Sonntag, 12. April 2015
Wochenplan
Vernissagen Telecafé / Akademiegalerie, Einblicke in die Lithowerkstatt: Probe- und Zustandsdrucke von Edouard Vuillard / Pinakothek der Moderne, Hannes P. Albert: „Polymorphia: War as usual“ / Registratur, Susannah Martin: „Primordial Tourists“ / Størpunkt und „American Icons“ / Galerie Kronsbein, „Die Untiefen des Staates: VS, NSU & Co“ mit Andreas Förster, Jasmin Siri, Imke Schmincke und Robert Andreasch / Akademiegalerie, „Masters of Sex“ /ZDFneo, Steitgespräch: „Ist die Pressefreiheit in Gefahr?“ mit Markus Söder, Markus Rinderspacher, Thomas Morawski, Michael Busch u.a. / Presseclub, Pressefrühstück Käfer Genußraum / Ludwig Beck, Joachim Braun, Chefredakteur des Nordbayerischen Kuriers ./. Freistaat Bayern auf Presseauskunft in Sachen Gehälter einer Mitarbeiterin bzw. Ehefrau eines Landtagsabgeordneten / Verwaltungsgericht München, Zweiter Salon für Schönheit & Kosmetik / Lost Weekend, „Von Alzheimer bis Spinnenseide: Proteinfaltung im Blick der Forschung“ / Bayerische Akademie der Wissenschaften, Frühlingsfest, Anne Philippi liest aus „Giraffen“ / Kismet, Leichenschmaus / Lothringer 13, DRK-Flohmarkt / Theresienwiese, Lutz Seiler liest aus „Kruso“ / Evangelische Akademie Tutzing, Pressevorführungen „Das Versprechen eines Lebens“ und „Ostwind 2“
Dienstag, 7. April 2015
Feine erste Sätze (16)
„Wenn sich Schwaben früher ekstatisch im öffentlichen Raum bewegten, nannte man das Kehrwoche.“
Streiflicht der „Süddeutschen Zeitung“ vom 7. April 2015
Streiflicht der „Süddeutschen Zeitung“ vom 7. April 2015
Montag, 6. April 2015
Fundsachen (24): Eugène Ionesco diplomatische Tätigkeit von 1942 bis 1944 in Frankreich
Zwischen 1942 und 1944 hat der Schriftsteller Eugène Ionesco als Presse- und Kulturattaché von Marseille aus für meinen Großvater Ion Dragu aka Ioan Dragu aka Ionel Drăgescu aka Jean Dragu an der Königlich Rumänischen Gesandtschaft im französischen Vichy gearbeitet.
Später schien ihm das eher unangenehm gewesen zu sein. „Eugen Ionescu și-a ascuns episodul diplomatic din carieră“, schreibt Lucian Jora im Jahr 2018 in seiner Analyse „Diplomația culturală a României în perioada interbelică“ (Rumäniens Kulturdiplomatie zwischen den Weltkriegen). „Eugen Ionescu hat sein diplomatisches Intermezzo aus seinem Lebenslauf gestrichen.“
Immerhin belegen die zwei ganz unten abgebildeten diplomatischen Schreiben Ionescos diplomatische Tätigkeit.
Ana-Maria Stan geht in ihrem Buch „Relațiile franco-române în timpul regimului de la Vichy 1940–1944“ (Die französisch-rumänischen Beziehungen während des Vichy-Regimes 1940–1944) recht ausführlich auf dieses „Intermezzo“ ein. Ionesco hätte seine Kollegen an der Gesandtschaft in Vichy nicht sonderlich geschätzt. In einem Brief an den Schriftsteller und Diplomaten Tudor Vianu hätte er sich sehr kritisch geäußert: „Portretul pe care el I-a creionat personalului român de a Vichy este lipsit de orice menajamente. Ionescu nu s-a sfiit să-i caracterizeze pe tofi drept »ignoranți, imbecili și invidioși...«, plângându-se de ignoranța lor culturală și chiar de incompetența lor profesională.
