Freitag, 14. September 2007

GEZ und die Rundfunkanstalten lassen nicht locker

In den letzten Wochen wurde kolportiert, daß den Rundfunkanstalten die Zensurmaßnahmen der GEZ gegen das Webportal akademie.de peinlich wären. Spiegel Online zufolge wurden zwar tatsächlich die absurdesten Vorwürfe zurückgezogen und das Verfahren von der GEZ an den SWR abgegeben, aber die offenbar von den Jubelarien ihrer hauseigenen Journalisten verwöhnten öffentlich-rechtlichen Sender wollen den Medien per Abmahnung weiterhin vorschreiben, wie der Rundfunkgebühren-Staatsvertrag zu interpretieren ist.
Update: Akademie.de plant laut Heise jetzt eine negative Feststellungsklage gegen den SWR.

Donnerstag, 13. September 2007

The Sixth Senf

„I see dead people“...

Paris Burlesque Revue

Gentry Lane, Bloggerin der ersten Stunde, als Amerikanerin an der Seine Directrice eines wunderbaren Dessous-Labels in Paris und so verrückt, wie es mir gefällt, ist offenbar nicht ausgelastet und bittet nächste Woche zur Burlesque Revue ins Divan du Monde: Not since Josephine Baker hit the boards has Paris seen a show like the Gentry de Paris Burlesque Troupe. We have tap dancers and fan dancers, peacock feathers and rose petals, electro Django gypsy jazz from the *amazing* Caravan Palace, plus the King of Parisian Nightlife and Dandy Supreme, Monsieur Nicolas Ullmann to host the festivities.
And imported for your pleasure from the US of A, Burlesque's most scintillating stars: Vienna Le Rouge, Tana the Tattooed Lady and Bettina May.
Plus we have drink specials, Virginie Notte's Modern Pin-Up photo exhibit and book launch, Nikola Acin and his Stellar Sideburns will spin swinging tunes before and after the show, plus the chance to get your photo taken with the stars.

Da werde ich wohl stattdessen in der Barer Straße sitzen und Kisten auspacken...

DSF, MTV und noch mehr Sender via www

Dank Eye-TV kann ich mit meinem PowerBook schon wunderbar mobil fernsehen oder wie gestern parallel auf dem Rechner die Rumänen Fußball spielen sehen und vor dem Fernseher „Desperate Housewives“ und „Grey's Anatomy“ gucken. Aber das funktionierte bislang nur mit den Mainstream-Sendern wie ARD, ZDF, Pro Sieben & Co, die auch terrestrisch ausgestrahlt werden.
Jetzt kann ich aber endlich auch Kabelsender wie MTV, Comedy Central oder die 60er-Spiele auf DSF gucken – dank der Fernsehplattform Zattoo, die nun auch die deutschen Web-User bedient. Klingt gut, werde ich gleich mal ausprobieren. (via „Financial Times Deutschland“)

Update: Zattoo bringt jetzt auch die Programme von arte, 3sat, ARD, ZDF, den 3. Programmen wie NDR, WDR, RBB etcetera als Online-Stream!

Vintage bei American Apparel

H&M hat bereits vor ein, zwei Jahren damit angefangen und nun setzt auch American Apparel auf das Geschäft mit alten Klamotten: Morgen abend eröffnet der global player in der Kölner Maastrichter Straße 36 „California Vintage“ ein neues Ladenkonzept, in dem „eine Kombination aus auserwählter Vintage Kleidung und einzigartigen American Apparel Musterstücken“, geführt wird, „die es bald darauf in allen Retail Stores weltweit zu kaufen gibt.“ Bei dem Durchschnittsalter der AA-Klientel verstehen die wahrscheinlich unter Vintage die Kollektionen der neunziger Jahre, aber genaueres wissen wir morgen. Da ich gerade aus München nicht weg kann, habe ich meine Einladung an Les Mads weitergeleitet. Mal sehen, was die übermorgen berichten werden.

Updates: Den Mädels hat's gefallen.

In Berlin-Mitte hat inzwischen ein weiterer „California Select – Vintage and More“ eröffnet, in der Alten Schönhauser Straße 41.

MTV stößt in München auf Widerstand

Unsere schöne Landeshauptstadt blickt auf zwei Traditionen zurück, eine religiöse und eine rebellische, und ausgerechnet den MTV Europe Music Awards (EMA) droht derzeit, von beiden radikalen Strömungen unterspült zu werden. In subversiven Maillisten kursiert gerade ein Aufruf, die weltweit ausgestrahlte Veranstaltung (letztes Jahr über 1,4 Milliarden Zuschauer in 179 Ländern) für eine Demonstration gegen Schäubles Überwachungspläne zu nutzen, denn – so der gewagte wie phantasiereiche intellektuelle Dreisprung: Überwachung – Paparazzi – MTV EMA! Größeres Gewicht hat wohl der Einspruch des Erzbistums München gegen den Tanz um die goldenen Awards. Denn MTV plant die Party in der Olympiahalle ausgerechnet am 1. November abzuhalten. Allerheiligen, wenn in unserer schönen Stadt Tanzverbot herrscht und in Räumen mit Schankbetrieb musikalische Darbietungen untersagt sind: „An den stillen Tagen sind öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen nur dann erlaubt, wenn der diesen Tagen entsprechende ernste Charakter gewahrt ist.“ Eine Verwaltungsvorschrift, die derart verstaubt und reaktionär ist, das sie schnellstens abgeschafft gehört. Zwar sind Ausnahmen zugelassen: „Die Gemeinden können aus wichtigen Gründen im Einzelfall von den Verboten der Art. 2, 3 und 4 Befreiung erteilen“. Aber so lange uns Münchnern am 1. November das Feiern verboten wird, stellt die Ausnahmegenehmigung des sonst in solchen Fällen immer wieder Bußgelder verhängenden Kreisverwaltungsreferats einen bigotten Skandal dar, und die katholische Kirche genießt meine vollste Sympathie, dagegen gerichtlich vorzugehen. Party für alle – oder gar nicht.
Updates: Laut der Münchner „Abendzeitung“ prüft nun das bayerische Innenministerium, „warum die Stadt eine Befreiung vom Gesetz erteilt hat – und wie sie diese begründet. Wirtschaftliche Interessen reichen niemals aus.“
Auf einer „eilig einberufenen Pressekonferenz“ erklärte das Kreisverwaltungsreferat laut der
„Süddeutschen Zeitung“ ,
„dass es keinen Ärger mit der Kirche wünsche. Man habe sich die Angelegenheit wohl überlegt: 'Das Feiertagsgesetz ist ein sehr wichtiges Gesetz, darüber sind wir uns einig mit der Kirche, wir ziehen an einem Strang', so Horst Reif als stellvertretender Kreisverwaltungsreferent. ' Richtig ist aber auch, dass Artikel 5 die Regelung vorsieht, Ausnahmen zuzulassen.' Eine internationale Veranstaltung dieser Größenordnung sei vergleichbar mit der Weltmeisterschaft oder der Olympiade.“

