Freitag, 21. Februar 2020

R.I.P. Markus Schütz – oder: Falsche Freunde & ich (Updates)

Markus Schütz ist tot. Mit gerade mal 56 Jahren am 18. Februar dem Vernehmen nach an Krebs gestorben.
Die Meldung kam via Facebook, was ein trauriger letzter Witz war, denn kaum ein Kollege ist so wenig präsent im Internet gewesen wie Markus. Besser bekannt als „Falsche Freunde“, wobei der Plural eher den Anfängen geschuldet war, als er unter diesem Kampfnamen zusammen mit Gregor Wöltje im „IN München“ Klatsch & Tratsch verbreitete. Gregor wechselte bald zum großen Geld ins Agenturleben. Markus trank und schrieb alleine weiter.
Es müßte so Ende der 80er gewesen sein, als die beiden im Schlepptau des neuen Teilhabers Christian Waggershauser beim „IN“ aufschlugen. Ich war dann bald weg. Anfang September 1987 stand ich noch als verantwortlicher Redakteur im Impressum. (Ich kann mich nur erinnern, fester Freier gewesen zu sein. Diese Führungsposition ist mir vollkommen entfallen.) Ein Heft später war dann Markus laut Impressum verantwortlicher Redakteur und ich weg. Und zum Abschied schrieben die Falschen Freunde, dass ich kurz die Redaktion zum Zigarettenholen verlassen hätte und nie wiedergekommen sei. Stattdessen hätte ich mich einer „haschischspritzenden Kindersekte“ angeschlossen. (Markus bestritt dieses Zitat zu Unrecht später.)
Markus selbst blieb aber auch nicht lange verantwortlicher Redakteur des gesamten Blatts. Bereits im Dezember 1987 übernahm die Gesellschafterin und Redakteurin Heide Jefimov zusätzlich die Redaktionsleitung, während Markus wie auch gesondert „Die Falschen Freunde“ im Impressum nur als Mitarbeiter geführt wurden. Im Mai 1988 war Heide offenbar der Klatsch des „Spuckspechts“ („Prinz“ Mai/1995)  zu justiziabel geworden und sie blieb zwar weiterhin für das übrige Blatt redaktionell verantwortlich, aber Markus laut Impressum ausdrücklich verantwortlich für die Falschen Freunde. Im Juli 1989 wurde aus dem „Markus Schütz (verantw. für FALSCHE FREUNDE“ nur noch ein verantwortungsloses „Markus Schütz (FALSCHE FREUNDE)“. Zum Jahreswechsel 1989/1990 verschwand Markus dann für eine Ausgabe sogar völlig aus dem Impressum, um danach aber wieder zurückzukehren, als ob nichts gewesen wäre.
Ich zog bald endgültig nach Berlin und dieser Abstand tat mir gut. Als ich dann 2000 nach München zurückkehrte, lief mir auch Markus wieder über den Weg. Im Schumann's schüttete er mir einmal ein Pils über die Hose. Am legendären Faschingsdienstag im Stadtcafé sein Herz darüber aus, dass ihn so viele dafür hassten, dass er über sie schrieb.
Und zu meiner Überraschung lud er mich dann zu seinem 40. Geburtstag ein, den er nicht am 31. März, sondern bereits am 22. März 2003 in der Neumarkter Straße 77 vorfeierte und wo wir uns vielleicht nicht unbedingt aussprachen, aber von da an war zwischen uns Frieden.
Und er begann, wiederholt über mich in seiner Kolumne zu lästern. Ganz freundschaftlich. Denn das wollen die Wenigsten wahrhaben. Es ist ein Zeichen von Zuneigung und Aufmerksamkeit, von jemandem wie Markus aufgespießt zu werden.
Die „Falschen Freunde“ hatten inzwischen an Bedeutung verloren. Sonst wäre wohl dort auch mein Name nicht erschienen. Aber Markus hielt am alten Ruhm fest und träumte davon, seine versammelten Kolumnen einmal in einer Ausstellung präsentieren zu können. Dann stellten sie nach mehreren Anläufen seine Kolumne auch tatsächlich ein und Markus verschwand. Mit Sicherheit aus meinem Blickfeld und vielleicht sogar aus München. Ich wünsche ihm, dass die Gerüchte von der Erbschaft stimmen und er noch ein paar schöne letzte Jahre hatte. Und vielleicht finden wir einmal einen Raum, in dem wir all seine Kolumnen an die Wand klatschen und noch einmal feiern können.