Colaboratorii săi direcți din cadrul serviciului de presă, inclusiv șeful acestuia - Ion Dragu, erau văzuți ca niște »animale odioase, palizi ratați«.“
„Das Bild, das er von den rumänischen Boschaftsangehörigen in Vichy zeichnete, war völlig taktlos. Ionescu zögerte nicht, sie alle als »unwissend, dumm und neidisch…« zu bezeichnen und beklagte ihre kulturelle Ignoranz und sogar ihre berufliche Inkompetenz. Seine direkten Mitarbeiter im Pressedienst, darunter dessen Leiter Ion Dragu, wurden als »widerliche Bestien, blasse Versager« angesehen.“
„Das Bild, das er von den rumänischen Boschaftsangehörigen in Vichy zeichnete, war völlig taktlos. Ionescu zögerte nicht, sie alle als »unwissend, dumm und neidisch…« zu bezeichnen und beklagte ihre kulturelle Ignoranz und sogar ihre berufliche Inkompetenz. Seine direkten Mitarbeiter im Pressedienst, darunter dessen Leiter Ion Dragu, wurden als »widerliche Bestien, blasse Versager« angesehen.“
Am 19. September 1945 schrieb Ionesco einen (weiteren?) langen Brief an Vianu, der im zweiten Band (1936–1949) von dessen gesammelter Korrespondenz, „Scrisori către Tudor Vianu“ (Briefe an Tudor Vianu), 1994 veröffentlicht wurde und dort elf Seiten umfasst:
„Ce păcat că Vișoianu nu mai e ministru. De ce ? I-am-scris, nu mi-a răspuns „fiind prea ministru". Am avut, pân-acum, dificultăți imense cu Legația. Nu puteam protesta la București. Era imposibil să-i fac să înțeleagă utilitatea unei acțiuni culturale. Râdeau de proiectele mele de publicare de cărți românești; de reviste etc. Am întâmpinat neînțelegerea, prostia, îngâmfarea, egoismul celor mai mari, neverosimile. Abia am putut, în doi ani, publica niște poeme, pe ici și colo, de Arghezi și Blaga. Când nu întâlneam neințelegerea, întâlneam invidia, gelozia : Dragu, Tolu, Păltănea, de la presă, animale odioase, ratați galbeni. (Publicarea unei cărți mă costa atunci - azi e mult mai scump — douăzeci și cinci de mii de franci, restul fiind preluat de editor : găseau că e prea scump : dădeau însă nenumărate dineuri unor persoane politice, azi la puşcărie, și unor contese imbecile, inutile, și fiecare dineu costa cât publicarea a două cărți. De ce nu vii aici consilier cultural ? Avem o consilieră cretină, Elena Văcărescu, care continuă a fi ea consiliată de Hiott - un sinistru tip — și de Dragu; e înconjurată de o serie de ratați - Cernătescu, Ureche etc... etc...)“
„Wie schade, dass Vișoianu nicht mehr (Außen-)Minister ist. Warum? Ich habe ihm geschrieben, aber er hat mir nicht geantwortet, „weil er zu sehr Minister war“. Ich hatte bisher große Schwierigkeiten mit der Gesandtschaft und konnte mich nicht in Bukarest darüber beschweren. Es war unmöglich, ihr den Nutzen kultureller Projekte zu vermitteln. Sie lachten über meine Pläne, rumänische Bücher, Zeitschriften usw. zu veröffentlichen. Ich stieß auf Unverständnis, Dummheit, Arroganz, unglaublichen Egoismus. Ich konnte in zwei Jahren kaum ein paar Gedichte von Arghezi und Blaga veröffentlichen. Wenn ich nicht auf Unverständnis stieß, begegnete ich Neid und Missgunst seitens der Presseattachés Dragu, Tolu, Păltănea, widerliche Bestien, feige Verlierer. (Damals kostete mich die Veröffentlichung eines Buches – heute ist es viel teurer – 25.000 Francs, den Rest übernahm der Verlag: Es war ihnen zu teuer. Dafür gaben sie unzählige Abendessen für Politiker, die jetzt im Gefängnis sitzen, und für einfältige, nutzlose Gräfinnen, und jedes Abendessen kostete so viel wie die Veröffentlichung von zwei Büchern. Warum kommst Du nicht her als Kulturattaché? Wir haben eine dämliche Attachée, Elena Văcărescu, die sich weiterhin von Hiott beraten lässt – einem zwielichtigen Kerl – und von Dragu. Sie ist umgeben von einer Reihe von Versagern – Cernătescu, Ureche usw. usw. )“
Und zwei Seiten weiter:
„Păltănea, Tolu, »colegii« mei, urau pe toți, absolut toți oamenii care aveau o valoare, care tăcuseră ceva : nu puteai pronunța, de pilda, Argnezı, sau Rebreanu, sau Lovinescu, sau George Călinescu, sau Basii Munteanu, sau Ralea, sau Vișoianu, sau Blaga, sau numai Voronca tără să auzi ricanând, livizi, pe colegii murind de invidie. Dacă spuneai despre cineva că »are talent«, atrăgeai duşmănii de moarte. Erau în stare să ucidă pe oricine le-ar fi amenințat mizerabila lor situație.
