Montag, 11. August 2025

Wochenplan (Updates)

Toto-Pokal: TSV Geiselbullach vs. TSV 1860 / Sportanlage Schulstraße Olching; The Molotovs (Foto) & Palaye Royale / E-Werk Erlangen; Pressekonferenz „Das Kanu des Manitu“; Filmkunstwochen: Jane Birkins „Les Boîtes“ mit ihr, Géraldine Chaplin, Michel Piccoli und Lou Doillon / Theatiner Filmkunst„Aznavour by Charles“ / Bayerisches Fernsehen; Two Men and a Machine / Biergarten am Neptunbrunnen; Drone Art Show / Galopprennbahn Riem; Vernissage „Vom Kleinen ins Große“ /  Galerie Handwerk; The Avengers / Unter Deck; Sommerfest des Matrosenchors / Alter Wirt Obermenzing; Vernissage Günter Wangerin: „Kriegstüchtig“ / Fat Cat im Gasteig; Sub-Geburtstagsparty mit den Queens von Drink 'n' Drag / Hans-Sachs-Straßenfest; Sommerfest der Freien Kunstanstalt mit Ausflug und Protestfest / Diessen, Utting & Schondorf; Scholli X Lelantus Free Open Air / lieberscholli; Grand Opening / Café Buchwalsky

Montag, 4. August 2025

Wochenplan (Updates)

Grundsteinlegung friedN mit Straßenfest Agnes-Bernauer-Straße; Vorstellung der bayerischen Verfassungsschutzinformationen für das erste Halbjahr / Innenministerium; Lunch Break mit André Odier / Galerie Behncke; Leselounge / Zum Fischmeister; Free & Easy Festival: „Nie wieder ist jetzt“ – Podiumsdiskussion mit Robert Braunmüller, Ariella Chmiel, Jessica Flaster, Ben Salomo, Ludwig Spaenle, Christian Springer und Hans-Georg Stocker / Backstage; Zweite Staffel von „Wednesday“ (Foto) / Netflix; Sommertour von Katharina Schulze / Straßenmeisterei B471 & Altstadt; Book Release von Lisa Poettingers „Klima-Kollaps und soziale Kämpfe“ / Glitch; Encantada / Minna Thiel; „One of the Sojourners “ – Summer Concert mit Wang Yiling & Jukka Ahonen / The Tiger Room; Jan Böhmermanns „Lass dich überwachen!“ / ZDF; Pressekonferenz Wirtshauswiesn / Zum Franziskaner; Filmkunstwochen: Late Night Film Lecture – „Alle Nacht Super 8“ / Werkstattkino; „Where Olive Trees Wheep“ / Werkstattkino; TSV 1860 vs. VfL Osnabrück / Grünwalder Stadion & Bayerisches FernsehenThe Padel Wow Open / Scheck Club; Casita, Tobi Neumann, Tonio Barrient & Manthony sowie DJ Linus / Eisbachkiosk; Vorverkaufsbeginn Schall im Schilf 2026

Sonntag, 3. August 2025

Die wahre Geschichte des „In München“ Programm-Magazins

Manchmal ist niemand mehr besessen von der Vergangenheit als ein neuer Eigentümer oder eine neue Crew. Ob bei einer Immobilie, einem Oldtimer oder einer Redaktion: Man überhöht den Wert des Neuerworbenen mit historischen Details und rechtfertigt seine gegenwärtige Rolle, indem man sich scheinbar lückenlos in einer Reihe mit den Altvorderen platziert.

Bei der Stadtzeitung „In München“ zelebriert man das jeden Monat an prominenter Stelle, indem man die alles andere als attraktiven Cover Jahrzehnte alter Ausgaben präsentiert und zitiert, was für Beiträge, Bilder oder Anzeigen damals im Blatt standen. Und wer würde nicht wissen wollen, dass das „In“ vor 42 Jahren den Motorroller Honda Lead für 2400 Mark bewarb? Da kann eine Redaktion auch nicht viel falsch machen, wenn man einfach alte Ausgaben flöht und das damals Gedruckte aufzählt.

Schwieriger wird es, wenn man diese Presseschau verlässt und ins Fabulieren verfällt. Recht bald nach der Übernahme des insolventen „In München“ durch Andreas Stahls Werbeagentur vorletztes Jahr erschien auf Seite vier ein fast ganzseitiger „Parforceritt durch vier Dekaden unseres Magazins“. Unseres Magazins! Textlich wie bildlich behauptete da Redaktionsneuling Franz Furtner: „Am Anfang war das Blatt“. Und frei von jeder Realität hieß es weiter: „Im Mai 1983 ging das In München aus der links-politisch motivierten Stattzeitung Blatt hervor.“ 

„Für die Woche vom 6. – 12. Mai 1983 erschien unter der Ägide des damaligen Herausgebers Günter Bereiter das allererste In-München-Heft. Zusammengestellt von der Blatt-Belegschaft.“ Nun kann man sich wundern, wieso die „Blatt-Belegschaft“ im Mai 1983 sich selbst Konkurrenz machen sollte, wenn das „Blatt“ doch noch bis Juni 1984 erschienen ist. (Dessen Ausgaben übrigens vollständig online stehen.)

Teile der „Blatt“-Belegschaft wie Ruppert Klostermeier, Pierre Pitterle oder Uwe Feigl heuerten denn auch erst Ende der 1980er-Jahre beim „In“ an, als das „Blatt“ aufgegeben hatte und „In München“ sich längst am Markt durchgesetzt hatte. Und es ist sicherlich nicht falsch zu behaupten, dass das „In“ dem „Blatt“ mit den Todesstoß versetzt hat.