Updates: Die Beerdigung findet laut Gregor Wöltje am 7. März um 10:00 auf dem Gemeindefriedhof Teisendorf statt. Am 31.3. - zu seinem Geburtstag - nehmen alle falschen und sonstigen Freunde Abschied im Baader Café.  (Abgesagt wegen der Corona-Ausgangsbeschränkung.) Gerne an alle weitersagen, die ihn kannten.

Gregors Nachruf in „In München“ erschien leider nur online und nicht im gedruckten Heft.

Best-of der falschen Freunde über mich:

„Völlig weggetreten ist unser ehemaliger Mitarbeiter Dorin Popa. Er wollte nur mal Zigaretten holen gehen und ward nie mehr gesehen. (Da hätten wir schon mißtrauisch werden sollen, er ist Nichtraucher!) Man munkelt, daß er sich einer haschischspritzenden Kindersekte angeschloßen hat, um dort in aller Ruhe sein Buch über O.W. Fischer am Kilimandscharo zu schreiben. Er selbst meint nur lakonisch, daß er keine 'unchristlichen Sachen' mehr machen wolle. Vielleicht wird er Pressesprecher des Vatikan. Ein Hosianna wünschen ihm die Falschen Freunde“ (IN München 41-42/1987)

„Gesund und munter zeigt sich derweil auch unser alter Kollege Dorin Popa, dem wir unlängst im Schumann's über den Weg gelaufen sind. Der inzwischen schon etwas ergraute Redaktionsrecke darf sich inzwischen als 'Blogger' in der Online-Version des Frauenmagazins Freundin austoben und hat uns dort auch prompt als seine liebsten Verleumder gelobt, weil wir ihm vor gut 20 Jahren unterstellt haben, sich einer 'haschischspritzenden Kindersekte' angeschlossen zu haben. Dem war natürlich nicht so, auch wenn wir uns manchmal fragen, ob das nicht doch seine wahre Berufung wäre. Na egal, wer mehr über Dorins zahllose Abenteuer lesen will, ist bei … bestens bedient.“ (IN München 11/2006)

„Dafür gönnen wir uns jetzt zur Entspannung ein gutes Buch – vorzugsweise erworben bei Dorin Popa, der nämlich in Schwabing in der Barer Straße 80 sein neues Projekt 100 Tage Bücher eröffnet hat. Und weil der ergraute Kulturpudel sein Herz für Pittbulls entdeckt hat, werden diese possierlichen Tierchen bei ihm auch mit Grissini und Ähnlichem abgefüttert. Da läuft niemandem mehr das Wasser im Maul zusammen als Euren FALSCHEN FREUNDEN“ (IN München vom 11. Oktober 2007)

„Wer sich dann noch über heftige Geräusche beim Besuch einer öffentlichen Grünanlage wundern sollte, erlebt dort wahrscheinlich keinen Platzhirsch beim Üben, sondern eher Dorin Popa beim Outdoor-Sexeln. Denn der exzentrische (um beim Thema zu bleiben) Literat und Buchexperte hat sich jetzt seitenweise in der Rentner-Postille 'Stern' über die Freuden des Sex im Alter ausgelassen und dabei auch seine Vorliebe für Open-Air-Veranstaltungen gebeichtet. Dass da Viagra mit im Spiel ist, haben wir schon immer vermutet, aber wie viele Promille seine Partnerin für solche Aktivitäten benötigt, würde uns bei Gelegenheit schon interessieren. Ansonsten wünschen wir ihm natürlich viel Spaß bei all seinen Aktionen und immer warme Unterwäsche, damit er sich nicht verkühlt. Willkommen also auf Wolke Neun!“ (IN München 19/2008)

„Eigentlich ist der Faschingsdienstag eine Pflichtveranstaltung im Stadtcafé, auch wenn die Preise regelmäßig auf Disconiveau angehoben werden. Dafür gibt es dann ein Wiedersehen mit Dorin Popa, der seine erotischen Ausflüge in den Englischen Garten jetzt auf die wärmere Jahreszeit verlegt hat und solange etwas imrpovisieren muss. Aber das Ergebnis kann man dann ja wieder im Stern nachlesen.“ (IN München 6/2009).

