Montag, 6. April 2015

Fundsachen (24): Eugène Ionesco diplomatische Tätigkeit von 1942 bis 1944 in Frankreich

Zwischen 1942 und 1944 hat der Schriftsteller Eugène Ionesco als Presse- und Kulturattaché von Marseille aus für meinen Großvater Ion Dragu aka Ioan Dragu aka Ionel Drăgescu aka Jean Dragu an der Königlich Rumänischen Gesandtschaft im französischen Vichy gearbeitet.

Später schien ihm das eher unangenehm gewesen zu sein. „Eugen Ionescu și-a ascuns episodul diplomatic din carieră“, schreibt Lucian Jora im Jahr 2018 in seiner Analyse „Diplomația culturală a României în perioada interbelică“ (Rumäniens Kulturdiplomatie zwischen den Weltkriegen). „Eugen Ionescu hat sein diplomatisches Intermezzo aus seinem Lebenslauf gestrichen.“

Immerhin belegen die zwei ganz unten abgebildeten diplomatischen Schreiben Ionescos diplomatische Tätigkeit. 

Ana-Maria Stan geht in ihrem Buch „Relațiile franco-române în timpul regimului de la Vichy 1940–1944“ (Die französisch-rumänischen Beziehungen während des Vichy-Regimes 1940–1944) recht ausführlich auf dieses „Intermezzo“ ein. Ionesco hätte seine Kollegen an der Gesandtschaft in Vichy nicht sonderlich geschätzt. In einem Brief an den Schriftsteller und Diplomaten Tudor Vianu hätte er sich sehr kritisch geäußert: „Portretul pe care el I-a creionat personalului român de a Vichy este lipsit de orice menajamente. Ionescu nu s-a sfiit să-i caracterizeze pe tofi drept »ignoranți, imbecili și invidioși...«, plângându-se de ignoranța lor culturală și chiar de incompetența lor profesională. Colaboratorii săi direcți din cadrul serviciului de presă, inclusiv șeful acestuia - Ion Dragu, erau văzuți ca niște »animale odioase, palizi ratați«.“

„Das Bild, das er von den rumänischen Boschaftsangehörigen in Vichy zeichnete, war völlig taktlos. Ionescu zögerte nicht, sie alle als »unwissend, dumm und neidisch…« zu bezeichnen und beklagte ihre kulturelle Ignoranz und sogar ihre berufliche Inkompetenz. Seine direkten Mitarbeiter im Pressedienst, darunter dessen Leiter Ion Dragu, wurden als »widerliche Bestien, blasse Versager« angesehen.“

Am 19. September 1945 schrieb Ionesco einen (weiteren?) langen Brief an Vianu, der im zweiten Band (1936–1949) von dessen gesammelter Korrespondenz, „Scrisori către Tudor Vianu“ (Briefe an Tudor Vianu), 1994 veröffentlicht wurde und dort elf Seiten umfasst: 

„Ce păcat că Vișoianu nu mai e ministru. De ce ? I-am-scris, nu mi-a răspuns „fiind prea ministru". Am avut, pân-acum, dificultăți imense cu Legația. Nu puteam protesta la București. Era imposibil să-i fac să înțeleagă utilitatea unei acțiuni culturale. Râdeau de proiectele mele de publicare de cărți românești; de reviste etc. Am întâmpinat neînțelegerea, prostia, îngâmfarea, egoismul celor mai mari, neverosimile. Abia am putut, în doi ani, publica niște poeme, pe ici și colo, de Arghezi și Blaga. Când nu întâlneam neințelegerea, întâlneam invidia, gelozia : Dragu, Tolu, Păltănea, de la presă, animale odioase, ratați galbeni. (Publicarea unei cărți mă costa atunci - azi e mult mai scump — douăzeci și cinci de mii de franci, restul fiind preluat de editor : găseau că e prea scump : dădeau însă nenumărate dineuri unor persoane politice, azi la puşcărie, și unor contese imbecile, inutile, și fiecare dineu costa cât publicarea a două cărți. De ce nu vii aici consilier cultural ? Avem o consilieră cretină, Elena Văcărescu, care continuă a fi ea consiliată de Hiott - un sinistru tip — și de Dragu; e înconjurată de o serie de ratați - Cernătescu, Ureche etc... etc...)“

