Sonntag, 25. Februar 2007

Die Gier nach dem Gold

Heute nacht wird wohl einer von ihnen den echten Oscar ® für den besten ausländischen Film entgegen nehmen, weshalb offenbar Guillermo del Toro („Pan's Labyrinth“), Florian Henckel von Donnersmarck („Das Leben der anderen“), Susanne Bier („After the Wedding“) und Deepa Mehta („Water“) nicht ihre Finger vom golden boy lassen konnten.

Abergläubisch wie ich bin, kann dieser vorschnelle Griff nach dem Academy Award ® nur Unglück bringen. Davon könnte Rachid Bouchareb, Regisseur des algerisch-französischen „Indigènes“, profitieren. Denn er fehlte bei dem Fototermin und hatte so vielleicht Glück im Unglück. Bouchareb nahm gestern noch an der Verleihung der französischen Césars in Paris teil, wo sein Film zwar der große Verlierer war und nur für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet wurde. Aber vielleicht wahrte er so seine Chancen für den Oscar ®?

(Foto: Academy of Motion Picture Arts and Sciences)

Preisgekrönte sexuelle Befreiung

Programmchef Wieland Speck vom Berlinale Panorama hatte einen guten Riecher: Mit „Lady Chatterley“ hatte er Frankreichs besten Film des Jahres im Angebot, denn bei der gestrigen „Nuit des Césars“ räumte Pascale Ferrans 168 Minuten langes Naturschauspiel gleich fünf der französischen Filmpreise ab: Als bester Film, bestes adaptiertes Drehbuch, für die beste Kamera, die besten Kostüme – und schließlich wurde Marina Hands als beste Hauptdarstellerin gefeiert. Vielleicht findet sich nun endlich auch ein deutscher Verleiher, denn dieses das Leben feiernde Kinowerk ist viel zu spektakulär, um nur im Pantoffelkino von Arte und dem ZDF ausgestrahlt zu werden.

Sogar die Dokumentarfilmfraktion lobte gestern abend „Lady Chatterley“ als Ökoknaller und gelungenes Beispiel, wie man mit einem fiktiven Stoff politisch Stellung beziehen könne.

Regisseurin Ferran fiel zudem die Aufgabe zu, während der Live-Übertragung die jährliche „spontane“ politische Intervention zu bestreiten (ah, die Franzosen und ihre revolutionären Gesten) und in einer Brandrede die soziale Absicherung der Filmschaffenden wie die Filmförderung zu kritisieren. Beide würden die Kleinverdiener und klein budgetierten Filme zu Gunsten der eh schon Reichen und Erfolgreichen immer mehr benachteiligen.

Mein zweiter Favorit, „Sie sind ein schöner Mann“, wurde als bestes Erstlingswerk mit dem César ausgezeichnet – wer die bei uns bereits angelaufene Komödie noch nicht gesehen hat, sollte das schnellstens nachholen. Eine wunderbare Geschichte über einen französischen Bauern, der in Rumänien auf Brautschau geht.

Petit déjeuner musical (8)

Messieursdames, Marie Laforêt (avec l'aimable assistance de Jean Yanne, Sacha Distel et Serge Gainsbourg)!





Samstag, 24. Februar 2007

See me, feel me, touch me, heal me

(Foto: Academy of Motion Picture Arts and Sciences)

And the accessory goes to

Morgen abend werden in Hollywood offenbar die 79th Annual Accessory Awards ® verliehen, jedenfalls trudeln bei mir schon ganz aufgeregte Vorabmeldungen von Schuh- und Schmuckherstellern wie Jimmy Choo, Stuart Weitzman, Montblanc, Harry Winston und Swarovski ein.

Im Bild der Diamond Dream Shoe von Stuart Weitzman, den Anika Noni Rose („Dreamgirls“) bei den Academy Awards® tragen wird.

Nachtrag aus der Oscar®-Nacht:












(Fotos: Academy of Motion Picture Arts and Sciences, PR Newswire Photo Service)

Unbemannte Mission

Neulich war ich verabredet. Erstes Date mit einer Frau, die ich im Schumann's kennengelernt hatte und die mir an dem Abend ihr halbes Leben erzählt hatte. Sie war neu in der Stadt, neugierig auf die Hotspots und ich hatte ihr vom Stadtcafé erzählt.