„Wenn ganz groß aufgetischt wird, und Schampus, Prosecco und Hochprozentiges in Strömen fließen, reagieren routinierte Partygänger gerne etwas misstrauisch. So gesehen bei der VIP-Premiere der neuen GOP-Produktion 'DeLuxe'. Für die Varieté-Show im edlen Ambiente hielten die Betreiber Profi-Adabeis und echte Beinaheweltstars wie Olivia Pascal und Max Tidof mit so viel Gratis-Trunk bei Laune, dass der Abend nichts Gutes erwarten ließ. Was für eine Täuschung: Kunstvoll verrenkte Nataliya Vasylyk ihren Schlangenkörper, und auch einige der Pointen passten. Star des Abends war jedoch ein Nachwuchstalent: Dorin Popa, Lesern dieser Kolumne bestens bekannt, schlug als nicht ganz freiwilliger Stargast aus dem Zuschauerraum den Conferencier im Schlabberlook um Längen an Schlagfertigkeit.“ (IN München 8/2009)

Mittwoch, 19. Februar 2020

Feine erste Sätze (48)

„Mit dem Coolsein ist es wie mit dem Einschlafen: Je härter man es versucht, desto weniger gelingt es.“

Streiflicht der „Süddeutschen Zeitung“ vom 19. Februar 2020.

Sonntag, 16. Februar 2020

Wochenplan (Updates)

Pressekonferenz „SchuldnerAtlas München 2019“ / Presseclub, Vernissagen „Radio-Aktivität – Kollektive mit Sendungsbewusstsein“ / Lenbachhaus, Toni Schneiders: „Schaut her!“ / Kunstfoyer und „Melkung mittendrin“ / Platform, , „1 Fuffziger für 1 Stunde Kreativität?“ Podiumsdiskussion von ver.di München mit Kulturexpert*innen von im Stadtrat vertretenen Parteien / DGB-Haus, Evaluation der DSGVO mit Joachim Herrmann / IHK, Literatur Live: Kathrin Wesslings Buchpremiere zu „Nix passiert“ mit Secret Act / Kulturbrauerei Berlin, „Die Haßkrieger sind wieder da – Vom neuen Rechtsextremismus und warum wir ihn nicht mehr los werden“ – Podiumsdiskussion mit Patrick Bahners, Ferdos Forudastan und Karolin Schwarz / Café Luitpold, „Pop the Nation!“ Das Nationale als Ressource und Argument in Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung / Bayerische Akademie der Wissenschaften, Kursbuch 200: „Revolte 2020“ München – die Kursbuch-Herausgeber Armin Nassehi und Peter Felixberger im Gespräch mit Michael Schild / Import ExportTweet-up mit SPD-Stadträtin Anne Hübner / Rathaus, TSV 1860 vs. 1. FC Magdeburg / Grünwalder Stadion, „Better Call Saul“ Final Season (Foto) / AMC

Montag, 10. Februar 2020

Wochenplan

Alfred Küng und Katharina Kuhlmann: Szenische Installation zum Brandanschlag auf das jüdische Gemeindehaus 1970. Pressekonferenz zur Installation am Gärtnerplatz / Jüdisches Museum, Vernissagen Sean Scully: „Early Prints“ / Galerie Klüser, Tanja Hirschfeld & Betty Mü: „Die Frau im Wolfspelz“ / Wabi Sabi Shibui und Verena Lederer & Jean Poix: „Bloom - Dinge, die geboren werden“ / Feierwerk Farbenladen, „Künstlerviertel Schwabing: Traumstadt oder Albtraum?“ Podiumsdiskussion mit Christian Ude, Wolfgang Ettlich, Renate Kürzdörfer und Lars Mentrup / Heppel & Ettlich, „Klimagerechtigkeit“ – Kevin Kühnert im Gespräch mit Charlotte Haunhorst/ Kammerspiele, Storytelling Night im Indie Cat Club / Prygoshin Bar, „The Royal Train“ / Werkstattkino, 3rd Anniversary & Winter Block Party / Bikini Mitte, „Wir feiern eins Komma fünf, 28, drei“ / Mucki & Floyd Pressevorführung „Narziß und Goldmund“ (Foto)

Sonntag, 2. Februar 2020

Wochenplan (Updates)