„Wie schade, dass Vișoianu nicht mehr (Außen-)Minister ist. Warum? Ich habe ihm geschrieben, aber er hat mir nicht geantwortet, „weil er zu sehr Minister war“. Ich hatte bisher große Schwierigkeiten mit der Gesandtschaft und konnte mich nicht in Bukarest darüber beschweren. Es war unmöglich, ihr den Nutzen kultureller Projekte zu vermitteln. Sie lachten über meine Pläne, rumänische Bücher, Zeitschriften usw. zu veröffentlichen. Ich stieß auf Unverständnis, Dummheit, Arroganz, unglaublichen Egoismus. Ich konnte in zwei Jahren kaum ein paar Gedichte von Arghezi und Blaga veröffentlichen. Wenn ich nicht auf Unverständnis stieß, begegnete ich Neid und Missgunst seitens der Presseattachés Dragu, Tolu, Păltănea, widerliche Bestien, feige Verlierer. (Damals kostete mich die Veröffentlichung eines Buches – heute ist es viel teurer – 25.000 Francs, den Rest übernahm der Verlag: Es war ihnen zu teuer. Dafür gaben sie unzählige Abendessen für Politiker, die jetzt im Gefängnis sitzen, und für einfältige, nutzlose Gräfinnen, und jedes Abendessen kostete so viel wie die Veröffentlichung von zwei Büchern. Warum kommst Du nicht her als Kulturattaché? Wir haben eine dämliche Attachée, Elena Văcărescu, die sich weiterhin von Hiott beraten lässt – einem zwielichtigen Kerl – und von Dragu. Sie ist umgeben von einer Reihe von Versagern – Cernătescu, Ureche usw. usw. )“

Und zwei Seiten weiter:

„Păltănea, Tolu, »colegii« mei, urau pe  toți, absolut toți oamenii care aveau o valoare, care tăcuseră ceva : nu puteai pronunța, de pilda, Argnezı, sau Rebreanu, sau Lovinescu, sau George Călinescu, sau Basii Munteanu, sau Ralea, sau Vișoianu, sau Blaga, sau numai Voronca tără să auzi ricanând, livizi, pe colegii murind de invidie. Dacă spuneai despre cineva că »are talent«, atrăgeai duşmănii de moarte. Erau în stare să ucidă pe oricine le-ar fi amenințat mizerabila lor situație. 
M-am înfuriat, m-am descoperit de nenumărate ori - și făceam figură de »persecutat«. Dragu voia să mă minimizeze. Când i s-a spus, în țară, de cine știe cine, »că aș avea talent« (!!) – a făcut tot posibilul să mă țină deoparte; să-mi ia orice însemnătate etc. Nu răbdam: ne certam. Dar nu puteam face nimic : el avea fondurile.“

„Păltănea, Tolu, meine »Kollegen« hassten alle, absolut jeden, der von Wert war, der sich etwas bewahrt hatte: Man konnte zum Beispiel nicht die Namen Arghezi, Rebreanu, Lovinescu, George Călinescu, Basil Munteanu, Ralea, Vișoianu, Blaga oder schlicht Voronca aussprechen, ohne dass die Kollegen höhnisch kicherten – vor Wut verzerrt und fast sterbend vor Neid. Sagte man über jemanden, er »habe Talent«, so schuf man sich damit Todfeinde. Sie wären fähig gewesen, jeden zu töten, der ihre eigene erbärmliche Stellung bedrohte. Ich wurde wütend; unzählige Male exponierte ich mich – und fühlte mich »verfolgt«. Dragu trachtete danach, mich in Grenzen zu halten. Als ihm – wer weiß von wem – in Rumänien zugetragen wurde, »dass ich Talent hätte« (!!), tat er alles nur Mögliche, um mich beiseite zu schieben, mir jegliche Bedeutung zu nehmen und so weiter. Ich konnte es nicht ertragen: Wir stritten uns. Doch ich konnte nichts ausrichten: Er entschied über die finanziellen Mittel.“
.
Ich habe Ionesco persönlich kennengelernt, als ich 1984 in meinem Popa-Verlag sein Frühwerk „Das groteske und tragische Leben des Victor Hugo“ auf deutsch veröffentlichte. Er fragte mich während unserer Begegnung auf der Frankfurter Buchmesse auch nach meinem Großvater, der damals aber schon verstorben war. Wenn ich mich recht an entsprechende Erzählungen bei uns daheim erinnere, war mein Großvater auch Taufpate von Ionescos 1944 in Frankreich geborenen Tochter Marie-France.