Also per Mail kurz daran erinnert und gefragt, ob sie Lust hätte, daß wir uns dort treffen? „Klar, gern, wir kommen zu dritt, mein Mann, eine Freundin und ich.“

Frauen und ihre Männer. Eine hat mir erst drei Monate nach unserem ersten Sex eröffnet, daß sie seit zig Jahren verheiratet wäre. Andere geben mir bereits beim ersten Flirtversuch den Gnadenschuß: „Mein Freund und ich“...

Genau genommen gibt es keinen perfekten Zeitpunkt. Aber einen annähernd idealen. Laßt mich geistreich sein – oder es zumindest versuchen, schenkt mir eine angeregte Konversation, gewährt mir den Flirt, aber entlasst mich nicht in die Nacht, ohne auf den Macker in Eurem Herzen oder zumindest in Eurer Wohnung hingewiesen zu haben.

Letztendlich ist dann immer noch alles offen. Oder vielmehr die nächste Frage akut: Wie weit darf man mit einer Frau gehen, die liiert ist?

Stellenanzeigen (2)

Ob Obama die „F.A.Z.“ von heute gesehen hat?

Freitag, 23. Februar 2007

Petit déjeuner musical (7)

Messieursdames, Nouvelle Vague (derzeit auf Tour und am 2. März in München – nach dem Konzert Tour de France im Ampère)!





Oscarreifer Psychotest

Welcher Filmklassiker spiegelt unsere Seelenlage jeweils am besten wider? Ein amerikanischer Online-Psychotest beantwortet diese Frage, und bei der grünen Nachwuchspolitikerin Julia Seeliger kam „Der Pate“ dabei heraus – und sie freut sich sogar noch darüber. Kein Wunder, daß sie auf meiner Blogroll steht (capisce, Marc?).

Bei mir war übrigens „Apocalypse Now“ das Ergebnis, was ziemlich genau meinen letzten Wochen zwischen Kündigung bei der „freundin“ und privaten Aufräumarbeiten entsprach. Aber nach dem destruktiven Rollkommando übernehmen jetzt die Konstruktivisten das Kommando.

Ein schöner Mann und noch schönere Frauen

Dieser Glitzerregen ist meist frecher, kurzweiliger und glamouröser als die Oscar-Verleihung. Kein Wunder, schließlich werden die Césars auch in Paris verliehen. Samstag abend ist es wieder soweit, und TV5 überträgt die Verleihung auch in Deutschland.

Neben internationalen Größen wie Gérard Depardieu, Charlotte Gainsbourg oder Alain Resnais findet man unter den Nominierten auch Michel Blanc für seine großartige Rumänien-Komödie „Sie sind ein schöner Mann“.

Und mein Lieblingsfilm dieser Berlinale, die Neuverfilmung der „Lady Chatterley“, ist gleich in acht Kategorien für den französischen Filmpreis nominiert, so auch Marina Hands als Hauptdarstellerin.

Da wird sie sich gegen die doppelt als Hauptdarstellerin nominierte Cécile de France („Ein perfekter Platz“, „Chanson d'amour“) schwer tun, aber zum Glück ist Hands auch noch als größte weibliche Nachwuchshoffnung im Rennen.

New kid on the blog

Endlich mal nicht nur die üblichen Verdächtigen: Für die Lead Awards 2007 ist in der Kategorie Weblog des Jahres neben dem BILDblog und dem Elektrischen Reporter auch Teutonika nominiert. Bei den Web Leadern des Jahres mit Last.fm, Spiegel Online und Xing dagegen nur die drögen (wenn auch deswegen nicht weniger guten) Standards.

Miss Platnum live

Klitzekleiner Vorgeschmack auf den Auftritt am 30. März.


Haide, haide, cântaţi si voi, cântaţi cu noi

Heute morgen erst habe ich die Eröffnung des Venezias mit einem kleinen rumänischen Tänzchen zu Taraf de Haïdouks auf dem iPod gefeiert und nun bieten sich gleich zwei weitere Tanzgelegenheiten an: Am 10. März spielen in der Muffathalle Fanfare Ciocârlia und am 30. März tritt Miss Platnum im Ampère auf – wenn auch auf einer Veranstaltung unter dem irreführenden Label Balkanexpress.