Avantgarde der Konformität: „Die Solidarität der Städte“ mit Mario Neumann (medico international) / Favorit-Bar, Andreas Etges: „Wie ein Vogel im goldenen Käfig: First Ladies im Weißen Haus“ / Amerikahaus, State of the Union, Siemens-Hauptversammlung / Olympiahalle, „Tatzelturm am Tatzelwurm: Kunst und Kultur brauchen Raum!“ – Informationsveranstaltung mit Florian Schönhofer und David Süß / Freimann, Vernissagen Diplomausstellung 2020 / Akademie der Bildenden Künste und „Beat in Schwabing“ / Pasinger Fabrik,  Trauergottesdienst Bruno Reich / St. Heinrich und Beerdigung / Waldfriedhof, Finest Spirits / MVG-Museum, TSV 1860 vs. SV Waldhof Mannheim / Grünwalder Stadion, 3 Jahre Bufet, 3 Jahre Bier und Wurst, „Bad Banks“ – 2. Staffel (Foto) / ZDF, „Homeland“ – Final Season / Showtime, The Oscars / Pro Sieben, Pressevorführungen „Helmut Newton – The Bad and the Beautiful“ und „The IP Man 4: The Finale“

(Foto: ZDF/Fabrizio Maltese)

Freitag, 31. Januar 2020

Münchner Kommunalwahl (8): Von einer mündlichen Verhandlung kann man absehen

Wie bereits erwähnt, haben die Piraten Bayern Anfang Dezember Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof erhoben sowie eine einstweilige Anordnung beantragt, weil sie es nicht nachvollziehbar finden, dass man bei der Kommunalwahl panaschieren, also seine Stimmen auf mehrere Parteien verteilen dürfe, aber dagegen bei den Unterstützungsunterschriften für die Zulassung kleinerer Parteien auf den Stimmzettel gezwungen sei, sich ausschließlich auf eine Partei zu beschränken.
Inzwischen hat laut der „Süddeutschen Zeitung“ auch MUT Bayern eine weitere Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof erhoben: „Die Art und Weise, wie in Bayern Unterstützungsunterschriften für neue Wahlvorschläge zur Kommunalwahl zu sammeln sind, ist verfassungswidrig“.
Diese Woche habe ich mich beim Verfassungsgerichtshof erkundigt, wie in der ersteren Streitsache nach zwei Monaten der Stand der Dinge sei. Der zuständige Referent antwortete mir: „Zu Ihrer Anfrage vom 27. Januar 2020 teile ich mit, dass beim Verfassungsgerichtshof unter dem Aktenzeichen Vf. 22-VII-19 eine Popularklage anhängig ist auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 Halbsatz 2 des Gesetzes über die Wahl der Gemeinderäte, der Bürgermeister, der Kreistage und der Landräte (Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz – GLKrWG).
Bisher wurde weder eine einstweilige Anordnung erlassen noch ist eine verfahrensabschließende Entscheidung ergangen. Auch ein Termin zur mündlichen Verhandlung, von dem der Verfassungsgerichthof im Übrigen absehen kann, wenn er eine solche nach der Sach- und Rechtslage nicht für geboten erscheint (Art. 55 Abs. 3 VfGHG), wurde bisher nicht anberaumt.“

Sonntag, 26. Januar 2020

Wochenplan (Update)

Max Brym liest aus „Mao in der bayerischen Provinz“ / Barrio Olga Benario, Anja Rützel liest aus „Take That“ / Volkstheater, Vernissagen „Auschwitz. Mahnmal. Heimat“ / BayernForum, Eckhart Schmidt: „L'aroma del bello“ / Galerie K-57 und „Ready for 2020“ – Kapsel 11 (Sung Tieu: „Zugzwang“) & 12 (Monira Al Qadiri: „Holy Quarter“) / Haus der Kunst sowie „Brainwashed“ / Sammlung Goetz, Sat.1-Presse-Event „Think Big“, Mitgliederversammlung PRO1860 / Gasthaus Gartenstadt,  Vladimir Korneev singt Weill / Jazzbar Vogler, Requiem und Trauerfeier Wolfgang J. Fuchs„Liberté“ (Foto) / Werkstattkino, Verleihung der Ernst-Hoferichter-Preise an Dana von Suffrin und Rudi Hurzlmeier / Literaturhaus, Tagung „Im Rausch“ / Evangelische Akademie Tutzing, „Bad Banks“ – 2. Staffel / ZDF-Mediathek, TO.mTO Corset-PopUp-Shop München / McArthur & McArthur Studios, „Reden wir über München“ mit den OB-Bewerber*innen Kristina Frank, Katrin Habenschaden und Dieter Reiter / Residenztheater, Super Bowl / Pro Sieben, Pressevorführung „Eine größere Welt“

Dienstag, 21. Januar 2020

Feine erste Sätze (47)

„Die Erinnerung ist eines der windigsten Gebäude, in denen der Mensch überhaupt Dinge einlagert.“
Streiflicht der Süddeutschen Zeitung vom 21. Januar 2020.

