Montag, 17. März 2025

Wochenplan (Updates)

Internationale Wochen gegen Rassismus; Podiumsdiskussion „Digitalisierung im Städtebau“ / Bauministerium; Breaking-Bais-Konferenz: „Wie Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien die Sichtbarkeit innovativer Frauen erhöhen“ / Technische Universität; Pressekonferenz BMW Open; Festakt anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Bayerischen Gesetzes zur Förderung der Erwachsenenbildung / Landtag; 30 Jahre Ronald McDonald's Haus / Deutsches Herzzentrum; Changeover: Verabschiedung von Ernst Wolfswinkler und Vorstellung der neuen Geschäftsführung Julia Viechtl und Andreas Huber / Feierwerk; Vernissagen Setareh Khosravani: „In Nuancen“ / Cafédotkom, Presserundgang und Vernissage RischArt-Projekt „Mischen“ ft. Gabi Blum, Veronika Günther, Tina Haase, Claudia Holzinger, Rosa Luckow, Beate Passow. Pegasus Product & Hans Schabus / Gläserne Backstube, „Die Unterlagen befinden sich im Zustand der Ablage“ ft. Albert Coers, Petra Gerschner, Esther Glück, Andreas Huber, Christoph Nicolaus und Rasha Ragab, Günter Nosch & Stefanie Unruh / Zentralinstitut für Kunstgeschichte, „Alma Mater“ ft. Julie Bender Herdina, Ximena Ferrer Pizarro, Kristina Schmidt & Milena Wojhan / pip, Melanie Siegel: „Elsewhere“ / Lohaus Sominsky, „Migred – 65 Jahre griechische Migration nach Deutschland“ / Köşk und Katinka Bock & Nick Mauss: „Resonance“ / Espace Louis Vuitton; Dreh „Aktenzeichen XY … ungelöst“; Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik 2024 / Innenministerium; Presse-Event mit zwei Spielern der Harlem Globetrotters; American Vintage Sample Sale; Cruba Pop-up-Store / Studio C; „Das falsche Wort. Wiedergutmachung an Zigeunern (Sinte) in Deutschland?“ / Filmmuseum; Sondervorführung „Die Akademie“ in Anwesenheit von Cast & Crew / Rio-Filmpalast; Medien für Menschen: Podiumsdiskussion „Kann KI Journalismus besser machen?“ mit Uli Köppen, Dennis Amour, Maximilian Eder und eventuell auch Jochen Wegner / BR-Funkhaus; Michel Friedman spricht mit Heinz Bude über Zukunft / Kammerspiele; Trikot-Gipfel der Trikotbuch-Autoren / Stadion an der Schleißheimer Straße; „Layla“ / Sub; Kongress „FIP – Frauen in Parlamente“ / Landtag; „Monaco Franze“ / ARD-Mediathek & Bayerisches Fernsehen„Ein sehr gutes Quiz mit hoher Gewinnsumme“ / Pro Sieben & Joyn; Orla Gartland / Hansa 39; Olympisches Eliteboxen im Giesinger Bräu Festzelt / Werk 2; Münchner Erstaufführung des Dokumentarfilms „TKUMAnnheim – Jüdisches Leben von 1945 bis heute“ mit der Regisseurin Isabel Gathof und zwei Mitwirkenden / Jüdisches Gemeindezentrum

Donnerstag, 13. März 2025

Prüder und beschränkter: Radikal Jung 2025

Intendant Christian Stückl wollte es nicht beschreien, konnte aber auch nicht stillschweigend darüber hinweg gehen. Die kommunalen Kürzungen bei den Kultur-Etats berühren natürlich auch das jährliche Radikal-Jung-Festival seines Münchner Volkstheaters. Und könnten, wie er zumindest andeutete, künftig dem Festival den Garaus machen.

Bei der Programm-Pressekonferenz des Festivals 2025 heute war eine erste Folge der Sparmaßnahmen gleich zu sehen. Zwei bewährte Mitglieder der Auswahljury fehlten schon im Vorfeld und waren durch die hauseigenen Dramaturg*innen Hannah Mey und Leon Fritsch ersetzt worden. Der bisherige Festivalleiter und Dramaturg Jens Hillje war laut Stückl ausgeschieden, da er angesichts der Kürzungen im Berliner Haushalt als künstlerischer Leiter und Geschäftsführer der Sophiensæle ausgelastet sei. Und Regisseur Florian Fischer ist auch nicht mehr im Kuratorium dabei.

Fischers Abgang schlägt sich sichtbar im Programm nieder. Die in den letzten Jahren gerade bei queeren Münchner*innen beliebten Programme von Sex Workern im Substanz finden nicht mehr statt, da laut Stückl eben erst Fischer diese nach München geholt hatte. Und ohne ihn gibt es keine Fortsetzung.

Damit fällt heuer auch das Substanz als externe Spielstätte von Radikal Jung weg. Das Festival wird aus Kostengründen aufs eigene Haus beschränkt. So finden das Konzert von Vandalisbin und die anschließende Party mit DJ Alba in der entstuhlten Bühne 2 des Volkstheaters statt, die während der Pressekonferenz als „kleine Muffathalle“ angepriesen wurde. Die Beschränkung aufs eigene Haus verkauft Stückl als Fortschritt, da die an externen Orten wie dem Substanz auftretenden Festival-Acts ihm zufolge in den letzten Jahren das Gefühl gehabt hätten, nicht gut genug für das Volkstheater gewesen zu sein. 

Fürs Festival-Archiv waren die sexpositiven Sonderveranstaltungen offensichtlich auch nicht gut genug. Sie tauchen in den Jahresübersichten erst gar nicht auf, obwohl Festivalgäste wie Magic Dyke*, das Black Sex Worker Collective – Heaux Tales oder Stripperstories und ihre Programme mit entsprechendem Direktlink durchaus noch im Internet-Auftritt des Volkstheaters gehostet werden.

Montag, 10. März 2025

Wochenplan (Updates)