(Foto: Marc)

Dienstag, 20. Februar 2007

„Liubi, liubi, I love you“

À propos results of the German jury, da fällt mir ein, daß am 10. Mai das Halbfinale und am 12. Mai der Grand Prix de la chanson de l'Eurovision in Helsinki (Helsinki! Na Marc, fahren wir hin?) stattfinden. Hier schon mal die ersten qualifizierten Teilnehmer.

The Jet Set aus Polen. Lecker!



Norwegens Guri Schanke.



Dänemarks Drama Queen.



Edsilia Rombley aus den Niederlanden.



Und meine coolen, Pfeife rauchenden Landsleute von Locomondo mit dem etwas schlicht gestrickten „Liubi, liubi, I love you“

And the resultsms of the German jury

Frosta-Blogger Felix Ahlers, Ehrensenf-Moderatorin Katrin Bauernfeind und Lars Hinrichs (Gründer von openBC bzw. Xing) sind für den Publikumspreis der New Media Awards 2007 nominiert, die am 29. März in der Düsseldorfer Rheinterrasse verliehen werden. „Die endgültige Entscheidung über den people-Gewinner fällt während der Preisverleihung per SMS-Saal-Voting.“ SMS-Saal-Voting – ich werf' mich weg...

Freitag erste Messe

Die neuen Toiletten sind fertig und wenn alles gut läuft, erwacht das Venezia am Kurfürstenplatz Freitag aus seinem Winterschlaf.


Gaspreisrebellen

Noch schneller als Marian Offman oder mein Anwalt ist die Pressestelle des Landgerichts München I. Sie verriet mir, daß die Sammelklage gegen die Stadtwerke in Sachen Gaspreis jetzt am 29. März um 14.15 Uhr in Saal 6 des Justizpalastes verhandelt wird.

Montag, 19. Februar 2007

Die Bahn macht mobil

Leider kein Scherz: Ab dem 1. April sollen die Zugbegleiter in den bayerischen Regionalzügen keine Fahrkarten mehr verkaufen. Und wenn die Bahn wie geplant 210 ihrer bayerischen Bahnhöfe verscherbelt, wird dort auch nicht mehr zwangsläufig Platz für einen Fahrkartenschalter sein. Dafür hat sie aber mitten in Schwabing (und über vier Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt) ein Mobility Center eröffnet – wie auch in vier weiteren Großstädten. Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie die PowerPoint-Präsentation aussah, mit der irgend so ein alerter Marketingfritze seinen Chefs verklickert hat, wieviel moderner und cooler es wäre, Bahntickets da zu verscherbeln, wo sie keiner braucht.

Masse statt Klasse

PR-technisch haben's die Briten voll darauf. Andererseits läuft irgendetwas falsch, wenn man die Möglichkeiten des Webs darauf reduziert, kurzfristig einen Content-Rülpser ohne jede Nachhaltigkeit zu schaffen. Vor vier Monaten war es noch die British Library, die einen Kalendertag von zahllosen Bloggern widerspiegeln lassen wollte. Heute ist es der Penguin-Verlag, der mit der Wucht des Webs einen Kollektivroman schreiben läßt (via FAZ).

Prozesspleite

Heile Ähnliches durch Ähnliches, lautet der Grundsatz der Hömöopathie. Insofern ist die Sammelklage, der ich mich gegen die Stadtwerke angeschlossen habe, in besten Händen. Denn die Kommunikationspolitik meines Rechtsanwalts Martin Rupprecht ist nicht viel besser als die des städtischen Energiemolochs.

Nach Übersendung meiner Unterlagen und Zahlung eines kleines Vorschusses ließ er mich, auch nach schriftlicher Nachfrage, monatelang im Unklaren, ob ich nun bei der Sammelklage dabei wäre oder nicht.

Eine Abschrift der Klage erhielt ich kurioserweise nicht von meinem Anwalt, sondern von Stadtrat Marian Offman, der sich sehr gegen die Stadtwerke engagiert.