Ana-Maria Stan greift Ionescos diplomatische Arbeit für meinen Großvater auf und schreibt in der „Transylvanian Review“, Vol. XIV, N° 4, Winter 2005, über „Survie, création, devoir patriotique, collaboration? Le cas d'Eugène Ionesco à Vichy“: „Dans la dernière partie de sa mission, Eugène Ionesco renonça partiellement à ses démarches exclusivement culturelles pour se consacrer à un autre type de projet (…) l'intention de créer une chambre de commerce franco-roumaine {…) Dans les circonstances complexes des premiers mois de 1944 la réalisation de l'initiative des personnalités de Marseille était malheureusement impossible. L'idée était, tout de même, attrayante et Eugène Ionesco ne tarda pas à la communiquer à son chef direct, Ion Dragu, et par la suite même au ministre Dinu Hiott.“



Fundsachen (23): Ionel

Mein Großvater Ion Dragu aka Ioan Dragu aka Ionel Drăgescu aka Jean Dragu.

Petit Déjeuner Musical (108): Corinne Douarre

Messieursdames, Corinne Douarre!

Sonntag, 5. April 2015

Freitag, 3. April 2015

Dienstag, 31. März 2015

Alle Orkane sind gleich – zumindest für den zeitlosen SZ-Journalismus

Es gibt live, es gibt RTL und es gibt den von Onlineredaktionen geliebten Echtzeitjournalismus. Mal trägt er das Rubrum Live-Blog wie eine Monstranz vor sich her, mal nutzt er nur daraus bekannte Merkmale. Die Onliner der „Süddeutschen Zeitung“ reicherten heute ihre Berichterstattung zum Sturm Niklas mit dem Liveelement zitierter Tweets an. Bloß daß sie inmitten tagesaktueller Frischware ausgerechnet einen meiner alten Tweets vom 9. 10. Januar präsentierten, als ob er frisch gewesen sei (und später, als der Fehler via Twitter angeprangert wurde, wieder löschten, wie sie den Beitrag auch sonst laufend klammheimlich änderten). Sturm bleibt Sturm? Nur wie wurde man heute in der Hultschiner Straße auf meine alte Äußerung aufmerksam? Bei meinem täglichen Ausstoß kaum zufällig durch Herumscrollen. Da hat wohl jemand via Twittersuche nach Schlagworten wie „Orkanschäden“ gesucht und bei den Ergebnissen nicht auf die Datumszeile geachtet.

(Screenshots: Peter Nützel und Stefan Primbs)

Sonntag, 29. März 2015

Wochenplan

Vernissage „Zoom – Architektur und Stadt im Bild“ / Pinakothek der Moderne, 60. Münchner Medien-Gespräch: Zukunft des Journalismus. Mit Michael Haller, Stephan Goldmann und Jessica Schober / Orange-Bar, Frühlingsfest / , LUNAparty / Blue Spa im Bayerischen Hof, Pressevorführungen „Am grünen Rand der Welt“, „Fast & Furious 7“, „Zweite Chance“, „Der Kaufhaus-Cop 2“, „An den Ufern der heiligen Flüsse“ und „Die Frau in Gold“

Foto: Nuno Cera | Futureland, 2008–2010 | Shanghai | 2010, © Courtesy of the artist (Nuno Cera) & EDP Foundation, Lisbon