Mittwoch, 12. September 2007

Explicit: Internet klärt kaum auf

Heute hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ihre Repräsentativerhebung 2007 zum Verhütungsverhalten Erwachsener vorgestellt, und es hat mich doch überrascht, wie wenig das Internet zur Aufklärung beiträgt. Etwaige Kenntnisse über Empfängnisverhütung verdanken gerade mal 16 Prozent dem Internet, womit es immer noch weniger Bedeutung als Bücher (42%), Aufklärungsbroschüren (35%) oder Schul- und andere Vorträge (23%) hat. Daß „Bravo“ und andere Printtitel mit 45 Prozent weit vorne liegen, war dagegen zu erwarten. Spitzenreiter mit 65 Prozent sind „Gespräche mit Freunden, Verwandten, Bekannten“. Online-affiner sind offenbar junge Männer, die zu 29 Prozent per Computer aufgeklärt werden. Aber wahrscheinlich halten die es schon für Empfängnisverhütung, wenn bei den Pornoanbietern ins Gesicht und auf die Brüste abgespritzt wird...

Fast Food Vitamine oder: wie man Äpfel verkauft

Kommendes Frühjahr ergänzt Burger King sein Sortiment um „Fresh Apple Fries“, pommesartig geschnittene Äpfel, die in der Pommes-Schachtel verkauft werden – wenn auch ohne Mayo oder Ketchup. Vom Erdapfel zum Apfel. So bescheuert, daß es fast schon wieder gut ist.

Tête-à-tête mit dem Basic-Vorstand

Etwas über zwei Stunden saßen heute morgen unter anderem die Vorstandmitglieder Josef Spanrunft und Johann Priemeier von der Bio-Supermarktkette Basic mit Vertretern von attac, dem Sozialforum und mir zusammen. Den ganzen Vormittag wurde der Einstieg der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) bei ihnen diskutiert, und bei aller Kommunikationsbreitschaft läuft es darauf hinaus, daß die Schwarz-Gruppe beteiligt bleibt und wir weiter dagegen agitieren werden. Der von Thomas Knüwer – auch nur vom Hörensagen – verbreiteten Behauptung, daß nur etwa sieben Prozent der Basic-Anteile vinkulierte Namensaktien wären, widerspricht aber der Basic-Vorstand entschieden. Hundert Prozent der Aktien seien vinkuliert, ein Kauf nur mit Zustimmung des Vorstands möglich und der Verkauf weiterer Anteile an die Schwarz-Gruppe daher nicht möglich. (alle Beiträge zum Thema)

Burda läuft – Keiner sieht's?

Leeres Stadion, großes Hubert Burda Media – ist das alles, was es vom gestrigen Mitarbeiterevent im Olympiastadion zu sehen gibt? Letztes Jahr wurden wenigstens noch der schöne Marcel, Playboy-Bunnies und gut gelaunte Mitarbeiten aufgeboten, von den Sportlern ganz zu schweigen...

Blogparade: Was ist Heimat? (2)

In Yoda's Blog forderte Roman Hanhart gestern dazu auf, sich mit dem Heimatbegriff auseinanderzusetzen. (Update: Hier ein erster Zwischenbericht zum Feedback.) Ein schöner Anlaß, zwei Artikel von mir wieder auszugraben. Dieser hier über Urlaub daheim ist erstmals am 2. August 1998 im „Tagesspiegel“ erschienen, als Berlin bereits acht Jahre meine Wahlheimat war. In leicht gekürzter Form hat ihn dann auch das „Sympathie Magazin“ in seinem Themenheft „Tourismus“ 1999 nachgedruckt.

Heimat, so sagt man, ist da, wo man nie ins Museum geht. Wo man den Tierpark nicht besucht und den Fernsehturm nur von unten kennt. So betrachtet, fällt es nicht schwer, ein Berliner zu sein. Gerade, wenn man erst als Erwachsener zugezogen ist, und der Phalanx der Museen, Parks und Sehenswürdigkeiten, der Wannseebootsfahrt und Funkturmbesteigung niemals en famille oder im Klassenrudel ausgeliefert war. Nun bliebe einem alle Zeit, Berlins Pretiosen irgendwann einmal kennenzulernen, denn (vielleicht mit Ausnahme des Palasts der Republik): Alle diese schönen Steinquader und Zierwiesen, Breughels und Dampfmaschinen würden morgen noch da sein, ich würde auch noch da sein, warum sich also heute damit beschäftigen, im Wust von Arbeit und Alltagstrott, Tête-à-têtes und Verpflichtungen? Keine Zeit? Nein, allezeit könnte man sich dem widmen und damit irgendwann, nie. Und sich weiter geschlossenen Auges heimisch fühlen.