„Türsteher – Wächter der Nacht“ / ZDF-Mediathek; „Diffus“-Magazin-Release mit einem Konzert von Tobias / Mari; Vernissagen „Dog ad hoc“ ft. Gabi Dziuba, Benni Kakert, Regina Rupp / pip, „Printed Matter“ ft. Aron Herdrich Barbara Herold & Florian Huth, Stefanie Hofer, Ingrid Ledent, Gesa Puell, Laia Martí Puig, Alix Stadtbäumer, Andreas Ullrich, Lea Vajda, Annu Vertanen, Sandra Zech, Bernd Zimmer & Uli Zwerenz / BBK Galerie der Künstler, Janka Zöller: „C'est la vie“ / Behncke, „Trees, Time, Architecture!“ / Architekturmuseum und „Pink“ / Pasinger Fabrik; Münchner Premiere von „Köln 1975“ / City; LiX: Jovana Reisinger, Lea Ruckpaul & Maren Amini / HochX; „Hacks“ (Foto) / ZDFneo & ZDF-Mediathek; Pressekonferenz 150 Jahre Tram in München / MVG-Museum; Pressetermin refurbed Haus; Zaho de Sagazan / Muffathalle; Empfang 150 Jahre Statistisches Amt / Altes Rathaus; Woche der Brüderlichkeit: „Ich sehe was, was Du nicht siehst. Deutschland. Israel. Einblicke.“ Podiumsgespräch mit Petra Pau, Jenny Havemann & Alexandra Nocke / IKG; Hidden Table München Launch Party / Restaurant Museum; Strafverfahren gegen Lisa Poettinger wegen Sachbeschädigung (zerrissene AfD-Plakate) / Amtsgericht; Konzert Grande Quartz (Marc Aurel & Markus Oehlen) / pip; „Auf dem Nockherberg“ – Politikerderblecken mit Maxi Schafroth und Singspiel / Nockherberg & Bayerischer Rundfunk; Bericht des Staatsministers der Justiz Georg Eisenreich zu den Berichtsanträgen hinsichtlich der Vorfälle in der JVA Augsburg-Gablingen / Ausschuss für Verfassung, Recht, Parlamentsfragen und Integration im Bayerischen Landtag & Livestream; Munich Design Days / Praterinsel; Münchner Stoff-Frühling; Programm-Pressekonferenz des Radikal-Jung-Festivals / Volkstheater; Stehempfang zur Verabschiedung des Kulturreferenten Anton Biebl / Rathaus; Eröffnung des Ois Easy; München redet: „Wie beendet man Krieg? Über Wege zum Frieden in Europa“ mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann / Residenztheater; Andrzej Żuławskis „Possession“ mit Isabelle Adjani, Sam Neill, Heinz Bennent u. a. / Werkstattkino; Wortspiele mit Aria Aber u. a. / Ampère; St. Patrick's Day Parade; Open Block / Luitpoldblock; Kai Strittmatter & Juergen Staack sprechen über China / Lohaus Sominsky; Arnold Schillers 60. / Little Odessa; „Tatort: Borowski und das Haupt der Medusa“ mit einem Gastauftritt von Alfred Holighaus / ARD & ARD-Mediathek; Antifuchs / Milla

Sonntag, 9. März 2025

Wozu das alles? Oder: Mimimi!

Letztes Jahr endete für diesen Blog nicht schlecht. Nachdem ich Ende August eine mehrmonatige Auszeit bei der „tz“ genommen hatte, konzentrierte ich mich auf diese Plattform und es blieb nicht unbemerkt. Zwei Erwähnungen in der „Abendzeitung“. Meine Recherche zur Immobilienspekulation am Wedekindplatz wurde nicht nur gut geklickt, sondern brachte auch anerkennende Kommentare in diversen Redaktionen und im Stadtrat. (Aber keine einzige Redaktion griff das Thema auf.)

Und dennoch ließ ich den Blog zwischen Weihnachten und, nein, nicht nur Heilige Drei Könige, sondern sogar bis Aschermittwoch quasi einschlafen. Es gab äußere Umstände, die mir aufs Gemüt schlugen. Der Tod meines Bruders. Ein frischer Flirt.

Aber es gab auch Zweifel an diesem Blog, den ich immerhin seit 2006 mehr oder weniger leidenschaftlich führe. Und der Umstand, dass es im Grunde niemanden zu interessieren schien, wenn ich längere Zeit wenig blogge, bestätigte diese Bedenken eher.

Aber letztendlich ist das in erster Linie ein Tagebuch. Ein Logbuch meiner Aktivitäten und Überlegungen. Zumindest so lange ich lebe. Danach wird ihn Google nach einer Karenzzeit eh ins Nirwana befördern. Und so werde ich wohl weiter machen. Vielleicht.

Mittwoch, 5. März 2025

Wochenplan (Update)

Vernissagen „Was zu verschwinden droht, wird Bild“ / Lenbachhaus und Sean Scully: „Paintings and Works on Paper“ / Klüser; Kehraus / Muffatcafé; Erinnerungszeichen für Arthur Schönberg und Familie / Deutsches Museum & Hiltenspergerstraße 43; „Der Glanz der Unsichtbaren“ / WDR; Giesinger Bräu Starkbierfest / Werk 2; Jüdische Filmtage: „Das Kostbarste aller Güter“ mit einer Einführung durch Michael Schleicher / City; Preview „Ein Tag ohne Frauen“ (Foto) / Neues Maxim; Orson Welles' „The Lady from Shanghai“ mit Rita Hayworth / Filmmuseum

Montag, 24. Februar 2025

Wochenplan (Update)

Kundgebung „Gemeinsam gegen den Krieg – Drei Jahre Vollinvasion in der Ukraine“ / Marienplatz; Trauriger Montag: „Unspoken Voices – a Georgian Evening of Art and Solidarity“ mit Texten und Performance von Elza Javakhishvili & Wacho Tscheischwili, dem Kunstfilm „Unspoken: Words of Silence and Noise“ von Wacho Tscheischwili, Musik von Nana Ioseliani (nana.ios) und einer Kostüminstallation von Gvantsa Glonti / Marstall-Salon; Trauerfeier für Robert Schweizer mit anschließender Urnenbeisetzung / Waldfriedhof; Cat Sitting (Foto) / Dachau; Anatol Regnier liest aus „Erinnerungen eines Taugenichts“ und spielt Gitarre / Fischmeister; Vollversammlung des Stadtrats / Rathaus; Publikationslaunch zum ersten Deutschen Pavillon auf der 15. Gwangju Biennale in Südkorea, Artist Talk mit den Künstler*innen von Longega Project (Fabian Feichter, Youlee Ku, Siyoung Kim, Nele Ka & Oliver Haussmann) und musikalische Performance von franz allein / Platform; Trauerfeier Daniel Häuser / Westfriedhof; Roborock Launch Experience / Bergson; Sergei Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ mit Live-Musik des Jewish Chamber Orchestra Munich / Kammerspiele; Vernissagen „Interior, City, Day – Sections of Living Memories“ mit Eunju Hong, Leila Fatima Keita & Hanna Hocker, An Laphan und Vanessa Amoah Opoku / Maximiliansforum, Raphael Weilguni: „Cloud“ sowie Stephan Balkenhol, Leiko Ikemura, Maximilian Rödel, Thomas Ruff, Thomas Struth & Thu Van Tran: „Poetics of Nature“ / Schöttle und Alm Residency mit Rebekka Bauer, Alina Belyagina, Polina Bertou, Kristina Schmidt & Linda Weiß / Lothringer 13; Kinky Cabaret Cuberdon / Drehleier; La Nuit des César; Schnecken im Hochbeet / Milla; Bibiza / Tonhalle; Lange Nacht ft. Natanael Megersa, vølta, EIK & Ai Case / Palais; „Wer stiehlt mir die Show?“ mit Heike Makatsch, Teddy Teclebrhan, Rea Garvey & Joko Winterscheidt / Pro Sieben; Oscars / Pro Sieben

Montag, 17. Februar 2025

Wochenplan (Update)

„White Lotus“ – 3. Staffel / Sky & Wow; Eva Strauß: „Schicksale afrikanischer Mädchen in Bayern Mitte des 19. Jahrhunderts“ / Bayerisches Hauptstaatsarchiv; Verhandlungstermin zur Haftung von Facebook für von seinen Nutzern eingestellte rechtswidrige Inhalte / Bundesgerichtshof; „Zwischen Techno & TikTok in Treptow-Köpenick: Live-Session mit Heidi Reichinnek & DJ Gysi“ / Revier Südost; Brooke Candy (Foto) / Hole 44; Berlinale: Richard Linklaters „Blue Moon“ mit Ethan Hawke und Margaret Qualley, Dylan Southerns „The Thing with Feathers“ mit Benedict Cumberbatch & Radu Judes „Kontinental 25“ / Uber Eats Music Hall; „Du musst gegen den Wind laufen – ein Abend für Thomas Brasch zum 80. Geburtstag“ / Berliner Ensemble; „Finest Spirits“ / Zenith; Wintersonne Open Air / Bahnwärter Thiel; Arne Semsrott liest aus „Machtübernahme – Was passiert, wenn Rechtsextremisten regieren. Eine Anleitung zum Widerstand“ / Bellevue di Monaco; Bundestagswahl; Wahlparty der Grünen / Freiheitshalle

Dienstag, 11. Februar 2025

Traumtagebuch (22): Schwanger

U4 Richtung Arabellapark. Die U-Bahn ist eng gefüllt. Ich stehe im letzten Wagen, rechts, an der letzten Tür. Der Wagen entspricht eher den auf der U3/U6 eingesetzten neuen Modellreihen. Keine Sitze im Vierer-Block, sondern die Fahrgäste sitzen rechts und links an der Fahrzeugwand, die Beine zur Fahrzeugmitte gestreckt. 