Mittwoch, 25. März 2015

Sonntag, 22. März 2015

Wochenplan

Vernissagen Jukebox. Jewkbox / Jüdisches Museum und Philip Guston / Pinakothek der Moderne, Der deutsche Sexkrimi (3): „…und noch nicht sechzehn“ (1968, mit Rosy-Rosy und Helen Vita) / Werkstattkino, Streitgespräch „Multimedialität – Wer zahlt die Zeche?“ mit Richard Gutjahr, Sigmund Gottlieb, Paul Katzenberger u.a. / PresseClub, Stylight Magazine Launch Party / P1, Jürgen Todenhöfer: „Du sollst nicht töten“ / Muffathalle, Anne Chebu liest aus „Anleitung zum Schwarz sein“ / Lost Weekend, Ronja Wurmb-Seibel: „Ausgerechnet Kabul“ / Lost Weekend, Riff Cohen / Pasinger Fabrik, Deutschland-Premiere der „Gespensterjäger“ mit Anke Engelke, Christian Tramitz, Karoline Herfurth, Christian Ulmen, Julian Koschitz und Bastian Pastewka / Mathäser, Beginn der Sommerzeit, Pressevorführungen „Top Five“, „Der Nanny“, „Kurt Cobain – Montage of Heck“ und „Ex machina“

Donnerstag, 19. März 2015

Lüpfen wir einen auf den Liebster Award (stöckchenhalber)

Emmanuelle hat mich eingeladen, elf Fragen rund ums Trinken (Liebster Award) zu beantworten:

Und natürlich kann ich ihr diese Bitte nicht abschlagen. Da ich aber als Katzenfreund meine Vorbehalte gegenüber dem hündischen Stöckchensport hege, lade ich niemanden ausdrücklich dazu ein, zu apportieren. Ihr dürft die Fragen gern aufgreifen, und wer mich davon benachrichtigt, darf hoffen, von mir via Blog, Twitter und/oder Facebook erwähnt zu werden.

1. Was ist dein liebster Drink? 
Ein 102 (so nannte Serge Gainsbourg seinen doppelten 51). Pastis ist für mich zum Gaumenschmeichler geronnene Sonne. Im James T. Hunt haben sie für meine Pastis-Nachmittage eigens eine Glaskaraffe angeschafft.

2. Wann hast du das erste mal Alkohol getrunken? 
Als Volksschüler die Noagerl der Wiesn-Maß meiner großen Brüder.

3. Welchen Drink hast du am meisten bereut? 
Eine Cognac-Nacht im Park Café während der achtziger Jahre. Der erste und einzige Filmriß meines Lebens.

4. Bar oder Kneipe?
Bar! Die Frauen sind verführerischer, die Drinks spannender, die Kellner unnahbarer... Wenn bloß diese rüden Türsteher nicht wären.

5. Champagner oder Schaumwein? 
Champagner-Campari-Wodka. Journalisten meiner Generation tranken den Turbomix bereits mittags bei Pressekonferenzen mit Hollywood-Stars im Bayerischen Hof.

6. Mit wem würdest du gerne trinken? 
Esther.

7. Bei wem würdest du gerne trinken? 
Charles Schumann. Aber seitdem er vor zwei Jahren meinte, ich müßte ihm dankbar sein, bin ich nicht mehr in der Bar am Hofgarten gewesen.

8. Wie sieht deine Home Bar aus? 
Basics: Absolut Wodka, Jack Daniel's, Campari, Weißwein, Rotwein, Champagner, Augustiner, Updates: Pastis 51 und der großartige Soda-Syphon von Pachmayr – wenn für einen Normalverbraucher wie mich zu ergattern.
Nach Möglichkeit: Boukha Bokobsa, Old Grand-Dad, einen unverschnittenen karibischen oder südamerikanischen Rum, Single Malt, Grasovka.