Oder um aus dem letzten „Blatt“, der „Notausgabe“ im Juni 1984 zu zitieren: „Wir haben nicht gerade üppig gelebt mit unserem kollektiven Einheitslohn, noch dazu in den letzten Monaten, in denen selbst dieser nur spärlich zur Auszahlung gelangte, denn die freundlich kultivierten alternativen Nischen haben sich nach einem Jahrzehnt als wirtschaftliche Rattenfalle erwiesen. Kopf ab.
Ja damals, vor ein paar Jährchen, schien alles so einfach. Die Auflage stieg, der Lohn war kümmerlich, aber keiner störte sich daran, man konnte leben im und mit dem Blatt, und der Weg war geebnet, für Spontis, Ökologen, Querulanten und die anderen. Die große Leserzahl bestärkte das alternative Selbstvertrauen und es war leicht, Tabak-, Alkohol- und andere Konzern-Anzeigen abzulehnen. Mia san mia und wir nehmen, was uns paßt. Die vereinzelten Mahner standen da auf verlorenem Posten, jene, die den alternativen Traum auf marktwirtschaftliche Füße stellen wollten. Gewisse Marktgesetze standen nicht zur Debatte, denn es war unser Markt, den wir entdeckten, und er sollte nach unseren Regeln funktionieren. Selbst die Wissenden, die schon erkannten, daß Stadtzeitungen wie Schwammerl aus dem Boden schossen, und diese nicht immer mit einer alternativen Attitüde, sondern vielmehr professionell, poppig und ohne Skrupel, das alles einzusacken, was ihnen genügend Geld versprach, wurden mit dem Hinweis auf unseren durch die Geschichte wehenden Inhalt beruhigt und zum Schweigen verdammt.

Nur gab es jetzt schon ein paar mehr Zeitungen, die in München den gleichen Service anboten. Kleinanzeigen und Veranstaltungskalender waren nicht mehr BLATT-Monopol, und die politischen Inhalte reichten gerade noch für die Leser, die das Blatt im letzten Jahr noch gehabt hat. Zuwenig um zu überleben.“

So stand am Anfang des „In München“ auch keineswegs wie von Furtner behauptet das „Blatt“, sondern Günter Bereiters erster Versuch, eine neue Stadtzeitung zu etablieren, die „City München“, die von 1980 bis 1982 erschien. Optisch wie inhaltlich so ziemlich das Gegenteil der alternativen „Blatt“-Redaktion. Und von den Mitarbeitern her schon eindeutig ein Vorläufer des „In München“. Ob Bereiter, Heide Jefimov, Dorothea Friedrich, Christiane Heinrich, Christian Stolberg oder meine Wenigkeit, es war dieselbe Kernmannschaft, die „City“ und „In“ wuppte.

Die Landeshauptstadt München war auch nicht ganz unbeteiligt. Bereiter hatte sein Geld für die wenig erfolgreiche „City“ aufgebraucht. Um den neuen Anlauf mit dem „In“ überhaupt stemmen zu können, benötigte er ein klein bisschen himmlische wie städtische Hilfe. Es hatte geschneit und die Blütenstraße, in der die Redaktion saß, war nicht geräumt worden. Bereiter rutschte aus, brach sich das Bein und verklagte die Stadt. Mit dem Schmerzensgeld finanzierte er den Neuanfang.

Der Clou am „In“ waren zwei Neuerungen: Das Heft sollte im Unterschied zur „City“ nicht verkauft, sondern kostenlos verteilt werden, um so gleich Auflage zu machen.

Und die Anzeigenpreise sollten so günstig sein, dass sich eben nicht nur die Alkohol-, Tabak- und anderen Konzerne Inserate leisten konnten, sondern selbst die kleinsten Geschäfte und Lokale, die noch nie irgendwo geworben hatten. So sandte mich Bereiter aus, um innerhalb des Mittleren Rings jede einzelne Straße abzulaufen und aufzuschreiben, welche Geschäfte dort existierten. Und jeder dieser Läden wurde von Bereiter angeschrieben, um ihn als Anzeigenkunde zu gewinnen.

Gedruckt und auch mit finanziert wurde das „In“ vom ADV Augsburger Druck- und Verlagshaus, das damals der Erzdiözese Augsburg gehörte. Als ADV 1987 die Verluste nicht weiter tragen wollte und ein Verkauf an den Verlag Markt + Technik gescheitert war, übernahmen Angehörige der Redaktion „In München“ mit Hilfe des Konzertveranstalters und späteren Muffatwerk-Gründers Christian Waggershauser als Investor. Später stieg dann auch noch die Ippen-Gruppe ein. Was letztendlich auch nicht die Insolvenz im Sommer 2023 verhinderte.

Bereiter wurde noch Jahrzehnte nach seinem Ausstieg für die „Konzeption“ des Heftes im Impressum gewürdigt. Er gründete weiter Blatt um Blatt, ob „WOM-Journal“, „Szene München“, „funk + fernseh journal“, „Sono“ oder „Rondo“. Mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Montag, 28. Juli 2025

Wochenplan (Updates)

Trauerfeier und Urnenbeisetzung Ringo Praetorius / Alter Friedhof Perlach; Jakobidult / Mariahilfplatz; Spatenstich für die Campuserweiterung / Technische Hochschule Rosenheim; Pressekonferenz „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Bayern“ / Presseclub; Vernissage Sabrina Türschmann & Leonie Fößel: „Wir sind noch da – Am Ende Europas“ / Glockenbachwerkstatt; Verleihung der Hochschulpreise der Stadt München / Rathaus; sechzger.de-Livetalk / Bamboleo; Finale des MUT-Wettbewerbs für musikalisches Unterhaltungstheater / Gärtnerplatztheater; „Bambule“ / Werkstattkino; Pressegespräch zum Kultur- und Freizeitprogramm Lucky Star im Das-Anders-Quartier / Mo'ander; Sommerfest / Bayerischer Hof; Toni & Max Uthoff: „Einer zuviel“ / Lustspielhaus; DEHOGA: Urkundenübergabe für Ausgezeichnete Genussküche, Ausgezeichnete Bierkultur und Festzelt sowie Lieblingsbiergarten / Der Pschorr; Thomas Walter liest aus „Knäste zu Baugruben“ / Import Export; Free & Easy Festival: Leila (Foto), 6Euroneunzig u. a. / Backstage; zwei mögliche Komparsenauftritte in „Aktenzeichen XY ungelöst“ / ZDF; School's over Jam / Münchner Freiheit; Rainer Sontheimer: „Monaco Franze – Brutaler Sexist oder liebenswerter Stenz?“ / Backstage; Finissage der queer:raum Jahresausstellung „Formen des Widerstands“ / Farbenladen; Sondervorführungen von „Wilma will mehr“ in Anwesenheit von Hauptdarstellerin Fritzi Haberlandt und Regisseurin Maren-Kea Freese / Rio-Filmpalast sowie Kino, Mond & Sterne; Golden Diskó Ship & Glump / Glockenbachwerkstatt; Verleihung des Seerosenpreises an Trisha Kanellopoulos und Sabine Straub / Kunstpavillon; Astalive – 50 Jahre Asta Rosenheim mit Voodoo Jürgens, Die Sterne u. a. / Parkplatz der TH Rosenheim; Saisonbeginn: Rot-Weiss Essen vs. TSV 1860 / Bamboleo & Magenta Sport; Musiksommer / Theatron; „Schellingstraße im Fokus“ – Stadtteilspaziergang mit Stadträtin Lena Odell (SPD) / Schellingstraße 41; Summertime Madness Roller Derby Turnier mit Teams aus München, Göteborg, Augsburg und Erfurt / Asam-Gymnasium; Wannda Circus Open Air; Weihenstephaner Bergfest; Sommerfest / Barrio Olga Benario; „Born to Fake“ in Anwesenheit der Regisseure / Neues Rottmann

