Samstag, 11. August 2007

Verantwortung und ihr Preis

Als ich das erste Mal Taufpate war, ging ich recht entspannt in den Gottesdienst. Natürlich hatte ich das Geschenk, einen silbernen Trinkhalm von Tiffany, dabei. War aber sonst völlig unbelastet. Die Kindesmutter hatte beteuert, daß eine orthodoxe Taufe ganz simpel wäre und ich mir keine Gedanken machen solle. Kein Wort der Warnung, daß wir Paten, zwei Frauen, zwei Männer, allesamt Kinder des Exils, altrumänische Glaubensbekenntnisse ablesen müßten. Während der Predigt vernahm ich mit Überraschung, daß meine Tochter niemals meinen Patensohn lieben dürfte, da dies Inzest wäre. Daß wir Paten schließlich den Priester bezahlen durften, erfuhren wir erst hinterher – und die Eltern Jahre später. Es war dennoch eine schöne Taufe.
Nichts ist umsonst. Meine Anmeldung der kleinen Kundgebung gegen den Einstieg der Schwarz-Gruppe (Lidl) bei Basic lief überwiegend digital ab. Das Formular zur „Anmeldung einer stationären Versammlung unter freiem Himmel (§ 14 VersammlG)“ beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) der Landeshauptstadt München heruntergeladen. Den ausgefüllten Vordruck per Mail an das zuständige Veranstaltungs- und Versammlungsbüro (VVB) geschickt. Telefonisch mit Hilfe der Geodaten die Versammlungsfläche ausgeschachert... Und im Stillen darüber gefreut, daß das KVR mir zwar für meine Gewerbeanmeldung (wegen Google AdSense u.ä.) 40 Euro abknöpft und für meinen neuen Reisepaß 59 Euro, aber die Ausübung meiner Grundrechte offenbar nichts kostet. Denkste! Im 11-seitigen, gerade eben per Schneckenpost zugestellten Bescheid wird eine Kostenrechnung in Höhe von 20 Euro angekündigt. Davon war weder auf der entsprechenden KVR-Website, noch auf dem Vordruck etwas zu lesen. Natürlich bieten die Mitdemonstranten an, sich zu beteiligen. Aber hey, es war meine Freiluftparty. Da gehört so etwas wohl zu den Gastgeberpflichten.

(Foto: Andreas Bock; alle Beiträge zum Thema)


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