9. Beschreib deine Eiswürfel. 
14 quaderförmige normale Eiswürfel.

10. Was ist deine Gin-&-Tonic-Empfehlung? 
Nach Möglichkeit meiden.

11. Wie bekämpfst du deinen Hangover?
Magnesium-Brausetablette und Aspirin möglichst noch bevor ich ins Bett gehe, Verveine am nächsten Tag. Gern auch Hering, Salzgurke oder ähnliches.
Im worst case eine kleine ungekühlte Cola über die Dauer einer Stunde in kleinen Schlucken trinken.
Meinen letzten Hangover hatte ich vor vierzehn Jahren, als ich in Strasbourg wohnte und pro Nacht zwischen 250 und 500 Gramm Wodka im Abattoir verputzte. Aber ich war damals auch unglücklich mit einer Belorussin liiert.


Montag, 16. März 2015

Wochenplan

ndF: After Work Pressecocktail / Parkcafé, Vernissagen Mike Dargas / Ponyhof (Foto), Nicholas Nixon: The Brown Sisters / Pinakothek der Moderne und Andreas Hosch Photography / 1st Page Gallery, „Neue Feindbilder – Rassismus im Wandel“ / Rathaus, Bilderbuch / Strøm, Der deutsche Sexkrimi der Sechziger Jahre (1): „Sünde mit Rabatt“ / Werkstattkino, „A gmade Wiesn“ mit Thomas Darchinger / Wirtshaus zum Isartal, Pressevorführungen „Die Bestimmung – The Insurgent“, „The Boy Next Door“, „The Voices“, „Die Gärtnerin von Versailles“ und „Big Game“

Montag, 9. März 2015

Wochenplan

Premiere „Das ewige Leben“ / City, Podiumsdiskussion über die Zukunft der Medien mit Ulrich Wilhelm, Giovanni di Lorenzo, Hans-Jürgen Papier, Hans-Bernd Brosius, Christoph Neuberger und Ursula Münch / LMU, Leipziger Buchmesse und Manga Comic Convention, Vernissagen Natalia Zaluska / Galerie Klüser 2, Anton Cepka: Kinetischer Schmuck / Pinakothek der Moderne und Maruta Gredzena & Ekin Su Koc: „No Dolls Land“ / Salong Solang (Foto: Gabriele Rothweiler), Mucbook Releaseparty / Kong, Pressevorführungen „Gespensterjäger“, „Tod den Hippies – Es lebe der Punk“, „Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest“ und „Eden“

Sonntag, 1. März 2015

Wochenplan

Georg Glasze: „Wie Big Data und Crowdsourcing uns alle zu Kartografen machen – ob wir wollen oder nicht“ / Eres Stiftung, LUNA party / Blue Spa im Bayerischen Hof, „Il gattopardo“ / Filmmuseum, Premiere „Das blaue Meer“ / Pathos Theater, Pressekonferenz La Biennale die Venezia / Haus der Kunst, Vernissage Munich Contemporary Photography / 1Page Gallery, Pressevorführungen „Die Coopers“, „Chappie“ (Foto: Yo-landi Vi$$er), „Babadook“, „Kiss the cook“, „A blast“, „Melodys Baby“, „Lost River“, „A most violent year“ und „Nur eine Stunde Ruhe“

Sonntag, 22. Februar 2015

Welcome to Hell-A: Live-Blog zur Oscar-Nacht

„Die Oscars sind so weiß, nächstes Jahr sollen sie an einem Montag in Dresden verliehen werden“, Jan Böhmermann vorgestern im „Neo Magazin Royale“.

Wie jedes Jahr blogge ich auch heute so etwa ab Mitternacht live zu den Online-Streams vom roten Teppich und dann später zur Fernsehausstrahlung auf Pro Sieben und ORF 1. (Letztes Jahr war die österreichische Moderation vor allem während der Werbeunterbrechungen weit unterhaltsamer als die immer gleichen Spots auf Pro Sieben.)

Vorab ein paar hilfreiche Infos.

Public Viewing 2015

Red Carpet Live-Streams 2015

Pro Sieben und ORF übernehmen erst in der letzten halben Stunde vor der Oscar-Verleihung die Bilder der offiziellen Red Carpet Show bei ABC. Bereits ungefähr ab 23.30 Uhr gibt es aber in folgenden Webstreams erfahrungsgemäß Bilder und Kurzinterviews von den am roten Teppich eintreffenden Stars:
Noch recht casual absolvieren die Stars die Proben. Aber zumindest weiß man so, daß unter anderem Eddie Murphy, Benedict Cumberbatch, Naomi Watts, Jennifer Aniston, Liam Neeson und Dakota Johnson auf der Bühne stehen werden.