Nun stand am 8. Februar die mündliche Verhandlung an. Und ich hatte bereits ein schlechtes Gewissen, im Rahmen meines Genf-Berlin-Trips nicht nur die Anti-Nato-Kundgebungen zu schwänzen, sondern auch den Gerichtstermin. Um so hektischer suchte ich die letzten zehn Tagen in der „Süddeutschen Zeitung“ nach irgendeiner Info zum Prozeßverlauf.

Vergeblich. Denn die mündliche Verhandlung war abgesagt worden. Offman hatte das auf seiner Homepage bereits am 30. Januar gemeldet. Rupprecht erst die Woche drauf per Rundbrief. Beide ohne jede Angabe von Gründen.

Aber immerhin verspricht Offman, den neuen Termin sofort nach Festsetzung auf seiner Website bekannt zu geben – und wird mit Sicherheit auch da wieder schneller sein als mein Anwalt.

Catch-as-Kunst-can

Daß die Städtische Galerie im Lenbachhaus die Eröffnung ihrer Pablo-Bronstein-Ausstellung auf Freitag, den 9. März legt, wenn die Pinakothek der Moderne ihrerseits die Ausstellung „Gijs Bakker and Jewelry“ präsentiert, mag Sinn machen – es geht nichts über einen Vernissagen-Rundgang.

Aber die Pressekonferenzen beider Ausstellungen konkurrierenderweise auf Donnerstag, den 8. März, elf Uhr zu legen, hat auf den ersten Blick etwas vorpubertär unreifes. Und auf den zweiten auch!

(Foto: Brosche Ferrari Dino 206 SP 1966 | 2001 © GIJS BAKKER)

Tivoli-Blick (10)

Max-Joseph-Brücke,
19. Februar 2007, 15.13 Uhr

Freitag, 16. Februar 2007

Penelope und die Bären














Warum sehen die Stars auf den L'Oréal-Plakaten immer wie Landpommeranzen aus, die sich für ihren 20. Hochzeitstag aufgetakelt haben?

Der erste Nachruf

Die Filmfestspiele dauern zwar noch zwei Tage, die Bären werden erst morgen abend verliehen, aber die Kollegen der „Berliner Mottenpost“ ziehen heute schon die Gewinner und das Resümee.

Donnerstag, 15. Februar 2007

Packesel mit trockenen Lippen

Bei meiner ersten Begegnung mit Anina, dem bloggenden Model, mußte ich noch schmunzeln, als sie ihre Handtasche leerte und jammerte, mit wievielen und vor allem häßlichen Geräten und Kabeln sie durch die Welt reisen muß, um allzeit zum Bloggen bereit zu sein.

Inzwischen kann ich in das Klagelied einstimmen: PowerBook, PowerBook-Stromkabel, iPod, ein Kabel um den iPod mit dem Powerbook zu verbinden, Digicam, ein Kabel, um die Digicam mit dem PowerBook zu verbinden, Handy, Ladekabel für mein Handy, Kopfhörer für iPod bzw. PowerBook, wiederaufladbare Ersatzbatterien für die Digicam. Nur das Ladegerät für die Ersatzbatterien schleppe ich nicht immer mit mit herum...

Nur wozu das Ganze? Denn vor lauter Filmen, Stehrumchen und Dates mit meiner Berliner Vergangenheit komme ich eh kaum zum Bloggen, schleppe aber ständig meine schwere Lederjacke und eine vollgepackte Tasche vom Kino ins Pressezentrum auf ein Stehrumchen und wieder zurück ins Kino, immer in der Hoffnung, daß keiner mein PowerBook klaut, wenn ich es in der Pinkelpause einfach unter meinem Kinositz liegen lasse.

Noch größer ist die Gefahr, daß mein iPod oder meine Kamera aus der zusammengeknäulten Jacke rutschen. Zumindest mein Lip Balm # 1 ist wohl auf diese Weise verschwunden, und bevor meine Lippen sich anfühlen wie der Asphalt in Marzahn muß ich dringend Nachschub besorgen.