Freitag, 25. Juli 2025

Rettung in letzter Minute? Der Freistaat übernimmt das Archiv des Künstlerverbunds im Haus der Kunst

Künstlerverbund? Den meisten wird der Name nichts sagen. Schließlich tritt der Verein inzwischen fast nur noch mit seiner Biennale im Haus der Kunst öffentlich auf. Würde man dagegen von der Münchener Secession. der Neuen Gruppe oder der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft sprechen, würden zumindest bei Kunstinteressierten die Augen leuchten. 

1948 gründeten diese drei Vereinigungen den Ausstellungsleitung Haus der Kunst München e. V. und bespielten bis in die 1980er-Jahre das Haus der Kunst. Ob die legendären Faschingsbälle, Sonderausstellungen zu Picasso, Max Ernst, van Gogh, Cézanne, Braque, Henry Moore und dem Blauen Reiter oder Präsentationen ägyptischer Funde zu Tutanchamun, Echnaton und Nofretete. Es war eine Erfolgsgeschichte, die ohne städtische oder staatliche Subventionen auskam.

Es war aber auch eine Amigo-Geschichte mit Peter A. Ade im Mittelpunkt, der im Offizierskasino der US-Streitkräfte als Dolmetscher anfing und schließlich als Direktor im Haus der Kunst die Geschäfte leitete, bis er 1982 vom Bayerischen Rechnungshof herausgedrängt wurde. Was letztendlich dazu führte, dass der Freistaat im ganzen Haus bald das Sagen hatte und nicht mehr der Ausstellungsleitungs-Verein, der sich später in Künstlerverbund umbenannte.

Was dem Künstlerverbund blieb, war ein umfangreiches Archiv, das nicht nur die die zahlreichen Ausstellungen und 452 Feste dokumentiert, sondern auch Konvolute aus der Nazizeit beinhaltet. 

Eine Auswahl dieser Bestände wurde seit dem 19. März unter dem Titel „Die Unterlagen befinden sich im Zustand der Ablage. Poesie und Verwaltung aus dem Archiv des Künstlerverbund im Haus der Kunst e.V.“ im Lichthof des Zentralinstituts für Kunstgeschichte präsentiert. Die Ausstellung sollte bis heute Abend, 20 Uhr, gehen und am Montag abgebaut werden. Doch ein Teil davon wurde bereits heute Mittag entfernt.

Hoffentlich nicht zurück ins Vereinsarchiv. Denn abgelegt sind die Gesamtbestände, rund 2000 Leitz-Ordner mit Korrespondenz, Presseausschnitten und Buchhaltungsunterlagen, Fotos, Plakate, Kataloge und sonstige Archivstücke suboptimal im Keller des Haus der Kunst. Besucher berichten von Feuchtigkeit, die dort immer wieder aus dem Boden tritt (Grundwasser? Stadtbäche?) und Salpeterausblühungen.

Das Elend hat aber nun ein Ende. Dieses Woche wurde der Vertrag unterschrieben, mit dem die Bayerischen Staatsarchive das Archiv des Künstlerverbunds übernehmen. Das bestätigte die Vereinspräsidentin Regina Hellwig-Schmid heute Vormittag am Rande eines Presserundgangs zur 7. Biennale der Künstler*innen, die morgen im Haus der Kunst eröffnet wird. 

Damit wird die Sammlung nicht nur vor weiteren Schäden bewahrt, sondern auch der Öffentlichkeit und vor allem der Forschung zugänglich.

Montag, 21. Juli 2025

Wie Münchner Banken bei der Echtzeitüberweisung tricksen und trödeln

Es mag ein zutiefst menschlicher Zug sein, dass man sich von Geld schwer trennt. Und bei Banken sogar die Neigung, sich von fremdem Geld nur möglichst zögerlich zu trennen. Dem ihrer Kunden. 

An Geldautomaten sind die Beträge, die man ziehen kann, oft weit stärker gedeckelt als die Summen, die man einzahlen kann. An sein Erspartes kommt man bei größeren Guthaben oft nur nach Fristen ran. Und bei den Überweisungen war es traditionell ein Geduldsspiel, wann sie, selbst bei gedecktem Konto, ausgeführt werden würden. Irgendwann zwischen heute und dem übernächsten Geschäftstag.

Dabei kann es spätestens seit der Einführung von Online-Konten und Apps so einfach sein: Als die HypoVereinsbank vor rund acht Jahren die Echtzeitüberweisung einführte, blieb es den Kunden überlassen, ob sie by default oder je nach Bedarf auf Standard oder Echtzeit setzen. Ohne Zusatzkosten.

Acht Jahre später, seit Juni 2025 hat man nun auch schon an den SB-Terminals der HypoVereinsbank die Wahl zwischen Standard und Echtzeit. Im Vorgriff auf die von der EU verpflichtend vorgeschriebene Gleichstellung beider Überweisungsformen ab Oktober.