Manchmal wundert man sich ja, wie es der eine oder andere deutsche B- oder C-Promi ins Dolby Theatre schafft. In der „Welt am Sonntag“ stand dazu heute ein launiger Bericht, wie sogar einmal Bernd „I bin's“ Eichinger in den Verdacht geriet, seine Oscar-Eintrittskarten fürs Kodak Theatre verbotenermaßen weitergegeben zu haben, die dann möglicherweise prompt über ein halbes Dutzend mal kopiert worden sind.

Scarlett Johansson ist auch dabei.

23.54 Uhr
Irgendwie traurig, Rosanna Arquette nur noch als Entourage von Patricia zu erleben.

23.57
Der joviale Smalltalk von XiXi Yang (passenderweise Chichi ausgesprochen), der AP-Reporterin am roten Teppich, das Geschwurbel um Posen und Roben wird dann doch etwas torpediert, als das Team von „CitizenFour“ vors Mikro tritt und so schwere Themen wie Demokratie und unsere Bürgerrechte anspricht.

0.11
„I don't know anything about performing, I'm a songwriter“, Diane Warren, nominiert für den besten Filmsong („Grateful“ aus „Beyond the lights“), in grauenhaftem Lametta von Yves Saint Laurent.

0.23
Häßlichste Red-carpet-Deko ever. Sollen das Wigwams sein oder Tannenbäume? (Update: Ah, offenbar das A aus Oscars).

0.35
Rouge et noir: Dakota Johnson mit Mama Melanie Griffith.

Hat Spike Lees (Ups, ich habe ihn aber auch nur von weitem in der Menge gesehen) Haben Will.i.ams Mütze oder Schuhe schon einen Twitter-Account?

Das Wunder der Verwandlung: Margot Robbie bei den Proben gestern und heute auf dem roten Teppich:

1.04 Uhr – und noch keinen Selfie Stick gesehen. Vielleicht nächstes Jahr?

1.06
Stattdessen kommen aber Besen zum Einsatz, um die zwischen den Zeltbahnen hereinströmenden Regenmassen zu stoppen.

Statt Visitenkarten...

1.34
ABC-Reporterin Lara Spencer am roten Teppich im Interview mit Dakota Johnson über „Fifty Shades of Grey“: „Which I have seen for research“.

1.41
„It's a quite bit squishy“, Benedict Cumberbatch über den Platzregen.

Ich fand ja Cate Blanchetts türkisfarbene Halskette auch recht hübsch, aber damit wird in den sozialen Netzwerken gerade arg für Tiffany geworben.

Aktuell mein Lieblingstweet von der Oscar-Verleihung: „Total red carpet pandemonium as rain pours thru and reporters breach barrier to get away“ (Cara Buckley, „New York Times“).

1.54
Oscars oder Golden Globes? „You can't party in this dress – not even me“, Jennifer Lopez.

2.02
Emma Stone hat auch eine ausgesprochen sexy Stimme.

Lustigster Name der Red-Carpet-Stars: Blanca Blanco (nicht verwandt oder verschwägert).

„Scarlett Jong-un“.

2.32
Old school!

2.38
Neil Patrick Harris: „American Sniper is Oprah!“
Oprah Winfrey: „?????????“
Neil Patrick Harris: „Because you're rich!“

Ups: Auf Pro Sieben fällt die Übertragung für längere Zeit aus. Zum Glück haben wir Münchner den ORF 1 als Alternative. Wahlweise sogar mit Simultanübersetzung.

2.48
„Chris Kyle had 160 confirmed kills... or as Harvey Weinstein calls it, a slow morning.“ Neil Patrick Harris.

3.14
Endlich werden auch einmal seat filler vorgestellt...

3.42
„Acting is a noble profession.“ Höhe- oder doch eher Tiefpunkt des Abends?

