Donnerstag, 1. Januar 2026

Erinnerungen an meinen Vater (1) Ion Popa aka Ion Măgureanu

Mit Geburtstagen und Weihnachten verbinde ich keine schönen Erinnerungen, ich habe sie schon als Kind gehasst. Aber Silvester war etwas anderes. Weil ich da zündeln durfte. Und wohl auch weil mein Vater an einem 1. Januar geboren wurde, Neujahr also sein Geburtstag war und wir Silvester hineingefeiert haben, auch wenn mein Vater zumindest im Alter niemand war, der irgendetwas groß gefeiert hätte.

Am 1. Januar 1913 ist mein Vater im rumänischen Focșani geboren worden, der Kreishauptstadt von Vrancea im Westmoldauischen. Er war also schon 48 Jahre alt, als ich 1961 geboren wurde. Meine Mutter 39. Ich war, nach zwei 1952 und 1953 geborenen Brüdern das Nesthäkchen. Zwischendurch hatte meine Mutter abgetrieben. Und dass ich überhaupt zur Welt kommen durfte, ist ihrer Hoffnung auf ein Mädchen geschuldet, das Dorina heißen sollte. Es wurde stattdessen der dritte Sohn, das a gestrichen und ein Dorin daraus.

So wild und bewegt das Leben meines Vaters in den 1930-er und 1940er-Jahren gewesen sein mag, so sehr er im französischen Exil der späten 1940-er und 1950er-Jahre ums Überleben gekämpft haben muss, so ruhig und zurückgezogen lebte er dann im nächsten Exilland, in Deutschland, wo meine Eltern nie länger zu bleiben planten. Nächstes Jahr in Paris war die Lebenslüge, mit der ich aufwuchs.

Die letzten Jahrzehnte war mein Vater auch schwer krank, was dazu führte, dass er oft krankgeschrieben war und viel Zeit daheim verbrachte. Meine Brüder waren schon ausgezogen, meine Mutter anderweitig beschäftigt und so verbrachte ich als Kind und Jugendlicher wohl mehr Zeit mit meinem Vater als jeder andere.

Und er erzählte viel. So viel, dass ich dieses Jahr alles, woran ich mich noch erinnern kann, hier aufzuschreiben versuche. Erinnerungen sind natürlich stets mit Vorsicht zu genießen. Die Gespräche liegen 40 bis 60 Jahre zurück. Ich war damals noch ein Kind oder Heranwachsender und habe vielleicht manches nicht nur falsch in Erinnerung, sondern schon von Anfang an falsch oder gar nicht verstanden. Aber so lange ich mich noch überhaupt an etwas erinnern kann,  möchte ich es festhalten. Zumindest für die paar Jahre, bevor Google diesen Blog irgendwann mangels Aktivität löscht.