M-am înfuriat, m-am descoperit de nenumărate ori - și făceam figură de »persecutat«. Dragu voia să mă minimizeze. Când i s-a spus, în țară, de cine știe cine, »că aș avea talent« (!!) – a făcut tot posibilul să mă țină deoparte; să-mi ia orice însemnătate etc. Nu răbdam: ne certam. Dar nu puteam face nimic : el avea fondurile.“
„Păltănea, Tolu, meine »Kollegen« hassten alle, absolut jeden, der von Wert war, der sich etwas bewahrt hatte: Man konnte zum Beispiel nicht die Namen Arghezi, Rebreanu, Lovinescu, George Călinescu, Basil Munteanu, Ralea, Vișoianu, Blaga oder schlicht Voronca aussprechen, ohne dass die Kollegen höhnisch kicherten – vor Wut verzerrt und fast sterbend vor Neid. Sagte man über jemanden, er »habe Talent«, so schuf man sich damit Todfeinde. Sie wären fähig gewesen, jeden zu töten, der ihre eigene erbärmliche Stellung bedrohte. Ich wurde wütend; unzählige Male exponierte ich mich – und fühlte mich »verfolgt«. Dragu trachtete danach, mich in Grenzen zu halten. Als ihm – wer weiß von wem – in Rumänien zugetragen wurde, »dass ich Talent hätte« (!!), tat er alles nur Mögliche, um mich beiseite zu schieben, mir jegliche Bedeutung zu nehmen und so weiter. Ich konnte es nicht ertragen: Wir stritten uns. Doch ich konnte nichts ausrichten: Er entschied über die finanziellen Mittel.“
.
Ich habe Ionesco persönlich kennengelernt, als ich 1984 in meinem Popa-Verlag sein Frühwerk „Das groteske und tragische Leben des Victor Hugo“ auf deutsch veröffentlichte. Er fragte mich während unserer Begegnung auf der Frankfurter Buchmesse auch nach meinem Großvater, der damals aber schon verstorben war. Wenn ich mich recht an entsprechende Erzählungen bei uns daheim erinnere, war mein Großvater auch Taufpate von Ionescos 1944 in Frankreich geborenen Tochter Marie-France.