Doch am SB-Terminal, den erfahrungsgemäß eher die älteren Semester benutzen, empfangen die Kundschaft zwei Hürden: By default, also standardmäßig ist die Standardüberweisung eingestellt. Wer eine Echtzeitüberweisung wünscht, muss ein Extrakästchen anklicken. Macht man das, blinkt ein Warnhinweis auf: „Für Echtzeitüberweisungen belastet die HypoVereinsbank je nach Kontomodell Ihrem Konto ein Entgelt.“

Das ist nun nicht falsch. Tatsächlich kann die Überweisung am SB-Terminal je nach Kontomodell etwas kosten, aber eben völlig unabhängig davon, ob es sich um eine Standard- oder Echtzeitüberweisung handelt. Der rot geränderte Warnhinweis erscheint aber, Überraschung!, ausschließlich bei dem Wunsch, in Echtzeit zu überweisen. Aber nie, wenn man sich für die Standardüberweisung entscheidet.

Laut der Pressestelle der HypoVereinsbank ist diese Ungleichbehandlung der am SB-Terminal erst eben neu eingeführten Variante geschuldet und soll bereinigt werden. Nicht etwa nächstmöglich. Sondern bis Oktober! Warum auch beeilen?

Die Stadtsparkasse München bietet an ihren SB-Terminals erst gar keine Echtzeitüberweisung an. Schließlich hat man ja noch bis Oktober Zeit, bevor es EU-weit verpflichtend ist.

Beim Online-Banking dagegen bietet die Stadtsparkasse die Echtzeitüberweisung immerhin schon seit 2018 an. Aber bis vor kurzem war – soweit ich mich erinnere –  noch die Standardüberweisung voreingestellt und man musste, ähnlich wie bei den SB-Terminals der HypoVereinsbank, ein Extrafeld anklicken, um zur Echtzeitüberweisung zu kommen. Die Pressestelle der Stadtsparkasse behauptet dagegen: „Die Einstellung, dass Kundinnen und Kunden der Stadtsparkasse die Auswahl haben, existiert in dieser Form schon seit 2018.“ Möglicherweise täusche ich mich also.

Unstrittig ist, dass die Stadtsparkasse im Online-Banking heutzutage jedenfalls beide Überweisungsarten scheinbar gleichberechtigt anbietet. Doch auch hier wird nur bei der Echtzeitüberweisung gewarnt: „Bitte beachten Sie die geltenden Preis- und Leistungsverzeichnisse.“ Als ob die Echtzeitüberweisung teurer zu Buche schlage als die Standardüberweisung. „Dieser Warnhinweis ist noch aus der Zeit, als Echtzeitüberweisungen anders bepreist waren. Er wird in den kommenden Monaten abgeschaltet werden.“ Und nicht etwa nächstmöglich. Die mißverständliche Formulierung bleibt also wohl noch länger bestehen.

So erwecken beide Münchner Banken den Eindruck, man müsse bei der Echtzeitüberweisung mit im Preisverzeichnis versteckten Kosten rechnen. Was viele dazu bringen könnte, der Einfachheit halber doch die Standardüberweisung zu wählen und sich in Geduld zu üben.

Bei der EU-Kommission ist dieses Verhalten auch schon aufgefallen und man wird sich mir gegenüber vielleicht noch dazu offiziell äußern.*

Sowohl die Stadtsparkasse als auch die HypoVereinsbank fragte ich übrigens naiverweise, welchen Vorteil denn das Kreditinstitut davon hätte, wenn die Kundschaft die langsame Standardüberweisung der in Echtzeit vorzöge. Und beide ignorierten die Fragen und wiesen auf den Vorteil für die Auftraggebenden hin: Bei der Standardüberweisung gäbe es genug Zeit, den Vorgang wieder zu stornieren.

Die Banken sind so selbstlos und denken immer nur an die Interessen ihrer Kundschaft. 

*Updates: Ein Sprecher der EU-Kommission auf meinen Hinweis, dass die Banken den Eindruck erwecken, eine Echtzeitüberweisung wäre im Unterschied zur Standardüberweisung kostenrelevant:
„Gemäß der Verordnung über Sofortzahlungen (Verordnung (EU) 2024/886) müssen Zahlungsdienstleister sicherstellen, dass die Entgelte für das Senden und Empfangen von Sofortüberweisungen in Euro die Entgelte für regelmäßige Überweisungen vergleichbarer Art in Euro nicht übersteigen. „Vergleichbare Art“ bezieht sich auf Kriterien wie Zahlungsauslösekanal und Kundenstatus (Verbraucher, Unternehmen). Zahlungsdienstleister mit Sitz in Mitgliedstaaten, deren Währung der Euro ist, müssen diese Verpflichtung ab dem 9. Januar 2025 erfüllen, da sie bereits in Kraft ist.“

Kaum lobe ich mal die Stadtsparkasse München, schon verderben sie es wieder. Im Online-Banking haben sie die angeblich schon seit 2018 bestehende, weiter oben abgebildete Gleichwertigkeit von verzögerten Standardüberweisungen und Sofortzahlungen beendet und die Echtzeitüberweisung jetzt in einem Drop-Down-Menü versteckt. 

Man muss schon von der Existenz der Echtzeitüberweisungen wissen, um versuchsweise draufzuklicken und dann die Möglichkeit zu entdecken.
 
Immerhin hat man in der App noch die offensichtliche Auswahl zwischen Standard- und Echtzeitüberweisung. Es sei denn, sie lesen jetzt hier davon und bauen da das Frontend auch noch zu unserem Nachteil um.



Wochenplan (Updates)