Neben der ersten Tür, links, sitzt eine blonde Redaktionskollegin. Vor ihr steht ein Mann in Anzug und Krawatte, eher Versicherungsmakler, Bänker denn Journalist. Er unterhält sich angeregt mit ihr, sie kennen sich offensichtlich näher. Bevor er eine Haltestelle früher aussteigt, kniet er sich vor sie hin und streichelt, küsst sie zum Abschied am ganzen Körper. Sie bittet ihn, das zu unterlassen. Er will aufstehen, hält inne, beugt sich noch einmal über sie und streichelt sie, wobei er ihre rechte, große Brust freilegt.

Wir kommen am Arabellapark an. Vor meiner Tür wartet eine riesige Gruppe von Kindern im Vor- oder Grundschulalter, um einzusteigen, wenn die U-Bahn zurückfährt. Auf dem Bahnsteig treffe ich die Frau. Wir unterhalten uns. Sie erzählt, dass der Mann ihr gesagt hätte, sie sähe schwanger aus. Von ihm oder einem anderen Mann, frage ich sie. Sie deutet mit einem Schulterzucken an, es nicht zu wissen.

Wie oft warst Du schon schwanger, fragt sie mich. Ich antworte, dass ich noch nie eine Frau gecshwängert hätte. Genug Gelegenheiten, aber wohl nicht sonderlich zeugungsfähig. Aber jetzt mit 71 wäre die Wahrscheinlichkeit eh nur noch gering. (Im Traum bin ich deutlich älter als in Realität.)

Montag, 10. Februar 2025

Wochenplan (Updates)

Vorverkaufsstart für die Berlinale; Stephan Lambys „Die Vertrauensfrage - Wer kann Deutschland regieren?“ / ARD; Musical Award / Silbersaal im Deutschen Theater; McDonald's Burger-Dialog: „Zukunft und Zusammenhalt in Deutschland“ mit Philipp Amthor, Elvan Korkmaz-Emre und Jamila Schäfer / YouTube; Robin Bauer: „BDSM! Grenzerfahrungen zwischen Spiel und Ernst“ / Sub; Secret Saint Tropez / Villa Flora; Anja Salomonowitz' Maria-Lassnig-Biopic „Mit einem Tiger schlafen“ (Foto) mit anschließendem Regiegespräch / HFF; Podiumsdiskussion „Was tun gegen Antisemitismus?“ mit Ursula Münch, Ludwig Spänle & Sebastian Voigt / Künstlerhaus; „Du gewinnst hier nicht die Million bei Stefan Raab“ mit Robert Habeck / RTL; Transline Presselunch „KI trifft Sicherheit“ / Aimy; „Interior Spaces: Well-being im Fahrzeuginnenraum“ / Steelcase; „Germany's Next Topmodel“ / Pro Sieben; Vernissagen „Half a Pound of Art“ / Stephan Stumpf, The Art Of Munich: „Am Leuchtturm wendet sich der Blick“ / Kunst Block Balve und „Color Now!“ / Hegemann; Michel Friedman spricht mit Florence Gaub über Krieg / Kammerspiele; Treppen-House / Tam Tam Treppenbar; „Lieber Thomas“ / ARD-Mediathek & ARD; Nick Clegg: „Shaping the Connected World: Meta and AI“ / TUM-AudimaxAnkathie Koi / Städtische Galerie Rosenheim; Das dekoloniale Forum / Altes Rathaus; John Kerry: „Too hot to handle – Confronting the climate crisis in a politically fractured world“ / TU-Audimax; Saturday Night Live 50 – The Anniversary Special / NBC; Otger Holleschek: „Komm tanzen“ / Roody Tanzcafé Giesing; „Fără suflet“ / Werkstattkino

Montag, 3. Februar 2025

Wochenplan (Updates)

„Demokratie in der Krise – Was können wir tun?“ Podiumsdiskussion mit Ricarda Lang, Jamila Schäfer und Bernd Ulrich / Hoftheater im Stemmerhof; Eunju Hong und Merlin Stadler präsentieren ihren Film „Yellow Carpet“ / Bayerische Akademie der Schönen Künste; Pressekonferenz zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Unrechtserfahrungen von Kindern und Jugendlichen in Heimen sowie Pflege- und Adoptionsfamilien des Münchner Jugendamts / Ratstrinkstube; Vernissagen „Jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft“ / Referat für Arbeit und Wirtschaft, Diplomausstellung 2025 / Akademie der Schönen Künste, Mela Diamant: „The Solo“ / Urban Gallery Isar, Master / Akademie der Schönen Künste und „Editions“ / Micheko; Explore France Medientour / Studio G3; „Die rote Zibebe“ – Liesl Karlstadt, Karl Valentin und Bert Brecht / VS Goethestraße 54; Vollversammlung des Münchner Stadtrats / Rathaus & Livestream; Thomas Meinecke liest aus „Odenwald“ / Favorit-Bar; Enthüllung der Pumuckl-Ampel / Liebigstraße 21; „60 Jahre Deutsch-Israelische Freundschaft - Zukunft gestalten durch wirtschaftliche Kooperationen“ / Munich Urban Colab; Eröffnung des Kindermuseums am neuen Standort; Amelie Fried im Gespräch mit Heike Specht über deren Buch „Die Frauen der Familie Feuchtwanger“ / Wilhelmsgymnasium; Premiere von „Salomé“ mit Linda Blümchen (Foto) / Cuvilliéstheater; „Was, wenn Journalisten zum Feindbild werden“ – Podiumsdiskussion mit Christina Berndt, Steffen Grimberg, Ella Schindler und Dorothea Grass / Evangelische Akademie Tutzing; Artist Talk mit Jorinde Voigt / Lohaus Sominsky; Kundgebung gegen rechts „Demokratie braucht dich“ / Theresienwiese; Johan Grimonprez' Essayfilm „Soundtrack to a Coup d'État“ – über die Ermordung Patrice Lumumbas / Werkstattkino; LUNAparty / Bayerischer Hof; Super Bowl LIX: Philadelphia Eagles vs. Kansas City Chiefs / RTL

Montag, 27. Januar 2025

Wochenplan (Updates)