Dann waren plötzlich Ferien. Urlaub in Berlin statt einer Abenteuertour, Schnäppchenreise oder Lebemanns Städtetrip zwischen Grand Palais und Croisette. Zuhausegeblieben, weil potentielle Reiseziele in Israel oder am Schwarzen Meer von diesem Provinzflughafen aus nur bei ausreichender Vorplanung bezahlbar, wenn überhaupt erreichbar sind. Möglicherweise auch die Selbstbeschränkung auf das Pauschalarrangement Balkonien-Berlin-Brandenburg, um Geld zu sparen. Vor allem aber, um den verplanten Arbeitsmonaten nicht eine ebenso generalstabsmäßig arrangierte Urlaubswoche entgegenzusetzen. Einfach mal hierbleiben, nichts planen, nichts tun. Schlichtweg Urlaub in Berlin machen.

Hin und wieder grenzen Wunder an Wahnsinn - oder kleine Verrückheiten wie jener, sich an einem frühen Abend an den Kurfürstendamm hinzustellen. Ein Donnerstag oder Freitag sollte es sein, zwischen 19 Uhr 30 und 20 Uhr 30, zu der Stunde, da die Einkaufsbummler noch beim Shoppen sind, die Übereifrigen gerade eben erst aus den Büros strömen, die ersten Kinogänger zu den Filmpalästen streben, die letzten Theaterbesucher in die Komödie eilen oder ins Theater des Westens, Restaurants sich füllen und die Zeitungsverkäufer Position beziehen. Da, zwischen den Schlagzeilen von morgen und den letzten Erledigungen von heute, öffnet sich einem die Stadt, vermeint man, ihren Herzschlag zu spüren.

Dabei darf man keinesfalls mitpulsieren, Fußmärsche absolvieren, einen Schaufensterbummel machen oder sich gar ins Café setzen und damit distanziert abtauchen. Einfach stehenbleiben, auf einer Höhe mit den Passanten, Flaneuren, Bummlern, warten und den Strom an sich vorbeiziehen lassen, ein Bad in der Menge nehmen. Sich Zeit nehmen für Berlin und seine Menschen, Gästen wie Einwohnern.

Sie werden sich in diese Stadt verlieben, ein Berlin entdecken, spüren, das weit schicker, charmanter und besser gelaunt ist, als die Presse sonst immer behauptet. Und selbst die schmuddelige Teilmenge als ehrlich, schlicht, authentisch erleben, als Teil eines Ganzen.

Für Salomons Bagel ist es jetzt zu spät. Aber an einem anderen Tag, wenn man sich in die Boutiquen, Kaufhäuser und Flagshops hineinwühlt, von den klassischen Klängen in King's Teagarden zum Housebeat bei Diesel treiben läßt, Hallhuber und GAP erobert, nicht um seinen Wäscheschrank aufzufüllen, sondern um zu sehen und zu fühlen, welche Schnitte, Stoffe, Farben in der nächsten Saison angesagt sind, um zu erleben, wer in Berlin so alles als Verkäufer, Verkaufsberater, Modeconsultant jobbt, arbeitet, sich selbst verwirklicht, und vor allem, um den Verpackungskünstlern von Esprit bei ihrem bunten Treiben zuzusehen, nach ein paar Stunden zwischen Tauentzien und Kurfürstendamm sollte man sich zu Salomons Bagel in die Joachimsthaler Straße retten und auswählen: Ob man nun lieber einen süßen, fruchtigen Bagel (Erdbeer!) haben will oder doch eher klassisch (mit Lox & Cream). Ob man auf dem Podest im Schneidersitz von Marrakesch träumen, mit netten Globetrottern ins. Gespräch kommen oder zu einer Studentenfete am Siegmunds-Hof eingeladen werden möchte.

Sich treiben lassen. Das fällt leichter, wenn man sich die Stadt zu Fuß erobert (würde man es in Prag, Rom oder London anders machen?). Täglich den Bezirk wechselt. Eingefahrene Wege verläßt. Und dafür jeden Tag meint, sich in einer neuen Stadt, einem neuen Land zu befinden. Auf den wenigen Metern zwischen Gendarmenmarkt und der Museumsinsel kann man in der menschenleeren blauen Stunde Zwiesprache mit den geschichtsträchtigen Jahrhunderten halten und ihren kapitalen kontinentalen Zauber spüren, gerade wenn der unvermeidliche Saxophonspieler mal nicht auf der Friedrichsbrücke steht.

Ost, Süd-Ost dagegen am Maybachufer, wenn Dienstag und Freitag mittag der Markt beginnt. Indienfahrer mit ihren Räucherstäbchen, türkische Marktleute, russische Großfamilien, Kreuzberger Fundis, polnische Autohändler und der Trommelwirbel eines grünen Wahlkampftrupps. Stunden kann man in der Ankerklause an der Kottbusser Brücke vertrödeln, mexikanisch frühstücken, dem orientalischen Markttreiben zusehen, den Pariser cheap chic von Tati gegenüber im Blickwinkel haben, kaum ein Wort Deutsch hören und vollkommen vergessen, ob man nun in Istanbul, Paris oder doch nur zwischen Neukölln und Kreuzberg weilt.

Sein ganz persönliches Sylt findet man im Zoo, dieser zweifelhaften Vergnügungsstätte, die man mit einem schlechten Gewissen betritt und meist im kindischen Geisteszustand wieder verläßt. Eingesperrte Tiere bleiben, was sie sind – so viel Mühe sich auch jede Tiergartenverwaltung geben mag. Und der Hospitalismus all der geschundenen Kreaturen läßt sich auch im Zoo nicht übersehen.

Doch dann wird das Mitleid durch ganz andere Gefühle abgelöst, hinter dem neurotischen Hin und Her das Lebewesen entdeckt. Es fröstelt einen, wenn man der Raubkatze ins Auge blickt, im Affenhaus kommen brüderliche Gefühle auf und angesichts des nur durch eine Glasscheibe von uns getrennten Nilpferdbabys fühlt man sich mindestens ebenso tapsig, treudoof, toll. Dann noch zum Tierkinderzoo, wie man dort die in Großstädten überlebenswichtige therapeutische Einrichtung eines Streichelgeheges nennt, wo keineswegs nur Gören noch leibhaftige Haustiere sehen, streicheln, herzen und sogar füttern dürfen.