Sommerfest des Medienverbands der freien Presse / Seehaus; Buchpräsentation „Rosner & Seidl. Ein Münchner Unternehmen des Textileinzelhandels in der Zeit des Nationalsozialismus“ / IHK; Presseempfang des bayerischen Digitalministeriums / Frau im Mond; LiX Open Air: Atefe Asadi mit Sarah Rauchfuß, Mercedes Lauenstein und Nele Stuhler / HochX; Pressegespräch des Fünf-Seen-Filmfestivals / Breitwand; Media Meets Games / MedienNetzwerk Bayern; „Breaking Patterns“: Ausstellung der Abschlussarbeiten und Verleihung des Designpreises Goldenes Pony  / Sendlinger-Tor-Platz 14 & Roßmarkt 15; McCube Mosaiq Quartiersplanung Schwabing-West / Berufschulzentrum am Elisabethplatz; After-Work-Party des Kreisverwaltungsreferats / P1; Sommerempfang des Bayerischen Landtags / Schloss Schleißheim; Pre-Wiesn-Cocktail mit Schatzi / Colette Tim Raue; Gender Salon mit Regina Mühlhäuser: „Un/Sichtbar – Wie können wir sexuelle und sexualisierte Gewalt in bewaffneten Konflikten besser verstehen?“ / Glockenbachwerkstatt; Pressegespräch zur Kooperation der Staatlichen Archive Bayerns mit den Arolsen Archives / Hauptstaatsarchiv; Verleihung der Innovationspreise der Landeshauptstadt München / Munich Urban Colab; Probeschicht / Rote Sonne; Kinostart von „Oxana – Mein Leben für Freiheit“ (Foto); Pressekonferenz zum Free & Easy Festival / Backstage; „The Fe.Male Trail“ – ein Nick-Cave-Abend von und mit Katharina Bach & Band aka Bitchboy / Kammerspiele; Sommerfeste mit A Bunch of Birds, The Sound of Money & Spinnen / Optimal Records; „Breaking Patterns“: Verleihung des Arbeitsstipendiums für literarische Übersetzer*innen an Sophia Marzolff mit Werkstattgespräch und Lesung / Literaturhaus; Premierenmodenschau „DeMo25“ der Deutschen Meisterschule für Mode / Muffathalle; Stella Rose / Milla; Ulrike Meinhof: Jean-Gabriel Périots „Une jeunesse allemande“ und Eberhardt Itzenplitz' „Bambule“ / Werkstattkino; Auftakt-Pressekonferenz zum Oktoberfest / Das Bad; Hahn-Festival & 50 Jahre Schwarzer Hahn / Bierparadies zu Altdorf; Masters of Sound / Fröttmanninger Berg; Tanz der Kollektive Sommerfest / lieberscholli; Vernissagen Biennale des Künstlerverbunds: „Zusammen arbeiten“ / Haus der Kunst, Daniel Richter: „Mit elben Birnen“ & Hans Hollein: „Works from the 1960s“ / Thaddaeus Ropac Salzburg und Erwin Wurm: „Mindset“ / Salzburg-Halle; Salon und Symposium „A Less Stable Universe“: Micha Purucker, Dance Energy und Tanz als Gegenkultur im München der 1980er Jahre / Lenbachhaus & Tanztendenz; Bae Suah liest aus „Weiße Nacht“ / Klang im Dach; Jakobidult / Mariahilfplatz; West and Hell Straßenfest / Westendstraße; Two in a Row Sommerfest / Bahnwärter Thiel; Wiedereröffnung des Beim SedlmayrOben Ohne Open Air mit Edwin Rosen, Levin Liam, Chapo 102, Florentina, Kasi, Skrt Cobain, Babyjoy, Maikel, Jassin, Zsá Zsá, Charlize, Yosho und Loop Roots / Königsplatz; Jahresausstellung / Akademie der Bildenden Künste; Sommerfeierabend der Sendlinger Kulturschmiede mit Münchner Ruhestörung, Titus Waldenfels und Ricardo Volkert / Daiserstraße; Verleihung der Bayerischen Engagiert Preise / BMW-Welt; Naomi Campbell / Pineapple Park; Gastschicht / Salon Irkutsk; Butterburger to go von Max Strohe (Tulus Lotrek) / Jan Hartwig;  Zamanand-Festival mit Encantada u. a. / Wittelsbacher & Odeonsplatz; „Hinterland“-Release-Party: „Hey, Migrantifa!“ / Köşk; Karl Kraus' „Die letzten Tage der Menschheit“ mit Georg Nigl & Nicholas Ofczarek / Prinzregententheater

Freitag, 18. Juli 2025

Vorhang für Claus Peymann

Am Residenztheater war Claus Peymann vorletztes Jahr noch ein gern gesehener Gast, der mit dem Staatsintendanten Andreas Beck ganz nebenbei Auftritte vereinbarte und zuverlässig die Reihen füllte. Dann las er etwa aus Thomas Bernhards „Meine Preise“ und gab sich gegenüber dem Publikum ganz entspannt: „Sie brauchen ihre Handys nicht auszuschalten, das stört mich nicht. Und telefonieren sie ruhig, wenn Ihnen langweilig ist.“ Aber wen würde ein Claus Peymann schon langweilen? 

Er war eine Legende. Ob als Direktor des Wiener Burgtheaters (1986–1999), Intendant des Berliner Ensembles (1999–2017) oder Protagonist von Thomas Bernhardts „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“. Aber angefangen hatte er als enfant terrible. Ob er nun als Schauspieldirektor in Stuttgart half, Geld für die in Stammheim inhaftierte RAF-Terroristin Gudrun Ensslin zu sammeln. Oder am Bochumer Schauspielhaus reihum Leute feuerte. 

Eigen blieb er auch als viel gefeierter Theater-Papst. Am Berliner Ensemble setzte er sich für den ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar ein, der dort ein Praktikum absolvieren wollte. Und auch sonst hatte er keine Angst vor dem populistischen Volkszorn und den Schlagzeilen des Boulevards. Theatergeschichte hatte er mit seinen Inszenierungen und Intendanzen schon längst geschrieben. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, ist Peymann am 16. Juli 2025 im Alter von 88 Jahren nach schwerer, längerer Krankheit in Berlin gestorben.

Eine Version dieses Beitrages erschien in der „tz“ vom 17. Juli 2025.

Mittwoch, 16. Juli 2025

Ausbildungsoffensive beim Bayerischen Rundfunk

Die Zukunft journalistischer Berufe wird gern düster beschrieben. Doch beim Bayerischen Rundfunk bildet man immer mehr Nachwuchs aus. Was vielleicht aber beim BR auch mehr den Abgängen der Boomer-Generation in den Ruhestand geschuldet ist. Man braucht freie Mitarbeitende als Ersatz und bildet sie gerne selber aus. 

24 Volontariatsplätze umfasst der laufende Ausbildungsjahrgang. Zwölf haben im September 2024 angefangen, zwölf im März 2025. Und alle sollen später zumindest als freie Mitarbeitende übernommen werden. 

