 50 Jahre Lillemor's Frauenbuchladen“ / Literaturhaus; Buchvorstellung „Erfolgsgeschichten aus dem bayerischen Einzelhandel“ / Literaturhaus; Erinnerungszeichen Siegmund Oppenheimer / Adolf-Kolping-Straße 1; Festakt 50 Jahre Verstaatlichung der Münchner Stadtpolizei / Herkulessaal; Premiere „Frier und Fünfzig“ / Astor Film Lounge im Arri; Verleihung der Bayerischen Kunstpreise und Kunstförderpreise / Bergson; Lecture Marina Abramović / Stadtkino Wien & Livestream;  Vernissagen „Sisterhood“ / Farbenladen, Arkadenale: „Comeback“ mit Florian Athanatos-Baumgartner, Gina Bolle, Diogo da Cruz, Nezaket Ekici, Tom Früchtl, Aron Herdrich, Simone Kesting, Simone Lanzenstiel, Anne Linke, PnikPnik, John Schmitz, Albert Weis, Guido Weggenmann, Kazuyo Yabuuchi & Benjamin Zuber / Kunstarkaden, Phoebe Derlee: „Alive“ / Lohaus Sominsky, „Stadt in Trümmern. Herbert List und die Ruinenfotografie in München“ / Rathausgalerie, Paul Wiedemann: „Smoke underwater“ / Mari und „Wilde Farben, freier Geist. 120 Jahre Künstlergruppe Brücke“ / Franz-Marc-Museum; Gewalt / Import Export; Munich Network: „Zwischen Markt und Medium – Die Rolle der Galerien in München“ / Akademie der Bildenden Künste; Michel Friedman spricht mit Harald Lesch über Lüge / Kammerspiele; „Die neue Mauer“ – Gespräch mit Bodo Ramelow, Ilko-Sascha Kowalczuk & Cathrin Kahlweit / Literaturhaus; Festlesung mit Friedrich Ani, Anton G. Leitner u. a. zur Buchpremiere der 33. Ausgabe von „Das Gedicht“ / Lyrik-Kabinett; Rudolf Fischer: Festvortrag „So wollen wir wohnen: Anleitungen zum Wohnen in Deutschland 1920 bis 1965“ / Zentralinstitut für Kunstgeschichte; Auma Obama: „Der Elefant im Porzellanladen“. Wie externe Eingriffe die afrikanische Landwirtschaft und ihre Nachhaltigkeit beeinflussen / Bayerische Akademie der Wissenschaften; Vorlesetag mit Katharina Schulze / Internationale Jugendbibliothek Schloss Blutenburg; Weihnachtspressekonfernz des Bayerischen Einzelhandels / Haus des Handels; Französische Filmwoche„Herz aus Eis“ (Foto) u. a. / Theatiner Filmkunst; Wolf Alice / Tonhalle; Podiumsdiskussion „Mehr Lärm für München – Unsere Stadt vor der Wahl“ / Feierwerk; Kundgebung „Gemeinsam gegen Kürzungen im sozialen Bereich“ / Orleansplatz; Kino Asyl / Bellevue di Monaco, NS-Dokumentationszentrum, Gasteig HP8, HFF & Kunstlabor 2; Pressekonferenz von Verdi zu den Sparmaßnahmen der Landeshauptstadt / Café Glockenspiel; Rumänische Kulturtage: „Schon lange kein Frühling“ / Haus des Deutschen Ostens; Verleihung des Sigi-Sommer-Talers der Narhalla an Wolfgang Krebs / Wirtshaus im Schlachthof; Verleihung des Kunstpreises Der freche Mario / Rationaltheater; Maria Vtorushyna: „Gender und Körper in der ukrainischen Kunst“ / Sub; Satanic Surfers / Rote Sonne

Direktion (1)

 

Montag, 10. November 2025

Wochenplan (Updates)

Podiumsgespräch „Starke Frauen – Starke Worte: Im Gespräch mit Ilse Aigner“ / Hanns-Seidel-Stiftung; Rumänisches Filmfestival / Filmmuseum; Faschingsbeginn; „Islamistischer Terrorismus … der 7. Oktober 2023 als Wendepunkt“: Podiumsdiskussion mit Kerstin Schreyer, Joachim Herrmann, Peter R. Neumann, Holger Dremel, Manfred Hauser & Gabriele Tilmann / Hanns-Seidel-Stiftung; BR-Intendantin Katja Wildermuth auf dem roten AZ-Sofa / Deutsches Theater; Akademie-Auktion / Akademie der Bildenden Künste; Pressedinner italienische Charcuterie / Vinothek Excelsior by Geisel; Astrobal, Nina Savary & Su Yono / Bellevue di Monaco; Verleihung der Kulturpreise, Sozialpreise und Umweltpreise der Bayerischen Landesstiftung / Kuppelsaal der Staatskanzlei; „Where We Used to Sleep“ / Bayerisches Fernsehen; Pressekonferenz zur MVV-Erweiterung / Oberangertheater; Bericht zur Cybersicherheit in Bayern / Landeskriminalamt; Round-Table-Gespräch „Puppen: Sex, Gewalt & Pornografie“ mit Anke Doberauer, Andrea Jahn, Sven Lewandowski, Jonas Nesselhauf & Ulrich Pfisterer / Zentralinstitut für Kunstgeschichte; „Der jüdische Buchclub“ mit Dana von Suffrin, Philipp Lenhard & Lina Larissa Strahl / Literaturhaus; Südbahnhofkonzert mit Lidloop, Lou Pa & Nobutthefrog / Bahnwärter Thiel; Alexander Hacke liest aus „Krach: Verzerrte Erinnerungen“ / Heppel & Ettlich; „The Beast in Me“ / Netflix; Vernissagen Sven Drühl: „F.N.J.–K.S.T.“ / Galerie König, „Polistics“ / Galerie des Rumänischen Kulturinstituts Berlin und „Every Artist Must Take Sides – Resonanzen von Eslanda und Paul Robeson“ / Akademie der Künste Berlin; Most Wanted Music: Gotopo, Ellice, Dim Fumes, Pistamahina u. a. / Kulturbrauerei; Bambi-Verleihung / Bavaria Filmstudios & Amazon Prime; „Expect the Unexpected“: Madam-Bar-Revival mit Oliver, Nhut & Panda / Amari-Bar; Jüdische Kulturtage Berlin; Italian Film Festival Berlin / Kino in der Kulturbrauerei; Afrikamera-Festival; Richard Linklaters „Nouvelle Vague“ / Netflix; Klimastreik / Pariser Platz; Staatsballett Berlin: „Wunderkammer“ (Foto) / Schillertheater; „Glamour Women of the Year“ / The Ritz-Carlton; Puschenfest mit Tune-Yards, Automatic, Mermaid Chunky, Wombo, Roomer & The Hobknobs / Festsaal Kreuzberg; Kundgebung Candidplatz für alle; Umzug der Lach- & Schießgesellschaft von der Ursulastraße ins Fat Cat

(Foto: Yan Revazov / Staatsballett Berlin)