Ana-Maria Stan greift Ionescos diplomatische Arbeit für meinen Großvater auf und schreibt in der „Transylvanian Review“, Vol. XIV, N° 4, Winter 2005, über „Survie, création, devoir patriotique, collaboration? Le cas d'Eugène Ionesco à Vichy“: „Dans la dernière partie de sa mission, Eugène Ionesco renonça partiellement à ses démarches exclusivement culturelles pour se consacrer à un autre type de projet (…) l'intention de créer une chambre de commerce franco-roumaine {…) Dans les circonstances complexes des premiers mois de 1944 la réalisation de l'initiative des personnalités de Marseille était malheureusement impossible. L'idée était, tout de même, attrayante et Eugène Ionesco ne tarda pas à la communiquer à son chef direct, Ion Dragu, et par la suite même au ministre Dinu Hiott.“
Ana-Maria Stan greift Ionescos diplomatische Arbeit für meinen Großvater auf und schreibt in der „Transylvanian Review“, Vol. XIV, N° 4, Winter 2005, über „Survie, création, devoir patriotique, collaboration? Le cas d'Eugène Ionesco à Vichy“: „Dans la dernière partie de sa mission, Eugène Ionesco renonça partiellement à ses démarches exclusivement culturelles pour se consacrer à un autre type de projet (…) l'intention de créer une chambre de commerce franco-roumaine {…) Dans les circonstances complexes des premiers mois de 1944 la réalisation de l'initiative des personnalités de Marseille était malheureusement impossible. L'idée était, tout de même, attrayante et Eugène Ionesco ne tarda pas à la communiquer à son chef direct, Ion Dragu, et par la suite même au ministre Dinu Hiott.“
Sonntag, 5. April 2015
Wochenplan
Amateurderby FC Bayern-TSV 1860 / Grünwalderstadion, „GQ“ First Look ft. 3 Dayz Whizkey / Goldene Bar, Monochromosonen / Domagk-Ateliers, Perspektiven feiern / Import Export, Paştele ortodox, Pressevorführungen „Run all night“, „Fassbinder“, „Kill the messenger“, „Nur eine Stunde Ruhe!“ und „The longest ride“
Samstag, 4. April 2015
Freitag, 3. April 2015
Dienstag, 31. März 2015
Alle Orkane sind gleich – zumindest für den zeitlosen SZ-Journalismus
Es gibt live, es gibt RTL und es gibt den von Onlineredaktionen geliebten Echtzeitjournalismus. Mal trägt er das Rubrum Live-Blog wie eine Monstranz vor sich her, mal nutzt er nur daraus bekannte Merkmale. Die Onliner der „Süddeutschen Zeitung“ reicherten heute ihre Berichterstattung zum Sturm Niklas mit dem Liveelement zitierter Tweets an. Bloß daß sie inmitten tagesaktueller Frischware ausgerechnet einen meiner alten Tweets vom 9. 10. Januar präsentierten, als ob er frisch gewesen sei (und später, als der Fehler via Twitter angeprangert wurde, wieder löschten, wie sie den Beitrag auch sonst laufend klammheimlich änderten). Sturm bleibt Sturm? Nur wie wurde man heute in der Hultschiner Straße auf meine alte Äußerung aufmerksam? Bei meinem täglichen Ausstoß kaum zufällig durch Herumscrollen. Da hat wohl jemand via Twittersuche nach Schlagworten wie „Orkanschäden“ gesucht und bei den Ergebnissen nicht auf die Datumszeile geachtet.
(Screenshots: Peter Nützel und Stefan Primbs)
(Screenshots: Peter Nützel und Stefan Primbs)
Sonntag, 29. März 2015
Wochenplan
Vernissage „Zoom – Architektur und Stadt im Bild“ / Pinakothek der Moderne, 60. Münchner Medien-Gespräch: Zukunft des Journalismus. Mit Michael Haller, Stephan Goldmann und Jessica Schober / Orange-Bar, Frühlingsfest / ♥, LUNAparty / Blue Spa im Bayerischen Hof, Pressevorführungen „Am grünen Rand der Welt“, „Fast & Furious 7“, „Zweite Chance“, „Der Kaufhaus-Cop 2“, „An den Ufern der heiligen Flüsse“ und „Die Frau in Gold“
Foto: Nuno Cera | Futureland, 2008–2010 | Shanghai | 2010, © Courtesy of the artist (Nuno Cera) & EDP Foundation, Lisbon
Foto: Nuno Cera | Futureland, 2008–2010 | Shanghai | 2010, © Courtesy of the artist (Nuno Cera) & EDP Foundation, Lisbon
Freitag, 27. März 2015
Mittwoch, 25. März 2015
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