Doch seit 1. Juli läuft bereits die Ausschreibung für den nächsten Schwung Nachwuchskräfte, die am 1. März 2026 anfangen. Und statt nur zwölf sind diesmal sogar 15 Plätze eingeplant, für die man sich bis 28. August bewerben kann: Neun im herkömmlichen Ausbildungsgang sowie sechs weitere im neu geschaffenen Regio-Volontariat. Diese werden gemeinsam mit den anderen Volos ausgebildet, verbringen aber einen Großteil ihrer Redaktionszeit in den Regionalstudios Augsburg, München, Nürnberg, Regensburg oder Würzburg. 

Ob es dann zum Herbst 2026 auch wieder 15 sind, entscheidet sich im ersten Halbjahr 2026, wenn der künftige Personalbedarf zeitnah ermittelt wird. 

Parallel dazu gibt es das viel gefeierte Traineeprogramm für Quereinsteiger*innen bei BR-Puls, wo die nächsten fünf Talente am 15. September ihre 15-monatige redaktionelle Ausbildung beginnen, bei der sie wie Volontär*innen bezahlt werden.


Montag, 14. Juli 2025

Wochenplan (Updates)

Tag der Tracht / Brunnenhof der Residenz; Werkstattbesuch des Bayerischen Journalisten-Verbands im BR-Aktualitätenzentrum und Wellenhaus / Campus Freimann; Präsentation des Krugs der Wiesn-Wirte / Hofbräukeller; Kulturempfang des Oberbürgermeisters / Volkstheater; Bayerische Wirtschaftsnacht / Alm an der Galopprennbahn; Lecture mit Michaela Melián / Akademie der Bildenden Künste; Martin Ritts „Der Spion, der aus der Kälte kam“ mit Richard Burton, Oskar Werner, Peter van Eyck und Claire Bloom / arte; „München 2030 – Digital sozial verantwortlich?!“ Mediensalon mit Laura Dornheim / Qubes; Festakt anlässlich des 80. Jahrestags der Wiedergründung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sowie des 40-jährigen Jubiläums von Charlotte Knobloch als ihrer Präsidentin / Synagoge Ohel Jakob & Gemeindezentrum; feierliche Verabschiedung von Stefan Leifert als Leiter des ZDF-Landesstudios Bayern und Amtseinführung seiner Nachfolgerin Eva Schiller / ZDF Unterföhring; Vernissagen Kollernow mit Young Ju Ha u. a. / Koller Auktionen, Afro German Art / Galerie der Künstler*innen, Hannah Hyun Jeong: „Did the Wings Sing?“ / Akademiegalerie, „Light and Shadow – The Antonov Story“ / Flugwerft Schleißheim, „Ferdinand Porsche und andere Pioniere“ / Sudetendeutsches Museum, IMAL Jahresausstellung / Kreativquartier, „Für Kinder – Kunstgeschichten seit 1968“ (Foto) / Haus der Kunst, Martin Fengel & Martin Wöhrl: „Grand Central“ / Rathausgalerie und malereipleinair mit Maximiliane Baumgartner, Nele Budelmann, Bradley Davies, Ellen Gronemeyer, Florian Hüttner, KAYA, Sophie Kuhn, Aileen Murphy, Gunter Reski, Elizabeth Ravn, Sophie Schmidt und einem Vortrag von Helmut Draxler / GFLK Halle Süd (ex-Alpamare) Bad Tölz; Wahl der Bräurosl / Donisl; Ästhetische Theorie: Kathrin Rottmann & Friederike Siegler über „Kunst und (Neue) Rechte“ / Akademie der Bildenden Künste; „Lagerfeld“ – ein Abend mit Simon Schwartz & Alfons Kaiser / Literaturhaus; Sommerfest / Jams Hotel; Konferenz „Die Aufarbeitung des NS-Kunstraubs, der Fall Gurlitt und die Folgen“ / Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung im Südlichen Schlossrondell; Tech Days / Werksviertel; Pharmagipfel mit anschließendem Staatsempfang / Max-Joseph-Saal der Residenz; Sommerfest Brienner Quartier / Siemens-Dachterrasse; Sommerempfang des Ministerpräsidenten / Prinz-Carl-Palais; Festvortrag Willi-Sauerländer-Preis – Matthew Rampley: „Why is it so difficult to talk about colonialism? Art and ‘colonial innocence’ in Central Europe“ / Zentralinstitut für Kunstgeschichte; Pressekonferenz Spielart / Bellevue di Monaco; Pressekonferenz Filmkunstwochen / Leopold-Kinos; Presse-Bootsfahrt Sommernachtstraum / Olympiasee; Jubiläumsfeier zum 80-jährigen Bestehen der „Süddeutschen Zeitung“ / Bergson; Cinema Iran Festival / Gasteig HP8; Erinnerungszeichen für Zwangsarbeiter*innen des Reichsbahnlagers Neuaubing / Erinnerungsort Neuaubing; Enthüllung der Gedenk-Stele „Orte der Demokratie in Bayern“ / Prannerstraße 8; Giesing is a Feeling ft. Meagre Martin / Grünspitz; Party des Residenztheaters im Schmuckhof / Residenz; The Junkers A 50 Junior Tour / Flugwerft Schleißheim; Münchner Buchfest / Schleusenwärterhäuschen; Scholli x Upstairs / Lieberscholli; Schall im Schilf – Festival für elektronische Musik / Garching; Sommerfest / Monacensia; Sommerfest / Cafédotkom; „Kameliendame 2000“ & „Cinderella 2000 – Liebe im Raumschiff Venus“ / Werkstattkino; Patricia London Arte Paris: „Swing Swing Swing“ / Hubertusbrunnen; Kocherlball / Chinesischer Turm; Fanfest des TSV 1860 / Vereinsgelände; Japanfest / Kanshoan

(Foto: Harun Farocki/Haus der Kunst)

Sonntag, 13. Juli 2025

CineWaves: Von internationaler Strahlkraft oder wie ein Schluck Wasser in der Kurve?

Letztes Jahr hat sich das Filmfest München ein neues, von der Isar inspiriertes Gesamtdesign gegeben, das sich auch in den neu gestalteten Awards niederschlug, den CineWaves. Nun strahlen die Siegestrophäen sicherlich „mit klarer und reduzierter Linienführung Modernität und Zeitlosigkeit aus“, aber im Festivalgetümmel nach der Awards Ceremony im Amerikahaus heuer erinnerten die schlichten Preissymbole eher an einen unauffälligen Stadtbach denn an die reißende Isar. Man musste schon suchen, um sie überhaupt zu entdecken. Von wegen „internationale Strahlkraft“, sie lagen, standen oder hingen eher wie ein Schluck Wasser in der Kurve.