Unmittelbar dahinter liegt die Strandvoliere, das kleine Charlottenburger Seeidyll. Ich weiß nicht mehr, ob das nun Seeschwalben, Goldammern oder irgendwelche Strandläufer waren, da ich urlaubsbedingt ganz ohne Reporterblock das Vogelparadies genossen habe. Mit Sicherheit kann ich mich aber an kein abgeschiedeneres, kein romantischeres Plätzchen in unmittelbarer City-Lage erinnern. Vormittags und nachmittags soll eine sedative Wellenanlage in Betrieb sein, mir hat bei meinen Besuchen am frühen Abend die Bewegung der Vogelkolonie völlig genügt. Man betritt die Voliere, nimmt auf Tuchfühlung mit den Tieren Platz und hat ein fesselndes Programm vor Augen: Dallas auf der Düne, ein verästeltes Balz, Kampf-, Sozialverhalten, in dem man rasch kurz- und lang, rot- und schwarzschnabelige Arten unterscheidet, und dann bei all den Flugmanövern, Tauchgängen und Sandspielen allmählich auch Jung und Alt, Chefs und Mitläufer, Sammler und Saboteure identifiziert.

Nahezu ebenso spannend kann ein Abend, der Donnerstagabend im Far Out sein, der altgedienten Ku'damm-Disco neben der Schaubühne, die ich nach zwölfjähriger Pause wiederbetreten habe, wie ein Tourist an eine Stätte früherer Vergnügungen zurückkehrt. Die Mas und Swamis haben die gleiche Metamorphose durchgemacht, wie sie unberührten Strandabschnitten und ländlichen Geheimtips widerfährt – man selbst ist auch nicht vor Erleuchtung strahlend geblieben, geschweige denn jünger geworden.

Aber es bleibt noch immer Berlins einziger Club, vor dessen Einlaß man gern, weil entspannt und in freundlicher Gesellschaft Schlange steht. Das Barpersonal setzt seinen besorgten Blick auf, wenn man Wodka pur ordert. Und die Gäste sind jung, gut gelaunt, international gemischt, promiskuitiv – eben all das, was man sich im Urlaub wünscht. Nur der DJ will einen mit Gewalt an neudeutsche Tugenden erinnern und legt Guildo Horn auf.

Beim Thema Jugendkult bietet sich auch die Gelegenheit an, nicht nur wie auf einer Reise das Fremde in der eigenen Stadt zu suchen, sondern die typische Szene, das konzentrierte Berlin zu erleben, wie es sich jeden ersten Sonntag im Monat im Glashaus der Treptower Arena ergibt. Beim Marlboro US Breakfast Club versammelt sich zwischen 11 und 17 Uhr alles, was vom Saturday Night Fever übrig geblieben ist oder schon wieder bei Sinnen ist, Berufsjugendliche und Tag- & Nachtschwärmer, die zum Brunch schon aufpushende Beats hören und vielleicht sogar dazu tanzen wollen. Das passende, kompromißlos individualistisch komponierte Outfit findet man vielleicht auf dem Flohmarkt nebenan.

In welche Kategorie fallen nun die Museen? Fremde oder Heimat? War es der lang aufgeschobene lokale Pflichttermin, endlich auch einmal den Hamburger Bahnhof und die Sammlung Berggruen abzuhaken, da der bildungsbürgerliche Stoßverkehr nachgelassen hat? Oder war es nicht viel eher ein Entweichen in andere Dimensionen? Der Hamburger Bahnhof: ein einziges Déjà-vu mit Namen, Serien, Arbeiten, wie man sie im letzten Jahr, im letzten Monat, letztendlich immer wieder in Köln, Chicago, München gesehen hat.

Der Stülerbau dagegen wie eines dieser kleinen verwunschenen Privatmuseen, wo man sich gar keinen Massenandrang vorstellen kann, und sich nicht in einen Picasso, Giacometti oder Matisse verliebt, sondern in eine grüne Allee, einen Farbrausch, eine Silhouette, bei der man sich vornimmt, auch nach dem Urlaub einmal die Woche wiederzukehren und inne zu halten.

Wie man auch mittags in die Ankerklause statt in die Kantine gehen wollte oder zu den Strandvögeln. Fromme Wünsche, keine Zeit, allezeit. Aber diesen Herbst mache ich wieder Urlaub zwischen Pavianfelsen und Plötzensee.

Blogparade: Was ist Heimat? (1)

In Yoda's Blog forderte Roman Hanhart gestern dazu auf, sich mit dem Heimatbegriff auseinanderzusetzen. (Update: Hier ein erster Zwischenbericht zum Feedback.) Ein schöner Anlaß, zwei Artikel von mir wieder auszugraben.

Ein Cappuccino von Starbucks, das Sommerkleid von Zara, die neuesten Intrigen der „Desperate Housewives“: Viele lieb gewonnenen Dinge gibt's auch da, wo immer man gerade hinreist. Die Welt ist zum globalen Dorf geworden, in dem man sich ganz gut zurechtfindet, egal ob man in Lausanne oder London, München oder Mannheim gelandet ist. Heimisch fühlt man sich deshalb noch lange nicht. Dabei ist Heimat wichtiger denn je. In der rasanten Gegenwart werden Arbeitsplätze, Beziehungen und Wohnorte immer schneller gewechselt. Die wenigsten können mit einiger Sicherheit voraussagen, wo und mit wem sie alt werden. Für 56 Prozent der Deutschen hat Heimat im Zeitalter der Globatisierung an Bedeutung gewonnen,
ermittelte eine Emnid-Umfrage (pdf). „Zukunft braucht Herkunft“, betont auch der Philosoph Odo Marquard. Seine These: Die wachsende Mobilität schwächt den Gemeinsinn und macht einsam – ein Defizit, über das prägende Erinnerungen, etwa an die Eltern oder vertraute Rituale aus der Kindheit, hinweghelfen können.

Für die einen liegt dieses unverwechselbare Stück heile Welt im Schoß der Familie. Für andere ist es der vertraute Ort ihrer Kindheit. Bei einer weiteren Emnid-Umfrage beantworteten nur elf Prozent die Frage nach ihrer Heimat mit Deutschland. Die überwältigende Mehrheit dachte zuerst an die Familie, an Freunde oder den Heimatort – die nähere Gemeinschaft, in der man Geborgenheit und Wärme erlebt hat.