Sonntag, 19. Januar 2020

Wochenplan (Update)

Jahrespressekonferenz / Lenbachhaus, Jörg Fausers „Rohstoff“ – gelesen von Lars Eidinger (Mo-Fr 14.30 und 23.04 Uhr) / rbb Kulturradio, „Leider geschlossen. Museen als Pantheonswächter“ – Podiumsdiskussion mit Julia Friedrich (Museum Ludwig, Köln), Matthias Mühling (Lenbachhaus, München), Nora Sternfeld (Kunsthochschule Kassel) und Burcu Dogramaci (LMU) / CAS, Jahrespressekonferenz des Franz-Marc-Museum / Infopoint Museen & Schlösser in Bayern, „Wie bildet sich Freiheit? Auftrag und Realität öffentlich-rechtlicher Medien“ – Podiumsdiskussion mit Berthold Seliger, Susanne Kurz, Thomas Hinrichs und Horst Konietzny / Evangelische Stadtakademie, „Dein München. Deine Stimme. Aufstehen gegen Rechts!“ Townhall-Diskussion mit Katrin Habenschaden und Katharina Schulze / Harry Klein, „Die Kurden – Unterdrückung, Terrorismus und Verrat“ / ZDFinfo, Vernissage Cigdem Aky: „Step by Step“ / Super+Centercourt, Medienrealität live: „Wem gehören die Medien?“ Vortrag von Hendrik Theine / Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, München ist bunt: Demo „Gegen Antisemitismus - Wir stehen solidarisch zusammen“ / St.-Jakobs-Platz, „Babylon Berlin“ – 3. Staffel (Foto) / Sky, TSV 1860 vs. Eintracht Braunschweig / Grünwalder Stadion, Grammy Awards, Pressevorführungen „21 Bridges“, „Vergiftete Wahrheit – Dark Waters“, „Jenseits des Sichtbaren – Hilma af Klint“, „Russland von oben“ und „Die Känguru-Chroniken“

Freitag, 17. Januar 2020

Dorin Popa (6): Wahlkampf

Bei Google bin ich, wenn man Dorin Popa eintippt, nicht schlecht plaziert. Aber sobald man meinen Namen bei der Bildersuche eingibt, erscheinen überwiegend weit jüngere, weit muskulösere Namensvetter. Um da vielleicht endlich mal Abhilfe zu schaffen, werde ich jetzt hier wiederholt Bilder von mir posten. Vanity-SEO.

(Foto: Achim Frank Schmidt)