Freitag, 11. Juli 2025

Die Verbreitung von Sozialpässen in Bayern

Ende Mai habe ich für einen Beitrag in meinem Blog recherchiert, welche Gebührenbefreiungen Inhaber*innen von Städte- oder Landkreispässen in Anspruch nehmen können. Gerade beim diskriminierenden Umgang staatlicher Bühnen mit Einkommensschwachen hat meine Recherche für etwas Aufregung gesorgt und auch bereits zu einer kleinen Anfrage im Bayerischen Landtag geführt.

Um die Diskrepanz zwischen gewährten Nachlässen und Anspruchsberechtigten zu untersuchen, wollte ich auch wissen, wie viele dieser Sozialpässe überhaupt im Umlauf sind. Zu meiner Überraschung wussten das weder das Bayerische Sozialministerium, noch die Wohlfahrtsverbände oder Städte-, Gemeinde- sowie Landkreistage. 

Mit der Begründung, dass es sich um freiwillige kommunale Leistungen handle und die Ausgestaltung der diversen Städte- und Landkreispässe sehr unterschiedlich sei, schien sich niemand dafür zu interessieren, wie viele beispielsweise Alleinerziehende, Arbeitslose, Asylbewerber*innen, Kriegsflüchtlinge, Kranke, Aufstocker*innen, Senior*innen mit Grundsicherung oder Freiwilligendienstleistende bayernweit insgesamt diese Möglichkeit nutzen, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Der Münchner Caritas-Verband betonte sogar. dass er diesbezüglich keine Statistiken führte und das auch nicht in seinem Aufgaben- und Zuständigkeitsbereich läge. Dabei wird der Sozialpass im Landkreis Haßberge etwa vom dortigen Caritas-Verband ausgegeben und nicht etwa vom Landratsamt. Im Landkreis Landsberg zählt die Caritas zu den Ausstellenden der SozialCard. Und im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verweist das Landratsamt an die sogar zum Münchner Kreisverband zählende örtliche Caritas.

Daher habe ich jetzt Landkreise und Gemeinden angeschrieben, die solche Sozialpässe auszustellen scheinen, um diese Zahlen zu erheben. Ein Richtwert für die Gesamtmenge der Antragsberechtigten wären die insgesamt rund 450.000 Menschen, die in Bayern Bürgergeld beziehen.

Leider gibt es Landkreise wie Erding oder Landsberg am Lech, die überhaupt nicht Buch darüber führen, wie viele Landkreispässe oder SozialCards von ihnen ausgegeben werden.

Die Pressesprecherin der Stadt Fürth erklärt sehr schön die recht unterschiedliche Ausgestaltung der lokalen Sozialpässe in ihrem Landstrich: „Der Landkreis Fürth und der Landkreis Erlangen-Höchstadt bieten keine Sozialpässe und auch keine Vergünstigungen des öffentlichen Nahverkehrs an; die Stadt Schwabach bietet einen Sozialpass an, aber keine Vergünstigungen des öffentlichen Nahverkehrs an. Die Städte Erlangen, Fürth und Nürnberg bieten Sozialpässe an und bezuschussen das Deutschlandticket für bestimmte Sozialleistungsempfangende. Schon allein in der mittelfränkischen Region gibt es also signifikante Unterschiede.“

In den Landkreisen der Metropolregion München dient der Landkreispass oft nur als Legitimation für die vergünstigte MVV-Monatskarte S, die aber werktags erst ab 9 Uhr im ÖPNV benutzt werden darf. Entsprechend sind die Nutzerzahlen dieses regionalen Sozialtickets seit Einführung des 9-Euro- beziehungsweise Deutschlandtickets zurückgegangen.

Vor der Pandemie nutzten 22.975 Menschen im Jahr 2019 die Isarcard S beziehungsweise Monatskarte S. Für 2020 überließ mir der MVV keine Zahlen, aber im Jahr 2021, immer noch unter dem Covid-Einfluss, waren es 15.351. Mit der Einführung des 9-Euro-Tickets von Juni bis August 2022 fiel die Zahl der genutzten MVV-Sozialtickets auf 487. Anfang 2023 stieg die Zahl der Nutzer*innen bis einschließlich April wieder auf 26.550, bevor im Mai das 49-Euro-Ticket eingeführt wurde. Im Jahr 2024 wurde die Monatskarte S 13.621 Mal an Nutzerinnen eines Landkreis- oder Stadtpasses verkauft. Aktuell kostet die Monatskarte S je nach Zonen zwischen 27,90 und 81,40 Euro.

Bei den erhaltenen Zahlen fällt als erstes das Stadt-Land-Gefälle auf. In Nürnberg, Erlangen, Regensburg oder München haben zwischen 11,91 Prozent und 3,99 Prozent aller Einwohner*innen den Sozialpass, der eben nicht nur zum ermäßigten Öffentlichen Personennahverkehr berechtigt, sondern auch Ermäßigungen in Theatern, Museen und Fortbildungsstätten oder ein ermäßigtes Mittagessen enthält, Möglichkeiten, die nun mal eher in Städten zu finden sind und somit zusätzlichen Grund bieten, das Angebot zu nutzen.

In Landkreisen dagegen haben eher nur zwischen 0,1 und 0,67 Prozent der Bevölkerung einen Landkreispass. Das mag daran liegen, dass die Möglichkeiten zur Nutzung deutlich weniger sind. In der Regel sind das beispielsweise Ermäßigungen im ÖPNV oder Freibad. Aber wenn im Landkreis München nur 0,67 Prozent der Einwohner das Angebot nutzen, obwohl sie ihn in der nahen Landeshauptstadt vielseitig einsetzen könnten, liegt das vielleicht auch daran, dass in der Provinz die Scham eine Barriere darstellt. Man will sich, selbst auf dem Amt, nicht als einkommensschwach outen. Die Stadt ist da anonymer.