Es gibt eine neue Heimatbewegung. Die Menschen sind wieder auf ihre Herkunft neugierig und bekennen sich zu ihren Wurzeln. Mit vor Stolz geschwellter Brust trägt man Shirts, auf denen der Name des Geburtsorts oder des eigenen Stadtteils steht. Stammbäume feiern Renaissance: Sie bieten Gesprächsstoff zwischen den Generationen und führen häufig weit entfernte Verwandte zusammen. Internet-Dienste, mit deren Hilfe man verloren geglaubte Schulfreunde wiederfinden kann – wie Stayfriends –, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Im Großraum Düsseldorf zählen Ortswappen zu den beliebtesten kostenpflichtigen Handy-Logos.

Der Kontakt zu Verwandten, Freunden und Nachbarn bietet nach Ansicht des Diplom-Psychologen Heiko Ernst die beste Möglichkeit, das Heimatgefühl zu stärken: Netzwerk statt Fachwerk, persönliche Kontakte statt bloßer Postkartenidylle. Erstaunlich, wie vertraut man sich sofort wieder ist, auch wenn man sich zehn Jahre oder länger nicht mehr gesehen hat. Fast wie beim Wiedersehen mit der ersten großen Liebe.

Heimat ist nicht unbedingt die erste, aber sicherlich eine der beständigsten Liebesbeziehungen. Sie stillt die Sehnsucht nach Sicherheit, denn sie kommt uns vor wie ein Refugium, das immer auf uns wartet. „Wer ein gutes Selbstgefühl hat, der hat Heimat“, so der Psychoanalytiker Paul Parin.

Meist wird der Wert von Heimat erst richtig wahrgenommen, wenn man sich von ihr entfernt hat. Wenn der Wald vor der Tür des Elternhauses plötzlich Hunderte von Kilometern entfernt ist. Ebenso wie das gute Brot, das es immer beim Bäcker gab, oder die Grillabende mit den Nachbarn. Manchmal genügt schon ein kurzer sinnlicher Reiz, um Heimatgefühle zu wecken. Es kann die Grenzenlosigkeit des weiß-blauen Himmels an einem lauen Frühlingstag sein. Kuchengeruch, der durchs Treppenhaus zieht. Das Rattern einer Straßenbahn. So kann man sich auch plötzlich in London oder München heimisch fühlen, bloß weil ein Tourist im altvertrauten Dialekt redet oder man auf dem Flohmarkt die Schallplatte entdeckt, die man sich als erste vom Taschengeld gekauft hat.

Erschienen in der „freundin“ 7/2006.

Dienstag, 11. September 2007

Kathrin Passig und ihre Kohlenstoffwelt

Ihre Reiseziele suche sie bisweilen danach aus, „ob diese der grafischen Umgebung ihrer liebsten Adventure-Spiele ähneln. Die Welt hienieden nennt sie schon mal «Kohlenstoffwelt». Digital ist besser. Il faut être absolument technophil. Und doch hat auch Kathrin Passig nicht auf jede Frage eines Computer-Laien die Antwort aus dem Effeff.“ Rene Aguigah porträtiert für „Literaturen“ die Bachmann-Preisträgerin von der Zentralen Intelligenz Agentur (via Magazinrundschau)

Wedekind im Web

Zuletzt wurde sie immer wieder für diverse neue Printtitel in München gehandelt, davor hat sie für den Axel Springer Verlag ein Blatt entwickelt, das als „40 plus“ gehandelt wurde, ein Magazin für Frauen in den besten Jahren. Nun macht Beate Wedekind, ehemalige Chefredakteurin von „Bunte“ und „Elle“, Gründerin von „Gala“ sowie Zeremonienmeisterin bei Springer („Goldene Kamera“, „Ein Herz für Kinder“, „Goldenes Lenkrad“) mit einer Textanzeige bei Turi auf ihren Blog aufmerksam: Frauen50plus. Beschäftigungstherapie oder virale Vorbereitung für das ursprünglich geplante Heft?

Die Web-Trends der nächsten zehn Jahre

In seinem Blog hat Richard MacManus „10 Future Web Trends“ mit viel Quellenmaterial vorgestellt:
  1. Das semantische Web
  2. Künstliche Intelligenz
  3. Virtuelle Welten
  4. Web per Handy
  5. Verwaltung der Aufmerksamkeit
  6. Die Website als Web-Service
  7. Online-Video/IPTV
  8. Intuitive Benutzeroberflächen
  9. Die Internationalisierung des Webs
  10. Personalisierte Webseiten
(via Loïc Le Meur )

Montag, 10. September 2007

Dilbert und das Web 2.0

Meetings, die Seuche unseres modernen Arbeitslebens. Quatschen, delegieren, Projektleitung schaffen, Projektteams gründen. Und jede Menge Geschwurbel – von mir auch gelegentlich als „PowerPoint-Blasen“ (1, 2) gebrandmarkt (offenbar hat da die letzten zwei Wochen niemand den Kommentarspam weggeräumt, ich darf ja nicht mehr). Im sonst verdammt komischen „Dilbert“ wird nun eine neue Bullshit-Variante vorgeführt: Wie man jedes Meeting sabotiert, indem man eine Diskussion über das Web 2.0 entfesselt. Ich find's nur leidlich witzig, aber die US-Blogosphäre amüsiert sich köstlich darüber.

Update: Und „Strizz“ in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zum Theme Firmenblogs. (via Rivva)

Alan Greenspans One-Night-Stand

Bei manchen Menschen reicht eine gehobene Augenbraue, um Aktienkurse zu gefährden, und auch wenn Alan Greenspan schon länger nicht mehr für die US-amerikanische Notenbank spricht, können seine Kommentare immer noch die Märkte erschüttern. Und jetzt bloggt so ein Alphaökonom. Bei Amazon. Als Werbung für sein am Montag erscheinendes Buch „The Age of Turbulence“. Doch wie die „New York Times“ heute meldet, bleibt es trotz RSS-Feeds wohl bei seinem ersten und bislang einzigen Blogeintrag vom 31. August. Womit sich Greenspan in eine Liga mit Dürrlogs wie den Schwabylon-Blog begibt.