Also heute morgen vor dem ersten Frühstücksstehrumchen in die Friedrichstraße zum Quartier 206. Bloß auf Verdacht, aber in deren Kosmetikabteilung hätte ich Produkte von Kiehl's erwartet. Nur schläft die reiche russische Klientel offenbar gerne aus oder verbringt den Vormittag mit Morgensex, zumindest öffnet das Quartier erst um 11 Uhr, und selbst die Banken machen in der Straße erst um 10 Uhr auf...

Nur ein weiteres Indiz für meine geliebte These von der Münchenisierung Berlins. Die Stadt, die immer schon wach war, wenn ich in den achtziger Jahren mit dem Nachtzug frühmorgens gegen 7 Uhr eintraf, entwickelt sich zum Langschläfer.

Fascho-Martenstein

„Ich selbst finde Nazi-Ästhetik gut, mir gefallen Bands wie „Rammstein“, Bilder von Norbert Bisky oder der Flughafen Tempelhof. Wer Form und Inhalt nicht auseinanderhalten kann, ist eh doof“, schreibt Harald Martenstein heute in seiner „Tagesspiegel“-Kolumne zur Berlinale.

Brunzdumm ist es aber, sich soweit aus dem Fenster zu lehnen und einen Film zu verteidigen, den er offensichtlich nicht gesehen hat. Denn das Problematische am Wettbewerbsbeitrag „300“ ist nicht die Fascho-Ästhetik, sondern der Fascho-Inhalt.

Dienstag, 13. Februar 2007

W-LAN-Wüste

Mein Name ist Dorin und ich bin ein Internet-Junkie. Wie ein Durstiger in der Sahara sitze ich hier in Berlin auf dem Trockenen. In den Kinos kein W-LAN (mein Gott war das auf der LIFT schön, bei langweiligen Vorträgen einfach schnell online gehen zu können). In der mir freundlicherweise überlassenen Gästewohnung überhaupt kein Internetanschluß.

Damit sind schon zwei Drittel des Tages netzfrei. Bleiben nur die wenigen Minuten zwischen zwei Filmen oder Empfängen, in denen ich in den Hotspots des Pressezentrums oder in Internetcafés surfen, bloggen, eMails lesen kann.

Erfolg im Internet

Stefan von Holtzbrinck: Wer das Internet nur ein bisschen versteht, hat es nicht verstanden. Wir wollen daher im Jahr 2011 solide Umsätze im Internet erzielen, ein Viertel vom Gesamtumsatz in etwa. Damit ist es neben Zeitungen/Wirtschaftspresse, Wissenschaft und dem Buchgeschäft eine weitere Säule, aber eben nur eine Säule. Zu unserer dual angelegten Online-Strategie gehört jedoch auch, nicht nur neue Initiativen von außen anzustoßen und zu entwickeln, sondern zugleich unsere Stammmarken aus sich heraus weiterzuentwickeln. Als ich 1998 die "Nature"-Gruppe führte, stammten dort 90 Prozent des Umsatzes aus dem Printbereich - heute liegt der elektronische Anteil bei 85 Prozent. Im Bildungs- und Wissenschaftsbereich gehört das Internet zum Kern der Aktivitäten.

Michael Grabner: Mit einer gewachsenen Struktur wie bei Holtzbrinck kann man nicht einfach sagen: "Holladiho, ab morgen machen wir Internet!" Das ist ein Lernprozess. Erfolg ist nur mit anderen Mitarbeitertypen, Gehaltsschemata und Motivationssystemen zu erzielen.


Interview mit Hans-Jürgen Jakobs in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 13. Februar 2007

Montag, 12. Februar 2007

Wie kontaktfreudig soll man sein?

Mein Adressbuch bei XING umfaßt 152 Kontakte. Darunter jahrzehntelange Freunde, aber auch PR-Leute, mit denen ich nur gelegentlich zu tun habe, und ein paar Unbeleckte, die ich beim letzten XING-Treffen kennengelernt habe.