Auffällige Ausreißer sind der Landkreis Freising mit nur 70 ausgegebenen Sozialpässen bei 184.564 Einwohnern (0,04 Prozent) und die Stadt Augsburg, deren Sozialticket ÖPNV und Kultursozialticket gerade 967 Mal in Anspruch genommen wird bei über 300.000 Einwohnern (0,32 Prozent). 

Im Landkreis Miesbach wurden sogar überhaupt nur drei Landkreispässe bei fast 100.000 Einwohnern (0,003 Prozent) ausgestellt und sechs beantragt. Und im Landkreis Weilheim-Schongau sieben bei 138.957 Einwohnern (0,005 Prozent) Und das, obwohl beide Landkreise inzwischen zum MVV-Gebiet gehören. Aber das Sozialticket des MVV mit seiner oben erwähnten zeitlichen Einschränkung und wachsenden Kosten, je weiter man von München entfernt lebt, macht in der Regel das Deutschlandticket attraktiver. 

Manche Sozialpässe gelten für mehrere Personen im selben Haushalt. Da das nicht jeder Landkreis aufschlüsseln kann, enthält die prozentuale Umrechnung auf die Einwohnerzahl hier Fehler.

  • Stadt Amberg: 158 Familienpässe bei 42.553 Einwohnern (0,37 Prozent)
  • Stadt Ansbach: wiederholt angefragt, wie viele Teilhabepakete AN bei 40.742 Einwohnern (Prozent)
  • Stadt Aschaffenburg: 1557 Kulturpässe bei 73.091 Einwohnern (2,13 Prozent)
  • Stadt Augsburg: durchschnittlich 967 Sozialtickets ÖPNV und Kultursozialtickets bei 301.105 Einwohnern (0,32 Prozent)
  • Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: dem Landratsamt liegen keine Zahlen dazu vor. Meine Anfrage, wie viele Sozialcards bei 130.248 Einwohnern (Prozent) im Umlauf sind, liegt derzeit bei der Caritas, die den Überblick haben soll
  • Stadt Bamberg: seit 2021 wurden 308 SozCards ausgestellt bei 77.150 Einwohnern (0,40 Prozent)
  • Stadt Bayreuth: 1277 Sozialpässe bei 72.940 Einwohnern (1,75 Prozent)
  • Stadt Burghausen: letztes Jahr 452 FairTickets bei 19.558 Einwohnern (2,31 Prozent), heuer wurden bislang 236 ausgestellt
  • Stadt Coburg: wiederholt angefragt
  • Landkreis Dachau: 161 Landkreispässe bei 153.595 Einwohnern (0,10 Prozent)
  • Landkreis Ebersberg: 338 Landkreispässe bei 144.225 Einwohnern (0,23 Prozent)
  • Landkreis Erding: das Landratsamt Erding kann keine Zahlen nennen, wie viele Landkreispässe vom Fachbereich ausgegeben worden sind. 
  • Stadt Erlangen: 7800 ErlangenPässe bei 115.928 Einwohnern (6,73 Prozent)
  • Stadt Forchheim: 110 ForchheimPässe bei 33.017 Einwohnern (0,33 Prozent). Darüber hinaus wurde die Mobi Card, die in Verbindung mit dem Forchheim Pass steht, an 280 Tagen in den letzten 12 Monaten ausgeliehen.
  • Landkreis Freising: rund 70 Sozialpässe bei 184.564 Einwohnern (0,04 Prozent)
  • Landkreis Fürstenfeldbruck: 404 Landkreispässe bei 218.227 Einwohnern (0,19 Prozent)
  • Stadt Fürth: 1900 Fürth-Pässe bei 132.036 Einwohnern (1,44 Prozent)
  • Landkreis Haßberge: 725 Haßberg-Cards der Caritas, die von 1279 Menschen genutzt werden, bei 83.869 Einwohnern (1,53 Prozent)
  • Stadt Ingolstadt: rund 6000 IngolstadtPässe bei 141.185 Einwohnern (4,25 Prozent)
  • Landkreis Landsberg am Lech: es wird nicht erfasst, wie viele SozialCards bei 122.107 Einwohnern im Umlauf sind
  • Landkreis Landshut: rund 1100 Sozialpässe bei 162.170 Einwohnern (0,68 Prozent)
  • Stadt Landshut: 2035 Sozialpässe bei 71.863 Einwohnern (2,83 Prozent)
  • Landkreis Miesbach: drei Landkreispässe bei 97.152 Einwohnern (0,003 Prozent)
  • Landeshauptstadt München: etwa 60.000 München-Pässe bei 1,5 Millionen Einwohnern (3,99 Prozent)
  • Landkreis München: 2369 Landkreispässe bei 354.396 Einwohnern (0,67 Prozent)
  • Stadt Nürnberg: 63.074 Nürnberg-Pässe bei 529.508 Einwohnern (11,91 Prozent)
  • Stadt Pfaffenhofen: 155 Sozialrabatte bei 26.996 Einwohnern (0,57 Prozent)
  • Landkreis Regensburg: 1440 Landkreispässe bei 196.213 Einwohnern (0,73 Prozent)
  • Stadt Regensburg: rund 7000 Stadtpässe bei 151.389 Einwohnern (4,62 Prozent)
  • Stadt Rosenheim: 30 Rosenheim-Pässe für die MVV-Nutzung und 210 Grüne Pässe für den ermäßigten Besuch städtischer Einrichtungen bei 65.274 Einwohnern (0,05 bzw. 0,32 Prozent)
  • Stadt Schwabach: 123 Schwabach-Pässe für Kinder und 104 für Erwachsene bei 40.835 Einwohnern (0,56 Prozent)
  • Landkreis Schwandorf: 492 SAD-Pässe bei 149.312 Einwohnern (0,33 Prozent)
  • Stadt Schweinfurt: 3092 Sozialausweise bei 54.481 Einwohnern (5,68 Prozent)
  • Landkreis Starnberg: rund 250 Landkreispässe bei 139.329 Einwohnern (0,18 Prozent)
  • Stadt Straubing: wiederholt angefragt, wie viele Sozialpässe bei 49.002 Einwohnern (Prozent)
  • Landkreis Weilheim-Schongau: sieben Landkreispässe bei 138.957 Einwohnern (0,005 Prozent)