Condé Nasts Lieblingsblogger

Unter den Modeblogs ist The Sartorialist der vornehm Zurückhaltende: Ein Bilderblog ohne jede Häme, frei von Klatsch, mit nicht viel mehr als eleganten Bildern attraktiver Passanten in New York, Stockholm oder Mailand. Streetwear mit Pfiff. Nun hat The Sartorialist, der bereits für Condé Nasts „GQ“ als Kolumnist und style.com als Gastblogger arbeitet, CondeNet erlaubt, den Anzeigenverkauf für ihn zu übernehmen und außerdem eine Kampagne für das Condé Nast Magazin „Lucky“ geschossen (siehe Foto). Auch da blieb er seinen Prinzipien treu: Mädels von der Straße, die ihre eigenen Outfits tragen.

Weihnachten im September

Diesen schönen Oldmobile wird es morgen wohl kaum zu sehen geben, wenn Louis Vuitton seinen X-Mas Press Day abhält. Andererseits weiß man bei Marc Jacobs nie, womit er einen überrascht...

Le Monde 2.0

Gestern hat die französische Tageszeitung „Le Monde“ ihre Newscommunity Le Post unter dem Slogan „Le mix de l'info“ gestartet. Meldungen, Fotos und extern bei YouTube oder Dailymotion gehostete Videos bilden eine Nachrichtenplattform, zu der Mitarbeiter, eingeladene Experten, aber auch User beitragen können. Die Homepage kann personalisiert werden, indem man bevorzugte Ressorts, Tags oder Autoren auswählt. Mit Absicht läßt die nicht sonderlich elegante Website auf den ersten Blick keine Verbindung zum Stammhaus erkennen. Zum einen wolle man damit eine jüngere und größere Zielgruppe erreichen als die elitäre Tageszeitung, vor allem aber gibt es wohl Befürchtungen, ihr Renommé durch ein Produkt zu beschädigen, das nicht journalistisch geführt wird. In einer Ankündigung weist „Le Monde“ ausdrücklich darauf hin, daß die Website ohne jede Zusammenarbeit mit der Mutteredaktion entwickelt worden sei. „Le Monde“ selbst bietet online bereits Foren, Blogs, Chats und „interaktive“ Artikel (via rue 89)

Apple will mit iTunes-Update nur Kasse machen

Zwei iTunes-Updates binnen weniger Tage? Mittwoch gab es eine neue Version mit dem ringtones builder, der es iPhone-Besitzern ermöglicht, bei iTunes erworbene Songs für weitere 99 Cent in einen Klingelton umzuwandeln. Doch dieses Wochenende forderte mich die Software-Aktualisierung plötzlich auf, schon wieder eine neue Version herunterzuladen. Ohne groß zu erklären, wieso. Ich dachte erst, mein PowerBook spönne und hätte das letzte Update vergurkt. Aber ein kleiner Blick auf die Versionsnummer widerlegte das. Dann ging ich von einem Patch aus, um eine Sicherheitslücke zu schließen. Dabei ging es eher um eine Verdienstlücke.
Findige Mac-User hatten schnell herausgefunden, wie man bereits erworbene Songs in Klingeltöne umwandeln kann, ohne sie doppelt bezahlen zu müssen. Und mit der neuen iTunes-Version schloß Apple diese Lücke – nur um inzwischen wieder mit neuen Tricks konfrontiert zu werden, die es erneut erlauben, bereits erworbene Songs legal umzuwandeln, ohne Apple dafür ein zweites Mal Geld in den Rachen zu schmeißen. Dieses Rennen zwischen Hase und Igel müßte mich erst interessieren, wenn das iPhone auch im deutschen Markt angeboten wird. Aber es gibt mir schon zu denken, daß ich von Apple angebotene Software nicht mehr guten Glaubens herunterladen kann, ohne vorher zu recherchieren, welche Folgen es hat. (via Webbalert).

Sonntag, 9. September 2007

Jack Bauer wechselt die Seite: 24 bei Pro Sieben

Bye-bye RTL 2: Wie der „Kontakter“ morgen meldet, hat die Pro Sieben Sat.1 Gruppe die Rechte an der sechsten Staffel von „24“ erworben. Wer nicht so lange warten will, bis die Serie hier ausgestrahlt wird, kann ab dem 5. November die neue Staffel in England auf DVD erwerben. Sammelbestellungen nehme ich ab sofort entgegen.

Updates: Der Deal mit Pro Sieben Sat.1 ist langfristig angelegt und umfaßt auch noch die Staffeln 7 bis 12!

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ meldet, wird Pro Sieben die sechste Staffel von „24“ ab dem 23. Juni jeweils montags um 22.15 Uhr in Doppelfolgen ausstrahlen.

Die ersten Minuten der 2009 startenden siebten Staffel.

Agitprop bei Anne Will?

Zur Zeit kann man Anne Will kaum aus dem Weg gehen: In nahezu jeder Zeitung, jedem Magazin kommt sie zu Wort, und man liest alles, was man nie über sie wissen wollte. Sympathischerweise scheint sie selbst nicht viel anders zu denken. Aber beim Flash Mob gegen die Bahnprivatisierung gestern hätte ich sie wirklich nicht erwartet. (Update: War sie auch nicht, sondern Helge Zobel, der Onliner ihrer Redaktion.) In ihrem (?) Blog verrät sie Zobel nun, daß sie er vom Flash Mob im Berliner Hauptbahnhof hörte und ihn unbedingt sehen mußte. „Bemerkenswert bei dem Menschenauflauf war aber, dass sich nicht nur 'die üblichen Verdächtigen' (jung, bunt und mit Dreadlocks) beteiligt hatten, sondern ein ganz passabler Querschnitt der Gesellschaft: Schüler und Studenten, Familien mit Kindern, die so gennanten 'Best Ager' sowie Oma und Opa. Alle fahren Bahn und wollen nicht, dass sich ihr Verkehrsmittel künftig den Gesetzen der Börse beugen muss. Die Bahnprivatisierung wäre eigentlich auch ein gutes Thema für ANNE WILL. Was meinen Sie?“

Comeback der Kafiya (9)

Einen neuen Höhepunkt erreicht die (innerredaktionelle) Diskussionskultur in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: Nach Anke Schipps ganzseitiger Erörterung, ob ein Palästinenserschal heute noch politisch korrekt wäre, antwortet ein ripe vom „F.A.S.“-Feuilleton diesen Sonntag in aller Kürze: „Wer heute noch Palästinensertücher trägt, ist doof. Auch wenn er homosexuell ist.“ Sind wir unter präpubertierenden Teenies auf dem Schulhof oder was?