RP Kahls „Die Ermittlung“ nach Peter Weiss mit Christiane Paul, Nicolette Krebitz, Rainer Bock, Clemens Schick, Karl Markovics u. a. / arte & als Elfteiler in der ARD-Mediathek; Verhandlungstermin zur überragenden marktübergreifenden Bedeutung von Apple / Bundesgerichtshof; Jahrespressekonferenz MuSeenlandschaft Expressionismus / Infopoint Museen und Schlösser in Bayern; Vernissagen Michael Shubitz: „Back to Kaunas“ / Maximilianeum, „Ping Pong“ – Halbjahresausstellung des Laboratoriums / International Munich Art Lab Imal, „Lee Miller Photography“ / Amerikahaus und Franz Will: „Das andere ich“ / Sendlinger Kulturschmiede; Podiumsdiskussion „Digitalisierung – wie smart ist die City?“ mit Elisabeth Merk, Laura Dornheim Niklas Bieber, Steffen Braun, Klaus Illigmann, Oliver Rack und Christina Wolf / Rathausgalerie; „Oh, Schreck!“ / Kammerspiele; Cyber Security Day / IHK; Eiskunstlauf-EM in Tallinn / ARD One & ARD-Mediathek; Various Others Social Club / VS Goethestraße 54; „Echoes. Plot Twist“: Hanne Lippard, Lucy Liyou, Pussy Riot u. a.  / Haus der Kunst; Concert for California Wildfire Relief / YouTube; Mesut Bayraktar liest aus „Die Lage“ / Barrio Olga Benario; Alexander Osangs „The Next Level“ (Foto) / ARD-Mediathek & ARD; Ti Wests „Maxxxine“ mit Mia Goth / Sky & Wow; Giasinger Metalfest „Nö Sleep 'til Giesing“ / Stadionwirtschaft; Gedenkmesse und Gedenkveranstaltung 100 Jahre Hochschule für Philosophie / St. Michael & Hochschule für Philosophie; Grammy Awards / MTV & Magenta Musik

(Foto: Jakub Bejnarowicz/ARD Degeto Film/HR/rbb/NDR/Letterbox Filmproduktion/Real Film Berlin)

Montag, 20. Januar 2025

Vom Reden, Chatten und Online-Daten

Wenn ich an der Tür arbeite, komme ich manchmal mit Gästen tiefer ins Gespräch. Meist sind es die Raucher*innen. Zigarette um Zigarette oder Liquid um Liquid entwickeln sich gelegentlich tiefgreifende, gar intime Gespräche. Doch wenn sie dann gehen, verabschieden sie sich nicht einmal. Und es bleibt bei mir ein bitterer Nachgeschmack. 

Denn im Grunde habe ich kein Mitteilungsbedürfnis. Auch wenn ich oft den gegenteiligen Eindruck erwecken kann, wenn die Dämme des Schweigens erst einmal gebrochen sind. 

Aber mein Mitteilungsbedürfnis stille ich in den Sozialen Medien. Im Ein-Weg-Modus. Reden, die wechselseitige Kommunikation strengt mich an. Und ich komme tagelang gut damit aus, mit niemandem zu sprechen. 

Chatten fällt etwas leichter. Gerade mit Unbekannten. Eine Zweisamkeit im rabbit hole des Internets, bei der ich oft hinweggetragen werde, in Abgründiges, Intimes oder einfach nur Komisches.


Gerade auf Dating Apps. Und ich weiß nie, wer auf der anderen Seite sitzt. Tatsächlich die sich mit Bild und biografischen Details präsentierende Frau, die aus Langeweile bespaßt werden will? Zwei kichernde Teenager, die mich vorführen wollen? Ein Betrüger aus Lagos, der mich abzocken will? Eine damsel in distress, die nur meine Schnellüberweisung aus der Not retten kann? 

In Wahrheit spielt das keine Rolle. Selbst wenn ich feststelle, dass die Profilfotos oder im Chat offerierten intimen Bilder anderweitig geklaut worden sind, breche ich den Chat nicht ab, so lange er mich wiederum unterhält. Aber natürlich schreibe ich meinem Gegenüber, wessen Bilder das in Wirklichkeit sind. Ohne Vorwurf. Aber für dumm verkaufen will ich mich auch nicht. 

Als Kind des kalten Krieges, aufgewachsen unter Geheimdiensten und Doppelagenten, traue ich grundsätzlich keinem und rechne immer mit Verrätern. Geheimnisse, die bewahrt werden könnten, gibt es nicht. Jeder Flirt kann eine Honigfalle sein. Und mein Mittel, mich nicht darin zu verfangen, war stets die größtmögliche Transparenz. Das Kokettieren mit dem Unaussprechlichen. Oder wie meine Gegenüber mit verdrehten Augen gern abwehrend kommentieren: To much Information.

Wochenplan (Updates)

Start der Digitalplattform ON des Filmarchivs Austria; 20 Jahre Münchner Filmwoche / Mathäser; Slow Wine / Eataly; Kommission für Stadtgestaltung / Rathaus; Verleihung der Ernst-Hoferichter-Preise an Josef Brustmann und Gesche Piening / Literaturhaus; Vernissagen „Letters from Within“ / Platform, Ray Moor: „The Poet That Paints: Serious Play III“ / Stadtbibliothek Neuhausen, Jahresausstellung „München hat Plan“ / Rathausgalerie, „+/_schauen – Klasse Schäfer“ / Kunstpavillon im Alten Botanischen Garten, „Verbal Non Verbal“: Jorinde Voigt, Juergen Staack, Jiuen Park, Magdalena Jetelová & José Vera Matos / Lohaus Sominsky, Benedikt Gahl & Babi Brüller: „Ruhe!“ / PiP und Arnulf Rainer: „Landschaften – Goya“ / Thaddaeus Ropac Salzburg; Neujahrsempfang der grünen Bundestagsabgeordneten Jamila Schäfer / Bavaria Musikstudios; Tatiana Țîbuleac liest aus „Der Garten aus Glas“ / Lehmkuhl; Galavorführung von Benjamin Pfohls „Jupiter“ in Anwesenheit von Cast & Team / Rio-Filmpalast; David Lynchs „Mulholland Drive“ / arte; Trauerfeier Karl Stankiewitz / Ostfriedhof; Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen / YouTubeMedientrends 2025 / MedienNetzwerk Bayern; Premiere „Caligula“ / Volkstheater; Medien für Menschen: „Was fehlt ohne den öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ – Impulsvortrag von Bartosz Dudek und Podiumsdiskussion mit Anna von Garmissen, Salvan Joachim, Kinza Khan, Lennart Laude und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger / Akademie für politische Bildung Tutzing; „München wird moderner – Die langen 1960er Jahre und die Transformation der Stadt“: Vortrag von Simone Egger und Lesung von Maria Hafner / VS Goethestraße 54; Tuvia Tenenboms Dokumentarfilm „God Speaks Yiddish“ / Jüdisches Gemeindezentrum; Jim Avignons Neoangin & Nova Huta / Import Export; Präsentation des Jahrgangsbands 2024 des „Oberbayerischen Archivs“ / Stadtarchiv; Bayerischer Filmpreis / Prinzregententheater; Fantasy Filmfest White Nights / City; „Kunstretter – Im Sturm auf die Moderne“ (Foto) / 3sat; Deutscher Filmball / Bayerischer Hof; RP Kahls „Die Ermittlung“ samt anschließendem Gespräch mit dem Schauspieler Rainer Bock / Jüdisches Gemeindezentrum; Pisse / Technikum

(Foto: Lars Hering/ZDF)

Montag, 13. Januar 2025

Wochenplan (Updates)