Mittwoch, 15. Januar 2020

Münchner Kommunalwahl (7): Immer auf die Kleinen

Neulich stand eine alte Bekannte vor der Bartür, eine kluge, vielseitig interessierte Politikertochter, die sich – selbst auf Partys – in klassischen wie sozialen Medien auf dem laufenden hält. Und sie hatte keine Ahnung, dass kleine Wahlverbindungen oder Parteien wie MUT Bayern erst einmal jede Menge Unterstützungsunterschriften brauchen, um überhaupt zur Kommunalwahl zugelassen zu werden. In München beispielsweise 1.000 für die Wahl des Münchner Stadtrats.
Und als ich über diese nächtliche Begegnung twitterte, antwortete der nicht weniger politische interessierte Ben Neudek: „Ich bedauere immer das sporadische Wissen über die Kommunalwahl. Dabei hat man bei ihr am meisten Gestaltungsspielraum. Dass man nur für eine Liste unterschreiben kann, habe ich erst im Rathaus erfahren.“
Dabei ist man auch dort oder im KVR nicht unbedingt besser informiert. Dass es am 17. Dezember, unmittelbar nach Öffnung der Eintragungsräume zu Pannen kam? Geschenkt! Aber Wochen später, Anfang Januar, kam es immer noch vor, dass jemand für die DiB*Piraten unterschreiben wollte und daraufhin erst einmal mit der Begründung abgewiesen wurde, dass das nicht möglich sei. Da unnötig, weil die Piraten doch seit 2014 bereits im Stadtrat säßen. Nicht ganz falsch. Nur wechselte Thomas Ranft von den Piraten in der Legislaturperiode zur FDP. Und der müßige Zwang zum Sammeln von Unterstützungsunterschriften entfällt beispielsweise nur, wenn eine Partei oder Wählergruppe über die gesamte Legislaturperiode bereits im Stadtrat saß.
„Wahlvorschläge von neuen Parteien oder Wählergruppen benötigen die zusätzliche Unterstützung von Wahlberechtigten“, schreibt das Wahlamt. Wobei neu sich nicht auf das Datum der Partei- oder Listengründung bezieht, sondern eher ein mandatsbezogenes Senioritätsprinzip meint.
„Neue Wahlvorschlagsträger sind Parteien und Wählergruppen, die im Gemeinderat oder im Kreistag seit dessen letzter Wahl nicht auf Grund eines eigenen Wahlvorschlags ununterbrochen bis zum 90. Tag vor dem Wahltag vertreten waren.“ Art. 24 (1) BayGLKr
Parteien, die im Landtag, Bundestag oder Europaparlament sitzen, dürfen bei der Kommunalwahl auch ohne Unterschriftensammlung antreten, weil die nötige Verankerung in der Gesellschaft damit belegt sei. Vorausgesetzt, sie nehmen eine zusätzliche Hürde, denn das Mandat allein reicht bei weitem nicht.
„Neue Wahlvorschlagsträger benötigen keine zusätzlichen Unterstützungsunterschriften, wenn sie bei der letzten Landtagswahl oder bei der letzten Europawahl mindestens fünf v.H. der im Land insgesamt abgegebenen gültigen Stimmen oder bei der letzten Bundestagswahl mindestens fünf v.H. der im Land abgegebenen gültigen Zweitstimmen erhalten haben.“ Art. 27 (1) BayGLKr
Pech für „Die Partei“, die trotz ihrer beiden MdEP, Martin Sonneborn und Nico Semsrott, offenbar nicht ausreichend in der der honorigen Gesellschaft verankert ist und 1.000 Unterschriften in der Unterstützungsliste sammeln muß, um bei der Kommunalwahl am 15. März für den Münchner Stadtrat antreten zu dürfen. Persönlich habe ich noch keine Wahlwerber der „Partei“ erlebt, aber dem Vernehmen nach wurden einige von ihnen vor dem Kreisverwaltungsreferat wie am Marienplatz gesehen, um Passanten und Behördenbesucher anzusprechen und zu einer Unterschrift zu bewegen.
Am Kreisverwaltungsreferat sind nahezu jeden Vormittag auch Mitglieder der DiB*Piraten vor Ort, um Flyer zu verteilen, die die Münchner für eine Unterschrift gleich vor Ort gewinnen sollen.
Die bunteste Mischung findet man aber vor der Stadtinformation im Rathaus, wo etwa Vertreter der Tierschutzpartei, München-Liste oder Wahlliste ZuBa – Zusammen Bayern (nicht im Bild) recht einvernehmlich nebeneinander um Unterstützer buhlen.

Vom Kreisverwaltungsreferat und dem Wahlamt als neutrale Ausrichter der Kommunalwahl oder der Fachstelle Demokratie als Wahlwerber würde man erwarten, dass sie sich neutral verhalten oder gar aktiv ihrer Aufklärungspflicht nachkämen. Bei MUT Bayern hat man die gegenteilige Erfahrung gemacht. Um die 1.000 Unterschriften zu erreichen, setzen die Politiker*innen um Claudia Stamm und Stephanie Dilba auf eine Plakatkampagne für die seit 17. Dezember laufende Unterschriftensammlung. Doch kamen die Wahlplakate erst dieser Tage mit Verspätung zum Einsatz, weil – wie man hört – das Kreisverwaltungsreferat sich bei der Genehmigung Zeit gelassen hätte…

Update vom 17. Januar 2020
Inzwischen hängen auch Plakate, mit denen „Die Partei“ in München um Unterstützungsunterschriften bittet.

Update vom 20. Januar 2020
Marion Ellen aka BayernDrache in einem Facebook-Beitrag ausführlich über die bürokratischen Erschwernisse beim Sammeln der bis zu 1.000 Unterstützungsunterschriften, um die Zulassung zur Kommunalwahl überhaupt erst zu erlangen…
Update vom 26. Januar 2020
Volt, die seit Dezember weitflächig in München ihre Standardplakate verbreitet haben, als ob ihre Zulassung zur Kommunalwahl schon feststünde, haben sich inzwischen besonnen und angefangen, darauf hinzuweisen, dass man doch bitte für sie unterschreiben solle…