Petit déjeuner musical (35)

Mehrere Wochen habe ich gewartet, ob nicht doch noch das eine oder andere Video von ihr online geht, aber jetzt will ich sie Euch nicht länger vorenthalten. Auf ihrer MySpace-Seite sind drei verführerisch anschmiegsame Balladen und Chansons: „Barry White“, „Cinéma“ & „Toutes vos aventures“, zumindest zu hören. Und wer Fredda alias Frédériqe Dastrevigne sehen will, hat heute abend in Karlsruhe dazu Gelegenheit. Danach folgen Auftritte in Berlin, Leipzig, Hamburg, Trier, Aachen, Düsseldorf und Erlangen. Am 19. September heißt es dann in der Roten Sonne, München: Messieursdames, Fredda!

Samstag, 8. September 2007

Erste Bilder vom Flashmob gegen die Bahn

Der Flash Mob gegen die Bahnprivatisierung war eher spärlich besucht... Attac spricht von etwa 2000 Teilnehmern in bundesweit „mehr als 50“ Bahnhöfen. Erste Bilder aus Münster bei flickr online. Fotos aus Berlin, Hamburg, Münster und Regensburg bei attac. Video aus dem Berliner Hauptbahnhof via Readers Edition:


Link: sevenload.com

Updates: Presseerklärung von Robin Wood mit Fotos aus Hamburg. Protokoll mit einem Bild aus Berlin. Kurzer Bericht im „Manager-Magazin“. Die Grüne Jugend in Köln (Blog, flickr). Indymedia spricht von ca. 1500 Teilnehmern in über 35 Bahnhöfen, dpa von 30 Bahnhöfen. Bilder auf DeineBahn.de. Anne WillDer Onliner der „Anne Will“-Redaktion war auch dabei, fand's interessant und will womöglich eine Folge ihrer neuen Talkshow dem Thema widmen. Ein Radiobericht bei Indymedia. Bilder aus Stuttgart. Fotos aus dem Münchner Hauptbahnhof.

Tomorrow sucht Redakteure und Grafiker

Ende Juni hat der Kress-Report gemeldet, daß „Tomorrow“ ab Januar an die „Super-Illu“ andocken und von München nach Berlin umziehen wird. Wie vermutet gehen da offenbar nicht alle Mitarbeiter mit, denn heute sucht Burda im Stellenmarkt der „Süddeutschen Zeitung“ Grafiker und Redakteure, „für die Blog, Podcast, Mashup, Avatar, RSS-Feed, Wiki, iPhone, Full HD, DSLR ect. keine Fremdwörter sind“. Die Anforderungen sinken...
Update: „Laut dem Branchenmagazin 'Kontakter' stehen Konzept, Zielgruppe, Layout und Format auf dem Prüfstand.“ Turi2

Warum feiert jetzt.de eine Blogleiche?

Wenn Dirk von Gehlen öffentlich auf das Blogstipendium seiner jetzt.de-Redaktion angesprochen wird, druckst er nur herum, läßt aber erkennen, daß er mit dem Ergebnis nicht so recht zufrieden war. Statt nun – wie ursprünglich geplant – weitere Stipendien zu vergeben, ruft die Jugendfraktion der „Süddeutschen Zeitung“ daher dazu auf, Deutschlands besten Blog zu küren. Unter den 25 Kandidaten sind die üblichen Verdächtigen wie Robert Basic, BILDblog, Donna, Udo Vetter, die Popnutten, Riesenmaschine, Spreeblick, Wirres, aber auch der Isarstadt-Blog, den ich immer sehr gern gelesen habe. Habe! Denn so wie Markus Walter (mawa) seine jetzt.de-Kolumne nach einer (oder zwei?) Veröffentlichungen sein ließ, liegt auch sein Isarstadt-Blog seit dem 1. August, also rund sechs Wochen brach. Bei allem Lokalpatriotismus ist es seltsam, eine Leiche bei einem Schönheitswettbewerb zu nominieren. Es sei denn, mawa ließe sich so dazu bewegen, wieder loszulegen. Dann würde ich ausnahmsweise den Berufsjugendlichen vom Rindermarkt sogar dankbar sein.
Updates: Maingold, Revierflaneur, Pottblog , neunetz.com, Coffee And TV, Robert Basic, Blogschrott.net dazu. (teils via Rivva, das meinen Beitrag, immerhin einer der ersten überhaupt, ignoriert...)

Freitag, 7. September 2007

Tödlicher Orgasmus

Ein kleines Schmankerl bevor es auf ins Nachtleben geht: Monica Bellucci und Clive Owen in „Shoot 'Em Up“ (deutscher Kinostart:
20. September).