Luna-Party / Bayerischer Hof; Vernissagen Sven Kemmler: „Auf See“ / Cafédotkom, Renate Balda & Maja Vogl / Galerie Handwerk, Charlotte Eta Mumm: „Sought by Shadows“ / Tanit, Philip Grözinger: „In Search of the Tannhäuser Gate“ / Nicole Gnesa und „Noch mehr wilde Striche“ – die Internationale Jugendbibliothek zu Gast in der Pinakothek / Pinakothek der Moderne; Nobelpreisträger Robert C. Merton: „Evolution of Financial Science and Financial Innovation“ / Audimax der Technischen Universität; Polizeiruf 110: „Bis Mitternacht“ von Dominik Graf mit Verena Altenberger / Bayerisches Fernsehen; Letzter Vorhang: Abschiedsvorstellung mit Joseph Vilsmaiers „Rama Dama“ / Filmtheater am Sendlinger Tor; Staatsempfang Baiosphere meets DLD / Residenz; Fashion Unplugged / Live Evil; FX Krenkl / Roody Tanzcafé Giesing; Vorpremiere „Fanni – oder: Wie rettet man ein Wirtshaus?“ mit Regiegespräch / Monopol; „Tokyo Vice“ – zweite Staffel / ARD & ARD-Mediathek; Queerer Kunstmarkt mit Nachmittagskonzert von Alex Fine, AESTR und Pinay Colada / Kulturhaus Milbertshofen; Neujahrsempfang der CSU München / Ratskeller; „München Mord: Nix für Angsthasen“ / ZDF; „Der unsichtbare Zoo“ – Erstaufführung in Anwesenheit des Regisseurs Romuald Karmakar / Werkstattkino; artechock Neujahrsempfang; „Antisemitismus in Kunst und Kultur“ – Podiumsdiskussion mit Dana von Suffrin (Foto), Martin Moszkowicz, Lars Henrik Gass und Julie Grimmeisen / Volkstheater & YouTube

Samstag, 11. Januar 2025

Traumtagebuch (21): Die Dogge

Ein Wirtshaus auf dem Land. Hügeliges Grün und Bäume rundherum. Wir sitzen an einem Biergartentisch unmittelbar vor dem Gebäude. Ich mit dem Rücken zum Haus, in die Ferne blickend.

Wir sind zu dritt. Christian Stolberg, eine junge Mutter und ich. Die Frau ist aber ohne ihr Kind dabei.Sie und ich flirten und sind körperlich sehr vertraut, haben aber nichts miteinander.

Eine erstaunlich große Dogge nähert sich dem Haus und unserem Tisch. Sie kommt erst zu mir, um gekrault zu werden, umrundet dann den Tisch, wo sie am gegenüberliegenden Eck ein Bein hebt und pinkelt. Auf dem Tisch bildet sich eine Lache, Stolli kriegt auch ein paar Tropfen ab. 

Dann trifft auch das Herrchen ein. Wir erzählen ihm, was der Hund angestellt hat. Er nimmt es zur Kenntnis und geht mit seinem Hund ins Haus, ohne den Vorfall zu kommentieren oder sich gar zu entschuldigen.

Die Frau, Stolli und ich haben uns getroffen, um einen mehrtägigen Event à la DLD oder re:publica zu planen. Ich erzähle, welche Programmschwerpunkte ich mir vorstelle, aber Stolli findet sie zu beliebig.


Montag, 6. Januar 2025

Wochenplan (Updates)

Pressekonferenz zum Wahlkampfschwerpunkt der bayerischen SPD mit Ronja Endres und Carsten Träger / Café Magali; Gedenkveranstaltungen zum 41. Jahrestag des rechtsterroristischen Brandanschlags auf die Diskothek Liverpool / Schillerstraße 11 a & Köşk; Gedenkfeier zum 10. Jahrestag des terroristischen Anschlags auf „Charlie Hebdo“ / Rationaltheater; Gastrosilvester / P1; Vorbesichtigung der Online-Auktion Udo – The Personal Collection / Sotheby's; „Es geht um uns“ – Programmpräsentation der ARGEkultur Salzburg; Jour Fixe mit Gabriela de la Punte („The White Pube“, „Poor Artists“) / Akademie der Bildenden Künste; Jimmy Carter's State Funeral / C-Span; Vernissage „The Road Will Still Be There“ der Projektklasse Curtis Talwst Santiago / AkademieGalerie; Trauerfeier für den Buchhändler und Verleger Dinu Popa (Foto) / Nazarethkirche Frankfurt-Eckenheim; Kundgebung für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel / Marienplatz; Artist Talk mit Janina Roider / Lohaus Sominsky; Neujahrsempfang der Mohr-Villa„Aufbau nach dem Untergang“ – Vortrag von Ellen Presser zum Neuanfang der Israelitischen Kultusgemeinde München nach 1945 / Synagoge Ohel Jakob 

Montag, 30. Dezember 2024

Wochenplan (Update)

Oysters, Smashed Bingo Burger & Bubbles / The High; Birthday Celebration zum 13-Jährigen / Zum Wolf; Vernissage „A Universe of Thoughts. Italien Photography by Giuseppe Lo Schiavo, Ugo Ricciardi, Alessio Albi, Riccardo Bandiera“ / Galerie Ingo Seufert; Neujahrsempfang der Löwenfans gegen Rechts ft. Oysterfight (Foto) & Garden Gang / Substanz; Golden Globes

Sonntag, 22. Dezember 2024

Wochenplan (Updates)

„Der Letzte macht das Licht aus“ - ein Leichentrunk mit Karl Bruckmaier für die Toten des Pop-Jahrgangs 2024 / Optimal; Francis Ford Coppolas „Der Pate“ und „Der Pate 2“ mit Marlon Brando, Al Pacino, James Caan und Robert Duvall / ARD; Jules Dassins „Topkapi“ (Foto) mit Peter Ustinov, Melina Mercouri, Maximilian Schell, Robert Morley, AkimTamiroff und Joe Dassin / Bayerisches Fernsehen; „Die Grotte der vergessenen Leichen“ und „Das unheimliche Auge“ / Werkstattkino

Montag, 16. Dezember 2024

Poparazzi (15): Neubau des Proben- und Werkstättenzentrums des Residenztheaters

Bekannt aus Tweets, Blogs und der Medienfachpresse. Also überhaupt nicht. Dennoch erkennen mich immer wieder Fremde. Oder flüchtige Bekannte halten mich für wichtig. Und schießen mich ab.

Beim Baustellenrundgang durch das neue Proben- und Werkstättenzentrum des Bayerischen Staatsschauspiels in Berg am Laim fotografierte mich Kollege Robert Braunmüller von der „Abendzeitung“. Der einzige Kollege, mit dem ich mich sieze. So einer knipst auch nicht mit dem Smartphone, sondern mit einer richtigen Kamera.