Vor zwei Wochen bat mich nun eine völlig Unbekannte um Bestätigung des Kontakts, und ich hatte so meine Zweifel. Ich kannte sie nicht, ich wußte auch nicht, was sie sich von dem Kontakt erwartete, und ich brauchte ein paar Tage Bedenkzeit. Schließlich will ich kein Kontaktgrab à la MySpace anlegen, sondern mein Adreßbuch als Werkzeug nutzen. Dann sagte ich doch zu – und offenbar hofft die Dame, daß ich ihr neues Buch in der "freundin" feature...

Heute meldete sich nun ein Mann bei mir, Michael (siehe Foto): „hi , wir haben uns zwar nur flüchtig auf der DLD gesehen, aber das ist ja ein Anfang :-) Lets connect ...“, schreibt er und das kann aus bekannten Gründen nicht sein.

Nun denke ich zwar nicht wie Friebe/Lobo in ihrer wunderbaren Ode an die digitale Bohème, daß man mit seinen XING-Freunden ständigen Kontakt haben und sie daher auf eine überschaubare Anzahl eingrenzen müßte. Aber ich glaube, ich sollte anfangen, wählerisch zu sein.

(Da fällt mir ein, daß ich in Genf erstmals ein wunderbares französisches Wort für Türsteher gehört habe: Physionomiste!)

Hatschi!

Nur ein Schnupfen oder schon die Berlinale-Grippe?

China Girls

Tea Lounge im Ritz Carlton. Vielleicht sollte ich doch öfters Sencha statt Cappuccino trinken...

Samstag, 10. Februar 2007

Ran ans Steuer!

„Vor dem Fernsehen ist der Mensch Passagier, am Computer ist er der Fahrer.“
Der französische Philosoph Michel Serres im Gespräch mit der Zeitschrift „Médias“, aus dem die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ heute ausführlich zitiert.

Posh, halt die Gosch'!

Zurück in dem Land, daß angeblich „weniger neurotisch“* geworden ist, kam ich nun endlich dazu, einen Euro in die Erstausgabe der deutschen „Vanity Fair“ zu investieren – und es war ein Euro zu viel. Denn bereits nach Ulf Poschardts Editorial habe ich das Heft in die Ecke geschmettert.

„Eine der erfolgreichsten Zeitschriften der Welt kommt zu uns. 1914 in New York gegründet, erreicht die amerikanische VANITY FAIR durchschnittlich 5,6 Millionen Leser.“* Stimmt genau genommen. Nur unterschlägt Ulf Poschardt durch den Nachsatz elegant, daß die „Vanity Fair“ 1860 in Großbritannien gegründet worden war, und Condé Nast die Titelrechte 1913 übernommen und sich inhaltlich durchaus auf das Originalblatt berufen hat. Die US-Ausgabe bezieht sich ausdrücklich auf dieses historische Vorbild. Eine kleine Auslassung nur, wer aber wie Poschardt als Chefredakteur kümmerlichen Borderline-Journalismus zu verantworten hatte, sollte in solchen Dingen mehr als vorsichtig sein.

Bella figura scheint Poschardt wichtiger zu sein, als schön vollständige Fakten: „Mich können Sie persönlich erreichen unter posh@vanityfair.de.“*

Nun kann man von Posh Girl Poschardt alles erwarten, nur kein Taktgefühl: „Nicht jeder, der Erfolg hat, kann diesen genießen. Die russische Journalistin Anna Politkovskaja verhalt der Opposition in Russland zu einer neuen, gewichtigen Stimme. Sie bezahlte ihren Erfolg im Kampf für mehr Demokratie mit dem Leben.“* Nicht jeder, der Erfolg hat, kann diesen genießen? Könnte für diese Geschmacklosigkeit bitte schön jemand dem eitlen Geck seinen Laptop um die Ohren knallen? Bitte!

* alle Zitate aus Ulf Poschardts Editorial

Enroute

Mit 15 mexikanischen Teenager-Girls (jede mit Notebook und Kreditkarte ausgestattet) in einer DASH-Propellermaschine von Genf nach München. Hier kurzer Zwischenstopp, um Mails und Blogs zu checken und mit Marc zu telefonieren, um uns für heute nachmittag auf einen Cappuccino in Berlin zu verabreden. In einer halben Stunde geht es weiter zur Berlinale. Von dort berichte ich im freundin-Blog (the bright side of life) und hier (the dark side of the moon).