Aaaeeeooo


Da schwingt selbst Tarzan ins Leere... Sehr schöne dänische Kampagne des WWF – World Wild Fund for Nature gegen die Abforstung des Regenwalds. (via Neomansland)

Scarlett Johansson goes around...comes around

Scarlett Johansson hat offenbar die Arbeit an dem neun Minuten langen Videoclip zu Justin Timberlakes „What Goes Around...Comes Around“ so sehr genossen, daß sie dessen Regisseur Samuel Bayer für ihren nächsten Kinofilm „Brilliance“ verpflichten ließ. Aber diese Meldung ist natürlich nur ein Vorwand, um den Musikclip hier plazieren zu können. Enjoy it, enjoy her! (via MTV Movie Blog)

IBM-Mitarbeiter streiken in Second Life

Das Spannendste an Second Life war für mich stets die SL Liberation Army in ihrem fantasiereichen wie subversiven Kampf gegen die Linden Research Inc. Ansonsten nur viel Abzockerei und inhaltsleerer Hype, bis ich heute von dem charmanten Aufruf hörte, IBM-Mitarbeiter zu einem Streik in Second Life zu bewegen. Nicht umsonst ermunterte IBM Ende Juli seine Angestellten: „IBM encourages its employees to explore responsibly – indeed, to further the development of – new spaces of relationship-building, learning and collaboration.“ Ich denke zwar, daß ein Streik am richtigen Arbeitsplatz effektiver wäre, aber das muß ja auch nicht einander ausschließen. (via Loïc Le Meur)

Tila Tequila kriegt Fernsehshow

Alleine schon ihre 2 Millionen MySpace-Freunde böten eine solide Zuschauerquote: Starlet 2.0 Tila Tequila erhält jetzt auf MTV ihre eigene Dating-Show, und damit es nicht ganz so fade wird, laufen die zehn Folgen unter bisexuellem Banner: 16 Kerle und 16 Lesben wetteifern um die Gunst der 25-jährigen in L.A. lebenden Vietnamesin. Nach Hollywood-Blogger Perez Hilton schon der zweite Web-2.0-Star, der es zu Mainstream-Fernsehwürden bringt und beweist, daß Umtriebigkeit im Netz alle anderen Mängel ausgleichen kann. (via The Huffington Post)









Rich doch käuflich

Morgen erscheint die erste reguläre Ausgabe des Edel-Spam-Magazins „Rich“ und wie Andreas Wrede gegenüber der „Welt“ verriet, wird das Blatt auch gegen Geld erhältlich sein. 100.000 ausgewählte Bestverdienende erhalten das Heft zweimal unaufgefordert zugesandt und können es dann für 84 Euro im Jahr abonnieren, während im November dann die nächsten 100.000 Reichen kostenlos bedient werden. Innerhalb eines Jahres ist die Adreßdatei dann abgeklappert. Fängt man dann von vorne an oder gibt's „Rich“ dann nurmehr gegen Kohle?
Und welche spannenden Heftthemen entgehen uns armen Schluckern? „In der ersten Ausgabe verrät Werner Baldessarini im Interview, woran man einen Mann mit Stil erkennt und warum Jamiroquai und Jude Law für ihn Mode-Ikonen sind. Weitere spannende Persönlichkeiten, die in der ersten Ausgabe von RICH einen Einblick in ihre ganz eigenen Themen- und Lebenswelten gewähren, sind u.a. das weltberühmte Künstler-Ehepaar Christo & Jeanne-Claude, der Interior Designer Thái Công sowie die Rennfahrer-Legende Hans Herrmann. Der langjährige Mercedes-Werksfahrer testet exklusiv für RICH den Supersportwagen Mercedes SLR. Die neuesten Fashion-Highlights für den kommenden Herbst inszenieren die Top-Fotografen Craig McDean, Oskar Falk, Ralf Pülmanns und Monika Robl in außer-gewöhnlich großzügigen Foto-Strecken - u.a. spielen Sie dabei mit Erinnerungen an nie vergessene Filmgöttinen und -götter der glamourösen 40er Jahre. Und auch die Reise- und Gourmet-Tipps der Erstausgabe sind eine echte Inspiration für Entdecker und Kenner: Das Spätsommer-Reiseziel Moskau, die King Kamehameha Suite in Frankfurt und unentdeckte Champagner-Häuser.“ Gähn!
Update: „Eines hat Rich mit Anzeigenblättern oder Postwurfsendungen jedenfalls gemein: Sie kommen ungefragt ins Haus. Und in solchen Fällen ist der Weg oft kurz vom Postkasten zum Mülleimer.“(„Süddeutsche Zeitung“ vom 8.September zu „Rich“)

Betriebsabsturz statt Bloggertreffen

Einerseits könnte man fast glauben, ich melde mich ständig überall an, um über die Teilnehmerliste Traffic zu grabben und erscheine dann nicht, andererseits ist die Quote doch nicht so ungewöhnlich hoch, wenn man bedenkt, zu wie vielen Events, Konferenzen und Stehrumchen ich täglich eingeladen werde und immer nur guten Gewissens zusage. Gestern mußte ich aber sowohl das Bloggertreffen (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10), als auch den PR-Arbeitskreis von attac München schwänzen. Es war einfach einer dieser Abende, wo ich nur schnell noch einen Fernsehbeitrag zur Basic-/Lidl-Problematik per Eye-TV mitschneiden wollte, bevor ich aufbreche, und mein PowerBook sich derart renitent verhielt, bis ich es vor Wut schlug. Das Ergebnis: Mein Mail-Programm ist unwiederbringlich abgerauscht und muß komplett neu installiert werden. Der Computer funktioniert aber scheinbar wieder. Heute morgen wollte ich mein Glück erneut wagen, aber statt „Quer“ zu wiederholen, strahlte das Bayerische Fernsehen den Papstbesuch in Österreich aus. War aber eh unnötige Liebesmüh, da der BR den Beitrag längst online (direkte Real-Player-Links: ISDN, DSL) hat. Den Trip zum Jonettag-Mediacamp morgen habe ich immerhin rechtzeitig abgesagt. Doch für das Hamburger Start-up-Meeting, den Online-Stammtisch 2.0 und das Barcamp München schwinden meine Teilnahmechancen auch, falls ich nächste Woche tatsächlich meinen neuen Laden aufmache, aber dazu demnächst mehr.
Update: In ihrer positiven Besprechung des BR-Magazins „Quer“ kritisiert Ponkie in der „Abendzeitung“ vom 8. September den „falschzüngigen Öko-Kapitalismus der Supermarktkette-Lidl“.