Wochenplan (Updates)

Richtfest für das Proben- und Werkstättenzentrum des Residenztheaters / Berg am Laim; Presseführung durch die Baustelle der U6-Verlängerung / Am Klopferspitz; Retrospektive zur Neuen Münchner Gruppe mit Klaus Lemkes „Liebe so schön wie Liebe“, Rudolf Thomes „Supergirl“ (Foto) und Roger Fritz' „Mädchen, Mädchen“ / Werkstattkino; KVR-Ausschuss / Rathaus; Vollversammlung des Münchner Stadtrats / Rathaus & Livestream; Accrochage mur à mur / Lohaus Sominsky; Bazar Bizar / Plinganserstraße 20; LiX mit den Autorinnen Millay Hyatt, Elizabeth Pich & Theresa Seraphin und anschließender Weihnachtsfeier / HochX; Festakt zum Präsidentenwechsel beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz / Residenz; Alpenfilm-Festival / Filmtheater am Sendlinger Tor; „Die Kür ihres Lebens“, Dokumentarfilm über die Eiskunstläufer Aljona Savchenko & Bruno Massot / arte; Jacques Demys „Les parapluies de Cherbourg“ mit Catherine Deneuve / arte; Kundgebung Femizide stoppen in München / Gärtnerplatz; Robert Altmans „Prêt-à-Porter“ mit Sophia Loren, Julia Roberts, Marcello Mastroianni, Jean-Pierre Cassel, Kim Basinger und Chiara Mastroianni / Filmmuseum; Tyson Fury vs. Oleksandr Usyk / Dazn; „tz“-Spätdienst

Montag, 9. Dezember 2024

Agora (11): Die Übersetzerin Christel Hildebrandt erinnert an den Verleger und Buchhändler Dinu Popa

Christel Hildebrandt, die für den Popa-Verlag Lars Saabye Christensens Roman „Yesterday“ übersetzt hat, erinnert an den letzte Woche verstorbenen Verleger und Buchhändler Dinu Popa. 

Die Nachricht kam wie ein Schock. 

Dinu Popa ist gestorben. Das kann doch nicht sein. Hatte er mir doch als treuer Freund noch vorgeschlagen, dass er Karten für die Buchmesse für mich hat, sozusagen als seine Mitarbeiterin. 
Und wir trafen uns doch immer dort, meistens zum Essen beim Gastland, ich weiß gar nicht mehr, seit wie vielen Jahren. 

Begonnen hat unsere Freundschaft in Oslo, auf der Frauenbuchmesse, das muss 1986 oder 1987 gewesen sein. 

Denn 1988 durfte ich für ihn ein wunderbares norwegisches Buch übersetzen, Beatles auf Norwegisch, Yesterday auf Deutsch, für seinen Ein-Mann-Verlag, den Popa-Verlag. Ein Buch über vier Jungs in Oslo, Beatles-Fans und Nacheiferer, die sich bei jeder neuen Platte ihrer Helden treffen, über ihre Jugend in den 60er- und 70er-Jahren. Ein Buch, das anderen, großen Verlagen zu dick für ein Buch aus Norwegen war, aber Dinu fragte nur: „Findest du das wirklich so gut?“ Und ich konnte bestätigen, dass ich es einfach fantastisch fand. 

Also unterstützte er mich beim Kauf meines ersten Computers, und bei Problemen mit ihm konnte ich jederzeit in München anrufen, damals noch ziemlich kostspielig von Hamburg aus. 

Das Buch von Lars Saabye Christensen wurde nicht nur beim Popa-Verlag ein Erfolg (die Auflage von 3.000 Stück wurde restlos verkauft), es ist heute noch bei Random-House zu kaufen. 

Und seitdem trafen wir uns nicht nur bei allen Veranstaltungen, wo sich unsere Wege kreuzten, nach seinem Umzug nach Frankfurt war meine feste Adresse bei jeder Buchmesse dort die Wohnung von Gisela und Dinu, ich bin geradezu mit ihnen umgezogen. Und Dinu führte mich in für mich als junge Übersetzerin aus dem Norwegischen exotische Kreise ein, seriöse Geschäftsleute, verrückte KünstlerInnen, sein Freundeskreis schien mir keine Grenzen zu haben. Und immer war ich willkommen, wie er auch mich auf den norwegischen Empfängen auf der Messe traf und mit jedem und jeder dort charmant plaudern konnte und mich immer wieder unterstützte. 

Überhaupt hatte ich das Gefühl, Dinu kennt sowieso jeden, zumindest nach zehn Minuten in einem Raum. Und immer schleppte er mich mit, ob zu russischen, französischen, schottischen, rumänischen FreundInnen und Bekannten, die sich sicher häufiger wunderten, was eine Übersetzerin aus der doch kleinen Sprache Norwegisch an ihrem Tisch zu suchen hatte, aber schließlich war Dinu neben mir, und damit war ich akzeptiert. 

Das letzte Mal trafen wir uns, Dinu, Gisela und ich, letztes Jahr in Leipzig auf der Messe, lauschten Texten aus Österreich (auf die Idee wäre ich allein nie gekommen) und speisten natürlich in Auerbachs Keller. So charmant, wie er nach einem Platz fragte, konnten wir gar nicht abgewiesen werden! Und ich habe mich schon auf ein Wiedersehen in Leipzig gefreut, denn auch bei mir wird die Arbeitswut weniger und damit die Motivation, auf Messen zu gehen, wenn es dort keine konkreten Aufgaben gibt. 

Ich sehe es noch vor mir, wie ihr zwei mir Ungläubigen euren Campingwagen von der S-Bahn aus gezeigt habt, nein, ihr wart nicht in einem schicken Hotel abgestiegen, sondern hattet euer Bett mitgebracht, ach ihr beide wart immer so herrlich verrückt und in keine Schublade zu packen. 

Und jetzt fehlt eine Hälfte. Der Bericht von dir, Dorin, hat mich ziemlich erschüttert, jemandem wie Dinu die Möglichkeit zu nehmen, sich auszudrücken, ist einfach eine schreckliche Vorstellung. 

Für mich war er, wenn wir uns trafen, immer so etwas wie ein großer Bruder (auch wenn er nur zwei Monate älter war als ich), den ich nie gehabt hatte, der für alles eine Lösung fand und ganz selbstverständlich dafür sorgte, dass ich Unterkunft und Eintritt zur Messe sowie interessante Kontakte hatte. Aber in erster Linie habe ich mich immer riesig gefreut, ihn (und auch dich, Gisela) zu treffen und mich von seinen Einfällen und Plänen verblüffen zu lassen. Dinu, du fehlst mir.

Wochenplan (Update)

Pressegespräch zur Jahresvorschau des Planungsreferates / PlanTreff; Verleihung von Arbeitsstipendien an 14 Schriftsteller*innen / Kunstministerium; Hanna Hamel: „Zukünftige Verbrechen. Kunst und Kooperation bei David Cronenberg 1970/2022“ / Akademie der Bildenden Künste; Vernissagen Zoe Jux: „Stille, die zeichnet“ / Maximiliansforum, Ilit Azoulay: „Stopover“ und „Wie geht es Dir? Comiczeichner*innen gegen Antisemtismus, Hass und Rassismus“ / VS Goethestraße 54, Philippe Parreno: „Voices“ / Haus der Kunst, Rita Sabo: „Sacred Planet“ / Bayerisches Nationalmuseum und Sophie Schmidt (Foto) & Anna Łuczak: „Brutality of Spring“ / Studio Lothringer 13; Presseempfang des Digitalministers Fabian Mehring / Frau im Mond; Verleihung des Dieter-Hildebrandt-Preises an Till Reiners / Altes Rathaus; Verleihung des Romano-Guardini-Preises an Angelika Nußberger / Katholische Akademie; Programm-Pressekonferenz zum Brechtfestival 2025 / Café Tür an Tür Augsburg; „In der Feuerkette der Epoche“ – Buchpräsentation von Friederike Heimanns Porträt der jüdischen Lyrikerin Gertrud Kolmar / HP8 Gasteig; „Der ganzen Welt benachbart“ – Vorstellung der Publikationsreihe „Jiddistik Edition & Forschung“ mit Lesung von Efrat Gal-Ed und Daria Vakhrushova / tba; The toten Crackhuren im Kofferraum / Strøm; Mobilitätsausschuss / Rathaus; „Die Vice-Story: Gosse. Gonzo. Größenwahn.“ / ARD-Mediathek; Daft Punk & Leiji Matsumoto: „Interstella 5555“ / Mathäser; Sprungbrett Abschluss-Show ft. Mirabelle Rose, Netzwerk, Pew Pew Alice und Popcorn Molecule / Hansa 39; Weihnachtsstehrumchen / Golden Goose; 15 Jahre Boxwerk mit Xmas-Sparring und Uppercut Jazz / Boxwerk; Marco Abel präsentiert sein Buch „Mit Nonchalance am Abgrund“ über die Neue Münchner Gruppe der Filmregisseure Rudolf Thome, Klaus Lemke, Eckhart Schmidt, Max Zihlmann, May Spiels, Werner Enke, Dieter Geissler, Martin Müller und Boris Marran Gosov / Werkstattkino; Retrospektive zur Neuen Münchner Gruppe mit Eckhart Schmidts „Atlantis – Ein Sommermächen“ und „Jet Generation“, Martin Müllers „Anatahan Anatahan“ sowie May Spils' „Zur Sache, Schätzchen“ / Werkstattkino; Felix Hutt liest aus „Ein Mann. Ein Jahr. Kein Alkohol“ / Schumann's; LUNAparty / Bayerischer Hof