3.51
Jared Leto über die nominierten besten Nebendarstellerinnen: „There are four women – and in accordance with California state law, Meryl Streep.“

3.55
Patricia Arquette gewinnt für „Boyhood“ als beste Nebendarstellerin, verlangt in ihrer Dankesrede nach mehr Gleichberechtigung („It's our time to have wage equality once and for all and equal rights for women in the United States of America.“) und wird dafür stürmisch gefeiert.


4.52
„The subject of 'CitizenFour', Edward Snowden, could not be here for some treason.“ Neil Patrick Harris

Oh, ich glaube, ich habe Lady Gaga verpennt...

„When I was 16 I tried to kill myself because I felt weird. I would like for this moment to be for that kid out there who feels like she doesn’t fit in anywhere. You do. Stay weird, stay different, and then when it's your turn and you are standing on this stage please pass the same message.“ Graham Moore, Oscar für das beste adaptierte Drehbuch („The Imitation Game“)

„Talking about that little prick called ego...The ego can be extraordinarily funny; it's absurd. But it's tragic at the same time. Ego loves competition because for someone to win, someone has to lose... But true art can't be defeated. Our work will only be judged, as always, by time …“, Alejandro G. Inarritu, Oscar für das beste Originaldrehbuch und die beste Regie („Birdman“).

6.03
Und als Inarritu auch noch den Oscar für den besten Film kassiert, scherzt der überreichende Sean Penn: „Who gave this man a Green Card?“


(Fotos: AP, Valerie Durant/A.M.P.A.S., Robert Gladden/A.M.P.A.S., Richard Harbaugh/A.M.P.A.S., Mark Suban/A.M.P.A.S., Pro Sieben)

Wochenplan

Vernissagen x + 1 Boxes / Neue Sammlung, Künstlerbilder – Inszenierung und Tradition / Neue Pinakothek, Louise Bourgeois: „Strukturen des Daseins – Die Zellen“ / Haus der Kunst, Behance Portfolio Show ft. Kerstin S. Klein u.a. / ars24studio und Juan Saliquet: „Microcosmos Mithocosmos“ / Galerie Kronsbein, „The Grand Budapest Hotel“ / Filmmuseum, „Höhenschwindel – Eine archaische Angstreaktion?“ Vortrag von Thomas Brandt / Bayerische Akademie der Wissenschaften, Starkbieranstich / Nockherberg, „House of Cards“, Salon: Selbstdarstellungssucht / Akademie der bildenden Künste, „Super Paper“ – The Munich Fashion Issue / 1Page Gallery, Pollyester – Konzert & Record-Release-Party / Kammerspiele (Foto), „Der Mühldorfer Todeszug – Begegnungen gegen das Vergessen“ in Anwesenheit von Lisa Brandl, Sophia Weikel, Heinrich Mayer und Regisseurin Beatrice Sonhüter / Filmmuseum, Pressevorführungen „Cinderella“, „Die Augen des Engels“, „Underdog“ und „Big Eyes“

Feine erste Sätze (15)

„Das unausgesprochene Missverständnis der Demokratie lautet, dass wir gut regiert werden, wenn gute Menschen regieren.“
Ulf Poschardt in der „Welt am Sonntag“ vom 22. Februar 2015 über Frank Underwood anläßlich des Starts der dritten Staffel von „House of Cards“.

Sonntag, 15. Februar 2015

Sonntag, 8. Februar 2015

Wochenplan

„The Velvet Vampire“ / Werkstattkino, First Look GQ ft. La Petite Rouge / Goldene Bar, Vernissage Common Grounds / Villa Stuck, Jahrestagung Netzethik mit Juliane Leopold (BuzzFeed Deutschland), Elmar Theveßen (Stellvertretender Chefredakteur, ZDF), Martin Kotynek (ZEIT online), David Schraven (Correctiv), Stefan Plöchinger (sueddeutsche.de) und anderen / Hochschule für Philosophie, „Agents of S.H.I.E.L.D.“ / RTL 2,  Pressevorführung „Selma“