Samstag, 7. Dezember 2024

Der Tod zählt zur Familie

Irgendwann ist es mehr als genug. Irgendwann ist es zu viel. Aber irgendwann ist es auch vorbei. Selbst ein sich unbarmherzig wiederholendes Leid. 

Manchmal überfällt es einen überraschend schnell. Nach kurzer, schwerer Krankheit heißt es dann in den Nachrufen. Bei uns in der Familie war bisher eher das Gegenteil die Regel. Jahrelanges Siechtum. Stirb langsam. 

Als vorgestern mein Bruder Dinu im Alter von 72 Jahren verlosch, waren es dagegen nur wenige Wochen gewesen, zwei, drei Monate. „Nach kurzer, schwerer Krankheit“ schrieb ich in meiner Pressemeldung für die Branchenblätter und den Nachrichten für den Freundeskreis und die Angehörigen in Frankreich und Rumänien. Und dennoch war jeder Tag ein Tag zu viel gewesen. Denn an Creutzfeldt-Jakob stirbt man nicht, man krepiert. Diesen Sommer war es bei ihm ausgebrochen, wie es eben ausbricht. Ohne Anlass oder Ursache, aber dafür unbarmherzig tödlich. 

Das Hirn löst sich auf, man kann nicht mehr richtig sehen, stehen, gehen. Hat Wahnvorstellungen, Schwierigkeiten, sich zu artikulieren. Und zwischendurch immer wieder lichte Momente, was es nur grausamer macht, weil man den eigenen Untergang miterlebt. „Ich sterbe“, rief mein Bruder im Krankenhaus, als ein Verlagsvertreter auf Dinus Handy anrief und auf die Freisprecheinstellung geschaltet war. Und in diesem Satz war Dinu wieder ganz der Alte, extrovertiert, dramatisch, trotz der tödlichen Diagnose irgendwie übertreibend, aber nicht ohne Witz und Ironie. Selbst das Schlimmste, Persönlichste für eine Pointe nutzend.

Ausgerechnet Dinu, der intellektuellste oder eher einzige Intellektuelle von uns Söhnen, war im Hirn erkrankt. Eine meiner ältesten Erinnerungen an ihn ist, wie er in seiner ersten eigenen Wohnung in der Wilhelm-Düll-Straße 1 mit anderen zusammen auf dem Boden saß, „Das Kapital“ las und diskutierte. Die Marx-Engels-Lesegruppe. Jahrzehnte später lösten Dinu und ich für die slawistische Buchhandlung Kubon + Sagner ihr Warenlager in der Heßstraße auf und räumten meterweise Marx und Engels ab, in allen möglichen Sprachen. Die Bände lagern wohl immer noch in Dinus Lagerhalle in Frankfurt-Bockenheim.

Deutlich ältere Brüder zu haben, ist wunderbar, wenn man jung ist. Hat man doch als Kind schon Anteil an den Erfahrungen Reiferer. Als ich dagegen Dinu letztes Jahr im Sommer in Frankfurt besuchte, um gemeinsam Dario Argento im Deutschen Filminstitut zu erleben, hatte sich das Blatt gewendet. Jetzt sah ich vor mir, was mir in neun Jahren, vielleicht auch früher oder später, blüht: Einen alten Mann mit vielen Krankenhausaufenthalten hinter sich und einer unaufhörlichen Kette an Erkrankungen. Nichts lebensbedrohliches, aber doch das Leben bestimmendes. Ein Jahr später, als ihn Creutzfeldt-Jakob schon dahinzuraffen begann, lag er in einem Krankenhausbett mit der Modellbezeichnung Avant-Guard.

Doch im Sommer zuvor, nach Argentos Auftritt sind Dinu und ich um die Ecke Essen gegangen. Essen war in unserer Familie wichtig. Und kannte keine Grenzen. Markknochen, paniertes Hirn, blutige Steaks. Etwa als wir gemeinsam auf der BookExpo America in Chicago waren und keine Gelegenheit ausließen, gut zu speisen. 

Diese Erinnerungen bleiben, aber wenn man mich dieser Tage nach Dinus Lebenslauf fragt, muss ich passen und es fällt mir auf, wie wenig ich von seinem Leben weiß, eben auch weil er neun Jahre älter war und schon auszog, als ich noch ein Kind war.

Viele Jahre war er ein Hippie gewesen, langhaarig, mit Vollbart. Und ich weiß noch, wie ich eines Tages von der Schule nach Hause kam und mein Vater mich mit einem jungen, rasierten, kurzhaarigen Mann im Wohnzimmer erwartete und mir eröffnete, dass wir Besuch aus Rumänien hätten. Einen entfernten Cousin. Erst als beide schallend zu lachen begannen, begriff ich, dass das keineswegs ein entfernter Verwandter war, sondern mein Bruder, nur eben mit gestutzten Haaren.

Die letzten Jahre, in denen wir alle zusammen in der Tizianstraße wohnten, waren besonders eng gewesen. Nicht etwa nur die Eltern samt der drei Söhne in der Vier-Zimmer-Wohnung, die Radio Freies Europa für uns in München-Gern angemietet hatte. Denn eines Tages klingelte das Telefon. Meine Mutter ging ran, ich stand neben ihr. Ein Aufschrei. Ihre Mutter, meine Großmutter, Angela „Maia“ Dragu, war in Paris verunglückt. Sie hatte sich daheim hinsetzen wollen, war dabei unglücklich gestürzt und hatte sich so schwer am Kopf verletzt, dass sie fortan auf den Rollstuhl angewiesen war und kaum mehr sprechen konnte. Also zogen die Großeltern auch zu uns nach München. Meine Mutter hatte nun mehrere Jahre einen Sieben-Personen-Haushalt zu betreuen und ich erlebte Maias Siechtum aus nächster Nähe.

Bisher war ich der Meinung, das meine panische Angst vor Menschen, die sich schwer artikulieren können, deren Worte ich nicht verstehen kann, aus der Zeit stammt, als ich als Kleinkind in Deutschland lebte, ohne ein Wort Deutsch zu verstehen, weil wir daheim nur Rumänisch redeten. Inzwischen vermute ich, dass dieses Trauma eher mit meiner Großmutter zusammenhängt, deren Worte ich plötzlich nicht mehr verstehen konnte.

Irgendwann kehrten meine Großeltern wieder nach Paris zurück, aber die Wohnung blieb ein Hospiz. Nun war mein Vater dran, der an allerlei litt: Magengeschwüre und Prostatakrebs, Angina Pectoris und Migräne … Wobei letzteres mit das Schlimmste war, weil er dagegen Unmengen an Dolviran schluckte und sich damit regelrecht vergiftete. Wenn er mit der Trambahn zur Arbeit gefahren war, aber abends nicht nach Hause kam, machte ich mich als Kind auf den Weg, die Strecke nach ihm abzusuchen, ob er vielleicht irgendwo auf einer Parkbank vor sich hin dämmerte. Ich saß im Notarztwagen, als er nach einem seiner Herzinfarkte eingeliefert wurde. Und als er ein anderes Mal ausgerechnet in der Klinik des Leibarztes von Franz Josef Strauß in Kempfenhausen lag, fuhr ich allein immer mit der S-Bahn nach Starnberg und lief von dort zu Fuß zur Argirov-Klinik, um ihn zu besuchen. Denn Klinikaufenthalte waren für meinen Vater die Hölle, weil ihn die deutschen Ärzte und Krankenschwestern an seinen KZ-Aufenthalt erinnerten. Gestorben ist er dann mutterseelenallein im Bett daheim, als ich mit meiner Mutter zu Besuch in Paris war. Zu Lebzeiten hatte mein Vater immer gescherzt, dass meine Mutter sich anläßlich seiner Beerdigung sicher darüber beschweren würde, dass sie dafür so früh aufstehen muss. Und so war es dann auch tatsächlich.

Für meine Mutter, die zwischen den beiden Weltkriegen in einen Diplomatenhaushalt mit Domestiken und Haute-Couture hineingeboren wurde, aber später dann verarmt im Exil lebte, begann jetzt eine gute Zeit, in der sie nur noch für sich selbst sorgen musste. Nahezu dreißig schöne Jahre. Bis dann das Alter zuschlug. Sie war plötzlich auf einen Rollator angewiesen. Und sie, die nahezu jeden Tag in der Innenstadt einkaufen war, verließ plötzlich den Arabellapark nicht mehr. Im Rewe kaufte sie nur noch im Erdgeschoss ein und mied das Untergeschoss. Irgendwann verließ sie ihre Wohnung nicht mehr. Der Garten, den sie jahrzehntelang leidenschaftlich gepflegt hatte, wurde nicht mehr betreten. Dann fiel das Wohnzimmer weg. Und irgendwann verließ sie ihr Bett nicht mehr selbständig. 

Und so wie sich ihr Bewegungsfeld reduzierte, ließ auch ihre geistige Reichweite nach. Beginnende Demenz, die man als Sohn lange übersieht. Bis es dann nicht mehr ignoriert werden kann. Es beginnt mit dem schmutzigen Geschirr, das sich in der Spüle stapelt. Und dann findet man plötzlich, irgendwo versteckt, vollgeschissene Bettwäsche. Neun Jahre pflegten wir unsere Mutter daheim. Fütterten sie, wuschen sie, halfen ihr aufs Klo. Ein paar Jahre vor ihrem Tod stellte sie das Reden ein. Und wir kommunizierten nur noch über Blicke. Was soll man auch reden, wenn bei den intimsten Dingen plötzlich Mutter und Kind die Rollen tauschen. Und selbst mit Dritten zog eine Sprachlosigkeit ein, was meine Mutter betraf. Zu absurd war vieles. Etwa als die trockene Haut meiner Mutter immer mit Kokosnussöl eingerieben werden sollte. Ich zur gleichen Zeit eine Freundin hatte, die aufgrund ihrer Allergien Kokosnussöl als Gleitmittel nutzte. Und niemals zuvor oder danach ich etwas mit Kokosnussöl zu tun hatte, bis auf wenige Monate in dieser Konjunktion.

Sprachlosigkeit muss aber nicht zwingend schlecht sein. Mit meinem Bruder Dinu verstand ich mich auch ohne Worte. Wir sprachen kaum. Aber wir verstanden uns. Er war vielleicht der einzige, aber mit Sicherheit der letzte, dem ich mich nie erklären musste. Mit dem ich dieselbe Heimatlosigkeit teilte. Dabei waren wir grundverschieden. Er offen, freundlich, positiv. Ich verschlossen, misstrauisch, überkritisch. Wenn ich ihm eine böse Beobachtung zuraunte, plauderte er sie im nächsten Augenblick gegenüber dem Objekt meiner Kritik aus. Aber nicht etwa, um mich hinzuhängen, sondern um das Gespräch zu eröffnen. Und nie reagierte jemand böse auf meine weitergetragenen Bosheiten, weil die so entwaffnende Freundlichkeit meines Bruders selbst meiner Häme jede Schärfe nahm.

Ich bin mir nicht sicher, ob er mich tatsächlich erkannt hat, als ich ihn Mitte Oktober im Krankenhaus besuchte. Halb dämmerte er mit geschlossenen Augen vor sich hin. Bekam aber immer wieder durchaus mit, was um ihn herum geschah und äußerte sich dann plötzlich geistesgegenwärtig, mit dem ihm eigenen Schalk, um gleich darauf wieder wegzudämmern. Mal ein Auge geöffnet, mal beide Augen. Die „Rosenheim-Cops“ im Krankenhausfernseher verfolgend, die auch immer bei meiner Mutter liefen, als sie bettlägerig war.

An jenem Nachmittag in Wiesbaden war Dinu teilweise noch recht agil. Saß er erstmal im Rollstuhl, wusste er sich zu bewegen. Und als meine Schwägerin und ich eingetroffen waren, um ihn zu besuchen, trafen wir ihn erst einmal gar nicht an. Er war weder in seinem Bett, noch in seinem Zimmer oder gar auf der Station. Er war im Rollstuhl ausgebüxt. Und wir mussten das halbe Gebäude nach ihm absuchen, bis wir ihn dann im Erdgeschoss rollend fanden.

Als wir ihn später am Nachmittag, kurz bevor wir gingen, ein bisschen herumschoben, vermeinte ich auch zu hören, wir er mir ein „Dorinel“, kleiner Dorin, nachrief. Aber so leise, dass ich mir nicht sicher sein kann, ob er es tatsächlich rief. Ob er mich wiedererkannt hatte, einzuordnen wusste, in der grassierenden Unordnung seines Hirns.

Gemeinsam aßen wir noch etwas. Das Schlucken fiel ihm sichtlich schwer. Die Station hatte eigentlich auch verboten, ihm noch feste Nahrung zu geben. Aber er aß mit dem alten Appetit. Selbst wenn er sich dabei ständig verschluckte.

Das waren unsere letzten gemeinsamen Momente. Er durfte dann aus dem Krankenhaus noch ein paar letzte Wochen nach Hause, bevor er schließlich in einem Hospiz seine letzten Tage verbrachte und friedlich, in Anwesenheit seiner Frau, für immer einschlief.

(Foto mit der Barbie-Puppe: Peter Eising; Rest privat)

Mittwoch, 4. Dezember 2024

Feine erste Sätze (71)

„Dass ein Bayer nach Höherem strebt, ist nichts Besonderes.“

Bernhard Lohr in seinem Artikel über das Neue Schloss Schleißheim und dessen Erbauer Kurfürst Max Emanuel in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 4. Dezember 2024.